Glockengebet.
Die ganze Welt will schlafen gehn. Das hat der liebe Gott gesehn, Er schickt aus seinem Himmelshaus Den goldnen Abendstern heraus.
Und fülle wird die Erde dann, Die Glocken fangen keife an Und singen, daß es weithin weht, Ihr feierliches Nachtgebet.
Maria Weinand.
Vas deutsche Msfionrseld.
Die deutschen Heidenmissionsfelder lassen sich i n d r e i Kruppen enteilen. Zur e r st e n gehören: 34 Vikariate, Präfekturen und Mssionen, die unter deutscher Leitung stehen und ausschließlich oder doch fast ausschließlich deutsches (und österreichisches) Personal besitzen. Es sind die folgenden: In China: die Vikariate Südschantung, Nordschantung, Westkansu und Ostkansu; die Präfektrir Tingtschou: die Misiionen Nordschansi, Südost-Honan, Südwest-Hunan und Schaowu. Im japanischen Reich: die Vikariate Wonsan und Hiroschima; die Präfekturen Sapporo, Niigata und Nagoya; die kathol. Hochschule in Tokio und die Mission Sachalin. In der Südsee: die Vikariate Rabaul und Ost-Neu- zuinea, die Präfektur Mittel-Neuguinea und die Mission Beagle Bay. Auf den Philippinen: die Missionen Abra (mit Manila und Lipa) mib Lubang. In Südafrika: die Vikariate Mariannhill, Eschowe (Zululand); die Präfekturen Zimbebasien, Groß-Namaland, Zentralkapland, Gariep, Kroonstad, Lydenburg und Swaziland. In Südamerika: die Präfektur Araukanien und die Missionen in Paraguay und Santarem (Brasilien). In diesen 34 Gebieten wirken 459 deutsche Priester, 341 Brüder und 707 Missionsschwestern. Die Zahl der ihrer Sorge anvertrauten Christen, einschließlich von rund 109 000 Angehörigen der weißen Rasse, beläuft sich auf 476 820 Katholiken. Da wir vor dem Kriege 732 Priester, 638 Brüder und 874 Schwestern und 588 634 gläubige in 39 deutschen Missionsgebieten zählten, ergiH sich, daß wir noch nicht den Vorkriegsstand erreicht haben, auch wenn wir berücksichtigen, daß dir Elsässer, die damals einen starken Bestandteil des deutschen Missions- Personals bildeten, jetzt ausscheiden.
Eine zweite Gruppe wird gebildet von vier Missionsgebieten, die unter nichtdeutscher Leitung stehen, aber vorwiegend mit deutschem Personal besetzt find. Es sind die Gebiete der Steyler Missionare auf den Kleinen Sundainsekn, der Tiroler Franziskaner in Bolivien, der Väter vom Hl. Geist in Teffe (Brasilien) und der Benediktiner in Rio Branco (Brasilien). Da wir nur für die erste der vier genannten Mifsionsfelder genaue Zahlen kennen, werden wir die statistischen Angaben dreier zweiten Gruppe in annähernd richtiger Schätzung mit der gleich zu behandelnden dritten Gruppe verbinden.
In der dritten Gruppe sind die deutschen Glaubensboten und Schwestern zusammengeschlossen, die in der zweiten Wett zerstreut unter nichtdeutscher Leitung arbeiten. Es ist unmöglich, ihre Zahl genau zu besttm- men. Bei vielen Missionaren deutschen Stammes, z. B. in den Vereinigten Staaten, ist es zudem zweifelhaft, ob sie noch als Deutsche gelten können.
Die Gruppen zwei und drei dürften zusammen 300 Priester, 200 Brüder und 1200 Schwestern — insgesamt 1700 — zählen.
Somit beträgt das gesamte deutsche Missionspersonal rund 3200 gegenüber rund 4000 einschließlich der Elsässer vor dem Kriege. Die Missionsliebe der Heimat und die beträchtliche Zahl junger Kräfte, die sich im deutschen Vaterlande auf den Missionsberuf vorbereiten, werden uns bald die Vorkriegszahlen wieder erreichen lassen. Weniger günstig sind die Aussichten für die Zu- nähme der Christen in den uns anvertramen neuen Gebieten. Wir haben, nach menschlichen Maßstäben gemessen, viel verloren und wenig dafür erhalten. Die vertriebenen deutschen Glaubensboten konnten auch nicht erwarten, daß man ihnen sehr aussichtsreiche und blühende Misiionen überlassen würde. Einige der neuen Felder berechtigen indes zu frohen Hoffnungen nach Jahren geduldiger Arbeit. Hierher gehören Wonsan in Korea, Kansu in China und Zululand in Südafrika, welch letzteres ein zweites Mariannhill werden könnte. Mit bewundernswertem Opfermut haben unsere Missionare die neuen Posten angetreten. Alle in der Heimat, Priester und Volk, sollten ihnen in begeisterter, tatkräftiger Liebe für die Missionen würdig an die Seite treten.
Der Burgschreck.
Roman von Felix Neumann.
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„Du Hund von einem fahrenden Sänger wagst die zu entweihen, die mir zum Weibe bestimmt mürbe?!-“
Heiser vor Wut stieß der Schreckliche die Worte hervor. Mir geramr das Blut in den Adern, ich sah nur noch, wie Gallus die Laute von der Schulter riß, wie ein krachender Ton von zerborstenem Holz und dem Klang springender Saiten mein Ohr traf und Gra Burchard von dem Hieb getroffen.zu Boden stürme, dann ward es dunkel vor meinen Augen.
Als ich erwachte, lag ich im Bett in meiner Kemenate und neben mir hockte im Stuhle meine Magd, die schlief. Durch die Fenster schien heller Tag. Es mußte morgens ganz in der Frühe fein, denn ball strich der Wind durch die Scheiben, die geöffnet waren. Wüst und wirr war mir im Kopfe. Erst allmählich fielen mir die letzten Ereignisse wieder ein. Wie lange mochte ich ohne Besinnung gelegen haben? Ich wollte die Magd wecken, aber die Stimme versagte mir. Später erfuhr ich, daß ich fün Tage im Fieber gelegen hatte. Die Magd weinte nur, aber sie konnte mir nichts sagen. Als mein Zustand sich gebessert hätte, erschien eines Abends der Dater. Er schickte mit einem Wink die Pflegerin hinaus und setzte sich mit finsterer Miene und zusammengekniffenen Lippen an mein Lager. Lange sah er mich an, aber er sprach nicht.
Dann aber schien ihn wohl mein kläglicher Zustand ein wenig zu rühren, Denn er sagte: „Graf Burchard sit heimgeritten, ein Wunder ist es zu nennen, daß er mcht den Tod stmd. Im Herbst will er wiederkehren."
Da quoll mir ein wohnsinniger Haß empor, aber ich beherrschte meine Stimme und fügte nur leise, indem ich mich ein wenig emporrichtete: „Und wenn er im Büßerhemde in Schnee und Eis bettelt, nie werde ich sein Weib werden! Wo — ist Gallus Balbinus?"
„Die Buhlschaft schlag dir aus dem Kopf! Er ist tot!" „Mörder!" schrie ich und noch einnta „Mörder!!" daß die Wände widerhallten.
Von der Wand über dem Bette riß ich das Kruzifix, sprang mit übermenschlichen Kräften aus dem Bette und hielt e» jjem Vater entgegen, der entsetzt zurückwich.
Nr. 243 vom 87* Oht 1924
Zur Unterhaltung
Jahr
verlernt, die anderen hat es nie-
heiterer
KS
ES!
Ein wahres Geschichlchen. Auf meldete sich bei einem Kaufmann
Doktor, weshalb wird des Professors Müllar um uns wach zu hal-
Liesbet Dill.
Briefe mehr in unferm
— „Donnerwetter! schicken Sie uns sparen wir die ganzen Kohlen." -•
Von
Man schreibt keine hundert.
Die einen haben es
„3m Traum". Ein Mann ging ziemlich spät m angeheitertem Zustand nach Hause. Um seine Frau nicht aufzuwecken, zog er die Schuhe aus, und da ihm dies noch nicht genug schien, auch die Socken und Hosen, und ging dann sorgsam die Treppe hinauf. Als er oben war, stand er auf dem Bahnsteig.
fin Sabina."
Da durckyuckte sie ein Gedanke.
„Komm mit in mein Zimmer, Frieder, ich habe mit dir zu sprechen."
Es dauerte eine lange Zett, bis er wieder zum Vor- schein tarn, ein finsterer, entschlossener Zug lag um seinen Mund, die Hände waren geballt und er murmelte vor sich hin: „Ich wag's und es muß glücken! Wenn nicht, bann haben sie einen Fresier weniger hier, auch gut!"
Und nun begannen der Frieder und der Heinz ein geheimnisvolles Wirken im Dmgturm, wo sie niemand störte
Sie knüpften und knoteten, maßen und berechneten, während Frieder ost zmn Fenster hinausschaute, wie sich d>e Gewitter zusammenballten und der Sturm heulend dmch die Baumkronen ftchr.
„So sit es recht, nur immer so zu! Das ist die richtige Michl zu meiner Höllenfahrt, da verkriechen sich die städtischen Hunde in ihre Löcher."
Und als es unter Regengüssen, die wie Sturmfluten herniederbrausten, Rächt geworden war, wagte der Frieder das, was vor ihm noch kein Mensch gewagt hatte und was für unmöglich galt, nämlich den Abstieg von der Nordfeite des Schreckensteins, wo turmhohe glatte Wände die Burg umgaben und kein Wächter der Belagerer ausgestellt war. Er tat es als ein getreuer Knecht, der fein Leben einstige für feine Herrin.
Was die Burg an Seilen und Leinen aufwies, hatten die beiden Getreuen zusammengetragen. Nach Frieders Berechnung mußte es nun l» >ieit reichen. txi6 es Die
Kaufmann erfreut, „Sie sind der werbern, der mich nicht anlügt!"
*
Boshaft. „Sagen Sie, Herr vor dem angekündigten Vortrag Kaffee serviert?" — „Jedenfalls, teni"
er rettungslos verloren.
Auf der Brust trug er in einem Ledersäckchen eingenäht den Ring, den ihm Anne Susanne mitgegeben hatte.
Es war der letzte Versuch, schlug auch der fehl, bann gab es keine Rettung mehr für die tapfere Burg.
Der Heinz sah noch, wie die Gewitternacht den am Seil Hinabgleitenden verschluckte. Er schlug ein Kreuz. Neben ihm stand Anne Susanne, bleich wie der Tod und' starrte schaudernd in die Tiefe. Eine Ewigkeit schien es zu dauern, da verlor das Seit plötzlich seine Straffheit, uni) als der Heinz es anzog, gab es nach .
War der Frieder abgestürzt und lag nun mit zerschmetternden Gliedern im Walde, über erreichte er glück» lich die Gipfel der Buchen?
Als der Knecht das Ende des Seiles in Händen hielt, stieß er einen Ruf der Ueberrafchung aus. In bas aufgedrehte Ende war ein Zweiglein gesteckt. Der letzte Gruß des Scheidenden und die Nachricht, daß er den Baum glücklich erreichte.
Wer auch der Abstieg ging auf Leben und Tod.
Tief in der Nacht pochte es leise an die Hütte des Klausners, der aus dem Schlafe fuhr.
Wer begehrte um diese Stunde Einlaß?
Troll schlug an und seine Haare sträubten sich. Da» Schwert in der Faust, trat Benignus vor die Tür.
Vor ihm stand im Gewitterregen ein Mann nut blutendem Antlitz und Mutigen Händen.
„Erschreckt nicht", flüsterte der, „ich komme vom Schreckenstein im Auftrage meiner Herrin, Anne Susanne."
Etat) kaum, daß der Tag graute, machte sich der Einsiedler auf den Weg nach Agathen, denn keine Stunde galt es zu verlieren.
Seine Hoffnung war gering, aber nichts sollte unoer- sucht bleiben. Frieder hatte inzwsichen ein Gewand des Klausners angezogen und schloß sich in der Hütte ein, wo er einstweilen in voller Sicherheit war.
Bsrsietzung folgt.)
3u viel verlangt. „Und dieser Sparofen, meine Herr-, schäften, ist Ihnen für den Winter ganz besonders zu' empfehlen. Sie sparen mit ihm die Hälfte der Kohlen." ■ zwei davon; dann
mand gelehrt ...
Merkwürdig ist, daß .in den Bibliotheken jetzt am meisten „Briese" verlangt werden, Briefwechsel berühmter Persönlichkeiten oder Briefe solcher, die hn Schatten großer Menschen gelebt haben.
Die Geschichte selbst kann sich mit Stimmungsmalereien nicht beschäftigen, wie z. B. die Briefe eines Lord Walpole an die blinde Madame du Deffant, die gesit- reidjfte Frau des achtzehnten Jahrhunderts es tun, die Briefe Goethes an Frau von Stein, die der Julie de Lespinafle an Monsieur de Guiberi, die Friedrichs des Großen an den Grafen Alembert . . .
Unser Jahrhundert, in dem man weder Briefe schreibt, noch liest, in dem der Bücherschrank immer das letzte ist, was bei einer Einrichtung angeschafft wird, wird wenige solcher Korrespondenzen aufweisen können . . . Unsere Nachkommen werden sich an die Geschichte halten und auf das köstliche Mosaik der Kleinmalerei der Briefe verzichten muffen.
Wir benutzen bas Telephon, wir schicken Depeschen .. Dazu ist das Telephon und die Telegraphie ja auch da.. Gewiß, aber schade, daß der Brief damit verloren ging . . . der geistreichste Brief, der nicht nur Gefühlsbetrach- tungen und Selbstbespiegelungen enthält, der Brief an den Freund, die Freundin. Die meisten Zeitgenossen sind zu bequem, zu schwerfällig, um einen Brief zu schreiben. Der Respekt vor dem Tintenfaß ... Ich finde ihn Überall. --
Cs gibt Menschen, die ihren Körper auf das sorgfältigste pflegen und ihren Geist daneben verkümmern lasten, sie fühlen gar nicht, daß er verkümmert, es ist wie bei gewisien Krankheiten . . . man merkt sie nicht selbst, aber die anderen merken sie . . . und wenn man sie selber fühlt, ist es ... zu spät .. . Die Düse sagte, daß für sie das Schönste im Leben — ein Buch und eine Blume war . . . die große Tragödin . ..
Obige Berechnungen und Schätzungen beziehen sich nur auf die Missionen im strengen Sinn, auf die Glaubensverbreitung in den Heidenländern. Deutsche Priester Brüder und Schwestern arbeiten auch in beträcht- (ither Zahl in Missionen im weiteren Sinn, d. h. unter Auslandsd-uischen und andere Angehörigen europäischer Abstammung. Ihre Gesamtzahl dürfte 2000 übersteigen
„Und so schwöre ich dir, daß weder Burchard, noch forsit ein Mann je mich besitzen soll, ehe er mich nicht von dem Schwure entbindet. Sein Blut, das geflossen ist, trennt uns für heut und allezeit!" Und als ich das Kruzifix zur Bekräftigung meines Schwures geküßt hatte, brach ich im Zimmer zusammen. Ich habe meinen Batet nicht wiedergesehen. Im Kloster stmd ich erst nach Jahren die Ruhe wieder, die man mir geraubt, aber nur ein kahler Baum, den man der Blätter und Blüten beraubte, streckte die Aeste zum Himmel. Und als ich später wieder ' m bse Welt hinaustrat, mar ich herb und herrisch, trotzig und unleidlich geworden.
Sie wandte sich an Wild: „Bon der Schwester wirst du manches erfcchren haben, aber das, was sich an jenem Abend begab, Hieb tiefes Geheimnis zwischen den wenigen Beteiligten. Später hörte ich, daß Gallus Balbinus auf der Flucht im Walde erschlagen und dort verscharrt worden fei, um allen Gerüchten, die Gras Burchard schaden konnten, ein Ende zu bereiten."
Die Nachtigall hn Burghofs des Schreckenstein schwieg. Im Walde verblaßten die Wachtfeuer der Belagerer, im Osten zeigte ein schmaler Streif den jungen Tag an. Die Iohammsnacht ging vorüber, rauschend begann der Friih- tau zu fallen. Gräfin Sabina hatte das Geheimnis ihres Lebens gebeichtet!
8.
Als der Juli heiß und drückend über dem Rheintal lag, waren die Vorräte auf dem Schreckenstein bis auf einen kleinen Rest aufgezehrt, und Gräfin Sabina konnte genau ausrechnen, wann sie die letzte Portion verteilen mutzte.
Was sollte dann werden?
Niemand wagte darüber zu sprechen, aber wie ein unheimliches Gespenst ging leise die Frage von Mund zu Mund: Was bann?
In diesen Tagen tieffter Niedergeschlagenheit erinnerte sich Anne Sitfarme des Ringes, den ihr einst der Fremde gab.
Was sollte er ihr helfen, da sie so eng eingeschloffen waren, daß kein Bote chn zu befördern vermochte. Draußen hn Lande sah es schlimm aus. Auf Fledermausflügeln tarnen Gerüchte in die Burg, daß bei Aachen ein Ritterheer von den Städtern geschlagen sei. Wer hatte es gebracht? Niemand wußte es, aber es war da und teste sich lähmend auch auf den Mut der Trotzigsten.
Berliner Momentaufnahmen.
Falsche Autonummern. — Die fleißige Feuerwehr. — I Der Streif um die Autobusse. — Eine nette Verordnung.
In letzter Zeit hatte eine Unzahl von Autobesitzern Strafanzeigen erhalten für Taten, die sie einfach mcht begangen Haden konnten. So sollte einer in Potsdam zu schnell gefahren sein an einem Tage, als nachweislich sein Auto in Reparatur war, ein anderer hatte tn Berlin einen Menschen überfahren zu einer Zeit, als er mit dem Wagen sich in Bayern befand, und so fort. Das fiel langsam einigen Leuten auf, sie erhoben Widerspruch, wurden aber zuerst nicht beachtet, da bet der Polizei niemand eine Chance hat, der Widerspruch erhebt. Als aber immer mehr kamen, da fiel das langsam auch der Polizei auf und sie nahm sich der Sache an. Bald bekam sie es heraus, daß erstens einige ßanbjager sehr sorglos mit den Notierungen der Autonummern umgegangerf waren, indem sie bei Dunkelheit oder wenn sie sonst nichts mehr sehen konnten, einfach eine ähnliche Nummer auffchrieben, nur damit sie ihre Bramie bekamen. Dieses Prämienunwesen muß natürlich die Leute zu Unregelmäßigkeiten verleiten. Zweitens aber sand die Polizei heraus, daß verschiedene Automobilisten willkürlich frembe Nummern übernommen hatten. Sie steckten auf der Schwarzfahrt einfach die falsche Bummer über Die Scheibe und fuhren bann unbekümmert drauflos. Jetzt braucht man sich nicht mehr zu wundern über die unglaublich rücksichtslose Raserei einzelner Autobesitzer. Die Polizei ist jetzt den Leuten auf der Spur und hat schon mehrere festgestellt, darunter einige, die Nummern führten in einer Höhe, die es m Berlin gar nicht gibt. *
Der Monat September ist infolge seiner gegen frühere Jahre großen Hitze ganz besonders gefährlich gewesen, täglich ist an mehreren Stellen Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr wurde im ganzen Monat 561- mal alarmiert, darunter befanden sich acht Grohfeuer, bei denen saft alles nieberbramtie, 28 Mittelfeuer und 138 Kleinfeuer. Außerbem wurde sie 42mal böswillig herausgerufen und 52mal stellte sich der Hilferuf als blinder Alarm heraus.
Ferner lieferte die Feuerwehr 97mal bet Gasvergiftung Beistand, der meist von Erfolg begleitet war und konnte 121mal bei besonderen Hilfeleistungen eingreifen. Das ist eine ganz gewaltige Leistung, wenn man bedenkt, daß die Feuerwehr durchschnittlich 19mal täglich gerufen wurde, affb fast jede Stunde einmal.
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Bisher stritt sich nur das Publikum um die Autobusse, bas heißt um die Sitze darin, jetzt haben Stta- ßenbahn und Hochbahn einen Straf Darum angefangen, aber nicht um die Sitze, sondern um die Autobusse. Die Straßenbahn möchte nämlich gern einige Linien, die de» Verkehr belästigen, dauernd Verspätung haben und sich nicht mehr rentieren, aus der Innenstadt herausziehen und bafür Autobuslinien einstellen. Nun haben wir ja schon eine Autobusgesellschaft, bie mehrere Limen durch die Stadtmitte laufen läßt, aber die darf fernen Einspruch erheben, dafür hat dies die Hochbahn getan, die mit der Stadt einen Bertrag hat, laut dem sich Straßenbahn und Hochbahn keine gegenseitige Konkurrenz machen dürfen. Man begreift nicht recht, was für ein Schaden der Untergrundbahn enffieht, wenn statt achtzig Straßenbahnen achtzig Autobufle eingelegt werden, man begreift nur, daß die ganze Sache wieder hinausgeschoben wird und daß man weiterhin mit der langsamen,
geschrieben. Das Pariser Archiv bewahrt sie heute noch als wertvolle Dokumente des 18. Jahrhunderts auf.
Julie de Lespinasfe hat ihrem Geliebten ost nach einer Theatervorstellung in der Nacht einen zwolfseitigen Brief aeschrieben ... und erhielt die Antwort Gmberts am nächsten Morgen schon im Bett . . . Das mären Briefe! Sie füllen heute Bände, an denen sich der kühle Mensch unserer Zeit heute noch zuweilen die Fmger- svitzen wärmen kann . . • Entzückende Briefe, Die eine Epoche malen, die Damalige Gesellschaft, Die Könige, den Hof, bie großen Salons berühmter Damen, Sitten unb Gebräuche eines Jahrhunderts . . . sie waren nich. langweilig, solche Briefe. — — _.
Heute bewahrt man keine Briefe mehr auf. Dre meisten sind es auch nicht wert ... ,
Die Formlosigkeit ist Mode geworden w.e der Pagenkopf und der Shimmyschuh . . . hoffen wrr, daß ste wieder abkommt.
Wie sagt La Bruepre von dem Gecken? „Em Mensch, der in der Mode ist, dauert nicht lang, denn die Moden verändern sich."
sich immer verspätenden, stets überfüllten und Menfch-u tötenden Straßenbahn fahren muß
Jeder Besucher Berlins kennt den Potsdamer Platz und den Potsdamer Bahnhos, den größten und schönsten Berlins, denn er ist der wenig häßlichste non aU . entsetzlichen Kästen, bie man hier in Berlin Bahnhos nennt. In diesem Bahnhos also hängt ein Schild, das lautet so: „Größere V i e h h e r d e n dürfen innerhalb zehn Minuten vor Dem mutmaßlichen U .» treffen eines Zuges nicht mehr über die Gleise getrieben werden." Nun frage ich, erstens was heißt mutmaßlich? Wer kann wissen, wann der nächste Zug kommt und bis wann er seine Herde über die Geleise getrieben hat? Und dann, wer treibt heute noch g r o- ßere Viehherden in einem geschlossenen Bahnhof Uber die Geleise? Schilder haben es überhaupt in sich, neulich las ich in einer Gastwirtschaft eme Reklarnetasri: „Jawohl, hier esse ich mittags und abends zwei Kegel- bahnen." Guten Appetit! Cuberi.
Bus aller well.
— Unsichtbare Himmelskörper. Was das Auge am Himmel mit oder ohne Fernrohr an Gestirnen sieht, das sind leiichtende Massen, selbstleuchtend rote bie Sonne unb bie Fixsterne ober widerlenchtenb rote ber Mond und die meisten Planeten. Es gibt im Weltenraum aber auch viele nichtleuchtende Massen, Die dem Auge unmittelbar zugänglich sind. Sie lassen sich durch Beobachtung und Rechnung nicht nur nachweifen, sondern auch mes- sen. So gibt es sichtbare Fixsterne, die im Laufe ber Jahre ober Jahrhunderte regelmäßige Bahnen von ber Form einer Ellipse beschreiben. Wir wissen, baß auch unsere Erbe eine solche Bahn um Die Sonne beschreibt. Da nun aber Abweichungen eines Körpers von Der gradlinigen Bewegung in eine krummlinige nur auf Grund von ablenkenden Kräften erfolgen tarnt, so muß auch der Fixftern mit ellipsenförmiger Bahn von einer Kraft beeinflußt fein. Liefe Kraft suchen wir in der Anziehungskraft durch einen andern Stern. Ist Der andere Stern sichtbar, fo haben wir es ohne weiteres mit einem Doppelstern zu tun, deren es viele Tausende gibt. Zeigt uns aber das Fernrohr keinen benachbarten Stern, so handelt es sich um einen nichtleuchtenden Himmelskörper, dessen Stellung, Bewegung und Gröhe sich aber aus Der Bewegung des sichtbaren Fixsterns, von dem rott ausgingen, berechnen läßt. Auch unsichtbare Staub- ober Gaswolken lassen sich im Weltenraum nachweisen. Wie weit bie Forschung auf diesem Gebiete fortgeschritten ist, bas zeigt folgende Berechnung einer gewissen Nebelmasse des Weltenraums: Sie besteht aus Staubmassen, da die Sternfarbe keine Rötung zeigt. Ihre Gntfemung vom Sonnensystem beträgt 1500 Lichtjahre, bie Dicke ber Wolke 500 Lichtjahre. Von ber ungeheuren Ausdehnung dieser Wolke kann man sich zwar kein anschauliches Bild, immerhin aber eine schwache Vorstellung machen, wenn man bedenkt, daß ein einziges Lichtjahr mehr als 30 000 Erdbahndurch. meffer bedeutet.
eine Anzeige hin ein unansehnlicher Jüngling als Laufbursche. „Arbeiten Sie gern?" fragte ber Kaufmann. — „Nein, Herr!" lautete bie überzeugte Antwort. — „Sie sollen die Stelle haben," sagte Der erste unter vielen Be»
In ber Schule wurden wir einmal gefragt, wie man einen Brief an Fremde unterschriebe ... Mit Achtung, sagte die Tochter eines Kaufmanns . . . Ich habe die Ehre zu sein Ihre sehr ergebene Soundso, sagte die Tochter eines Regierungsrat ... Es war beides falsch, das Mchtige liegt heute in der Mitte ... In der Schule wird alles Mögliche gelehrt, von dem Briesstll spricht man nicht . . . Man kann ihn ja auch auf ber Handelsschule fernen ... Unb gerabe dieser Briefstil ist es, ber später soviel bewirkt. Er stößt ab ober blendet. Ein Brief kann bestricken unb verletzen, unb man braucht nicht Michelet ftubiert zu haben, um aus bem Aeußeren eines Briefes ben Charakter des Schreibenden zu erkennen. — Ein künstlerisch empfindender Menfch mit Schönheitssinn wird kein rauhes, bMges, Uniertes Papier benutzen unb zierlich unb sauber schreiben, ein brutaler Mensch legt auf solche Dinge gar keinen Wert, ihm ist jeder Bogen recht, er läßt keinen Rand, er haut einen Brief hin, „mit Achtung" genügt feinen Höflichkeitsbegriffen vollkommen . . . Die Gabe ber Verführung in Briefen ist ihm fremd. Der Brief ist ein Zauberer . . . Der kann Freunde, die wett entfernt sind, wieder vor uns auferstehen lasten. Es gibt Briefe, bie aus Der Feme wirken, als ob man Die Stimme eines Menschen hört und seine Nähe spürt ... . unD Briefe, bei deren Lesen es fünf Grad kühler hn Zimmer wird . . .
Man braucht heute keinen Geist; an ber Tafel neben Menschen zu sitzen, bie Geist haben, ist unbequem. Aber etwas Geist am Schreibtisch ist doch zuwelle» ganz hübsch unb angenehm . . . ausgenommen, wenn jemanb Damit paraDiert ...
Goethe hat Den Reiz Des Briefwechsels erkannt, zweimal täglich, ost Dreimal schrieb er feiner Freundin, oft nur Zettel, aber was für Zettel! Voll Stimmung unb Atmosphäre.
Er brauchte keinen Wert auf parfümiertes unb mit Wappen geschmücktes Papier zu legen. Achthunbert Briefe hat Lorb Walpole feiner Freunbin, Der Deffanb
^EsH einem Mwrtterschwülen N^nitta^da Kronen Der gewaltigen Bämn^ erfaßte? die im Wald- hemxmefe Anne Susanne im Burghof dem treuen Frieder. 1 am Fuße Des Felsens standen.
^S Sann, wie sein Frau- Seinem SchutzMrvn, bem heiligen Gregorms und lein sich nur mühsam aufrecht erhielt, Hunger und Sorgen fernem Gluck vertrauend, wollte er versuchen, einen Bau srurt.<2---1*.«-***”,*£ssyr15*i.'s graben. । '
Und in überquellendem Gefühl vergaß ber Knecht den strengen Brauch, der Herrin vom Gesinde schieb, er ergriff Anne Susannes Hände unb murmelte etwas vor sich hin während ihm das Wasser in die Augen stieg.
„Wir dürfen nicht verzagen, Frieder —"
„Es ist ja nicht um mich! Ich bin ein Kerl, um den
es nicht schabe ist, wenn er zum Kuckuck geht, aber Ihr
— unb der Herr Graf — und — und — „ber Burg
schreck" wollte er sagen, er besann sich aber — unb Grä-