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Fuldaer Zeitung

Nr. 236 vom 9. 0kt. 1924

FULDAER ZEITUNG

ist die

ffl Fulda und weitester Umgebung

Die Bezieherzahl der Fuldaer Zeitung steigt von Monat zu Monat

Erfolgreichstes Anzeigenblatt

i uuu) »eoueoen waren, zu unterrichten, als die Tüi t aufgenlleu wurde und der AlkÄde atemlos h-reinktürrte,

Padre Jacinto, von dem ich hier berichte, lebte unter den bösartigen Aymara-Indianern auf der Hochebene von Peru, einige Tagereisen westlich vom Titicacasee. Diese Aymara wurden zwar gleich nach der Eroberung des Landes durch die Spanier zum Christentum bekehrt, fielen aber später wieder ab und sanken um so tiefer in den Abgrund roher, grausamer Verkommenheit zurück. Noch keinem Missionar ist es seitdem gelungen, nennens­werte Erfolge auf diesem undankbaren Arbeitsfelde zu erzielen. Auch die Ergebnisse Padre Jacintos, eines Mutigen Korfikaners, bildeten feit seinem Erscheinen unter den Aymara nur eine einzige Kette von schweren Qualen, Entbehrungen und Enttäuschungen. Als ich ihn kennen lernte, wirkte er schon zehn Jahre lang dort oben M Hochlande unter einem Jndianerstamm, welchem der Mord ein Vergnügen und der Raub ein Lebensbedürfnis ist. An dem hageren, sehnigen Körper des Missionars redeten zahlreiche Narben eine deutliche Sprache von un- rnenschlichen Foltern und gräßlichen Wunden, die er

ihm auf dem Fuße zwei Soldaten. Er warf sich mir zu Füßen und bat mich unter Anrufung der heiligen Jungfrau, ihn doch zu rette». Ich trat den Soldaten entgegen und versuchte zu vermitteln, indem ich sie auf die Unverletzlichkeit meines Hauses aufmerksam machte. Die erbosten Häscher wollten aber nichts von Vermittlung hören; der Oberst habe ihnen befohlen, den Malden tot °ber lebendig zu fangen, und sie müßten dem Befehle gehorchen. Run griff ich zu der Ausflucht, daß der Mann als Christ das Recht habe, vorher die Sakramente zu empfangen und ihm diese Frist unbedingt bewilligt werden muffe. . Das sahen die Soldaten auch ein. Wäh­rend ich mich mit dem Gefangenen in einen Winkel zurückzog, besetzten sie das Fenster und die Tür und machten dadurch einen etwa beabsichtigten Fluchtversuch unmöglich. Anstatt aber zu beichten, bestürmte mich der Alkalde nur immerfort mit flehentlichen Bitten um seine Rettung. Er versprach mit den heiligsten Eiden, fortan ein guter Chrfft zu werden, mich in meinen Bemühungen kräftig zu unterstützen und meine Mission in jeder Weise in seinem Dorfe und bei seinen Nachbarn zu fördern kurz, er wußte so eindringlich auf mich einzuwirken, daß ich mich überzeugen ließ und ihm versprach, den Ober­sten um sein Leben zu bitten. Ich kannte die Aymara noch nicht! Als ich das Haus verließ, in dem der Alkalde unter der Obhut der Soldaten zurückgeblieben war, hörte ich nacheinander drei Gewehrfalven krachen. Der Oberst hatte an drei Ecken des Dorfes je drei der überführten Mörder erschießen lassen; ich durfte also hoffen, für den Alkalden Gnade zu erwirken. Aber der Oberst, ein im harten Dienste unter den Grenzstämmen ergrauter Soldat, wollte nichts davon hören. Er hatte sogar die Absicht, das ganz Dorf mitfamt der eben ein­gebrachten Maisernte durch Feuer zu vernichten, um ein für allemal ein warnendes Beispiel zu geben.

Sie können sich meinen Schrecken vorstellen, als ich dies hörte und gleichzeitig bemerkte, daß die Weiber schon begannen, mit den Kindern und der geringen Habe, von den Soldaten verjagt, ihre Hütten zu oertaffen. Ich tonn Ihnen die flehentlichen Bitten nicht wiederholen, mit denen ich iiee. Oberst bestürmt«, bis -r eMich wider-

"Als ich/ so erzählte P. Jacinto,vor nunmehr I zehn Jahren von unserer Niederlassung in Lima aus an den Titicacasee gesandt wurde, da traf es sich, daß ich mich einem Soldatentrupp anschließen konnte, der be- I stimmt war, die gerade an der bolivianischen Grenze ausgebrochenen Unruhen zu unterdrücken. Ich kam aber nur bis Puno, denn dort hörte ich, daß der in Chulpamac tätige Missionar kurz vorher von den Indianern er­mordet worden war. Einen Wink der Vorsehung erken­nend, beschloß ich, die von dem Getöteten hinterlassene Arbeit fortzuführen. Die Behörden von Puno stimmten nur zögernd meinem Verlangen zu, da sie hier oben fast gar keine Autorität besitzen, gaben mir aber schließlich eine Abteilung Soldaten unter einem Oberst mit, der den Mord untersuchen und die Täter streng bestrafen sollte. Dadurch glaubten sie meine Stellung hier zu befestigen. Der Oberst Rodriguez war ein strenger Herr. Er fand im Dorfe allgemein unfreundliche Aufnahme und feind­selige Stimmung. Selbst der Alkalde, ebenfalls Indianer, war eifrig bemüht, die feiner Sippe angehörigen Mörder meines Vorgängers der Gerechtigkeit zu entziehen und ersann alle erdenklichen Ausflüchte, um bis Nachforschun- gen des Obersten zu verhindern. Eine Zeitlang ließ sich der Oberst das gefallen, dann aber riß ihm die Geduld. Er befahl, den Alkalden gefangen zu nehmen und ver­urteilte ihn selbst und neun feines Stammes wegen Mordes zum Tode.

Arbeit und Freihett bedingen sich. Ohne Müh und Plag aber wäre das schönste Leben eine Gefangenschaft

Der Mensch, der von der Arbeit anderer lebt, ist schlechter als ein Asse oder Tanzbär, der einem Krüppel Geld verdient.

s wußtsein, wie verschwenderisch wir bisher damit umge- | gangen sind. Eine Schreibseder kann man dadurch viel I länger gebrauchsfähig erhalten, daß man nicht bloß vor­sichtig damit umgeht (nicht zu fest darauf drücken, sie nicht I zu schief halten), sondern auch sie nach Gebrauch sorg- I fällig abputzt. Manchmal bricht die eine Spitze infolge I der Abnützung ab; zuweilen kann man dann die andere I Spitze etwas abschneiden, so daß die Feder wieder ge- I brauchsfähig wird, obgleich sie für feine Haarstriche I natürlich nicht mehr geeignet ist. Früher hat man Stahl- I federn viel länger benützt, solange sie noch teuer waren. I Auch die Gänse- und Rabenfedern, die früher zum I Schreiben dienten, mußten oft viele Jahre lang dienen. I Der gelehrte Jesuit Francisco Sachini hatte nur zwei I Federn, mit denen er sieben Jahre lang seine Korrefpon- I danz und feine Gelehrtenabhandlungen schrieb. Leo Alla- I kius, gestorben 1667, der u. a. durch seine Ausgaben der I alten Klassiker sich große Achtung bei den Philologen er* I roarb, schrieb vierzig Jahre lang mit einer und derselben I Feder, auf deren Verlust er unter Tränen eine lateinische I Elegie dichtete. Um eine Feder, mit der der berühmte I Jesuit Balde seine herrlichen lateinischen Oden nieber* I schrieb, bie Herder denen des Horaz vorzog, entstand I zwischen zwei Ratsherren in Nürnberg ein langer Pro­zeß, der dadurch ausgetragen wurde, daß die Streitenden um den Besitz der Feder losten. Der Gewinner bewahrte sie in einem silbernen Futteral auf. Hoffentlich kommt es nicht so weit, daß auch bei uns noch eine Stahlfeder fo teuer wird, daß man sie wie einen Wertgegenstand

| aufbewahren muß! ' kos.

Sicherung veränderlichen Fahrwassers. Don jeher waren Veränderungen des Fahrwassers für die Schiffahrt große Gefahrquellen. Solche Veränderungen werden häustg durch Erdbeben hervorgerufen, aber auch manche großen Ströme, wie der Mississippi ober ber Hoangho, sink» stetem Wechsel in der Tiefe ihres Bettes unterwor­fen. Lotungen zur Neuaufnahme der Fahrrinnen sind sehr umständlich, foftfpielig und zeitraubend, waren aber bisher das einzige Mittel, die Schiffahrt zu sichern. Seit einigen Jahren ist man dabei, mit S t i e g e r Photo­graphien in kürzester Frist häufiger Veränderung unterliegende Wasserwege neu aufzunehmen. Aus ge­wisser Höhe über dem Wasserspiegel lassen sich alle Ein­zelheiten bis zu zwanzig Meter Tiefe, natürlich von optisch bedingten Verzerrungen abgesehen, klar und deut­lich erkennen. Das fft auch der Grund, warum während des Krieges den Unterseebooten von feindlichen Flug­zeugen her stete Entdeckungsgefahr drohte, und warum man in der Gegenwart durch Flugzeugbeobachtung den Standort von Fifchfchwärmen bestimmt. Fliegerphoto­graphien zum Zweck der Lotung ergeben ein genaues Vild des Meeresgrundes und lassen eine Verbesserung der Seekarten in kürzester Frist durchführen. kos.

Er weiß sich zu helfen.Nun find wir bis auf den ^erggipfel geklettert", sagte ber Tourist,um die Herr, liche Aussicht zu sehen, und da haben wir die Gläser vergessen!"Ach, das macht nichts", tröffet der bayerische Führer,wir können auch aus der Flasche trinken".

Ich hatte damals bereits von diesem Hanse, das mein armer Vorgänger erbaut hat, Besitz ergriffen und mar gerabe bamit beschäftigt, bie wenigen Indianer, die uns noch treu geblieben waren, zu unterrichten, als die Tür .

bereichern verstanden. Nicht zum wenigsten gehörten hierzu bie Feldherren selbst. Wallenstein z. B. hat durch Kontributionen, die er einzog und bann für sich behielt, über 9 Millionen hinterlassen, das sind nach heutigem Geldwert etwa 40 Millionen Mark. Graf Hohenlohe, der in schwedischen Diensten stand, brachte 117 000 Taler mit heim. Johann Aindinger, der es außerdem vom einfachen Bedienten bis zum Grafen gebracht hatte,verdiente" bei der Plünderung Mantuas 800000 Kronen, die er dann fürsorglich in den Banken von Venedig zinstragend anlegte. Der Feldmarschall Graf Königsmarck hinterließ soviel, daß feine Erben eine Jahresrente von 130 000 Taler beziehen konnten, der hessische Bauernbube und spätere Reichsgraf Peter Holzappel brachte es bis auf 1,5 Millionen Taler ufw. So gab es ein ganze Menge Offiziere, die erst blutarm und dann fo reich waren, daß sie geadelt wurden. Allerdings ist auch mancher traft seiner Tüchtigkeit und Tapferkeit zur Höhe gelangt, z. B. Feldmarschall Derfslinger, der zuvor gewöhnlicher Schnei- dergesell« war, oder Johann von Werth, der vordem ein­facher Stallknecht war.

Der amerikanische Buchhandel steht vor einer empfindlichen Krisis. Die Verleger klagen über eine un­geheure Produktion, fo daß das Publikum mit Lesestoff übersättigt ist, zumeist recht fragroürbiger Art. Die Leih­bibliotheken haben plötzlich einen ungeheuren Aufschwung genommen, weil kaum noch jemand Lust hat, Bücher zu kaufen, teils, weil sie sich in der Mehrzahl als literarisch werllos erweisen, teils, weil das Angebot in Neuerschei­nungen allzu groß sst. Diele Verleger kaufen an Manu­skripten, was sie bekommen können, um nur ihre Pressen tn Gang hatten zu können. Für zahlreiche Schriftsteller, die vorher fatrm ein Werk anbringen konnten, blüht jetzt dcr Weizen, sie können das älteste und seichteste Ge­schreibsel zu guten Preisen los werden. Besonders in I Romanen sind die Neuerscheinungen sehr zahlreich. In den letzten vier Jahren wurden allein 3678 neue Ro- I mane herausgebracht.

Der Reiter auf dem Krokodil. Ein Farmer An­drews in Queensland in Australien mußte auf dem Heimweg durch einen Fluß reiten. Als das Pferd mitten in dem stark angeschwollenen Fluß war, mürbe es plötzlich I Don einem Krokodil angegriffen. Das Pferd erschrak darüber so sehr, daß es aufbäumte und seinen Reiter I abwarf. Das war ein Glück für ihn und das Pserb Der Reiter fiel nämlich gerade auf das Krokodil, bas nun I oorn Pferde losließ, fo daß sich das anne Tier an bas icnfetftgen Ufer. Sobald bas Krokodil auf festem Boden sich auf fernem neuen Reittier fo fest, baß dieses ihm nichts antun konnte, und schwamm auf ihm ebenfalls zum I enfeitigen Ufer. Sobald das Krokodiel auf festem Boden I mar hielt er es für richtiger, abzuspringen und eiligst mit seinem Pferde die Flucht yi ergreifen.

Die wertvolle Feder. Seitdem bie Schreibfedern I fo teuer geworden sind, kommt es uns erst recht zum Be- I

Allerlei Verbote.

Don Paul Schubert.

I _ mobernen Menschen entrüsten uns gar zu oft I über allerlei Verordnungen einer hochweifen Regierung, I o* .benen 6as un& jenes verboten wird. In früheren I ,rooren nod) ganz andere Dinge verboten. Ein I aItcs Verbot bestand noch bis vor 25 Jahren in I \2frn .e5 "chtete sich gegen bie Damenhüte, die I «'s mC$r al9 18 3oll im Durchmesser haben dursten. I Unöer ausländische Federn ober künstliche Blumen I ober Seidenbänder auf dem Hute tragen wollte, mußte eine besondere Steuer zahlen.

Landgraf Ludwig von Hessen erließ 1766 ein Verbot gegen den Kaffee, weil erzur Lüsternheit der Lunge diene und viel Geld außer Landes bringe." Sogar das schmackhafte Milchbrötchen, eine Erfindung ber fran« Söl>schen Königin von Mebici (bis 1640), wurde vom Parlament verboten, weil esunerhörter Luxus fei, Weißgebäck mit Milch anzurühren". Der Solbatenkönig tyriebrid; Wilhelm I. erließ 1717 ein Verbot gegen die "dantinen", die Holzpantoffeln, weil dadurchdie Schuster geschädigt würden und ihnen Nahrung entzogen werden würde". Wer dagegen handelte wurde mit Halseifen und Gefängnis bestraft, außerdem mußte jeder Ort, jedes Dorf, tn dem auch nur ein Sünder wohnte, 200 Dukaten an die Rekrutenkafle zahlen!

Besonders hatte der Tabak sehr unter Verboten ju leiden. Im 17. Jahrhundert hatten Raucher grau­samste Marter, selbst die Todesstrafe zu erwarten! Heute fft's sehr übsich geworden, Zeitungen zu verbieten, das geschah aber auch früher schon. In manchen deutschen Kleinstaaten wurde nach ber französischen Revolution fogar basPolitisieren in ben Wirtshäusern" streng untersagt, man sollte dort nuressen und trinken". Als ein vorwitziger Untertan die Obrigkeit fragte, wodurch man sich dann vom Vieh unterscheide, erhielt er bie prompte Antwort: durch bas Bezahlen!

Ganz erstaunlich ist es, daß erst 1888, vor 36 Jahren, in Rußland bas Skatspiel verboten wurde,weil es den Charakter verderbe". So lißen sich noch hundert und mehr Beispiele von Verboten anführen, über bie man heute ben Kopf schüttelt.

von der Ehre der Arbeit

Aphorismen von Tilly Linbner.

Ein paar verachtete Arbeiterhände sind mehr wert als alles, was von angesehenen Nichtstuern über Arbeit je gesprochen und geschrieben wurde.

*

Die Würden vieler Menschen sind weiter nichts als die Anerkennung für die Arbeit, bie andere umsonst ober doch recht billig geleistet haben.

*

Die wahre Stärke eines Volkes sst bie Summe feines Geistes unb feiner Arbeitskraft.

*

Damit, daß einer bas Lob ber Arbeit singt, beweist er noch nicht, daß er ein Arbeiter sst. Auch der Faulenzer hat einen Hemdzipfel, mtt dem er feine Blöße bedeckt.

heiteres.

Der umgekehrte Spieß. A.:Ich hörte, Ihr Teil- habet hat fein Tippfräulein geheiratet" B.:Ja. Eine riesige Dumncheft!" 2t.:Warum?" 33.:Run, bis­her diktierte er ihr, jetzt diktiert sie chm."

Schema $. Amtmann:Sie müssen das Dokument hier unterschreiben." Bauer:Ja, aber ich kann weder lesen noch schreiben!"Das gilt nicht dann müsse« Sie diese Erklärung schriftlich abgeben."

Bus aller weit.

Kriegsgewinnler im dreißigjährigen Kriege. Wäh­rend heutzutage nur jene zu Reichtum oder doch Ver­mögen gelangen können, die eine Fabrikation oder einen Handel treiben, rekrutierten sich in früherer Zeit die Kriegsgewinnler nur ausnahmsweise aus der Bevölke­rung, die ja vollständig tntsgeplünbert wurde, sondern bie Plünberer selbst, die Soldaten waren jene, die sich zu

Es ist ehrenvoll, am öffentlichen Leben sichss zu beteiligen; ja die Kirche findet es löblich daß ein jeder sich bemüht für das gemeinsam« Beste il unb nach Kräften das Seine dazu beiträgt zum Schutze, zur Erhaltung und zum Gedeihen des I Staates. 0

__ Lev xm. jj

Das verweinte Erficht.

Novelette von Emma Haushofer-Merk.

Als Helene eingehüllt in chre Witwenschleier an bas ©rab des Gatten trat stand hier schon eine weibliche Ge- Paß, lag auf dem noch frischen Hügel ein Kranz von Alpenrosen.

Diese Blumen, diese Fremde, sie erschienen ihr wie Eindringlinge in ihr Heiligtum, vor diesem kleinen Fleck Erde, der ihr Liebstes barg, glaubte sie doch das Recht zu haben, allem zu bleiben, allein mit ihren Erinnerun- gen.

Sie schwarzgekleidete Frau mochte wohl ihren Blick suhlen und wich bescheiden einen Schritt zurück, aber sie blieb stehen.

Das störte Helene bie Stimmung, das erregte ihr bie Sternen. Mit einer fast unwilligen Bewegung wendete sie den Kopf zurück. Zu ihrem Erstaunen schaute sie in ein verweintes Gesicht.

Wer war bie Fremde, die um ifjren Mann Tränen vergoß?

Eifersüchtiger Schmerz durchzuckte sie. Sie mußte die Wahrhett wissen.

Sie haben meinen Gatten gekannt?" fragte sie und es lag stolze Abwehr in der Betonung ber Wortemei­nen Gatten".

Die Blasse mit ben verweinten Augen nickte. Rach einer Weile sagte sie leise:Ich hab' ihn einmal sehr heb gehabt.

Sie schaute nicht auf, aber sie fühlte wohl, daß ein empörter Blick sie traf. ö

®s war vor Jahren, gnädige Frau," fuhr sie rasch fort.Ehe er Sie kannte. Damals, ja, da war er mir sUC^ Zch wußte ja, daß es nicht dauern würde, ras Gluck. Ich bin ein armes Ding gewesen, eine Buch­halterin. Aber obwohl ich mir immer vor Augen ge» I halten hatte: es wird ein Ende kommen als es dann I tarn, da traf es mich doch so schwer, daß ich ihm in I meinem Schmerz böse Worte geschrieben habe. Cs I mar als er sich verlobte. Ich sah ihn dann auch nicht wieder. Es war alles vorbei, nur nicht der Groll in I meinem Herzen. Als bann der Krieg ausbrach, da traf I SL k 'ch ch" sah, als er blumengeschmückt fortzog. |

3ch druckte mich scheu in einen Winkel. Was tag in biefer Stunde an mir, an meinem Schicksal? Alle Bit- I terkeit war wie ausgelöscht, es lebte nur die Bewunds- rrnig für ihn, bie alte Liebe für das stolze, tapfere ®e- I o J?Vbem f° oieI ernste Entschlossenheit, fo kühne I Zuversicht lag! Es war alles wieder, wie es einst ge- I wefen und ich habe ihm aus der Ferne nachgewinkt" I

S'e hatte bie Worte mit gesenkten Augen gesprochen ms sagte sie sie nur bem Grabe, in dem ber einst geliebte xote lag. Dann hob sie den Blick zu der Witwe die I ihre Schleier umhüllten.

Verzeihen Sie, gnädige Frau! Meine Gefühle I Sie werden sich nicht um sie bekümmern. Aber ichwollte , mir erklären, warum ich bie Blumen brachte, bie Alpen­rosen, zur Erinnerung an dem Tag auf dem Wendelstein, roo ich ihn kennen lernte; warum ich hier stehe? Glau- ben Sie mir, als ich hörte, daß er schwer krank heimge- j rammen fei, da hat in einer fernen kleinen Stadt eine I Seele mtt Ihnen gelitten und getrauter! bei der Todes- I bricht. Einmal mußte ich ihn hier besuchen, an dem öleck, wo sie ihn bestattet hatten, chm hier zuzuflüstern, I bafj ich ihm nicht mehr grolle, daß ich dankbar bin für I bas bischen Glück, das er einmal in mein Leben ae- >, bracht hat."

Schweigend standen bie beiben Frauen nebeneinander- es kam welker Blimiendust an sie herangeweht, es ra-' MÄte dürres Laub von alten Kränzen, man hörte das Staffeln und Klingeln ber Elektrischen, bas zu der Sülle der Toten hereinklang.

Da draußen war die Wett; und ihr Treiben ging 1 immer weiter, und jeder hatte fein eigenes Wünschen, I fern eigenes Leid unb kümmerte sich nicht um bas fremde I Helene durchschauerte es, wie einsam sie selber blieb mit chrem Schmerz. Und da stand dicht hinter ihr mit ver- weinten Augen em Wesen, bas ben geliebten Mann ge- I lannt hatte, bas ihren Herzensjammer rnttfühlte.

o. 1'- ®rrabe wurde gesungen; das wehmüttge I Steb erschütterte sie, raubte ihr die Fassung. Sie wußte I faum, wie es geschah, daß ihre Hand die der Fremden I puhte und in stummer Crgriffenhett drückte. Dann nach einer Weile sagte sie mit leisem Aufschluchzen:Sie sollen | mtr er3äf)Ien von ihm, von ferner Jugend, von der Zett, I da Sie ihn kannten." I

Nie hätten sie sich begegnen dürfen, so lange der I Iftcmn lebte. Aber nun war es wie ein Band zwischen I ihnen, daß sie ihn beide geliebt hatten.

strebend nachgab. Noch immer denke ich an seine pro­phetischen Worte, bie er mir beim Abzug nach rief:

Padre, Padre, wenn Sie unter ber Rache ber Räu­ber ihr Leben aushauchen, denken Sie an meine War­nung! Ein Aymara kennt kein Erbarmen!"

Und er hatte leider wahr gesprochen. Kaum waren die Soldaten einige Tagereisen entfernt, als sich die ganze Wut der Indianer gegen mich, den einzigen Weißen, ttchtete. Man beschuldigte mich, die Rache ber Soldaten heraufbeschworen zu haben. Man wollte fogar wissen, daß ich den Tod des armen Padre Cipriano, meines Vorgängers, deshalb als Mord hingestellt hätte, damtt man die Aymaras ausrotte und die Weißen das Land nähmen. Der arme Padre Cipriano fei einem bebauet» l'chen Unglücksfall zum Opfer gefallen er war, rote ich mii Gewißheit wußte, enthauptet worden! kurz, man tarn eines Nachts in meine Wohnung und schleppte mich im Nachtgewand ins Dorf, wo vor dem Hause des Al» kalben ein mächtiges Holzfeuer brannte. Der Alkalde roar dort mit feiner ganzen Sippe. Als ich feiner an» sichtig wurde, wollte frohe Hoffnung in mein Herz ein» Sieben; ich glaubte, er wisse nichts von den Mißhand­lungen, denen man mich unterwarf, unb werde sie natür­lich unverzüglich abstellen. Aber ich wurde grausam ent­täuscht. Als ich an chm vorübergeschleppt wurde, rief ich ihm zu, er möge feinen Leuten befehlen, mich freizu­lassen, aber er wies meine Bitte mtt höhnischem Lachen ab. Er befahl vielmehr, daß man mich fessele und zum Feuer schleppe. Alles deutete darauf hin, daß ich mit einigen gefangenen christlichen Indianern, die schon dort lagen, lebendig verbrannt werden sollte. In meiner Not erinnerte ich den gewissenlosen Alkalden an das Derspre- chen, bas er mir wenige Tage vorher gegeben hatte doch ich erntete wiederum nur Spott und Hohn. Ein'Ver­sprechen, bas ein Aymara einem Feinde gibt, sei nicht bmbenb nef er mir zu. Als ich ihn dann aber er» mnerte, daß er für seine Freveltaten vor Gott und der ,rnÄ Gerechtigkeit werde Rechenschaft ablegen müssen

b?$ er bann sicher keinen so warmen Fürsprecher mehr fmben werde, wenn der Oberst demnächst zurück- kchre, An tj. ittHg zu tacetec. (g«tL fclgU l

Der Monat oon ßüliiac Don Ferdinand Emmerich, Weltteisender unb Naturforscher.

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Ueberfällen durch die haßerfüllten Eingeborenen davon­getragen hatte. Aber niemals roar fein Mut ins Wanken geraten, noch bas unzerstörbare Gottoertrauen, mit dem er in wilden, weltfernen Gegenden, hunderte von Mei-

Unter den vielen edlen opferfreudigen Männern die I m ""er Zivilisatton und jeder Hilfe entfernt, für .mir auf meinen Forschungsreisen ht weltfernen roenio I w* ®erbreltun$ Glaubens tätig blieb, ohne andere bekannten Ländern begegnet sind, nehmen die Missionare I QlS e,n<? erfüllten heiligen Berufs-

gen em. Nicht nur wegen ihrer uneigennützigen Gast- --- -

freunbfcf)aft, bie oft so weit geht, baß sie sich selbst vom Mernotwendigsten entblößten, wenn es gilt, einem um Hilfe oorsprechenden Gaste beizustehen, fonbern vornehm­lich ihres seltenen Mutes unb ber kühnen Unerschrocken- hett wegen, mit ber sie auf ihren schwierigen, einsamen Pionierposten ausharren. Weber ein mörderisches Klima, noch grausame Behandlung von feiten der Eingeborenen vermögen sie in ihrem edlen Vorhaben zu erschüttern. Oft mit einem sicheren, qualvollen Tode vor Augen, harren sie auf ihren Stationen aus und versuchen in un­endlicher Arbeitmühe ben bomigen Wildboben für bas Wort Gottes zu gewinnen.