Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.
Nr. 247
Hnslattö.
* Die Kommunisten im ikalienifcheu Parlament haben einen Aufruf an sämtliche Abgeordnete der Opposition gerichtet, in dem sie sich über die Unfruchtbarkeit der bisherigen passiven Opposition beschweren und vorschlagen, daß die oppositionellen Abgeordneten zusammen ein antifaschistisches Parlament mit separaten eigenen Tagungen bilden sol-
Am Montag abends 8 Uhr überbrachte der Staatssekretär der Reichskanzlei Bracht dem Reichstagspräsidenten Wallraf die Auflösungsverordnung. Die Ausschüsse des Reichstags, die schon Sitzungen angesetzt hatten, wurden abgesagt.
Die Neuwahlen zum Reichstag dürften frühe st ens auf den 3 0. November angesetzt werden, jedoch wird in parlamentarischen Kreisen angenommen, daß sie erst Mitte Dezember werden stattfinden können, da der Wunsch bestehe, daß gleichzeitig die N e u w a h l e n i n P r e u ß e n und Hessen vorgenommen werden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktwn hat für Mittwoch
* Eine aufsehenerregende Verhaftung. Der Kölnischen Zeitung zufolge ist das frühere Vorstandsmitglied des Stahlwerks Becker Mund verhaftet worden. Mund ist der Schwiegersohn des verstorbenen Generaldirektors Becker.
Die deutsche Rnleihe.
Der Erfolg in Holland.
Wie „Dllgemeen Handelsblad" erfährt, ist die deutsche Anleihe hundertfach überzerchnet worden, sodaß nur 1% zugeteilt werden kann.
deren Tagesordnung die Vorbereitung der Neuwahlen steht. Am Dienstag wird auch die national- sozialifttsche Reichstagsfraktion noch eine Sitzung abhalten, in der gleichfalls zu der neu geschaffenen Lage Stellung genommen wird.
Die Presse zu der Auflösung.
Die deutschnationale „Deutsche Tageszeitung" nennt die R ei ch s t a g s a u f l ö s u n g gegenüber den Wirren und unwürdigen Hin und Her aussichtsloser Verhandlungen das kleinere U e b e l. Hinsichtlich der Neuwahlen spricht das Blatt den dringenden Wunsch aus, daß nach Möglichkeit eine einheitlicheFrontderrechtsstehenden Parteien für die Wahl hergestellt werde.
Auch der „Serl. Lokalanzeiger" setzt sich für ein Zusammengehen der Deutschnationalen mit der Deutschen Volkspartei bei den kommenden Reichstagswahlen ein. Die innere Logik der polisifchen Entwicklung habe die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei diesmal in die gleiche Frontstellung hineingezwungen. Wie die Deutsche Volkspartei unablässig die Regierungerweiterung nach rechts hin betrieben habe, so werde sie im bevorstehenden Wahlkampf alle ihre Kräfte für das gleiche Ziel einzusetzen haben.
Schließlich bezeichnet die „Deutsche Allg. Ztg." es als die positive Forderung der Stunde, daß die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationalen mindestens ein Wahlabkommen treffen muffen. Es verstoße gegen die nationalen Interessen, wenn diese beiden Parteien sich im Wahlkampf
werden jetzt sehen, ob es zu den Parteien gehören will, die die wiederaufrlchtung der Hohenzollern und die Revanche fordern oder nach links zu den Parteien, die die Republik und den Frieden wünschen. Marx blieb nichts anderes übrig, als Wahlen auszufchreiben und zwar in der kürzesten Frist, solange der ausgezeichnete Effekt, der durch den Erfolg der Dawes-Anleihe erzielt wurde, lebendig war.
wtb Conbon, 21. OH. (Tel.) Die Auflösung des deutschen Reichstages wird in der Presse viel besprochen Der Berliner Berichterstatter der „Daily Heros“ schreibt, die Auflösung beende das an die Posse grenzende unwürdige Schauspiel, das! man in den letzten vier Wochen erlebt habe und! durch das das parlamentarische Regierungssystem । vollkommen in Mißkredit gebracht worden sei. Bei den kommenden Wahlen werde Deuffchland entscheiden müssen, ob die Regierung ein lebensfähiger! Ficktor sei oder ob die hohenzollern sich aafi die Rückkehr vorbereiten könnten.
Der Berliner Berichterstatter der „Times“ betont, daß das Kabinett Marx eine erfolg- reicheRegierung war, unter der die deutsche Finanzreform durchgesührt und die Reparokions- srage durch die Annahme des Dawes-Planes einer Lösung beträchtlich näher geführt worden sei. Auch, der Berichterstatter der „Times“ ist der Ansicht.' daß die Auflösung das beste war, was geschehen konnte. Obwohl erst im Mai gewählt worden war, | war die Regierung nicht mehr zeitgemäß. Als die letzten Wahlen stattsanden, habe Deutschland eben erst die Jnflationsperiode hinter sich gehabt. Die Parteien, welche die Verzweiflung repräsentieren. Deutschvölkische und Kommunisten, wurden in dieser Zeit gewählt, die im völligen, Mißverhältnis zur öffentlichen Meinung des heute ! veränderten Deutschlands stände. Es werde allgemein geglaubt, daß die neuen Wahlen die P arte i e n d e r M ä h i g u n g v e r st ä r k e n würden, aber es fei noch zn früh, das zu beurteilen.
Der Berliner Berichterstatter der „Morning- I post“ schreibt, so klein auch die demokratische Parte» | sei. jo könne Marx ohne sie nicht regiere
Herriot über den Handelsvertrag.
Wtb Paris. 21. OH. (Tel.) tzerriot hat gestern abend einem Bankett beigewohnt, das aus Anlaß der Tagung des Vorstandes der internationalen parlamentarischen Handelsunion veranstaltet worden war. Der Ministerpräsident wies auf die Bedeutung des Handels hin und sagte angesichts der Währungsfrage:
„Wir können den Wirlfchafisfrieden, ja nicht einmal den allgemeinen Frieden wiedererlangen, wenn wir nicht diese Frage gelöst haben. Seit dem Kriege seien die Völker ohne Verbindung untereinander. Die Schlagbäume niederzureißen und die Interessen wieder zu beruhigen, das sei das von den Staatsmännern zu vollführende Werk. Es sei nicht mehr möglich, von den großen Theorien des Freihandels oder Protektionismus zu sprechen. Man müffe nach mittleren Lösungen suchen, die zu besseren Lösungen überführten. Mau muffe durch Handelsverträge die Beziehungen wieder anknüpfen. und die ftanzösische Regierung, der er vorstehe, habe bewiesen, daß sie entschlossen diesen Weg beschreiten wolle, denn sie habe in dieser Richtung die schwersten Verhandlungen eingeleikek und sei zu weiteren Verhandlungen in dieser Richtung bereit. Seine Regierung werde alle Vorschläge i und Ansichten anhören, die die infemotionale Union des Handels ihr geben würde^ Schließlich erinnerte Herriot an ein Wart Lamar- tines, daß der handel einelukrativeDiplo- matie sei. Aus diesem Grunde erkenne er die Mitarbeit des Handels an.
MstMilKW lind MihMMhl.
Die Bemühungen des Reichskanzlers um einen Ausgleich. — Keinerlei Zugeständnisse der Demokraten und Deutschnationalen. — Die Neuwahlen als das kleinere Nebel.
Berantwortlick tüt die Schriftleitung: Dr. So banne? Kramer. Anreisen: I- B arreller. Fulda. Rotationrdruck und Verlag der : Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr- S. :
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gegen die Regierung zu machen. 1
Die Reichspost.
Bisher 50 Millionen Mk. Ueberschuß in 1924.
In einer Entschließung hatte der Reichstag im Juli die Regierung ersucht, eine Uebersicht über die tatsächlichen (Einnahmen und Ausgaben bei der Reichspost seit dem 1. Febr. 1924 und eine Denkschrift über die Verwendung der Ueberschüsse vorzulegen. Diese Denk s ch r i f t des Reichspostministers Hoefle ist letzt beim Reichstag eingegangen. Der Ges amt über- schuß seit Beginn des Rechnungs,ahres 1924 beträgt 49.8 Millionen Mark. Die Ueberschüsse sind jeweils vorwiegend als Betriebsmittel in den Kassen der Reichspost verblieben. Ein Teil der Ueberschüsse, der aber den Betrag von 20 Millionen nicht überstieg, wurde zinstragend angelegt.
bis aufs Messer befehden.
Das führende Blatt der Zentrumspartei, die „Germania" sagt zu der Reichstagsauflösung: Trotzdem alle Wege, die einen Ausweg aus der Krise versprachen, beschritten worden sind, ist es doch nicht gelungen, eine Einigung mit diesem Reicklstay herbeizuführen. Dieses Parlament war ein verspäteter Sprößling der Inflationszeit, nicht fähig zur praktischen Arbeit und den Todeskeim bei seiner Geburt schon in sich tragend. Es konnte den Willen zu entschlossenem Handeln nicht finden. Ein einziges Mal hatte der Reichstag feine Aufgabe erkannt, als er am 29. August dieDawes-GesetzemttMehrheit annahm. Aber damit erschien seine Kraft erschöpft, und doch war dieser Beschluß erst derAn- fang einer Politik, die fortgesetzt werden muß, ! wenn nicht alle Erfolge der letzten Zeit wieder in Frage gestellt werden sollen. Die Sicherung des bisherigen Kurses der deuffchen Politik wird das Ziel der bevorstehenden Wahlen fein muffen.
Unter der Ueberfchrift „Für die Republik" schreibt der Vorsitzende des Varteiausschuffes der demokratischen Partei Erkelenz in der ,Voss. Ztg.": Der durch den französischen Imperialismus des Herrn Poincare, durch die Markzerrüttung und Inflation erzeugte Reichstag hat geendet. Nun handelt es sich um die Sicher st ellung der Gesundung in der deutschen Außenpolitik, die seit London angebahnt ist. Das schwer leidende besetzte Gebiet fordert mit Recht eine demokratische Innenpolitik, die als Grundlage einer demokratischen Außenpolitik Deutschland wieder zur gleichberechtigten Nation in Europa macht.
Der sozialistische „Vorwärts" erklärt, daß die Kunde von der endlich vollzogenen Auflösung des unmöglichen Reichstags überall in den Kreisen der Sozialdemokratie geradezu Jubel hervorgerufen habe. Man empfinde diese Auflösung als einen I Sieg der Vernunft und des Rechts. Die Wahlen l müßten so ausfallen, daß den Vertretern des Be- i sitzes em für alle Mal die Lust vergeht, eine Re- I qierung gegen die Republik und gegen die breiten Massen des arbeitenden Volkes aufzurichten.
Das Rußland und die Ruflösung.
Wtb Paris, 21. OH. (Tel.) Das nationalistische „Echo de Paris" schreibt: Es ist schwer, schon jetzt zu sagen, ob die Sozialdemokraten, die \ Demokraten und das Zentrum vor den Wählern | den Sieg davon tragen werden. Wir müssen nicht I vergessen, daß ein Demokrat wie Dr. G e ß l e t von allen Regierungen an der Spitze. des Reichswehrministeriums belassen wurde und an der Seite des Generals von Seeckt gearbeitet hat, um die Kontrolle der Alliierten zum Schiffbruch zu bringen und die Wiederaufrichlung des alten Heeres vorzubereiten.
Der „Quofibien“, der herriot nahestcht, schreibt: \ Man müsse nur bedauern, daß die Auflösung des Reichstages ausgesprochen wurde, ohne daß das 1 Reichskabinett nochmals vor das Parlament hiuge- I treten ist. Die Wahlschlacht wird sich also unter | ziemlich düsteren Bedingungen entwickeln. Wenn die links stehenden Elemente diesmal in Deutschland den Sieg davon tragen, bann wird der nächste Reichstag ein Faktor des Friedens und der wie- derversöhuung werden.
Gustav Herve schreibt in „Victoire“: Deutsch- . lanb ffebt an einem wichtigen Scheidewege- Vir
Befreite Städte.
Die Politik der Regierung Dr. Marx bringt setzt für deutsche Städte, die seit der Ruhraktion unter feindlicher Besatzung litten, die Stunde der Befreiung. Lösen sich auch nurnachundnach die Fesseln und Banden, so sind es doch Gefühle der Genugtuung, die jedes deutsche Herz erfüllen bei den Nachrichten von dem Abzug fremder Truppen aus den rechtswidrig besetzten Städten. Es wird gemeldet.
Wtb Hl a n n e i m, 21. Oft (Tel.) Die Franzosen find seit heute früh 7 Uhr mit dem Abrücken beschäftigt Um 7.30 Uhr ist eine Abteilung von 50 Mann mit mehreren Dagage- wagen über die Rheinbrücke nach Ludwigshafen abgezogen. Der Abzug bet übrigen Truppen erfolgt im Laufe bes Tages. Arn 10.15 Uhr wurde das Mannheimer Schloß geräumt. Nachdem die auf verschiedene Besatzuugsbezirke Mannheims verteilten franMfchen Truppen sich auf dem Schloßplatz versammelt hatten, hielt der französische Kommandant eine Ansprache an die Truppen. Die erst heute früh 6 Uhr aufgezogene französische Flagge wurde zum Abzug niedergeholt Rach erfolgtem Abzug, der pünktlich 10.15 Uhr einsehte, wurde das Schloß oon bet beutschen Polizei in Gewahrsam genommen. Der Abzug erfolgte in Richtung Ludwigshafen. Um einen reibungslosen Abzug zu ermöglichen, hatte bie Polizei seit 5 Uhr früh bie Abzugsstraßen abgesperrt Die Bevölkerung enthielt sich jeglicher Kundgebung.
wtb k a r l s t u h e, 21. OH. (Tel.) Wie bereits gestern abenb angekündigt, ist heute früh 7 Uhr bet Abzug der noch im hiesigen Rheinhafen stationierten französischen Truppen erfolgt mit Ausnahme eines Heinen Kommandos von 15 Mann, das für die internationale Schiffahrtskontrolle zurückbleibt. Der Abzug erfolgte ohne Zwischenfall und ohne viel Aufsehen zu erregen über bie Rheinbrücke nach bet Pfalz.
Aus Dortmund wird gemeldet, daß von dort bereits am Montag abend die Büros einiger Spezialtruppen abtransportiert wurden. Nach Mitteilungen von französischer Seite werden die letzten französischen Truppen die Dortmund-HörÜer- Zone bis zum 22. Oktober vormittags 9 Uhr verlassen haben. Durch die französische Besatzung sind in der Stadt Dortnrund 560 Wohnungen mit 1100 Zimmer, 7 städtische Schulen — vorübergehend auch das Goethe-Lyceum — ferner das staatliche Gymnasium, 5 städtische Verwaltungsgebäude, die für 600 Mann bestimmte neue Schupo - faferne, das Hauptzollamt, das Eisenbahnverkehrsamt, vorübergehend auch das Oberbergamt der SlÄachthof, das Stahlhaus und andere Gebäude beschlagnahmt gewesen. Es ist noch nicht bekannt, wohin die Truppen am 22. Oktober abrücken werden; nur so viel scheint festzustehen, daß der Sta b der Division nach Essen verlegt wird.
Treffliche Worte
findet die „Kölnische Volkszeitung" überdieBe- deutung des Zeppelinfluges; sie stehen im Einklang mit dem, was unmittelbar nach der gelungenen Fahrt hier gesagt wurde. Es heißt in dem führenden rheinischen Blatt:
Das ganze deutsche Volk freut sich von Herzen über den wohlgelungenen Ozeanflug des Z e p p e - (in; es hat dazu alles Recht, und es ist notwendig, daß es sich einmal freut, nachdem es sich so viel in den letzten Jahren hat ärgern müssen. Doch soll die Freude begrenzt sein; sie darf nicht übersteigert werden, damit nicht aus unseren Kundgebungen der Freude und der Genugtuung über die glänzende Leistung Ueberheblichkeit und Anmaßung gemacht werden können. Jetzt muß sofort mit der O f f e n- fioe gegen die Zerstörungspläne eingesetzt werden. Die deutsche Position ist gut. Das Zeppesinluftschiff ist keine Kriegsmaschine mehr; es ist für den Krieg nicht mehr verwendbar. Ein Ärstschiff wird niemals die Schnelligkeit eines Flugzeuges erlangen, und daher wird es immer eine leichte Beute der Kampfflieger und des Abwehrfeuers von der Erde aus fein. Der Zeppelin wirb nur noch friedlichen Zwecken dienen können — keine Gefahr für den Frieden liegt in ihm. Zudem ist die Angelegenheit des Zeppelin gar keine rein deutsche Angelegenheit mehr; sie ist über die deutschen Grenzen hinausgewachsen. Sehen wir zu, daß wir in den nächsten Wochen — entgültige Entscheidungen wegen der Friedrichshafener Halle ffnb noch nicht gefallen — unsere Sache geschickt und mit unwiderleglichen Argumenten vertreten und machen wir den Versuch, auf dem Wege kluger politischer Verhandlungen das Friedrichshafener Werk für uns zu retten. Wir retten es nicht durch Pathos und hysterisches Geschrei, sondern durch eine kluge, gemäßigte und im Gewände guter und triftiger Gründe einhergehende Sprache.
Aus einer Lage, die unhaltbar war, ist jetzt der I Ausweg geöffnet worden: auf den einstimmigen I Rai des Reichskabinetts hin hat der Reichspräsident von dem ihm in der Verfassung gegebenen Rechte Gebrauch gemacht und den R e i ch s t a g a u f g e- l ö st. Unsere Extrablätter haben die neue Wendung in der politischen Lage, die in allen politisch interessierten Kreisen große Anteilnahme fand, noch in den Abendstunden des Montag m der Stadt verbreitet.
Reichskanzler Dr. Marx hat mit bewunderns- I würdiger Geduld, getrieben von feinem • hohen Pflichtgefühl, immer wieder, immer aufs neue versucht, die Auflösung zu vermeiden, dem Volke die Aufregungen des Wahlkampfes zu ersparen und aus den Kräften des Reichstages, die sich auf den Boden vaterländischer Aufbauarbeit stellen wollten, eine Regierung zu bilden. Aber immer krasser I zeigte sich, daß sich für wirkliche vaterländische Aufbauarbeit, deren Ziel das Wohl des ge- I samten Volkes, nicht die Sonberintereffen einzelner Gruppen und Grüppchen fein muß, keine | ausreichende Mehrheit fand. Am Montag mittag versuchte der KanAer das Letzte: er richtete an die demokratifcheReichstagsfraktionem Schreiben, worin er sie dringend dittet, im vaterländischen Interesse den Reichswehrminifter Gehler als Fraktionsmitglied auch m einem nach | rechts erweiterten Kabinett zu belassen. Ein weite- I res Schreiben sandte der Reichskanzler an. die i deutschnationale Reichstagsfraktion. | Darin bat er sie, sich bei der Neubildung des Kabinetts mit drei M i n i st e r s i tz e n z u b e g n ü - gen, da er Wert darauf lege, den bisherigen | Reichsernährungsminister Grafen Kanitz im Kabinett zu behalten, der in schwerer Zeit ein Beispiel vaterländischen Opfermutes gegeben hat. Der Erfolg war in beiden Fällen negativ. Die Demo- I traten lehnten es ab, auf die Bitte des Kanzlers einzugehen. Die Deutschnationalen haben über- | Haupt keinen förmlichen Bescheid auf die Bitte des Kanzlers erteilt. Da hat das Kabinett die Folgerungen gezogen. Jetzt hat d a s d e u t f ch e V o l k d a s W o r t. Das deutsche Volk, soweit es auf dem Boden der Zentrumspartei steht, weiß heute schon, was zu tun ist. Mit rmgeschmälertem Vertrauen steht es treu zu seinem Führer, dem Reichskanzler Dr. Marx. Als lautere Persönlichkeit, unberührt oon jeglichem Eigennutz und ^per- | sönlichem Ehrgeiz, erfüllt von dem hohen Berus des leitenden Staatsmannes, groß in seinem Verant- wortlichkeitsgefühl gegenüber allen Volksgenossen, armen und reichen, gelehrten und unge- lehrten, städtischen und ländlichen, so steht er vor | uns, uns Katholiken besonders deshalb so wert, weil gläubiges Gottvertrauen und tief reügiöfe Sinnesart aus all seinem Tun und Handeln spricht und wir nur solchen Männern folgen können, deren politische Arbeit fest gegründet ist auf Grundsätzen von Ewigkeitsgehalt. Dr. Marx ist wahrhaftig der rechte Führer für die große deutsche christliche Volkspartei, für die Zentrumspartei, der auch in diesem neuen Kampf ttnfere ganze Kraft und begeisterte Mitarbeit gelten soll. * ,
Am Abend des 20. Oktober wurde folgende halbamtliche Erklärung veröffentlicht:
Die Bemühungen des Reichskanzlers, die jetzige Reichsregierung zu erweitern, um ihr eine sichere Mehrheit im Reichstag zur Fortführung des bisherigen Politik zu verschaffen, sind endgültig gescheitert. Daraufhin hat der Reichskanzler, da sich ein anderer gangbarer Weg nicht zeigte, t n Uebereinftimmungmitbemgefamten Reichskabinett beim Reichspräsidenten bie Auflösung des Reichstages beantragt, um dem Volke Gelegenheit zu geben, eine solche Mehrheit M schaffen. Der Reichspräsident hat dem Antrag des Reichskanzlers entsprochen.
Die Verordnung des Reichspräsidenten
hat folgenden Wortlaut:
„Die parlamentarischen Schwierigkeiten machen eine Beibehaltung der gegenwärtigen Reichsregierung und gleichzeitig die Bildung einer neuen Regierung auf der Grundlage der bisher befolgten Innen- und Außenpolitik unmöglich. Auf Grund des Artikels 28 der Reichsverfaffung löfeichdes- halb den Reichstag auf.
Der Reichspräsident: (gez.) Ebert. Der Reichskanzler: (gez.) Mar x."
Der Wahttermin.
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