Einzelbild herunterladen
 

Der BurgschreS.

Roman von Felix Reumann.

27] ----------

Auch ihnen ist dir Volkserhebung über den Kopf ge- kommen. Ich war einige Augenblicke im Saale des Rai«, wo man durcheinanderstef wie die Hühner, wenn sie den Habicht sehen. Nur Obadias bewahrte seine Ruhe und teilte mir mit, daß der' Rat der Stadt einer Fehde mit den Burgeingesessenen durchaus abhold sei."

Siegfried zuckte bedonkstch die Achseln: .Freilich — wem, das Volk die Gewalt in die Hand bekommt--"

Der Haushofmeister trat ein.

„Die Vorräte der Burg für eine Besatzung von fast zweihundert Köpstm einschließlich Frauen und Kindern, reichen noch den Ergänzungen, die vorgenommen wur­den, für mehrere Wochen."

Der Alte machte diese Meldung mit so ruhiger Stimme, als ob er nur mitteilen wolle, daß das Eisen angerichtet sei.

Um die Barenburg mit chren fast uneinnehmbaren Befestigungen hegte niemand Sorge. Nur einige Vor­werke waren ernstlich bedroht, wenn es zum Aufruhr kam, wie überhaupt die ganze neu geschaffene Lage höchst unerfreulicher Natur war.

„3d; werde morgen noch einmal die Werke abreiten und nmy den. Rechten sehen!"

Rust sah bei diesen Worten des Sohnes besorgt auf.

„Glaubst du, daß morgen noch dis Straßen frei sind?" „Ich werde es aus jeden Fall versuchen. Auch kenne fch seit heute einen Weg durch den Stadtwald von Agathen, der weltabgeschieden ist und wohin sich städtische Spießträger nicht verirren."

Der Haushofmeister ging, und der junge Graf setzte sich zu seinem Vater in die Fensternische, um zu erzäh­len, was er am Nachmittag erlebte.

Im Ausschnitt des Wamses steckte das Sträußchen, das er dem Pferde abgenommen hatte, als er im Burg­hof aus dem Sattel stieg.

MOMetlO M.(M Mflr.öemge IM)

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

51. Zcchrg

Zrettag, 3. Oktober 8924

Nr. 231

Staatssekretär Treudelenburg aut-

hinaus — sich zu vollziehen hätte.

Man erwartet sters, auf die worien wird.

Das Problem der Regierungserweiterung ist fn demselben Augenblick aufgeworfen worden, in welchem mit den Regierungsparteien neben den Sozialdemokraten sich auch ein Teil der Deutsch- nationalen bereit fand, den Londoner Abmachun­gen zuzustimmen. Damit sind diese Gesetze zur G r u nd l a g e für die gesamte weitere Politik nach innen und außen geworden.

Bei der eigenartigen Parteigruppierung in ? diesem Reichstag und bei den unsicheren Mehr- s ^itsverhältnissen ist es aber ganz unmöglich, auch Die Ausführung dieser Gesetze zu garantie­ren und namentlich in allen Einzelheiten ersprieß­lich zu gestalten, man denke nur an die Lasten- 5 Verteilung, die doch alle Volkskreise und er- > werbenden Schichten angeht, wenn nicht eine in ■ jedem Belang sichere parlamentarische Mehrheit hinter der Regierung steht.

An sich würde freilich kein Zweifel darüber jein, daß die als Folge der letzten Reichstagsent- jcheidung vorzunehmenden Arbeiten auch im jetzi­gen Reichstag volle Billigung fänden. . Man hält •s aber aus Gründen und namentlich im Interesse Der Beruhigung der innerpolitischen Verhältnisse für richtig, die Regierungsbasis breiter als bisher zu gestalten, um möglichst alle positiv gerichteten Elemente zu gemeinsamer Arbeit zusammenfassen ju können. Dazu kommt, daß in Spezialverhand- (ungen zwischen der Deutschen Volkspartei und den Deutschnationalen, an die aber weder Regierung noch Regierungsparteien gebunden sind, bestimmte Zusicherungen wegen der Heranziehung der Deutschnationalen in die Regierung erfolgt sind, wenn durch Mitwirkung der Deutschnationalen die Annahme der Londoner Gesetze ermöglicht würde. Das letztere ist nun der Fall gewesen, aber nun handelt es sich darum, — und Stresemann hat es in einer öffentlichen Versammlung in Berlin auch ausdrücklich ausgesprochen — daß die Deutsch- nationale Volkspartei als solche auch < die Verantwortung für die Ausführung der Gesetze : übernimmt.

hinaus außerordentlich viel ab.

Eine Reichstag s a uf l ös un g ist ein mehr als fragwürdiges Ding. Es ist allerdings richtig, daß ein Teil der großen Mehrheit des Vol­kes heute nicht mehr mit dem am 4. Mai zum Ausdruck gekommenen Willen ' der Wählerschaft übereinstimmt. Das wird aber bei jeder Reichs­tagswahl so sein, daß innerhalb kurzer Zeit sich die Aufsassungen verschieben. Es wäre ein schlechtes Zeugnis für die politische Urteilsfähigkeit des deutschen Volkes, wenn es nicht gelingen würde, diesen Reichstag zu wirklich positiver Arbeit zu bringen. Auch der Reichstag als solcher wird jetzt feine Probe zu bestehen haben.

Verantwortlich iür die Echriitleitung: Tr. Johann cs Kramer. Anzeigen: I. B arre ller, Fulda. Rotationsdruck und «erlag der .. Fuldaer ActiendruSerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. ::

Monatlicher Bezugspreis: 1.50 Mk.

von der man wohl sehen würde, wie sie anfängt, aber nicht sehen könnte, wie sie ausginge.

Man wird gut tun, diese Dinge mit äußer­ster Reserve zu verfolgen. Worum es sich handeln kann, ist, wie auch der volksparteiliche Be­schluß ausdrücklich betonte, die Herbeiführung einer Regierungsgemeinschaft. Bei den großen und schweren Aufgaben, die in der nächsten Zukunft, insbesondere nach innen zu erfüllen sind, bedarf das Reich der Mitarbeit aller Volksschichten. Ein Parteiblock, der als Kampfblock von irgend einer Gruppe des Volkes angesehen werden mühte, wäre in der heutigen Zeit völlig unerträglich, und kein Politiker, der es gut mit seinem Volke meint, würde zur Schaffung einer solchen parteipolitischen Gruppierung die Hand bieten können. Würde unser Volk politisch reif sein, bann könnte es keine allzu großen Schwierigkeiten bereiten, so­wohl die jetzt außerhalb der Regierung stehenden Rechts- wie auch die außerhalb stehenden Linkskräfte auf gemeinsamer Linie zu sam­meln. Leider sieht es jedoch bei uns nicht so aus, als ob diese politische Einsicht auf allen Seiten vor­handen wäre, hüben und drüben sind allzu starke parteipolitische und parteitaktische Bedenklichkeiten mit im Spiel. Aber der Versuch muß gemacht werden, die schaffenden bereitwilligen Elemente

unbeschadet ihrer besonderen Auffassung und poli­tischen Einstellung, zu sammeln. Man könnte ja auch daran denken, gewissermaßen einen Zweck- verband zu schaffen, der die Aufgabe hätte, die auf der Beordnung der dringlichsten innen- und außenpolitischen Probleme sich ergebenden Auf­gaben in gemeinsamer Arbeit zu lösen. Von den Bemühungen, die nach dieser Richtung hin jetzt un­ternommen werden, hängt tatsächlich für die ge­samte innerpolitische ©eftaltung für lange Zeit

Die Verhandlungen in Paris.

Um den deutsch-französischen Handelsvertrag.

Entsprechend der am Ende der Londoner Kon­ferenz zwischen der deutschen und französischen Re­gierung getroffenen Vereinbarung haben in Paris die Wirt'schaftsverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich begonnen. Ministerpräsident Her= r i o t empfing im Beisein des Handelsministers Rainaldy und umgeben von den französischen Dele­gierten und Sachverständigen die deutsche Dele­gation, an deren Spitze Staatssekretär Dr. T r e n- delenburg steht und die von dem Botschafter von Hoesch eingeführt wurde.

Die Begrüßungsworte Herriots waren sehr ver­bindlich: Wir versuchen, so sagte er, ein neues Kapitel des Friedens zu schreiben. Ein Handels­vertrag, der unter den Bedingungen, wie der zu schaffende, ausgearbeitet wird, ist viel mehr als ein Vertrag, der sich auf rein materielle Interessen be­zieht: er ist ein Werk der Annäherung und der Zivilisation. Indem ich dem Herrn Handelsmini­ster den Vorsitz der Delegation übertrage, drücke ich den Wunsch aus, daß es ihm möglich sein wird, in einem so raschen Zeitpunkt, wie es die ungeheure Arbeit gestattet, uns zu dem Erfolg zu beglück­wünschen. Dann wäre das ein schätzenswerter Fortschritt für die Herstellung des von den Völkern erwünschten Friedens, deren gesamte Tätigkeit von nun an dem Aufbau und der Zivilisation gewidmet sein soll. Mögen die gemeinsamen Anstrengungen zum Aufsteigen einer neuen Zeit bete , tragen, bte die französische Republik mit innerster Uederzeugung herbeisehnt.

Der Führer der deutschen Delegation antwortete in gleichem Sinne. Im Anschluß daran wurde den Delegierten in einem der Salons des Außenmini­steriums der Tee gereicht.

Die Verhandlungen haben inzwischen ihren An­fang genommen.

wtb p a r i 5, 2. Oft (Id.) Die nächste Sitzung

Arrreiaen-PreUe: Rleiiueile (Colonel) lokal 0,15 Goldmart auswärts 0,20 Gold mark; Reklame,eil« lokal 0,60, Goldmark auswärts 0.80 Goldmari. *

Sei Wiederholungen Rabatt- BoMckeckkonto Frankturt o. M. 4051

für die deutsch-französischen Handelsvertragsver- handlungen ist für morgen nachmittag 3 Ahr im Handelsministerium angefeht worden, eine große Rede des Handelsmini-

Nun hat unter ganz befondern Vorsichtsmaß­nahmen der Vertretertag der Deutschnationalen ....

Volkspartei in Berlin getagt. Der Beschluß, der | unseres Boltes, wo immer sie stehen mögen und dabei herausgekommen ist, bringt an sich nichts l neues. Er erklärt, daß die Deutschnationalen Ver- ' Handlungen über ihre Beteiligung an der Regie- rung sich „nicht versagen". Beachtenswert ist, daß | l>er Beschluß sich grundsätzlich auf den Boden der durch die Anahme der Gesetze geschaffenen Sach­lage stellt und diese Gesetze auch als „rechtlich bindende Norm" anerkennt. Freilich wird in dem gleichen Beschluß zum Ausdruck gebracht, daß die Partei es als ihre Pflicht ansieht, „sich Einfluß auf die Auslegung, Handhabung und Verbesserung der Gesetze zu verschaffen". Wenn man auch in politischen Kreisen annimmt, daß mit dieser Fassung sowohl demjenigen Teil der Deutsch- nationalen, der den Gesetzen an sich zugestimmt hat, wie auch demjenigen, der diese Zustimmung versagt hat, Rechnung getragen werden soll, so wird andererseits diese Formulierung in den Kreisen der unmittelbar an der Regierung heute schon betelligten Parteien als eine Erschwe­rung betrachtet. Jedenfalls müßte es weiteren Verhandlungen vorbehalten bleiben, im einzelnen zu klären, nach welcher Richtung und mit wel­chen Methoden eine derartige Revision der Londoner Gesetze — denn darauf kommt letzten Endes die Stellungnahme der Deutschnationalen

Kennst du den Einsiedler von Agathrn, Vater?/

Graf Rust rückte.

„Ja — vor Jahren habe ich ihn einmal gesehen rmi> gesprochen. Ein eigenartiger Mann."

Siegfried blickte in den Abend hüuMS, wo ganz in der Feme rote ein violetter Streifen die Wipfel des Ä , wakbes in de« dunkler werdenden Himmel ragten.

..Kennst du seine näheren Verhältnisse?"

Rust roanbte das feine, blasse Antlitz dem Sohne zu, der tee Worte möglichst gleichgültig hingeworfen hatte.

„Warum fragft du? Hast du ein besonderes Interesse für den Mann?"

Siegfried räusperte sich und trommelte mit den Hän­den ein wenig auf dem Fenstersims.

„Er hat mich beut' gastlich bewirtet, als ich müde und hungrig durch Zufall zu seiner Klause kam. Es nahm mich wunder, einen Mann anzutreffen, der anscheinend über großes Wissen verfügt. Er kann unmöglich dem Volke entstammen."

„In meiner Eigenschaft als Lehnsherr der Stadt, der ich auch jetzt noch bin, da em Teil der Zölle mir gehört, obgleich die Stadt sich selbst verwaltet, hörte ich vor langen Jahren als der emftige Mönch die Erlaubnis suchte, sich im Stadrwald niederzulassen, einiges aus feinem ßeben."

Der junge Graf wandte sich dem Vater zu, schlug die Knie übereinander und horchte gespannt. Benignus hatte auf ihn einen guten Eindruck gemacht, tiefer aber noch war fern Interests für die Enkelin. Und er hofft« auf diesem Wege dahinter zu kommen, wer sie fei.

„Benignus soll dereinst als fahrender Minnesänger auf einer Burg in schweren Streit geraten sein. Dabei erschlug er in der Notwehr seinen Gegner, floh und fand Schutz im Kloster.

Nachdem er lange Jahre gebüßt und der Sünde rein gesprochen worden war, ließ er sich als frommer Klaus­ner hier nieder, und alle Welt lobt ihn und fein segens­reiches Wirken für alle, dis hilfesuchend zu ihm kommen. Er ist der Heilwirkung der Pflanzen kundig, auch sonst ein Mann, der wohlstudiert ist und allerhand Sprachen

» Der Beschluß der Deutschnationalen bringt nun jetzt die Verhandlungen über die Regierungerwei- [ terung in Fluß. Der Reichskanzler hat schon vor [ geraumer Zeit im engeren Kreise feinen Entschluß i bekannt gegeben, der dann später auch der Oessent- [ lichkeit mitgeteilt worden, v o n s i ch aus die Ver- s Handlungen über eine Erweiterung der Reichs­regierung nach Annahme der Londoner Gesetze in die Wege zu leiten. Demgemäß wird nun jetzt auch verfahren, wobei immer zu beachten bleibt, daß der Reichskanzler als solcher die Bestimmung des Ganges dieser Verhandlungen in der Hand be­halten will. Das entspricht auch vor allem de» parlamentarischen wie auch den verfassungsrecht­lichen Formen. Jedenfalls muß vermieden wer­den, daß von den Parteien heraus in solche Ver­handlungen eingegriffen wird, dann würden wir nur wieder in eine uferlose Krise hineinfteuem.

Die Anleihe.

Wie Reuter erfährt, haben die Vertreter der Morgangesellschaft und der Bank von England die Unterhandlungen über die deutsche Goldanleihe so gut wie abgeschlossen Die Rechtssachver­ständigen der Bank von England bestätigten, daß die Bedingungen der Anleihe mit dem Dawesbericht und der Londoner Uebereintommen in Einklang stehen.

Der amerianische Anteil an der Anleihe wurde endgültig auf 100 Millionen Dollar festgesetzt. Die Anleihe wird wahrscheinlich Mitte Oktober in allen Ländern gleichzeitig ausgegeben. Der endgültige Verteilungsschlüssel ist noch nicht be­stimmt. Die britische Quote werde wahrscheinlich zwischen 10 und 15 Millionen Pfund Sterling be­tragen. Augenblicklich unterhandeln holländische, schweizer und schwedische Bankiers mit dem Reichs­bankpräsidenten Dr. Schacht in London.

*

Die Besprechungen des Reichskanzlers Marx mit den Parteien über die Frage der Regierungs­erweiterung nehmen, wie verlautet, am Don­nerstag nachmittag mit einer Konferenz der Führer der Regierungsparteien beim Reichskanzler ihren Anfang. Am Freitag soll dann eine Besprechung mit den Sozialdemo­kraten und am Samstag eine Konferenz mit den Deutschnationalen erfolgen.

versteht. Selbst Obaidias, der Stadtschreiber. fragt ihn zuweilen um Rat, wenn es gilt, Schriftzeichen 5U ent­ziffern, die unbekannt erscheinen."

„Und er hat Anhang in Agathen, nicht wahr?"

Ruft fchütteste den Kopf. „Nein — fremd kam er oca weit her, er gewann sich viele Freunde, aber Ver­wandtschaft Hot er nickst, wie überhaupt seine Herkunft in tiefes Drmkel gehüllt ist. Selbst das Kloster, das chn mit Segenswünschen und Geleitbriesen entließ, wahrte das Geheimnis."

Siegfried nagte an der Unterlippe, und Rust bemerkte mm den gespannten Zug, der aus des Sohn« Antlitz lag.

„Ich wundere mich ein wenig der Nachfrage nach Benignus. Hat er so dein Interesse erweckt?"

Einen Augenblick zögerte Siegfried, dann stand er auf und ging unruhig durchs Zimmer. Des Grafen Augen folgten ihm verwundert. Du bist mir allezeit nicht nur Vater, sondern auch treuer Freund imb Be­rater gewesen. Ich liebe die Offenheit: Ich sah heute im Walde ein junges Mädchen von einer Schönheit, wie sie nur, so deucht mir, unser Volk am Rhein hervorzcm- bett In der Nähe von des Einsiedlers Hütte traf ich sie blumenfuchend, und sie geleitete mich zu Benignus. Wir nahmen dann gemeinsam das schlichte Malst ein, das mir trefflicher gemundet hat als das üppigste Prunk­gelage, das ich je m Weifchland genoß."

lieber des alten Grafen Antlitz huschte «n Lächeln.

Der vor langen Jahren in die Fremde ritt, war noch Knabe gewesen, nun war der Jüngling zum Manne herangereist und das empfängliche Herz, das draußen allen Lockungen standhaft getrotzt hatte, begann jetzt zu lodern, da der Glanz der Heimat es mit einem Schimmer erfüllte, den die warmen Länder des Südens trotz aller Pracht in dieser Form nickst zu spenden vermochten.

Aber auch etwas wie Sorge stieg in des Vaters Seele auf, die zu allen Zeiten nur des Sohnes Glück und Wohlergehen erwogen hatte. Wolle Gott in Gnaden den Erben davor bewahren, daß eine Liebe sein Herz «° faßte, ts® .«Mchislos blieb, s

Um die Erweiterung der Regierung

Von unserem Berliner parlamentarischen Vertreter.

rufung des Landtags und Einsetzung eines Untersuchnngsausschussts gefordert. Da der Antrag von den Kommunisten und Demokraten unterstützt werden dürfte, wird mit einer baldigen Einb» rufung des Landtags gerechnet.

Die Deutschnationalen und Hitler.

Die bayerische Landeszeitung schreibt, die Frak­tion der Deutschnationalen im bayerischen Landtag habe sich noch vor wenigen Tagen für die Frei­lassung Hitlers und für sein Verbleiben in Bayern eingesetzt. Inzwischen habe sich eine gänzlich veränderte Situation ergeben. Durch die neuen Bestrebungen, eine Nebenregierung in Bayern aufzurichten, die sich die Beseitigung der verfassungs­mäßigen Regierung zum Ziele gesetzt habe, seien prominente Führer der Nationalisten, darunter auch Hitler, außerordentlich belastet. Die Fraktion der Deutschnationaien habe sich daher neuerdings entschlosien, der Bewilligung einer Bewährungsfrist Hitlers entgegenzutreten.

* Einbruch im Schloß Schönbrunn. Im Schloß Schönbrunn bei Wien wurde ein von bisher un­bekannten Tätern verübter Einbruch in d i e Ge­mächer Kaiser Karls entdeckt; cs fehlen Gegenstände im Werte von 16 Millionen Kronen.

BMDiMBMMBa ...... U li II»

Durch die Dämmerung der Kemencste klang ruhig uns mild die Frage: „Und wer war die, die dein Auge en freute?"

Siegfried blieb stehen, löste den Strauß nutz betrach, tete ihn. „Des Klausners Enkelin!"

Rust schüttelte den Kopf. „Du mußt einem Irrtum zum Opfer gefallen sein. Benignus steht allein in bei Well."

„So hat man mich belogen?" Herrischer Trotz flammte für einen Augenblick auf. Aber baten senkte er wieder die Stimme.

„Nein — das ist nicht möglich, Vater, hu mutzt dich irren!"

Rust erhob sich.

„Du scheinst die Sache ernster zu nehmen, als mit sieb ist. Ich weiß bestimmt, daß der Klausner niemanden hat, dem er „Enkelin" nennen könnte. Aber wie dem auch sei, es mag sich auch um einen Scherz handeln, den man mit dir trieb. Hast du dich Benignus zu erkennen gegeben?"

„Nein — ich wollte dem Dirnleiu nicht seine süße Unbefangenheit rauben, daher schwieg ich . . ."

„Dann darfst du dich nicht beklagen. Vielleicht wollt: auch die Unbekannte unerkannt bleiben."

Der Graf verschränkte die Arme und lehnte sich ar den Stuhl. „Ich freue mich, daß bu in kindlichem Ser. trauen mir Mitteilung von dieser Begegnung machtest. Du bist mündig und es würbe mir schecht anstehen, in kleinlicher Beeinflussung deine Schritte zu überwachen. Laß dein Herz sprechen, so lange es dir Gutes, zuflüstert, aber schalle auch den Verstand nicht aus, der dich mahnt, daß du ein Graf und der Erbe meines Besitzes bist."

„Sorge dich nicht, ich werde das nicht vergesien. Aber das sage ich noch einmal: Noch nie ist mir ein Mädchen begegnet, bas in schlichtem, ja ärmlichen Kleid? so (sMige Anmut trug! Ich muß erfahren, wer sie ist, und ich werde es erfahren!?

KM'

Rrisenstmnlung in England.

Wtb £ 0 n b c n, 2. Oki. (Tel.) Das Arbeiker- blakk „Daily Herold" bringt in Fettdruck die Auf­forderung: „Bereitet euch zu Neuwahlen vor! Es sagt, daß Macdonald Neuwahlen anberaumen werde" wenn die Regierung auf den kommunisti­schen Mißtrauens-üttrag am Mittwoch eine Nieder­lage erleiden sollte.

wtb L o n do n, 2. Off. (2teL) Die Blätter rechnen angesichts der Entwicklung, die gestern in der politischen Lage siattfand, vermutlich milde, Möglichkeit von Neuwahlen, da die Re­gierung sowohl in der Frage der Zurückziehung der Anklage gegen den Redakteur des kommuni­stischen Wochenblattes „Workers-Weekly", über die eine Debatte am nächsten Mittwoch stattfinden wird, als auch in der Frage des englisch-russischen Vertrags, der vom Unterhaus in der am 28. Ok tobet beginnenden Herbsttagung verhandelt wer­den soll, eine gemeinsame Opposition der Unionisten und Liberalen gegen­überstehe. ___________ , ___________

Vor dem Kmerikaflug des 3. B. 3.

Wtb Paris, 2. Oft (Tel.) Wie der „2Na tin" mitteilt, entspricht es n i ch t der Tatsache, daß die französische Regierung verlangt habe, Vertre­ter der französischen Marine mühten während des Ueberstiegens des Zeppelins über das französische Gebiet an Bord sein. Die französische Regierung habe der Botschaft der Vereinigten Staaten mit­gekeilt, daß Z. R. 3, an dessen Bord sich amerika­nische Offiziere befinden, Frankreich überfliegen dürfe. ______________ _ ____________

Deutsches Reich.

* Aus Thüringen. Der Direktor der Thüringischen Staatsbank, der auch in Fulda bekannte Direktor Loeb, ist bekanntlich kürzlich von der thüringischen Regierung unter bemerkenswerten Umständen aus seinem Amte entfernt worden. Jetzt wird dazu ge- gemelbet: Nachdem die Sitzungen der bereinigten Ausschüsse des thüringischen Landtags, in denen von der Regierung eine klare Erklärung zur Angelegen­heit Loebs verlangt worden toar,_ ergebnislos