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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

Samstag, 11. Oktober 1924

51. Zahrg

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dem über

die in ungeordnetem Zustande Schinwangkao sich zurückzog.

Line Revision der Marokko- srage scheint bevorzustehen. General Primo de Rivera beabsichtige die Politik von 1909 aufzu- geben. Spanien solle an gewissen punkten der Küste bleiben wie Ceuta, Arzilla und Larach sowie die Straßen Tanger-Teiuan und Tanger-Fez schützen. Im übrigen solle sich die spanische In- leressensphäre auf eine nominelle Beeinflussung be­schränken. Um die spanische öffentliche Meinung auf diese Schwenkung der Politik vorzubereilen, hat nach dem «Malin" eine Kampagne eingesetzt, die fich der Formel bedient, Spanien habe zwar das Recht, aber keineswegs die Pflicht, in Marokko militärisch einzugreifen.

die durch das Eindringen türkischer Truppen in Mesopotamien geschaffene Lage stündlich zu.

3n einem Leitartikel schreibt die «Times", es bestehe kein Zweifel, daß die britische Regie­rung den türkischen Angriffen Wider st and leisten und alles tun werde, was in ihrer Macht stehe, um die Verhältnisse wiederherzustellen, unter denen eine friedliche Grenzabsteckung möglich ge­macht werden könnte

Kontroükommiffion 20 vergrabene Geschütze gefunden worden seien. Die Voss. Ztg. erfährt dazu aus Dresden, daß tatsächlich 20 Geschütze gefunden worden seien, eS handele sich fedoch um alte au 8- rangierte Stücke, die schon seit 20 Jahren auf vem Königsbrücker Schießplatz als Schießscheibe ver­wendet worden seien. Die Geschütze seien vollständig unbrauchbar und ohne Verschluß.

Zchule und Volksbildung.

Mehr Einheitlichkeit im deutschen Schulwesen. Am Dienstag fand im Waither Rathenau-Hause in Berlin. Grünewald auf Einladung und unter Leitung des Reichs- Minister« des Innern, Dr. Jarres, eine Besprechung der deutschen UmerrichtSminister yber schwebende Bil- dungSfragen statt. Die Versammlung beschloß, einen sechsgliedrigen Ausschuß aus Vertretern der llnterrichtsverwaltunaen der Länder zu schaffen, der bei prundfätzliDer Anerkennung der Kulturhoheit der Länder unter dem Vorsitz deS Reichsministeriums des Innern auf eine möglichst gleichmäßige Lösung der Bildungsarbeiten Einarbeiten und durch Verstau, digung die Schwieri leiten beseitigen soll, die sich auS einer zu großen Zerspsttterung des deutschen Schul- wesens ergeben könnten. Den Beratungen.wohnte zeit- weise auch der Lerr Reichskanzler bei.

Inflationsangst in Frankreich.

wtb Paris, 10. Okk. (Tel.) Der Finanz- Minister erläßt folgende Erklärung: Es geht das Gerücht, besonders in Finanzkreisen, die Regierung wolle den Rotenumlanf erhöhen. Diese Nachricht ist vollkommen unrichtig. Die Re­gierung wird den Notenumlauf in dem festgesetzten Rahmen halten, welches auch immer die Probleme seien, die gelöst werden müßten. Die Regierung werde ferner Vorkehrungen treffen, daß der Bud­getausgleich nicht gestört werde.

verbotene Tagung.

wtb" Halle, 10. Oft. (Tel.) Der für den 12. Oktober geplante Stahlhelm-Sporttag, zu dem auch mehrere Generäle ihr Erscheinen zu­gesagt hatten, ist, nachdem das erste Verbot zurück- Senommeu worden war, jetzt durch den Regie­rungspräsidenten Dr. Grützner erneut ver­boten worden. Alle Veranstaltungen wurden untersagt. Das Verbot gründet sich nach den Aus­führungen der «Höllischen Zeitung" darauf, daß diesem Sporttag eine höhere Bedeutung zukomme als allen bisherigen Tagen.

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Kur dem besetzten Gebiet.

wtb Paris, 10 Oft. (Tel.) Die Jahrgänge 1923 der Besatzungskruppen werden am 31. Oktober entlassen.

Der befreite Mörder.

D>e ungarischen Behörden sehen den Erzberger- Möriwr in Freiheit.

Aus Budapest wird gemeldet: Heinrich Schulz- Förster ist am 9. Oktober in die Kanzlei des Ge­fängnisses der Staatsanwaltschaft gebracht worden, wo ihm der Freilassungsbescheid verkün­det wurde. Das Freilassungsprotokoll wurde unter­zeichnet und da zwei Detektive der Staatspolizei anwesend waren, die Utfort Aufzeichnungen über den von Schulz-Förster gewünschten Aufenthaltsort machten, erschien seine zu diesem Zwecke angeord­nete Vorführung bei der Oberstaatshauptmannschaft überflüssig. Schulz-Förster verließ mit einem kleinen Paket, in dem er seine Utensilien hatte und rund 35 000 Kronen Bargeld sofort das Ge­fängnis. Er soll sich wieder nach Ragyteteny be­geben haben.

Der Krieg in China.

Die Truppen der Zentralregierung auf der Flucht.

wtb Paris, 10. Oft. (Tel.) Aus Schanghai wird gemeldet, daß nach einem Telegramm aus Rlukden die Armee Tschang-su-lins vorgestern abend Schanghai-Kwan beseht und die Armee der Zentralregierung in die Flucht geschlagen habe.

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das, was in Vorderafien geschieht, hat besonders für Großbritannien auch eine politische Bedeutung, denn es berührt den Weg nach Indien, dessen Frei­haltung und Sicherung einen Kernpunkt der lischen Außenpolitik bildet.

flaslaüö.

* In Serbien ist eine Ministerkrisis ausgebro­chen. Man glaubt an den Rücktritt des gesamten Kabinetts Davidowitfch

Türken in Mesopotamien.

wtb London, 10. Oft (Tel.) Rach Daily Telegraph" nehmen die Besorgnisse

Eingefährlicher" Fund. Pariser BlSiter melden aus Berlin,

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einer Kaserne in Dresden von der interallierten

Sozialdemokraten und Deutsch­nationale haben inzwischen erklärt, daß sie an der großen Koalition nicht mitmachen. Der Kanz­ler hat die Bemühungen in dieser Richtung also endgültig auf geben müssen. .,,.

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Aus parlamentarischen Kreisen verlautet, daß der ReichÄanzler Mittellungen der Abg. Dr. Scholz und Dr. Curtius bezüglich ihrer Ansicht über die Regierungsbildung entgegennahm und ihnen an- köndigte, daß am F r e i t a g vormittag die Führer der Koalitionsparteien zu einer neuen Besprechung emgeladen werden. Beide Abgeordneten, die dem Reichskanzler denWunschnacheinerRechts- regierung zum Ausdruck gebracht hatten, be­sprachen sich nach der Konferenz mit dem Reichs- vnzler mit dem Deutschnationalen Hergt.

Bor SM WWWs iS WmS. I Marokko und Spanien.

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Parlaments und die Anberaumung der Neu- mcIbef atiS Madrid: Eine Revision der Maro wählen gefolgt. Macdonald empfahl dem Könia kage scheint bevorzustehen. General Primo die Auflösung des Parlaments. Der König hm x:- ---

die Auflösung des Unterhauses genehmigt. Dre Förmlichkeiten der Auflösung haben sofort stattgefunden. Als Tag der Neuwahl wurde der 2 9. Oktober festgesetzt.

Wenn die Wahlen am 29. Oktober ein entschei- benbes Ergebnis gegen die Regierung haben, kann Macdonald noch vor dem Zusammentritt des Parlaments zurücktreten. Wahrscheinlich aber wird Beispiel Baldwins folgen, nämlich die for­melle Niederlage hn Unterhaus gelegentlich der Debatte über die Antwortadreffe auf die Thronrede abzuwarten. Das Parlament wird am 18. ober 20. November zusammentreten, aber infolge der zu erledigenden Formalitäten wird diese ent­scheidende Debatte wahrscheinlich n i ch t v o r A n - sang Dezember beginnen.

Beamtenfragen.

vermlttlrmgrsielle für abgebatrtt kehret und keh- rrrim«. Nach ven Erfahrungen der letzten Zeit er­scheint eS dem Kultusminister notwendig, für die durch Den Personalabbau betroffenen Lehrer und Lehrerinnen «ine Zentralstelle zu schaffen, die ihnen bei der U m- stellung in einen anderen Beruf nach Möglichkeit be- hllstich ist und die zu diesem Zwecke erforderliche Ver° mittlungSarbeit übernimmt. Wie der Amtliche Preu- tzische Pressedienst mitteilt, beauftragt daher der Kultus­minister in einem Erlaß den Direktor der staatlichen kkuSkunftSstelle für Schulwesen in Berlin-Schöneberg, in ähnlicher Weise, wie eS auf Grund eines früheren .«daffeS für Studienassessoren geschehen ist, die Sin- richtung einer solchen Vermittlungsstelle für abgebaute Lehrer und Lehrerinnen zu übernehmen. Der Minister hat die Provinzialschulkollegien angewiesen, die in Krage kommenden Lehrer und Lehrerinnen auf die Dermilt- lungsstelle aufmerksam zu machen und diese gegebenen- falls durch Erteilung von Auskünften und sonst in jeder Weise bei ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Die Vermitt­lung soll zunächst nur für die Lehrer und Lehrerinnen von höheren Lehranstalten eingerichtet werden; für Lehrer und Lehrerinnen von Volks- und mittleren Schulen behält sich der Minister gegebenenfatt weitere Verfügung vor.

Die Zitieret

Aus München wird ber K. B. geschrieben:

Die Entscheidung des Obersten Landesgerichts in der Frage der Haftentlassung Hitlers und Kriebels hat den Erwartungen aller jener Kreise entsprochen, die es als eine Selbstverständ­lichkeit erachteten, daß im Fall Hitler und Kriebel mit keinem anderen Maße gemessen wird als mit dem des Rechts. Nachdem Hitler und Kriebel hinreichend verdächtig sind, baß sie ben Umtrieben ber Frontbann-Leute nicht fernstanden, so war für das Oberste Lanbesgericht eine neue Sachlage gegeben. Die Entscheidung konnte nicht anders ausfallen, als gescheh«:: Bevor über die Frage Beschluß zu fassen war, ob der Beschwerde der Staatsanwaltschaft stattzugeben ist, mußte ein­wandfrei festgestellt fein, ob der Verdacht gegen Hitler und Kriebel gerechtfertigt ist oder, nicht. So geht nun die ganze Materie an den Staats­gerichtshof in Leipzig. Sollte dort kon­statiert werden, daß Gründung und Tätigkeit des Frontbanns als Fortführung verbotener Verbände oder als Geheimbündelei zu betrachten sind, dann würde auch gegen Hiller und Kriebel Anklage er­hoben werden und damit wäre die Frage der Frei­lassung der beiden so gut wie erledigt. Würde die Untersuchung die Unschuld der beiden ergeben, dann wäre das Oberste Landesgericht berufen, die end- gülttge Entscheidung zu treffen. Daß aber der Fall sehr kompliziert liegt, geht daraus hervor, daß vier Rente in Betracht kommen: Fortführung ver­botener Verbände, Geheimbündelei, Uebertretung des Republikschutzgesetzes und der Verordnung des ehem. bayerischen Generalstaatskommiffariats.

Unter den Völkischen herrschen große Besorgnisse, w«l das Verfahren dem Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik überantwortet wurde und weil damit gerechnet werden muß, daß die Unter­suchung noch mindestens vier Wochen in Anspruch nimmt. Wie sehr die Stimmung in Mün­chen umgeschlagen hat, beweist, daß der Beschluß des Obersten Landesgerichts in der Oeffentlichkeit vollkommen ruhig ausgenommen wurde. Der «Völkische Kurier" gibt selbst zu, daß die völkische-Bewegung ms Hintertreffen gekommen ist. Nie hat sich die Wandlung, die sich in der Bolksstimmung seit ben November-Putschtagen 1923 vollzogen hat, so augenfällig gezeigt wie in ben letzten, für Hitler io bedeutungsvollen Tagen

Der Ex-Rönig von hrds tos.

Hussein, der König von Hedschas, hat, wie ge- "meldet wurde, auf seine Herrscherrechte verzichtet. , Wie die Wiener Neue Freie Presse schreibt, ist dieses Ereignis nicht nur für Vorderafien von Be­deutung, sondern es besitzt auch für die englische Weltpolitik Wichtigkeit. König Hussein hat sich in «r letzten Zeit mehrmals nach London um Hilfe gewendet, aber seine Hoffnung, in dem Kampfe gegen die Wahhabiten unterstützt zu werden, ist fehlgeschlagen. Das siegreiche Vor­dringen dieses Stammes gegen Mekka ist wohl für die Entschlüsse des Königs von Hedschas, der sich auf die eigene Kraft nicht verlassen konnte, ausschlaggebend gewesen, und wenn jetzt behauptet wird, daß er nur abgedankt habe, um einen Bru­derkrieg unter den Arabern zu vermeiden, so kann dies bloß als Beschönigung des folgenschweren Schrittes gelten. Der Mann, der nun notgedrungen bie Krone niederlegte, vermochte die Freuden der Macht nicht allzulange zu genießen.

Hussein war in den Tagen Abdul Hamids Scherif von Mekka und Medina, also nicht mehr als ein höherer türkischer Verwaltungs­beamter. Sein gewaltiger Ehrgeiz trieb ihn jedoch, vom Schicksal begünstigt, in die Höhe. Während des Weltkrieges stellte sich Hussein den Engländern zur Verfügung, und sein Abfall wurde reichlich be­lohnt. Im Jahre 1916 konnte er als König die Herrschaft im Gebiete von Hedschas übernehmen, zu dem die beiden heiligen Stätten der Moham­medaner gehören. Aber die Pläne des Empor- gekommenen griffen weiter, er träumte davon, gang Arabien unter feine Botmäßigkeit zu bringen und zum Begründer einer einflußreichen Dynastie zu werden. Wieder kamen ihm die Verhältniffe zustatten. Ein Sohn, Faisal, der während des Weltkrieges den Engländern als Heerführer feines Vaters gute Dienste gelxistet hatte, wurde zuerst mit der Herrschaft über Syrien betraut um dann nach der Vertreibung durch die Franzosen mit Mesopotamien bedacht zu werden. Der zweite Sohn Husseins, Abdalla, regiert in Transjordanien. Der Dynastie Hussein gelang es also in verhältnis­mäßig wenigen Jahren, die größere Hälfte Ara­biens an sich zu reißen, aber die Wünsche strebten immer weiter, die Ziele verrückten sich immer mehr. Nach der Beseitigung des Kalifats machte sich Hussein die Sonderstellung der Araber zunutze, um die oberste geistliche Würde wenigstens in. Por- berafien für sich in Anspruch nehmen. M'stieg sein Stern immer höher, um plötzlich zu verblassen

An Widerständen, an Gegnerschaften war ja nie ein Mangel. Frankreich stand dem Schütz­ling Englands argwöhnisch gegenüber und fein Einfluß störte mehr als einmal den Siegeslauf. Das Verhältnis zu Palästina gestaltete sich schwierig und auch sonst mnd ber vom Glück Be­günstigte genug Neider und Widersacher. Die Sor­gen mehrten sich noch, als der mächtige mohamme­danische Fürst sich zum Kalifen erhob. Besonders von feiten der Wahhabiten wurde nachdrücklich Protest erhoben. Die ägyptischen Zeitungen ver­öffentlichten eine Proklamation des Sultans von Nedfchd, die an alle Gläubigen gerichtet war und in der dem König Hussein das Recht abgesprochen wurde, bie geistliche Oberhoheit an sich zu ziehen. Doch damals ahnte man in Mekka wohl noch nicht, daß gerade die Wahhabiten bestimmt fein würden, den tödlichen Schlag zu führen. Im August dieses Jahres rief der Sultan von Nedfchd durch den un­vorhergesehenen Uebersall auf mehrere Dörfer in der Nähe der Hauptstadt von Transjordanien eine gewisse Unruhe hervor, die aber einigermaßen schwand, als vier Wochen lang kein weiterer Vor­stoß erfolgte. Plötzlich jedoch setzten sich die Wahha­biten wieder in Bewegung, und diesmal war ihr Ziel auf Mekka gerichtet.

Obwohl der Stamm der Wahhabiten ziffermäßig nicht schwer in die Wagschale fällt die Einwohnerschaft des Sultanats von Nedfchd wird auf ungefähr eine Viertelmillion Menschen geschätzt gelang es den kampfgewohnten Ara­bern doch, die Widerstandskräfte Husseins zu über­winden und sich dem Ziele ihrer Sehnsucht unauf­haltsam zu nähern. Durch dieses Vordringen wurde nicht nur die Lage des Königs von Hedschas un­haltbar, sondern auch England geriet in eine pein­liche Situation. Ibn Saud, das Oberhaupt der Wahhabiten, war während des Weltkrieges gleich­falls auf fetten Großbritanniens getreten und auch er vermochte der Regierung in London nützlich zu werden. Da zwischen ihm und Husiein seit län­gerer Frist persönliche Rivalitäten bestanden, wird jetzt der Triumph der Wahhabiten um so größer fein, zumal ja England keine Lust zeigt, einzu­greifen und sich zugunsten des Schützlings Hussein gegen den früheren Mitstreiter Ibn Saud einzu- fetzen. Die offiziellen Kreise in London suchen sich dadurch aus der Affäre zu ziehen, daß sie die Er­eignisse in Arabien lediglich als religiöse An­gelegenheit behandelt wissen wollen. Aber al

l .Die kommenden englischen Neuwahlen find die I brüten innerhalb von zwei Jahren. Bei der letzten

Wahl, im Dezember 1923, errang bie Arbeiterpartei ginen großen Sieg. Jetzt wird vermutet, daß die Liberalen aufs neue geschlagen werden. Die Konservativen werden Zuwachs aus dem liberalen Lager erhalten, bie Arbeiterpartei desgleichen. Eine große Rolle wird im Wahlkampfe vermutlich der Vertrag mit Rußland spielen.

I Wenn die Arbeiteregierung nicht wiederkehren sollte, würde sich die Frage erheben, ob bie bis­herige Politik Englands Deutschland gegenüber strtgeführt würde. Man ist versucht, angesichts der Tatsache, baß England genau so gut an den Dawes­plan gebunden ist wie Deutschland, zu behaupten, daß eine wesentliche Aenderung nicht eintreten mirb, da ja auch vor der Arbeiterregierung bereits eine Abkehr von ben Methoden feststellbar war, die in der ersten Zeit nach Serfailles noch beliebt wur­den. Gegen die sehr stark gewordene Arbeiterpar­tei kann man in England nicht regieren. Aus den Wahlen dürfte diese Partei, die ähnlich wie die deutsche Mehrheitssozialdemokratte nach ihrer ver- antworttichen Beteiligung an der Regierung An­fechtungen aus dem eigenen Lager erfahren hat, wohl innerlich gefestigt heroorgehen. Macdonald hat sich als geschickter Führer erwiesen, ber auch bie jetzige Parlamentsauflösung zu einem für die Ar- , beiter günstigen Zeitpunkt erwirkt hat.

Von unserem besonderen parlamentarischen Vertreter. Im Reichstag herrscht wieder einmal dicke Lust!

Und wenn man 13 Regierungskrisen hinter sich hat, bann kann es keiner verargen, wenn man es bei ber 14. ebenfalls bick hat!

Und roieber ist der Reichstag ber Tummel­platz für fraktionelle Bockfprünge. Wie von den oorangegangenen 13 Krisen minbe- ftens % Mhst überflüssig waren, so ist auch biefe vollständig unnütz und, betraget am Zeitpunkt, wieder einmal denkbar ungeschickt inszeniert. Wenn man den früheren Reichstag nach Haufe fchrcken mußte, weil er aus den parteipolitischen Bindungen nicht herauskam, so sieht man diesen Reichstag noch vielmehr als den vorangegangenen m derartige takttsche Fußangeln verstrickt. Man kann es ruhig aussprechen, daß ber Reistag trotz fernes tutgen Bestandes bei weitem nicht mehr die Stimmung im Lanb roiebergibt Ja wir gehen weiter und sage«, auch bie Fraktionen selber geben MM größten Teil kein getreues Spiegelbild mehr von der Stimmung bet Wähler!

m ^ern- und Angelpunkte unserer gegenwärtigen Pokük find die Londoner Vereinbarun­gen. Sie sind m ihren Wirkungen entscheidend für alles, was nun nach innen und außen Mittfch und auch wirtschaftlich man denke an die im 3uge befindlichen Handelsvertragsver­handlungen durchguführen ist. Es ist selbst­verständlich, daß für solche Aufgaben die Regie­rung eine möglichst breite parlamentari» j kche Basis hinter fich haben muß, daß sie nicht riskieren kann, hi jedem Augenblick von irgend einer Opposition gehemmt zu werden. Es ist auch «n auf die Dauer absolut unverträglicher Zustand, daß für solche Aufgaben ber Regierung nur eine parlamentarische Minderheit zur Verfügung steht. Im übrigen ist es ja von einem eigenartigen In­teresse, daß schier alle europäischen Staaten gegen- I wörtig von Minderheitsregierungen geführt wer- I den, man denke nur an England und Italien, aber I auch an Frankreich.

Man sollte es nicht für möglich halten, daß über I den Begriff berVolksgemeinschaft" so schwierig eine Einigung herbeizuführen ist, wie I das jetzt den Anschein hat. Aber gerade das zeigt I uns ja, wie stark die Parteien in bestimmten Bin- | düngen verstrickt sind und daß eben mit allen Kräften der Versuch gemacht werden muß, die I Reichspolitik von solchen Hemmungen zu befreien. I Ob es gelingt, ist freilich eine andere Frage, aber | das darf man nicht übersehen, daß der eigentliche I Befähigungsnachweis von diesem erst vor kurzem I gewählten Reichstag und auch von den Parteien I jetzt erbracht werden muß.

Gelingt es nicht, bie Parteien auf einer ein- I heitlichen Linie, bie einzig und allein dem Wohle der Gefamcheit des Volkes und des Reiches ge= I widmet sein darf, zu vereinigen, dann bleibt neben einer Reichstagsauflösung, die nur das aller­äußerste Mittel fein kann, nur noch der Weg I übrig, daß ber Reichskanzler kurz entschlossen sol­chen parteipolttischen Bindungen ber Fraktionen I sich entgegenwirft, selbst em Programm entwickelt und auf der Grundlage dieses Programmes em Kabinett von Persönlichkeiten bildet, von denen es keineswegs unbedingt notwendig ist, I daß sie irgendwie parteipolitisch gebunden sind. I Und erst dann, wenn ber Reichskanzler auch über | solche Bemühungen stürzen sollte, wenn sich also I erwiese, daß es tatsächlich auch in diesem Reichstag | nicht fertig zu bekommen ist, einen freieren und I gesunderen Zug in das Parteileben zu bringen, dann freilich wird man das Volk selber zu eioer neuen Entscheidung aufrufen müssen. 1

Die Abfahrt des Z. R. HL

Meldungen aus Fri-drichshafen zufolge ist be1 Termin für die Absi hrt des Z. R. III. nunmehr auf @am§tag Vormittag 8 Uhr festgesetzt worden. Für Freitag abend haben sich mehrere südamerikanische Diplomaten zum Bemch in Friedrichshafen angesagt, die das Luftschiff vor der Abfahrt besichtigen wollen.

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