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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Ltadt Fulda.

Somstag, 18. Oktober 1924.

fir. 244

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was wird vr. Marx tun?

In dem Augenblick, da wir dies schreiben, läßt sich noch nicht mit Bestimmtheit erkennen, welche Lösung der Regierungskrise eintreten wird. Viel­fach wird angenommen, daß nur noch die Reichs­tagsauflösung möglich sei. An manchen Stellen nimmt man an, daß doch iwchdas Ka­binett der Persönlichkeiten" an der problematischen Reichstagsauflösung vorbeiführen werde. DerLokalanz." will sogar wissen, daß man sich in der Kabinettsbesprechung am Donners­tag mit diesem Gedanken beschäftigt habe. Wäh­rend das genannte Blatt annimmt, daß in Kreisen der Reichstagsabgeordneten, insbesondere bei den Deutschnationalen sich keine größeren Schwierigkeiten gegen die Bildung eines solchen Minffteriums unter der Kanzlerschaft von Marx ergeben würden, erklärt dasBerl. Tagebl.", daß eine derartige Zwischenlösung keinen An- Kana im Reichstag gefunden habe.

DieZentrumsfraktionhatinder schwie­rigen Situation für alle Fälle ihren Führer, den Herrn Reichskanzler Dr. Marx, zu voller Hand­lungsfreiheit ermächtigt. In der Sitzung der Zen­trumsfraktion des Reichstages vom 16. Okt. 1924 wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt:

Die Zentrumsfraktton des Reichstages steht ihre, getreu ihren Grundsätzen der ch r i st l i ch e n Volksgemeinschaft, des wirtschaft­lichen, sozialen und politischen Aus­gleichs, mit aller Hingabe und höchstem Verant­wortungsbewußtsein vorgenommene Bemühung gescheitert, eine nach dem parlamentarischen Kräfteverhältnis bestands- und arbeitsfähige Re­gierung zu. schaffen.

Ihr großes und ernstes Ziel, eine Regierung aus breitester Grundlage der Volksgemein- s ch af t zu schaffen, ist zu chrem tiefften Bedauern nicht erreicht worden.

Auch die daraufhin aus Gründen der Außen­politik und im Jutereste der besetzten Gebiete von der Fraktion erstrebte Beibehaltung der bis­herigen Regierung ist nicht durchgesetzt worden.

Ebenso scheiterte der weitere Versuch, die Re­gierung in tragfähiger Form nach rechts zu erweitern.

Die Zentrumsfraktion ersucht daher den Reichs­kanzler, dem sie ihr volles Vertrauen aus- fpricht, kein Mittel unversucht zu lasten, um im äußersten Notfälle an das politische Urteil des Volkes zu a p p e l l i e r e n, um eine tragfähige Regierung zu schaffen, die imstande und gewillt ist:

1) die bewährte Linie der durch den Reichskanz­ler getragenen deutschen Außenpolitik zu sichern;

2) die Aufgaben der sozialen Bersöh- nu n g und des rv i r ff ch a s t l ich e n 5 rieben s weiter durchzuführen;

3) die christlichen Kulturgüter zu schützen und zur Entfaltung zu bringen.

Die Zentrumsanhänger werden bereit sein, unter bewährter Führung für diese bewährten Richt­linien einzutreten, auch, wenn es sein muß, in neuem Wahlkampfe.

Vie Tagung des völkerbunösrats.

wtb patis, 17. Off. (Tel.) Rach einer Mel- düng desIBtitin aus Genf ist es wahrscheinlich, daß der Völkerbundsrat, der sich mit der Frage von Moss ml beschäftigen wird, in paris ju- sammeatreten wird und zwar noch vor der für den 9. Dezember angefehlen Tagung des Rates, die in Rom stattfinden wird.

Das franzöfifche Parlament.

wtb Paris, 17. Oft. (Tel.) Die verlautet, wird das französische Parlament am 4. Novem­ber seine Arbeiten wieder aufnehmen.

Lohnbewegung der Eisenbahner.

Berliner Blätter melden, daß die Eisen­bahnerorganisationen beschlossen haben, das Lohnabkommen mit der Reichsregierung zum 1. Nov. zu kündigen und nicht unerheb­liche Aufbesterungen der Bezüge für Beamte und Arbeiter zu verlangen. Die Kündigung soll der Reichsbahngeselstchaft am Freitag überreicht wer­den.

Die Räumnngszone.

wtb Hagen, 17. Off. (Tel.) von zuständiger Seite erfährt das TB. T. B. zur Räumung der Dortmunder Zone: Die Räumungszone erstreckt sich bis zum Schnittpunkt der Uebergangsgrenze des Kreises Hagen und dieser folgend bis zur Ruhr. Später dürste Lüftgendortmund geräumt werden. Dagegen bleiben die zum Landkreis Ha­gen gehörenden Städte Herdecke und Vetter auch weiterhin beseht.

* Neue Partei in Italien. Aus Rom wich gemeldet: In einer Versammlung deS rechten Flügels der liberalen Partei wurde beschlossen, die jetzige nationale Regierung weiter zu unterstützen und zu diesem Zwecke eine besondere Partei zu bilden, die sich liberal-nationale Partei nennen wird. An der Versammlung nahmen 13 Senatoren und 32 Abgeordnete teil.

* In der Kriegszone in Frankreich waren rund 571 400 Wohnungen zerstört worden. Nach einer Pariser Meldung wurden bis 1. Oktober 402950 Wohnungen wiederhergestellt. Die Bevölkerungszahl des Kriegsgebietes, vorher 4690000, war bis Ende deS Krieges auf 2614000 -efaHen und beträgt jetzt teubet 4056000.

Rußland und Frankreich.

Der Einigung entgegen?

wtb Paris, 17. Oft. (Tel.) DerWafin" glaubt zu misten, daß die Kommission de Rionzie gestern dem Ministerpräsidenten herriof den E n warf einer Depesche unterbreitet habe, die im gegebenen Augenblick seifens der französischen Regierung entweder an den Präsidenten des Rates der Volkskommissare, Rykow, ober der Kommis­sion für Auswärtige Angelegenheit, Tschitscherin, abgesandt werden soll. Die französische Regierung, die sich der fteundschafflichen Beziehungen erinnert, die sie mit Rußland unterhalten habe, fei geneigt, die Sowsetregierung anzuerkennen als die rechtmäßige Regierung aller bet Gebiete, von denen sie anerkannt sei und Frankreich sei in­folgedessen bereif, rinterhandlungen mit ihr anzu- kuüpfen, um zu einer Regelung bet Streitfragen zu gelangen, die zwischen ben beiden Ländern be­stehen. Die gesundene Formel bedeute aber, daß Frankreich den Wunsch Hal, mit der Sowjetregie- tung durch Vermittlung offizieller Persönlichkeifeu M verhandeln. Die fiommiffion wird, wie bereits berichtet, vom nächsten Dienstag ab unter andetm über die Frage verhandeln, die sich auf die russischen Emigranten beziehen mit dem Ziele, denen, die nach Rußland zutückkehteu wollen, die Rückkehr 3u ermöglichen und denen, die in Frank­reich bleiben wollen, ein beschleunigtes Rationali- sierungsverstären zu ermöglichen. Gegen diese letzte Absicht soll nach dem Wafin bereits Makla­kow, der Botschafter der Regierung Revenskis, in einem Brief an hettiot Widerfptrich erhoben haben. Taffache aber fei, daß sich die rustischen Emigranten für eine Ratutalifiemngsmoglichkeif in Frankreich ausgesprochen hätten. Es müsse be­wirft werden, daß die Kommission einen konsul­tativen Charakter habe und daß der endgültige Be­schluß über die Formel, unter der sich die franzö­sisch-russische Anerkennung vollziehen soll, dem 2Ri- nisterraf zusteht.

Rach demJournal" enthüll der Telegramm - cnfronrf vier Punkte:

1. Anerkennung der Sowjetregierung.

2. Aufforderung, bie normalen Beziehungen wiederherzusfellen.

3. Aufforderung, bie Schuld- und Entschädi- gungsftagen zu regeln.

4. Versprechen, an der Wiederherstellung Ruß­lands mifzuarbeifen, nachdem über das französische Vertrauen genügend Sicherheiten erlangt sind.

Neues aus China.

Feuer und Schwert.

Aus Santon wird gemeldet» daß dort eine gewaltige Feuersbrunst ausgebrochen ist, die einen ganzen Tag wütete. Der Materialschaden wird auf 7 Millionen Dollar geschätzt. Zahlreiche Per­sonen sollen ums Leben gekommen sein.

wtb Paris, 17. Okt. (Tel.) DieChicago Tribüne" meldet aus Hongkong, daß zwischen den Truppen Sun-Jatsens und dem freiwilligen Korps, das von den fiaufleuten gebildet wurde, ein Kampf ftaffgefunben habe, bei dem die letzteren unterlegen seien. 3n Kansan sei in verschiedenen Stadtteilen Feuer ausgebrochen, bas angeblich von den Truppen Sun-Iatsens angelegt worden fei. Der Schaden soll sich ans etwa 7 Millionen Dollar be­laufen.

Stillgelegler Bahnoerkehr.

wtb Paris, 17. Oft (Tel.) DieChicago Tribüne" meldet aus Pefing, daß jede Eisenbahn­verbindung von Peking mit der Küste seif zwei Tagen unterbrochen sei, trotz des Vertrags von 1901, durch ben China verpflichtet ist, ben Aus­ländern freien Zugang zur See von der Hauptstadf aus zu garantieren. Diplomatische Bemühungen, einen internationalen Zug zu organisieren, haben infolge von Meinungsverschiedenheiten unter ben Mächten keinen Erfolg gehabt.

Aufstanb in Tirana?

Aus Skutari wird ein Telegramm aus ser­bischer Quelle verbreitet, nach dem in der Gegend von El Bassen ein Aufstand gegen die Regierung von Triana ausgebrochen sei, der durch Mangel an Lebensmittel hervorgerufen sei. Die Führer der Bewegung forderten durch eine Pro­klamation das albanische Volk auf, die gegenwär­tige Regierung in Tirana wegzujagen und die durch Amed Bey abgesetzte Regierung wieder ein­zusetzen. Es sollen bereits blutige Kämpfe in der Gegend von Gaobi si" >" '' » haben.

Arislsnö.

* Der Fluch der bösen Tat. Aus Budapest wird gemeldet, daß dort der losgekassene und dann erneut steckbrieflich verfolgte Heinrich Förster-Schulz, bet Erzbergermörder, auf der Oberst-Stadt- Hauptmannschaft erschien und erklärte, daß er sich zum Besuch von Verwandten einige Tage in der Provinz aufgehalten habe. Erst jetzt habe er er­fahren, daß die Polizei ihn suche, weshalb er sich ihr zur Verfügung stelle. Er wurde in Verwabrungs- haft genommen. Den Blättern zufolge beabsichliat Schulz, in bie Türkei zu gehen.

Seoering in Sachen.

Der preußische Minister des Innern Severing besuchte, von Trier kommend, die Regierung in Aachen. Es fand eine interne Besprechung im engeren Kreise mit dem Vertreter der Verwaltung statt. Regierungspräsident Dr. Rombach, der dem Minister für seinen Besuch dankte, hob hervor, durch die heutige Anwesenheit des Ministers trete nach außen die Tatsache in Erscheinung, daß bie Trennungslinie, die bisher das besetzte Ge­biet von dem unbesetzten geschieden hat, g e s a l l en ist. Es gelte die Staatsautorität wieder aufzurich­ten und vor allem auch bei der Bevölkerung das Gefühl der Verlassenheit, das sie besonders wäh­rend des Ruhrkampfes gehabt habe, zu beseitigen. Der Minister wurde über die bedrängte Sage des in der äußersten Westmark gelegenen Regie­rungsbezirks unterrichtet. Eingehend wurden auch die ungünstigen Eisenbahnverhältnisse beraten. Der Minister sagte die Unterstützung nach Maßgabe der vorhandenen Staatsmittel zu und erkannte durch­

aus an, daß der Regierungsbezirk Aachen wegen der politischen Lage auf die besondere Fürsorge der Staatsregierung Anspruch erheben könne.

Rach der Besprechung trug eine Abordnung von Beamten verschiedene Wünsche vor. Hieraltzs begab sich der Minister zum Polizeipräsidenten, wo er von dem Polizeidezernenten Beigeordneten Dr. Scheuer begrüßt wurde. Der Minister dankte in seiner Antwort den Beamten für die muster - hafte Haltung in den vergangenen schweren Jahren. Die Rückreise des Ministers erfolgt vor» ausfichtlich heute abend.

Königliche Ehepläne. Die römische Tribuna erfährt, daß die Gerüchte von der Berlobung des italienischen Kronprinzen Umberto mit der Prinzessin Maria Jose von Belgien und des Herzogs von Brabant (Kronprinz von Belgien) mit der Prinzessin Mafalda von Savoyen in Höfkrenen bestätigt werden. Wie verlautet soll die offizielle Verkün» dignng am Geburtstage des Königs erfolgen.

Zeppelin" und der Friedensgedanke.

Die stolze Fahrt des Zeppelin-Lufffchiffes und feine glatte Landung in Amerika beschäftigen noch fortgesetzt die Oefsentlichkeit in großem Umfange. Mit besonderem Nachdruck ist jetzt wieder von ame­rikanischer Seite betont worden, daß die neueste Errungenschaft der deutschen Technik als ein Sym­bol friedlichen Fortschritts aufgefaßt wird. Selbst in Frankreich lassen sich manche Stimmen hören, die dem Ereignis eine ähnliche Deutung geben. Die Stimmen der n a t i 0 n a l i st i s ch e n Eifer­sucht und des Hasses, die daneben in franzö­sischen und auch polnischen Ehauvi- nisten-Blättern zur Geltung kommen, dür­fen durchaus nicht für sich allein betrachtet wer­den. Wir glauben nicht, daß die Schreie der fran­zösischen Haßpolitiker nach der Zerstörung der Zep­pelinwerke Aussicht haben, ohne schwerste Heraus­forderung der ganzen Kulturwelt in die Tat um­gesetzt zu werden.

Kundgebung in Washington.

Präsident Collidge hat Dr. Eckener und die an­deren Mitglieder der Besatzung des Z. R. 3 emp­fangen.

In seiner Ansprache beidemEssenzu Ehren der Offiziere des Luftschiffes Z. R. 3 sagte der ame­rikanisch Marinesekretär Wilbur, er wünsche, daß das Luftschiff ein F r i e d e n s f y m b 0 l werde zwischen Deutschland und den Vereinig­ten Staaten sowie allen andern Machten der Welt. Als der Friedensfürst in Bethlehem gebo­ren wurde, fangen die Engel: Ehre fei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden!In Erinnerung an diesen Engelsgesang will ich Z. R. 3L 0 s A n- geles" (Engel) nenen."

Dr. Eckener sagte in feiner Erwiderung, die Hoffnung, daß das Schiff ein Friedenssymbol werde, sei auch von hervorragenden deutschen Per­sönlichkeiten bei seiner Abfahrt zum Ausdruck ge­bracht worden.

Wilbur brachte bei Beginn des Essens Trink- sprüche auf den Präsidenten der deutschen Republik und den Präsidenten der Vereinigten Staaten aus.

Aus bet französischen presse.

Jean Herbeite schreibt in derInformation", daß die Zeppelinreife der Beginn einer neuen Periode fei. Es fei das erstemal, daß die Deut­schen, denen man ihre Flotte und ihre Kolonien abgenommen habe, das einmütige Gefühl hätten, daß sie wieder eine Rolle in der Welt spielen. Deutschland habe feinen Elan wieder gefunden. Das fei aber auch ohne Zeppelin möglich; es fei arbeitsam, reich an Rohmaterialien und industriel­len Einrichtungen. Es handele sich nur darum zu wissen, ob dieser Elan Europa zum organisierten, gewissermaßen zum föderattoen Frieden oder zu einem zermürbenden Kampf führe. Bei dieser ent­scheidenden Wahl könne bie Zeppelinaffäre eine wichtige Rolle spielen. Als bie Mächte ber Entente bie Konstruktion des Zeppelin gestattet hätten, habe bie Botschafterkonferenz bestimmt, baß nach seiner Ablieferung bie Konftruktionshalle bemoliert werde. Jetzt forderten die Deutschen, daß die Maßnahme nicht ergriffen werde und schon vernehme man auch, daß England und Amerika die Konstruktton neuer Luftschiffe dulden würden. Wenn man dem deutschen Volke erzählen könnte, daß Frankreich allein die Konstruktion neuer Zeppeline verhindern werde, während die Amerikaner und Engländer sie wünschten, dann hätten die Nationalisten eine prächtige Wahlparole; der Zeppelin werde das Ruhrgebiet ersetzen.

DieInformation" vertritt deshalb den Stand­punkt, daß die Frage der Zeppeline nicht wie eine Frage behandelt werden dürfe, deren Schicksal ein­zig und allein von Frankreich abhänge, noch wie eine Frage, über die einzig und allein die m i I i- rischen Sachverständigen zu entscheiden hät­ten. Es handele sich um eine interalliierte Frage, um eine Frage, deren politische Bedeutung der mi­litärischen Bedeutung gleichkomme, ja sie sogar überragen könne. Unter dem militärischen Ge­sichtspunkt müsse das Problem der Entwaffnung darin bestehen, die Kriegsinstrumente zu beseiti­gen und ihre Wiederherstellung zu verhindern. Ader unter dem politischen Gesichtspunkt be­stehe das Entwaffnungsproblem darin, den Kriegs­willen zu beseitigen und zu verhindern, daß er wieder auflebe. Das militärische Problem sei nur lösbar, wenn das politische Problem gelöst werden könne. Es führe zu nichts, die W a f f e n 3 u ne r= .

Nichten, wenn man in den. Geist und die Herzen den Wunsch einhämmere, neue Waffen zu schmieden. Deshalb engagiere die Zeppelinfrage alle politische Verantwortlichkeit.

kompromißvorschläge.

wtb Paris. 17. Oft. (Tel.) DochJournal" beschüstigt sich weiterhin mit der Frage bet Zu­kunft der Zeppelin-Werft in Fried- richshafen. Rach feiner Ansicht werde die interalliierte Militärkontrollkommisfion in Deuffch- land gemäß Artikel 204 des Versailler Vertrags von der deutschen Regierung die Du r ch f ü h r u n g des Artikels 202 betreffend die Halle in Friedrichs­hafen verlangen. In diesem Augenblick könne die deutsche Regierung sich an die interalliier­te n M ä ch t e wenden, die sich nach Artikel 204 das Recht Vorbehalten hätten, die Entscheidungen zu treffen, die sie für nützlich hielten. Die denffche Regierung könne verlangen, daß man auf die Ver­nichtung der Halle verzichte. In Wjer^Falle würden jedenfalls die Alliierten den 3 6 erW'c'n Kriegsrat mit der Angelegenheit befassen. In diesem Rat sei Frankreich durch Marschall Fach und General Desticker vertreten. Die englischen Vertreter werden dann ihre Ansicht, die offenbar in letzter Zeit sich etwas geändert hätte, kundgeben können.

Der Glückwunsch Oesterreichs.

Der österreichische Bunbespräsidenl H a i n i s ch richtete an ben Reichspräsidenten bas folgende Telegramm: Der kühne und stolze Flug von Z. L. 126 über den Ozean erfüllt Oesterreich mit Freube u n b Bewunderung. Ew. Exzellenz, der deutschen Regierung und dem deut­schen Volke, bas diese Tat vollbrachte, spreche ich namens ber österreichischen Bevölkerung die auf­richtigsten und herzlichsten Glückwünsche aus. Möge diese Fahrt ein neuer Markstein auf dem Wege ber Verständigung zwischen ben Staaten unb Nationen bedeuten.

Der Reichspräsident dankte mit folgendem Tele­gramm: Für bie freunblichen Glückwünsche zur Amerikafahrt des Zeppelin danke ich Ew. Exzellenz und der österreichischen Bevölkerung her^ichst. Es erfüCt mich mit aufrichtiger Freude, baß unser Brudervolk an dem Erfolg deutfcher Technik und deutscher Arbeit so innigen Anteil nimmt. Wir wissen uns eins mit Ihnen in dem Wunsche, daß dieses stolze Schiff ber Verständigung ber Völker diene.

Graf Zeppelins Wunsch.

Die Affociateb Preß veröffentlicht nachstehendes, an sie gerichtete Telegramm ber Gräfin Hella von Brandenstein-Zeppelin: Mit Dank gegen Gott und unsere tapfere Besatzung erhalte ich soeben die Kunde von ber glatten Lan­dung des Luftschiffes in Lakehurst. Zu meiner großen Freude wurde nun ber Gedanke und Wunsch meines Vaters, daß einst feine Luftfahr­zeuge zum friedlichen Verkehr zwischen den Völkern dienen mochten, zur Wirklichkett. Wie hätte er sich über die Leistung des L. Z. 126 und feinen begeisterten Empfang in Amerika ge­freut, das ihm feit feiner Teilnahme am Sezessions­kriege bis an sein Lebensende immer in guter Er­innerung geblieben ist. Möge das amerikanische Volk viel Freude an dem Bahnbrecher für deutsche Arbeit und Wissenschaft erleben.

Zukunflspläne.

Wie bie Blätter hören, wirb die Mannschaft des Z. R. 3 unter Führung Dr. Eckeners mit Aus­nahme der als Instruktoren in Amerika verbleiben­den Luftschifführer unb Monteure Anfang Novem­ber nach Deutschland zurückkehren.

lieber bie Pläne ber neugegrünbeten amerika­nischen Goodyear-Zeppelin-Company teilen die Blätter mit, baß die Gesellschaft in Ame­rika nicht nur eine Anzahl moderner Luftschiff- ha l l e n, sondern auch eine Werft errichten will. Die Gesellschaft wird sowohl von der Zeppelinwerft als auch von der Zeppelinhallengefellschaft Lizen­zen erwerben. Es ist der Bau von etwa 10 Pas- fagierschifsen geplant. Die einzige H e li- um-Erdgas quelle soll weiter ausgebaut wer­den, um die Füllung der zu bauenden Luftschiffe mit Heliumgas zu ermöglichen. In Berlin sollen in nächster Zeit Verhandlungen mit der in Spanien gebildeten Zeppelingesellschaft beginnen.