Mrnationaler Aulturkamps
Von einem Freund unseres Blattes, der journalistisch schon lange in vorderster Linie im Kampfe für die Freiheit der Kirche steht, „ird uns geschrieben:
| Die „Ere Nouvelle", ein französisches, mit Freihenkerkreisen in enger Verbindung stehendes Blatt, von einer internationalen Reaktion gesprochen, unter Führung des Vatikans einsetzen werde.
re Nouvelle" stellt die Dinge auf den Kopf. Nicht 2ne vom Vatikan ausgehende Reaktion droht, sondern ein internationaler K ulturkampf gegen die Kinhe. Die diesjährigen Konvente der G r o ß - löge und des Großorients in Paris mit Aren kirchenfeindlichen Beschlüsien sind nicht nur sür Frankreich von Bedeutung. Sie verdienen auch ! außerhalb Frankreichs alle Beachtung. In den tz ^Beratungen der Konvente wurde immer wieder »NN Ausdruck gebracht, daß ein Kulturkampf, in Krankreich allein geführt, von vornherein zum WMcheltern verurteilt fei. Nie „Rechte" des Staats über die Kirche müßten auch außerhalb der R französischen Grenzen zur Geltung gebracht werden. Also Kulturkampf nicht nur in Frankreich, sondern aus der ganzen Linie; das ist die Parole, die aus den Pariser Maurerkonventen im September ausgegeben wurde.
K Inzwischen nimmt in Frankreich die Auseinandersetzung zwischen Herriot und den Vertretern der Kirche ihren Fortgang. Die französischen Bischöfe appellieren an das katholische Volk. Offenbar offiziös inspirierte Kundgebungen der radikalen und ozialistischen Presse protestieren gegen diese „Volks- mfwiegelung", welche die Autorität der Republik mtergrabe. Die französischen Kulturkämpfer sehen nicht ein, daß jeder Staat, der das Unrecht begeht, die Freiheit der Kirche anzutasten, seine Autorität selbst untergräbt. Sie predigen die Freiheit und knechten die Kirche; sie reden von „Gleichheit" und die Katholiken Frankreichs drücken sie zu Parias herab; sie sprechen von „Brüderlicksteit" im internationalen Leben und züchten in der eigenen Nation Feindschast und Haß. Wir hoffen, das katholische Frankreich wird diesen neuen Ansturm der Freidenker auf die Kirche erfolgreicher abschlage» als den früheren. Das kirchliche Leben ist in den letzten Jahren zu neuer Blüte erwacht, nur die politifche Sammlung der kirchentreuen Katho- fifen wurde verabsäumt. Wird es gelingen, das Versäumte nachzuhvlen? Die Stimmen mehren sich, die nach einer starken katholischen Partei rufen. Was könnte diese gerade jetzt der Kirche in Frankreich für Dienste leisten!
Während nun die französischen Katholiken eine einflußreiche politische Vertretung in der Kammer schmerzlich vermiffen, gibt es bei uns inDeutsch- ka n d Leute, die nichts Besseres zu tun wissen, als das Erbe der Windthorft, Mallinckrodt und Reichensperger zu zerschlagen. Sieht man denn nicht die Kulturkampfswolken, die sich immer drohender am politischen Horizont in Deutschland zulammen- ballen? Es ist nichts als gefährliche «Selbsttäuschung, den Ernst der Lage zu verkennen. Immer mehr entpuppt die völkische Bewegung ihren aggressiven, romfeindlichen Eharakter. Die Reden, die z. B. Ludendorff in den letzten Monaten bei den verschiedensten Gelegenheiten gehalten hat, gipfelten samt und sonders in einer Kampfaniage gegen Rom. Die antirömische Stimmungsmache, die dem Kulturkampf der siebziger Jahre vorausging, ist ein Kinderspiel gegen die Agitation, die heute gegen Rom und den Katholizismus betrieben wird. Und da sollen wir großmütig Verzicht leisten auf die politische Einheit des katholischen Deutsch- Sanfc? Welche anderen Parteien als Zentrum und Bayerische Volksvartei sind heute überhaupt gewillt, ernsthaft für die bürgerliche Toleranz gegenüber den Katholiken und für die Freiheit der Kirche in Deutschland einzutreten?
Wir meinen, jeder Katholik, der nicht mit Wind- heit geschlagen ist, müßte nichts sehnlicher wünschen, als die p o l i t i s ch e E i n h e i t des gesamten kath Deuffchland wiederhergestellt zu wißen. Wir dürfen uns politisch nicht noch mehr zerspittern, wenn wir dem drohenden Ansturm der Kirchenfeinde gewachsen sein wollen. Die Lage ist zur Zeit ernster Henn je, und wer hier zerstreut, statt zu sammeln, |Erfünbigt sich an den Interessen des kathollschen 'vlkes und der Kirche.
Die Faszisten.
In einer Vorstadt von Genua wurde ein katho-, kifches Vereinslokal nachts von Unbekannten geplün
dert. In Piacenza starb ein katholischer (Seift« lieber,* der in den letzten Tagen von Faszisten verprügelt wurde, an den erlittenen Verletzuncen. Nack dem ,Popolo d'Jtalia' beläuft sich die Zahl der in der Provinz Piacenza von den Fascisten verprügelten Geistlichen auf 36.
fltss dem lkachbarge'net.
---- Weyhers. Mit berechtigtem Stolze und großer Genugtuung kann der hiesige Kriegerverein auf die Einweihungsfeier des Denkmals für unsere gefallenen Helden zurückblicken. Ein Ehrenmal für unsere Kameraden sollte es sein, eine Verherrlichung der deutschen Treue zur Mahnung und Erinnerung an kommende Geschlechter. In künstlerischer Vollendung hat der Pildhauer (Sehr. Fleck, Fulda) diesen Gedanken formvollendete Gestalt verliehen. Bei leichtanfteigendem Gelände erhebt sich nahe an der Schule, durch eine der Umgebung gut angepaßte Steinmauer eingefriedigt, eine 5 Meter hohe Pyramide, die ihren Abschluß in einem Kreuze findet. Der Sockel trägt die auf einer Marmorplatte in Goldschrift die Namen der 36 Gefallenen. Das Mittelstück enthält ein Relief: Ein Krieger in Feldausrüstung in stummer Andacht am Grabe feines gefallenen Kameraden. Zerschossene Fichten und Wagenteile verstärken den Eindruck. Das Bild in seiner Einfachheit und strengen Linienführung redet eine gewaltige Sprache und nimmt den Beschauer gefangen. „Treue für Treue" und „ich hatt' einen Kameraden", so steht auf dem Denkmal. Noch stehen wir alle unter dem Eindrücke der tiefernsten, herrlichen Worten, mit denen der hochw. Weiheredner, Herr Studienassessor Pfeiffer, dem Denkmal seine Deutung gab. Roch einmal zog der Krieg an uns vorüber, aber in einer schönen Gestalt, dein Bilde der treuen Pflichterfüllung und Kameradschaft, die keinen Unterschied kennt zwischen Arm unb Reich, zwischen Hoch und Niedrig, die alle Konfessionen und Stände in brüderlicher Liebe umfaßt. — Dank ihm für seine schönen Worte, aber Dank auch allen, die mit halfen, daß dieses Kunstwerk, das dem ganzen Dorfe zur Zierde gereicht, entstehen konnte. Ganz besonderen Dank dem Denkmalsausschuß und seinem rührigen Vorsitzenden Herrn Schmiedemeister Alsheimer, dem kein Opfer an Zeit und Geld zu groß war, das Denkmal feiner Vollendung zuzuführen. Wir alle ober wollen die Sprache des Denkmals nicht vergessen und nach dem Beispiele unserer toten Helden treu unsere Pflicht tun. Durch kameradschaftlichen Geist, durch Friede und Einigkeit im Dorfe wollen wir mitbelfen am Aufbau des Vaterlandes, damit es bald wieder wahr werde, was wir am Schluffe unserer Feier begeistert sangen: „Deuffchland, Deutschland über alles."
— Hünfeld. Am Sonntag abend hielt Herr Dechant L e y im großen Saale des Meister- und Gesellenvereins einen sehr interesianten Vortrag über seine Teilnahme am Eucharistischen Kongreß in Amsterdam, der in seiner Organisation und seinem harmonischen Verlauf einzig dasteht. Der Vortrag wurde durch zahlreiche Lichtbilder erläutert und fand den Beifall der zahlreich erfchienenen Zukwrer.
---- Schlitz. Nach der letzten Personenstandsaufnahme vom 10. Oktober beträgt die Zahl der hiesigen Einwohner 2719 und zwar 1299 männliche und 1420 weibliche Personen. Hiervon gehören 2596 der evangelischen, 79 der katholischen und 44 der israelischen Konfession an.
— Lauterbach. Die hiesige katholische Vfarr- stelle soll wieder besetzt werden und zwar ist dem Vernehmen nach Herr Pfarrer Schratt aus Ruhlkirchen (Kr. Alsfeld) in Aussicht, genommen.
---- Wächtersbach. Jin hiesigen Dampffägewerk kam der 62jährige Schreinermeister Oeftreicher von Hellstein der Transmission zu nahe. Er wurde von dieser erfaßt und erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf starb.
D Hanau. Der 27 Jahre alte Musiker Rudolf Echt aus Wien stand vor dem Schöffengericht Hanau. Er hatte sich als ehemaliger österreichischer Rittmeister ausgegeben, den Doktortitel unberechtigt geführt und Ordensbänder ihm nicht verliehener deutscher und österreichischer Orden getragen. Zuerst betrieb er in Mainz den Handel mit Klavieren, dann arbeitete er großzügiger. In Wiesbaden wollte er im Oktober v. I. eine Bank gründen und 10 000 Dollar einzahlen. Dann verhandelte er mit dem Direktor einer Kölner Aktiengesellschaft über den Ankauf einer Fabrik und gab
M 249»
Freitag, 24. OrLvstrr -924.
Schwester LiefeloN.
Novelle von Felix Reumann.
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„Run ja, gewiß, niemand von uns will abseits stehen, wo alle Hände gebraucht werden, aber bei Ihnen ist das doch etwas ganz anderes, was man nicht recht in Worten kMSdrücken tarnt. ©ie sind mit dem Herzen dabei, einem Herzen, das nie müde wird im Trost und im Hckssn. Wieviel Trauriges fielst man hier, das muß einem ja die Seele zufarnmenfchnüren. Und doch behält man die Zeit, unter de» vielen, vielen, die hier schon ein- und ausgingen, täten Gast, wie Herrn o. Schlehdorn nicht zu vergessen."
Lieselott bfitfte wieder in den Park und ein eigentümlicher Glanz lag in ihren sprechenden Augen. SM iund sinnend sagte sie: „Ja — ja, man wird noch lange Heiner gedenken."
Und die Pflegerin fuhr fort: „Aber viel Arbeit haben Sie mit ihm gehabt, Schwester. Als er im Frühling ankam, barmherziger Himmel, eben aus dem Lazarett hierher entlassen, wo man seine Wunde heilte, da glaubten wir nicht, daß er je wieder gesund werden könnte. Das sind nun fünf Monate her--."
„Ja — fast ein halbes Jahr. Das war ein heißes Ringen mit dem Tod um ein Opfer, das er schon fest in den Händen zu hallen glaubte, und — wir haben gesiegt!"
„Unser Doktor und Sie, liebe Schwester, und so Gott will tut nun die Waldiust das übrige. Roch ist Herr vcm Schlehdorn nicht'über den Berg. Er sieht schlecht aus, wenn er sich auch zur Heiterkeit zwingt, und gerade in den letzten Tagen--"
Schwester Lieselott legte hastig ihre Hand auf ixen Arm der Pflegerin.
„Ist Ihnen das auch aufgcfallen?"
„Aber da müßte man ja blind sein. Als ob eine schwere Last ihn drücke, so geht er am Stocke umher, und so viele Briest habe ich ihm gebracht, immer dieselbe DamMjppichstriit aus BreÄstu
Und Lieselott stchr sich leicht mit der Hand über die Augen: „Er leidet körperlich und seelisch, wie soll man da ganz gesunden."
In diesem Augenblick rotes die Pflegerin in den Park hinab, wo man eine vornehme, weißhaarige Dame den Kiesweg entlang kommen sah.
„Besuch! Aus Wiedeffehen, Schwester."
Lieseloit rief der Davoneilenden nach: Bestellen Sie bitte Herrn o. Schlehdorn, ich käme sofort zu seiner Untefftützung."
Dann ging sie der Dame auf die Terrasse entgegen, wo sie mit Fran Geheimrat Zaubert zusammentras.
Beide Hände streckte bie Matrone dem jungen Mädchen entgegen.
„Ah, Schwester Lieselott! Ich komme etwas früher, als verabredet war, aber mir wurde es zu eng im Hotelzimmer, und der herrliche Tag trieb mich hinaus. Der Herr Doktor ist wolst noch dsschäfticst?"
Lieselott geleitete Frau Taubert zu einem der Sessel, in den die Dame mit einem leisen Seufzer niedersank. Das schneeige Haar umrahmte ein Antlitz von seltener Herzensgüte und Abgeklärtheit, und von der ganzen Erscheinung ging ein Hauch der Vornehmheit aus, die innerlich und äußerlich gleichmäßig zum Ausdruck kommt. Sie glich einem jener alten Bilder, wie man sie in Galerien oder Patrizierhäusern antrifft, die tn der modernen Umgebung so ruhig und abgeklärt wirken.
Lieselott nahm Frau Taubert den Sonnenschirm aus der Hand. „Herr Doktor Haart hat mir aufgetragen, ihn sofort zu rufen, sobald die gnädige Frau kommt." Bei diesen Worten wandte sie sich zum Gehen, aber die alte Geheimräün haschte nach ihrer Hand und hielt sie fest.
„Ach — bitte bleiben Sie noch einen Augenblick bei mir, liebes Kind. Ich möchte etwas mit Ihnen besprechen."
Und dem sanften Drucke folgend, nahm Lieselott neben der Dame Platz.
„Meine liebe Schwester! Es ist heute nicht das effie- mal, daß wir uns sehen und sprechen. Sie haben ja in der ganzen Zeit, da mein künftiger Schwiegersohn hier im Sanatorium weilt, feine Pflege in Händen gehabt."
Zeitung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda
an, eine Million Goldmark vorschießen zu können. Seine finanziellen Hintermänner feien französische Industrielle. Von Hanau aus begab er sich im Auto nach Nürnberg, um eine Villa zu kaufen. Hotel- und Autorechnung wurden mit ungedeckten Schecks bezahlt. In Koblenz war ein Regierungs- und Baurat fein Freund geworden, der ihm blind vertraute. Da der Regierungsrat abgebaut werden sollte, erhielt er die Aussicht auf eine leitende Stelle in dem Unternehmen des Echt. Da er aber in Koblenz den Echt als Delegationsrat bei der hohen interalliierten Kommission bestätigt hatte, als auf der Bank 10 Dollar abgehoben werden eilten, muhte auch er vor das Schöffengericht und erhielt 100 M Geldstrafe. Echt wurde mit 1 Jahr 3 Monatne Gefängnis bedacht.
— Rinteln. Die Feier des 25jährigen Drteiubuaums des Herrn Pfarrers Lins daff als besonderer Gedenktag in der Geschichte der kacholischen Pfarrei Rtnieln verzeichnet werden. Den einzelnen Veranstaltungen gab die Liebe und Dankbarkeit der Gemeinde zu ihrem lang, jährigen Seelsorger das besondere Gepräge der Warme und Herzlichkeit. Durch einen stimmungsvollen Vortrag gemischter Chöre durch den Kirchenchor wurde am Gams- tag abend bie Feier eingeleitet. Am Sonntag morgen wurde der Jubilar in feierlicher Prozession aus dem Psarrhause abgeholt und zur festlich geschmückten Kirche geleitet. Als Vertreter der Behörden nahmen Landrat Dr. M o e w e s und Bürgermeister Dr. Wachsmuth an dem Gottesdienste teil. Der Neffe des Jubilars, Herr Kaplan L i n s-Fulda, hielt die Festpredigt. Im Laufe des Tages brachten der Kirchenvofftand, Behörden, die Geistlichkeit der evangelischen Gemeinde und viele aus Stadt und Land ihre Glückwünsche dar. Am Sonntag abend wurde im „Schaumburger Hof" eine weitlcche Feier abgehalten. die so gut besucht war, daß der Saal die Zahl der Besucher nicht fassen konnte, tterr Amtsgerichtsrat Dannhausen begrüßte die Erschienenen und führte aus, daß die kath Gemeinde dem Jubilar zu großem Dank verpilichtet sei für das, was er in den 25 Jahren getan habe. Er habe sich überall Freunde erworben und die Gemeinde bringe ihm einen Dantes. strauß aus Siebe, Gehorsam und Treue. In herzlichen Worten gedachte er auch des zweiten Jubilars, des Herrn Küster Has b ach, der dem Herrn Pfarrer durch alle Jahre heu gedient hat. Herr Kantor Beck ergriff darauf das Wort zur Festrede, in der er zunächst den herz- lichen Dank der Gemeinde dem Jubilar abstattete. 25 Jahre Priester in der Diaspora, wieviel Arbett, Sorgen und Mühen, aber auch wieviel Freude und Segen des Herrn. In einem Rückblick zeichnete der Redner ein Bttd von der reichgesegneten Wirksamkeit des Herrn Pfarrers. Der Hochwürdigste Herr Bischof von Fulda hatte ein Schreiben übersandt, in dem er dem Jubilar die oberhiriliche Anerkennung und den Ausdruck wärmsten Dankes für die opfervolle Hingabe an fein Amt auf dem schwierigen Posten in der Diaspora, seine herzlichen Glückwünsche übermittelte, herzliche Worte der Anerkennung und des Dankes fanden Landrat Dr. M o e w e s für die Staatsbehörden und Bürgermeister Dr. W a ch s m u th für die Stadt. Herr Pfarrer B i l z-Oberkirchen überbrachte die Grüße und Wünsche seiner Gemeinde und dankte besonders für die väterliche Hilfsbereitschaft und yreunb- schast, die ihm der Jubilar jederzeit erroiefen habe Namens der Jugend sprach KaplanS e i f e r t, der Präses des kath. Jung'ingsvereins, der für die Siebe und Dankbarkeit der Jugend beredte Worte fand. Zwischen den einzelnen Aussprachen sang der von Herrn Schwane trefflich geleitete Kirchenchor und eine kleine Hauskapelle füllte die Pausen aus. Die Knaben und Mädchen der katholischen Schule veranstalteten reizende Dafftellungen, die stürmischen Beifall fanden. Herr Pfarrer Sins dankte in einer längeren Rede für alle Ehrungen. In feinen Dankesworten an die Vertreter der Behörden führte er aus. daß er in den 25 Jahren das Wohlwollen der Behörden und die Freundlichkeit der evangelischen Bürgerschaft in reichem Maße erfahren habe. Sei man auch durch den Glauben getrennt, so sei man durch Bande der Siebe und des Friedens desto enger verbunden.
= Höchst. An der Grenze bei Nied gerieten dieser Tage die Mitglieder einer Zigeunerhorde miteinander in Streit, wobei natürlich auch der Revolver eine nicht unerhebliche Rolle spielte. Das Schießen aber lockte wieder die Franzosen an, und so kam es, daß man die ganze braune Schar dem französischen Kreisdelegierten zuführte.
— Limburg. An der Strecke nach Eschhofen wurde die Leiche eines jungen unbekannten Mannes zwischen den Schienen aufgefunde«. Der Kopf war glatt vom Rumpf getrennt. Der Tote trug langes blondes Haar.
— Limburg. In Camberg ist im Alter von 87 Jahren Fräulein Adele Lieber, die Schwester des früheren Führer der Zentrumspartei Dr. Lieber (Camberg) gestorben. Sie war eine stille Wohltäterin und lanaiäbrtge Vorsitzende des Elisabeth-Vereins.
= Dillenburg. Den Dieben, die seit Monaten auf der hiesigen Station D i e b st ä h l e in größerem Umfange ausführten, ist man jetzt auf die Spur gekommen. Die Eifenbahnkriminalpolizei verhaftete bereits mehrere Personen.
— Wiesbaden. Der von hier ausgewiesene Regierungsrat Dr. Branae wurde auf Anordnung des
Ministeriums des Innern mit der vertretungsweisen Verwaltung des Landrat samtes Hofgeismar betraut. Dr. Prange war von den Franzosen zu fünf Jahre Gefängnis verurteilt worden von denen er 19 Monate verbüßte. Nach seiner Frei» lassung wurde er ausgewiesen.
— Eisenach. Das hiesige Schöffengericht verurteilte den Schlößer Hunstock der mir anderen Mittätern etwa 20 schwereEisenbahndiebstähle verübt hat, zu fünf Jahren Zuchthaus. Der Verurteilte verbüßt zur Zeit eine 15 jährige Zuchthausstrafe wegen eines bei einem Fluchtversuch versuchten Mordes.
= Aus Thüringen. In Triptis ist der Geschäftsführer der Edeka mit 2000 M flüchtig gegangen. — Bei dem Versuche, eine abgerissene Lichtleitung wieder zu befestigen, wurde in Gold- lauter der 33 Jahre alte Schaukelbudenbesitzer Meier aus Nürnberg vom Strom getroffen. Er stürzte von der Leiter und war sofort tot. — In Koburg wurde ein junges Mädchen, daß sich beim Zusammenstoß eines Personenzuges mit zwei Leerwagen, der sich infolge falscher Weichenstellung ereignete, auf einem Nebengleise in Sicherheit bringen wollte, von den Leerwagen erfaßt und tödlich verletzt. — In der Nähe von Arnstadt wurde die Leiche eines etwa 24 jährigen jungen Mannes gefunden der Selbstmord verübt hatte, indem er sich, mit Benzin übergossen und angezündet hatte. Auf einem neben ihm liegenden Zettel gab er an, daß er infolge langwieriger Krankheit den Tod gesucht habe. — In Eisenberg wurden unter der Leitung von Gelehrten Ausgrabungen vorgenommen. Es wurden mehrere Gräber fteigelegt, bie aus der jüngeren Steinzeit stammen.
— Von der Weser. Die Bauerngemeinde Polle a. d. W. errichtete ihren im Weltkriege gefallenen Helden noch ein Ehrenmal, das ein Hünengrab darstellt. Entwurf und Ausführung stammen von dem bekannten Frankfurter Bildhauer W. A. Prack. Das sinnige Denkmal steht inmitten uralter Linden und Eschen. Eine Nachbargemeinde von Polle war durch das Denkmal so begeistert, daß sie dem Bildhauer nach Frankfurt schrieb, ihr ein gleiches zv schicken. _________
flu$ Geisa und Umgebung.
= Geisa. Am 3. November wird die Hau s- haltungsschule im hiesigen Institut der Engl. Fräulein eröffnet. Der Lehrplan umfaßt theoretische und praktische Schulung im Kckchen, Nähen, Flicken, Handarbeit, Unterweisung in der Kinderpflege und in der Gartenbestellung. Als Schülerinnen kommen zunächst nur Mädchen vom vollendeten 17. Lebensjahre an in Frage. Für auswärtige Schülerinnen stehen Privatwohnungen zur Verfügung. Schlußtermin für Anmeldungen ist der 1. November. Nähere Auskunft erteilt die Oberin,
Sus GberhessM und den hessischen Aemtern.
— Kirchhain. Im Alter von 76 Jahren starb in Frankenberg Lehrer a. D. A. Bachenheimer, der 38 Jahre an der hiesigen israelitischen Volks- schule gewirkt hat. — Infolge eines Herzschlags ver- schied am Montag morgen der Landwirt Ludwig T h i e I e m a n n. Er gehörte lange Jahre den städtischen Körperschaften an und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. ___________________________
Theater und Musik.
— Eine Händel-Gemeinde in Göllingen. Die Händ^- Opern-Festspiele, die fett dem Jahre 1920 alljährlich m Göttingen stattfinden, haben nunmehr bereits vier Opern Händels für die Bühnen roiebergemotmen. Um bie Festspiele nun auch für die Zukunft zu sichern, hat sich ein» G/meinbe der Händel-Festspiele gebildet, bie, rote bet Ausruf des Kuratoriums befugt, den Zufcunmensckflutz möWchst sämtlicher Händel-Freunde bezweckt. Um Hon» bei hat sich bereits die Leipziger Händel-Gesellschaft seinerzeit verdient gemacht. Interessieren dürste, daß es auch in Boston (Nordamerika) eine „Händel-Society" cr£bt.
— Thealerneubau in Esten. Wie verlautet, beschästt- gen sich bie städtischen Körperschaften in Esten mtt dem Gedanken, ein neues Stadttheater zu bauen. Das jetzige Stadttheater, das zu einer Zeit gebaut wurde, als btt Stadt efft 80000 Einwohner hatte, reicht für die Bedürfnisse der Jetztzeit nicht mehr aus. Essen zählt zur ZeV über 300 000 Einwohner.
1 Tabletten
MW. tn allen ilpothelen u.
p LADrogerien erhÄllich für Mager, Reöner, Raucher
Lieselott nickte mit dem Kopse. „Ganz recht, gnädige Frau."
„Sehen Sie, liebes Kind, wir sind in großer Sorge. Und das Schrecklichste, das ist die Ungeroißheft." Frau Geheimrat Zauberts beide Hände umklammerten die Rechte Lieseloüs, die über die Lehne herabhing. „Geben Sie mir den Trost mit nach Hause, daß der Aufenthalt hier die völlige Heilung brachte, oder doch in guter Aussicht steht. Sie haben den Kranken täglich gesehen, haben beobachtet; nicht wahr, Sie glauben an Besserung, an Genesung?!"
Mit angstvoll zitternder Stimme hatte die alte Dame gesprochen, während ihre Augen sich bemühten, dem Blick der Schwester zu begegnen, die bas Haupt gesenkt hielt.
Ernst und verheißend kam die Antwort aus dem jugendlichen Munde: „Derehrte gnädige Frau, ich glaube beftimmt daran. Zukunftshoffnung ist die beste Gewähr. Sorgen Sie dafür, daß Herr v. Schlehdorn wieder heiter und fröhlich wird, wie er es früher war, trotzdem er damals körperlich mehr litt als heute."
„Ich habe mir aus den Krankenberichten des Herrn Doktor Haart kein rechtes Bild machen können. Sie waren so zurückhaltend, so vorsichttg. Und da Albert wegen des gelähmten Armes nicht schreiben konnte und die Briefe nur diktierte, so waren auch sie kein klares Dokument seiner Stimmung, feiner Hoffnungen. Es war stets dieselbe Frauenhand — —"
Lieselott erhob etwas den Kopf imb blickte ihre Nachbarin an. „Herr v. Schlehdorn diktierte mir seine gesamte Korrespondenz."
„Also auch hier waren Sie bie gütige Helferin. Welche unendlichen Dienste haben Sie meinem Schwiegersohn erwiesen."
Die Same rückte ihren Stuhl näher und legte den Arm um Lieselotte Schulter.
„Sie sprachen von neuer Hoffnung, die man in sein Herz gießen müßte, wie soll ich das verstehen?"
Cs blieb eine kurze Weile, ganz still m dem formen* durchglühten Zimmer. Nur ein leiser, verlorener Ton klang raschelnd von draußen herein, als ein Windstoß
einige große Blätter über den Steinboden der Veranda gleiten liefe.
Dann sagte Lieselott, und es klang tote Verlegenheit aus ihren Worten: „Vielleicht — vielleicht, gnädige grau, beeinflußt man Herrn v. Schlehdorn von außen her schlecht oder, Verzeihung, sagen wir fieber nicht in dem Sinne, wie es gerade in dem jetzigen Zustand voran- schreftender Besterung notwendig wäre." Und plötzlich in einen warmen, innigen Ton übergehend: „Glauben Sie mir, gnädige Frau, solche Eidrücke von außen werden zum gefährlichen Gift für die Leidenden."
Frau Taubett schaute Lieselott, von dem Time getroffen, einen Augenblick effchreckt an.
„Und wann beobachteten. Sie den Umschwung m seiner Stimmung, dieses Versinken in Hoffnungslosigkeit?"
Lieselott stand auf und blickte die Geheimrätin an,! welche die Hände im Schoß gefaltet hatte und das junge Mädchen angstvoll mit bett Augen verfolgte.
„Seit etwa vierzehn Tagen, gnädige Frau, fett ein Bild, das stets auf dem Bettifch des Herrn v. Schlehdorn stand, von dort veffchwunben ist."
Frau Taubert stand erschreckt auf. Sie stützte sich schwer auf bie Stuhllehne unb stammelte: „Ein Bild — bas Bilb — mein Gott!--"
In diesem Augenblick trat Doktor Haart ein.
Zuefft stutzte er, bann ging er mit schnellen Schritten aus Frau Taubert zu unb küßte ihr bie Hand.
„Ach — gnädige Frau. Hoffentlich habe ich Sie nutzt warten lassen, aber m diesem Falle," er lächelte verbindlich, „wäre Schwester Lieselott nicht ganz unschuldig, denn ich hatte ihr aufgetragen, mich sofort zu benachrichtige^ wenn--"
Frau Taubert wehrte ab: „Bester Herr Doktor, schelten Sie die junge Dame nicht, ich trage die Schuld, ich allein. Ich bat sie ausdrücklich, einen Augenblick zu verweilen, da ich zu früh gekommen roar."
Lieselott verneigte sich. „Verzeihung, gnädige Frau, aber die Pflicht ruft mich."
Die alle Dame blickte der fjrnausgegangenen nach unb wandte sich bann an ben Arzt.
Korffetzung folgt)