Nr. 236
Donnerstag, 9. Oktober 1924
51. Zahrg
Menge
Mahn-
jKortiebiwo lototA
bis zum letzten Augenblick die toll gewordene von Gervaltaten abzuhalten versuchte.
Aber der Sturm ber Leidenschaften fegte die warte des besonnenen Greises hinweg.
Auf allen Straßen zogen die Heerhaufen der
Vie große Anleihe.
Der belgische nnb französische Anteil.
„Agence Beige" meldet aus Brüssel: Infolge ,er Londoner Verhandlungen ist der Anteil Bel- siens an der 800-Millionen-Anleihe auf 1,5 Mill. Pfund festgesetzt worden. Theunis hatte mit den Bankiers Besprechungen.
In Paris hat am Quai d'Orsay unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Herriot eine Konferenz von Bankiers stattgefunden, an der auch Finanz- minifter Elemente! teilgenommen hat. Gegenstand Der Beratung war die Durchführung des Sachverständigenplanes, namentlich in Hinblick auf die Beteiligung Frankreichs an der 800= Millionenanleihe. Eine Delegation, bestehend aus Dem französischen Vertreter im Sachverständigenkomitee, Parmentier und den Bankiers Sergeant (Union Parisienno) und Simon (Societe Generale) wird sich nach London begeben, um mit den englischen Finanzleuten und dem Reichsfinanzminister D r. Luther und Reichsbankpräsident D r. Schacht zu verhandeln.
Wie der „lemps" mitteilt, ist im Laufe der Konferenz in erster Linie über den Grundsatz der französischen Beteiligung an der Anleihe verhandelt worden und über den Anteil, der auf Frankreich fallen soll und den man in unterrichteten Kreisen auf 30 Millionen Goldmark schätzt. Schließlich habe sich die Konferenz mit der Frage beschäftigt, ob die Anleihe dem Publikum angeboten werden soll oder nur den französischen Banken.
Wie das „Journal des Debats" berichtet, meldet eine Nachrichtenagentur, daß die unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Herriot vereinigten Bankiers erklärt hätten, es fei möglich, in Frankreich 3 Millionen Pfund Sterling der deutschen 800-Millionenanleihe unterzubringen. Auf der Grundlage dieser Erklärung würden in London seitens der französischen Delegation die Unterhandlungen geführt werden.
I „Ich danke dir!"
I Aber sie wehrte ihn ab und wies auf die Umsteben- I den.
„Hier, den Kecksten und Mägden verdankst du es, daß I wir nicht alle erschlagen liegen."
MU diesen Worten ging sie nach dem Hofe, um an einer anderen Stelle nach dem Rechten zu sehen.
Die Sterne verblaßten, die Sturmglocken schwiegen, im Osten dämmerte gelbrot der Tag herauf.
Die unmittelbare Gefahr war beseitigt, aber man mußte sich nun auf eine Belagerung gefaßt macken, deren Länge von dem weiteren Verlauf der Dinge abhing.
Ehe der Feind zu einem neuen Sturme schrUt, konnte viel Zeit vergehen, denn nach einem so blutig mißglückten ! Versuch pflegte sich der Angriffssturm sehr abzukühlen.
Auch hatte die ganze ungeordnete Art des Ueberfalls gezeigt, daß es sich um ein Unternehmen handelte, das kurzer Hand ohne sorgfältige Vorbereitung ausgeführt worden war.
Graf Wild teilte die Wachen ein und schickte die übrige Mannschaft heim, denn es galt jetzt mit den Kräften der kleinen Besatzung schonlich umzugehen.
Jede Nacht konnte man auf Alarm gefaßt sein.
Anne Susanne, die Sabine gefolgt war, erhielt den Auftrag, die Frühkost herzustellen. Die Mägde waren übermüdet, so mußte sie totkräfig zugreifen und tat es freudigen Herzens.
Alles, was an Vorräten in der Burg aufzutreiben war, hatte die Muhme in einigen Kammern gesammelt und fest verschlossen.
Die Rationen wurden herabgesetzt, und Burgherr und letzter Troßbub erhielten die gleiche Kost ohne Unterschied.
Als Graf Wild von dieser Anordnung der Schwägerin Kenntnis erhielt, murmelte er etwas in den Bart.
Aber es war kein Wort des Tadels, es klang vielmehr wie: „Ein höllisches Weib, alle Achtung!"
Und er stieg mit dem Frieder auf den Wachturm, da 'hm gemeldet wurde, daß sich am Horizont Rauchschwaden zum Himmel wälzten
* Das größte Kraftwerk in Deutsch-Böhmen das neue Werk bei Knaben im Bezirk Eger, toutbt öeben in Betrieb genommen. Die Leistung der Maschinen beträgt 11,000 Pferbekräfte.
- Die völkerlmndrsrage.
Die Dezember-Tagung des Völkerbundes. — Englands Stellungnahme.
Einer Havasmeldung aus Konstantinopel zufolge kündigt man in Genf an, daß eine außerordentliche Versammlung des Völkerbundes für Dezember einberufen werden würde, um über die Zulassung Deutschlands und der Türkei zu beschließen. Wenn diese Nachricht, was Deutschland anbetreffe, auch wahrscheinlich sei, so wäre sie/was die Türkei anbetrifft, verfrüht. Die junge türkische Republik wünsche wie alle anderen Demokratien lebhaft, mit dem Völkerbund zusammenzuarbeiten. Aber Erwägungen politischer Opportunität hinderten sie, unverzüglich in Genf ihren Eintritt anzuregen, solange die Frage von Mossul noch vor dem Völkerbund anhängig sei.
Reuter zufolge hat die britische Regier- rung noch nicht auf das deutsche Memorandum betreffend den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund geantwortet. Es werde darauf I hingewiesen, daß die britische Regierung nicht den Völkerbund im Voraus zu etwas verpflichten könne I und daß es von der Völkerbundsversammlung ab- • hänge, welches die Bedingungen für die Aufnahme Deutschlands sein sollen. Es sei jedoch wahrscheinlich, daß es für Deutschland nicht schwierig sein werde, einen Sitz im Völkerbundsrat zu erhalten. Wie die Blätter melden, werde die britische Antwort auf das deutsche Memorandum in einigen Tagen abgehen; sie werde darauf Hinweisen, daß der Völkerbund diese Frage entscheiden müsse.
Die abweichende Lesart.
wtb London, 8. Off. (Tel.) Dem diplomatischen verichlersfafker des „Daily Telegraph" zufolge veriaukef, daß die noch nicht endgültig formulierte britische Antwortnote auf das deutsche Memorandum betreffend den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zwar die gleichen Ziele verfolge wie die französische Antwortnote, jedoch gewissen ; deutschen Anregungen gegenüber enlgegenkommen- , der fein werde als die französische.
Und so war es auch.
An unzähligen Orten war ber Krieg gleichzeitig ent, ßrannt, und nicht überall haften die wachsamen Besatzungen ber Burgen die Angriffe abgeschlagen. Die Haufen ber Bauern und Bürger, verstärkt durch die städtischen Reisigen, zogen branbschatzend burch das Land und belagerten die Burgen, um b>e letzten Fesseln zu sprengen, die sie noch an die Lehnsherrschaft ber Ritter ketteten,
VII
Einen Sturm auf die mächige Bärenburg hatte man nicht gewagt. Um biefen festen Sitz zu nehmen, bedurfte es eines Heerhaufens, ber mit dem auserlesensten Gerat versehen war. Dem jungen Bunde der Städte und Dörfer fehlte aber noch die straffe Organisatton.
Dafür aber hatte man alle Wege besetzt, so daß auch Gras Rust vom Verkehr mit ber Außenwelt abgeschnitten war.
Auf Umwegen erreichte Siegfried spät am Abend noch das Schloß. Er war schon auf hermnstreifende Banden gestoßen, denen er auszuweichen gezwungen war.
Wenige Stunden, nachdem er die Zugbrücke passierte, wurden die Feindseligkeften auch gegen Graf Rust eröffnet.
In Agathen hatten sich indessen böse Dinge vollzogen.
Die stolzen Herren, die von Mainz im Namen ferner Kurfürstlichen Gnaden gekommen waren, saßen im Verließ des Rates, ber zum überwiegenben Teil von der Bürgerschaft abgesetzt worben mar, weil er den Bruch des „Gottesfriebens" nicht mitmachen wollte. Dbabias, der Stadtschreiber, war einer ber Männer gewesen, die
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Bet Wtederbolunnen Rabatt- Bolllibeckkonio Statt Kurt a. M- 4051,
Zur ttriegsschuldfrage.
Stimmen aus England.
Der Londoner „Manchester Guardian" veröffentlicht eine Zuschrift des Pfarrers der St. Annenkirche in Manchester, Dorrity, worin dieser zur Frage der Kriegsschuld darauf hinweist, daß der Bischof von Manchester Dr. Temmle einer der wenigen Bischöfe, wenn nicht der einzige sei, die sich bisher öffentlich von dem Standpunkt los- fagten, daß Deutschland allein für den Krieg verantwortlich sei. Pfarrer Dorrity teilt mit, daß er jetzt eine Bewegung ins Leben rufe, um sicher zu stellen, daß diese Frage vordieVischöseder Chnrchof England kommt, damit diese ihren Standpunkt vor der Welt klarlegen. Pfarrer Dorrity beabsichtigt, Dr. Temple eine von der Geistlichkeit seiner eigenen Diözese unterzeichnete Denkschrift vorzulegen, die ihn bittet, diese Frage vor die nächste Zusammenkunft der Bischöfe zu bringen und sie um eine Entschließung dahingehend zu ersuchen, daß Deutschland nicht das einzige für den Krieg verantwortliche Land fei, sondern daß alle großen und kleinen Nationen Europa s die Verantwortlichkeit in größerem oder geringerem Maße teilten und daß die Anerkennung dieser Tatsache die Strenge der siegreichen Alliierten mildern müßte.
Dorrity erklärte: Deutschland hat wiederholt um ein unparteiisches Tribunal gebeten, hat es jedoch niemals erhalten. Die Alliierten waren bisher Ankläger, Richter, Geschworene und Vollzieher zugleich, aber dies entspricht sicher nicht dem Begriff des Durchschnittsengländers von Fair play. Pfarrer Dorrity fordert alle Geistlichen feiner Diözese auf, diese Denkschrift zu unterzeichnen.
Verantwortlich iüt die Schriitlettmig: Dr- Johannes Kramer
Anreigen: I- P arretier. Fulda. Rotationsdruck und Verlag der
Fuldaer Actiendt uckerei in Fulda. Fernivrecher Nr- 9. o Monatlicher BemgSdreiS- 1.50 Mk.
„Hierher — hierher!" rief sie mit schneidender Stimme, I während ihre linke Hand den einen Leiterholm tpn- I klammerte.
Da kam die Hilfe, die Sabina vorbereitst hatte.
Ein Dutzend Mägde stürmte heran. Die jüngeren in Hofen, wie chre Herrin, die öfteren mit hochatrfgeschürzten Röcken, so trugen sie Kessel mit kochendem Wasser j herbei.
Sie alle, die bisher heimlich über den „Burgschreck" getuschelt und ihn auch wohl zuwellen zu allen Teufeln gewünscht hatten, achteten nicht der Geschoße, die wie j Hagelschlag heransausten, um den auf den Leitern Stürmenden ihre schwere Arbeit zu erleichtern und den Der- I leidiger einzuschüchtern.
An vier Stellen erschienen bereits die Helme ber Feinde über den Mauern, denn mit etwa zwanzig Knechten war nicht jeder Punkt zu schützen, da ergoß sich dampfend und zischend der kochende Wasserstrom über | die Lettern, auf denen Mann hinter Mann stand.
Die Muskeln an den derben Mägdearmen spannten sich bis zum Zerspringen. Kesiel auf Kessel spie seinen furchtbaren Inhalt über den dicht zusammengedrängten Schwann der Stürmenben. Die Panzer imb Koller, die den Geschossen Widefftanb leisteten, schützten nicht vor I diesem Gegenangriff.
Gellendes Geschrei und Geheul erscholl. Die Leitern bogen sich und krachten. Die am höchsten Stehenden
I stürzten in die Tiefe und rissen auch die Nachfolgenden I mit sich.
I Als Graf Wild, schweißbedeckt, das Schwert in ber
I Faust, am Westgraben erschien, mar der Sturm abgeschlagen. 'Er kam just zur Zett, um die letzten Augenblicke mitzuerleben, als Sabina inmitten ber jubelnden Knechte und Mogde die letzte Letter umstürzte und die Angreifer in den Wald zurückflohen.
Mehr als zwanzig Tote und Verwundete schleppten j sie mit sich.
^u^^ eine der Mägde war an der Schulter verwundet worden, und dieselbe Frau, die eben noch den Morgenstern auf eine feindliche Sttirm Haube niedersausen ließ, verband nun mtt Ifeifem Trostwort die Wunde
. Graf Wild trat auf die Schwägerin zu.
Amland.
* Unwetter in Italien. Bei Trapani in Sizilien ist im Sturm etwa eine Meile vom Hasen entfernt ein Kutter gesunken, wobei 8 Menschen in den Wellen den Tod fanden. — lieber Palermo ist in Wolkenbruch niedergegangen, der den tiefer liegenden Teil der Stadt überschwemmte, sodaß das Waffer in die Erdgeschosse eindrang. Die Feuerwehr und Pioniere befreiten die geängstigten Bewohner, die, um die Aufmerksamkeit auf ihre Lage zu ziehen, Reoolverschüffe in die Lust feuerten. — In Vercelli durchbrach die Sesia einen Schutzdamm und überschwemmte einen Stadtteil. Der Schaden wird auf mehrere Millionen geschätzt.
* Das größte Münzprägewerk der Welt wird in kurzer Zeit China besitzen. Die Pressen sind im Stande, täglich 280 Zentner Silber in Münzen umzuprägen. Das Werk wird von Amerikanern gebaut.
* Die gepfändete Laurahütte. Wegen nicht pünktlicher Zahlung von 20 Millionen Zloty Steuern (1 Zloty gleich 1 Mark) hat das polnische Finanzamt das gesamte Material aus der Königs- und Laurahütte gepfändet. Die Grubenanlagen und der Hüttenbetrieb wurden nicht beschlagnahmt. Der gesamte Betrieb geht in bisheriger Weise ungestört weiter.
Das Wiener te M
Eine schwere Schlacht bei Schanghai. — Die be drohte russisch-japanische Konferenz.
An der Schanhaikwan-Front im Norden zwischen Peking und Mukden, wo Tschang-Tso-Lins und Wu-Pei-Fus Streitkräfte einander gegenüber» stehen, haben schwere Kämpfe begonnen. Ein Telegramm besagt:
wtb Paris, S. Off. (Tel.) Hamas meldet aus Schanghai: Der Gouverneur Sun-Schang-Fang, der militärische Gouverneur von Füllen, der mit den Truppen von Tschany-Tso im Kampfe sieht, hat sich der Stadt Sung-Kang, 35 Kilometer südwestlich von Schanghai, bemächtigt. Die Streitkräfte von Tschekiang hgben sich daher ans eine Stellung in der Nähe von Sing-Schuang, 14 Kilometer südwestlich von Schanghai zurückgezogen. Der Rückzug werde ohne Zweifel Sn-Jung Hsing, den Führer der Truppen von Tschekiang zwingen, die Tronk von Tschang-su-Liuto zu verlassen, wo er sich bis jetzt gehalten hat. ___
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Einer Reutermeldung aus Schanghai zufolge wird aus Peking berichtet, daß die ruffifch- j a p a n i s ch e K o n f e r e n z, die sich seit Monaten hinschleppe, wegen der Frage Nord-Sachalins vollkommen zu scheitern drohe. Die Bedingungen, unter denen die Japaner bereit feien, die Insel zu räumen, seien für Moskau vollkommen unannehmbar. Da keine von beiden Seiten bereit fei nachzugeben, drohe, japanischen offiziösen Berichten zufolge, der Bruch der Verhandlungen.
Deutscher Reich.
• Der Reichspräsident empfing den neu ernannten türkischen außerordentlichen Gesandten bevollmächtigten Minister und Botschafter Kemalddin Samy Pascha zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens.
* Der Versassungsausschutz bes preußischen Land- tages hat mit den Stimmen ber Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und des Zentrums gegen, die Demokraten, Sozialdemokraten und die Korn- munisten den Gesetzentwurf angenommen, demzufolge die Beschlagnahme des Vermögens des vormaligen preußischen Königshauses soweit aufgehoben werden soll, als die Gegenstände dieses Vermögens durch rechtskräftiges Urteil oder durch die Anerkennung des preußischen Staatsministeriums als zum Sondervermögen des vormaligen Königs, des königlichen Hauses oder seiner Mitglieder festgestellt worden sind oder künftig fest» gestellt werden.
* Zur Bufwertnngsfrage. Der Unterausschuß des Aufwertungsausschusses des Reichstages hat den Antrag des Abgeordneten Hergt (D. NH angenommen, in welchem die Regierung um eine Aenßerung darüber gebeten wird, in wieweit die Gemeinden mit der Auswertungssteuer belegt werden können, um Mittel für die Aufwertung der Reichsanleihen zu beschaffen und inwieweit die Industrie frei« meilig ihre Obligationen über den Aufwertungssatz von 15 Prozent hinaus bisher zurück bezahlte.
Er stand lange und spähte, dann sagte er: „Es scheint so, als ob Weinstein brennt. Ärmer Leode- gar!" .
Städte, um sich zu einem Ganzen unter gemeinsamer Führung zusammenzuschließen. Man hatte den Stadthauptmann Bernhard von Godesberg zum Feldobersten gewählt einen Mann, dem man große Entschlußkraft zutraute
MMkMkilkttsSikeiAsses.
Dor wichkiger Entscheidung.
wtb Londo n, 8. vkk. (Tel.) Rach der „Times" wird das Unterhaus heute unter dem Eindruck der ernstesten Krise, die bisher den Bestand der Ar- Heiterregierung bedroht hat, wieder zusammen- lreken. „Daily Expreß" teilt von offizieller Seile mit, daß die Konservativen heute abend für den die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses fordernden liberalen Abänderungs- anlrag stimmen werden. Der Beschluß der Konservativen gründe sich aus die gestrige Erklärung des Ministerpräsidenten, der den liberale# Abände- rungsankrag als ein direktes Mißtrauensvotum anfehc. Das fei ein schwerer Schlag für Macdonsld. Er stehe einem Haufe gegenüber, das entschlossen fei, seinen Rücktritt zu erzwingen und einem Lande, das sich der Auflösung des Parlaments hart widersetzt.
Rach der „Daily Mail" wird sich das Schicksal der Regierung heute abend zwischen 11 und 12 llhr entscheiden. Die Anterhausdebatte werde von Robert hörne eröffnet, der den k o n s e r v a t i v e n Mißlrauensantrag einbringen werde. Die Möglichkeit, daß infolge der Haltung dieses Delegierten eine Vertagung des Hauses notwendig werde, werde keineswegs übersehen.
Die Steigerung der Getreidepreise.
In der lettzen Zeit hat sich eine ganz auffallende Erscheinung am Produktenmarkt herausgebildet, I die Roggenpreise, die eine 'zeitlang zweifellos ziemlich gedrückt lagen, sind nun über den Preisstand des Weizens hinausgegangen. Die Verhältnisse haben sich neuerdings so zugespitzt, daß der Getreidehandel dazu übergehen mußte, an anderen Märkten, insbesondere bei den Dividendenwerten Positionslösungen vorzunehmen, um Betriebsmittel zu erlangen. Diese börsentechnische Seite drückte sich dadurch aus, daß trotz einer Reihe wirtschaftlich anregender Momente die Effektenmärkte der Börse unter einem nicht unerheblichen Druck stehen.
Volkswirtschaftlich von ausschlaggebender Bedeutung ist aber die soziale Rückwirkung dieser Dinge. Schon ein Roggenpreis in der gegenwärtigen Höhe muß die ernstesten Bedenken für den Ernährungszustand weiter Schichten der Bevölkerung auslösen. Mit der Roggenpreissteigerung ist eine Verteuerung der Lebenshaltung eingetreten, die bereits in den verschiedensten Industriegebieten zu neuen Lohnforderungen geführt hat. Wenn auch in den letzten Tagen ein kleiner Stillstand an der Produktenbörse eingetreten ist, so ist doch nicht zu verkennen, daß auch die Preise in Ser jetzigen Höhe die ernstesten sozialen Gefahren mit sich bringen müßten. Auch politisch sind diese Dinge nicht ohne Belang, denn aus zollgeg - nerischen Kreisen wird bereits jetzt geltend gemacht, daß die Höhe der Roggenpreise den S chu tz z o l l in jeglicher Form unnötig machen.
Eine Folge der Roggenbausse ist auch das erhöhte Interesse, das sich den Roggenanleihen zuwendet. Tatsächlich haben diese Anleihen in den letzten Tagen nicht unerhebliche Kursbesserungen verzeichnen können, doch stehen diese in keinem Verhältnis zu den Preissteigerungen selber. Man übt doch an der Börse eine starkeZurückhalt un g, weil man die gegenwärtigen Roggenpreise für übersteigert hält und auch.das Risiko eines Rückschlages mit in Rechnung zu stellen hat.
FuldaerZeitung
_______________Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
Der Burgschreck.
Roman von Felix Neumann.
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Das Fackellicht von jenseits des Grabens warf seinen zuckenden Schein über ihr bleiches Antlitz, in dem die Augen voll Zorn und eiserner.Entschlossenheit leuchteten.
Sfe feuerte die Knechte an,, die neben ihr zwei Katapulte bedienten, die ihre todbringenden Geschosse den An- greffern entgegen schleuderten.
„Da — da kommen sie!" schrie der Frieder.
Anne Susanne taxierte unbemerkt hinter einem Turmvorsprung, wo sie vor Brandpfeilen und Bolzen gesichert war, aber sie konnte auch nur einen Teil des Angriffsfeldes übersehen.
Mit großen, schreckerfiillten Augen blickte sie immer wieder auf die Muhme, und so etwas wie heilige Bewunderung stieg in ihr auf.
Ach — ihr liebeempfängliches Herz grauste vor den Schrecken des Kampfes, obgleich sie von Furcht um ihr Leben nichts verspürte.
Nun riß Sabine die Armbrust an die Wange und gleich darauf klang die Sehne, die den Bolzen zischend zur Tiefe sandte.
Jubelnd schrie der Heinz auf.
„Den hat's! Den hatts!"
Wie m einem wüsten Traum zogen die Bilder an Anne Susanne vorüber.
Grauenhaft schwoll das Geschrei und der Lärm an.
Einer der Knechte rannte auf Sabinas Geheiß davon, llnb nun schien der Augenblick der Entscheidung zu nahen.
Schwankende Leiterspitzen tauchten über dem Mauer- kmnz auf und die Knechte stürzten sich darauf, um sie umzuwerfen.
Wie Hornissen summten und surrten Bolzen und Vvandpseile durch die Lust und zwei der Knechte waren bereits getroffen niedergesunken.
Sabina hatte die Armbrust fortgeworfen und entriß einem halbwüchsigen Knaben den Morgenstern. j