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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

m. 240.

Verantwortlich iür die SchriMeitung: Dr. Jo Hanner Sramer. Anzeigen: I- P arretier, Fulda. Rotationsdruck und Verlas der g Fuldaer Sctiendruckcrei in Fulda. Fernsprecher Nr. S. S Monatlicher Bezugspreis: 1.50 Mk.

Dienstag, 14. Oktober 1924.

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51. Zahrg.

Die Krise im Kreise.

Man schreibt uns aus dem Reichstag:

Es ist nicht die erste dieser Art: Fast alle Kri­se«, die wir bis jetzt durchmachten und inzwi­schen sind wir ja zu der stattlichen Zahl von 15 solcher Experimente gekommen, davon allein fünf während der Zugehörigkeit des oolksparteilichen Führers Strefemann zur Regierung haben dies« Entwicklung genommen; nachdem man tagelang hinter verschlossenen Fraktionstüren Taktik machte und nachdem so wie man in parlamentarischen Kreisen mit Galgenhumor sagte allmählichalle Klarheit beseitigt" war, ist man schließlich wieder zum Ausgangspunkt der Krise zurückgekommen. Auch jetzt stehen wir im Grunde wieder genau an derselben Stelle, an der wir uns nach der Abstim­mung im Reichstag befunden haben.

Wenn es auch diese Krise nicht zuwege bringt, daß die Parteien aus den taktischen Bindungen herauskommen, dann ist wieder viel Arbeit unnütz getan. Es ist immer ein Kennzeichen deutscher Krisen gewesen, daß sie imallerungeeignet- ften Augenblick sich entfalteten, immer dann, wenn unmittelbar bevorstehende oder reifende außenpolitische Entscheidungen mit im Spiele waren. Und wenn jetzt auch die Lösung dieser Krise wieder vertagt wurde, so waren gewiß auch Wünsche der Frakttonen maßgebend für Entschei­dungen von solcher Tragweite eine möglichst große Zahl der Mitglieder der Parteien versammelt zu haben, aber ausschlaggebend war doch ein dringender telegraphischer Warnruf unserer Anleiheunterhändler in London. Mit der Mitteilung von der Unterzeichnung der An­leihe, die sie den Reichstagsparteien machten, ver­banden sie den dringenden Rat, bis zur Auslegung der Anleihe keine politischen Aktionen vorzuneh­men, die das Ausland zum Vorwand nehmen könnte, in der Haltung zur Ausnahme der Anleihe sich zu reservieren. Es ist in der Tat schon bisher eine starke Verzögerung in der Führung der An­leiheverhandlungen um deswillen eingetreten, weil die ausländischen Wirtschaftsvertreter immer wie­der wißen wollten, wie sich der demnächstige innen« und außenpolitische Kurs in Deutschland gestaltet. Wenn auch zweifellos von einem Teil der Ameri­kaner die Kreditwürdigkeit Deutschlands als er­höht angesehen wurde, wenn auch Vertreter der Deutschnationalen Partei mit an der Regierungsverantwortung Teil hätten, so haben doch die übrigen Unterhändler des Auslan­des immer wieder ihren Besorgnisien dahin Aus­druck gegeben, daß ein politischer System - wechsel in Deutschland infolge der Hinzuziehung einer Partei, die sich zur Hälfte gegen die Londoner Vereinbarungen und damit auch gegen die Anleihe selbst ausgesprochen hat, bedenklich wäre. Diese Auffassung hat dann die Veranlassung gegeben, im Interesse der Wahrung der deutschen wirtschaft­lichen Notwendigkeiten die politische Krisis zu min­destem in Formen sich vollziehen zu lassen, die nach außen hin keinen Schaden tun können. Es ist nicht gerade ein besonderes Lob für den Reichs­tag und feine Parteien, daß sie von außen her darauf aufmerksam gemacht werden müssen, daß es auch noch andere Interessen und Notwendig­keiten als Parteischablone und Parteitaktik gibt.

Man möchte jetzt nur wünschen, daß die Krise im Kreise am nächsten Dienstag nun endlich eine den Interessen des gesamten Volkes ent­sprechende Lösung fände.

*

Laut Mitteilung des Generals Mathieu an den Oberbürgermeister von Dortmund werden die Be- latzungstruppen die Stadt Dortmund im Laufe des 20. Oktober räumen.

Nach einer Meldung aus Angora ist die erste Schiene der Eisenbahnlinie Angora-Sivas gelegt worden, die die türkische Regierung augenblicklich bauen läßt.

Der Burgfchreck.

Roman von Felix Neumann.

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Ich führte den Fremden dem Vater zu, der guter Stimmung war.Wir bleiben die Nach: im Waldschloh. So Ihr lustige Lieder wißt, sollt Ihr uns willkommen sein, um die Jagdtafel zu verschönen."

Und der Sänger ging mit

Es wurde ein Mahl voll ausgelassener Freude.

Ich saß obenan, die einzige Frau in dem bunten Schwarm der trinkftohen Gäste. Man zechte auf mein Wohl und unzählig waren die Humpen, die auf meine Gesundheit geleert wurden. Ganz unten auf bescheidenem Platze saß Gallus Balbinus. Als die Gäste schon rote Köpfe bekamen, fing man an, den Sänger zu nettem, der aber ergriff die Laute, die an der Wand lehnte und begann eines jener Lieder, das dem deutschen Walde zu Lob rmd Preis gewidmet ist.

Da wurde es still m der Runde. Alles lauschte auf die prachwolle Stimme des Mannes, der den Hallen­raum mit seinem Spiele und Gesang füllte.

Selbst die Diener hielten den Schritt an und horchien. Mir drängte das Blut nach dem Herzen. Ich konnte die Augen nicht losreißen von dem Fremden, der die Laute schlug und dessen Blick den meinigen suchte.

Als das Lied zu Ende war, rief alles Beifall und mein Vater verlangte ein neues.

Es war tiefe Nacht, als das Fest zu Ende war. Halbtnmken suchten die Gäste die Lager auf. Gallus Bolbim» sollte bei den Knechten schlafen, da zwang ich den Vater, daß er dem Sänger ein Zimmer richten Refc, wie es den anderen Gästen zukam.

Der Erfolg der Anleihe.

wtb London, 13. Okt. (Tel.)Daily Tele­graph" meldet aus Newyork, daß der Anteil Amerikas an der deutschen Anleihe (22 Millionen Pfund Sterling), der morgen zur öffentlichen Zeich­nung ausgelegt werde, nach den Schätzungen einiger Bankiers der Wallstreet, deren Büros den ganzen Sonntag über mit Anträgen vonseiten der Spekn- lanleu und Geldanleger wegen Zuweisung von Obligationen bestürmt worden seien, bereits um 200 Millionen überzeichnet wurde. Den Fragestellern fei mitgeteitt worden, daß die Schuldscheine vom Bankhaus Morgan u. Co. an mehr als 300 Banken in allen Teilen Amerikas verteilt wurden und daß diese ihrerseits die Zuwei­sung vornähmen mit der Maßgabe, die Papiere den Händen der Spekulanten möglichst fernzuhalten. Die Zeichnungslisten würden am Dienstag um 10 Ahr vormittags veröffentlicht und f o f o r t mit einer riesigen Ueberzeichnung geschlossen werden.

Der chinesische Hexenkessel.

wtb Paris, 13. Oft. (Tel.) Nach einer Mel­dung des ,Klofin aus Schanghai hat die allgemeine Erhebung der chinesischen Zivil-Be­völkerung in Schanghai gegen den Gouverneur Lu-Jung-Siang begon­nen, der beschuldigt wird, unnütz die Feindseligkeiten zu verlängern. Die aufgeregte Menge hat eine Person belästigt, die für den Gouverneur in öffent­licher Rede einlrat. Mehrere Personen wurden verwundet.

Einer Havas-Meldung aus Peking zufolge ist auf den Zug des Generals Vu-Pai-Fu an zwei verschiedenen Stellen ein Spreng st offan- schlag verübt worden, der jedoch jedesmal nur den Vorzug zur Entgleisung brachte, während Wu- Pai-Fu sich in einem späteren Zug befand.

Wtb Newyork, 13. Off. (Funkspruch). Die Assoziated Preß meldet aus Schanghai, daß die Schekiang-Truppen die Schanghai gegen die Tiang- su-Straße verteidigen, kapituliert hätten. Ei« Waffenstillstand sei abgeschlossen.

Der Handelsvertrag mit Frankreich.

Havas meldet: Die erste Phase der deutsch-fran- zösischen Wirtschaftsverhandlungen, die sich aus­schließlich auf grundsätzliche Fragen bezogen hatte, ist durch die Unterzeichnung eines Protokolls b e - endet worden. Die deutsche Delegation wird nach Berlin reifen, um mit den am Export nach Frank­reich interessierten Kreisen zu beraten. Die franzö­sischen Delegierten werden das Gleiche tun. Am 3. November werden die Verhandlungen in Paris wieder ausgenommen werden, um Entwürfe von Zolltarifen auszuardeiten.

DerTemps", der das Kommunique über den Abschluß der ersten Phase der deutsch-französischen Handelsoerttagsverhandlungen bespricht, hebt her­vor, daß die deutsche Delegation, wenn sie ihre ur­sprüngliche Forderung nach lückenloser Meistbegün­stigung aufrecht erhalten hätte, sich auf ein doktrinä­res Terrain gestellt haben würde. Da aber die Deut­schen zu praktischen Ergebnissen hätten kommen wollen, so hätten sie dieses Terrain aufgegeben; das habe das erzielte Ergebnis möglich gemacht. Deutschland werde Frankreich die Meistbegünstigung gewähren. Da aber die französische Gesetzgebung sich einer vollkommen Reziprozität widersetze, werde der Nutzen des französischen Minimaltarifs für diejenigen Produkte gewährt, die den deutschen Ex­port besonders interessieren, und das komme im Grunde genommen allerdings mit einer Beschrän­kung auf gewisse Produkte der Meistbegünstigung gleich.

Gräfin Sabina hielt einen Augenblick inne. Es war, 'als ob sie den Faden der Erinnerung neu knüpfen müsse, um auch nichts zu vergessen von dem, was sich damals zutrug.

Dann fuhr sie fort: Gallus Balbinus blieb und zog mit uns auf die Treuenburg, um mich Gesang und Lautenspiel zu lehren. Auch sollte er, der sich als schreib­kundig und des Lateins mächtig erwies, die Chroniken der Burg ergänzen und vollenden.

Als der Vater erstaunt über soviel Wissen war, sagte Gallus, daß er in seiner ersten Jugend Klcsterschüler war, wo er alles erlernte, dann aber der Weltabgeschiedenheit entronnen sei.

Der Vater lachte, denn er liebte Gesellen, die den Zwang von sich warfen und das Abenteuer suchten.

Schon seit Wochen war Gallus bei uns und täglich gab er mir Unterricht. Ich war völlig im Bann des eigenartigen Mannes, der mich so oft mit einem Blicke ansah, in dem unendlich viel zu lesen war.

An einem der letzten schönen Herbsttage gingen mir durch den Wald, der an die Burg grenzte. Nur ein Page folgte uns.

Wir sprachen von der Kunst und dem Gesang, und daß es doch die Liebe allein gewesen sein müsse, die im Menschen die guten Triebe geweckt habe.

Da sah ich plötzlich unter einer Tanne einen großen, wundervollen, scharlachroten Pilz mit weißen Flecken. Die Herbstsonne übergoß chn mit Licht, so daß er wie Blut leuchtete. Ich stieß einen Ruf des Cnzückens aus und wollte darauf zuellen, aber des Sängers Hand hielt mich zurück.

Es war das erste Mal, daß Gallus Balbinus mich zu berühren wagte. Seine Augen leuchteten geheimnisvoll

Laßt den Pitz, vieledles Fräulein. Er ist der König des Waldes, er lockt und winkt, aber wehe dem, der davon nascht, denn er , ist des Todes."

Das christliche Gewerkschaftsblatt ,DerDeutschck feiert in einem Festortikel das 25 jährige Bestehen der Christlichen Gewerkschaften.

Erne Rede Stegerwaldr.

Iubiiüumstagung der christlichen Gewerkschaften.

Die 25jührige Jubiläumstagung der christlichen Gewerkschaften Deutschlands wurde am Sonntag durch eine Kundgebung in Köln eröffnet. Nach einer Reihe Eröfsnungs- und Begrüßungs­ansprachen hielt der erste Vorsitzende des Gesamt- verbandes der christlichen Gewerkschaften Deutsch­lands Stegerwald die Festrede, in der er aus- führte, daß die christlichen Gewerkschaften in ihrer Grundanschauung den vom kapitalistischen Geist einerseits und den von der sozialisti - scheu Idee andererseits beherrschten Volksgrup­pen gegenüberstünden. Unter kapitalistischem Geist sei nicht die Wirtschaftsform, sondern der verderb­liche Geist, der sich dieser Form bemächttgt habe, zu verstehen. Der Kampf gegen ihn bedeute nicht eine Vernachlässigung der Technik und der Arbeits­intensität. Unter dem Kampf gegen die sozialistische Idee sei nicht die Bekämpfung der sozialdemokrati- schen Arbeitskollegen zu verstehen. Für die Sozial­demokratie sei der Ausgangspunkt für das Gesell- fchasts- und Wirtschaftsleben die Klasse, für die gelben Gewerkschaften das Werk, für die christlichen Gewerkschaften dagegen der Beruf. Letztere lehn­ten infolgedessen den sozialistischen Klassenbegrisf überhaupt ab und setzten an dessen Stelle den Be­rufs- und Standesbegriff.

Nachdem in den vergangenen 20 Jahren die christlichen Gewerkschaften in der Defensive kämp­fen mußten, sei jetzt die Stunde zur Offen­sive gekommen. Nach der Annahme der Londo­ner Abmachungen stehe nicht nur die christliche Ge­werkschaftsbewegung, sondern auch das deutsche Unternehmertum vor einer großen Stunde. Letzte­res habe jetzt durch die Tat bewiesen, ob ihm die Arbeitsgemeinschaft von 1918 bei dem Ausbruch der Revolution das Mittel für eine neue Epoche in der Gestaltung des Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit sei. Von den christlichen Ge­werkschaften müsse der Arbeitsgemeinschaftsgedanke ttotz aller Rückschläge vorwärts getrieben werden. Nach längeren Darlegungen über die derzeitigen Zustände in Deutschland betonte der Redner, daß die christtiche Gewerkschaftsbewegung die wahre Demokratie wolle und dies heiße: Besorgtsein aller um Volk und Staat. Sie sei berufen, Brücken aus den verschiedensten Gebieten zu schlagen.

Im weiteren Verlauf der Tagung erteilte der Vorsitzende dem Reichsarbeitsmini st er das Wort. Dieser betonte die besondere Bedeu­tung des Tages und übermittelte das Bedauern des Reichskanzlers, dem Jubiläumsfest nicht bei­wohnen zu können. Er hob hervor, daß durch ihre idealen Ziele den christlichen Gewerkschaften ein hoher kultureller Wert zukäme. Die Arbeit sei noch nicht getan, es solle aber alles geschehen, um das Los des Arbeiters weiter zu erleichtern. Die Reichsregierung sei eutschloffen, die gegenwärtigen Lasten g e r e ch t zu verteilen und sei überzeugt, in den christlichen Gewerkschaften eine wertvolle Stütze für den Wiederaufbau der deutschen Wirffchaft zu finden.

Der mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede folgten weitere Begrüßungsansprachen.

Kus dem besetzten Gebiet.,

Der französische Ministerrat hat beschlossen, Gene­ral Guillanmat, der während des Krieges die Orieniarmee vor Saloniki kommandiert bat und sich augenblicklich in Athen aufhält, zum Oberbefehls- baber der Rhein-Armee an Stelle von General Degoutte, der auf seinen Wunsch eine andere Ver­wendung finden wird, zu ernennen.

Und wieder sahen wir uns in die Augen und ich de- merkte, daß sein Blick auf meinem roten Sammetbarett haften blieb, das mit weißen Hermelinschwänzen besetzt war. So glich es auf ein Haar dem schönen und doch so giftigen Pilz, der verlockend leuchtete und gleißte.

Und Balbinus fuhr fort:Im Sterben noch gab meine unglückliche Mutter mir die Warnung mit auf bei. Weg, mich vor allem zu hüten, was verführerisch glänzt und doch verderblich ist. Sie ging daran zugrunde und muhte für ihre Fehle schwer büßen." Sinnend stand Gallus Balbinus, und flüsternd bat ich ihn, mir das Schicksal feiner Jugend zu erzählen.

Wir setzten uns auf einen gestürzten Baum, und wahrend der Sänger starr den Blick auf den Pilz ge­richtet hielt, sprach er:Ich habe meinen Vater nicht gekannt, aber man sagte mir einst, daß es ein hoher Herr aus Worms gewesen sei, dem meine Mutter ahnungslos vertraute.

Gehetzt und verfolgt gebar sie mich im Walde, und Klosterbrüder nahmen mich auf. Die Mutter starb, nur einem der Mönche hatte sie aufgetragen, mir ihr Schicksal als Warnung mitzuteilen. Die Hand meines Vaters mußte wohl unsichtbar über mir fein, denn ich erhielt eine Erziehung, wie sie sonst Findelkindern nicht zuteil zu werden pflegt.

Schon früh zeigte ich Anlage zur Dichtkunst und Malerei, zum Singen und ßauitefpielen, und die Mönche ließen zu ihrer und meiner Freude die Gaben ge­deihen.

So wurde ich Jüngling und reifte zum Manne, und je älter ich wurde, um so unerträglicher dünkte mich die Enge der Klosterzucht. Und eines Tages sprengte ich die Bande, die mich fesselten und entfloh. Nur die Laute nahm ich mit, die mir ans Herz gewachsen war.

SDiittellos in der Welt stehend, nahm ich erst Kriegs- nfte. und als mein Haar gewachsen und meine Spur

Zeppelin" über dem Gzean.

Am Sonntag morgen, wie es angekündigt war, ist das Zeppelinluftsibisi in Friedrichshafen zur Amerikafahrt aufgestiegen. Der erste Teil der Fahrt, soweit er am Sonntag zurückgelegt wurde, setzte überall, auch in Fulda, die Rundfunkhörer in Bewegung und brachte ihnen auch zuverlässige Kunde von dem Ablauf der Reise.

Dor der Abfahrt aus dem Hafen hatte sich ein Zwischenspiel ereignet. In Friedrichshafen haben einige Verhaftungen stattgefunden, die mit Gerüchten in Verbindung gebracht wurden, daß von gewissen Fanatikern beabsichtigt worden sei, Dr. Eckener, den Führer des Luftschiffs, zu er- m o r d e n, um die Fahrt des letzten Zeppelins nach Amerika zu verhindern. Angeblich soll besonders die Verhaftung eines geistesgestörten Studenten, bei dem man einen abgeänderten Karabiner mit Munition fand, zur Entstehung dieser Gerüchte bei­getragen haben.

Die Reise des Luftschiffes führte über Konstanz, Lörrach, Belfort, Monbeliard. Es nahm dann Richtung auf Bordeaux. Gegen 4 Uhr nach­mittags war es, bei einer Fluggeschwindigkeit von 120 Klm. in der Stunde, über der Gironde. -3n den späten Abendstunden flog derZeppelin uby den Atlantischen Ozean mit Fahrtrichtung auf ote Azoren.

Die letzten Meldungen.

wtb Berlin, 13. Okt. (Tel.) Nach einer Met- duna aus Friedrichshafen von 4.15 Ahr Montag morgen war der Standort des I. R. 3 ein 3 i e r- (el des Weges zwischen der Jloroeae Spa­niens und den Azoren.

wtb Berlin, 13. Oft. (Tel.) lieber die Fahrt des z. B. 3 liegen keine neuen Nachrichten vor. Die Nachrichten werden jetzt überhaupt etwas spärlicher fein, da wir jetzt auf die Nachrichten aus Amerika angewiesen sind.

(Siehe letzte Nachrichten).

Hnatole Zrance t.

wtb Paris, 13. Oft. (Tel.) Anatole France ist gestern abend 11 Uhr auf feinem Besitztum Bechellery bei Tours gestorben.

Anatole France, der eigentlich A. Thibault hieß, war einer der bekanntesten zeitgenössischen französischen Dichter. Er war 1844 m Pans ge­boren. Seine Gedichte und Dramen sind weniger die Ursache seines Ruhmes gewesen als die Romane und Erzählungen. Hier war er, was die Form angeht, ein großer Meister und hat sich einen Platz, in der Literaturgeschichte gesichert. Er gehörte derf Akademie an. Seiner Geistesrichtung nach stand er im Lager der Aufklärung, ein später Nachkömm­ling Voltaires. Von den sonstigen fretgetftigen Denkern Frankreichs unterschied er sich besonders durch die Hinneigung zum Sozialismus. Er war dabei durchaus französisch-national gesinnt, hat aber immer den Chauvinismus vermieden, auch im Kriege. In Deutschland haben ferne Bucher weite Verbreitung gefunden.

Die Lage in der Türkei.

Zwischen der Regierung in Angora und Groß­britannien sind starke Spannungen aufgetreten, die ihre Ursache in dem Erscheinen der Türken rn Meso- botamten haben. Die Engländer haben in ultimativer Form die Entfernung der Türken verlangt. Die Sage wird dadurch gekennzeichnet, daß die National- Versammlung nach Angora eingerufen ist.. Der An- laß ist in der Notwendigkeit zu suchen, die rn den letzten Tagen an der türkischen Südostgrenze ent- standene Lage sofort zur Kenntnis der National. Versammlung zu bringen. In Regierungskrelsen ist man davon überzeugt, daß die Mitglieder der Ver­sammlung sofort die Reise nach der Hauptstadt an- treten werden.

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verwischt schien, wandte ich mich dem zu, das allezeit mein Herz ausgefüllt hatte, der Dichtung und dem Sange.

So zog ich in den letzten Jahren als fahrender Sän­ger von Stadt zu Stadt, von Burg zu Burg, bis ich Euch im Walde begegnete. Das weitere ist Euch be­kannt!"

Ich saß eine ganze Weile still. Die Sonne war weitet gerückt, so daß der Pilz nicht mehr so Mutig leuchtete, sondern dunkler gefärbt schien. Wie Schnee glänzten da. gegen die weißen Flecke.So starb Eure Mutter in Elend und Not, well sie einem gleihnerischen Schein ge» folgt war, der sie verlockte?"

Gallus nickte und mies mit der Hand nach dem Pur­purträger.Wer davon iffet, der stirbt daran!"

Und wieder schweifte sein Blick so eigentümlich nach meinem roten Barett mit den weißen Fleckchen des Hermelinbesatzes. Nachdenklich kehrten wir zur Burg zurück.

In der Nacht hatte ich einen Traum, den ich am folgenden Tage dem Sänger erzählte, als er zum Unter­richt in meine Kemenate trat: Mir war, als ob ich als Fliegenpilz im Walde stünde, und alle, die vorüber kamen, staunten meine Pracht an.

Aber niemand verweilte bei mir. Nur einer neigt» sich über mich, ich breitete ihm die Arme entgegen, schlang 'ie um [einen Hals und küßte ihn, da fiel er tot zu Boden!

Gallus Balbinus lächelte eigen und schmerzlich vor sich hin.Der sich zu Euch neigte, vieledles Qräulein, war gewiß kein Graf ober Herr, sondern ein armer Wicht, der Euch liebte, und darum mußte er sterben, weil er an einer verbotenen Frucht naschen wollte, die tödlich war.'

iSortfefeuna