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Zur Unterhaltung.

Zuldaer Zeitung

lich, daß Blindheit eintrat.

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Fulda.

Friedrichstrasse

ver-

mols etwas getan haben?"

Ursache. Unfälle in industriellen Betrieben bilden die größte Gruppe. Beim Base-Ballspiel verloren 65 Per­sonen, beim Golf-Ball 17 Personen ihr Augenlicht. Leicht­sinn im kindlichen Spiel verletzte 27 Personen durch Schleuderwürfe und 24 Personen durch Pfeilschuß so ernst.

-es Domes. Hinter den beiden übrigen Seiten ver­schwiegene Klostermauern.

Stiller Lichtzauber . . . Wiederum ist alles nicht »-ehr Stoff. Cs gibt keine Steine mehr. Alles ist Gold, fj immerndes, stäubendes, fließendes Gold. Immer tiefer ftchle ich, indem ich kaum atme, dies strahlende, frohe »ich magische Goldlicht, das sich aus allen Dingen haucht; oi-6 Wasser, Glockenton, Bergen, ebenso wie aus der Kuppel des großen wolkenlosen Himmels. Alles ist aus t)un urreinen Gold gemacht, auch die Farben.

Stiller goldner Friede überall. Kein Rot in den K ärtenblumen, nur blaue und weiße Iris und dunkel­grüner Buchs. In der Mitte des Gartens, auffchwin- g.nd, zart eine junge Palme. Unbetont, ohne wichtigen feilen Akzent, eben nur die Mitte andeutend. Sie steigt «icht höher als das Dach der Säulengänge. Die Fläche bes Gartens selbst hebt sich leicht und blühend gegen die erhöhte Mitte; auch hier lebendige Wölbung, nichts Flaches.

Um den singenden Garten schweben die edlen Doppel­paare der kleinen Dachsäulen, jede für sich reich ver­ziert, entweder mit Reliefs, Figuren, Ornamenten oder mit leuchtendem Mosaik. Jede der vier Säulenreihen selbst biegt kaum merklich in der Mitte gegen den Gar­ten, so daß nirgends eine tote Gerade entsteht. Pla­stischer Klang, altes Geheimnis, das auch den Griechen bekannt war. An den Ecken stehen immer vier Doppel- säulen nud gleichen melodisch die Winkel aus. Am Südende ist ein kleiner Säulenraum in den Garten ge­baut; aus feiner Mitte steigt eine edle, palmenartige Säule und spendet klingendes Master. Man hört es überall. Es vermehrt nur die unendliche Stille, macht sie plastisch und musikalisch.

So goß Benignus Oel aus das sturmbewegte Meer, und in Agathsn stieg die Zahl derer, die den alten Rat herbeiwünschten, der in seiner Mehrheit gegen den Kriea gewesen war.

Am folgenden Tage aber fand durch Zufall einer der Knechte auf dem «chreckenstein einen Bolzen, um den ein Stück Pergament geschnürt war, das folgende Inschrift trug: Murrner kann ruhig schlafen, ihm ist ver­ziehen! Harret aus, von Lorch kommt Ersatz!

Der Knecht, des Lesens unkundig, gab den Bolzen an Gräfin Sabina, die gerade vorüberging.

— Die Rückwanderung deutscher Mädchen aus Hal-- land. Bekanntüch war Holland in der so schlimmen In-' flationszeit das Ziel der Sehnsucht für große Scharens deustcher Mädchen. Dieser Auswanderungstrieb war fo, stark, daß im Dezember 1922 nach einem Bericht der Vahnhofsmstfion Emmerich-Elton 2070 deutsche Mädchen nach Holland auswanderten, einen Monat später, also hn' Januar 1923, ca. 3100, im Mai des gleichen Jahres 1168, jedoch wurden in diesem Monat schon 766 deutsch« Frauen, und Mädchen gezählt die um trübe Erfahrungen reicher nach Deutschland zurückkehrten Die Rückwanderung deut- scher Frauen aus Holland nach der Heimat setzte aber ganz besonders stark im Dezember 1923, und Januar d. Is. ein, in denen die Zahl der Heimkehrenden die der Auwandsrnden fast erreichte. Jedoch vom Februar d Is.' ab erhöhte sich die Zahl der aus Holland zurückkehrenden, Frauen ständig und erreichte am 1. April feine Höchstzahl, nämlich rund 500 an einem Tage.

— Ein „Büro für guten Geschmack" ist das Neueste in London. Gebildete Damen haben sich zu einem Komitee zusammengetan, welches den Zweck verfolgt, den Geschmack der Frau hinsichtlich der Mode künstlerstch aus. zubilden. Der Jahresbeitrag beträgt 20 Mark. Das Komitee will zunächst „Beratungs-Stunden" einführen.

— Weibliche Berufe in Amerika. In den Bereinigten Staaten gibt es unter den ca. 7 Millionen erwerbstätigen Frauen: 5 weibliche Lotsen, 78 weibliche Ingenieure, 57 weibliche Architekten, 11 weibliche Brunnenbauer, 8 weib. liche Dachdecker, 185 weibliche Schmiede, 37 weiblich» Schornsteinfeger usw.

— Geschenke an Kinder sind mit Vorsicht auszu­wählen, und es dürfen ihnen keine solchen gemacht wer­den, die den erziehlichen Zwecken zuwiderlaufen. Als ungeeignet sind Peistchen zu Geschenken für Knaben zu bezeichnen. Der Gebrauch derselben erweckt Roheit in ihnen und beim Zuschlägen fühlt das Kind das Ver­langen in sich, dem getroffenen Gegenstände Schmerzen zu bereiten. Dieses Gefühl trägt aber in hohem Maße zur Verrohung bei. Zunächst wird es seine Gelüste nur an toten Gegenständen auslassen, sehr bald aber den Unterschied zwischen tot und lebend erkennen und sich nunmehr mit Vorliebe letzteren, wie z. B. Hunden und Katzen, zuwenden, um sie mit der Peistche zu malträ­tieren, was gleichbedeutend mit Tierquälerei ist. Noch schlimmer wird die Sache, wenn das Kind von den El­tern zum Gebrauch der Peitsche aufgemuntert und ihm für seine Leistungen Anerkennung und Lob gespendet wird. Das ist eine böse Saat, die meistens böse Frücht, trägt.

Niemand ist vor seinem Tode alücklich ru Preisen, bat Solon gesagt. — Wer aber dar echte Homburger Salz nimmt, ist glücklich, denn seine BerdauungS- beschwerden sind beboben. Natürlich mutz er die Originalfirma' .Bad Domburger Sellauellen", G. m- b. D., beachten.

Der katholische Mensch sieht den Sinn des Lebens nicht im Leibe, sondern in der Seele, nicht im Kör­perlichen, sondern im Geistigen. Wohl ist ihm der Leib das edelste und vollkommenste Erdenwefen, das ihm zur Hütung und Beroollkommnung übergeben wurde, und dessen Bcrnachlässigung er als eine Mißachtung des Schöpfers ansehen müßte. Aber der Mensch ist ihm mehr als sein Leib. Der Leib ist ihm der Träger der Seele, der Künder des Geiste-- das Außen, das Innen. Er ist ihm nicht Selbstzweck ' dem der Seele wegen da. Ihr gebührt der Primat .id die Führung. Dabei weiß er, daß, seitdem die Sünde in die Welt gekommen, es nicht leicht ist, den Einklang zwischen Leib und Seele zu bewahren, und daß ein Gutteil des Lebenssinnes darin liegt, im ringenden Kampfe die Führerschaft der Seele zu erhalten. Nicht in Unterdrückung des Leibes, wohl aber in dessen Unterordnung und Bändi­gung. Denn nur bei der Führerschaft der Seele und Gefolgschaft des Leibes ist der Mensch wahrer Mensch. Dies steht dem katholischen Mensch so zuvörderst, daß er eher einen Verlust am Leiblichen, als einen Schaden an der Seele ertragen dürfte. „Besser ist es, mit einem Auge oder mit einem Fuß ins ewige Leben einzu­gehen . . ." Und: „Was nützt es dem Menschen, wenn es die ganze Welt gewinnt, aber Schaden an seiner Seele leidet." Hier liegt Grenze und Sorge für die Leibespflege nach katholischer Auffassung. Hier letzten Endes auch der Grund für die eigene Pflege der Leibesübungen in den katholischen Jugendvereinen. Nicht Absperrung gegen Andersdenkende an sich, auch nicht Gegnerschaft zu Verbänden für Leibesübungen an sich, sondern die Ermöglichung des in der katholischen Grundauffassung liegenden Bildungszieles. Daß in die­sem der körperlichen Erziehung durchaus ein wirklicher Wert zuerkannt wird, und daß darum die Pflege der Leibesübungen zunächst aus positiven Gründen in die Jugendvereine übernommen wurde, ist in dem Gesagten schon dargelegt.

Unsere Juaendvereine könnten ibre Aufgabe nicht als erfüllt ansehen, wenn ihnen die Leibespflege fehlte; denn gerade für denjenigen, der den Primat der Seele so stark betont, ist wegen der organischen Vermählung von Leib und Seele bum Menschen, eine vernunftgemäße Leibespflege eine besondere Forderung. Gerade er füllt die Abpängigkeit des Geisteslebens vom Körperlichen und er weiß, welche Kräfte zur Festigung und zur Schwächung des Geistes von der Stärkung und Min- derung, von der Erschlaffung und Uederrcizung des Körperlichen ausgehen. Als Führer der Jugend weiß er, wie wertvoll, wenn nicht notwendig, in den Jahren ceistiger, körperlicher und sittlicher Entwicklung, bei stärkster Einwirkung des Leiblichen auf das Seelische, gerade planmäßige, von einem pechigen Ziele getragene Leibesübungen sind, die den Körper stark, den Geist frisch und den Willen fest machen. Denn der letzte Sinn der Leibespflege rst die Seelenpflege.

Und wenn auch wir die Leibesübungen unfern Ju- gendvereinen naturgemäß zunächst eingliedern, um durch sie der Jugend körperliche Lebenskraft und Lebensfrische zu vermitteln, so doch unbedingt eingeordnet in das Gesamtziel der katholischen Jugendvereine und darum untergeordnet unter die Seelenpflege. So ist auch der Verband für Leibesübungen in katholischen Vereinen, die „Deutsche Jugendkraft", organisatorisch eingegliedert in diese Vereine. Deren Ziel und ist letzt, hin auch sein Ziel und in deren Auftrag übernimmt er die Leibespflege. Er bescheidet sich mit dieser Teilauf- gäbe, weiß aber, daß sie sich als Glied einfügt in die große und heilige Gesamtaufgabe, welche Christentum und Kirche am Menschen zu erfüllen haben, den Geist Herr über den Leib und die Seele Führerin sein zu lassen.

Sie wagen sich nicht mehr in die Hoheitsgebiete fremder Staaten, wo das kleinste Krcuzerchen oder Torpedoboot, ja selbst die handfeste Mannschaft eines Passagierdampfers ihrem Unwesen ein rasches Ende bereiten würde. Sie beschränken sich auf den Bosporus und das Goldene Horn, jenen mitten durch Konstantinopel ziehenden schmalen Meeresarm. der ©tambul von Galata und Pera trennt und über den zwei Brücken dem Verkehr vor- Mitteln.

Hier treten sie auf, mitten im Herzen der Großstadt und verspotten mit ihren Verbrechen die Langsamkeit des Staatsarmes, der sie nie erreicht, obwohl man die Leute kennt. So ein kleiner Ferienaufenthalt von einem Dutzend Londoner Polizisten hier und in Konstantinopel wäre dieses schandbaren Zustandes los und ledig!

Da fährt am Bosporus ein rot angestrichenes Segel- boot, so groß wie ein Regattaboot, aber plump gebaut und vielleicht Jahrhunderte alt, rasch, mit Motor ver­sehen an uns vorüber. Zwei Leute sind sichtbar. Schmutzig und verwahrlost Boot und Menschen. Also kein wesent­licher Unterschied zu allem anderen.

„Das ist ein Takka" sag! uns ein Kenner und zwinkert mit den Augen.

„Ein Takka"? fragen wir.

Und wir erfahren, daß diese Leute allerlei Sch'epp. dienst« und kleinere Transport« besorgen, daß aber einige unter ihnen diesen redlichen Erwerb dadurch vermehren, daß sie gelegentlich, das heißt, wenn ihnen Beute in die Hände läuft, als Seeräuber auftreten.

Vor einiger Zeit erfuhren etliche von ihnen, daß in einem Vorort eine gut möblier!« Villa am Ufer schlecht oder gar nicht bewacht sei. Das lockte zu heldischer Tat.

Die Takka fährt in der Nacht an das Ufer. Ein paar Banditen steigen aus, erstürmen die Villa, nehmen was ihnen wert erscheint mit, kommen noch einmal, holen d«n Rest, verstauen alles schön und sorgfältig in das Boot unb sausen ab . . . so rasch'der alte wacklige und stets mit der Explosion drohende Motor es erlaubt.

Die ganz« türkische Kriegsflotte liegt in der Gegend und weiß nicht, wozu sie auf der Welt ist.

Fast jede Woche hört man von ihren Taten.

Ihre Berühmtheit und Frechheit trägt ihnen eine Art von Sympathie ein. Man fragt sich vergeblich, wozu die zahlreichen Polizeiboots da sind. Aber man fragt in der Türkei ohnehin viel vergeblich.

Im allgemeinen ist die Polizei Konstanttnopels nicht ungeschickt. Sie erreicht zwar nicht die Leistungen ihrer Kollegen in den großen Weltstädten, sie erreicht auch keineswegs die Sicherheit der Stadt bei Nacht oder der Stadtumgebung überhaupt, aber das mag an der Fülle bes Gesindels liegen, das Konstantinopel bevölkert und an der grenzenlosen Verrohung des Volkes durch den Krieg, der ja für die Türkei fast acht Jahre währte.

Den Seeräubern gegenüber scheint aber die Polizei gänzlich machtlos zu sein. Da gibt es Beute unb Erfolg! Unb, um nach dem Bisherigen zu urteilen, scheint der Beruf nur für die Opfer, aber keineswegs für die Aus­übenden gefährlich zu sein, was von Dielen als ein sehr gewichtiger Vorteil angesehen werden wird.

Das einzig Gefährliche ist der eigene Motor. Aber da kann man ja vielleicht einen neuen mitbringen.

stanünovel. — lleberfalle am hellichken Tag. - Die Machtlosigkeit der Polizei.

Konstantinopel, Oktober 1924

Sie machen nicht mehr, wie in den Novellen Cal- dcrons, das ganze Mitlelmser unsicher, diese türkffchen Seeräuber von heute. Wie alles Türkische haben auch sie im Laufe der Jahrhunderte das Formal verloren"

hier mit, ein Zufall, der alte Wundn aufriß unb sie voo I neuem bluten ließ.

Und bi« Johannisnacht kam, jene Nacht, in der sie I einst ihr schönstes Glück und ihre tiefste Qual erlebte.

Langsam sank die bläuliche Dämmerung des Spät-' I juniabends auf den Burghof hinab.

I Der gelbrötliche Schein am Horizont ging in Violett I über, die Sonne war untsrzegangen, um schon nach kur-' I Zer Weile wieder im Osten emporzusteigen, ohne daß es I eigentlich Nacht geworden wäre.

Es war die Zeit der weißen Nächte, die so schwül unt> I erinnerungsschwer die Herzen unruhig und sehnsuchtsvoll I schlagen lassen. Und wie ihr, so ging es auch Anne Tu» I sänne, deren Gedanken bei dem Fremdling weilten, der I ihr den Ring gefdjenft.

Wo war er? Dachte er in dieser Nacht, wo alles, was liebt, einander Grüße sendet, ihrer? Deckte ihn viel- leicht schon der Rasen/ nachdem ihn im Kampfe Feindes-' hcmd erschlug?

Oder kreisten seine Gedanken um das Haupt der Geliebten, wie die Schwalben, die den Wachtturm um» I spielten?

hatte ihr die Mutter so sehr gefehlt wie heute, und ft« schlich, einer Eingebung folgend, zur Muhme hin­über.

Sabina saß regungslos im Stuhl und blickte in den dämmernden Abend. Sie hatte die Fenster geöffnet und ber Fliederduft mischte sich mit dem Jasmin, der ii> dichten Hecken^ am Wallgraben stand.

ßeife versuchte sich in der Ferne eine Nachtigall.

Im weißen Gewände, über das ein Tuch geworfen war, trat Anne Susanne ein.

Sie wußte nicht, ob sie ungelegen kam, aber sie mußte ein Herz haben, das ihr nahe war, weil sie sich fg einsam und niedergeschlagen sühlie.

Der Vater ging draußen die Posten ab und sie glaubte nicht, daß er für sie Zeit haben würde.

Sabina zog einen Schemel herbei, so daß die Nichte zu ihren Fußen sitzen konnte.

Eortsetzung folgt.t

ver Sinn -er Leiberpflege.

Von Prälat Karl Mosterts, Generalpräses.

Unsere Stellung zur Leibespflege kann nur verstehen, wer bte katholische Auffassung von der Kultur begreift unö bte§ nur, wer weiß, was zentrales Denken' Handeln und Leben heißt. Denn das ist der Katholizis. mus, kulturell verstanden: Die Einstellung des ganzen Lebens auf bas Lebensziel, die Durchdringung aller Lebensgebiete mit dem Lebenssinn, die Eingliederung aller Lebensbetatigungen >md Lebenskräfte in die ge­samte Lebensaufgabe, die Hinaushebung des natürlichen Lebens in das übernatürliche Leben, des Menschen­tums in das Christentum. Nicht, wie manche meinen, Zerschlagung des Menschlichen und Natürlichen, sondern feine Verklärung, seine Gestaltung nach der Ur- . ee, welche der Schöpfer selbst von ihm hat und welche m ihrem innersten Wesen liegt. Im katholischen Men- schen- unb Kulturbegriff liegt somit ein Zweifaches. Erst- uch die Besahung alles Menschlichen unb Natürlichen unb 3um anderen sein Hineinstellen in das Uebernatürliche ffratge, Göttliche; bie Verknüpfung von Religion unb Kultur, ober vielmehr bie Erhebung der Diesseitskultur ms Jenseitige. Für den katholischen Menschen sind Mensch und Christ, Kultur und Religion, Leib unb Seele an fub k et n e Gegensätze. Beide sind ihm von Gott ge­geben, beide Wege und Kräfte zu ihm, von dem beide kommen. Beide Wiederspiegelungen feines Lebens. Beide darum wirkliche Werte. Aber nicht gleichwertig, nicht gleich bedeuffam für den Lebenssinn, nicht gleichduftiq in der Führung zum Menschentum. Es gibt Werte, durch deren Verlust ober Verkümmerung bas Menschenbild w°hl m uns verzerrt, aber nicht zerstört wird, andere, deren Verschiebung den Lebensschwerpunkt ganz aus dem Lebensgleichgewicht bringt. Lebens- unb Bildungsauf- gabe ist es die verschiedenen Werte abzumessen, auszu- gleichen und in den Lebenssinn einzugliebern.

Türkische Seeräuber.

Moderne Seeräuber. — Das Banditenwesen in

Jebe Säule hat ein anderes Kapitäl; auch diese schwingen fühlbar aufeinander zu und vereinigen sich nachbarlich, indem sich etwa zwei gegenübersteh ende Fi­gürchen anmutig die Hand reichen. Keine von den vie­len Säulen ist einzeln empfunden, alle wachsen unmerk- lich und süß ineinander. Sie Schäfte sind feinfühlig, wie zarte Leiber, hinten verjüngt, gleichsam im Schwe­ben stehend, nicht prall aufgedrückt, dehnen sie sich nach der Mitte zu in lichter Ellipse und verjüngen sich wieder nach .oben. So wächst bas Kapitell heraus wie aus bem Arme die empfangenb noch oben gebreitete Hand.

So singt unb klingt alles runbum. Und die Seele schwebt leicht ins himmlische Gold. Kaum wirken noch die leuchtenden Mosaiken, rhychmisch um bie Säulen ge­schlungen, ihre märchenhafte Musik. Falter schweifen traumverloren. Hier gingen einst Heilige. . . .

Der stille Klosterhof ruht vollenbet unter dem gold­atmenden Himmel. Hier ist Friede und reines Sein. Ich höre bie verschwebenben ßobgefänge der Engel. . . Oder ist es bas Licht? . . . Ich bin daheim.

Cs ist schwer, aus der Heimat zu gehen, wenn man eins mit ihr geworden ist. Es ist schwer, sich zu be­wegen, sortzubewegen, anstatt zu ruhen in Reinheit, ohne Frage und Wunsch.

Aber seltsam: Auch unsere Schritte klingen kaum hörbar, wie Gold auf diesen geheiligten Steinen.

Und als wir draußen sind aus diesem Paradies, kommen uns die Tränen . . .

heiteres.

Der Biberpelz. „Sie besitzen ja einen prachtvollen Pelz." — „Ja, er ist Biber. Ich habe ihn selber erlegt." — „Was Sie sagen! Erzählen Sie doch, bitte!" — „Da ist nicht viel zu erzählen. Der arme Kerl war alt unb blind. Er saß zwanzig Schritte von mir entfernt unb genoß fein Frühmahl. Vorsichtig pirschte ich mich heran. Näher, immer näher, ein blitzschneller Griff, unb ich hatte ihn beim Kragen!" — „Na, hat denn der Kellner nichts gemerkt?"

Und siehe, Tausende waren es, die stutzig wurden, imd als ein Bote die Mär im Lager der Knechte ver­breitete, die um den Schreckenstein herum lagen,, ließ die Kampflust erheblich nach und mancher Besonnene rieb sich nachdenklich die Stirn: „Warum schlägst du dich denn eigentlich mit Leuten herum, die dir im Leben nie=

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— (Ein neuer Uutohp. In London erregt in diesen Tagen ein neuer Rumplertyp — made in Germany, näm­lich in Berlin — einiges Aufsehen. Die Maschine ist nach dem „Regentropfen-Modell" gebaut. Der Motor ist im hinteren Teile des Wagens eingebaut, wo somit auch das Schwergewicht ruht, während sich der Führersitz ganz vom befindet. Vom und hinten spitzt sich das Modell punktförmig zu, so daß der Wagen, der im übrigen mehr einem Flugzeug als einem Auto ähnelt, mit einem Regen­tropfen verglichen werden kann. Der zu überwindende Luftwiderstand ist durch diese Konstruktton stark vermin­dert, sodaß das Fahrzeug eine Stundengeschwindigkeit von etwa 130 Kilometer entwickeln tonn. Der Motor besitzt 80 PS. Außer dem Führer können darin noch drei Fahrgäste Platz nehmen. Auch ist der Raum zur Unter­bringung von Gepäck pmkttsch ausgenutzt.

— Erblindungen in Amerika. Aus einer Statistik über Erblindungen in Amerika erkennen wir, daß bie Zahl der jährlich Erblindeten bedeutend größer ist, als man geglaubt. 4456 Personen haben in den letzten zwölf Monaten in den Vereinigten Staaten ihr Augenlicht ver­loren. Die Mehrzahl sind Männer und Knaben, denn nur 15 Prozent Frauen und Mädchen gehören zu diesen Unglücklichen. Die Ursachen sind der verschiedensten Art. Der hohe Prozentsatz der Kinder, 25 Prozent, ist größten- teils auf Unfälle beim Spiel zurückzuführen. Autounfälle forderten 381 Opfer. Explosionen oder Ver- letzungen durch Feuerwaffen sind bei 202 Pesonen bte

Markus neigte mehrmals das Haupt. Er bemühte sich als vornehmer Mann äußerlich die katte Ruhe zri bewahren.

' „Unb — wer war es der — mich überfiel?" Er sprach es mit tiefer Stimme, während sich ein paar schwere Falten um bie Augen legten.

Feierlich schlug Benignus mit der erhobenen Rechten das Zeichen bes Kreuzes.

"Es bedarf nicht mehr menschlicher Richter, um bie Tat zu sühnen, Got, selbst fällte den Spruch. Das Ge­heimnis eines Toten ward mir anvertraut. Golt schenke ihm Vergebung unb das ewige Leben!"

Still bekreuzten sich bie Anwesenden. Herr Markus schritt auf Benignus zu unb reichte ihm die Hand.

. "Mein ist die Rache, spricht der Herr! Es gelüstet mich nicht, den Spuren der Untat bis ins Schattenreich nachzugehen." — Und wenigs Stunden später durchlief wie ein Sturmwind die Nachricht bie Straßen unb Gas- fen von Agathen, daß die Untersuchung wider die un­bekannten Straßenräuber niedergeschlagen fei und bas Selb zur Stelle geschafft wurde. Sie drang in die Häuser unb Hütten und aus den Stadttoren hinaus aufs flache Land.

WÄMSSMAMMMlk.

Von Joseph Magnus Wehner.

Ein uralter Normannendom über Palermo.

Die Tram fährt durch eine unendlich lange Straße, ich zähle taufend Häuser. Klettert einen steilen Berg­weg hinauf. Rechts und links Felsen. Wildblühende Gercmiumsträucher brennen rot, aus den breiten fetten Blättern her Agaven steigen Blütenkerzen.

Wir sind oben. Unten flimmert und dämmert Pa­lermo im Meerdunst der goldenen Muschel. Die Breit­seite des Domes liegt vor uns, schattig, mit leichtem Säulengang. Wir gehen an dem reichen, grünpatinier- ten Relieftor an der Südseite vorüber. Unsere Sehn­sucht führt uns zum Klostergarten, dem schönsten der Welt.

Wir treten ein, atmen aus. Tiefster Frieden.

Um den quadratische Garten läuft der entzückende Säulengang. Hinter der Südflucht steht eine hohe Mauer mit offenen Bogenfenstern einsam in den Him­mel. Sie schließt von der Welt ab. Ihr gegenüber im Korden der verwitterte Normannenturm und die Breite

Nach Lage des Geschosses mußte er von der Seite her in die Burg gelangt fein, wo tief abfallende Felswände an den Wald grenzten. Hier standen keinerlei feindliche Wachen, weil dort sowohl ein Stürmen wie auch ein Entweichen der Burgbewohner ein Ding der Unmöglich­keit schien.

Die Not war aufs höchste gestiegen. Trotzdem Grä­fin Sabina mit starker Hand die Vorräte schützte, näher­ten sie sich bedenklich dem Ende, und die Stunde konnte nicht mehr ferne fein da der Hunger in feiner krassesten Gestalt den tapferen Arm der Verteidiger lähmen würde.

Es war ein Glück für bie geschwächte Besatzung, daß er zu einem allgemeinen zweiten Sturm bisher nicht ge­kommen war. Dafür aber rieben nächtliche Plänkeleien unb Scheinangriffe, bie stets bie ganze Besatzung auf die ginnen riefen, die Kräfte der Verteidiger auf.

Graf Wild, der starke, vollblütige Mmm, blickte aus bohlen Augen, Anne Susanne ging bleich umher, und die Mannschaft tat schweigend, aber sichtlich niedergedrückt ihre Pflicht.

Länger als drei Wochen lag der Feind vor den Toren und bie Jchcmnisnacht war herangekommen.

Als Gräfin Sabina die Botschaft tos, bie ihr der ! Knecht überbrachte, hatte sie die Schrift mehrmals ein­gehend studiert. Sie meinte, daß ihr aus der Schrift unb der Botschaft etwas entgegenwehe, was sie an ihr« Jugendzeit erinnerte, als sie noch als junges, frisches Mädchen mit bem Vater auf bie Jagd ri.it.

^ur vermochte sie den Zusammenhang nicht zu finden

Boller Unruhe grübelte sie, wie es geschehen könne, ba6 biefe Zeilen, die irgend eine befreundete Hand in den I Burghof schoß, längst versunkene Zeiten wach rief.

Sie ging mit Herzklopfen in ihre Kemenate und öffnete I bx Truhe. Dort lag verborgen eine Dichttmg, die ihr einst I ber vermachte, dem sie die Siebe ihres jungen Herzens schenkte. I

Sie verglich bie Schrift der Verse mit der der Bot- I to>aft, und siehe, sie waren einander so ähnlich, als ob sie b:e nämliche Hand geschrieben habe.

Wie sie doch bas Schicksal narrte! Jener, der einst I fo heiß um sie warb, war tott Nur ein Zufall sprach 1

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Der DurgfchrrS.

Roman von Felix Neumann.

33] -----------

Unb auf Benignus' Arm gestützt, führte Obadias ben Einsiedel zum Hause bes Ratsherrn Meller, der ein Han- delsfreund des Herrn Markus von Godesberg war und ihm Aufnahme bei sich gewährt hatte.

Im Zimmer nut reicheeschmtzter Decke und mit wert­vollen Teppichen belegt, empfing Meller den Stadi- schreDer und seinen Begleiter.

Auch er gehörte zu den Ratsherrn, bi« der Aufstand vom Ratsseflel vertrieben hatte und die nun in Untätig­keit und mit heimlich geballten Fäusten zusehen mußten, wie das Unheil seinen Lauf nahm.

Aus dem Nebenzimmer klamgen erregte Stimmen, dort berieten Freunde des alten Rates die Lage, und ob es noch nicht möglich sei, bie verlorene Herrschaft an sich zu reißen und den Frieden wieder herzustellen.

Obadias bedeutete dem Freunde, daß der Klausner m wichtiger Angelegenheit gekommen fei, die keinen Auf- sihuib dulde, und daß sie Herrn Markus angehe.

Wenige Augenblicke darauf trat der Kaufherr, eine hohe, gebieterische Gestatt, ein.

Noch war der Kopf verbunden, aber unter ben weißen Linnen blitzten scharf und klug bie schwarzen Augen.

Benignus stellte den Pilgerstab fort, dann sagte er: „Zu Euch, Herr Markus von Godesberg, hat mich Gott gefcnM, auf daß Unrecht wieder in Recht, Böses in Gutes verkehrt werde. Das Geld, das man Euch raubte, liegt an einer Stelle, die nur mir bekannt ist, und kann zu jeder Stunde von Euch empfangen werden!"

Es war em feierlicher Augenblick.

Markus trat einen Schritt zurück und stützte sich auf ben Tisch, der mitten im Raume stand. Sie unerwartete Kunde schien ihn erschüttert zu haben.

Mtt leisen Worten klärte Obadias dem Kaufherrn über bie Persönlichkeit dessen auf, der da aufrecht und jttllz in seinem Mittleramte vor ihm stand.

Nr. 238 vom II. OH. 1924. -