Hr. 246 vsm 21, OkL 1924.
Zur Unterhaltung
die
die
Hukka Salko.
— die Eroig-
— in
(Schluß folgt.)
des Wiedersehens
umzusinken drohte
und er weht in die weite
die leichten Lieder Welt geschwind.
von hüben und
Liebespaar, Vase
Susanne — sazti
—" Er erhob matt
Blick traf den Sabinas. Ein flüchtiges Lächeln huscht, über das Antlitz, das schon der Tod gezeichnet hatte.
Musikanten müssen wandern, schon zur Neige ging der Wein, ziehn die Lieder in die Weite, muß der Spielmaun hinterdrein."
An einem Lappenlager verabschiedeten wir uns, und als sie über die Steppe zogen, sangen sie das Lied, und ganz von ferne trug es mir der Wind noch zu:
.... ziehn die Lieder in die Weite, mutz der Spielmann hinterdrein."
für Mich eine ——- ------- ,_____
Landsleuten zusammen zu sein. Wir haben zusammen «nagt und abends beim Herdfeuer m der Hütte deiche und finnische Lieder zur Laute gesungen. See hatten auf ihrer Fahrt finnische und koreltsche Volkslieder gesammelt. Ich habe sie dann 60 Kilometer weit ms Norwegische begleitet. Sie nahmen von nur em Storm- sches Wed mit auf den Weg:
„Musikanten wollten wandern, durch die Saiten weht der Wind,
Gräfin lag vor dem Sterbenden auf Benignus nickte leise.
Schweratmend sagte er: „Anne mir--daß du — ein Gelöbnis
die Hand.
Herbsttage am Tuorkottajävri.
Der Rachtwmd heult um meine einsame Hütte am See, und Wellen schlagen klatschend ans Ufer. Ich sitze am Herdfeuer. Wie fern liegt die Heimatl Zwischen uns liegen große Weiten: Ostpreußens Seenkette, W- tauen, Estland und die finnische Bucht — Finnland, das Land der tausend Seen mit dem Bottnischen Meer, wo die kleinen Städte Uleaborg, Semi und Tornio bald wieder in den langen weißen Schlaf des Winters ver- finSen — und die großen Oeden und Tundren Lapp- lands. — Der Holzkloben auf dem Herd knistert leise im Verlöschen und unter meinem Feldbett knurren im Schlaf die Hunde. Träumen fie von der Jagd oder schon von unserer Fahrt? Wenn der erste Schnee fallt, werd«, die Schlitten gepackt, und es geht werter nach Norden. Der Sommer ging zu Ende und nun flammt die Steppe aus in taufend Farben. Manche Tage find in leuchtender Sonne wie märchenbunte Weltvergessenheit — und andere wieder in regenfeuchte tottraunge Monotonie, wo man auf das Ticken der Uhr tauscht und meint, die Zeit stünde still. - Dieser Tage besuchten mich auf ihrer Wanderfahrt deutsche Studenten. Es war
mehr!"
Wild stützte Sabina, die „Was ist dir?"
„Nichts — nichts," kam es stoßweise wie im Tramn hervor, „ich — glaubte — id) —"
schenkte.
Und nun folgte die Aufklärung drüben.
Siegfried und Anne Susanne, das und Detter wußten nicht genug zu erzählen, so daß Wild zumute war, als ob er beim zwölften Schoppen Wein
„Laß mich ohne Schuld eingehen
kcit, werde glücklich — beglücke andere, ich--“
Schluchzend neigte sich Sabina tief über das Antlitz
dessen, der einst ihr junges Herz besaß.
Wangen.
Und Susanne? Sie spürte es nicht, daß es gepanzerte Arme waren, die fie fest hielten, daß es Hände in Slatzl- fchuhen waren, die sie liebkosten Sie glaubte weich wie in Daunen zu ruhen und meinte, der Augenblick müsse ewig währen, der chr dies Glück des Wiedersehens
saß«.
Rund rm Kreise ging ihm das Hirn, umd als Siegfried endlich in strahlender Seligkeit sprach. Gib uns den Segen, Ohm Wild, schenke mir zum Dank dafür, daß ich Euch befreite, als Gegengabe dein Kind," da vermochte der Burgherr nicht „Rem" zu sagen.
Wo war sein Trotz geblieben?
Ach — er war ein anderer geworden in dieser schweren Prüfungszeit, und als er inmitten von Siegfried und Inne Susannen die Treppen hinaufschritt, meinte er, daß
Die herzliche Aufnahme, welche der Roman „Der Bmgfchreck" von Felix Neumann in unserem Leserkreis gefunden hat, Veranlaßtuns, zwei Novellen aus der Feder desselben Verfassers zu veröffentlichen:
Schwester Aeselott
und
Älsabe Rasmus.
Beide Arbeiten haben einen ungewöhnlich idealen Höhenflug. und bieten eine menschlich ergreifend Lektüre. Da sie sich außerdem durch Lebenskraft unb( Wucht der Darstellung auszeichnen, wird man sie nicht ohne Gewinn lesen.
nun eine ganz neue Zeit für ihn anbreche, für ihn «d den Schreckenstein.
Sabina war im Burghof zurückgehakten worden, denn Verwundete wurden herbeigetragen, für die es zu sorgen 8<d Auch Wild »eß das junge Paar bald allein und kehrte zu seinen Getreuen zurück
Auf Strcch gebettet lagen die Helden dieses Kampfes im kühlen Schatten der Bäume.
Wild sah, wie Sabina mit feiner, sorglicher Hand von Lager zu Coger schritt, tröstend, heilend, Mut zuspre- chend. Er konnte den Blick nicht losreißen von diesem Bilde. . m
Da kehrte ein Teil der Verfolger in die Burg zuruck. Man schlepp!« den feindlichen Feldhauptmann mit, der verwundet gefangen genommen war. Der Frieder schritt neben her und meldete sich beim Burgherrn.
„Was du an uns getan hast, Frieder, das will ich dir lohnen. Wie, das sollst du bald erfahren!"
Aber der Getreue wehrte unter Tränen ab
„Ich tat nur, was ich mußte, Herr, danket dem, den man dort herbeiträgt, ohne den auch meine üffncht aus der Burg vergeblich gewesen wäre — danke! ihm, so er Euren Dank noch zu hören vermag!"
Unb über die Zugbrücke brachten Kriegsknechte Benignus, den Einsiedel, der mit geschlossenen Augen und dlu- tenber Stirn aus einer Trage lag. Auch Sabina trat herzu, um diesem Schwergetroffenen ihre Hilfe zu weihen. Neben ihr stand die Magd Kordula mit Linnen und frischem Wasser. Da setzten die Knechte die Bahre nieder und Wild trat mit der Schwägerin zu Häupden des seltsamen Mannes, der nicht mehr die Mönchstracht trug, sondern als Kriegsmann gekleidet war. Sabina beugte sich nieder, entfernte das Blut vom Gesicht und Stirn und wollte dazu schreiten, den Verband anzulegen, als sie zusammenfuhr und sich dicht über das Antlitz des Sierbeuden beugte. Wild sah, daß der Schwägerin Antlitz bleich wie Schnee wurde, daß sie die Hands an die Schläfen preßte und vor sich fyin murmelte. Es kann nicht sein, es ist unmöglich, es geschehen keine Wunder
Ich war wieder allein in meiner schweigenden Einsamkeit. Der Himmel zog Wolkenschleier über die Berge, ein sanfter Regen setzte ein und weinte sich aus auch noch, als ich in der Nacht meine Hütte am See fand und mich müde in die Pelze hüllte.
Grüßt mir die Herbsttage meiner Heimat, wo Kartoffelfeuer ihre Rauchfahnen über die Landstraße senden, die Wendglocken läuten, und die Bergleute mit „Glück auf" in die Schächte fahren!
Allerlei von den Erdbeben.
Don Dr. I. Westphal.
Sn der jüngsten Zett las man wieder einmal von mehreren, teHroeife gewaltigen Erdbeben, die zahlreiche Opfer forberten. Es soll Menschen geben, die behaup- ten, fo etwas hätte es ftüher nicht gegeben, wenigstens tu dieser Menge und mit so schrecklichen Folgen, ete ta be» fetzten Zeiten geschah. Allein früher es eben noch nicht die Verkehrsmittel rote heute, §e es z. «. ermöglichten, daß ein Blick in die Zeitung am Feierabend uns zugleich einen Blick auf die Er- Mmfle der letzten 24 Stunden ttr der ganzen Wett «währt, und sodann, es gab noch keine Seismographen aber auf gut deutsch: Erdbebenaufschreiber. Heute sind auf der Erde 37 Erdbebenstationen eingerichtet. Wie wichtig die Stationen sind, geht u. a. daraus hervor, daß alle Jahre gegen 30 000 Erdbeben m die Erschei- mmg treten rmd sich natürlich an den Apparaten kennt- fich machen. Cs gibt also in den Stationen viel zu tun, wenn auch das große Pubsikum nicht von allen Erschütterungen der Erde erfährt, die sich übrigens nicht nur um sich selber dreht und dabet tun die Sonne läuft, son- dem noch 12 verschiedene andere Bewegungen unter- nimmt.
Run wird man sich gewiß wundern, daß täglich tat Durchschnitt 82 Erdbeben stattfinden und wird sich fragen, wie dies möglich ist. Des Rätsels Lösung ist höchst einfach und tatereffont zugleich: Die Erde kühlt sich mehr und mehr ab und zieht sich dabei zusammen, bald mehr, batb weniger, je nach der örtlichen Struktur der Erd- imlste. Dabei schiebt eins das andere. Z. B. wurden 1897 durch das Erdbeben von Affam gegen 10 000 englische Quadratmeilen Land um 18 Fuß verschoben! Doch auch innerhalb der Erde, oft unter dem Meere, gibt« solche Verschiebungen. Eine der größten jemals dage- wefenen war das Erdbeben von San Franzisko in Nord- Irnnertta. Trifft nun eine solche mächtige Erdversthie- bung, die jedesmal ein Erdbeben zur Folge hat, auf röten Vulkan, so kann es geschehen, daß dieser — man beute an den plötzlichen Ausbruch des Mont Pelse — in neue Tätigkeit nach außen tritt unb sich gewaltsam Lust verschafft. Was ist solchen Elementar-Ereigniffen gegenüber eine einzelne nur leicht oder noch so fest gebaute Stadt, die zufällig gerade auf einer gefährlichen Stelle entstanden ist! Wir leben eben so hübsch ruhig dahin und ahnen gar nicht, wie es fast allerorten und fast ummterbrochen auf der guten Erde zittert und bebt!
I Als ob st« eine Vision sähe, so bückte sie den jungen Ritter cm, der an Graf Wilds Hand auf ste zukam.
Und mm geschah etwas, was dem Burgherrn ganz I unfaßbar schien.
I Wett breitete die Tochter die Arme aus, um sie un I nScWen Augenblick um den jungen Ritter zu schließen, I bet ihr mit einem Jubellaut entgegenstürzte.
Was war denn das? Woher kannte Anne Sufamie den Vetter schon, den sie doch heute zmn ersten Wale I ' h Breitbeinig, das Schwert vor sich tmfgestützt, nttt I offenem Munde sah Wld diesem Schauspiel zu, uns I ihm war, als ob sein Verstand in die Brüche gehen I wollte. k
L „Was ist Has, Sabina?" Rattos wandte er sich der | Schwägerin zu, die auch den Kopf schüttelte, aber unter I Tränen beglückt lächelte.
I „Mr wissen'? noch nicht, Wild, aber das eine ist gs- Diß, daß das das Ende der unheilvollen Bruderfehde
I bedeillell"
„Anne Susanne!" Siegfried beugte sich nieder zu ser- I ntr lieblichen Base und küßte ihr alles Weh von dem bleichen Munde und den gar so schmal gewordenen
Alder aus Lappland.
Von Franz D u b b i ck.
Der Kunstmaler und Forschungsreisende Franz Dubbick, der auf einer Studienreise durch Finnland, Lappland und weiter nördlich gelegene Regionen begriffen ist, sendet uns das folgende interessante StinunungsbUd.
heileres.
Die Klatschbase. „Haben Sie die unglaubliche Geschichte von Müllers schon gehört?" „Nein." „Aber es sind doch Ihre Nachbarn." „9a, aber meine Frau ist verreist.
*
Auch ein Zweck. Redakteur (zu einem Dichter): Ich kann mich nicht erinnern, daß Sie mir ein Gedicht- Manuskript gegeben hätten. Söhnchen: Doch, Papa, du hast es ja gleich zusammengesÄtet und in den Hut gelegt der dir zu groß war.
„Sabina — nun bist du mir doch in meiner letzter Stunde nah! Für dich — und Euch alle habe ich — gekämpft! Du hast viel um mich — gelitten — ntmts meine Buße — gnädig an!"
Er konnte nicht weiter sprechen, zwei Arme umschlan gen ihn und ein Frauenmund, den er einst in schwerer Schicksalsstunde geküßt, verschloß ihm die Lippen. Sc war Gallus Balbinas, der fahrende Sänger, der Totgeglaubte, noch einmal in Sabinas Leben eingetreten, ehc er für immer Abschied von ihr nahm.
Tieferschüttert hatte Wlld dieses Medersehen mH. erlebt Vor seinem Auge stieg die Iohannisnachl empor in der Sabina das Erlebnis ihrer Jugend bekannte. Di» " den Knien.
Der Burgschreck.
«Roman von Felix «Reumann.
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Im Burghof war ein Jubel ohnegleichen. Bffreier vnd «Befreite lagen sich m den Armen, und we Magd Cordula, mehr praktisch als fentimentat nranlagt, wuch- tete mit Hilft der Knechte die Sacke nut Metz, Schinken und Brote von dem Wagen, den die hungernde Besatzung umdrängte.
Da tarn eine Schar Gepanzerter geritten. An ihrer Svtae ein tanger Ritter, der vom Roste sprang, den Helm lüftete und sich den Schweiß von der Stirne ^chte. warf den Helm einem Knappen zu R™ Pta Wild, dem er prüfenb ins AnWtz sah.
„Graf Wild Bärenhaupt?"
Der Burgherr bejahte und streckte dem ftemden Führer die Hände entgegen. Aber sie wurden E ergriffen. Im nächsten Augenblick flitzte sich Wrldumschungen
„Ohm WM Lange Jahre «ar Stee» und Fehde zwischen uns, mm laß mich mit diesem Siege t»r den Frieden bringen!" . .. _.. ,,
Mi ausgestreckten Armen hielt Wild den JünAu^ von sich und forschte in den verwandten Zügen nach der Aehulichkett mit dem Bruder, während es chm mn d« Augen vor Rührung wettevde und zuckte.
„Siegfried! Mein Junge, komnr' cm das oermmete Herz deines Ohms! Ja — nun laß Frieden werden!
Und sie umarmten sich abermals.
Ueber den Burghof tarnen zwei Frauen geschritten Sie bahnten sich den Weg durch die Scharen der Knegs- lsute die umhefftanden unb nun langsam Platz machten. Es war Gräfin Sabina, an deren Arm Anne Susanne bleich und schwach hing. Aber sie hatte es in der Kemenate nicht mehr ausgehalten. Ws das Jauchzen der Steger zu ihren Ohren drang, als sie die ftemden Reiter in den Hof strömen sich da schlug ihr Herz dis zmn Zerspringen, hatte sie doch von Heinz erfahren, daß man von der Zinne aus unter den Kämpfenden auch den Frieder erkannt habe.
WUd sah die Frauen kommen itab führte ihnen Siegfried entgegen.
Da spürte Sabina plötzlich einen Ruck an ihrem Arm.
Anne Susanne riß sich los nud blieb mit weit geöffneten Angm reWMgslos stehen.
Alle Finnen und Lappen im Distrikt von 250 Km. I kennen ihn, den alten Hukka Salko, und alle lachen, wenn man seinen Namen nennt. Sein Bild ift in | vielen wissenschaftlichen Büchern als typischer Vertreter seiner Raffe zu finden. Er ist em alter, aber, noch sehr rüstiger Lappe von untersetztem, dabei kräftigem I Körperbau, mit den die Lappen kennzeichnenden kurzen I Beinen, und wohnt am Näkäläiävri — nicht rote sein I Bruder, der NäkW-Juso, im Zelt, sondern m einem I Haus dicht am See. „Haus?" — man fragt sich, wenn man es steht, gibt es überhaupt solch eine Verneinung I jeglicher Architektur bei einem Haus? — Ein wirres Gerümpel von Brettern, aus dem die Sonne alle Farbe I gefogen hat. Sparren, Schindeln und grasüberroucherte Lehmpatzen. Ein Fenster ist auch darin, das oft so lustig blitzt, wenn man nach langer Wanderung über den See kommt. Wenn dann die sttuppigen Hunde anschlagen, I effcheint mitunter ein buntes Etwas hinter den halb- I blinden Scheiben, die immer, im Sommer wegen den I Mücken und im Winter der Kälte wegen, fest verklebt find. Aber, wie gesagt, nur mitunter sicht man etwas dahinter. Hukka Salko läßt sonst immer die Ereignisse an sich herantreten und geht ihnen nur in den fettenften Fällen entgegen — höchstens, wenn es der gleiche Weg ift. Tritt man über die Schwelle und ist über die Renntieffelle und Netze gfftolpert und stößig sich erft den Schädel an dem Querbalken der Stubentür ein, so liegt der „ßappenfürft" und Besitzer mehrerer tokka (Renntierherben) auf seiner Bettstatt, raucht und spuckt große Bogen. Die Erwiderung des Lappengrußes — puris! — und einiges Klappen mit den Augenlidern | heißt, daß man willkommen fft. Wenn man, wie ich, ] der lappischen Sprache nur soweit mächtig fft, daß man | bis Zwanzig zählen und über das Wetter sprechen kann, fällt es gor nicht auf, weim man gar nichts fagt, sich an den Tisch setzt und sich erst einmal eine „Fennra : ansteckt, deren Annahme Hukka innnertzn wenigstens mit i einem „tat" quittiert. Endlich, nach einer geraumen Weile, kommt Bewegung in ihn, er erhebt sich und zieht den bei jedem Lappen tieffitzenden breiten Ledergurt in die Höhe und ruft: „Aino!" Da niemand kommt, macht er auf dem offenen Eckherd selbst Feuer, indem er zuvor fein riesiges Messer zieht — den sogenannten Pickko -, und an ein Holzstück spiralförmige Späne mffchneibet. Dabei hängt ihm die groteske, vierzipfüge Lappenmutze schief aus dem verwetterten, weißbehaarten Schädel. — I Wenn du, lieber Leser, einmal nach Lappland reffen I solltest, so nimm eine kräftige Dosis Dickitalis mit, denn vom allzuvielen Kaffeetrinken haben ste fast alle hier einen Herzklapps. Die Übliche halbe Handvoll Salz I daran darf natürlich nicht fehlen, aber dann hat Hukka Salko immer Milch, und jetzt, zur Zett, wo die Rennt,ere I gemolken werden, schmeckt sie frisch vorzüglich und ist I mte Sahne so dick; aber die in den gelben, im Netz | hängenden Renntiermagen, in denen sie oft bis ein Jahr I lang aufbewahrt wird, schmeckt entsetzlich. Berm Kafiee wird Hukka gesprächig. Ich frage ihn über den Fischfang, und ob die fiika jetzt fett wären im Zuortottajauri, und erzähle ihm, daß jetzt im Ounasjäori nur wenig
0^0 - . ~~ - I rötmal übernachten sollte, und kommt mit einer Hand
feister Fische zurück, die er dann über dem Herdfeuer am Stock aufgespietzt bratet. Den traditionellen großen Renntierknochen, der schon ganz abgegriffen ist, und von dem er das trockene Fleisch mit dem Messer noch aus den tiefsten Winkeln holt, reicht er mir nachdem Fisch, nachdem er sich damit ■ fast eine halbe Stunde amüsiert hat, mit den Worten: „byra porronlika (gutes Fleisch von Renntter). Zum Schein des Gerechten
zu kauen bezw. zu benagen und abzuschlucken. Alsdann bekunden die gebissenen Hunde eine gesteigerte Bechsuch , die sich hauptsächlich gegen Hunde und Katzen rich e . Nicht selten werden aber auch andere Haustiere und Menschen angegriffen. Im weiteren Verlaus der Krankheit macht sich bei den Hunden ein unwiderstehlicher Drang zum Entweichen bemerkbar. Wenn sie eingesperr oder angefettet sind, streben sie, sich aus dem Gewahrsam zu befreien und von der Kette loszumachen, «ie laufen, ohne erkennbare Ursache, weite Strecken^ fort, Ziesten kehren sie an den folgenden Tagen zurück, um sich daraus an versteckten Orten zu verkriechen und nach kurzer Zeit der Ruhe von neuem zu entlaufen. Es kommt vor, daß sich routfranfe Hunde gegen ihnen bekannte Per- onen freundlich verhalten, während sie sonst alles, was ihnen in den Weg kommt, anfaßen und selbst m leblose Gegenstände beißen.
In manchen Fällen fehlt die Beihfucht, eine Krankheitsform, die man als „stille Wut" bezeichnet. Jnzrm- fchen ändert sich die Stimme: das Bellen wird heiser und häufig und artet infolge beginnender Lähmung der Kehlkopfmuskulatar zum Bellgeheul aus. Der Blick fft stier. Die Lähmung dehnt sich bald aus den Unterkiefer und das Hinterteil aus. Aus dem offenstehenden Marll fließt fadenziehender Speichel. Der Körper magert sichtlich ab Unter zunehmender Schwäche tritt der Tod fünf bis sieden Tage nach dem Beginn der Krankheit ein. Bei der Zerlegung der Kadaver wutkranker Hunde findet man im Magen anstatt des Nahrungsbreis die oben erwähnten fremdartigen Stoffe.
An den inneren Organen sind nur geringfügige Veränderungen wahrzunehmen, die oft ganz fehlen, wenn die Hunde im frühen Krankheitsstadium getötet werden. Zur Sicherung der Fesfftellung der Krankheit ist es hiernach von großem Wert, daß wutoerdöchtige Hunde nicht sofort getötet, sondern mit der nötigen Vorsicht lebend eingefangen und bis zur amtstierärztlichen Untersuchung in einem sicheren Behältnis eingesperrt werden. Der Wutverdacht ist sofort der zuständigen Polizeibehörde anzuzeigen.
Für das Wutgift find auch die übrigen Haustiere, wie Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Katzen und das Geflügel empfänglich. Die Krankheitserschei- mingen sind bei den genannten Haustieren mehr oder weniger denjenigen der Hunde ähnlich. Bei allen Arten wird beobachtet, daß sie andere Tiere, auch Menschen angreifen, zu stoßen und zu beißen oeffuchen, eine Erscheinung, die namentlich bet den sonst so harmlosen und furchtsamen Schafen, Ziegen und bei Geflügel auffällig effcheint.
Was hat nun der von einem wutverdächtigen Tiere gebissene Mensch zu tun? Die Wunde ist sofort auszu- waschen und, wenn möglich, mit rauchender Salpeter- säure, mit Schwefelsäure oder Salzsäure auszubeizen oder mit dem Brenneisen (et), glühend gemachtes Messer) auszubrennen. In jedem Falle ist der A r z t u rt v e r - züglich hinzuzuziehen. Sobald feststeht, daß das die Verletzung verursachende Tier mit der Tollwut behaftet ist, so muß den gebissenen Personen dringend geraten werden, zur Sonderbehandlung die nächste Station für Wutschutzimpfungen aufzusuchen. In verschiedenen Orten sind jetzt solche Stationen eingerichtet worden. Wichtig ist es ferner, sofort nach einem Biß den Aufenthaltsort des beißenden Hundes ober der Kotze s festzustellen und ihn der Polizei zu melden. Nur durch! gemeinsame Arbeit des Veterinärwesens, der Polizei und der Bevölkerung fft es möglich, die gefährliche Seuche! einzudämmen oder oeffchwinden zu lasten und die vierbeinigen Hausgenosten von der lästigen Sperre zu befreien. „Proteste" werden da wenig helfen. Wie erheblich die Gefahr ist, beweist der Umstand, daß Berlin seit etwa 10 Jahren verseucht ist. Immer, wenn die Sperre aufgehoben werden sollte, trat ein neuer Fall der Tollwut ein. Auch solche Gebiete, dis lange Jahre frei waren, find in diesem Jahre in Mitleidenschaft gezogen Da können nur durchgreifende Maßnahmen helfen. ©inftermann.
bekannt zu geben.
Drei bis acht Wochen nach dem Brß, zuweilen auch noch später, bricht die Tollwut bei den Hunden aus. Die ersten Erscheinungen bfftehen, nach einer Aeußerung des Landestierarztes Pros. Peter, in einer Aenderung des gewohnten Verhaltens der Hunde. Sie werden mürrisch weniger folgsam, und verkriechen sich oft. Die Fretz- lust fft vermindert, und bald wird die Aufnahme von Nahrungsmitteln ganz veffchmäht. Dagegen zeigt sich gewöhnlich eine Neigung, unverdauliche Stoffe (Holz, Stroh, Haare, fieber, Glas, Steine, Metallstucke usw.)
knaupele ich auch ein wenig baran herum unb bestätige ihm, baß bas Fleisch gut ist, woraus er wiederum em Loblied auf das gute Renntierfleisch fragt. Ein Gesprächsthema wirb hier erft zehnmal burchgekaut unb roieberbolt sich immer roieber, genau wie man auch a* Fleisch gut kauen muh. bas bie Lappen auf Säumen unb die Finnen auf ben Dächern ihrer Hauser auf Holzbirnen trocknen. Es schmeckt nicht schlecht — getrock- not — ich esse es sogar sehr gern. Beim Essen sage ich ihm bann, baß er mich über ben Räkala- zum Tuorkottajävri im Boot sahren mochte, und zwar, wenn es geht, noch vor Abend. - Ja, er ist einverstanden. Das Letztgewiinschte ignoriert er. Den Begriff Zett oder keine Zeit ober gar Eile, kennt man hier nicht.
Die Tage sind ja tm Sommer so lange und die Nachte im Winter noch länger. Nachdem endlich zm Abfahrt alles bereit ist, und der Lappenpocka Aino im Boot steht, kommt Hukka mit einem Berg von Netzen auf dem Rucken und drückt mir die uiftin (Blinkangel) in die Hand, mit der man in dem »erbinbungsflufj uin, den Stromschnel- ten, bie beide Seen verbinden, immer die großen Tamuka (Flußlachfe) fängt; mit den Stellnetzen bringt Hukka Salko aus dem Tuorkottajävri immer fernen Korb voll Felgen, Hechte unb Barsche mit heim. Hukka ist mit Leib und Seele Fischer, bas ist wohl auch der Grund, daß er nicht mit den Herden zieht. Er geht nur ab und an zu ihnen, die von jungen Lappen unb ihren Hunben gehütet werden, und zwar jetzt im Herbst.
[ Gz wird Abend, und die Nacht kommt, als wrr I meine Hütte am Ende des 10 Klm. langen Sees erlichen Am klaren herbstlichen Nachthimmel flammt das Nordlicht auf, zuerst in milchig weißen Streifen, rote vom Mond beleuchtete Windwolken, wahllos über dem Himmel, immer leuchtender werdend, bis sie wie helle Kometenschweife am Himmel stehen unb bann wieder wellenartig schwächer werdend veffchwinden, um an anderer Stelle wieder auszustrahlen. Hukka und der Knabe schneiden am Ufer Schilf zum Nachtlager wahrend ich I als Gastgeber Feuer mache und Kaffee koche; und zwar I ohne Salz.
von sollen Hunden, Hatzen und Menschen.
Die Gefahren der Zoßrout — Der Stand im Reiche. — Reue Maßnahmen zur Bekämpfung geplant. — Wie äußert sich die Tollwut? — Schutzmaßnahmen der Gebissenen.
Nach reichsstatistischen Feststellungen sind in Deutschland nicht weniger als 143 Streife mit 448 Gemeinden und 417 Gehöften durch die Tollwut verseucht. In Preußen sind es allein 78 Kreise, in Bayern 41 Distnkts- verwaltungsbezirke. Wie wir effahren, werden im Mi- msterium neue Maßregeln erwogen, um endlich einmal der immer weiter um sich greifenden Seuche Einhalt zu gebieten. In außerdeuffchen Ländern hat man es bereits mit einer Schutzimpfung der Hunde gegen die Toll, rout versucht, jedoch noch keine befriedigenden Ergebnisse erzielt. Gegenwärtig sucht man noch durch die Hunde- sperie der Tollwut Herr zu werden. Diese Sperre hat Zweifellos manche Nachteile im Gefolge und fft lästig. In veffchiedenen Städten sind lebhafte Einsprüche der Hundebefitzer laut geworden; in München veranstalteten sie sogar eine große Protestversam m t u n g. Da bie Gefahren der Tollwut aber nicht unterschätzt werben dürfen und nicht nur die Tiere, sondern auch die Men- lchen bedroht sind, wird wohl aller Protest nichts Helsen, solange kein anberee durchgreffenbes Mittel als bie Sperre gefunben ist. „ ,
1923 mürben im Berliner Institut für Insektions- krankheiten 750, im ersten Halbjahr 1924 bereits 552 Personen geimpft. Auch mehrere Todesfälle find vorgekommen. Denn bie Wutkrankheit kann durch den Bitz wutkranker Hunde auf den Menschen übertragen werden. Cs effcheint daher zum Schutze der menschlichen Gesundheit notwendig, die Merkmale der Wut bei den Tieren, insbesondere bei den Hunden, m einigen knappen Sätzen