Einzelbild herunterladen
 

fir. 239

Sonntag- 12. Oktober 1924

Beamtenfragen.

Kronprinz Rupprecht und Ludendorff

Vor einigen Tagen ging eine Meldung des IMiesbacher Anzeigers" durch die Presse, nach der I General Ludendorff gegen den früheren Kronprin- I zen Rupprecht ein Ehrverfahren angestrengt habe. I Auch derVölk. Kurier" befaßte sich in einem Ar- I titel mit dieser Angelegenheit, die ihren Ausgangs- I punkt in der bekannten Aeußerung Ludendorffs I hatte, daß Kahr durch Kardinal Faulhaber und den

Kronprinzen Rupprecht am 8. Nov. zum Wort- I bruch verleidet morden fei. DerVölk. Kurier" er- I klärte u. a., da eine sachliche Richtigstellung der

Veröffentlichung desMiesbacher Anzeigers" nicht I erfolgt fei, müsse angenommen werden, daß diese I Pressekampagne den Kreisen um Kronprinz Rupp- I recht entspreche.

| Der Kabinettschef des früheren Kronprinzen Rupprecht, Graf Soden, ersucht das Süddeutsche

I Korrespondenzbüro um die Verbreitung nachstehen­der Erklärung: Es ist selbstverständlich, daß Kron-

I Prinz Rupprecht ebenso wie seine Dienststellen I sämtlichen in dieser Sache erfolgten Veröffentlichun­gen in der Presse, insbesondere auch dem Artikel in Nr. 232 desMiesbacher Anzeigers" vollständig fernsteht. Weil dies als Selbstverst.ndlichkeit er­achtet wurde, sahen die bezeichneten Dienststellen bisher davon ab, eine Erklärung zu veröffentlichen, umsomehr, als auch Ludendorff es noch am 4. Oft ablehnte, zu der Sensationsmeldung desMies­bacher Anzeigers" Stellung zu nehmen. Nachdem

| diese selbstverständliche Zurückhaltung vomVölki­schen Kurier" dahin mißdeutet worden ist, daß die eingetretene Pressekampagne den Kreisen um Kron­prinz Rupprecht entspreche, stelle ich ausdrücklich fest, daß die Veröffentlichung imMiesbacher An­zeiger" ohne Vorwissen und gegen die Intentionen des Kronprinzen und seiner Dienststellen erfolgte. Diese Behauptung desVölkischen Kuriers" muß daher als Unterstellung aufs schärfste zu­rück gewiesen werden. Entsprechend der bis­herigen Zurückhaltung in dieser Angelegenheit muß ich es mir auch heute versagen, zu dem Inhalt der Veröffentlichungen desVölk. Kuriers" Stellung zu nehmen und den mannigfachen Unrichtigkeiten und tendenziösen Färbungen dieses Artikels durch eine zusammenhängende und authentische Sachdar stellung entgegenzutreten, da es bisher nicht üblich gewesen ist, in ein s ch w e b e n d e s Verfahren" wie es nach demVölkischen Kurier" im Gange ;ft bürd' artentlkh» 45'äri<>r.> Vv- -.-xwiay

Der Übschlich der Anleihe.

Einzelheiten über die 800-Mill.Mark-Anleihe.

Aus London wird gemeldet: i

Die Abmachungen zwischen Deutschland und allen beteiligten Banken hinsichtlich der Anleihe für Deutschland sind unterzeichnet worden.

wtb London, 11. Okibr. (Tel.) Die deutsche Anleihe, die gemäß dem Dawesgutachken einen Er­lös von 800 Millionen Mark erbringen soll, ist gestern zum Abschluß gekommen.

Sie zerfällt inzweihauptgruppen: einen amerikanischen und einen europäischen Anteil. Der amerikanische Anteil beläuft sich auf 110 Millionen Dollars, der europäische auf 26 bis 35 Millionen Pfund Sterling. Der amerikanische Anteil wurde vom Bankhaus Morgan über­nommen, den Hauptteil des europäischen Anteils übernimmt die Bankvon England. An dem europäischen Anteil sind außerdem Frankreich, Belgien, Italien, die Schweiz, Holland, Schweden und Deutschland beteiligt. Die Emission erfolgt i n allen Ländern zum Kurse von 92 Proz. und wird bereits nächste Woche begonnen. Der Zinsfuß beträgt 7 Proz. Die für den Zinsendienst erforderlichen Beträge gehen allen Repara­tionszahlungen voraus.

= Dar Ergebnis bes Abbaues. Vom 1. April bis Sum 30 Juni sind nach einer Uebersicht des Reichs- stnanzministeriums bei den Reichsbebörden einschließlich der Betriebsverwaltungen der Rcichkpost, der Reichsbahn und der Reichsdruckerei 5654 planmäßige, 1110 außerplanmäßige Beamte und 14 Beamte im Vorberertun.isdienst entlassen und 261 planmäßige- 101 außerplanmäßige Beamte und 10 Beamte im Vor­bereitungsdienst neu eingestellt worden. Von den im Reichsdicnst befindlichen Angestellten sind in dem. selben Zeitraum 2615 entlassen, 6l0 neu eingestellt worden. An Verwaltungs- und Betriebsarbestern sind in demselben Zeitraum 3141 entlassen und 719 n.u

verantwortlich iür die Schrittleitun«: Dr. JobanneS Kramer. Anreisen: I. B arreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. #

Monatlicher BenissvreiS: 1.50 Mk.

eines Kabinetts zu geben und ihm dabei anheim zu stellen, auch mit Ver­tretern der Rechtsparteien in Verbin­dung zu treten. Diese Lösungsmöglichkeit würde ebenfalls in der Richtung der Schaffung eines Ka­binetts der Persönlichkeiten laufen.

Die neue hetze gegen Wirth.

In derDeutschen Tageszeitung" vom Donners­tag vormittag war folgendes zu lesen:

Seit Herr Joseph Wirth von der Mathematik über die Politik, wenn auch nicht in die böhmischen, so doch in die russischen Wälder geriet, befindet er sich dauernd aus dem Holzwege. Wenn er in der Zeit, da er sich noch für einen Politiker ausgab, sich auch schon immer am liebsten auf dem Holzwege herumtrieb, so darf man das nachträglich entschuldigen; es schlummerte in ihm eben immer schon der Holzhändler, ja, er war im Grunde genommen eigentlich nie was anderes; mancher kommt"' zu feinem eigentlichen, ihm sozusagen angeborenen Be­rus erst spät und auf Umwegen. Jetzt ist er nur noch Holzhändler, steht vor russischen Bäumen den deutschen Wald längst nicht mehr, und da seine über alles gelieb­ten Bäume bekanntlich nicht in den Himmel wachsen, will er auch nichts mehr vom Himmel wissen; er folgt dem unheiligen Sowjetstern, statt dem heiligen Stern von Nazareth. Er istMarxist" und behauptet, das seien alle Zentrumsleute! Es ift deshalb allerhöchste Zeit, daß ein Gremium prominenter Katholiken ihn endlich darüber aufklärt, daß er einer Namensverwechs­lung zum Opfer gefallen ist. Karl Marx, der geistige Mittäter der Sozialdemokratie, starb schon 1883 zu Lon­don, während unser Holzhändler auf feinen Holzwegen zu glauben scheint, er lebe noch, sei Zentrumsführer und deutscher Reichskanzler."

Dazu bemerkt dieGermania":

Es ist gar nicht mehr möglich, auf alle die Der- I unglnnpfungen und Gemeinheiten hinzuweisen, mit I denen in der Rechtspresse in den letzten Wochen Reichs- I kanzler a. D. Dr. Wirth verfolgt wird. Man will sich I anscheinend dafür rächen, daß man jetzt anerkennen I muß, daß der von Dr. Wirth vor drei Jahren I eingeschlagene politische Kurs der einzig richüge gewesen I ist. Dieses persönliche Ueberzeugungsopfer muß eben I bezahlt werden und man tut es anscheinend am besten j durch Offenbarungen einer ganz niedrigen Ge- I f i n n u n g."

Wir unsererseits haben folgendes noch zu sagen: I

Genau dieselbe Tonart, wie sie hier gegen I Wirth angeschlagen wird, und die systematisch in I den letzten Wochen in einer gewissen Presse ge- I braucht wird, hat man auch g e g e n E r z b e r g e r I angewandt, bis er durch feige Mordbuben aus dem I

Die Umgestaltung des Steuerwesens.

In den maßgebenden Stellen der Reichsregie­rung ist man gegenwärtig mit den Vorarbeiten für eine vollständige systematische und orga­nische Umgestaltung unseres ganzen Steuersystems beschäftigt.

Die Stabilität der Währung macht es notwen­dig, daß verschiedene Mittel, die im Zeichen wech­selnder Wertbemessung des Geldes nützlich und notwendig waren, nunmehr in Wegfall kommen und das nicht nur die Erhebung, sondern auch die Veranlagungsmethoden der Steuern nach anderen Gesichtspunkten gestaltet werden. Auf diese Weise werden wir zu einem völlig neuen Auf­bau unseres gesamten Steuerwesens, vor allen Dingen zu einer Vereinfachung in Erhebung und Veranlagung kommen müssen. Damit in Ver­bindung steht die dringend notwendige Neugestal­tung zwischen dem Steuerpflichtigen u. den Finanz­ämtern. Bei den heutigen Verhältnissen ist für je­den Steuerpflichtigen die Uebersicht über feine Ver­bindlichkeiten kaum mehr möglich. Auch hier wer­den weitgreifende Umänderungen .vorgenommen werden müssen.

Die Schuhzollvorlage.

Der demokratische Zeitungsdienst will wiffen, daß die Zurückziehung der Schutzzoll­vorlage erwogen werde, da sich ifffolge des schlechten Ernteausfalls die Verhältnisse verschoben hätten.

Nach dem Hin und Her in der Beratung über die Umbildung des Kabinetts sind jetzt die Verhand­lungen auf Dienstag nächster Woche vertagt wor­den. Am Freitag abend stand man glücklich wie­der da, wo man am 29. August begonnen hatte. Klar geworden ist nur, daß der Gedanke der großen Volksgemeinschaft von der Sozialdemokratie bis zu den Deutschnationalen gescheitert ist. Den Versuch zur Bildung einer Volksgemeinschaft hat Reichskanzler Marx nicht nur auf Grund eines ausdrücklichen Beschlusses des Parteivorstandes unternommen, sondern auch in der richtigen Erkenntnis, daß eine ausgleichende Zusammenfassung aller arbeitswilligen und oer­antwortungsfähigen politischen Gruppen für die nächsten Aufgaben der deutschen Polittk segens­reich gewesen wäre. So muß man das Scheitern ! dieses Gedankens an politischen Hindernissen um so mehr bedauern, als anstelle der gescheiterten Pläne keineneuenzu Gebote stehen, die restlos zu beliebigen vermöchten. Der deutsche Parla­mentarismus verzetrelt sich in parteipolitischer Tak­tik und die Lektüre der höchstbewußt formulierten Parteierklärungen sttcht traurig ab von der viel geringeren Bewußtheit, mit der die wirklich dringenden Fragen in der Taktik ver- s ch winden. Es ist schade um ule besten Ent­würfe, wenn sie jo zerstäub! und unfruchtbar werden.

lieber ben Sinn des Ringens schreibt uns em Parlamentarier:

Nichl an die äußere HMe und die äußeren Er­scheinungen der gegenwärtigen Vorgänge im Parlament darf man sich halten, wenn man ben Stnn des Ringens erkennen will. Man muß füh­len, daß hier gestritten wird über die Vertei­lung der Reparationslasten. Und das ist ja auch der Untergrund für die sozialen Strö­mungen und Bewegungen, die alle nunmehr in Sem Wirken und Schaffen der Parteien im Reichs­tag münden.

In der Tat ist das Problem der Verteilung der Lasten, wie sie sich aus dem Londoner Abkommen ergeben, ein Problem von allergrößter innerpoliti- jcher Tragweite. Hier entrollen sich Streitpunkte, die schon zu normalen Zeiten unser gesamtes öffent­liches Leben in Atem gehalten hätten. Die Sorge, daß gerade die Schwere der Reparationsverpflich­tungen einem gewissen Unternehmertum Deran- lassung geben könnte, auch die Lasten insofern auf die Arbeiterschaft abzuwälzen, als diese Beeinträch­tigungen ihres Einkommens wie überhaupt ihres ganzen Existenzverhältnisses ausgesetzt würde, ist ziemlich stark vertreten, und diese Befürchtungen geben ja auch ben Untergrunb ab für bie rabitale Agitation. Das sozial eingestellte Unternehmertum weiß allerdings ganz genau, baß bie beste Bundes- genossenschaft in bem Ringen um Deutschlands Äffeberaufstieg unb bamit um bie Sicherung auch der eigenen Existenz aller Volksgenossen eine Ar­beiterschaft bildet, die von dem Willen beseelt ist, mit bei der Erringung der Freiheit des Landes und Volkes zu schaffen.

In der Tat muß man daher wünschen, baß das große Problem der Lastenverteilung, bas gegenwärtig auch ben beteiligten Reichsstellen zur Vorbereitung unterliegt, in wirklich einträchtigem, verständnisvollem unb opferfreudigem Zusammen­wirken zwischen Arbeitern und Unternehmern zu lösen versucht wird, bemi nur auf solcher Basis kann der soziale Frieden gedeihen.

Aus bem Reichstag teilt man uns mit:

Die gegenwärtigen Vorkommnisse im Reichstag sind nicht zuletzt, wie wir wieberholt an biefer I Stelle hervorgehoben haben, dadurch bebingt, daß immer noch allzu starke parteipolitische Bindungen bestehen, die eine Bewegungs- und Handlungsfreiheit für den leitenden Staatsmann, der ja auch die Verantwortung für bie Politik hat, ausfchließt. Bei dieser Sachlage ist in parlamen­tarischen Kreisen nunmehr, nachdem sowohl Volks­gemeinschaft wie Rechtsblock als politische Möglich­keiten ausschalten, der Gedanke aufgetaucht, dem Reichskanzler freie Hand für die Bildung

Hinterhalt ermordet wurde. Die intellektuellen Urheber dieses Mordes sitzen heute noch genau an derselben Stelle wie damals, und sie spritzen ihren Schmutz und ihr Gift auch heute noch genau fo gegen diejenigen Männer, die ihnen unbequem sind, wie damals. Die obigen Ausführungen sind ein Dokument für die geradezu ordinäre Gesin­nung, die in gewissen deutschnationalen Blättern auch heute noch obwaltet, -und bie nichts anberes verdecken soll als den Zorn darüber, daß der Dün­kel und die Anmaßung einer gewissen Clique sich heute nicht mehr auswirken kann.

Wir sagen aber noch etwas weiteres: Wer Wirth oder wer irgend eine Persönlichkeit des Zen­trums in solch schmutziger Weise angreift, der be- chmutzt auch die Zentrumspartei selb er. Wir verteidigen nur die Ehre der Partei selbst, wenn wir gegen solche Versuche, unsere Führer im Parlament derartig herabzuziehen, mit aller.Ent­schiedenheit Verwahrung einlegen. Ehe nicht auch von offizieller deutschnationaler Seite, bie sich ja gern bamit ausreben möchte, baß sie auf diese Zei­tungen keinen Einfluß hat, unb baß biefe Blätter auch nicht bie Meinung ber Partei selbst ausspre­chen, mit aller Entschiebenheit gegen solche Dinge | eingegriffen wird, unb Garantien dafür gegeben werden, daß endlich einmal ein einigermaßen a n- 'ständiger Ton in die deutschnationale Presse einzieht, ist es ganz ausgeschlossen, daß wir mit Vertretern solcher Richtung zusammenarbeiten.

Auch gegenDr. Marx teeren zurzeit deutsch- nationale Blätter, z. B. dieHamburger Nachrichten" ganze Schmutzkübel aus. Man kann einen Milderungsgrund wohl nur darin sehen, daß die Deutschnationalen selbst fühlen, daß ihre Politik elend Fiasko gemacht hat und daß sie des- i halb von blinder Wut erfüllt sind.

Das Jubiläum des Weltpostvereins.

Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Welt­postvereins fand am 9. Oktober abends im Licht­hof des Postmuseums eine Feier statt, zu der außer dem Reichspräsidenten unb mehreren ! hohen Behörden auch die Witwe des ersten deutschen Generalpostmeifters v. Stephan erschienen war. Reichspostminister Hoefle begrüßte die Ver­sammlung und wies darauf hin, daß an diesem Tage vor 50 Jahren in der schweizerischen Bunbes- hauplstabt Bern bas Werk vollenbet wurde, bas at'c KuiMMotionen in verkehrswirtschaftl.ch;r Hin- s'ch: zu »iner Einheit verschmolzen yat. Die Deut­schen dürften stolz auf dieses Werk sein, sei es dsch einer ber Ihrigen gewesen, ber den Anstoß zu bie[em_internationalen Bunb gegeben hat, Heinr. von^tephan. Zur besonderen Freude gereiche es ihm, inmitten dieser Versammlung Stephans Lebensgefährtin zu fehen. Wenn bie Deutsche Reichspost im Geiste Stephans weiter geleitet werde, bann dürfe man hoffen, sie wieder auf bie stolze Höhe zu bringen, zu ber sie ber erste General- postmeister geführt habe.

Es folgten praktische Vo r f ü h r u n g e n auf bem Gebiete bes Fernsprech- unb bes Funkwesens unb telegraphische Uebertragung von Lichtbildern, eine drahtlose Telephonverbindung mit dem D- £ug Hamburg-Berlin, ein Gespräch mit dem auf See befindlichen DampferSierra Morena", eine wohlgelungene Uebertragung eines Bildes Heinr. oon Stephans unb enblich eine Uebertragung aus I der Staatsoper. I

Pol-Verwaltung will nun durch beträchtlich erhöhte Einfuhrzölle bie Einfuhr möglichst erschweren.

* Starker Andrang zu den Amerika- Dampfern. Um dem steigenden Andrang zur Ueb-rfabrt nach Amerika genügen zu können, muffte allein die Cunai - linie in Hamburg für den Monat September 20 Dampfer in Fahrt stellen. Darunter befand sich auch die neueAmana", bie am L.eptember ih e erste Reise amrat.

verschobene slbfahrt desZeppelin".

vtbF riedrichsha,fen, 11. Oft (Tel.) Die Abfahrt des Z. R. 3 nach Amerika ist vor 8 Uhr Samstag vormittag abgesagt worbe», obwohl alle Vorbereitungen für die Fahrt getroffen waren und die Halle bereits geöffnet war. Der Grund für die Absage liegt darin- daß bie Temperatur derart ge­stiegen war, daß sich die Tragfähigkeit des Luft­schiffes sehr stark vermindert hatte. Vorläufig ist beabsichtigt- Sonntag zu einer wesentlich frühe­ren Stunde abzufahren. Die Entscheidung wird Samstag abend 6 Ahr nach Prüfung der Wetter­lage getroffen werden.

*

Die amerikanische Luftmarine hat einen Verlust erlitten. Aus New Port News (Virginia) wirb ge- melbet, baß bas Militärluftschiff P C 2, bas aus Aberbeen (Marylanb) bort angekommen war, ver­unglückte. Als es sich in einer Höhe von 150 Fuß über dem Langleyfelb befanb, explobierte bie mitgeführte Bombe und brachte bie Gasfül­lung bes Luftschiffs zur Entzündung. Das Luft­schiff stürzte zu Boden; bie Mannschaft, bie keine Zeit mehr fanb, bie Fallschirme zu benutzen, stürzte mit bem Luftschiff ebenfalls zu Boben. Zwei Offi­ziere wurden ernst und drei Unteroffiziere leichter verletzt. Die seidene Hülle des bei New Port News zerstörten Militärlenkluftschiffes war nicht mit Wasserstoff, sondern mit unentzündbarem H e l i u m g a s gefüllt, wodurch eine größere Ka­tastrophe verhindert wurde.

Wieder eine Woche vergeblicher Arbeit

Vertagung der politischen Verhandlungen auf Dienstag. Freie Hand für den Kanzler!

Die Völkerbundsfrage.

Englands Antwort auf das deutsche Memorandum.

Wie W.T.B. erfährt, ist die Antwort der englischen Regierung auf das Memoran­dum der Reichsregierung vom 29. September über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund in Berlin eingegangen. Die Antwort besagt im wesentlichen, daß die englische Regierung keinen Widerspruch gegen einen ständigen Ratssitz für Deutschland erheben werde. Es wird jedoch darauf hingewiesen, daß ein Zulassungsantrag nur dann Aussicht auf Annahme habe, wenn er ohne Bedingungen und Vorbehalte gestellt werde. Deshalb könne die englische Regierung hinsichtlich der übrigen deutscherseits aufgeworfenen Fragen auch keine Zusicherungen geben.

Ausland.

* Ein unwürdiger Prinz. Nach einer Havas-- (nelbung aus Madrid hat der König von Spanien bestimmt, daß dem Prinzen Louis von Orleans« Bourbon der Titel eines Jnfanten von Spanien genommen werde wegen feines Benehmens, bas bem Prinzen nicht weiter gestatte, mit Würbe bie- fen Titel zu führen. Diese Maßregelung ift erfolgt, weil bie französische Regierung genötigt war, ben Prinzen, ber ein unangenehmes Reconire in einem schlecht beleumunbeten Hause in Paris hatte, aus Frankreich auszuweisen. Der Prinz mußte Freitag abenb Frankreich verlassen.

* Richter Lynch. In Chigago wurde ein lunger Neger, der eines Vergehens gegen ein weißes Mädchen beschuldigt war, in den Straßen von einer Gruppe von Männern unb Knaben durch Stöße und Schläge getötet. Der Fall beweist wieder, > selbst in den Großstädten Amerikas die Lynch- Fustiz gegen Neger noch in Hebung ist.

FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadl Fulda.

Deutsches Reich.

* Unter dem Verdacht der Geheimbündelei. Rach einer Meldung desBerl. Lokalanz. aus Magde­burg sind die unter dem Verdacht der Geheim- bündelei verhafteten völkischen Führer wieder auf freien'Fuß gesetzt worden. Bei 40 Mit­gliedern des Vereins für deutsche Kultur, bem bie Verhafteten angehörten, finb Haussuchungen vor­genommen worben, ohne daß Material gefunden worden ist, das ben Verdacht der Geheimbünbelei rechtfertigt.

Die Lage in Serbien.

Die Blätter metben aus Belgrad baß bie Ver- hanblungen wegen der Umbildung des Kabinetts begonnen haben. Zunächst hatte Davidovitsch mit dem Präsidenten der Skuptschina, dem Führer der Radikalen, Jovanovitsch, darauf mit dem aus Agram eingetroffenen Vizepräsidenten der Raditsch- Partei, Dr. Macek, Besprechungen. Die Anwesen­heit bes letzteren in Belgrad wird als eine Unter­stützung der Regierung bei den weiteren Verhand­lungen angesehen. Auch hinsichtlich ber Besetzung des Kriegsministeriums erwartet man eine gün­stige Wendung, da sich mehrere hoheOffiziere bereit erklärt haben, diesen Posten zu übernehmen. Der vom König geäußerte Wunsch nach der Heran­ziehung aller Klassen, die sich zu feiner Politik bekennen, wird in politischen Kreisen dahin ausge- soßt, daß er an eine Konzentration des Kabinetts mit einem Teil der Radikalen denkt.

änseigen-Sretie: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 Goldmarl

auswärts 0.20 Boldmark: Reklame,eile total 0,60. Goldmarl K-|7rttlrrt

auswärts 0.80 Goldmark. .. vl. JUyiy

Bei WIederbolunaen Rabatt- Postscheckkonto Frankfurt a- M- 4051.

* Deutsche Zigarretten finden in Japan immer größeren Zuspruch. Die Einfuhr beträgt monatlich ... vlu.lctll _ , gggen 200000 Kisten: D:e «opanifche Tabak-Mono- ernueiteUt worden.