endet habt, sollt Ihr Weiteres erfahren." — Der Sänger setzte fich mir gegenüber ans Fenster und entrollte das Pergament. Schon zu verschiedenen Malen hatte Gallus nicht nur gesungen, sondern auch vorgetragen, und der Klang feiner wohllautenden Sprache urar hinreißend.
Er begann:
Sabina griff in die Truhe und entnahm ihr eine Pergamentrolle, die in silbergotriebener, kostbarer Kapsel ruhte. Sie entfaltete sie und las:
Der Fliegenpilz.
Ein enrftes und lehrreiches Spiel aus dem deutschen Märchenwaldc, niedergeschrieben von Gallus Balbinus von Worms.
Die Dichtung spielte an einem scknvülen Sommerabend auf einer moosbedeckten Waldlichtung, umgetan von dichten Tannen. Am Rande des milden Tann stand Waldkönig Fliegenpilz' Schloß, ein riesiger Pilz mit Türen und Fenstcrchen. — Em junger Wanderer aus dem Menschenlande kommt den Waldweg entlang, läßt sich zur Rast nieder und schläft ein. Da tritt der Waldkönig, der den Hut des Fliegenpilzes als Krone auf dem Haupte tragt, aus dem Schloß erblickt den frechen Eindringling in feinem Revier und ruft durch Beschwörung die Bose Schlange herbei, daß sie den Schläfer töte. Ehe aber die Schlange ihr Vorhaben ausführen kann, erscheint d.s Waldkönigs Tochterlein, die liebreizende junge Prinzessin, erblickt den Jüngling und verliebt sich in ihn. Sie verscheucht tue Schlange und erbittet von dem zürnenden Vater die Erlaubnis, den Schläfer als Knecht zu dingen. Der Waldkönig zieht sich grollend zurück, da er die Menschen haßt, und die Prinzessin weckt den Knaben, der von der Schönheit des sich über ihn neigenden Waldkindes so berückt ist, daß er es zu küssen begehrt.
Sie wehrte den Stürmischen voll Angst ab, da sie weiß, daß jeder Kuß von ihren Lippen tödlich wirkt.
Sabina las die schönen weichen Verse mit tiefem Empfinden. Und weiter ging die Dichtung: Der Jüngling zieht in das Schloß ein, nachdem er der Prinzeflin gelobte, ihr treu und gehorsam zu sein. In einer Johannisnacht vereinigen sich auf der Waldwiese Elfen und Zwerge, Ti' Käferlem und alles Getter zu einem frohen Feste.
Der Knabe tanzt mit der Prinzessin, und nn stür- mischen Reigen erwacht von neuem in ihm die Lust, die schwellenden Lippen nur ein einziges Mal zu berühren, die ihm rot und verführerisch entgegen lachen. Aber so sehr er sich auch bemüht, die Prinzessin an sich zu ziehen, immer entwindet sie sich geschickt seinen Armen, da sie das Unheil ahnt, das sie dem Fremden bringen würde.
Als das Fest seinen Höhepunkt erreicht hat, erdröhne«» plötzlich wuchtige Schritte durch den Wald.
Der Unhold, die Krone der Riesen aus dem Haupte, herbeigerufen durch die rachsüchtige Schlange, bricht rn de» Reigen ein, um die Prinzessin zum Weibe zu begehren.
Hier hob sich die Dichtung des Gallus Balbinus zu dramatischer Höhe.
Während alles «ttsetzt flüchtet, und selbst der Waldkönig vergebllch seinen Bannspruch gegen den Räuber schleudert, will der Jüngling um den Preis eines Kusses den Kampf mit dem Troll wagen. Vergeblich bittet ihn unter Tränen die Prinzessin, auf diesen Lohn zu verzichten.
Der Knabe greift zur Schleuder und tötet den Riesen, wie einst David den Saul.
Im Siegesrausch reißt er die Prinzessin in seine Arme unb küßt sie! So saugt er das furchtbare Gift ein und vermählt sich dem Tode. Während er, niedersinkend, in ihren Armen stirbt, knieen im Kreise die Waldbewohner trauernd nieder.
Waldkönig aber, der greife, erfahrene, spricht di« prophetischem Worte:
Hüt' dich, o Mensch, vor bunter Pracht, Die blendend deinen Sinn verleitet. Schon manchmal hat sie über Nacht Dem Irrendem den Tod bereitet. Es lieb' in seines Daseins Hast Das Menschenkind nur seinesgleichen. Denn, wenn es nach den Sternen faßt, Wird nimmer es sein Ziel erreichen. Saum, daß die Liebe du gekannt. Hat schon ihr Gift dein Sein zerstört,, Well du zu uns aus fremdem Land Gekommen warst vom Wahn betört! —
Sortsetzung folgt.)
Zuldaer Zeitung
London.
Das große Wasser! Der Ozean! In wessen Ohr hat dieses oielfagenbe Wort noch keinen Klang gehabt? In wessen Phantasie und Sehnsucht hat es noch nie eine Aylle gespielt — das feuchte Element, die mächtige, ruhig wogende See, das sturmbewegte, tobende, Frausende Meer? Ich habe nur ein kleines Stückchen davon ge- sehem, und doch werde ich das nie vergessen! Wie erregt standen wir alle an Deck des Schiffes und warteten auf den großen Augenblick — kein Land! Alles Wasser! — gs war ein wunderschöner, klarer Tag. Die Wellen dowegten sich gleichmäßig 2—5 Meter hoch. Hinter den Schlffsrödern spritzte die Gischt auf, spielte eine Zettlang auf dem Wasser und verlor sich dann langsam in dem Wellenspiel. .Gleichmäßig" wogte das Wasser — und doch war so viel Abwechslung darin. Tausend kleine Wellen vereinigten fich in der großen und ließen sich ruhig weitertragen und begraben. Wo landeten sie unten? Was mochten sie finden am Grunde des Meeres? Aber unser Schiff ging zu ruhig seinen Weg, die Sonne stand zu leuchtend am Himmel, als daß ein gruseliges Gefühl, eine unheimliche Angst vor der Tiefe da unten hätte wach werden können. Und der Wind nahm alle die furchtsamen Gedanken frisch weg und trug sie fort, weit fort.
So sah man denn auf unferm Deck lauter fröhliche Gesichter. Die ganze erste Stunde strengte ich mein Ohr gewaltig an, um nur einen deutschen Laut zu hören. Aber umsonst! Alles englisch und flämisch! Zur selben Zelt aber horchten noch mehr Menschenkinder auf deutschen Klang, und nach 1X>- bis 2ftünbiger Fahrt hatte sich ein ganzer Klub Deutscher zusammengefunden. Einige gingen nach Englanb, um sich in der Sprache zu vervollkommnen, andere, um Seebäder zu besuchen trotz der späten Jahreszeit, der Rest aber in Hanbelsinterefsen. Nach S)--stündiger Fahrt von Blisfingen aus fuhren wir dann abends um %10 in den beleuchteten englischen Hasen Folkestone ein. Von da ging es weiter nach Lo nb on!
Wer hat noch nicht von ber Weltstadt gehört? Ich glaube wohl, die meisten der werten Leser kennen die einzige Stadt — London — und kennen sie doch nicht. Ehe ich hierher kam, habe ich sehr viel über London gehört und gelesen und hatte eine bestimmte Vorstellung davon. Als ich aber bann sah, als ich barin stanb im Gedränge ber Straßen, da hat es mich gepackt! Wer sollte auch nicht staunen? Man muß bedenken, daß London ungefähr so viel Einwohner hat wie ganz Bayern mit all seinen größeren und kleineren Städten zusammen. Dann liegen rings um die Hauptstadt noch Vorstädte, die zwar nicht eingemeinbet, aber äußerlich nicht von London getrennt sind.
Zur Verbindung der oft weit auseinonberliegenben Stadtteile stehen fünf verschiedene Verkehrsmittel zur Verfügung:
1. „Buses" find große zweistöckige Motorwagen mit je 46 Sitzplätzen. Wie bei den Straßenbahnen haben die verschiedenen Nummern ihre bestimmten Routen unb gehen sehr zahlreich. Man muß selten einmal 5 Minuten auf bie gewünschte Nummer warten.
2. „Trams" finb elektrische Straßenbahnen. Die Wagen finb bedeutend größer als die unserer Städte und haben auch zwei Stockwerke. Der obere Teil ist bei manchen geschlossen, bei manchen offen. Es fahren aber nie zwei Wagen zusammen.
3. „Taxes" sind kleine, geschlossene Automobile, die auf größeren Plätzen aufgestellt find. Mit Hilfe derselben kann man nach jeder gewünschten Straße gelangen. Man muß aber auch entsprechend dafür zahlen.
4. „Metropolitan Railway" (Metropolis — Hauptstadt; Railway — Eisenbahn) ist eine Bahn, die bald unter, bald über den Straßen hergeht und große Bahnhöfe mit 5 und 6 Bahnsteigen hat.
5. „Underground Railway" ist bie eigentliche Untergrundbahn. Um in den Zug einzusteigen, muß man vom Bahnhof aus mit dem Lift in die Erbe hinunter fahren. Ich kann nicht genau sagen, wie lange wir in bem Lift stauben. Meiner Schätzung nach war es ober minbestens so tief wie zwei Stockwerke in einem Haus. Die Bahn bewegt sich in einem ganz kleinen Tunnel, das sich an ben Bahnhöfen erweitert, um Raum zu schaffen für ben Bahnsteig. Zur Kartenausgabe und dergleichen gelangt man nur mit Hilfe des Lifts oder durch Benutzung einer kleinen Wendeltreppe, deren Besteigung mir noch Vorbehalten ist. Die beiden Bahnen werden fast ausschließlich elektrisch getrieben.
Außer diesen Verbindungsbahnen hat noch die Hauptbahn Englands eine Menge Bahnhöfe und Knotenpunkte in der Stadt.
Alle diese Verkehrsmittel, die Taxes ausgenommen, tragen im Jahr ungefähr 3 060 000 000 Menschen. Davon kommen ungefähr ein Drittel auf die elektrischen
Zur Unterhaltung.
Straßenbahnen und knapp ein Drittel auf die Omnibusse.
Für Fremde, welche die Routen der trams, buses und railways nicht kennen und die kein Gelb für bie teuren taxes haben, stehen noch große Gesellschaftsautos zur Verfügung von ber Art unfers neuen Postauios nach Dipperz. Der Verkehr in ber Stabt wirb weiterhin vergrößert burch eine Menge Prioatauios und Wagen. Dazu kommen Lastautos und alle die andern Fuhrwerke, die aus den Städten Deutschlands bekannt find.
Fährt man nun im bus, im tram oder im Privatauto durch das Zentrum ber Stadt, bie sogenannte „City os London", dann muß man ungefähr vor jeder Straßenkreuzung einige Minuten Halt machen. Schutzleute sperren den Verkehr abwechselnd für die eine und für die andere Straße. Während die einen passieren, sammeln sich in der^ Kreuzungssiraße 8, 10, 12 und weit mehr Fahrzeuge an und warten auf Durchfahrt. Mitten in den Straßen find Laternen mit kleinen Bürgersteigen angebracht als Warnungszeichen für die Wagenführer, sich auf ihrer Seite zu halten. Schilder mit ber Inschrift: Keep to the lest! (Links halten!) geben ber War- nung noch mehr Nachdruck.
Personen können in ber Hauptstadt bie Straßen ohne Hilfe der Polizisten überhaupt nicht überschreiten. Haben sich mehrere Leute angefammett, die auf die andere Seite möchten, bann stellt sich ber Schutzmann mit ausgebreiteten Armen vor bie Fahrzeuge. Somit Halt gebietenb, macht er für bie Leute freie Bahn.
Am meisten hat mich bie Ausbehnung biefer Ver- kehrsstraßen erstaunt. Wenn man mit dem bus eine halbe Stunde fährt, hat man immer erst einen sehr kleinen Teil von London gesehen. Und doch könnte man in einer halben Stunde bei ber Schnelligkeit bes bus den Weg von Lehnerz nach der Pfarrkirche fünfmal zurück- tegen.
Ich glaube, ich darf noch so viel erzählen von dem Verkehr in London, ich kann es nie anschaulich genug barstellen. Der Betrieb in ber Stabt ist einfach enorm unb unbeschreiblich. Es gibt nur ein Lonbon!
Elisabeth Schmitt.
wie lang ist ein Tag?
Alle unsere Tage sind ;u lang — Sterntag und Sonnentag.
Es scheint so einfach zu fein, zu sagen, baß ein Tag diejenige Zeitspanne umfaßt, in ber sich bie Erbe einmal um ihre Achse dreht, oder, da wir diese Drehung an der scheinbaren Wanderung der Sonne erkennen, diejenige Zeitspanne, die zwischen zwei Sonnenaufgängen liegt. Und doch brauchen wir nur an bie verschiedene Länge der Tage im Sommer und Winter zu denken, um zu erkennen, daß es mit dem bloßen Ablesen ber Tageszeit von bem Naturoorgang nicht getan ist. Wir haben unserer Uhr einen Tag mittlerer Länge zugrunbe legen müssen, ber nur zweimal im Jahr, am Frühlings- und am Herbstbeginn, mit dem natürlichen Tag übereinstimmt. Ader selbst biefer mittlere Tag läßt sich nach bem Sonnenauf- unb Untergang nicht in feiner wirklichen Länge bestimmen. Denn bie Erbe dreht sich ja nicht nur um ihre Achse, sie läuft gleichzeitig auch ihre Bahn um bie Sonne. Wenn wir also nach einer Tages- umbrehung am anbern Morgen wieder die Sonne felfer, so geschieht es von einer anderen Stelle aus; die Erde ist unterbeffen im Himmelsraum weitergerückt. Unb sie muß fich erst noch ein wenig weiter um ihre Achse drehen, um diesen Standwechsel auszugleichen und einen Beobachter auf ihr in dieselbe Richtung zur Sonne zu bringen, bie er am Tage vorher eingenommen hat. Da wir aber den neuen Tag mit bem Augenblick beginnen, wo wir roieber in derselben Richtung zur Sonne stehen, b. h. sie am Horizont erscheinen sehen, finb alle unsere Tage zu lang.
Die eigentliche Drehung der Erde um sich selbst ist immer schon vorher zu Ende. Und diese Zugabe, die wir machen, ist gar nicht so gering. Sie beträgt vier Minuten täglich. Am Ende eines Monats also sind wir in unserer Zeitrechnung um zwei Stunden zurück, am Ende des Jahres um 24 Stunden, d. h. genau um einen Tag. Die Erde macht also in einem Jahr eine Umdrehung mehr, als wir nach unserer Zeitrechnung vermuten sollten. Diese eine Umdrehung unterschlagen wir m ganz kleinen Teilen, um den Lauf der Erde um bie Sonne auszugleichen.
Der Sternenhimmel führt uns diese Tatsache Nacht um Nacht vor Augen. Denn ihre Sterne erreichen ihren Stand an jedem Tage vier Minuten früher als am Vortage, was zur Folge hat, daß ihre Sichtbarkeit im Laufe ber Zeit wechselt, abnimmt bezw. zunimmt. So kommt es z. B., baß bas bekannte Sternbild Orion im Winter
die ganze Nacht am Himmel steht, im Sommer dagegen schon vor Sonnenuntergang unter den westlichen Horizont gesunken ist. Natürlich wechselt die Erde auch ihnen gegenüber Tag um Tag ihre Stellung. Dieser Wechsel ist bei der großen Entfernung der Sterne jedoch so unbedeutend, daß er nicht in bie Erscheinung tritt. Die Sterne also geben uns erst die richtige Länge bes Tages an. Jnfolgebefsen gebraucht man in ber Astronomie vielfach an Stelle des Sonnentages den Sterntag als die zuverlässigere Zeiteinheit. Für uns aber, bie wir mit ber Sonne aufstehen, mit ber Sonne schlafen gehen, wird es nicht möglich sein, unsere Tagesrechnung von ihrem Auf- bezw. Untergang zu trennen. E. K.
Der Hund von Montargis.
Goethes Rücktritt als Intendant.
Im Jahre 1371 wurde ber Marquis Aubry de Mont- bibier in einem Walde bei Montargis tot aufgefunbem. Er war ermordet worden. Der Verdacht, ihn ermordet zu hoben, fiel auf einen Ritter Richard de Macaire. Und zwar kam man dadurch auf den Verdacht, daß der Hund des Ermordeten seit jener Zeit en ausfallend scheues und dabei feindseliges VerhaSen gegen ihn bewies. Der Argwohn verdichtete sich so. daß man beschloß, den nNiimah- lichen Täter einem Gottesurteil zu unterwerfen. Man gab ihn, einen Knüttel in bie Hand und trug ihm auf, sich damit gegen den Hund, der zum Angriff gegen ihn losgeloffen wurde $u verteidigen. Der Kamps fand statt, Sieger blieb der Hund. Da gestand der Ritter seine Tat ein, und er wurde enthauptet.
Diese Geschichte hat späterhin in der Literaturgeschichte noch eine Rolle gespielt. Sie war nämlich von einem Dichter dramatisiert worden und sollte am Weimarer Hoftheater unter der Direktionszeit G oethes aufgeführt werden, obwohl Goethe von dem Stück nicht gerade sehr eingenommen war. Der Herzog ordnete die Aufführung an. Schließlich spitzte sich der Streit dahin zu, ob, wie es im Stück vorgesehen war, tatsächlich ein Hund auf die Bühne kommen sollte. Darin gab Goethe nicht nach. Er verlangte eine Umarbeitung, damit sich das Auftreten des Hundes erübrigte. Er behielt jedoch nicht recht, der Schauspieler Karsten betrat die Bühne mit einem dressierten Pudel. Das war Goethe zuviel. Er erklärte, mit einem Theater, auf dem ein Hund auftrete, wolle er nichts mehr zu tun habe, und reiste nach Jena ab. Für den Herzog aber war dies eine willkommene Gelegenheit, um Goethe von bem Posten, auf dem er ihn schon lange nicht mehr gern sah, zu entbinden, unb er schrieb ihm, er habe aus feiner Erklärung die Ueberzeugung gewonnen, daß er feines Postens als Intendant des Theaters enthoben zu werden wünsche, unb genehmigte dementsprechend seinen Rücktritt. mf.
Aus aller wett.
— Die Nafchfucht unserer Ander wird durch mancherlei geförbert. Kauft das Kind beim Kramer etwas ein, so erhält es Schockokave, Zuckerwerk u. dgl. als Zugabe, damit es wiederkommen soll. Kommt em Onkel ober eine Tante zu Besuch, so erhält das Kind eine litte. Ja, dies halten bie Kleinen infolge falscher Gewöhnung für so selbstverständlich, daß sie darauf pochen, als hätten sie ein gutes Recht darauf. Will man sein Kind vor Rc-schsucht bewahren, so beugt man am besten vor. Den Krämer bittet man, das regelmäßige Augeben zu unterlaßen. Besuchende Bekannte unb Verwandte sind ju verfWndigen, die begehrte Titte nicht ständig werden zu lassen. Auch darf der Inhalt einer solchen Tüte nicht auf einmal verzehrt werden, weil bas für den Magen leicht böse Folgen haben tarnt. Ferner ist dem Taschengelde die nötige Beachtung zu widmen. Die Kinder müssen atu gehalten werden, über jeden Pfennig, ben sie selbständig ausgeben, Rechenschaft abzulegen. Dadurch werden sie vor Leichtsinn und Verschwendung bewahrt.
— Schlafgas als ttriegsmittel. General Squier machte in Philadelphia in einem Kreise von Sachverständigen, unter dem Vorsitz von Admiral Moffet, eine Aufsehen erregende Mitteilung über die Anwendung von Gas bei ber Kriegführung. Als Grundlage wurde das unbemannte Flugzeug angenommen. Ein Sachverständiger, der Kommandeur der amerikanischen Luftflotte, glaubt, daß das Flugzeug ohne Besatzung, bas von Erdstationen aus mittels Radio geleitet wird, in kurzer Zeit geschaffen ist. Diese Flugzeuge sollen Bom- berf abwerfen, bie mit einem Gas gefüllt finb, das alle Menschen, die es- einatmen, in einen Mündigen Schlaf versetzt, ohne zu schaden. Das Gas ist ein Narkotikum, wie es der Arzt bei Operationen verwendet. Wie die Kriegsaktion nach der Einschläferung verläuft, darüber
Nr. 241 vom 15. Okt 1924. \ \
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wurden noch keine positiven Vorschläge unterbreitet. Interessant ist aber auch, daß Dr. Coolidge an ber Unioer. fität in Pennsylvania eine neue Art X-Strahlen vorführte. Sie haben bie für die Kriegführung wichtige Eigenschaft, daß sie es ermöglichen, durch Mauern hin» durchzusehen. ml-
Vie unsichtbare Krone.
Von Hugo Reiße.
Es war ein wunderschöner Dtiobertag.
Der blaue Himmel überwölbte den stillen Wald, und rotgcidsne Herbstsonne mnleuchtete die schweigenden Kiefern unb Buchen, während ich über den gelbbraunen, weichen Laubieppich roanberte.
Da schritt aus ber Waldeinsamkeit eine Frauengestalt m blaßblauem Kleid an mir vorüber.
Hoheitsvoll, königlich.
Die Swaantje.
Unb einen Herzschlag lang sah ich bie goldenen Blumen auf bem Grunde ihrer Mauen Augen unb ihre unsichtbare Krone, geflochten mit ben scharfen Dornep ihres Leids unb den Rosen ihrer Liebe.
Wie gebannt blieb ich stehen.
Das ist sie, bie ben Heibedichter Hermann Sons» mit heilig reiner Frauenliebe emportrug, ber Sch tag feines Herzens, die Seele seiner Seele; sie, die lächelndes Munde- die Woffer der Bitterkeit trank.
So rote ein schöner Traum, wie eine Vision entschwand die Erscheinung meinen Blicken.
Unb sinnend ging ich weiter in ben sonnigen Tag.
heilerer.
Brei unb Bräu. Arzt: Von morgen ab bimsen Sie breiige Sachen genießen. Was für Brei mögen Su gern? Patient: Spatenbräu.
♦
Die schone Puppe. „Gretchen, was für eine Puppe soll dir beim das Christkind bringen?" — „So eine, big Haare hat wie Mama, zum Abnehmen unb Auflegen."
*
Mißverständnis. Polizist: „Wenn Sie keinen Erlaubnisschein haben, werden Sie mich gleich begleiten müssens" Leierkastenmann: „Jawohl, was wollen Sie fingen?/'
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Zn viel des Guten. Frau A.: Können Sie mir Ihr früheres Dienstmädchen empfehlen? Versteht sie alles gut?. Frau B.: Oh — die versteht sogar alles besser.
Der verregnete Sommer
machte die schöne Hoffnung auf eine gute Ernte zu * " schänden. Die meisten Erholungen mußten in engen Stuben bei strömendem Regen „abgefeffen" werden. Merger, Verdruß, schlechte Laune usw. taten 1-03 ihr möglichstes, um keine fröhliche Stimmung sax^ auftomnien zu lassen. Mit Husten, Heiserkeit unb , Verschleimung erreichte man wieder bie Heimat» l^vi lichen Gefilbe, froh in den bekannten Fays echten Sodener Mineral-Pastillen ein probates Mittel in der Hand zu haben, diese Erkältungserschei» K«] nungen sofort zu bekämpfen.
3m vntterlandholland wird bekanntlich auch vielMargarine konsumiert; man hat dort Qualitäten in den Handel gebracht, die von feinster Butler kaum zu unterscheiden find unb sich deshalb die Gunst ber Bevölkerung im Sturm erobert hoben. Neuerdings wird eine solche Margarine auch in Deutschland unter der Marke „Schwan im Blauband" hergestellt, welche durch ihre vorzügliche Beschaffenheit tat» fichlich überrascht. Ein Versuch kann deshalb nur dringend empfohlen werden.
Glas, Porzellan, Küchengeräte. I
Femr. 773. Conr. Wiegand Ww., Fulda, Markisir. 19.
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Der Burgschreck.
Roman von Felix Neumann.
36] --
Ich war über diese Deutung ganz erschrocken und hkickte Gallus Balbinus am, der die Laute stimmte.
„Ich will aber dem, den ich liebe ober ber mich liebt, picht Unheil bringen!"
„Darm müßt Ihr Euer Herz mit einem Panzer umgeben, unb Euer Antlitz mit einer Maske bedecken, sonst geht Ke Liebe ihren Gang unb fragt nicht danach, ob sie Seelen verwundet unb Leben zerstört."
Bald wußten wir beibe, daß wir uns liebten.
Es war eine Siebe eigener Art. Wie zu einer Halligen sah Gallus Balbinus zu mir auf, unb trenn er Minnelieber fang, suchten feine Augen stets die meinen. Dann klang feine Stimme so voll unb süß, als ob er alle zurückgehaltene Glut, die im rauhen Heerlager nicht zur Entfaltung kam, nun in hellen Flammen zum Hinunel emporlohe.
Der Frühling kam. Unser Verhängnis schritt unabwendbar seiner Vollendung entgegen. Oft unterbrachen wir den Unterricht, weil unsere Wangen glühten und die Sprache stockte. Wir wußten beide, daß wir ein wahnsinnig Spiel trieben, und fürchteten uns vor jedem jungen Tag.
Da verkündete mir mein Vater, daß um die Sommersonnenwende große Fefttichkeiten ftattfinben sollten, da ein Neffe bes Sachfenherzogs Norbert, der Reichsgras Burchard, zu längerem Aufenthalt kommen werde, um mich kennen zu lernen.
Der Vater rieb sich die " Hände: Sei klug, ehe ein Jahr vergeht, bist du Reichsgräfin. Für das wettere wirb her allmächtige Herzog sorgen.
®m Schauer lief mir über ben Rücken, aber ich fanb sogar die Kraft zu lächeln. Ms ich mit Gallus zufammen- traf, wußte er schon alles. Sein edles, männliches Antlitz war bleich, als er mir eine Rolle Pergamentes in bie Hand gab.
„Meines Bleibens ist nicht länger. Ich wandere weiter. Wollet meiner in Treuen gedenken, als des Lehrers, ber Euer Bestes gewollt, wenn Ihr das Marlein leset, bas ich dichtete und niederschrieb. Es ist eine
gar traurige, aber lehrhafte Historie und heißet: Der Fliegenpilz!"
Seine Stimme Mette ein wenig, was sie noch nie getan hatte. Unb ich überwand meine Scheu unb ergriff die Hände des Mannes, für ben mein Herz in jugendlichem Ungestüm schlug, der mir wie ein Held aus grauer Vorzeit erschien.
„Bleibt und vertaßt mich nicht! Ich — liebe Euch!" Ganz leise sagte ich diese Worte. Da sah er mich an. ' „Ich gedenke dessen, was mir bie Mutter hinterließ!"
Dann ging er gesenkten HauMs hinaus. Meine Hände Metten. Ich faltete bie Rolle auseinander, da fügten fich in straffer Sck)rift Zeile an Zeile, Vers an Vers.
Draußen tönten Schritte, eilig verbarg ich das kostbare Gut. Der Vater trat ein. „Wo fft der Sänger? Er soll ein Spiel schreiben oder ein Lied dichten zur Ergötzung des hohen Gastes Nun mag er zeigen, was er kann! Und er lief hinaus, Gallus Balbinus zu suchen.
Am Nachmittage hotte ich, daß mein Lehrer bem Drängen des Vaters nachgegeben hatte unb er vor ben Gasten und allem Volks auf ber Waldroiefe bei der Burg ein Spiel zmn Besten geben werbe.
Am Abend trat er in meine Kemenate.
„Was ich Euch zum Abschied reichte, müßt Ihr mir noch einmal zurückgeben, auf daß ich die Schrift in Trier vervielfältigen taffe. In wenigen Tagen ist das geschehen. Dann sei das Pergament wieder Euer."
Ich reichte ihm bie Rolle und sah ihm in ine Augen.
„Soll diese Mär zur Feier der Anwesenheit des Reichsgrafen Burchard bargeftetti werben?"
Er nickte stunun.
„Ihr fchilbett mich unb Euch unb — ben Unhold, der um mich freit! Sdjätjet Ihr ben Grafen bem Troll gleich, ben Ihr schufet?"
„Als ich die Dichtung niederfchrieb, wußte ich noch rrichts vom Neffen des Herzogs Norbert. Für mich fft jeder ein Unhold, der dis Prinzeffin zu erringen sucht."
Ich verstand ihn. Er hatte im Fliegenpilz sein eigenes Weh und Leid geschildert. „Nehmt Platz, Gallus Lal- brnus, unb leit mir das Werk vor Und wenn Ihr ge-