utdaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.
51. Zahrg
Dienstag, 21. Oktober 1924
Nr. 246
Kus -em besetzten Gebiet.
Das „Tageblatt" meldet aus Düffelvorf, daß an die BesatzungStruPPen im neubesetzten Gebiet der Befehl ergmg, die Bef tzung unsichtbar zu machen, vor allem die öffentlichen Aufmärsche, Parad n, das Aufziehen der Wachen mit Musik usw. möglichst zu vermeiden. Die Düsseldorfer Abschiedeparade für General Tegvulte dürfte vomussi htlich die letzte Parade der Besatzungstruppen im neubesetzten Gebiet gewesen sein.
DaS bayerische Justizministerium teilt mit, daß gegen den Landesverräter Matthes ein Haftbefehl erlassen worden sei. Matthes soll sich zurzeit in der Schweiz aufhalten; seine Auslieferung von do,t könne aber nicht erwirkt werden.
Nach längeren Verhandlungen ist am 19. Oktober zwischen der deutschen Abordnung und der Rheinlandkommission ein Abkommen über die Zurückgabe der Zoll», Forst- und Domänenver-
Bersntworttich tüt die Schriltteitung: Dr- Johanne» Kramer. Ameisen: I- B arretier, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der : Fuldaer Retiendrnckerei in Fulda. Fernlvrecher Rr- 8. :
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Neuer Vorstoß der Türken.
Maßnahmen gegen die Griechen in Konstantinopel.
Wtb London, 20. Ott. (Tel.) Berichten aus Konstantinopel zufolge sind dort tausend Griechen zwecks zwangsweiser Ausweisung aus dem türkischen Gebiet verhaftet worden. Der Vorsitzende der griechischen Delegation bei der internationalen Kommission für den griechisch-türkischen Devölkc- rungsausschuh erhob energischen Einspruch dagegen und drohte Konstantinopel zu verlassen, wenn die Verhaftungen fortdauerten.
Einer von der griechifchen Gesandtschaft in London dem Reuierbüro übergebenen Mitteilung zufolge ist durch dieses türkische Vorgehen eine sehr ernste Lage in Konstantinopel entstanden. Die griechische Bevölkerung Konstantinopels wurde dadurch in eine Panik verseht.
Die Tagung in Angora.
wtb £ o n t) o n, 20. OH. (Tel.) Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß General Jsmed Pascha in der Nationalversammlung eine eingehende Darlegung der Verhandlungen über die Mojsnlsrage gegeben hat. Er drückte sein Vertrauen in die Gerechtigkeit des Völkerbundes aus. Die Türkei erwarte vom Völkerbund ein praktisches vorläufiges Ergebnis, durch das die Grenz- sireikigkeiten beigelegt werden könnten. Diese Rede erntete großen Beifall. Die Versammlung oct' tagte sich auf heute vormittag 11 Ahr.
Der Kampf um Mekka.
wtb London, 20. OH. (Tel.) Liner Meldung aus Dschidda zufolge erklärte der Sultan Red- schel in einem von ihm verfaßten Aufruf, er habe keinerlei Absicht ans das hedfas oder das Kalifat. Alle, Eigentum und ave Personen würden geschützt und die P i l g e r st r a ß e gesichert werden. Die Frage der heiligen Stätten werde zur Beratung den Mohammedanern übergeben werden. Vie Reuter weiter meldet, machte einer der Vaha- bitenführer dem Rate der Rotabeln von Dschidda Vorwürft, daß sie nicht den König Hussein und den Emir Ali verhaftet hätten, die die Schätze der Mohammedaner und das Eigentum des Volkes mit sich geführt hätten.__________
Beruhigung in Schanghai.
Die geschlagenen Tschekiangtruppen haben sich bereit erklärt, die Waffen niederzulegen, wenn ihnen zwanzig Dollar je Mann und freie Heim« beförderung bewilligt würden.
Renier melbet aus Schanghai: Man ist tn maß. gebenden europäischen Kreisen der Ansicht, daß die Gefahr für Schanghai nunmehr vorüber ist.
* Brotpreis in Paris. Das „Journal" kündigt an, daß noch in dieser Woche der Brotpreis in Paris
> auf 1,35 FrS. erhöht wird.
in diesen Blättern von irgendeiner Abkehr von den bisherigen, teilweise unerhörten Kampfmethoden I gegen die bisherige Politik nach innen und außen, und namentlich auch gegen die führenden Person- I lichkeiten. Insbesondere wird von einer gewissen I deutschnationalen Presse, und gerade von dem ofti- ziellen Parteiorgan der Deutschnationalen in Berlin, der „Kreuzzeitung", der Reichskanzler Marx immer wieder verunglimpft. Sn demselben Augenblick, in dem Marx mit deutschnationalen Persönlichkeiten verhandelt, die sich förmlich d r a n- g e n zu Ministerämterii, bringt es diese „Kreuzztg. fertig, die Verzögerung der Krisis dem Reichskanzler Marx zuzuschieben, von dem gesagt wird, er liehe fick von „Dr. Wirth und dessen Spaltungs- absichten" beeinflussen. Und gerade dieses Blatt ist es auch, das die jahrelange schwere Arbeit des Zentrums immer wieder in einer niedrigen Weise bekämpft, die entgegen dem vom Kanzler aufgestellten, und von den deutschnationalen Parteiführern angenommenen Richtlinien nicht die Fortführung der bisherigen Politik vertritt, sondern mit aller brutalen Rücksichtslosigkeit als Vorbedingung des Eintritts der Deutschnationalen in das Kabinett einen völligen Kurswechsel nach innen und außen verlangt. Erinnert man noch daran, daß gerade diese deutschnationale Presse sich bis jetzt noch mit keinem Wort gegen die unerhörten Beschimpfungen der deutschen Katholiken und des Zentrums durch Ludendorff gewandt hat, ja daß solche Aeuße-
! rungen in einem Teil dieser Presse geradezu unterstützt worden sind, so muß man sich doch Gedanken darüber machen, was erst werden würde, wenn diese Elemente einmal wieder unbeschränkt an der Macht wären. Ja, es gehen sogar Bestrebungen, die Zentrumspartei über- ha u p t a u s z u s ch a l t e n, so zwar, daß sich alle, die rechts neben dem Zentrum stehenden Parteien zusammenschlöffen gegen das Zentrum. Es schwebt solchen Auchpolitikern offenbar der B u l o w b l o ck vor Augen, ohne daß diese naiven Leute sich des schmählichen Fiaskos erinnern, das dieses Experiment erfahren hat. Aber daß überhaupt solche Ge- dankengänge aufkommen können, zeigt, woran wir sind, und wessen wir uns zu versehen hätten, wenn diese Kräfte wirklich wieder an die Macht kämen.
waltung erzielt worden. Danach gehen diese Ver- waliungen mit dem 21. Oktober wieder in deutsche Hände über. Am gleichen Tage werden die Ausfuhrämter EmS und Düsseldorf ihre Täiigkeit einstellen, sodaß vom 21. Oktober an AuS» fuhrbewillignngen ausschließlich von den zuständigen deutschen Stellen erteilt werden. Bezüglich der schwebenden Forderungen und der laufenden Verträge wurde eine Vereinbarung getroffen. Bei den Verhandlungen waren beide Teile von dem Bestreben geleitet, im Sinne des Londoner Abkommens mög. lichst Schluß der Vergangenheit zu machen und zur Wiederherstellung normaler Zustände im besetzten Gebiete deizutragen.
* Zum Präsidenten der Thüringischen Staats, bank in Weimar, wurde Geheimer Finanzrat Hugo Jost, zur Zeit drittältestes Mitglied der Preußen» lasse in Berlin, bestimmt. Geheimrat Jost steht feit 1905 in den Diensten der Preußenkasse und feit 1914 im Direkioralgeichäft. Der Vorgänger des Herrn Jost war bekanntlich Herr Loeb, dessen Ausscheiden io viel Staub aukaewirbeU hat.
। VieZnmnpoliM Frankreich;
Parteitag der Herriot-Partei.
Der Radikale Parteitag, der in Boulogne-sur- Mor tagt, verhandelte über fast sämtliche im Vordergrund der Erörterung stehenden innerpolttischen Fragen. Zuerst sprach man sich einstimmig für die Rückkehr zur Arrondissementswahl aus, dann wurde der Wunsch geäußert, daß die jetzige Regierung die soziale Gesetzgebung fördern und eine Politik be.ierben solle, die auf die Erböhung der Geburten, ziffei hinwirkt. Schließlich wurde eine Resolutton angenommen, in der bezüglich der Finanzpolitik gefordert wird, die jetzige Regierung möge sobald als möglich die finanzielle Bilanz des natto- na len Blocke? veröffentlichen, um vor dem Lande festzustellen, wer für die Schwierigkeiten, die die jetzige Regierung überwinden müsse, verantwortlich fei. Die schwebende Schuld müßte durch eine steuer- freie Anleihe konsolidiert werden, die franzochche Währung saniert und eine strenge Kontrolle über die Banken ausgeübt, namentlich aber internationale Vereinbarungen gegen die Kapitalflucht getroffen werden. Der Kongreß forderte fchlietzllch eine vernunftgemäße Regelung der interalliierten Schulden und Aufstellung eines Amortisationsplanes für die äußere öffentliche Schuld. Auch die Militär- frage wurde diskutiert. Der Abgeordnete Accambrah sprach sich dahingehend aus, daß, solange der Volker- bund nicht genügmd stark sei, jedes Land, vor allem Frankreich, in militärischer Hinsicht stark genug organisiert sein müsse; jedoch glaubt er, daß es möglich sei, zum einjährigen Dienst zuruckzukehren, । wenn eine genügende innere Organisation für die Mobilisierung und Aushebung der Truppen geschaffen werde. Der Kongreß hat schließlich den Vorstand der Partei gewählt und Herriot als Vorsitzende» der Partei bestätigt.
Geffnet die Archive!
Der bekannte französische Schriftsteller Victor I Margueritie fordert in der ,®re Rondelle energisch die Oeffnung der Archive wegen der Kriegs, schnldfrage, für die die Liga für Menschenrechie I jüngst in einem Briefe an Herriot eingetreten ist. Dieses Ersuchen sei begründet, denn die meisten Franzosen hätten weder" die deutschen Dokumente, noch das Schwarzbuch her Sowjets gelesen. Oeffnet die Archive, so ruft Margueritie aus, in denen die I Korrespondenzen von Delcassö und Pa» leologue schlummern, und gebt der Geheimdiplomatie den Todesstoß. Antworter, tote es sich gehört, auf das kluge Verlangen der Liga I für Menschenrechte!
dahin zusammen:
In all den oorangegangenen Regierungs- und Kabinettskrisen sind die Zwischenfälle und lieber« raschungen nicht so gehäuft gewesen, wie bei dieser jetzigen. Noch jede neue Krise, die wir erleben mußten, hat gezeigt, daß von den Vorteilen des parlamentarischen Systems so gut wie gar kein Ge° 1 brauch gemacht worden ist, daß man dagegen sich, als wenn ein Preis darauf gesetzt worden wäre, jedesmal darum bemühte, so zu taktieren, daß dieses System in der Handhabung der Deutschen sich v o r aller Welt lächerlich macht. Und weniger hat es sich jeweils darum gedreht, eine wirkliche Regierungskrise, eine Krise der Politik zu über- l winden, als vielmehr darum, den Krisenzustand, der in unserem deutschen Parteiwesen herrscht, zu beenden.
Nun soll diese Krise wirklich ihrem Ende zugeführt werden. Wochenlang hat sie schon gedauert und man brauchte nicht überrascht zu sein, nenn sie auch jetzt noch keine Lösung fände. Der u r • I fprüngliche Plan des Reichskanzlers, eine Zusammenfassung aller, für den Staat sich ein« I setzenden schaffenden Elemente zur Regierungsver- I antroortung mit heranziehen, war unbedingt der I richtige. Der Plan konnte nicht verwirklicht werden, es wäre doch auch wirklich zu viel verlangt gewesen, wenn das deutsche Volk einmal wirklich I ein Zeichen seines politischen Urteils gegeben hätte. Und man kann stehen, wie man will: Dieses Ziel der Zusammenfassung aller positiven schaffenden Kräfte zur Arbeitsgemeinschaft wird nicht zur Ruhe kommen, bis es endgültig erreicht ift
Daß die Beibehaltung des bisherigen Kabinetts durch das Treiben der Deutschen Volkspartei unmöglich gemacht wurde, haben wir an dieser Stelle ebenfalls wiederholt bargelegt. Es mußte also der Versuch gemacht werden, eine Erweiterung des Kabinetts nach rechts herbeizuführen. Darum allein ! handelt es sich ja auch bei der gegenwärtigen Krise. I Bis jetzt haben wir noch eine vollständig aktionsfähige Regierung. Man kann es verstehen, daß V namentlich bei den bisherigen Regierungsparteien, die die Verantwortung für die bisherige Politik unter den schwersten Umständen haben tragen müssen, der dringende Wunsch bestand, zusammen- z u b l e i b e n, um die politische und parlamentarische Einwirkung, die von einer Beiziehung der Deutschnationalen zu erwarten wäre, ausgleichen zu können. An der Weigerung der Demokraten, einem Kabinett anzugehören, das nur einseitig nach I rechts erweitert wird, ist aber auch dieser Versuch gescheitert. Der Reichskanzler, der, durch den Be- I schluh der Zentrumsfraktion gedeckt, schon einmal i die Verhandlungen mit den Parteien abgebrochen hatte, um freie Hand zu bekommen, wollte in äußerster Korrektheit alle, auch die unwahrscheinlichsten Möglichkeiten ausnutzen. Er ist mit solchen ! Bemühungen bis an die Grenze dessen gegangen, I was in weiten Kreisen, insbesondere auch der Zen- I trumswählerschaft im Lande für tragbar gehalten worden ist. Trotzdem muh man die Bemühungen des Kanzlers billigen, die dahin gingen, gegebenen- falls auch ein reines Rechtskabinett zu bilden, wenn Nur in ihm auch das demokratische Gegengewicht vorhanden wäre. Denn der Wandel, der im anderen Fall parteipolitisch und auch allgemein- politisch betrachtet in die Erscheinung getreten wäre, so zwar, daß aus dem Zentrum als Kern der Mitte nunmehr die äußerste linke Flügelpartei geworden wäre, würde die Zentrumspartei, die bisher führend tätig war, vollständig in den Hintergrund gedrängt haben. Selbst bei einer Führung eines solchen Kabinetts durch das Zentrum, würde ganz zwangsläufig die Ausschaltung des Einflusses dieser Partei sich ergeben haben. Ein Kabinett von 12 Ministern, in dem nur drei der Zentrumspartei angehörten, würde ohne weiteres die Zen- trumspartei zur Ohnmacht verurteilen.
Man muß sich in diesen Dingen völlig Rechenschaft geben und das kann man erst dann, wenn man die Einstellung der deusschnationalen Presse zu den jetzigen Vorgängen beachtet. Keine Spur
Die Zentrumspartei steht geschlossen hinter Marx und sie billigt es, daß der Kanzler mit dem ganzen Einsatz seiner Autorität — und nur ein Marx, dessen Vertrauenskapital nach innen und außen ganz außerordentlich groß ist, konnte es wagen — sich für die Bildung einer Regierung auch unter Nutzbarmachung der Kräfte von rechts eingesetzt hat. Führen diese Bemühungen nicht mm Ziel, dann ist es wahrhaftig nicht Schuld der Zentrumspartei und die Parteien können dann ruhigen Gewissens zu dem äußersten Notfall übergehen, nämlich das Volk selber zum Urteil aufzurufen.
Gehl es uns wieder zu gut? '
Diese Frage wirst die ,K. V.' auf und schreibt zu den Verhandiungen über die Regierungsbildung:
Man spricht dauernd von der Volksgemeinschaft und redet und verhandelt, um das Kabinett der Volksgemeinschaft herbeizuführen. Gemach. Haben wir nicht feit vielen Monaten eine gute Regierung? Hat es eine einzige nach revolutionäre deutsche Regierung gegeben, die auch nur annähernd so viel Posiiives geleistet und die auch nur entfernt so viel Vertrauen im Auslande und im Jnlande gefunden hätte? Warum müssen wir den Fehler begehen, durch höchst überflüssige Verhandlungen dieses Vertrauen zu verwirtschaften? Bedeutet parlamentarisches Regieren, daß jede Partei genau nach dem Verhältnisse ihrer Mandatszahl im Kabinett vertreten sein muß? Nach dem in Deutschland üblich gewordenen Schema F scheint allerdings in der Tat das Heil in dieser Rechenmethode zu liegen, und wer dieses Feilschen ablehnt, gilt als unpolitisch, primitiv und obendrein reaktionär.
Der Bürger, der sich seinen gesunden Menschenverstand bewahrt hat, fragt sich feit einigen Wochen: Warum unterwühlt man diese Regierung, von der seststeht, daß sie eine gute Regierung ist, systematisch und v?rsucht an Stelle eines Zustandes des Vertrauens und der Beruhigung eine Atmosphäre des Mißtrauens und bei Schwankens zu schaffen? Geht e$ uns wieder einmal zu gut?
Auf der gemeinsamen Sitzung des Zentral- , Exekutiv-Komitees der Sowjetunion mit den nario- | , len Bundesräten hielt Tschitscherin eine,Rede über die internationale Lage der «ow- jetunion. Nach dem Hinweis darauf, daß die Sowjetregierung im letzten Jahr wiederum von mehreren Staaten anerkannt worden sei, sprach Tschitscherin zunächst über die Beziehungen zwischen Rußland und Frankreich.
Er sagte dazu: Wir werden nur dann normale Beziehungen wieder aufnehmen, wenn daran keine I Bedingungen geknüpft werden, der Wiederauf- mlhme der Beziehungen der Botschafteraustausch folgt und sich die stanzösische Anerkennung auf I oa« ganze Gebiet der Sowjetunion bezieht.
Tschitscherin tarn dann auf die Wiederaufnahme her diplomattschen Beziehungen Rußlands mtt Ungarn zu sprechen und erklärte in diesem Zusammenhänge kategorisch, daß weder mtt Ungarn noch mit irgendeinem anderen Staate ein geheimes Militärabkommen abgeschlossen worden sei. Red- ner stellte weiter die Aktivseite der internationalen Lage der Sowjetunion, bereit Befestigung durch die I neuerlichen Anerkennungen der Sowjetregierung bewiesen sei, der Passivseite gegenüber und wies in diesem Zusammenhang auf den Zerfall der britischen Arbeiterregierung und auf die Einheitsfront der bürgerlichen Regierungen gegendieSowjetunion hin. Die I imperialistischen Mächte, sagte Tschiffcherin, de- kündeten offen ihre Ansicht, in innerrussische Angelegenheiten einzugreifen. Aber alle diese Versuche werden von uns energisch vereitelt werden.
Redner kam dann auf die Sage Deutsch- l a n b s zu sprechen unb erklärte, bie in der letzten Zeit etngetretene Befestigung der Lage sei nur auf Kosten des Verlustes eines Teiles feiner Selbständigkeit geschehen. Die deutsch-russischen freund- schaftlichen Verhältnisse, fuhr Tschiffcherin fort, waren sehr schweren Prüfungen unterworfen, bie aber alle glücklich überstanden wurden. Der Konflikt im Zusammenhang mit dem Zwischenfall betreffend die Berliner Handelsvertretung ist beigelegt. Die Sowjetregierung betrachtet jedoch bie teilweise Exterritorialerklärung des Gebäudes der Berliner Handelsvertretung als unzureichend unb wirb in den kommenden Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland die Exterritorialität des zanzen Gebäudes zu erlangen trachten.
Tschitscherin erörterte bann weiter bie ab- ! lehnende Stellung der Sowjetunion gegen« überdem Völkerbund und sagte: Die in der letzten Zeit verbreiteten Nachrichten, daß die Sow- | jetregierung ober einer ihrer Vertreter In den be« i stehenden Völkerbund einzutreten beabsichtige, allein ober mit einem anberen Staate gemeinsam, finb von Anfang bis zu Ende Erfindungen. Red- ner führte bann weiter aus, daß vom Sowjefftanb- punkt aus der Eintritt in den Völkerbund bie Aufgabe ber ©elbftänbigfeit unb Unterwerfung unter die Politik ber Ententemächte bedeute und schloß, \ bie Sowjetregierung beurteile ebenso Deutschlands I Eintritt in den Völkerbung, bas dadurch in Kombinationen verwickelt unb zum Feinde der Sowjetunion werden könnte.
Tschiffcherin sprach weiter über die Verhandlungen mit Japan und gab dabei der Hoffnung Ausdruck, daß die japanische Regierung bie Unmöglichkeit des vollständigen Verzichtes Rußlands auf die natürlichen Reichtümer des nörblidien Sachalins einsehen werde. Tschiffcherin schloß mit dem Hinweis auf die enge Freundschaft der Sowjetunion mit dem erwachenden Öfter im allgemeinen und die russisch- chinesische Freundschaft im besonderen.
Die Russen in Paris.
wtb paris 20. OH. (Tel.) Der russische Gesandte der Kerenski-Regierung 2Raf!a hoff stellt heute im „Mäkln" die Forderung, für die russischen Emigranten eine offiziöse Botschaft beizubehalten in dem Augenblick, in dem die Sowjekregierung anerkannt werde. Die ungeheure Mehrheit der von den Sowjets Verbannten fei der Gefahr ausgesetzt, eine Masse von Va- terlavdslosen zu werden, ohne irgend eine Vertretung. Diest Gefahr müsse mich seiner Ansicht vermieden werden. Man habe dazu nur nötig, sich den vorhandenen Beispielen anzupassen. 3n Deutschland, England unb in Serbien habe man trotz der Errichtung von Sowjet-Botschaften io offiziöser Form die alten Vertretungen beibehallen. Die MaHahoff weiter milteilk, zeigen sich die in Paris wohnenden Russen wegen der russischen Boffchast beunruhigt.
Rußland und Rumänien.
Nach einem Telegramm der .Neuen Freien Presse' auS Bukaiast erflärte Sratianu in einer Rede vor den Vertretern der Parlamentsmehrheit über dte Beziehungen zu Rußland, es sei der rumänischen Regierung leider noch nicht gelungen, Rußland zu überzeugen, daß Rumänien es nicht hinn-chine, Rußlands Willen durch politisch unzulässige Mittel auf- gezwungen zu erhalten. Rumänien menge sich in keiner Weise in die Angelegenheiten Rußlands ein. Es müsse deshalb auch von Rußlano verlangen, daß dieses sich nicht in rumänische Probleme einmische. Daß Rumänien mit Rußland in gute Beziehungen trete, sei nicht eher möglich, als bis die maßgebenden Führer der Sowjetregierung von der Ueber- zeugung durchdrungen feien, daß Einmischungen in «unänijche Angelegenheiten unfruchtbar seien.
Beginn der neuen Woche
lands im Völkerkonzert. - Freundschaft mit dem f ,
fernen Osten. | Zu Beginn der neuen Woche warten wir im- 1 " dielen Blättern von irgendeiner Abkehr von
mer noch auf die Lösung der Regierungskrise, wie es jetzt schon seit Monaten der Fall ist. Für M i 1t- woch ist der Reichstag zu einer Sitzung einge- rufen. Bis dahin soll bie Krise beendet sein. Unser parlamentarischer Mitarbeiter faßt seine Eindrücke über den Ablauf ber Krise während der letzten Tage