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■ I"""$ulbaer Zeitung

[ Aus der Geschichte deutschen Eisenbahn.

Es sind jetzt bald hundert Jahre, seit die erste k Eisenbahn in Deutschland gebaut wurde. Wohl niete ältere Leute erinnern sich noch der Schwie- rigteiten, mit denen auch später die Errichtung von Eisenbahnstrecken verbunden war. Daß die Widerstände im Anfang besonders groß waren, ist demnach nicht verwunderlich. Be­sondere Verdienste aus dem Gebiete der wirtschaft­lichen Hebung Deutschlands hat sich der Schwabe Friedrich List erworben, der in drei Schriften über bte Errichtung von Eisenbahnen geschrieben hat und in scharfer und klarer Weise die volks­wirtschaftliche Bedeutung des neuen Verkehrsmit­tels hervorgehoben hat. Wir lassen nachfolgend aus seiner Schrift „lieber ein sächsisches Eisenbahn­system" einen Auszug folgen, der sich besonders mit der finanziellen und wirtschaftlichen Aus­wirkung des Problems befaßt und der zeigt, wie List seiner Zeit vorausschauend die Entwicklungs- Möglichkeiten der Eisenbahnen vorausgesehen hat. Zn der Anlage habe ich einen Plan zu einem säch- «chen Eifenbahnsystem skizziert, so gut es mir ohne aMaugenschein möglich war. Dieses im ganzen nicht pchr als 50 Meilen betragende Eisenbahnsystem würde gge' Bedürfnisse des Königsreichs Sachsen befriedigen gri). den Städten Nürnberg, Frankfurt am Main, Braun- ttweig, Magdeburg, Berkin, Hamburg und Prag auf Mfbem Wege entgegenkommen. An und für sich brächte aus ein Anlagekapital von 3—1 Millionen Talern eine Dividende von 15—20 Prozent und somit, durch Den Anteil, welcher infolge des hier angeschlossenen Ent- Mkss dem Staate hieran zugesichert ist, für den etwa in bea Staatsfinanzen entstehenden Ausfall reichliche Entschädigung.

Was find aber vier Millionen, ja ich frage, was sind sechs und zehn Millionen Aufwand, bei so großen Na- chiaalrnteressen, wo zumal das aufgewendete Kapital so Wißergewöhnliche Interessen trägt. Je mehr unter sol­chen Umständen verwendet werden kann, beftq besser, ßchon die Verwendung so großer Kapitale verbreitet Wahrung, Arbeit, Segen und Wohlstand unter der Masse her' längs der Route lebenden Bevölkerung: denn neun Zehntel Teile des Aufwandes kommen den arbeitenden -lassen zugute.

Wie gegen alle großen und folgereichen Neuerungen, «heben sich auch gegen diese eine Menge Zweifel und Kedenklichkeiten. Man besitze, heißt es, hierzulande keine so grofien Kapitale, nicht so vieles bare Geld, um so kiestmnäßige Nationalwerke zu unternehmen; England md Nordamerika seien im Besitz des Welthandels und großer Reichtümer, sie könne man in solchen Dingen richt zum Muster nehmen; auch habe es hier mit den Steifen und Gütertransporten keine so große Eile, und der Transport sei jetzt schon wohlfeil genug; da die Re­gierungen an Postrevenuen bedeutend verlieren dürften, so sei von dieser Seite keine besondere Unterstützung zu erwarten; vielmehr werde man Bedenken tragen, so viele, seit unfürdenklichen Zeiten im Besitz befindliche, Gewerbe zu verletzen oder gar zu zerstören. Es kann richt schwer fallen, die Unstatthaftigkeit dieser Einwen­dungen, sollten sie je im Ernste sich erheben, nachzu- »eifen.

Den Finanzpunkt anlangend, so ist barüber von einsichtsvollen Leuten keine weitere Einwendung zu be­fürchten, sobald nachgewiesen ist, daß das so verwendete Kapital die höchsten Interessen im Lande trägt. Unter dieser Voraussetzung kann kein Aufwand zu groß be­funden werden. Auch hat Sachsen, ist es ihm nur mit der Unternehmung ernst, über hundertmal mehr Ka­pital und bares Geld zu gebieten, als erfordert wird. Ts ist auch noch niemand eingefallen, zu behaupten, daß es sich in Deutschland nicht verlohne, Chausseen zu bauen, weil dieses Land bei weitem keinen so starken auswärtigen Handel besitze als England. Haben in England die Eisenbahnen wegen des großen Wellhandels einen größeren Transport als in Deutschland, so find auch die Baukosten, das Terrain, die Unterhaltungs­kosten und Gehalte um so größer.

Wer sich über Mangel an Kapital in Deutschland be­klagt und doch dabei auf die Eile beim Transport feinen großen Wert legt, bedenkt nicht, daß Beschleu- rignng des Bezuges der rohen Materialien und Be­schleunigung des Absatzes der Fabrikate ebenso wirkt wie Kapitalvermehrung.

Wie die Regierung sollte verlieren können, wenn die produktiven Kräfte des Volkes so außerordentlich zu- nehmen, ist schwer zu begreifen. Vielmehr muß jedem klaren Verstand einleuchten, daß der Staat überall da­durch gewinnen muh: in allen Arten von Abgaben, weil Produktion und Konsumtion steigen; am Salztransport, hn Postwesen, im Chausseebau, in der Militär- und IDomänenabminiftration usw. und, nach unserem Vor­schlag, unmittelbar dmch Teilnahme an den Dividenden.

Der Burgschreck.

Rrmmn von Felix Neumann.

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Sabinas Stimme sank bei den letzten Worten zu schmerzlichem Flüstern! Die Mär war zu Ende.

Langsam rollte Me Gräfin das Pergament zHammen schob es wieder in die Silberhülle. Leicht fuhr ihre Hand über Anne Susannes Haar, die mit feuchten Augen ft ihr ausschaute. Gedachte doch das junge Grafenkind in liefern Augenblicke mit tiefem Schmerz des Schicksals, bas sie und den fremden Jüngling für immer schied

Die Muhme erhob sich von ihrem Sitz, rückte den Ettchl unmittelbar neben den Ann« Susannes und schlang ben Arm um die entkräftete zarte Mädchengestalt, als ob sie sie stützen und schirmen wolle vor gleichem Weh, wie jS ihr widerfuhr. Dam setzte sie mit klarer gefaßter Stimme bte Erzählung fort: „Gallus Balbinus stand <tuf und trat einen Schrill zurück. Ich mar so ergriffen, s» erschüttert, daß ich eine Weile nicht zu sprechen ver- foxiyte. Sein Schicksal imb das Meine waren in der Achtung geschildert.

. Endlich sagte ich: „Warum setzet Ihr an Stelle des folgen Burschen nicht den Sänger, den gereiften Mann?" „Das geschah mit Absicht, denn bis ich Euch sah, war for di« wahre Liebe fern gewesen Im Herzen blieb ich Knabe, dessen Herz die reine Neigung zum ersten ^Äe spürte."

Er verneigte sich. „Ich verlasse Euch, um dem Be- Mä Eures Herrn Vaters zu folgen, der mich nach Trier sendet, um alle Vorbereitungen zu dem Fest zu treffen. °°balb bie Feier zu Ehren des Gastes vorüber ist, wcm- *te ich werter, da hier meines Bleibens nicht länger fein ‘fon und darf."

Er wandte sich zum Gehen. Da schlug ich bte Hände ?°rs Gesicht, denn heiß quoll es m mir auf. Ader wie fo wähnte, daß er die Kemenate verlassen werde, lag ^plötzlich vor mir auf den Knien und bettete schluchzend rf** Antlitz in meinem Schoß. Ganz leise streichelte ich *%e Stirn. Keines von uns sprach ein Wort, wir fürdu-

Zur Unterhaltung.

Endlich gibt es kaum eine einzige Verbesserung in der langen Reihe der Erfindungen, die nicht einzelnen Ge­werben und Personen für einige Zeit nachteilig gewesen wäre. Zur Zeit der Erfindung der Buchdruckerkunst mögen in Leipzig für den Augenblick wohl über ein Dutzend Abschreiber arbeitslos geworden sein; heute be­schäftigt hier die Presse 5000 Menschen. So gut es Torheit gewesen wäre, den Fortschritten des Erfindungs­geistes Einhalt zu tun, um jene Abschreiber in Tätigkeit zu erhalten, so töricht wäre es heute, um etlicher Gast­geber und Fuhrleute willen, auf die unermeßlichen Wohltaten der Eisenbahnen Verzicht zu leisten.

Nach den Erfahrungen, die ich hierin gemacht habe, dürfte ein allgemeines Eisenbahnsystem im Königreich Sachfen in den ersten Ihren den gesamten Wert des Grundvermögens im Königreich und die gesamte Na­tionalproduktion mindestens um zehn Prozent vermeh­ren. Was ist bet so großem Interesse eine Garantie, die im unglücklichsten Falle in den ersten Jahren einen Zuschuß von etlichen Tausend Talern verursacht, wäh­rend sie dem Aerarinm für alle Zeiten eine bedeutende und mit jedem Jahre wachsende Revenue sichert?

Die Wissenschaft über die Reklame.

Von Stephan Groll.

Prof. Dr. Karl Morde, der Direktor des Psycho­logischen Instituts in Würzburg, hat eine Reihe psycho­logischer Untersuchungen über die Wirkung der verschie­denen Reklame-Arten vorgenommen und seine For­schungs-Ergebnisse, die hochintereffant sind, in einem kürzlich erschienenen Buche zusammengefaßt. Jeder Ge­schäftsmann sollte dieses Buch eifrig studieren, denn es bietet eine Fülle überraschender negativer und posi­tiver Ratschläge, die alle Geld bedeuten, daß man sich selbst ungemein schadet, wenn man sie nicht befolgt. In praktischer Hinsicht ist ja schon oft und viel über wir­kungsvolle Reklamen geschrieben worden, hier wurde aber die Frage zum ersten Male von wissenschaft­licher Seite kritisch bedeutet, und deshalb eben ver­dient das Werk die weiteste Verbreitung. Der Verfasser beschäftigt sich insbesondere mit Zeitungs- und Buch- Inseraten, Plakaten und Schaufenster-Dekorationen. Es dürfte vielen willkommen sein, einiges aus dem Inhalt des Buches kennen zu lernen, wobei darauf hingewiefen fei, daß der Verfasser auch auf die Ergebnisse amerika­nischer Reklameforscher Bezug nimmt.

Zunächst ist die Größe des Plaketes ober Inserates von Wichtigkeit. Jnteresiante Ergebnisse liegen in die­ser Richtung von dem amerikanischen Psychologen W. D. Scott vor. Er untersuchte, welchen Einfluß die rela­tive Größe eines Inserates hat. Dabei ging er folgen­dermaßen vor: er stellte ein Buch mit 100 Annoncen her, die er aus verschiedenen Zeitungen herausgeschnit- ten hatte. Dieses Buch wurde fünfzig Versuchspersonen vorgelegt mit der Weisung, es so durchzusehen, wie man bte Anzeigenfeiten einer Zeitschrift betrachtet. Die durchschnittlich für die Durchsicht des Buches aufgewen­dete Zeit war zehn Minuten; sofort nach Seenbigung der Durchsicht des Buches hatte jebe Versuchsperson alles nieberzufchreiben, was sie bemerkt hatte. Dabei ergab sich, daß die fünfzig Versuchspersonen durchschnittlich jede ganzsettige Anzeige 6,5maf, halbseitige Anzeigen etwas weniger als 3mal, oiertelfeitige Anzeigen etwas mehr als einmal, kleinere Anzeigen nur ein Siebenteimai be­achtet hatten. Der Wahrnehmungswert einer viertel- seitigen Anzeige ist danach viel kleiner als der vierte Teil des Wertes einer ganzseitigen Anzeige, und der einer Achtelseite wieder viel kleiner als die Hälfte vom psychischen Wert einer viertelseitigen Annonce. Wer für eine Achtelseite bezahlt, erhält somit bei weitem nicht den achten Teil, sondern kaum den zwanzigsten Teil des psychischen Cinflufles, den eine ganze Seite hervor­bringt.

Für das Inserat kommt der Helligkeitskontrast in Frage. Wenn man in eine Seite mit nur kleinen Anzeigen, die sich dem slüchtigen Blick als eine gleich­förmig graue Fläche barbieten, ein Negativinserat, also auf schwarzem Grunde weiße Schrift, einsetzen läßt, so «gibt sich die Möglichkeit, trotz relativ geringer Größe dieser Anzeige die ganze Seite zu beherrschen, sodaß sie sozusagen in die Augen springt' und als erste klar und scharf wahrgenommen wird.

Die Auffassunng des Reklameobjektes wird wesent­lich gefördert dadurch, daß die Aufmerksamkeit erregt wird. Zahlreiche Experimente und statistische Untersuchungen liegen in dieser Richtung vor. Lysinski zum Beispiel ging von der Frage aus: welches Schau­fenster übt mehr Anziehungskraft auf den Passanten und den Beschauer aus, das Schaufenster mit ober ohne Preisbezeichnung, mit ober ohne dekoratives Beiwerk, das bunte ober das einfarbige? Er fand bei feinen

teten diese Stunde, die das volle Bekenntnis unserer Leidenschaft brachte Aber wir blieben stark. Gallus ging, ich sah ihn erst am Abend des Festtages wieder. Me hat bte Treuenburg glänzendere Tage gesehen. Äs damals, da Reichsgraf Burchard mit stattlichem Gefolge bei uns eintritt. Ich erschrak, Äs ich ihn sah. Ein Mann mit rotem Haar und Bart. Das Gesicht von Leidenschaft durchfurcht. Die vauhe Stimme schien nur herrisch be­fehlen zu können. Und mir graute, als er Gefallen an mär fand. Ohne Unterbrechung reihte sich Fest an Fest. Vom Turnier ging es zur Jagd, von der Jagd zum Mahl, Umzüge und Spiele losten einander ab Die Edlen der ganzen Grafschaft waren geladen, und selbst aus Trier strömte das Volk herbei, um staunend den Prunk zu be­wundern. Mir würgten Ekel und Abscheu im Halse, wenn ich bedachte, daß ich das Opferlamm war, das man täglich schmückte und bekränzte. Burchards Werben ward immer stürmischer, obgleich ich ihm höflich aber mit Eises­kälte entgegentrat. Er hielt es für Stolz und das lockte ihn. Schließlich kam der große Festabend, da auf der üßalbmiefe am Schloff« die Mär ba rgeftettt werden sollte. Als wir in langem Zuge bei Sonnenuntergang zum Platze schritten,-ach — wie fand ich ihn verändert. Eine gewaltige 3lenfd>enmtnge, zurückgehalten durch ein Spa­lier von Gewappneten, säumte gaffend den Wald. Für die Gäste waren Sesiel aufgestellt Handwerker hatten unter den Tannen einen gewaltigen Fliegenpilz aus Holz erbaut, der rot bemalt und mit weißen Flecken versehen war. Ich schritt zwischen Burchard und meinem Vater. Die Schwester war bei Anverwandten zur Erziehung in Mainz. So häuften sich alle Ehren, die sonst der toten Gräfin — meiner Mutter — zugestairden worden wären, auf meinem jungen Haupte. Das Spiel begann. Mit brennenden Augen und blutendem Herzen sah ich die Vorgänge an mir vorüberziehen. Gallus Balbinus, der lsinter einer Buche verborgen alles leitete, hÄte ein Meisterwerk geschaffen. Fahrendes Volk aus Trier spielte die Rollen, aber auch vom Burggesinde nahmen einzelne an ben Umzügen unb Tänzen teil. Cs war, als ob die dämmernd« Johannisnacht wirklich auf der Waldwiefe alle Zauber einer Märchenhandlung entfaltet habe. Die Menge, die mich zuerst gestört hatte, spürte ick nickt mehr.

statistischen Untersuchungen, die er an zwei Dersuchs- fdjaufenftern eines großen Mannheimer Dcrmenhut- gefchäftes anstellte, daß das Schaufenster mit Preisaus­zeichnung demjenigen ohne Preisauszeichnung in jeder Beziehung überlegen ist, daß dekorative Zutaten, die auf die Hauptartikel gerichtete Aufmerksamkeit stören und daß schließlich die Wirkung der Aufmerksamkeit beim bunten Schaufenster größer ist als beim einfarbigen. Stauf; stellte Untersuchungen über den, Beachtungswert der Inserate in den Zeitungen an. Es fand, daß die Inserate auf der oberen Hälfte denjenigen auf der untern Hälfte überlegen sind, daß ferner die günstigste Stelle der Beachtung rechts oben ist. Nach seinen Erged- niffen hat ein viertelseitiges Inserat auf dem rechten oberen Seitenviertel mehr als doppelt so großen psy­chischen Wert, als wenn es in der linken Hälfte des unteren Seitenviertels angeordnet ist.

Um die Aufmerksamkeit zu erregen, ist es von Wich­tigkeit, durch ben Wechsel der Reize immer wie­der neue Beachtung zu erwecken: alles Neue reizt die Neugier. Andererseits dürfte eine gewisse Gewöhnung, eine Vertrautheit mit der betreffenden Art der Reklame für gewisse Zweige des Geschäftslebens auch nicht zu verkennen sein, eine Firma, ein Vertreter muß „ein­geführt" sein, da wir Waren unbekannter Herkunft gleichwie ganz fremden Menschen nicht recht trauen mögen. ______________

Aus aller wett.

— Wie kam der Posiminister Stephan nach Berlin? Daß nicht zu selten der Zufall bas Glück eines Menschen verursacht, ist allgemein bekannt. Am 9. Oktober ist ber „Weltpostverein" 50 Jahre alt — eine Schöpfung bes deutschen Staatssekretärs Heinrich Stephan, der zu­erst als einfacher Postassistent in Stolp in Pommern an- gestellt war. In seinem Drange nach Weiterbildung wollte der junge Mann gar zu gern nach Berlin versetzt werden. Er glaubte, sein Ziel am besten persönlich er­reichen zu können. So fuhr er denn stracks nach der kgl. preuß. Haupt- und Residenzstadt und meldete sich beim Herrn Oberpostdirektor Nagel im Hauptpostamt in der Spandauerstraße. Der aber wies ihn kurz ab, in­dem er meinte, die Redensart von Weiterbildung usw. kenne et hinlänglich, das fei nur ein Vorwand, man wolle blos bes Vergnügens wegen nach Berlin. Ste­phan wat seht niedergeschlagen und ging feiner Wege. Als er aus dem Hause trat, bemerkte er, wie eine Dame sich mit einem Droschkenkutscher so heftig stritt, daß ein großer Auslauf entstand. Stephan trat hinzu und hatte in wenigen Minuten ben Streit geschlichtet. Das ganze Geschehen hatte auch ber Dberpoftbirettor Nagel vorn Fenster aus beobachtet. Jetzt interessierte ihn der junge Assistent. Er ließ ihn roieber zu sich rufen und fragte ihn, was ba los gewesen fei. Stephan berichtete, er habe bemerkt, daß bte Dame nur italienisch sprach unb sich vom Kutscher übervorteilt glaubte. Der Kutscher ver­staub natürlich nicht, unb so habe er bie Vermittlung übernommen. Die Dame wäre tatsächlich arg geschädigt worden. „So sprechen Sie also italienisch?" „Ja, Herr Oberpostdirektor." „Sprechen Sie auch noch andere Sprachen?" „Außer Latein noch französisch und eng­lisch, und gegenwärtig lerne ich spanisch und portugie­sisch." „Was, Wie? Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?! Solche Männer können wir ja grabe brauchen! Gut, Sie kommen nach Berlin!" — Nun hatte Stephan erreicht, was er wollte, und fein Glücksstern fing an zu leuchten.

— Deutschland voran. Der argentinische Gelehrte Dr. Enrique Sparn hat eine Arbeit über die Büchereien in Europa veröffentlicht, allerdings nur solcher, die über 50 000 Bände besitzen. Die meisten solch großer Bü­chereien befinden sich in ben Vereinigten Staaten. In Europa aber steht Deutschland ber Zahl nach an erster Stelle. Seine Bibliotheken umfassen ein Viertel ber gesamten Bücherschätze bes ganzen Kontinents unb ein Viertel aller großen Bibliotheken Europas! Allein seine Universitätsbibliotheken verzeichnen 10,3 Millionen Bänbe, bas sind fast soviel wie die Bibliotheken der Universitäten in Frankreich, England und Italien zu­sammengenommen, trotzdem wir die größte Universitäts- Bibliothek der Welt, Straßburg mit 1,2 Mill. Bänden, die wir einst selbst geschaffen, ohne Cnffchädigung an Frankreich abtreten mußten! Die 160 größten deutschen Bibliotheken besitzen zusammen 29,5 Mill. Bände!

— Ein modernes holet. Die zunehmende Vervoll­kommnung der Hotelbauten zeigt die Eröffnung des Roo- fevelts-Hotels in N e w y o r k. Der Bau mit feinen 22 Stellwerken unb «einer Höhe von rund 80 Meter enthält 1100 Zimmer. Zum Gedenken Roosevelts ist eine große Bibliothek angelegt. Wer hoher als im 15. Stock wohnt, hat die Annehmlichkeit, daß er von jedem Zimmer auf einen Dachgarten kann. Auch Hundeliebhaber finden Unterkunft, da vom 19. Stock ab die Tiere auf einem vergitterten Dach herumtollen können unb für jeben ein

Kein Laut war zu vernehmen. Mit abgehaltenem Atem lauschten Volk und Ritter. Als ber Riefe auftrat, zuckte ich zusammen. Der ungeschlachte Mann trug einen roten Bart. Langsam wandte ich das Haupt zur Seite und heftete den Blick auf Burchard, ber neben mir saß. Der stierte, das eckige brutale Kinn in die Hand gestützt, ben Unhold an unb verzog keine Miene. Niemand unter ber Menge ahnte, welch tiefer Sinn in bem traurig lehr­haften Spiel enthalten war, ober faßte meinem Freier doch eine Ahnung aufdämmern? Nochmals prüfte ich Burchards Antlitz, es blieb steinern, wie bisher. Geschickt hatte Balbinus bie Zeit so gewählt, daß wirklich während des Spieles die Dunkelheit kam unb zahllose Lichtlein, von phantastisch gekleideten Kindern getragen, die die Woldbewohner barfteUten, bie Szene erhellten. Als Hirte unb Prinzessin sich im tätlichen Suffe fanden, suchten meine Augen Gallus, unb — und sie begegneten ben seinen. Ich senkte das Haupt. Mir war sterbensweh zumute. Als das Spiel vorbei war, herrschte erst Schwek- gen, barm brach ber Beifall brausend aus.

Die Knechte hatten Mühe, bie Massen mit ben Helle­barden zurückzudrängen, die in ihrer Begeisterung nach bem Festplatz strömen wollten. Gallus Balbinus fto.nb vor meinem Vater unb dem Reichsgrafen.

Burchard sagte: „Ihr scheint ein kluger Kopf, so Ihr Lust verspürt, mir auf meine Burg nach Sachsenland zu folgen, so sollt Ihr guten Lohnes gewärtig sein."

Aber der Gänger schüttelte bas Haupt.

„Ich danke Euch, aber ich lobe mir die ungebundene Freiheit, darum muß ich Euren Vorschlag ablehnen!"

Als das Festmahl vorüber war, sah ich, daß Gallus BÄbinus sich hinausschlich. Ich wußte, daß er noch in dieser Nacht weit wandern wollte. Nach einer Weile folgte ich ihm. Eine vertraute Magd ließ mir Nachricht zukommen, daß Gallus im Burghof meiner harre, um mir Lebewohl zu sagen. Es war eine sternenhelle, herr­liche Nacht. Auch damals lockten bie Nachtigallen in den Büschen Im Schatten eines alten Baumes erwar- ieie mich ber Sänger, der gerüstet war wie am Tage, da ich ihn zum ersten Male sah. Wir reichten uns die Hände.

[ nr? 242 öom 16. OkL J924.1 ’ -______ ______________________ ■

besonderer Stell vorhanden ist. Ein immer zur Ver- fügung stehender Tierarzt wacht über die Gesundheit der vierbeinigen Gäste. Den verwöhntesten Ansprüchen ist Rechnung getragen. Ganze Wohnungen stehen zur Verfügung, bestehend aus einem Wohnzimmer, einem Speisezimmer, drei großen Schlafzimmern mit Bädern, einem Ankleidezimmer und Dienerzimmern. Dieses ge­waltige Unternehmen repräsentiert einen Wert von 12 Millionen Dollars. ms.

— Allerlei Weisheit. In Deuffchland überschreite» nur 28 Proz. der Bewohner das 60. Lebensjahr, und nur 5,5 Proz. das 80. Lebensjahr. 72 Proz. sterben also schon vor dem 60. Lebensjahr. — Zu einem Zent-, ner Zucker brauchte man im Jahre 1836 18 Zentner Rüben, heute gewinnt man einen Zentner Zucker schon aus 7 Zentner Rüben. — Die Gastrnähler des Lukullus waren oft so verschwenderisch, daß jedes Gedeck 30000 griebensmart kostete. — Den Pik von Teneriffa auf ber größten ber Kanarischen Inseln kann man schon aus 300 Kilometer Entfernung sehen. — Dänemark hat noch nicht ganz brei Millionen Einwohner, allein 600 000 davon, das ist der fünfte Teil, leben in der einen Stabt Kopenhagen. — Schon 1500 Jahre vor Ehr. wurden ht Babylon Boten und Fußläufer zu einem organisierten Nachrichten-Dienst verwendet. — Der festeste tierische Faden, den man kennt, ist das Roßhaar. Nach diesem kommt das Menschenhaar, aus dem die Japaner vor­zügliche, hallbare Seite und Taue Herstellen. — Das eng­lische Münzsystem geht auf eine Verordnung Karls de» Großen, also eines deutschen Kaisers, zurück.

heiteres.

Unzureichender Trost. Ein kleiner Junge fällt auf der Straße hin und fängt ein fürchterliches Gebrüll an. Ein Herr hebt ihn auf und sucht ihn zu beruhigen. „Run meine man nicht, Jungchen, morgen tut’s nicht mehr weh." — „Morgen", schluchzt der Kleine, „meine ich ja auch nicht mehr."

*

Der Bescheidene. „Papa, als wir neulich im Zoo waren, hast du mir doch versprochen, einen Affen zu kaufen." — „Das wird aber zu teuer, mein Junge, der frißt zu viel." — „Du kannst doch einen von denen kau­fen, die nicht gefüttert werden dürfen."

*

Die Klapperschlange. Frau (zu ihrem Mann, der Stenographie lernt): „Kannst du schon so schnell schrei­ben, wie ich spreche?" — „So schnell schon, aber nicht so lange.“

*

Deutlich. Student: „Lieber Vater, sobald ich das Examen bestanden habe, schreibe ich es dir per Post- Nachnahme." *

Der Empiriker. Herr: „. . . nun, zum Beispiel, Herr Professor, wie lange meinen Sie, könnte ich wohl ohne Gehirn leben?" — „Na, das wollen wir mal abwarten."

1 Mk. 95 Pfg.

kostet nadi folgendem Rezept ein selbstgebackener

Oetker-Kuchen

Manche Hausfrau weiß vielleicht garnicht, ein wie billiges, nahrhaftes und wohlschmeckendes Nahrungs­mittel sie damit auf den Tisch bringen kann.

Dr, Ostker’s Schokoladen-Kuchen

250 x Margarine ä Pfd. 0.60 ...... M. O.3o

500 g Zucker ............ °-40

6 Eier ä O.t2............„0.72

500 g Weizenmehl.......... 0.20

1 Päckchen Dr. Oet'-.er's VanlIHn-Zucker . „ 0.06

1 Päckchen Dr Oetker's ..Backin“ . . . „ 0.08

3 Eßlöffel voll Kakao.......... 0.15

1 kleine Tasse Milch oder Rahm . . „ 0.04

M. 1.95

*)

.karaili mn Die Butter rühre zu Sahne, gib Zucker, Z.UuereiTUng. Eicelb, Vanillin -Zncker. Mehl, dieses mit dem Backin gemischt, Milch daran und zuletzt den Schnee der 6 Eiweiß. — Teile die Masse, men^e unter die eine Hälfte den Kakao, fülle den Teig abwechselnd in die gefettete Form und backe den Kuchen 1 bis IVa Stunden.

Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher in den Geschäften, wenn vergriffen, durch Postkarte gratis und franko von

Dr.A.Oetfer,MmMl»Mt,Bielefeld

*) Eingetretene Preisschwankungen sind zu berücksichtigen

Endlich sagte er: „Dank für bie Stunden, die ich h'ev erlebte!"

Ich blickte zu ihm auf. „Mir graut vor der Zukunft, wenn du nicht mehr bei mir bist. Ich werde deine Stimme, deine Lieder vermissen, dein Wort, das mich leitete und zurechtwies, wenn ich mir keinen Rat mehr wußte, ist mein ganzes Glück geworden. Bleib mir zu liebe!"

Er wehrte ab. Wir sind mutig und tapfer gewesen, bis hierher, nie werde ich dich vergessen, Sabina, die du dem schlichten Sänger aus unbekanntem Geschlecht und ohne Heimat dein Herz schenktest. Laß uns scheiden, ehe es zu spat ist. Und schenkt mir Gott, daß ich hundert Jahre werde, so soll auf meinem letzten Lager dein BUd mein Trost und meine Hoffnung sein!"

Der Mond verschwand hinter einer Wolke, die Nacht hüllte uns mitleidig in ihren dunklen Mantel. Ich schlang bie Arme um seinen Hals und fühlte, wie er bebte. So stauben wir und blickten uns in bie Augen, und ehe wir es uns versahen, küßten wir uns. Versunken war um uns die Welt, wir dachten nicht mehr des Märleins vom Fliegenpllz, wir lebten nur bem seligen Augenblick und mußten es furchtbar büßen. Er war ber erste, der sich losriß!

„Sabina!" Ich aber schmiegte mich an ihn.

„Es ist der letzte Augenblick, laß uns ihn genießen, denn er kehrt nie wieder!"

Unb roieber küßten wir uns unb tauchten in ein Meer von Glück und Weh.

„Lebe wohl, Sabina, lebe wohl, mein Glück!"

Im britten Kusse erstorben diese letzten Worte, die ich von ihm hörte, da geschah etwas Schreckliches. Ein dimk- ler Schatten tauchte hinter Gallus Balbinus auf, in dem mein scharfes Auge sofort Graf Burchard erkannte. Boll Eifersucht war er mir nachgeschlichen. Ich wollte auf» schreien, aber bie Kehle war mir wie zugeschnürt. So gelang es mir noch, den Geliebten herumzureißen, ehe der Dolch ihn erreichte, ber in Burchards Händen blitzte. Er hatte ihn aus dem Wehrgehänge gerisien, das er zur Festtafel trug.

(Fortsetzung folgt.)