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§uldaer Zeitung
Zur Unterhaltung.
M eeeweeBeweeeeeee»eewe»eeeeeBeeee Vas „finstere Mittelalter". - Wer kennt nicht jenen Zeitgenoffen, den man heute Überall, in Stadt und Land, immer wieder zu Gesicht bekommt: in den mannigfachsten Berufen hat er sich -ersucht, nirgends hat er etwas rechtes geleistet, überall ,ber hat er Krakehl gemacht, das große Wort geführt, sch als überlegener „Politiker", als verblüffender „So- djchreformer", als gewiegter Sportsmann aufgespielt VÜ> die meisten Zigaretten geraucht. Der Kreis der Zuhörer, den ihm Kontor oder Stammtisch für seine überlegenen Betrachtungen darbot, ist ihm zu eng: in „Ein- zesandts" und, wenn er Glück hat, auch in Beiträgen an Zeitungen, die seiner Neigung entgegenkommen, tobt er sich aus. Seine besondere Vorliebe ist es, sich als vorurteilsloser Freigeist aufzuspielen. O, wie imponiert -as den Leuten, die er um sich zu sehen pflegt, den Spießern, die mit Stolz die abgelegten Geistes-Moden der Großstadt im Kleinstadtidyll „auftragen". Wie der Mond auf den Hund, so stolz schaut er herab auf front» men Glauben und alle diejenigen, die ein kirchentreues geben führen; sie find ihm rückständige Dummköpfe. Bücher und Zeitungen, die auf religiösem Boden stehen, sind für ihn „Käseblättchen", denen er mit mitleidigem Lächeln die Türe weist; diese Tür ist nur offen für die journalistische Gemischtwarenhandlung der Stinnes- und Generalanzeigerpresse. Das ist „Kultur" — alles andere ljt ihm — finsteres Mittelalter.
Wer solchen „Helden" gegenüber den richtigen Standpunkt gewinnen will, greife zu einem Buche, das kürzlich im Vier Quellen-Verlag in Leipzig erschienen ist, „Die Wahrheit über das Mittelalter" von Dr. Hans R o st.
„Das finstere Mittelalter war lange Zeit ein welt- ^chichüiches Schlagwort. Die Wahrheit über das Mittelalter hat sich langsam durchgesetzt. Nur der Un- Mende kann sich heute noch diese Phrase aneignen." ko schreibt der Autor, der bekannte Augsburger Schriftsteller und bezeichnete es als eine kleine Ironie der Weltgeschichte, daß diese Wiederentdeckung und Ehrenrettung jdes Mittelalters nicht zuletzt von nicht katholischen Gelehrten besorgt worden ist. „Von der vielgeschmähten Scholastik bis zu den Naturwissenschaften findet man in protestantischen Werken prächtige, der Wahrheit die Ehre gebende und gar nicht selten überschwengliche Anschauungen. Wir haben unsere Suche nach Urteilen über das Mittelalter auf möglichst alle Wissenszweige, ausgedehnt. Auf diese Weise entstand eine Art Lese- huch über das Mittelalter, das uns von protestantischen Gelehrten Bilder vor die Augen führt, die vereinzelt zum Teil bekannt sind, die in ihrer Zusammenfassung aber ein Gesamtgemälde des Mittelalters ergeben, das an Eigenart und Beweiskraft eine selten gebotene Aufklärung über das Mittelalter darstellt." Besondere Kapitel unterbreiten das Material: Mittelalter und Kunst; Mittelalter, Sprache und Dichtung; Mittelalter, Bibel und Predigt; Mittelalter und Mystik; Mittelalter und Naturwissenschaften; Mittelalter und Naturgefühl; Mittelalter und Nationalökonomie; Die Scholastik und Thomas von Aquin; Mittelalter und Klosterkultur; Freude und geselliges Leben im Mittelalter; Der Idealismus des Mfitelalters.
„Man schildert und denkt sich das Mittelalter ost wie eine Lücke in der Geschichte des menschlichen Geistes, wie e i n en leeren Raum zwischen der Bildung des Altertums und der Aufklärung der neueren Zeiten. Man Mt Kunst und Wissenschaft auf der einen Seite völlig stmtergchen, um sie dann nach einer langen, tausend- Mrigen Nacht desto herrlicher mit einem Male wie aus nichts emporsteigen zu lasten." (Friedrich Schlegel, J812, Geschichte der alten und neuen Literatur.) „Selbstverständlich war den Aufklärern das Mittelalter, von dem sie wenig wußten, ein Greuel: es war der tiefe, düstere Abgrund, in welchem sich die Kultur des klassischen Altertums bei ihrem Sturze begraben hatte, und aus welchem die Menfchhefi nur mühsam wieder junt Lichte emporkam. «Mittelalterlich» und «albern, unwissend, beschränkt», das find für den Sprachgebrauch Der Aufklärung identische Worte: wenngleich irgend eine Torheit ganz jung und neu war, sie wurde als j«mittelalterlich» abgestempelt und in der Raritätenkammer des Aberwitzes im «Mittelalter» aufbewahrt . . . (Anton Schönbach, Walter von der Vogelweide. 1890.)
Der Umfchwung in der Beurteilung des Mittelalters trat ein, als man durch wissenschaftliche Forschungen kennen lernte, was man bisher verworfen hatte. Jacob Grimm war ein Pionier der Wahrheit. „Mir widersteht die hoffärttge Ansicht, das Leben ganzer Jahrhunderte sei durchdrungen gewesen von dumpfer, un- erfrenenber Barbarei; schon der liebreichen Güte Gottes wäre dies entgegen, der allen Zeiten seine Sonne leuchten Netz und den Menschen, wie er sie ausgerüstet hatte mit Gaben des Leibes und der Seele, Bewußtsein einer
wo stolz die Wimpel flattern!
BWer ans Hamburgs Hafenleben.
Bon Hermann Weber.
II.
Wir traten in das Schenkzimmer zurück. Der Stprm draußen schien an Stärke noch zuzunchmen und fuhr heulend um das Haus.
„Es war auch zur Herbstzeit, als wir mit unserm Vollschiss auf den Neufundlandbänken lagen und des dichten Nebels wegen nur langsam Fahrt machten", begann der gesprächige Alte. „So um die fünfte Morgenstunde hatte ich meinen Dienst am Ruder angetreten.
Tiefe Stille herrschte ringsum. Nur hin und wieder ertönte die Sirene eines vorbeifahrenden Dampfers, der sich gleich uns durch den Nebel tastete. Einsam stand ich auf meinem Posten. Die Seitenlaternen warfen halbverwischte rote und grüne Streifen auf das nafle Verdeck; trübe beleuchtete die Kompaßlaterne den Stern der Windrose und zeigte das unruhige Zittern der Nadel in ihrem Gehäuse.
Ser~Wachthabende trat neben mich. „Auf der Back tiles wohl?" fragte er.
„Laterne brennt!" antwortete ich dem Freunde und Vorgesetzten und fügte hinzu: „Aber kalt wird's, Stüer- mann, verflixt kalt! Hast Du das schon bemerkt?"
„Und ob!" nickte der zustimmend und rieb sich die Hände. „Es liegt auch was in der Luft; das Barometer fällt beinahe sprungweise."
„Was könnte denn kommen? Ein Unwetter?"
„Schon möglich!" sagte er. „In dieser vertrackten Gegend ist ja immer etwas los; Nebel und Sturm lösen sich gewöhnlich ab. Halt nur die Augen gut auf!"
Die Voraussage des Steuermannes erfüllte sich bald. Line halbe. Stunde später lies der Wind nach Westen um und wuchs zur pfeifenden Brise an. Zwar sang sie in den Wanten ein wildes Lied, aber sie hauchte auch kräftig in die starre Nebelwand hinein und lichtete sie ein wenig.
Dann aber kam es von oben: erst langsam in winzigen Flöckchen, dann stärker und stärker in dicken Flocken: Schnee!
lastiia siiBBitaia «•■■■■•■ •■•■■■■» b • ■ i höheren Lenkung eingoß; in alle, auch die verschriensten Weltalter, wird ein Segen von Glück und Heil gefallen fein, der edelgearteten Völkern ihre Sitte und ihr Recht bewahrte. Man braucht nur die milde und tüchtige Gesinnung unseres höheren Altertums in der Reinheit und Kraft der V o l k s g e f e tz e, oder die an- geftaunte Tätigkeit des 13. Jahrhunderts in feinen sprachgewaltigen, beseelten Dichtungen zu empfinden, um für Sage und Mythe, die in ihnen noch Wurzel geschlagen hatten, recht gestimmt zu sein."
Wenn man auch heute noch in der breiten Oeffent- lichkeit von „mittelalterlichen Zuständen" reden hört, womit einem Zustand der Verkommenheit und Rückständigkeit Ausdruck verliehen werden soll, so ist das jetzt mehr eine Überkommene Phrase, die gedankenlos und gewohnheitsmäßig in den Mund genommen wird. Die Tatsache steht fest: Vor dem Urteilsspruch der Geschichtsforschung hat sich die Finsternis des Mittelalters in helles Morgenlicht verwandelt. Nur Halbgebildete und Unwissende, denen die Gedankenwelt des Mittelalters fern liegt, denen der Charakter des Mittelalters als eine katholische K-ckturepoche ein Unbehagen einflößt, können im Mittelalter noch immer jene Periode erblicken, die lange Zeit in einen dichten Schleier der Verleumdung und Geringschätzung eingehüllt war. (Rost a. a. O. Seite 16.)
Interessant ist weiterhin ein Zitat aus Albert Kalthoff, Nachgelassene Predigten über das Zeitalter der Re- sormation (Jena 1917), worin es heißt: Wenn wir (Protestanten) von Mönchen hören, so sehen wir sofort die Bilder vor uns, die wir aus den Karikaturen des 16. Jahrhunderts oder gar aus den Schilderungen unserer Kirchenblätter entnommen haben. Wir malen uns die Klöster aus, bevölkert mit jenen Gestalten, denen Müßiggang aller Laster Anfang geworden ist, deren Unwissenheit und geistige Beschränktheit nur noch Überboten werden möchten durch die Lüsternheit ihrer Sinne und die Gewohnheiten ihrer schwelgerischen Ueppigkeit. Aber wie wenig trifft diese summarische Behandlung die kulturgeschichtliche Bedeutung der Mönchsorden, die in der Form der klösterlichen Arbeitsgenossenschaft dem ganzen Mittelalter hn großen Stil die Antriebe zu intensiver wirtschaftlicher Tätigkeit und die Vorbilder aller mittelalterlichen Berufsbildungen gegeben haben! Wie wenig werden wir mit dieser Beurteilung erst dem Geiste jener Großen im Leben der mittelalterlichen Kirche gerecht, die gerade als Stifter christlicher Mönchsorden die ganze Kraft christlicher Frömmigkeit zur Entfaltung gebracht haben. Auch diese Mönchsorden, deren Aufhebung und Beseitigung als ein besonderes Verdienst des Reformationszeitalters betrachtet wird, haben unserer Zeit Aufgaben hinterlassen, mit denen wir noch lange nicht fertig sind, deren Verständnis uns wieder tiefer hineinführt in den Geist des Mittelalters zur Zeit seiner höchsten Blüte, zur Zeit des 13. Jahrhundert."
Bemerkenswert ist vor allem auch ein Zitat aus der Weltgeschichte des Historikers Leopold v. Ranke: „Eine große Periode im Leben des menschlichen Geschlechts, vom Ausgang des 5. bis zu dem des 15. Jahrhunderts, sind wir gewohnt, mtt dem Namen Mittelalter zu bezeichnen. Die Vorstellung einer tausendjährigen Unterbrechung der allgemeinen Kultur, die man ehedem mit dieser Benennung verband, hat, aus humanistischen Anschauungen entsprungen, auf literargeschichtlichem Gebiet einen Schein von Berechtigung: für die universalgeschichtliche Betrachtung kommt ihr keinerlei Wahrheit zu . . . Das ist das Geheimnis der Geschichte, daß nicht jedes Zeitalter zu allem fähig ist; das Leben des Menschengeschlechts setzt sich aus allen Epochen zusammen, in keiner einzigen tritt es ganz hervor. Nicht sich selber vermochte daher unser Jahrhundert in der Erkenntnis des Mittlalters wiederzufinden; wohl aber entdeckte es dort mehr als eine der besten Wurzeln feiner eigenen Natur: wir sind inne geworden, daß sich die moderne Welt nicht verstehen läßt ohne die Erforschung jener Zeiten ... Die tausendjährige Epoche, die wir Mittelalter nennen, besitzt unerschöpflichen, unioersalhisto- rtsck><!» Gehalt."
Und wie Ranke, der Altmeister der modernen Geschichtsschreibung, so reiht sich auch einer der bekanntesten lebenden Historiker, Dr. Dietrich Schäfer, in die Reihe der Verteidiger des Mittelalters ein, wenn er schreibt: „Wenn es irgend eine Zeit gegeben hat, in der die Ein z elp e r sönl ich k e i t entwickelt war, so war es bas Mittelalter . . . Nur bem oberflächlichen Blick, ber Zeit unb Ort nicht scheidet, erscheinen Ritter unb Mönch, Bürger und Bauer, Kaufmann unb Zunftgenosse bes Mittelalters als feste, unveränderliche Typen. Wer näher hinsteht, erkennt alsbald die unendliche Mannigfaltigkeit der Hergänge und Verhältnisse und die Fülle starker Persönlichkeiten, die ihre Umgebung zu formen vermochte . . . Erst das Zeitalter der Auf-
Aber das war kein Schneefall, wie man ihn am Lande kennt, keim fünftes Niederriefeln der weißen Masten; — bas war ein unaufhörliches Durcheinanderwirbeln gewichtiger, handgroßer Schneestücke, ein Nie- derstürzen kompakter Flockenmassen, die sich in wenigen Minuten saft mannshoch auf das Verdeck häuften und Schiff unb Menschen zu begraben drohten.
Der Kapitän wetterte, daß es eine Art hatte, unib ließ die Feuerwache an Deck rufen.
Zum Glück dauerte der Riesenschneesall kaum eine Viertelstunde. Dann wurde die Aussicht freier — auch ber Rebel war verschwunden — unb im Osten graute der Tag.
Sämtliche Leute mürben an Deck gepfiffen. Mit Mähe wurden die gewaltigen Schneemasten beseitigt. Inzwischen war es aber so kalt geworden, daß mir die Hände steif wurden am Ruder. Ohne Zweifel hatte diese Kälte eine besondere Bedeutung.
Auch der Schiffsführer schien unruhig zu werden unb ein neues liebel zu befürchten.
„Laßt zwei Mann auf der Bäck Ausschau halten und meßt die Wasseriemperatur, Steuermann," hörte ich ihn rufen. „Es wird immer kälter, und in dieser Gegend ist alles möglich; vielleicht treibt sich hier schon Eis umher!"
„Vier Grad über Null!" meldete der Steuermann nach einigen Minuten.
„Ich hab's mir gedacht!" brummte der Alte aufgeregt. „Wir sind im Golffirom und es ist Eis unterwegs! Herunter mit den Segeln, schnell, schnell!"
Hastig sprangen die Leute an ihre Plätze.
So rasch wie möglich wurden die Segel geborgen; aber in das Keuchen der Mannschaft unb das Rauschen ber Leinwand gellten schon die Stimmen ber Ausgucks- leute:
„Eisberg dicht voraus!" schallte es vom Vorderdeck her mit dem Ausdruck des größten Entsetzens.
Da kam es auch schon auf uns zugegiitten, wie ein Schreckgespenst aus sehend in der fahlen Morgendämmerung: eine gigantische, weißschirnmernbe Eismasse von riesiger Höhe und Breite, ein formloser, kantiger Koloß, dessen gemaltiges Gefüge in der Höhe unserer Mastspitzen tief ausgehöhlt war, so daß seine obere Hälfte drohend wett vornüberhing, als sei iie bereit, bei der geringsten Erschütterung zermalmsnd niederzustürzen.
flärung, bas vom Mittelalter nur noch bie ihres Inhalts beraubten Formen kannte, und selbst nicht zur Entfaltung gelangen konnte, ohne biefe zertrümmert unb hinweggeräumt zu haben, hat ber meine aetas ben mit- leren Jahrhunberten, bie vom Licht klassischer Bildung nicht umstrahlt schienen, wie den Namen, so den Charakter des Starren, RüSstänbigen, Verknöcherten beigelegt unb dem heute noch kursfähigen Schlagworte «mittelalterliche Zuftänbe» bie Enfftehung gegeben. Wollte man das Wort in gerade entgegenges etztem Sinne kräftigen Wachsens unb Werbens, nie ermübenber, schaffensfroher Tätigkeit verstehen, man würbe ber Wahrheit sehr viel näher kommen. Denn wenn es irgenb eine Zeit gegeben hat, bie reich war an N e u- bilbungen auf fast allen Gebieten, so war es das Mittelalter." (Weltgeschichte ber Neuzeit, Berlin 1917.)
Aehnliche Zeugnisse reihen sich in dem anregenben Buche Dr. Rosts in großer Fülle aneinanber. Männer der verschiedensten Prägung treten ein für bas von ber Ignoranz geschmähte Mittelalter: ber Pädagoge Fried- rich Paulsen unb ber Philosoph Hermann Lotze, ber protestantische Geschichtsschreiber Georg Weber und ber alt- katholische Schriftsteller Carl Jentsch, ber Patriot Ernst Moritz Arndt und ber versonnene Dichter Novalis. Finsteres Mittelalter! — Wahrhaftig nicht! Das Mittel- alter war, wie Rost sagt, eine Zeit hoher geistiger Kul- für. An seinem Erbe werben noch unzählige Generatio- nen zehren. $r-
HMlkSmfiM in Siilltitl 150 000 Schwärme. — Fliegende und wandernde Heuschrecken. — Lin Lisenbahnzug in einem Heuschreckenschwarm entgleist. — Bekämpfung der
Plage.
Seit einem halben Jahre wird Südafrika von einer furchtbaren Heuschreckenplage heimgesucht. Wolken- tzksich erscheinen die Schwärme am Himmel, und wo |k sich niederlassen, da bleibt kein Blatt, kein Halm übrig. Wie ber sübafrikanische „Star" nach englischen Berichten meldet, sind bisher nicht weniger als 150 000 Schwärme gezählt worden, die in vielen Kilometern Breite über das Land ziehen. „Mit bem Norbwestwinbe," so berichtet ber „Star" aus Transvaal, „erschien ein ungeheurer Heuschreckenschwarm. Er hatte eine Breite von 20 Kilometern unb ist volle vier Tage über uns hinweggegangen unb immer noch sehen wir weitere Heu- jchreckenwolken an uns herankommen. Mächtige Bäume werden nachts von ihnen umgebrochen. Die Heuschrecken fressen alles Süßgras ab unb scheinen bas Sauergras auszusaugen, benn es ist statt grün weiß, wenn ber Schwarm vorüber ist."
Es gibt fliegende unb wandernde Schwärme. Die fliegenden lassen sich für eine Weile auf den Feldern nieder, fressen alles ab und erheben sich bann wieder in die Luft. Die Wanderschwärme bewegen sich in unaufhaltsamem Marsch über den Erdboden hin, indem eine immer bie anbere überklettert. Wie berichtet wird, ist einmal ein Eisenbahnzug in so einem wandernden Heuschreckenschwarm entgleist. Natürlich richten bie Wanderheuschrecken noch mehr Schaben an als bie fliegenden. Eine völlige Verwüstung ber Felder bezeichnet den Weg, den sie gegangen sind. Sie bringen in bie Häuser ein, sie fallen in bie Brunnen, kurz, es bedarf tagelanger, wochenlanger Strbett, um eine Oertlichkeit, durch die sie gegangen sind, überhaupt wieder bewohnbar zu machen. Meist fliehen die Leute mit all ihrem lebenden Inventar, sobald sie das Herannahen eines Wanderschwarmes merken. In den Dörfern und Städten versucht man Abwehrmaßnahmen. Die Eingeborenen ziehen lange und tiefe Gräben, m bie bie Heuschrecken hineinfallen. Wenn sie auf ber gegenüberliegenben Gand hochklettern, werben sie mit großen Stampfern zerquetscht. In ben Steppen wirb mitunter bas hohe Steppengras angezünbet — ein sehr viel wirkungsvolleres Mittel, aber es vernichtet auch zugleich bas Futter. Neuerbings schreitet man auch zu Spritzungen mit Giftmitteln. Natürlich wird auch dadurch ein erheblicher Teil der Feldfrüchte unbrauchbar gemacht, aber es werden doch der Weiterwanderung der Schwärme unb weiteren Vernichtungen Einhalt geboten. „Grindel! Matthews, ber Erfinber ber „Todesstrahlen", soll sich übrigens erboten haben, ber Plage mit Hilfe feiner Strahlen ein Ende zu machen. In zehn Minuten will er den Himmel säubern unb die Heuschreckenwolken als eine Masse verkohlter Leichen herunterholen". Bisher hat man aber von Anstalten, dies Anerbieten in die Tat umzusetzen, noch nichts gehört. Wenn eine solche Anwendung ber Todesstrahlen allerdings möglich wäre — und schließlich hat man keinen Anlaß, die Erfindung gar zu wenig ernst zu nehmen —, wäre damit ber Menschheit feine
Einen Augenblick stockte mir fast ber Herzschlag: zu plötzlich, zu beängstigend war Kefe neue Gefahr heraufgestiegen
Hier ging’s ums Leben! Wenn meine steisgesrore- nen Hände jetzt den Dienst versagten; wenn es mir nicht gelang, den Segler rechtzeitig aus ber Bahn bes gefährlichen Riesen zu bringen, bann waren Schiff unb Mannschaft verloren, begrub uns ohne Zweifel bie nieder- stürzenbe obere Halste des Eisberges.
„Mann am Ruder: — Steuerbord, hart Steuerbord!" hörte ich ben heranspringenden Kapitän verzweifelt rufen. Aber es hätte seiner Mahnung nicht bedurft; ich wußte ja selbst, daß unser aller Leden an^inent Faden hing.
In roilber Hast griff ich in bie Speichen bes Steuerrades, — noch verfolgte der Segler seinen Weg, aber zum Glück mochten wir nur äußerst geringe Fahrt, — dann begann es langsam abzufallen.
Näher unb näher glitt ber schwimmende Koloß, — seine Vorläufer, kleinere Eisstricke, scharrten unb knackten bereits cm unserm 23ug —, unb schon glaubte ich angstvoll berechnen zu können, wann wir mit ihm zusammenstoßen mußten.
21 ber bie Vorsehung war über uns, — mehr unb mehr fiel der Segler ab, krachend zersplitterten km seiner Settenwand glitzernde Schollen, unb nun: Leben, Rettung! — dicht an uns vorbei, fteilaufragemb, wie in finsterer Drohung, glitt die riesenhafte, weihschimmernbe Eismaffe! —
Mr standen regungslos, mit blaffen Gesichtern unb weLgeöffneten Augen. Niemand sprach ein Mort. Wahrlich, diese Sekunden habe ich nie vergessen!"--
Der Alte schwieg, noch überroättigt von dieser Erinnerung. Ich brückte ihm bie Hand und drängte bann hastig zum Ausbruch, benn wieder krachten draußen drei Warnungsschüsse, unb man hörte eilende Menschen und laute Stimmen.
Schnell holte Jürgens seinen Oelmantel, einen alten Südwester unb schwere Seestiefel herbei. Rasch wickelte ich mich in bem wasserdichten Mantel, drückte den Südwester bis auf die Ohren herunter und fuhr, da sie mir reichlich groß waren, mühelos in bie Stiefel.
Als ich bann auf die Straße hinaustrat, mußte ich mich einen Augenblick gegen ben Wind fteminen, um nicht umgeworfen zu werden.
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: fit. 232 vom 4. Okt 1924. i :
gerinne Wohltat erwiesen. Wohl ist der Mensch imstande, sich gegen die großen und mächtigen Fetnd- in der Tierwelt zu verteidigen, aber er unterliegt heute meistens noch dem Massenauftreten feiner kleinen Feinde. Die Fliegen, Mücken, Moskitos, Malariafliegen. Heu- schrecken, sind, wenn sie in solchen Massen auftreten, wie es in den Tropen oft ber Fall ist, bie bei weitem gefährlichsten Feinde bes Menschen. mb
Aus aller wett.
— wieviel Haare hat der Mensch? Ein englischer Arzt hat sich kürzlich bie Mühe gemacht, nachzuzählen, wieviel Haare auf bem Kopf eines Menschen zu ftnben finb. Natürlich finb bie Zahlen bei ben einzelnen sehr verschieden. Sogar bie Zahl 0 soll Vorkommen, wenn, gleich die Kahlköpfigen meist wenigstens noch übel kärgliche Reste verfügen, die sich art weniger „zugänglicher" Stelle zu halten pflegen, lieber bie Normal- unb bie Höchstzahlen aber kann Auskunft gegeben werden. Der Durchschnitt beträgt 1000 Haare auf ben Quadratzoll, b. i. bei einer durchschnittlichen Kopfober, fläche von 120 Quadratzoll 120 000 Haare. Doch ist die Zahl je nach ber Farbe sehr verschieden. Die Blonden haben die meisten Haare, durchschnittlich gegen 140 000. Die Schwarzhaarigen verfügen über etwa 110 000 Haare, die Braunhaarigen über 100 000. Nun wäre noch festzustellen, woher dieses merkwürdige Abhängig- kettsverhältnis zwischen ber Haarzahl unb ber Haarfarbe kommt.
heiteres.
„wann fährt der nächste Schwan?" Von Karl Burrian, dem dieser Tage verstorbenen bekannten Tenor, erzählt man sich nach dem,B. Tck folgendes Ge« schichtchen: Bei einer „Lohengrin"-Aufführung war er nicht in bester Kondition auf der Bühne erschienen. Er war nämlich gerade in einer sehr luftigen Gesellschaft gewesen und hatte mehr konsumiert, als erlaubt gewesen wäre. So geschah es, daß er, als er die Bühne betrat und in den vom Schwan gezogenen Nachen einfteigen, sollte, das Gleichgewicht verlor und hinfiel. Der Schwan mit dem Kahn zog davon. Unter den mitwirkenden Künstlern entsteht ungeheure Bestürzung, und keiner wußte, was tun. . . . Da sagte Burrian zu dem ihm nächststehenden Schauipieler: „Du sag' mal, wann fährt ber nächste Schwan?" *
Doch etwas! Gerichtsvollzieher: „Haben Sie irgend etwas, was Sie Ihr eigen nennen?. Dichter: „Em liebend Herz!" #
Die Rache. Cs war schon spät geworben, als bie Dame bes Hauses ben berühmten Sänger^ zu einem Vortrag aufforberte. „Es ist schon zu spät, gnädige Frau", sagte er. „Wir würden Ihre Nachbarnn stören. — „Ach, das macht nichts", antwortete die Wirtin be- gütigend. „Bei denen will ich mich schon sowieso einmal revanchieren, sie haben neulich unseren Hund vergiftet.
Hur für Domen!
Vom Sturm gejagte Möven schwirren kreischend dahin.
Der Mond stand im ersten Viertel und leuchtete fahl hernieder. Zerrissene Wolkenfetzen eilten über ihn hinweg, dem Osten zu, und verdeckten ihn zeitweilig. Der Regern war schwächer geworden, aber ber Weststurm tobte ununterbrochen in wilder Kraft.
Fast alle Fenster an den Hafenhäusern waren er- leuchtet.
Seeleute unb Fischer, i»e kleinere Boote am Kai liegen hatten, eilten dorthin, um bie Fahrzeuge an eine stärkere Kette zu legen.
Von der Kaimauer aus sah ich auf bas Hafenwasser nieder. Es stieg rasch unb zusehends und überstürzte sich in wildem Vorwärisdrängen. Nur Minuten konnte es noch dauern, bis es den Rand der Kaimauer erreichte und ungehemmt in die Straßen flutete. Weiße Gischt, vom Sturm emporgerissen, spritzte mir ins Gesicht.
Der sonst so ordnungsmäßig daliegende Mastenwcttd der größeren Schiffe bot einen wirren Anblick. 3ebe Ruhe unb Sicherheit war verschwunden. Sausend unb pfeifend fuhr ber Wind durch das Takelwerk.
Die Schiffe schwankten hin unb her unb stießen hart gegeneinander. Taue knarrten. Ankerketten klirrten unb strafften sich zum Zerreißen. Es war ein grimmiger Kampf zwischen Menschenwerk und riesenhafter Natur- gewalt.
Plötzlich rauschte es zu meinen Füßen und gischttge gelbe Wogen brachen über die Kaimauer.
Die Frau eines Oberländer Schiffers, die mit ihrer Famllie an Bord wohnten, eilte mit ihrem Kind auf dem Arm jammernd vorüber Eine schwere Sturzwelle ha e ben Verschluß ihrer Kajüte zerbrochen und alles überflutet. ' . . ,, ,
In ben tief gelegenen Hafenstraßen ftanb bas entfesselte Element im Augenblick fußhoch unb flieg unaufhaltsam Einige Kellerwohnungen waren schon voll Wasser gelaufen; ihre Bewohner hatten unter Mitnahme iljies wertvollsten Eigentums sliehen müssen, Teile ihres Hausrates schwammen inzwischen auf der Straße.
Weiter aufwärts am Hafen mußte sich ein größeres Unglück ereignet haben, -denn ein Rettungszug ber stets hilfsbereiten Feuerwehr suchte unter greller Fackelbeleuch- tung seinen Weg durch das heillose Durcheinander.
Morgen, Samstag, findet in denStabtsälen die unter dieser Ueberschrist vor einigen Tagen in unferer Bettung -mqetündigte Ausstellung mit Vorführung unb Beratung statt. Allen Hille suchenden Damen wird mit dieser Veranstaltung eine einzige nicht so bald wieder kehrende, günstige Gelegenheit geboten, bas Bewährteste für dasWohl ber Frau völlig unverbindlich kennen zu lernen. Das -lf>ai9pa» Jtetorm* System ist ein Recker für viele, da es iofort beim Anlegen die Figur verschönert unb schlanker macht. Es hilft ferner zu Gesundheit und Wohlbefinben, sportlic^r Straffheit bes Körpers, Jugendlichkeit bis ms Alter. Cs dient zur Beseitigung von chängeleib, Vorbeugung bet Anlage dazu, Zurückhaltung von Brüchen, Linderung von inneren Schmerzen, Besserung von Unterleibsleiben, Sponung nach Operationen, Besserung schlechter Haltung (wichtig bet jungen Mädchen) usw. Die zahlreich auttauchenden geringroerngen. Nachahmungen stellen zwar die un-weifelhafteste und stärkste Art der Anerkennung dar, doch fei im Interesse der Hille suchenden Frauenwelt erwähnr, daß fedes echte Stuck ote Thalysia-Schutzmarke trägt. Das Thalysta-System ist das ständig verbesserte Ergebnis 25jähriger Erfahrungen in ärztlichen Lehrwerken dargestellt, von ersten Fachautmitaten in Praxis und Klinik verwendet, von Frauen aller Stande begeistert gelobt Wer am Besuch der Veranstaltung verhindert ist, oetlange tostenlo s illustrierte J)ruckfache ober Prachtalbum gegen 30 Pfennig postsrei durch Thalyfia-Werke, Leipzig-Süd. 81.