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Zur Unterhaltung.

I Nr. 248 vom 23. OH. 1924.

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l Zulda.

In der Kölnischen Volkszeitung veröffentlicht unter dem Titel „Aus Fulda" Marie v. Hut» ten folgendes:

Ich komme bei drückender Sommerwärme cm und (tote am Bahnhof Fritz, Bajazzo und das Wägelchen. Echteres fft das moderne Gepäckverkehrsmittel für Men­schen, die kein Auto blitzen — Bajazzo ein muhhaariger, schwarz-weiß gefleckter Terrier, Fritz blonder Lausbub enb Quintaner. Wir gehen stadtwärts und bald werden gdr Erinnerungen wach aus Kindertagen, wo diese kleine Drpäbtliche Residenz mir vertmut war. Masiiv und gewittert steht das Schloß und dehnt seinen grasbe­wachsenen Hof hinter hohem Gitter und von heidnischen EWern gekrönten Quadersäulen. Rote Geranien leuch- ten von den Freitreppen in das Gmu. Die endlosen Fensterreihen der beiden Seitenflügel funkeln da und dort in der Rachmittagssomre.

3hm erkenne ich das alles wieder: diese langen Gänge, diese vornehmen Räume. Nur die Menschen sind andere — eine junge Generation grüßt mich wie / ein blühendes Blumenbeet. Mer die Gedanken gehen weit hinter die eigene Kindheit zurück, in vergangene Jcchrhunderte, wo hier die gefftliche Hofhaltung war. Fürstabt und Erzkanzler der Kaiserin, das waren Würde und Titel, die der jeweilige Herrscher dieses kleinen ab- geschkossenerr Reiches trug. Einige waren Bischöfe, einer besaß den Kardinalshut. Und obwohl draußen Auto­hupen über den Platz schreien und „Jugendbewegte" mit Klampfe und Mandoline singend an der Parkmauer ent­lang göhen, ist doch die Vergangenheit neben uns leben­dig — gehen Hofherren, geistliche und weltliche Würden­träger, Mönche, fürstäbtliche Diener und Beamte auf de» Treppen und durch die langen Zimmerfluchten; Ge- Heimnffse raunen in den Ecken, Politik wird hinter hohen Migeltürsn besprochen und Geschichte gemacht.

Aus dem Schloßhos treten wir auf den weiten Platz, rings umgeben von den Adelshofen, auf denen früher die alten Geschlechter saßen — die Bibra, v. Tann, Medesel, Buttlar und wie sie alle hießen! Sie stellen ein Mick Gesthichte dar, diese großen, schlicht vornehmen Gebäude. Denn hier schlug das Herz der Reformations- bewegung in Fulda. Die adstgen Herren verlangten da- wrch, das Joch fürfiäbtlicher Herrschaft abzuwerfen, und warfen, um dieses Ziel zu erreichen, auch den alten Klauben ab. Ws daun die Aebte Dermbach und Schenck o. Schweinsbevg kraftvoll die Gegenreformation durch- Whrten, wahrten sich die Adeksgefchlechter die Freiheit, und chre Sitze in Fulda sahen sie nicht mehr. Heute fft in dem einen der erste Gasthof der Stadt, in dem andern der Sitz einer kommunalen Behörde; sie haben chre Merkmale verloren und sind der Banalität des Alltags «acheimgefallen. Nm das jetzige Damenstist steht noch in dm Abgeschloffenheit seines büumerauschenden Gartens, in den die langgestreckte Mauer mit der kräftig durch- brochenen Steinbalustrade den Einblick wehrt.

Hinter dem Som sinkt die Sonne schon tief über den Hügeln. Mächtig steht der Bau da, trägt Jahrhunderte, verkörpert Ewigkeit. Wir gehen über dm weiten Platz an den Kastamenalleen vorbei, unter denen lange Abend­sonnenstrahlen sich golden spannen, weiter durch däm­mernde Lindenalleen und betreten einen alten Friedhof, der nicht mehr benutzt wird und dessen zwei Gitterpforten Tag Md Nacht gastlich offen stehen. Nirgends eine Blume, nur treues Grün, das allen Wechsel überdauert. Aber da leuchtet ein schwarzer Granitsockel hn Rot der finkenden Sonne purpurn auf und Leben, Ewigkeit find da, wo eben nur Tod und Verwesung gewesen. Und die Gräber fremder Toter verwandeln sich zu stillen Kammern, in die unsere Brüder unb Schwestern sich auf eine kurze Zeit unseren Blicken entzogen haben.

Wir verlassen das unbeschreibliche Schweigen dieses Orts, das ans Herz greift, und kommen durch das Paulustvr zurück. Im Dom halten die Teilnehmer der Diözesansynode, die eben hier tagt, eine stille Abend­andacht am Grabe des hl. Bonifatcus. Das Seminar- gebäude dahinter steht verdämmernd und dunkel in der letzten WendhÄle, ein steinerner Erker rötlich beleuchtet, das Portal geschlossen. Wir gehen nach Hause, sitzen auf dem Balkon und haben unter uns den Schloßpark, der fich in feinem oberen Teil grMinig unb ein wenig steif am linken SchloWLgel entlang zieht, mit geraden Wegen und zwei großen Rasenflächen, in die bunte Blumenbeete eingelassen sind, wie farbige Steine; mit verwitterten Standbildern, mit Blcmtannen tmb Zypres­sen, die wie gespreizte Hofherren und -Damen auf dem kurzgeschorenen Rasen stehen.

Die Mondsichel taudjt aus Wokkengebilden auf und schwindet wieder. Hinter dem Dom fft noch ein letztes violettes Tagesverglühen. Wie Mle Wächter ewiger Geheimnisse stehen die Domtürme im Abendglanz. Im Park hat die Glocke geläutet, die den Besuchern anzeigt.

verirrt.

Don Ferdinand Emmerich, Weltreffender und Naturforscher.

(Schluß aus Ar. 247.)

Mein Maultier war jetzt kaum noch zu halten. Es drängte ungestüm vorwärts. Klciffchend fielen die Hufe m zahllose Wasserlöcher, unb ich war in Gefahr, von den Ählingpflanzen aus dem Sattel gestreift zu werden. Immerhin hoffte ich noch bald festeren Boden zu finden, 8s ich zufällig einen Stamm in den Händen spürte. Ich tastete daran herum, und bemerkte an der nicht zu verkennenden Form des Llatfftands, daß es eine Pcm- darmsart, ein reines Sumpfgewächs, war. Da fand sich freilich kein trinkbares Wasser!. Außerdem drängte sich nun auch der üble Geruch der faulenden Pfützen immer iinehr auf. Ich mußte halten. Weiteres Vordringen konnte mich in dieser Finsternis in die Gefahr bringen, im Sumpfe zu ertrinken. In demselben Augenblick sank auch mein Schimmel mit den Vorderbeinen bis an den ^Bcmch in eine Untiefe. Zitternd blieb er sichen. Ich stzftete nach den Zündhölzern. Bocher schon hatte ich 'M Schecken gesehen, tmß ich nur noch drei besaß. Eines Davon brannte ich jetzt an. Der matte Schein ließ mich meine Umgebung erkennst: glitzernde Sumpflöcher und ein Gewirr von Bäumen unö niederem Gesträuch. Aber cmch einen größeren Fleck anscheinend trockenen Landes. Wit einiger Mühe brachte ich das Maultier hoch unb dann beim Scheine des zweiten Zündholzes auf den ge- wollten Fleck.

Hier wagte ich abzusteigen, mußte aber dicht neben dem Tiere stehen bleiben, denn durch Tasten mit dem fand ich wieder Waffer. Dabei umschwärmten uns unzählige Mücken und Sumpffliegen.

Die Luft war unterdessen furchtbar schwül geworden. DÄ«lriechende Schwaden stiegen mir ins Gesicht. Im Sumpfe wurde es lebendig. Geheimnisvolles Rauschen unb Raunen, Knistern und Brechen mischte sich in das 3irpcn und Pfeifen unbekannter Sumpfbewohner. Alles überbot aber das unheimliche Summen und Singen der Moskitos, die anscheinend in Wolken über uns herfielen. €3e brachten mich unb mein Tier zur Raserei. Der

daß die Tore geschlossen werden. Stille breitet sich unten aus, die Bänke stehen verödet, und stärker steigt der Dust und die Frische zu uns empor.

Am nächsten Morgen ruft uns der Frauenberg mit Wallfahrtskirche und dem Kloster der braunen Franzis­kaner. Wir steigen aufwärts, durch grüne Alleen, auf griinbewachsenem Boden. Uns zur Rechten zieht sich eine Mauer bergan, die mit Bildern m weiten Zwischen­räumen geschmückt ist, steinumrahmten, weichfarbigen Pastellen. Sie wirken schön u. innig. Dazwischen Statio­nen, uralt und schwärzlich grau, die gemeißelten Figuren kaum mehr kenntlich. Aus dem Rebel, der unter uns braut, kommt das Domgeläute voll und feierlich herauf, Stadt und Hügel und Tal liegen undurchdringlich ver- hüllt.

Eine Barock-Wallfahrtskirche, in der Duft von Weih­rauch hängt, und eine Stimmung von Andacht unb Gnade, die das Herz fettfam bewegt. Als wir wieder aus der Kirchs treten, ist der Kampf zwischen Rebel und Sonne enffchicden. Feuchtes Gold liegt über der Land­schaft, aus der weiße Häuser, rote Dächer, Kornfelder und Hügslrücken aufragen. Der Dom hebt seine Türme und Kuppeln, seine ganze Majestät in den lichten Morgen. Und wieder schallen seine Glocken durch die Lust, so ehern und ewigkeitsvoll, daß man stehen bleiben unb lauschen muß.

Am Abend ist die Schlußfeier der Diözefansynode. Draußen türmen sich schwere Gewitterwolken zu schwarz- blauen Bergen, und der Abend brütet in regungsloser Schwüle über der Stadt. Von der Kanzel spricht der Bischof, mit der Mitra bekleidet. Als er eben geendet hat, bricht das Unwetter los. Donner rollt mächtig über das Heiligtum dahin. Die elektrischen Flammen zucken, verschwinden, leuchten wieder auf. Endlich erlöschen sie, unb aus der Dunkelheit strahlt nur der kerzenschim­mernde, silbergleißende Mtar. Nachdem der Segen ge­geben ist, ordnet sich ein langer Zug hinter den kerzen­tragenden Akoluthen, der Bischof, das Domkapitel, die Priester der Diözese. Sie schreiten hinunter zur Gruft des hl. Bonisattus. Der Bischof stellt sich vor den Altar, und nun tritt jeder Einzelne vor den Oberhirten, der ihn segnet.

Tiefe SMe herrscht, obwohl oben an den Treppen­stufen, hinter den wachehaltenden Hellebardieren, Hun­derte sich drängen. Man hört nur die leise Bewegung der ab unb zu Gehenden und die gedämpfte Stimme des segnenden Bischofs. Endlich tönt der Ruf: Procedamus in pace! Und wieder ordnet sich der Zug — steigt auf­wärts — verliert sich in der Sakristei.

Wir drängen in tiefem Dunkel dem Ausgang zu. Der Regen strömt, Blitze zerreißen die Nacht, die Alleen stöhnen im Sturm. Wir aber tragen lichte Bilder mit uns fort unb eine schöne Stille. Und den unaussprech­lichen Segen der großen Gemeinschaft.

Die Pfarrkirche St. gamilia in Raffel.

3um Gedächtnis des 25jährigen Bestehens der Pfarr­kirche St. Familia in Kassel hat Herr Oberlehrer Fer­dinand Krämer soeben eine Festschrift erscheinen las­sen, die weit über den engen Rahmen einer örtlichen Gedeukschrift hinaus Beachtung verdient. Der Verfasser nennt die Schrift in bescheidener Weise Erinnerungs­blätter. Wer aber das stattliche Werk in die Hand nimmt unb den Inhalt auf sich wirken läßt, der wird staunen über die Fülle des Stoffes und die fach- unb fachmännische Behandlung, die der Verfasser ihm ange­deihen ließ.

Der Gedanke, einen mit Bildern geschmückten Führer über St. Familia herauszugeben, lag schon nach der Chorausmalung im Jahre 1914 in der Absicht des Verfassers. Durch die Ungunst der Zest kam der Plan nicht zur Ausführung und nun bietet sich bei der 25. Wiederkehr des Konsekrationstages der Kirche ein will­kommener Anlaß, den damals gefaßten Entschluß aus­zuführen. Auch jetzt stellten sich der Ausführung noch mancherlei Schwierigkeiten hindernd in den Weg, die aber glücklich überwunden wurden.

Das Werk ist nun gelungen. In einem stattlichen Quartband von 60 Seiten ist ein reichlicher Stoff zu­sammengetragen worden, der sich wie folgt gliedert: Widmung, Vorwort, Einleitung, Geschichtliches und Dau der Kirche, Beschreibung des Baues, Ausstellungsgegen­stände, Die Ausmalung, Abschied. Die lebendige Darstel­lung erfährt durch 52 Abbilds lauter ansprechnde Kunst­werke nach eigenen Ausncchmen und Zeichnungen des Verfassers, eine wertvolle Bereicherung. Das Abschieds- wort, das der Verfasser feinen Erinnerungsblättern ge­setzt hat, möge hier im Auszug folgen: „Bevor wir von dem Gotteshaufe AbfchiÄ nehmen, sollen noch

Schimmel peiffchte wie wild die Flanken; er schlug aus und sandte mir jedesmal einen Sprühregen übelriechen­der Jauche über den Leib. Dazu der quälende Durst!

In der Hoffnung, menschlicke Wesen herbeizurufen, brüllte ich aus Leibeskräften Hilferufe in den Wald. Aber nur das Echo gab die Antwort zurück. — Auf einmal wurde bas Maulff er unruhig. Es begann zu schnauben, wieherte kurz und machte Miene, durchztt- brennen.

Sollte Hilfe kommen? Wffterte das Tier seinesglei­chen? Aber der Laut, der jetzt an mein Ohr drang, jagte mir das Blut schneller durch die Adern. Es war das dumpfe Brüllen des Jaguars, der auf Beute zieht! Wenn uns der anfiel! Ich machte die Büchse schußferffg. Aber, du fieber Gott, in der Finsternis schießen, wo ich nicht einmal die Ohren meines Schimmels neben mir erkennen konnte! — Tanzende Lichter hüpften vor mei­nen fiebernden Augen, in jedem vorüberschwirrenden Leuchtkäfer sah ich die grünfunkelnden Augen des gefähr­lichen Raubtieres. — Ich weiß nicht, wie viele Stoß­gebete ich zum Himmel sandte. So aufgeregt war ich selten in meinem Leben. Aber die Situation war auch eine höchst kritische. Auf einen meterbreiten Fleck ge­bannt, in pechschwarzer Nacht, von bluffaugenden Mos­kitos fast aufgesressen, bei jedem Schritte seitlich dro­hender Erstickungstod, irgendwo, wer weiß wie nahe, zum Sprunge bereit der Jaguar . . .

Da plötzlich ein Schlag, als sollte die Erde bersten! Ein grelles, blaues Licht lag sekundenlang über dem Sumpfe. Und dann brach ein Unwetter aus, wie es nur die Tropen kennen. Heulend, zischend und sausend fuhr es daher. Die grellen Blitze züngellen unaufhörlich zur Erde und beleuchteten den Sumpf tageshell. Der Himmel schien ringsum in Feuer getaucht. — Die ge­waltige Stimme des Donners übertönte meinen Jubel­schrei, mit dem ich diesen Aufruhr der Elemente be­grüßte. Nun konnte ich den Sumpf verlassen. Die flam­menden Blitze zeigten mir den Weg. Jeden Wetterschein begrüßte ich mit heller Freude. — Endlich stand ich auf festem Boden — eine endlose Steppe zwar, aber doch fester Boden. Leider dauerte der Regen nur kurze Zett. Nur einmal füllte sich mein Helm, unb brachte dem fast verschmachtenden T.iere dw ersehnte Labung. Ich selbst

einmal unter der Orgelbühne stehend unsere Blicke durch den weiten Raum schweifen unb der Gesamt­eindruck auf uns wirken. Er ist ein starker unb kraft­voller. Die wuchtigen, prachtvollen Säulen führen hin­auf zu den Arkadenbogen unb von diesen zu den reich bemalten Langhauswänben, hin zu den majestätischen Vierungsbogen zur Chorapsis mit dem Zentrum jedes katholischen Gotteshauses, zum Hochallar unb von da hinauf zum Majestas Domini (Majestät des Herrn), der das ganze Innere beherrscht. — Der weite Raum wird von einer volltönenden Farbenharmonie überflutet, die unser Auge wohltuend empfindet. Nichts wirkt störend, alles fließt im Gesamtbild harmonisch zusam­men. Feststimmung zieht durch diese Hallen. Das alles ist in der kurzen Spanne Zeit von 25 Jahren erreicht worden und zwar so, daß das herrliche Gotteshaus mit feiner überaus reichen Ausstattung jetzt schuldenfrei vor uns steht. Wenn auch St. Familia den herrlichen allen römischen Basiliken nicht gleichkommt, so gibt es doch ein schwaches Nachbild derselben wieder. Wir werden beim Betreten dieses Gotteshauses, aus der friedlosen Welt in der Stätte des Friedens, immer festlich ge­stimmt und dürfen nicht vergessen, Gott zu danken, daß er uns hier in der Diaspora ein solches Gotteshaus ge­geben hat."

Der inneren Ausstattung der Festschrift fft auch das Aeußere stimmungsvoll angepaßt. Der Umschlag ist ge= schmückt mit einer Originalzeichnung der Frau Maria ißöbmann (Tochter des Herausgebers), die ttn Hauptfeld die hl. Familie in moderner Zeichnung wuchtig hervor- treten läßt. Die Fuldaer Aeffendruckerei in Fulda hat die Ideen des Herausgebers durch eine gute typogra­phische Ausstattung unb vortrefflich Wiedergabe der Bil­der einwandfrei verwirklicht.

Wenn nun am 26. Oktober d. I. das neue melodische Geläute der Kirche zur hl. Familia zum feierlichen Hoch­amt ruft, bann verkündet es den Pfarrkindern der Pfar­rei St. Familia mit seinen jubelnden Festklängen, daß vor 25 Jahren am 23. Oktober 1899 zum ersten Mal in der eben konsekrierten Kirche das hl. Meßopfer gefeiert wurde. Und dankbaren Herzens werden die Pfarr­kinder von St. Familia in das Festgeläute einftimmen: „Donffne, dilexi becorem domus tuae et locum habi- rationes gloriae tuae" (O Herr, ich liebe deines Hauses Zier, den Ort der Wohnung deiner Herrlichkeit). Mögen auch kommende Geschlechter sich cm der Schönheit dieses Gotteshauses noch erfreuen und sich erinnern, was ihre Vorfahren, beseelt vom hl. Glauben, teilweise in sehr trüben, unerfreulichen Zeiten großes durch die Errich­tung unb Ausschmückung getan haben. Diese Gesinnung wach zu halten, ist der tiefere Sinn der Festgabe Krä­mers, der wir weiteste Verbreitung wünschen. (Die Festschrift ist im Selbstverlag der Verfassers, Oberlehrer Ferdinand Krämer, Kassel, Grüner Weg 13, erschienen und kann von dort bezogen werden. Auch die Fuldaer Aeffendruckerei hält die Fesffchrist vorrätig. Preis 4 Mark.) P.

Die Sllefte Reedereigchll- schast der Mttelineeres. So alt wie die Menschheit fft auch die Schiffahrt.

Aber für für den einzelnen ist es schwer, sie gewinn­bringend zu betreiben. Der Zusammenschluß vieler Teilnehmer zu einer Reedereigesellschaft mindert das Risiko des Einzelnen. Daher hat man schon im frühen Altertum solche Firmen begründet, von denen eine, wie jetzt bekannt wird, unter demselben Namen ein volles Jahrtausend hindurch bestanden hat, somit etwa dreimal länger als die ältesten englischen und hanseatischen Schiff­fahrt sgesellschaften.

Unter dem Namen „Barakhel, Sohn" wurde im öst­lichen Mittelmeer zwischen Aegypten und Syrien zur Zeit Homers ein schwungvoller Handelsverkehr betrie­ben. Ein Papyrus etwa aus dem Jahre 1100 vor Chri­stus (heute in Moskau) erzählt uns die Reife des Un-amun, der aus Syrien Cedernholz nach Aegypten bringen will, aber erhebliche Schwierigkeiten damit hat. Von Byblos in Syrien aus beabsichtigt er schließlich zurückzukehren, wird aber vorher von dem Fürsten ge­hört, dessen Vorfahren früher das Cedernholz geliefert hatten. Bei den Verhandlungen über die Abschließung eines Vertrags werden zwei Schiffahrtsgesellschaften er­wähnt, eine ägyptische, die Gesellschaft des Smendes, in Phoenikien, unb eine phoenikische, die Gesellschaft des Birkatel in Tanis in Aegypten, deren Schiffe in statt­licher Zahl in den Häfen des Landes liegen unb den Verkehr vermitteln. „Segen Gottes" ist wohl ber letztere Name zu übersetzen unb mit obiger Firma identisch. Tanis, im Delta des Nils gelegen, war damals vom Meere aus noch leicht zugänglich, da ein großer Strand­see die Verbindung mit dem Meere herstellte. (Zur Reise des Un-amun vgl. Erman, Aeg. Literatur 1923 S. 230.)

bekam nur noch wenig Wasser. So schnell wie es gekom­men, war das Wetter vorübergebraust.

Der neue Tag war besonders schwül. Als ich den Sumps umritten, erschrak ich ordentlich, so entsetzlich trostlos sah das Land vor mir aus. Kein Baum, kein Strauch, kein grüner Halm belebte die steinige Ebene. Nur weit südlich am Horizont wieder ein dunkler Strei­fen.

Die nächtliche Erfrischung hielt nicht lange vor. Bald quälte mich wieder der Durst, und auch mein Maultier litt sichtlich Qualen. Dazu meldete sich auch der Hunger. Seit 36 Stunden hatte ich keinen Bissen mehr über die Lippen gebracht!

Der Marsch war enffetzlich! Unter dem bleiernen Himmel wurde die Hitze um Mittag unerträglich. Die Zunge klebte mir am Gaumen, die Lippen wurden rissig. Mein Schimmel hatte blutunterlaufene Augen, aus dem halb geöffneten Maule hing die weißrote, geschwollene Zunge. Ich mußte chm das Gebiß abnehmen, weil das Eisen die spröde Haut blutig riß.

Stunden vergingen. Der Wald schien näher zu kom­men. Ich glaubte Bäume zu unterscheiden. Aber ich war jetzt so krank, daß ich mich kaum im Sattel aus­recht halten formte. Eine unsägliche Müdigkeit überfiel mich. Eine Sehnsucht nach Schlaf und Ruhe. Dabei fühlte ich rasendes Hämmern im Kopfe. Trompetenstöße tönten in meinen Ohren. Die Zunge lag mir wie ein dicker Klumpen im Mund. Lippen und Zahnfleisch blu­teten. Hände und Füße schienen aus rauher Wolle zu bestehen . . .

Das Tier machte einen Ruck. Ich fiel vorwärts und blieb auf dem Haffe liegen. Ich hatte nicht mehr die Kraft, mich aufzurichten. Ich sah noch rosige Wölkchen, eine wunderbare grüne Heide, liebliche Musik tönte von irgendwo und wiegte mich ein . . .

Kühlendes Naß brachte mich wieder zrmi Bewußffein. Neben mir kniete ein Indianerknabe, der mit feinen schmutzigen Händen brakisches Wasser aus einem Loche in meinen Mund schöpfte. Auf meinem Kopse lag nasses Gras.

Gerettet! Ich habe den Buben geküßt in fefiger Freuds.

Auf em etwa 1000 Jahre späteres Zeugnis für die­selbe Schifsahrtsg^ellschast weist Robert Eisler hin in einem Aussatz „Barakhel, Sohn und Cie." in dem soeben erfdjienenen Heft der Zeitschrift der deutschen Morgen- ländischen Gesellschaft. In dem „Teftamentum Naph- tali", einer späten hebräischen Quelle, die nach 142 vor Christus anzufetzen fft, wird eine Strandräubergeschichte erzählt. Jakob und seine Söhne eignen sich ein ver­lassenes Schiff an, das auf dem Meere treibt. Jakob fordert feine Söhne auf, am Mast nachzusehen, wem bas Schiff gehört. „Denn es gibt kein Schiff, an dessen Mast nicht der Name feines Herrn geschrieben stände." Sie finben geschrieben: „Dieses Schiff gehört dem Sohn bes Barakhel samt allem Kostbaren, das sich in chm be­findet." Es daraufhin etwa zurückzugeben, daran denkt Jakob in der Geschichte fteilich nicht. Doch geht soviel aus ihr hervor, daß das Haus Barakhel und Söhne hn östlichen Mittelmeer um 150 vor Ehr. als berühmte Schiffsreederei noch bekannt war, wenn es rieQeitt)! auch nicht mehr bestanden hat.

Daß solche Firmen schon ttn Altertum unter dem. selben Namen von einem Besitzer auf den andern ver­gingen, beweisen auch die von Eisler angeführten gro­ßen, babykonffchen Bankhäuser „©gibt Söhne" in Baby­lon unb „Muraschu Söhne" m Nippur, die mehrere Generationen hindurch in großer Blüte standen. Aus dem Ende des 6. Jahrhunderts vor Christus ist uns die Teilungsurkunde über den Immobilienbesitz des erst­genannten Hauses erhalten. Der Inhaber und Chef des Hauses war 517 o. Chr. gestorben und seine drei Söhne nahmen im 14. Jahre des Darius die Teilung vor. Das neue Oberhaupt der Firma erhielt 8 Häuser, 2 Bauplätze, 45 Sklaven und eine größere Geldsumme. Dabei blieb auch den andern Brüdern ein entsprechender Besitz, außerdem blieb ein Teil bes Vermögens, Felder, Vieh und Sklaven, gemeinsamer Famifienbefitz (Meißner, Babylonien unb Assyrien 1920, S. 359 u. 360).

Bei der berechtigten Bewunderung der heutigen tech- Nischen und industriellen Entwicklung pflegen wir leicht zu vergessen, wie weit bereits im Altertum eine Jahr­tausende alte Kultur sich emporgearbeitet hatte.

_________ Dr. K. W.

Aus aller Welt.

— Deutsche Kanarienzuchl. Rach Beendigung der Inflationszeit haben die Harzer chre aktberühmte Ka­narienvogelzucht wieder auf die alte Höhe ge­bracht. Wenn der Herbst einsetzt, werden die jungen Kanarienhähne von den Händlern unb Aufkäufern ab­genommen. Der Händler zahlt dieses Jahr 4 bis 6 Mark für gute, schon singende Hähnchen. Es gibt Züchter, die fünfzig bis sechzig Hähnchen auf einmal abgeben können. In der Gegend der alten Bergstabt St. Andreas- berg ist bie Zucht ber gelben Sänger besonders rege. Die aufgekauften Tierchen gehen gewöhnlich in Sammel­transporten in bie Großstädte, vornehmlich nach Ham­burg und Bremen. Die Bereinigten Staa­ten kommen hauptsächlich als Abnehmer ber Vögel in Betracht. Der Amerikaner legt für ein schön singendes Männchen 10 Dollar und darüber an. — Auf den gro­ßen Lloydbampfern trifft man Exporteure, bie in ge­eigneten Käsigen und besonders hergerichteten Räumen über vierzigtausend „Harzer Roller" nach ber neuen Wett bringen. Die Tierchen überstehen bei einigermaßen gutem Weiter die Seereise sehr gut. Selten erreicht ber Verlust drei Prozent.

— Die kleinste Stabt in Amerika. Im Staate Ver­mont (53er. Staaten) liegt an der Grenze die »Stadt" Somerset. Sie besitzt nur zwei wahlberechtigte Ein­wohner, einen Geistlichen und einen Zolleinnehmer. Die dort befindliche Schule zählt zwei Schüler. Vor kurzem waren es muh vier, von denen nun zwei weggezogen sind. Jetzt erst wird in der Verwaltungsbehörde des Staates Vermont geprüft, ob Somerset in Steuer« und Wahllisten auch fernerhin als selbständige Stabt geführt werden kann.

Heiteres.

Sicheres Kennzeichen in München. ». . , Du, Sepp, bös is meiner Seel a Berliner da drüben!" — „3’roeg’n was denn?/ — „Well er den Radi mit der Gabel frM"

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Entschuldigung. „Kaum sind Sie von der Anklage des Diebstahls freigesprochen, stehlen Sie einen schwarzen Anzug!" — „Rix für ungut, Herr Richter! . .. Ich wollt' halt meinem Herrn Verteidiger einen Dankbesuch ab- statten!"

Immer noch nicht gefunden? Fritzchen: „Papa, heute mußten wir in der Schule den gemeinsamen Nenner suchen." — „I, du liebe Zeit, das mußten wir doch auch schon. Haben sie denn den noch immer nicht gefunden?"

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Geständnis. „Also darf man gratulieren?" — „Unb wie kam Ihre Verlobung so schnell?" — „Nun, ich hatte „sie" aus Versehen mit Bier begossen, darauf rief sie; „Altes Rindvieh", unb so fanden sich unsere Herzen!"

Macht der Gewohnheit. Die kleine Tochter eines be­kannten Berliner Schauspielerpaares bringt strahlend ihre erste selbst verdiente Zensur nach Hause. Unter 37 Schülerinnen ist sie die 37. geworden. „Aber Lotti", sagt Mutti vorwurfsvoll, „auf den letzten Platz kommst du?" — „Das macht gar nichts", versichert Lotte freund­lich überlegen, „wirklich Mutti, man kann von jedem Platz aus gut sehen."

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