Zur Unterhaltung
Zuldaer Zeitung
Nr. 234 vom 7. 0kt. ,924. E
mf.
gebenst Leo Heller.
Sogar noch
heiße/
Unmöglich, das trägt'
Fartiflecken aus weiß. Wäsche Weinflecken’errWernt
881
farbige Stoffe entfärbt
kommen von 160 000 M emporgearbeitet.
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aber die Anlage doch so, daß auch und Naturwissenschaftler schon nahe Reise gekommen sein müssen, wenn nicht mehr Amegung sein soll.
— Die Diese und die Ochsen. Der Lyriker Leo Heller las einmal im Anzeiger folgende Anzeige: „Prima Mastochsen offeriert Leo Heller, Würstchen bei Brüx." Daraus richtete der Dichter an den Viehzüchter folgendes
es denn mit diesem Stoff?' ja jeder!"
lich verwischend. Da ward denn der Empfinndsamkeit und Schwärmerei kein Ende: typischer Geist des 18. Jahrhunderts! Der Mangel dramatischen Gewissens kümmerte sich nicht viel um die innerliche Zwecklosigkeit der Dichtung, die schablonenhaft immer wieder Staatsaktion und Liebelei zu einem Knäuel undurchdringlicher Verwicklungen knüpfte. Auch die Händel-Oper krankt an diesen Gebrechen ihrer Zeit. Ihre textlich-dramatische Umgestaltung wird daher zu einer unbedingten Notwendigkeit, um eine größere Anpaffung an unser Empfinden zu erreichen. Mit Geschick und Erfahrung besorgte Anton Rudolph, der als Bearbeiter Mozartscher Früh-Opern bereits eine glückliche Hand erwiesen, die Neufassung des „Tamerlan", indem er ihn von allem Ballast störender Verwirrungen und Ueberflüssigkeiten befreite und die Handlung auf eine klar und einheitlich geführte Linie zurückbog. Und wenn sie auch jetzt noch dürftig genug, im Eindruck eher dramatischen Situationsbildern vergleichbar, so läßt sie doch die Gesänge Händels zu einer unvergleichlich reineren Auswirkung und Entfaltung gelangen. Nun erst erweisen sie ihre volle Wucht und Größe, ihre ergreifende Eindringlichkeit, beseelt von höchstem dramatischen Leben, von ungeahnter Wahrheit und Innerlichkeit der Cmpfindungstiefe, von einer Sprache, wie sie eben nur das deutsche Gemüt zu reden versteht und sie über die brillant-virtuosen oder selbst leidenschaftlich feurigen Arien der Italiener weit hinaushebt. Ein so gewaltiger Wurf wie der Sterbeszene des greisen Vajazet ist der unleugbare Beweis eines gottbegnadeten Genies, das über die Enge und Vergänglichkeit seiner Zeit hinweg bleibende Werte schafft.
Händel schrieb seinen „Tamerlan" genau vor 200 Jahren (1724) nach einem Text von Nicola Haym; stofflich gehört er zu dem ausgedehnten Kreis der Türke n o p e r, die feit der Wende des 17. Jahrhunderts eine immer wachsende Beliebtheit genoß und ja auch in Mozart, P. Cornelius, Bizet und neueren Komponisten ihre Vertreter gefunden hat. Auch hinsichtlich der Jnstnr- mentation offenbart Händel eine erlesene Feinheit künstlerischer Gestaltung, aber die überraschende Gewalt und Gröhe, mit der er die verschiedenen seelischen Konflikte und Erschütterungen behandelt, war wohl der tiefste Grund für den außergewöhnlich starken und nachhaltigen Eindruck, den die von sichtbarer Liebe und Hingabe getragene Karlsruher Aufführung bei allen Anwesenden hinterließ und von neuem bestätigte, wie sehr die hohe Kunst Händelscher Opernsänge ob ihrer warmen, überzeugenden Lebenskraft eine Wiedergewinnung verdient.
Fritz, hättest du mich trotzdem lich?' lieber, Emma."
machen. Dabei ist werdende Techniker an die Grenze der ihnen das Museum
Geständnis. „Wenn du mich nicht geheiratet hattest,
Das kluge Hänschen. Hänschen: „Mutter, kann ich heute nicht einen anderen Namen bekommen?" — Mutter: „Ja, wie kommst du denn auf diesen Gedanken, Junge?" — Hänschen: „Ja, weißt du Mama, Papa hat gesagt, daß er mich verhauen würde, wenn er nach Hause komme, ganz gewiß, so gewiß, wie ich Hänsche»
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la. ehern, reine Verbandwatte — Irrigator« — Bidets — Inhalations-Apparate — Fieberthermometer — Kranken, u. Reise-Luftkissen — Wasserkissen — Elektr. Heizkissen.
letzten Mittel flüssig gemacht werden können zur Vollendung dieses einzig dastehenden De.-kmals deutschen Schöpfergeistes und deutschen Lebenswillen-.
Um ein Bild zu gewinnen von den Diefenaus- maßen des äußeren Aufbaues des Museums seien schon öfters genannte Zahlen in Erinnerung gebracht: Die gewonnene Ausstellungsfläche beträgt nicht weniger als 36 000 Quadratmeter. Zum Vergleich bedenke man, daß die recht umfangreichen Räume des Rationalmuseums nur 5000 Quadratmeter umfassen. Wer durch sämtliche Ausstellungsräume ohne Aufenthalt, also ohne etwas zu besichtigen, in rüstigem Touristen- schritt gehen will, braucht volle 3 Stunden; denn der Weg beträgt nicht weniger als 15 Kilometer. Trotzdem die gesamten Baustoffe kostenlos gestiftet wurden, mußten bis jetzt an Arbeitslöhnen und Verwaltungs- kosten 15 Millionen Goldmark aufgewendet werden.
Eine Schulgejchlchle. Ein Rohling hat einem Kalb den Schwanz abgeschnitten und die Lehrerin benutzt diesen Vorfall, um den Kindern die Verwerflichkeit 6er i Tierquälerei klar zu machen. Sie schärft ihnen ein, daß' der liebe Gott so etwas mit Unwillen sieht, und fragt, ob jemand weiß, was das Sprichwon und die Bibel darüber sagen. Klein-Paulinchen meldet sich: „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn cs führt wie du den' Schmerz." Klein-Elschen gibt zur Antwort: „Der Gerechte erbarmt sich auch des Viehes." Lottchen streckt besonders eifrig den Finger hoch: „Was Gott ve'bundey hat, das soll der Mensch nicht trennen."
Pas Museum der Technik.
tfaf der früheren Kohleninsel zwischen der Ludwigs- Md Wittelsbacherbrücke in München wird seit über 20 Jahren an den Riesendimensionen des Neubaues des Deutschen Museums gearbeitet und im Mai nächsten Jahres soll die feierliche Eröffnung dieses in der ganzen Welt einzigartigen Denkmals deuffchen For- «chungswillens auf sämtlichen Gebieten der Technik und kr Naturwissenschaften erfolgen.
Einzigartig ist das Unternehmen einmal deshalb, well es in der ganzen Welt kein anderes ähnliches Museum gibt, das alle Gebiete der Technik unb der Naturwissenschaften so erschöpfend zusammenfaßt wie dieses künftige deutsche Museum; einzig dastehend in der ganzen Wett auch durch die Art, wie es zustande kam. Alle deuffchen Stämme, Verufsschich- ten und Parteien haben im edlen Wettstreit zusammengearbeitet zum Gellngen des Werkes. Alles, was das deuffche Museum an sich hat im äußeren Aufbau, in der inneren Einrichtung, in den wertvollen Ausstellungsgegenständen, jedes Steinchen und Zemenfftäubchen, jede Glasscheibe, jedes Stück der elektrischen Anlage und der Heizung: alles, alles ist kostenlos beigesteuert worden. Und als in der bittersten Not der Inflationszeit alles zu stocken drohte, haben auch die Arbeiter eingegriffen und haben zu vielen Hunderten lange Zeit ihre freien Samstagnachmittage und Sonntage oeopfert, und unentgeltlich gemauert, gezimmert, gedreht und gebohrt, um so zu ihrem Teil über die Krise hinwegzuhelfen.
Der Zweck des Unternehmens ist in seinem Namen ausgedrückt: einen Ueberblick will es geben über den unendlich dornenvollen, aber auch ebenso erfolgreichen Entwicklungsgang auf allen Gebieten der Technik und der Naturnffffenfchaften, angefangen von den engen Stollen der finsteren Bergwerke bis hinauf zu den unendlichen Weiten des Lichtmeeres der Sternen» wett. Die dadurch von selbst gegebenen Riesenausmaße der Darstellung machen es natürlich unmöglich auf jebem Spezialgebiet eine so hohe Vollendung zu bieten, daß auch der gereifte Fachmann von seiner Spezialabteilung resüos befriedigt wäre. Richt den engeren Kreisen der erlesenen Fachwelt will das deuffche Museum dienstbar fein, sondern dem ganzen deutschen Volke. Das ganze deutsche Volk soll hier ein Bild bekommen von dem gewaltigen Wirken seiner großen Meister im Reiche des Raumes und der Zahl. Fast jedes deuffche Kind farm einem eine Unzahl von Namen deuffcher Heerführer, deuffcher Dichter, Musiker, Maler ufw. nennen, aber sonderbarerweife wissen gerade auf dem Gebiete der Technik und der Naturwiffenschaften, wo die deutsche Forschung sehr vielfach führend für die ganze Welt war, l
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seinen Konzerten. So war es ein nicht geringes Verdienst, das sich Oskar Hagen erwarb, als er vor wenigen Jahren mit der Wiederbelebung und Wiedereinführung der Händelfchen Oper wagemutig begann; ein verhei- | ßungsvoller Anfang, der — glücklicher als der Versuch I einer Hamburger Gesellschaft in den achtziger Jahren — । mit einem unerwarteten Erfolg feine Bemühungen I krönte. Dank feiner Hingabe scheinen die Göttinger I Händel-Festspiele als dauernde Einrichtung bereits ge- I sichert zu fein, ein Beweis für ihre Anziehungskraft, I für die Größe ihres Verehrer- und Freundeskreises. I Gewiß, eine Allgemeingettung im Sinne der Mozart- I Renaissance wird der neu belebten Händel-Oper kaum I beschieden fein, weil die breite Masse dieser Art drama- | tischer wie musikalischer Kunst keinen Geschmack abzu- I gewinnen vermag. Aber in bescheideneren Grenzen I darf man hoffen, daß sie Daseinsrecht und Eigenwert behauptet, denn jene, denn sich die hohen musikalischen Schönheiten, der Tiefgang seelischer Durchdringung und Wahrheit erschlaffen, werden sie nur ungern wieder verloren sehen. Es liegt in diesen Opern eine Schatzgrube von Kostbarkeiten verborgen, ein Reichtum an Gesängen, die zu dem Besten und Größten gehören, was Händel und seine Zeit geschaffen. Sie gilt es wieder fruchtbar I und der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Dieser außergewöhnliche Reichtum steht in engstem Zusammen- hang mit der Glanzentwicklung der Gesangskunst, die in jener Zeit zu einer Höhe gelangt war, wie sie vielleicht niemals wieder erreicht und in ihrem Verfall sicherlich mit der Hauptanlaß ward, warum das vokale Schaffen jener Epoche fo unverhältnismäßig schnell in Vergessenheit geriet.
Im Hinblick auf die Blüte vollendeter Gesangskunst mag es begreiflich erscheinen, daß sich die damals alles beherrschende italienische Oper zu einem Bündel fortgesetzter Arien auswuchs, sie der Eitelkeit und dem Ehrgeiz gefeierter Sänger und Sängerinnen unterlag, wobei naturgemäß der Dialog stets mehr an Durchbildung und Sorgfalt verlor. Zugunsten der lyrischen Breite der Gesangsformen suchte man sich der Handlung möglichst schnell zu entledigen und fertigte sie zumeist in ausdruckslosen, trockenen ((daher Secco-) Rezitationen ab, die das Publikum obendrein mit Plaudern und Schwätzen begleitete. Cs kam lediglich darauf an, eine Handlung zu erfinden, die mögttchft viel Gelegenheit zur Entladung von Gefühlen und Affekten bot, und wo sie sich nicht freiwillig gab, erzwang man sie sich mit Gewalt. Der geringste Vorwand wurde zum Anlaß eines Herzensergusses, zum Ausbruch einer Leidenschaft, den Fluß der Handlung ständig hemmend und unterbrechend, die Unterscheidung von Haupt- und Nebenaktion gänz-
Schwer zufriedenzustellen. „Wurden Sie vielleicht diesen Stoff wählen, die Farbe ist sehr kleidsam" — „Ach, Unsinn, das trägt ja kein Mensch'" — „Wie wäre
Aus dieser Zweckbestimmung des Unternehmens leitete die Verwaltung die Grundsätze für den Aufbau ab. In allen Abteilungen wird zum Ausgangspunkt der Beschauung die unterste Entwicklungsstufe genommen. Wir sehen das Bergwerk in feinem primitivsten Betrieb vor Hunderten von Jahren, wir sehen es auf feiner heutigen hohen Entwicklungsstufe; wir verfolgen das gewonnene Erz vom Bergwerk über die im Laufe der Jahrhunderte immer mehr vervollkommneten Schmelzanlagen in die Schmiede, in die Gießerei, in das Walzwerk usw. bis zum fertigen Werkzeug, bis zu dem Wunderwerke der Maschine und auch da wieder in den vielfachen Stufen der Vervollkommnung. Dieser geschichtlich entwicklungsfähige Aufbau des Museums gibt auch dem Laien ein geschlossenes Bild der Entwicklung lauf den verschiedensten Gebieten und es gibt kein Gebiet der Technik und der Naturwissenschaften, das im deutschen Museum nicht vertreten wäre.
Das Riesenwerk geht seiner Vollendung entgegen. Eine Reche großer Abteilungen ist so gut wie fertig, andere sind soweit gefördert, daß b.e bis zur Eröffnung noch zur Verfügung stehende Zeit wohl ausreichen wird, um auch da der Vollendung wenigstens nahezukommen. Voraussetzung tft allerdings, daß es gelingt, die noch benötigten 3- dis 400 000 Goldmark aufzubringen. Nachdem aber über 20 Jahre der Opfersinn aller deutschen Länder und aller deutschen Stämme und Berufsschichten nicht erlahmte, darf wohl erwartet werden, daß trotz der allgemeinen Not auch noch die
Dann blies er noch das im Norden fo wohlbekannte „Heimatlied", in das mir, der fernen Angehörigen gedenkend, leise einstimmten:
„Wenn uns das Schicksal von dem Heimatstmnd
Treibt grausam fort, ins fremde Land;
Wie wird das Abschiednehmen oftmals schwer, Wenn fort wir ziehen über’3 weite Meer!
Die Mutter, die am Hals uns weinend hängt,
Zum letzten Mal ihr Kind umpfängt;
Der Vater segnet es beim Auseinandergeh'n!
Und sagt: Wer weiß, ob wir uns wiederseh'n?"
Schön ist es, überall, doch glaubt mir auf mein Wort:
Nur unsere Heimat fft der schönste Ort!"
Wir verlebten noch einige schöne Tage mit der Mannschaft der „Edith" und hörten noch manches Lied des aufgeweckten kleinen Seefahrers.
Als wir bann neue Ladung an Bord hatten, mußte geschieden fein; und nach herzlichen Abschiedsgrüßen und in der Hoffnung auf ein frohes Wiedersehen in der Heimat dampften wir den La Plata hinunter, während sich die „Edith" ebenfalls zum Auslaufen rüstete.
Kurz nach unserer Abfahrt traf uns ein kleines Mißgeschick, das aber, wie wir später erfahren sollten, von größter SebeuUmg für uns war.
Dicht vor Buenos-Aires nämlich befindet sich im ifluffe eine ungefährliche Sandbarre, die uns nicht bekannt war.
Da das Wasser einen tiefen Stand zeigte, liefen wir auf und saßen fest. Alles Arbeiten unserer Maschine nützte nichts; es galt zu warten, bis der Fluß wieder steigen würde. Wir fügten uns in Geduld, denn unser unfreiwilliger Aufenthalt konnte nur einige Stunden dauern.
Nach kurzer Zeit erscholl ein lauter Ruf des Ausgucksmannes.
Wir eilten an die Reling und sahen die „Edith" mit nollen Segeln herankommen und an uns vorüberfahren. Die Mannschaft nickte uns zu und rief ermunternde «Borte herüber, denn sie wußte ohne Zweifel, daß unser eines Unglück nur harmloser Natur war.
Hoch in den Drahtseilen des Großmastes aber, sich Juttas festklammernd, hing unser kleiner Freund, der Schiffsjunge, und winkte uns mxb ein letztes Lebewohl zu. —
Schreiben: „Sehr geehrter Herr Namensvetter, Ihr Inserat besagt, daß Sie Mastochsen zu verkaufen haben. Da demnächst im Verlage von Dr. H. Erben in Saaz mein neues Gedichtbuch „Die Wiese" erscheint und da sich Mastochsen und Wiese gut vertragen, so wäre ich Ihnen verbunden, wenn Sie bei dem genannten Verlag für sich oder Ihre Mastochsen ein Exemplar meines Buches bestellen würden. Hochachtungsvoll Leo Heller." Daraus lief nach kurzer Zeit folgende Antwort ein: „Sehr geehrter Herr Namensvetter, Sie sind mir kein Fremder mehr. Einige Gedichte von Ihnen habe ich gelesen. Einen anderen Namensvetter, der zugleich Dichter ist, wird's wohl nicht geben. Meine Mastochsen habe ich leider immer noch. Sie sind heutzutage schwer unterzubringen, obwohl sie sehr fett sind. Jedenfalls wünsche ich Ihnen, daß Ihre Gedichte besseren Absatz finden als meine Ochsen. Ihren Gedichtband „Die Wiese" habe ich bei Dr. H. Erben in Saaz bestellt. Ms Gegendienst erwarte ich von Ihnen, daß Sie mir die Ochsen abkaufen. Hochachtungsvoll begrüße ich Sie er»
Sechs Stunden später gelang es uns, freizukommen und unsere Reise nach Rotterdam fortzufetzen.
Zwei Tage hindurch dampften mir bet schönstem Wetter dahin. Dann fiel plötzlich das Barometer und der Himmel bedeckte sich mit tiefhängen den, rostgelben Wetterwolken. Es wurde Nacht, Regnfchcmer stürzten nieder; Blitze umzuckten uns, und ein heftiger, ungewöhnlich ßal» ter Südweststurm tobte über uns dahin.
Wer ebenso rasch, wie es gekommen, war das Wetter vorübergebraust. Wir hatten keinen Schaden gelitten; aber unser Verdeck war zollhoch mit einer Art kleiner, rötlicher SckMetterlinge bedeckt, die der Sturm mit sich geführt hatte.
Der Kapitän erklärte, daß ein Pampero uns gestreift hätte, em Ausläufer des gewaltigen Südwefffturmes, der aus den Kordilleren mederbricht, meilenweit auf das Meer hinausfegt und schon manches Unglück angerichtet hat. —
Als wir in Rotterdam eingertroffen waren, ging ich mit einem Kameraden an Lcmd.
Der Kamerad kaufte eine holländische Zeitung, sah hinein und stteß einen Ruf des Entsetzens aus. „Her/ Gott — die „Edith"! murmelte er ganz fassungslos.
„Die „Edith"? Was fft mit ihr?"
„Sie hat Schiffbruch gelitten!"
„Schiffbruch —?"
„Df)nc Zweifel. An der brasilianischen Küste sind Trümmer eines Bootes und em Rettungsring mit dem Namen „Edith", Hornburg, angetrieben!"
meist nur die verhältnismäßig Wenigen einigermaßen Bescheid, denen es gegönnt mar, eine höhere Lehranstalt zu besuchen. Zweck des Museums soll daher sein, diese für die Entwicklung unseres Volkes mindestens ebenso wichtigen Arbeiten und ihre geniale Schöpfungen zum Gemeingut des Volkes zu
Mittel gegen unangenehme Gäste. „Ach, möchten Sie uns vielleicht noch etwas fingen?" — „Jetzt, wo fast alle Gäste schon fort sind?" — „Es sind noch einige? da. die so aussehen, als ob sie noch lange sitzen bleiben wollen."
wo stolz die Wimpel flattern!
Bilder aus Hamburgs Hafenleben.
Von Hermann Weber.
IV.
Und Kinder sieht man dort in herzerquickend großer Anzahl; man sollte fast meinen, daß sich alle ächt- und luftbebürftigem jungen Menschenkinder Hcnnlmrgs hier an Stelldichein gegeben hätten. Sie graben im Sande und bauen Häuschen mit spitzen Dächern oder gewaltige Rcmbritterburgen mit wassergefülften, breiten Festungsgräben. Andere haschen sich, graben sich im Sande ein tober platschen mit den nackten Füßchen im Elbwasser umher. ।
Mancher Familienvater kennt kein größeres Vergnügen, als feinen freien Tag mit Frau und Kind am Strande zu verbringen. Dann nimmt man Vorräte mit für den ganzen Tag, auch Spielsachen für die Kinder, fin Buch für den Vater und eine Handarbeit für die Nutter. <
Je nach Größe der Familie gräbt man eine mulden- ertige Vertiefung in den Sand. Wer eine Wolldecke hat, breitet sie darin aus; doch geht es auch ohne Decke, denn der Sand fft so rein, daß er keine Flecken hinterläßt. —
Die Elbe zieht ftiedlich dahin. Die Kinder spielen j und über allem wölbt sich der blaue Himmel. So mar es schon vor Jahren, so ist es heute, und so wird es auch wohl in Zukunft sein. Ueberall ein stilles Kommen, ein Aufblühen und Werden, und dann ein langsames Ver- Kkhen. Die Natur wird sich stets erneuern, nur andere. I Menschen werden sein. — ,
Auch ich ruhte eines Tages mit einem jungen Kapitän I dort im Sande. > I
Aufmerksam beobachtete der Freund die ipielenben I «ötber, zumal die lebhafteren Knaben. „Wenn ich diese Munteren Jungen betrachte, von denen mancher später I Cchiffsunge wird", sagte er sinnend, „dann denke ich stets an ein schwermütiges kleines Abenteuer zurück, worin ein solcher Knabe eine besondere Rolle spielte." I
„Erzählen Sse!" bat ich.
Und er begann:
„(Es war auf einer Südamerikareise. Wir waren mit I Jlen von Cardiff gekommen, hatten unsere Ladung in •
I Ensenada gelöscht und waren bann weiter nach Colo- I fteme, an der La-Plata-Mündung gefahren.
Als wir vor Coloftene an legten, waren wir sehr ent- I täuscht, denn die Ortschaft bestand nur aus wenigen Hou- I fern, die auf dem rechten hohen Flußufer lagen. Die I Hitze plagte uns sehr; noch mehr aber belästigten uns die I abertausende Moskitos, die blutdürstig über uns her- I fielen.
| Angenehm überrascht waren wir darum eines Tages, I als ein Segelschiff mit luftig wehender deutscher Flagge I den Fluß hinaufkcun und dicht neben uns anlegte.
| Das Segelschiff war fcfte Hamburger Dreimastbark | „Edith", ein prächtiges, neu angeftrichsnes Schiff mit I schlanken Masten und schneeweißen Leimvandsegeln, das I sehr votteilhast von unserem bestaubten Kohlendampfer I abstach.
Als es dann Abend geworden war und wir es uns I auf dem Verdeck bequem machen wollten, schallten plötzlich kutte Trompetentöne' von der „Edith" herüber. Lebhaft fprangen wir auf und hörten nun des Trompeters von Säckingen: „Behüt dich Gott, es wär' so schön gewesen! Behüt dich Gott, es hat nicht sollen sein!" klar und fehlerfrei durch die Abendluft schallen.
I Wir traten an die Reling und sahen neugierig nach bem Segler hinüber. Als man uns drüben bemerfte, rief man uns zu, ein wenig an Bord der „Edith" zu kommen.
Diese Einladung hier im fremden ßainibe war uns sehr willkommen. Wir kletterten also an Bord des Segelschiffes und saßen bald mit den Landsleuten zusammen.
Der kunstgewandte Trompetenbläfer entpuppte sich zu unferm Erstaunen als ein blondhaariger kleiner Schiffs- junge, der seine erste Reise machte, sich aber schon die Zuneigung der älteren Leute voll erworben hatte.
Der Kleine war diensteifrig und lernbegierig; dazu blies er die Trompete, daß es eine Freude war. So gab er auch jetzt, als wir zusammensaßen, eine ganze Reihe seiner Melodien zum besten. Dann ließen wir ihn an unferm Gespräch teilnehmen, und er erzählte uns mit glänzenden Augen, daß er immerzu lernen wolle, bis er Kapitän geworden sei.
Wenn er dann fein Ziel erreicht habe wolle er einen großen Personendc-mpfer führen, in alle Weltteile hin- ausfahreu und solch gefährliche Abenteuer erleben, fo daß seine Freunde daheim sich dagegen verstecken müßien. ,
Von der „Edith" hat man nichts wieder gehört.
Der Pampero, der wilde Gesell, wird ihre Masten geknickt, ihren schlanken Leib zerbrochen haben.
Ihre Segel sind niedergesunken. Kein Trompetentor» wird mehr über ihren Schiffsbord hinausschallen.
Arme Mannschaft! Armer Knabe!
All ihr Sehnen nach Heimat und Vaterhaus war oer- gebens gewesen!"---
Der junge Freund schwieg und blickte vor sich nieder. Die Sonne sank. In immer stärkeren Stößen rollte die Flut ans Land. Wir bmchen auf.
Als ich mich von dem jungen Manne verabschiedete hatte er feine trübe Stimmung überwunden
»Morgen gehe ich wieder an Bord, und das fft aut" erklärte er - Da Leben an Land sagt mir nicht zu. Rich- ttg wohl fuhrt ich mich nur, wenn ich rund umher das weite, blaue Meer sehe!"
heiteres.
Ein Wunsch. Große Familienfeier bei Raffles; 50. Geburtstag des Vaters. Sein Stuhl, auf dem er an der Tafel thront, ist ringsum von elektrischen Birnen umstrahlt. Ein Freund des Hauses häft eine lange Rede mit dem Schluß: „Und ich wünsche von ganzem Herzen, daß auch deine Kinder einst im elektrischen Stuhl sitzen mögen!"
Hus aller wett.
— (Ein Reicher über das Reichsein. Der amerikanische Milliardär Andreas Carnegie schreibt in seinem Buch „Des Kaufmanns Herrschgewalt" folgendes: „Man pflegt heutzutage die Armut als ein liebel anzusehen und bemitleidet den jungen Mann, der nicht mit einem silbernen Löffel im Munde geboren fft. Ich aber unterschreibe von ganzem Herzen den Ausspruch des Präsidenten Garfield, daß das reichste Erbteil, das man einem jungen Mann von Haus aus mitgeben kann, die Armut ist. Ich mache mich keiner Torheit schuldig, wenn ich behaupte, gerade der armen Klaffe entstammen die großen und guten Menschen. Nicht die Söhne der Millionäre und des Adels gaben der Welt ihre Lehrer, ihre Märtyrer, ihre Erfinder, ihre Staatsmänner und selbst ihre großen Geschäftsleute. Kaum einer trägt einen unsterblichen Namen, der nicht genährt und unterrichtet wäre in der die Kräfte anspornenden Schule der Arbeit. Nichts ist so entnervend, so schädlich in feinen Einwirkungen auf Geist und Herz als ererbter Reichtum. Für jeden jungen Mann, der nicht dazu gezwungen ist, fein Brot selbst zu verdienen, fühle ich nur ein tiefes Mitleid. Nicht den armen jungen Mann, der von morgens früh bis abends spät arbeitet, müssen wir bemitleiden, sondern den Sohn des reichen Mannes, der nichts zu tun hat. Von allen Seiten ertönt der Ruf: Schafft die Armut aus der Welt. Glücklicherweise ist das unmöglich; wir werden immer Arme unter uns haben. Was wäre der Welt Los, wenn sie von den Reichen allein abhängig wäre? Alles Gute und alles Große würde aufhören, und die menschliche Gesellschaft würde in die Barbarei zurückfallen." Bekanntlich hat Carnegie als armer Junge mit drei Mark Wochenlohn in einer Baumwollfabrik begonnen und sich bann zu einem Tagssein-
handel als Gpernkompomst.
Eine neuer Beifrag
zur Wiederbelebung seiner Opern.
Von Joseph M. H. L osse n- F r ey t a g - Darmstadt.
Aus Anlaß der Karlsruher Herbstwoche fand in den badischen Laittestheater 'uu -r Pertrng Robert Volkners und Gortoli.vs, die erfolgreiche ttranfführuna der tragischen Oper „Tamerlan" von Georg Friedrich fiänbel statt, und zwar in der musikalischen Einrichtung Hermann Roths.
Cs ist noch nicht lange her, daß wohl die wenigsten von Händel als Opernkomponist eine Ahnung trugen; man kannte und verehrte ihn als Schöpfer mächtiger Chorwerke (Oratorien) oder als Meister der Instrumentalmusik (Concerti grossi), aber als Tondichter der Oper ward er durch die Vernachlässigung der Zeiten fast gänzlich vergeffen. Und doch galt dem Theater eine, wenn nicht gar b i e Hauptkraft seines Lebens, auch hier schaltet und waltet das Genie, er ist ein Eigener und Stärker, anders in den Oratorien und anders als in