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V? 259.

Sonntag, 12. Oktober $924,

2. Blatt.

Druck bar Fuldaer Äeriendruckerei in F-udla

Vonifatiusfeier

Die

gc anfttm Vaterlands und dem deutschen Volke zu dienen, > enanften ist und das; dieser Weg Erfolge gebracht hat. Sie ist sich bewußt, datz dieser 2Beu schließlich zur vollen Freiheit führen wird."

Sonntag in der Herz-Jeju-Kirche vom Caritassekretär Carls, Präses des Eiderfelder B.-V. ein feierlicher Gottesdienst gehalten. Darauf begannen im Sitzungs­saale des Rathauses die Beratunaen. Präses Carlg bei breitete sich über die Zwecke und Ziele des Verbandes, der keine Kampforganisation, sondern eine große Bei- einiflung für die Verwirklichung der großen Friedens-' ziele unseres Volkes fein soll. Kardinal Schulte und der Bischof von Trier hatten herzliche BegrüßungS. schreiben gesandt. Unter stürmischem Beifall wurde an den hl. Vater ein herzliches Danktelegramm ent­sandt, sowie Ergebenheitstelegramme an Kardinal Schulte und Reichskanzler Marx gerichtet.

Auf der Delegiertentagung wurden interne Ange­legenheiten des Verbandes verhandelt. Als Ort der nächstjährigen Tagung wurde Bochum bestimmt. In der zahlreich besuchten Abendfestlichkeit hielt Bezirks-' Präses Kaplan Witz-Aachen die Festrede über ba3 ThemaDer Staat und seine Beamten". Am Montag wurden die Beratungen fortgesetzt. Das erste Referat hielt Herr Pfarrer Brehmer-Koln über das Thema Des Beamten Laienhilfe in der Seelsorge". Im Schlußvortrag sprach Postinspektor Ammuth-Köln übet densozialen Gedanken in der Besoldungsordnung". Wn die einzelnen Vorträge schloß sich eine fruchtbringende Aussprache. Mit einem Hoch aus den Verband wurde

Peterskirche besaß Auch passen die Schilderungen bee Chronisten vom Leben des hl. Bonifatius am besten auf bie damaligen religiösen Zustände im sächsischen Hessin- gau, m dessen Mitte Hofgeismar liegt. Eine wirkungs. volle Illustration zu der Festrede bildete das Festspiel Bonifatius" von Archiorat Gustav Goes, einem durch andere literarische Werke bereits rühmlich bekannten Dichter. Das Stück zeigt, wie das in den nördliches Grenzgebieten des Hessenlandes fast ganz durch die Sach­sen unterdrückte Christentum durch die Fällung der Do- nareiche neu belebt und befestigt wird. Der Dichter wohnte dieser Erstaufführung seines Werkes bei und wurde am Schluffe durch Ueberreichung einer schönen Blumenspende gebührend geehrt. Die Spielleitung lag in den Händen des Herrn Possenhofen, der seine schwer» Aufgabe mit großer Geschicklichkeit löste. Nach seinen Angaben war auch der gesamte Bühnenaufbau eigen» hergestellt. Alle Mitwirkenden gaben ihr Bestes. Die Feier, die ja nur dem Ruhme des großen Apostels der Deutschen galt, kann als wohlgelungen bezeichnet werden.' Am nächsten Sonntag (12. Oktober) wird das Festspiel in Warburg i. W. von den hiesigen Spielern auf» geführt werden.

Seftaft der politischen Verhältnisse vollkommen be­stimmt wird. Vor dem Kriege blühte die deittsche Wirtschaft, weil Deutschland vor der Welt in Achtung und Ansehen stand. Und das trostlose wirtschaftliche Elend unserer Tage ist doch aus­schließlich durch die Niederlage unseres Staates verursacht und ist Folge seiner Ohnmacht. Und blicken wir auf England; wir nennen die Englän­der zwar gern verächtlich ein Krämervolk, und doch ist nichts falscher als das. Der Engländer ist nicht zuerst Kaufmann, sondern Staats­mann. Er will erst als Weltbürger anae- sprochen werden und dann erst als W e l t k a u'f - mann; er weiß warum: nur im Schatten der politischen Macht kann die Wirtschaft gedeihen: sie schäft für die ökonomische Prosperität erft die Vor­aussetzung; wo politische Unordnung herrscht, ist alle wirtschaftliche Tätigkeit in Frage gestellt.

Rathenau hat den Ausspruch getan:Nicht Po­litik. Wirtschaft ist das Schicksal." Damit hat er Marx nachgesvrochen, den gerade er sonst so sehr bekämpfte. Dieses Wort muß umgekehrt lauten: Nicht Wirtschaft, sondern Politik i st eines Volkes Schicksal!"

Rus der Zentrumspartei.

--- Tagung drr Sentrumspaitei in Thiirinaen. Am Sonntag, 5. Oktober, fand im Beisein des Reichstaas- abgeordneten, Reichspostministers Dr. Höste, in «eine, felbe eine Wahlkreisausschußsitzung statt. D-r 1 Vorsitzende. Studiendirektor Golbrnann-Heiligenstadt leitete tue Verhandlungen. Die dem früheren Reichs- taasab ieordneten, Propst Poppe, angetragene Ehren- Mitgliedschaft fand die lebhaftste Zustimmung der Ver­sammlung. . Ebenso eine Einschließung folgenden Wort­guts:Die deutsche Zentrumspartei des Wahlkreises Thüringen spricht der Reichspartei, leitung und der Reichstagsfraktion ihr volles Vertrauen aus. tz-ie ist der Auffassung, daß die gradlinige, folge­richtige Politik des Zentrums und besonders des Reichs­kanzlers es vornehmlich gewesen ist. Die zur Gesundung der politischen Verhältnisse, zum allmählichen Wieder- ausstieg des deutschen Volkes und zur Enispannung der europäischen Lage geführt hat. Sie wünscht aufrichtig die Fortführung jener Politik, die grundsätzlich niemand von der Mitarbeit ausschließt, der die Mitverantwortung tragen will. Es erfüllt sie mit Genugtuung, daß das Zentrum immer opferbereit den Wer der Pflicht, dem

katholische Welt.

Seraphischer £tebesu>erft. Dps Jahr schlimmster wirtschaftlicher Not 1823 hat an das Seraphische Liebes- Werk die größten Anforderungen gestellt Von der nord­deutschen Landesabteilung wurden 501 Kinder betreut, für die die ganzen Unterhallungskoiten aufgebracht werden mußten. Für eine etwa gleich große Zahl Kinder wurden laufende oder einmalige Unterstützungen' an Anstalten und Familien gezablt. Die beiden An», stalten, das Antonius- und Josesshaus beherbergte«' durchschnittlich 100115 Kinder. Weiterhin konnten 555 Kindern Pflegestellen in Familien vermittelt werden, davon wurden fast die Hälfte an Kindesstatt angenom­men. Die Mitnliederzahl des Seraphischen Liebeswerkes beträgt zur Zeit etwa 160(00.

veibandriaq der katholischen Veamtenvereine Deutschlands Vom 4.6. Oktober fand in Elberfeld der diesjährige Verbandstag der kath. Beamtenvereine statt. Nach dem Begrüßungsabend am Samstag wurde

Heues aus Frankfurt.

Dom (tato getötet. Ein nach Frankfurt fahrender Lastkraftwagen überfuhr zwischen Langen und Sprend. lingen einen jungen Mann und tötete ihn auf der Stelle. Das Auto trug Zeugenaussagen zufolge die BezeichnungPirmasens".

Flüchtige Diebin. Einer Herrschaft in Mainz wurden von einem etwa 20jährigen Mädchen, das sich Else Hertel aus Andernach nannte, Kleider und ein Brillantring gestohlen. Die Hertel, die auch in Wies­baden und Frankfurt Siebereien und Betrügereien verübt hat, ist flüchtig.

Erweiterung der Wohnungrbauprogrammr. Der Magistrat beabsichtigt das für 1924/2o vorgesehene Wohnungsbauprogramm erheblich zu erweitern. Bürger­meister Gräf regte die Erbauung von 5000 neuen Wohnungen an. Man ist in baufachverständigen Kreisen der Auffassung, daß sich bei genügender Finanzierung durch die Bevölkerung innerhalb zweier Jahre die vorgeschlagene Zahl von Wohnungen Her­stellen ließen.

7= Neue Messebauleii. Mit den Vorarbeiten für bU Errichtung der großen Textilhalle, für die die Stadtver­ordnetenversammlung kürzlich 1300 000 Mark bewilligte, wurde dieser Tage begonnen, da die Halle vertragsgemäß bis zur nächsten Frühlingsmesse fertiggeftellt sein muß. Die Halle erhält ihren Platz auf der Stelle wo sich heute die Nordhalle und deren Seitengebäude befinden. Diese Gebäude werden augenblicklich niedergerissen. Leider fällt auch der schöne Baumbestand zwischen dem Wesfflügel der Fssthalle, an den sich die Texsilhalle an­lehnen wird, den Neubauten zum Opfer.

Ltraßenunfalle. Auf dem Bahnhofsplatz stieß eine Droschke, deren Führer völlig betrunken war, mit einem Kraftwagen zusammen. Die Insassen tarnen mit dem Schrecken davon. Auf der Zeil geriet eine Radfahrerin durch eigene Unvorsichtigkeit unter eine Straßenbahn und trug dabei erhebliche innere Ver­letzungen davon.

= Der Streif um das Sommerhäuschen. Taufende von Städtern haben sich in den letzten Jahren draußen auf dem Lande sogenannte Landhäuschen von geringem; Flächenraum gebaut und verbringen hier die Sommer­monate oder aber nur die Zeit vom Samstaanachmiiihag. bis Montag früh, während sie sonst ihren Wohnsitz in der Stadt haben. Diese leichten, luftigen Sommerhäus-

als Gegner widereinander.Politik ist nichts Wirtschaft ist alles!" sagte der eine. NurPolitik ist unser Schicksal!" ruft der andere - _^r soll den Vorrang haben? Soll der Staat über die Wirtschaft herrschen oder soll umgekehrt d-e Wiit- schaft in der Politik das erste und letzte r* zu sprechen haben?

Die Antwort ist eindeutig: Der Staat muß die unbedingte Souveränität besitzen; denn er muß die Zusammenhänge eines Volkes ergreifen und regeln. Diese Zusammenhänge sind mannigfaltigster Art- Religion, Wissenschaft, Kunst, Erziehung, Wirt­schaft, Geselligkeit, Sport usw. Alle diese mannig­faltigen Lebenserscheinungen heben sich vonein­ander ab und verfolgen ilyc eigenen Bahnen. Aber alle bestehen nur kraft des Staates und dank des Staates, der immer wieder den Ausgleich zwischen ihnen zu schaffen hat und damit die Aufrechterhal­tung und den Schutz des Gemeinwesens, das er umschließt. Die Wirtschaft umfaßt nur eine Seite des Dasein: die materiell-ökonomische. Der Mensch ist aber ein Leib-Geistwesen. Sein Geist ragt in eine andere Welt; damit er sich darin betätigen kann, muß eine Macht ihn schützen, die auch die geistige Seite des Lebens umfaßt. Diese Macht ist der Staat. Keine menschliche Geistesarbeit und kein menschliches Träumen und Dichten, Gestalten und Bilden ist fruchtbar, wenn ihnen nicht die Möglich­keit ihrer Auswirkung gewährleistet wird.

Ja, gerade die Wirtschaft selbst ist am stärksten vom Staate abhängig. Gerade die gegenwärtige Lage beweist doch klar, daß die Wirtschaft von der

Provinzialtagung des philologen- verems für Hess.-Nass. u. Waldeck.

,' Am Sonntag, den 5. Oktober, fand in Kassel die 42. Tagung des hessisch-nassauischen Philologenoereins ! statt. Die letzte Versammlung wurde bekanntlich im Jahre 1921 in Fulda abgehalten. Nach verschiedenen Sondersitzungen, die am Samstag nachmittag abgebalten worden waren, fand am Sonntag um 8 Uhr in der Aula des Wilbelmsgymnasiums die erste geschlossene Sitzung stall, in der Oberschulrat Dr. ©erftenberg einen Bericht über die bisherigen Erfahrungen mit dem ncugeschaffenen Amt des Oberstudienrats gab. In der Nachmittagssitzung wurde besonders die Lage der Studienassessoren behandelt. Eine Besserung der Verhältnisse kann hier erst durch Aufhebung der An­stellungssperre eintreten. Darauf sprach Studien rat Dr

i Heilig über die Denkschrift des Ministers. Er betonte," öa6 die Zustände des deutschen Schulwesens unhaltbar geworden seien, daß aber die Denkschrift sich nicht den Weg zur «chulresorm durch verfrühte Stundentafeln ver-

: bauen wollte. Für die Oberrealschulen und Realgymna- i hen forderte er auf der Unter- und Mittelstufe einen I gleichen inneren Aufbau mit Differenzierung auf der Oberstufe.

An der öffentlichen Sitzung am Nachmittag nahmen als Vertreter des Ministers Oberschulrat Sonntags und als Vertreter des Oberpräsidenten Dberregienmgsrat Dr S o r b e i n teil. Ms Vertreter der Stadt war Stadt-

Es kam der unglückliche Kriegsausgang und die Revolution. Manner aus jenen Schichten wurden an die Führung des Staates gestellt, die früher im Staat den Helfer in aller Not sahen oder geglaubt hatten, wer die Hand an der Staatsmaschine habe, °"ne °Hes' m5 er wolle. Sie sollten jetzt bitter enttäuscht werden. Denn ein Ausblutungsprozeß sondergleichen nahm mit Versailles seinen Anfang entzog der Wirtschaft alle Kräfte und Säfte und erschütterte damit auch die Lebensbedingungen des Sw^es. Jetzt wurde offenbar, daß der Staat erst ernsthafte und erfolgreiche Politik machen kann, wenn die Wirtschaft blüht. Und diese Wirtschaft wurde blutleerer und ärmer von Tag zu Tag. Der Staat suchte Abhilfe; während das Blut aus dem von der Wunde von Versailles so gefährlich getrof- fenen Wirtschaftskörper sickerte, versuchte er eine Safteerneuerung; er griff zum falschen Mittel. Die ohnehin nicht mehr ausreichende Blutmenge wurde stark verwässert durch Schaffung von künstlichem Geld m immer neuer Form und in immer größe­rem Umfangs Das erschütterte die realen Grund- agen alles Wirtschaftens und brachte eine rapide Verarmung. Denn die Eeldmacherei, die der Staat betrieb, spulte jedem eine verwässerte Kaufkraft zu, die oft m der nächsten Stunde schon ganz aufgelöst

Erden Millionen auch seelisch aus dem Gleichgewicht geworfen. Die Stimmung:Der Staat ist am Ende, darum rette sich, wer kann" griff um sich und beherrschte die weite Masse. In' dieser Stimmung stieg der Kurs der rücksichtslosen Gewalt aller, welche die Geldmacherei des Staates schon langst begriffen hatten als eine gewaltige ökonomische Revolution und nun in die Fluten des Papiergeldstromes ihre Angeln und Netze warfen um vom Grunde die feste ökonomische Substanz heraufzuholen. Sie brachten reiche Beute heim; je hoher die Flut stieg, desto größer wurde ihr Er- folg Je mehr der Staat in Auflösung geriet, desto starker wurde ihre Macht. Denn mit allen Mitteln verstanden sie es, alle noch vorhandene ökonomlsche Substanz in ihren Händen zu konzentrieren und eine neue Machtsülle aufzubauen.

Da brachte die Renten mark dem bereits sterbenden Staate eine wunderbare Heilung. Aber als er, gesund geworden, die Apgen aufschlua, sah er rmgs um sich neueStaaten" stehen, nämlich die zahlreichen privatrechtlichen und privatwirtschaft- ichen Organisationen, die eine ungeheure Macht- julle in ihren Händen konzentriert hatten, die sie dem Staate abgenommen. Aber mehr noch: das Tmporsteigen dieser Organisationen brachte ge­radezu eine Umwälzung des gewohnten Staars- vegriff; der einheitliche rechtsetzende und rechtver­wirklichende Staat, der mit Zwang gebietet, die Wirtschaft trägt und stützt, für den sozialen Aus­gleich und inneren Frieden tätig ist, wird im Mark seiner Kraft geschwächt durch die wirtschaftlichen Republiken und Herzogtümer und durch die Haus­macht dieser Verbände. Und rkun beginnt ein Streit. Die während der Krankheit des Staates groß gewordenen Wirtschaftsmächte und -verbände haben natürlich keine Lust, ihre Hegemonie ohne weiteres an den wieder erstarkenden Staat abzu- treten, der bereits im Sterben lag Und sie stehen

Staat und Wirtschaft.

Von Dr. Johannes Dierkek.

In den tausend Beziehungen, die in einem Lotte einhergehen, bedarf es eines Organs, das über allen Beziehungen steht und sie regelt. Es muß sie schützen, fördern und pflegen, soweit sie gemeinschaftsbildend sind; dort, wo Interessen ge­geneinander stehen, hat es einen billigen Ausgleich zu schaffen, und da, wo Macht wider Recht kämpft und es zu überbieten sucht, liegt es ihm ob, unter allen Umständen und mit allen Mitteln dem Recht zum Siege zu verhelfen. Dieses Organ ist der Staat.

Dieser Staat hat vor dem Kriege am weitesten vielleicht in Deutschland seine Pflicht erkannt und sich um den Ausgleich nach sozialer Gerechtigkeit be­müht. Er hat die Wirtschaft gefördert durch ein wohldurchdachtes System von Maßnahmen, in der richtigen Erkenntnis, daß das Gedeihen des Staa­ts unlösbar am Gedeihen der Wirtschaft hängt. Er hat im Kriege das äußerste aufgeboten zu sei­ner Verteidigung. Dabei mußte er, abgeschnitten vom Weltverkehr und dem Strom seiner wirtschaft­lichen Energiequellen, dafür sorgen, daß in seinem Innern die vorhandenen Gütermengen ausreich­ten und gerecht verteilt wurden. Damit wurde er in Aufgaben gerissen, die er früher nie gekannt. Ern Staatssozialismus sondergleichen stieg über Nacht herauf. Natürlich weckte das Widerstände allenthalben. Denn hier mußte er in wohlerwor­bene Rechte eingreifen, dort stärkste Jnteressen- anschauungen kalt und grausam zerschlagen. Hier ging ein Mann in den Stall des Bauern, schaute sich um nach der Zahl seiner Schweine und prüfte das Gewicht ihrer Bäuche und entschied dann über die Häupter des Viehes; und der Bauer hatte dem Spruch wohl oder übel zu folgen; denn jener Mann war ja der Staat; dort war derselbe Staat in Ge­stalt feiner Polizisten auf dem Markte dabei, jedem zuzumessen, was er erhalten durfte an Kartoffeln und Steckrüben und anderen eßbaren Dingen, j Aber diese Staatseingriffe gingen auf die Dauer wider das Gefühl. Was Wunder auch! Sie fchä- I oigten ja unendlich viele aufs empfindlichste oder ! hinderten wieder unzählige daran, hinreichend Ma- genpflege vorzunehmen. Dazu kam, daß der Staat dieser Praxis gegenüber, die ihn überall und nir- gends fein hieß, nicht genügend vorbereitet war, schwerfällig arbeitete, meistens ungenügende Sach- kennlnis in wirtschaftlichen Dingen hatte, sodaß I Mißerfolge ohne Zahl sein Ansehen stark in Miß- treoit zogen. So standen ihm bald die einen ent- I wuscht gegenüber und die anderen freuten fick ob seiner Fehlgriffe.

chen hatte sich der Steuerfiskus bei feiner Such« nach neuen dankenswerten und ergiebigen Steuerobjetten' besonders aufs Korn genommen und deren Besitzer mit! erklecklichen Steuerlasten belegt. Dagegen hatte man aber' Sturm bei allen Instanzen geläutet. Und mit Erfolg! Denn nach einer jetzt gefällten Entscheidung des Reichs­finanzhofes sind Häuschen von geringem Flächenraume,, die einem Familienaufenthalt auf dem Lande dienen und no-idürftig eingerichtet sind, nicht als Wohnungen anzusehen, die zur Begründung eines Wohnsitzes ge-. eignet waren. Solche Gemeinden sind nicht als Sitz­gemeinden anzusehen.

Internationale Kochkirnsfaussiellung. Wie auf der Hauptversammlung des Internationalen Verbandes der' Köche, die augenblicklich hier tagt, mitgeteilt wurde, findet voraussichtlich im nächsten Jahre in der Festhalle zu Frankfurt eine internationale Kochkunstausstellung statt.'

fchulrat R ö s e erschienen. Herr Oberstudienrat Dr. R i ch- t e-r-Frankfurt a. M. sprach daraus überb i e E r- Ziehung der Jugend zur deutschen Frei­heit". Er führte aus, daß es notwendig fei, die Ge­danken der Freiheit in der Jugend zu pflegen. Diese bedarf der Erziehung zur rechten Vaterlandsliebe, die nicht in Selbstberauschung an nationalen Ideen besteht, sondern in dem opferreichen Willen, dem SBaterlanbe zu bienen. Die jetzige Zeit ist keine Zett zum Festefeiern, daher muß bie Jugend zum Verzicht auf Ver­gnügungen aller Art angeleitet werden.

Hierauf sprach der erste Vorsitzende des Preuß. Philo- logenbunbes, Oberstudiendirektor Dr. Bole-Berlin über bas B i l b u n g s p r o b l e m der Gegenwart. Er wies in feinem Vortrage nach, wie stark die Idee des Bildungs- Zieles von der geistigen und wirtschaftlichen Gesamtstrukttir der betreffenden Zeit abhängig sei. Die Gegenwart sei im Gegensatz zum 19. Jahrhundert wieder bemüht, vom Wiffen zur Bildung emporzusteigen. Die eigene Erar­beitung eines in sich geschlossenen Bildungsgutes vermag durchaus die Gesamtheit der Seelenkräfte zur geschlossenen Persönlichkeit zu entwickeln.

Der Verlauf der Tagung bewies, daß die höhere Lehrerschaft sich ihrer Pflicht, an dem Wiederaufbau Deutschlands auf ihrem Felde mitzuarbeiten, bewußt sst, daß sie aber auch nach den stürmischen Zeiten eine Pause der Ruhe ersehnt, m der sich die deutsche Schule innerer Vertiefung widmen kann.

Hofgeismar. Nachdem hier schon am Sonntag, 28. September, eine eindrucksvolle kirchliche Feier des Jubiläums der F äl l u n g der Donareiche bei Geis­mar durch den hl. Bonifatius gehalten worden war, fand am letzten Sonntag (5. Oft.) im größten Saale der Stabt eine würdige weltliche Feier statt unter Teilnahme aller Stände und Konfessionen. Durch einen wirkungs­voll Dorgetragenen Prolog und durch passende Musikstücke der hiesigen Militärkapelle wurde sie eingeleitet. Die Festrede hielt Herr Reichsarchivrat Dr. Sch äf er aus Potsdam. Er würdigte die umfassende Wirksamkeit des hl. Bonifatius in Deutschland im allgemeinen und die überragende Bedeutung der Donareichenfällung im b«. sonderen. Hofgeismar hat eine besondere Pflicht, dieser heroischen Tat dankbar zu gedenken. Ringt sich doch heute bei den Gelehrten immer mehr wieder die schon nn Mit­telalter herrschende Ueberzeugung durch, daß Hofgeismar der Ort ist, an dem die berühmte, durch Bonifatius ge» föUte Donareiche stand, deren Holz zur Errichtung einer Peterskirche benutzt wurde. Hof-Geismar ist von den < nusipracye. juch einer melett Orten gleichen Namens der einzige, der eine alte I die Tagung geschloffen.

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