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Lur Unterhaltung.

Hans Thoma.

Anrr 85. Geburtstag des Meister»: 2. Oktober 1924. SoH Privatdozent Dr. s. Gerstenberg.

MS Corinth, dem «rch Art unb Wesen so grund- «rschiedenen Meister, teilt Thoma das ungewöhnliche Geschick, daß die junge Generation der Maler zu ihm d» dem glsichstrebenden, über weiseren Weggenossen «Mickt. Thoma, der alte Ekkehard der deutschen Kunst, Hat mm zwar den Pinsel aus der Hand gelegt, aber was er ta feinen letzten Werken hingestellt hat, das schließt im Stile das Akter merkwürdig mA der Jugend zusammen. Eine kindlich reine Anschammg tritt darin wieder zu­tage in festen, präzisen Formen und klaren ungebrochenen Farben. Es will heute schier unbegreiflich scheinst daß die schlichte, starke Kunst Thomas so lange vergeblich hat um Anerkennung ringen müssen Und doch mußte Thoma fünfzig Jahre ast werden, bis der Ruhm zu ihm kam, nachdem er in Berlin und Düsseldorf von den Ausstel­lungen zurückgewieseu und in München 1877 als sozial­demokratischer Maler gebrandmarkt worden war, Aus­fluß derselben Borniertheit, die heute auch tendenziöses, künstlerisches Schaffen als Bolschewistenkunst verschreit. Die Augen, die fich an dem novellistisch zugespitzien Dors- erzählunyen Defreggers und Sautiers berauschten, tonn« len freilich nicht die Werke sehen, die Thoma, der Schwarzwaldtwrfler, mit gesundem Instinkt hinstellte Das ML des Dvrfgeigsrs etwa wäre den andern Künst- (em viel zu uninteressant gewesen, und doch steckt in diesem armen Burschen, der bei Mondm^gang im engen Gärtchen auf seiner Geige kratzte, mehr Dors, mehr Seele, als in den nach dem Modell im Melier gestellten Widern der andern.

Thoma hat mit zwei Bildungs-Mächten gerungen. Er kst in Paris gewesen und hat Courbets handfesten Na- turoRsmus bewundert und hat wie Leibl etwas Neues daraus zu machen gewußt; und er ist in Italien gewessn- Und auch im Kreise SDtarees und hat die reinigende Wirkung klaren, architektonischen Dankens im Formendau ersahrim. Trotzdem ist er im Kern immer derselbe ge­blieben. Auch er hat die Natureindrücke stilisiert in dem Sinne, daß er vereinfachte und auf manches verzichtete, was er sah. Was nicht in ihm lag, etwa monumentale Grüße, hat er auch nie cmgeftrebt. Er trug einen siche­ren Kompaß in sich und steuerte nicht falsch. So blieb er zeitlebens ein Künstler reinsten Wassers, wie sie in her deutschen Kunst so selten sind. Immer hat er ge­wicht und auch das verbindet ihn mA der jungen Generation, daß das innere Schauen die Hauptsache ist. Alle Stoffe, die er matte, hat er innerlich auf ihren eigentlichen Kern zu läutern verstanden.

Thoma hat die Landschaft der deutschen Gaue, die Schwarzwaldlandschast, ije Landschaft des Oberrheins und des Taunus zuerst in ihrer schlichten Schönheit ohne aufdringliche Motivwahl dargestellt Immer besaß er ein Gefühl für das, was im höchsten Sinne charakte­ristisch ist für ein ganzes Gebiet. Dadurch allein hat er wie die allen Holländer einen Landschastseindruck merk­lich erschöpfen können. Gleichgültig, was er matte, Akte oder Landschaften, Bildnisse oder mythologische Historien, immer wollte er durch das Schauen das Ge­heimnis der Stille allen Seins erfassen, wodurch er sich als Atipode des Impressionismus erweist Mit Nachdruck hat Thoma auch mit Wort und Schrift darauf hinge- miefen, daß es in der Kunst einzig auf bem inneren Menschen ankomme. In dem altersmilden Büchlein3m Winter des Lebens" HM er dem rastlosem Jagen der Gegenwart die stille Erkenntnis entgegen:Die Harmo­nie der Schönheit liegt nicht in der Welt da draußen; sie ist nur eine Fähigkeit der Seele, das zu empfangen, was die Sinne ihr zuführen."

Tschomo-Iungma.

Ws wir vor bald 30 Jahren Quartaner waren, lern­ten mir, daß der Gaurisankar im Himalaya, dem Grenzgebirge zwischen Indien und Tibet, der höchste Berg der Erde sei Da hatten wir etwas falsches ge= (ernt. Denn der Gaurisankar ist m i ch t der höchste Gipfel. Freilich lernten wir auch, daß die Engländer den Gauri- sankar auch Mount Euere st nennen, nach dem Ches der englischen Landesvermessung in Indien, Sir George Everest. Der Mount Everest ist nun tatsächlich der höchste Berg, 8882 Meter über dem Meer hoch. Der ©aurifemtar aber ist ein anderer, etwas niedrigerer Gipfel. Im Jahre 1903 wurde feftgestellt, daß die beiden Namen zwei verschiedene Berggipfel bezeichnen, die in 58 Kilometer Entfernung voneinander liegen. Nach 1903 werden, da die Karten seitdem die beiden Berg­namen an verschiedene Gipfel knüpfen, die Quartaner mm richtig lernen, daß der Mount Everest der höchste Perg der Erde ist. Und heute werden sie weiter die Kunde vernehmen, daß feit einigen Jahren die englischen Eportsleute wiederholt, doch infolge der Bergkrankheit

wo stolz die Wimpel flattern!

Bilder ans Hamburgs Hafenleben.

Bon Hermann Weber.

1. Sturmflut.

Der Nooemberiag war grau und trübe gewesen.

Gegen 4 Uhr nachmittags war ein starker Regen niedergegangen, nun fegte ein scharfer Westwind durch die Straßen. Das Barometer ist überraschend schnell und tief gefallen, und von der Seewarte aus erging be­reits die Sturmwarnung.

Obgleich das Wetter zum Ausgehen wenig geeignet erschien, rüstete ich mich doch, einen Besuch zu machen.

Klaus Jürgen nämlich, der Wirt zumSilbernen Anker", ein alter Fahrtgenosse und guter Freund, hatte mir Mitteilen lassen, daß er sein Lokalwunderbar neu dekoriert" habe, daß ich unbedingt mein Gutachten dar­über abgeben müsse und er mich heute abend erwarte.

Der Alte wohnte in den Vorfetzen, wo man einen weiten Blick über den Hafen hat unb war Seemann von Beruf; doch hatte ihm in seinen Mannesjahren eine niederstürzende Segelstange das Bein zerschlagen, sodaß er fernerhin weder in die Wanten steigen, noch im Sturm hätte feinen Mann stehen können.

Da hatte er denn der blauen See Lebewohl sagen müßen, so schwer es seinem Herzen auch geworden war.

Von fernen Ersparnissen hatte er diese klein« Wirt­schaft gekauft und mühte sich nun redlich ab, um ehrlich durchs Leben zu kommen. Seinen Gästen war er ein kluger Berater und guter Freund; niemals aber duldete er Streit oder Unmäßigkeit. Seeleute aller Nationen verkehrten bei ihm. Gar manches bunteGarn" wurde dort gesponnen, und auch er selbst wußte gut zu erzählen vom Leben auf fremden Meeren.

Als ich bei Klaus Jürgens Behausung anlangte, glänzte mir der versilberte Anker über der Haustüre ein­ladend entgegen. In der Gaststube sand ich zu meiner

immer vergeblich, den Versuch gemacht haben, diesen Gipfel zu besteigen. Ueber 8000 Meter sind sie schon hin- aufgekommen. Der Gipfel roar bislang nicht zu bezwin­gen. Neuerdings steht es aber auch fest, daß der höchste Berg der Erde nur infolge des Nationalstolzes der Eng­länder den Namen Mount Everest trägt. Sie haben ihn, als er durch die Vermessungen als höchster Punkt festge­stellt war,getauft", obwohl er schon einen Namen trug im Munde der einheimischen tibetanischen Bevölkerung, von dem die englischen Forscher allerdings erst 1907 Kenntnis erhalten haben. Dieser Name, von poetischem Klang, heißt T s ch om o - l u n g m a,Göttinmutter der Serge". Es ist erfreulich, daß die einheimische Bezeich­nung jetzt auch aus den Karten erscheint und neben der non den Engländern geschaffenen Bezeichnung nach dem Herrn Everest, der ohne besonderes Verdienst und fast zufällig zu der Ehre gekommen ist, als gleichberechtigt anerkannt wird.

Jnteresiarst tft vor allem aber auch, was der bekannte schwedische Forscher und Gelehrte Sven Hedin in dem 1923 bei Brockhaus erschienenen Buche über den Mount Everest festgestellt hat, daß nämlich 1. der höchste Berg­gipfel der Erde, den die Engländer 1852 entdeckt zu haben Anspruch erheben, 119 Jahre früher, ttn Jahre 1733, auf französischen Sorten eingetragen war und zweitens: daß der richtige tibetanische Name des Mount Everest, den zu finden den Engländern nicht vor 1907 glückte, dem Pater Regis und anderen Jesuitenmissionaren in Peking 190 Jahre früher, im Jahre 1717, bekannt war. Dieser Rame ist, wie schon gesagt, Tschomo-lungma. Was der weltbekannte schwedische Forscher bei dieser Gelegenheit über die Reisen der Jesuiten und Kapuziner in der Gegend des Mount Everest schreibt, verdient eine eingehendere Erwähnung

Sven Hedin knüpft an die Absicht der Engländer an, den Gipfel des höchsten Berges zu bezwingen und schreibt:

Da man in London der Expedition eine so große moralische Bedeutung für die ganze Menschheit beigemes­sen hat, ist es nicht mehr als recht und billig, der Män­ner zu gedenken, die vor 260 und 200 Jahren diese selben Wege wanderten, keineswegs um geographische Entdeckun­gen zu machen, noch weniger um so hoch rote möglich auf die Berge zu klettern, sondern in der frommen Ab­sicht, den Tibetern bas Christentum zu predigen. Das Wissen, das sie von dem ganz unbekannten Lande gefammett haben, ist nicht groß Aber einige von ihnen haben bewundernswerte Schilderungen von dem Lande, dem Wege, der Art zu reifen, den Leuten, ihren Sitten rmd Bräuchen und ihrer Religion hinterlassen und einige andere haben als die ersten eine Reife ausgeführt, die an Kühnheit nur mit der Marco Polos*) verglichen wer­den kann und die von anderen Europäern erft Jahr­hunderte später wiederholt wurden. Die Großtaten die­ser Pioniere wurden vergessen, als die Epigonen den Mont Everest stürmten."

Der schwedische Tibsiforscher stellt fest, daß die Mis­sionare dieselben Wege gezogen sind, von denen aus die Engländer den Mont Everest gesichtet haben. Auch jenen ist also der Berg vor Augen gekommen, ohne daß sie freutet; die Mittel und die Absicht hatten, festzuftellen, daß es der höchste Berg der Erde ist. Es war im Jahre 1661, als die Jesuitenpatres Johannes Grueber und Albert Dorvllle von ihrer Wirkungsstätte in Peking zu Lande die Rückreise nach Rom antraten, wohin sie gerufen worden waren. Sie zogen durch das Land der Tonguten und Lhasa, wo sie sich zwei Monate aufhielten. Ihre Aufzeichnungen sind verloren gegangen. Ein ande­rer Jesuit, unser berühmter Fuldaer Landsmann Athanas. Kircher, hat inChina illustrata" eine Reihe Angaben über ihre Reisen gesammelt. Er beschreibt den Weg, den seine Ordensbrüder von Lhasa in Tibet nach dem indischen Nepal über das Himalaja-Gebirge ge­macht haben. Dieser Weg ist zum Teil auch von den Engländern benutzt worden. In Kirchers Mitteilungen wird schon die Bergkrankhest erwähnt, dte die ErsteuMg des Mont Everest bisher auch den Engländern unmöglich gemacht hatDer Berg Langur (den die Jesuiten pas­sierten) hat eine so unerhörte Höhe, daß die Reisenden auf seinen Kamm infolge der Feinheit der Lust kaum atmen können",**) und weiter -weder Fuhrwerke noch Pferde tarmen diesen Berg wegen feiner entsetzlichen Abgründe und feiner gewaltigen Felsen passieren, viel­mehr muß man den ganzen Weg zu Fich zurücklegen. Man opfert somit fast einen ganzen Monat bis Kull, der ersten Stabt in Regel." Von Kuti ging die Reise weiter nach Agra, wo Pater Dorvill? starb. Pater Grueber ging allein weiter nach Rom. Er starb spater auf dem Rückweg nach China.Die Reise, .die er und Dorville ausgeführt hatten, war eine der glänzendsten, die jemals in Asien unternommen worden sind" (so Sven Hedin a. a £).).

,3m Anfänge des 18. Jahrhunderts wurde von der Heiligen Kongregation zur Ausbreitung des Glaubens in Rom eine Reihe von Missionaren nach Tibet geschickt,

*) Bereiste 1271 bis 1295 ganz Asien.

*) Langur, d h. Bergkette, ist eine einheimische Be­zeichnung für das Himalaya-Gebirge.

Zufriedenheit nur wenige Personen vor. Nachdem ich dann den alten Freund begrüßt hatte, konnte ich mich in dem Zimmer gemächlich umschauen.

Nun, der Alte hatte nicht zuviel versprochen, als er fein Lokalwunderbar neu dekoriert" genannt hatte. ' Der Messing- und Kupferbeschlag des Schenktisches blitzte vor Sauberkeit. Die größeren Wandslächen des Zimmers waren mit Schiffen aller Gattungen bemalt, wie sie gegen den Sturm ankämpften oder bei gutem Wind ruhig dahinsegelten.

Von der Decke hernieder hing der ausgestopfte Kör­per eines Schwertfisches, des gefährlichsten aller Raub- silche, der ohne Scheu den riesenhaften Wal angreift und neben dem Hai von den Seeleuten gründlich ge­haßt wird.

Zur Seite, auf einem Tisch befestigt, stand unter einer Glaskuppel ein wertvolles, kunstvoll zusammenge- fügtes Modell eines vollgetakelten Dreimasters mit fest­täglich gekleideter zierlicher Mannschaft.

Ueber dem Schenktisch prangte ein Wandbrett mit buntfarbigen Muscheln, Korallen und Seesternen.

An der Wand neben der Eingangstür waren die Waffen malaiischer Seeräuber: ein krummer Säbel, ein Gewehr mit Luntenschloß und ein geschlängelter Dolch, der sogenannte, meist vergiftete Kris, befestigt. Alles glänzte im hellen Licht, schöne Herbstblumen standen auf den gedeckten Tischen.

Es gibt böses Wetter!" sagte ich, als wir bann zu­sammenfaßen und ich dem Alien meine Anerkennung über die Neuausstattung des Raumes ausgesprochen hatte.Die Seewarte hat das Sturmsignal aufgezogen!"

Ein Sturm ist noch lange kein Taifun!" antwortete er gleichmütig.

Das ist schon richtig!" pflichtete ich ihm bei.Zwar treten unsere Weststürme mitunter schlimm genug auf, aber mit den Wirbelstürmen der südlichen Meere sind sie glücklicherweise nicht zu vergleichen. Warst Du schon einmal in einem Taifun?"

Er nickte.In der Südsee, im Korallenmeere."

Kapuziner und Jesuiten. Der Missionsoersuch scheiterte an den überaus schwierigen Verhältnissen. Ueber die verschiedenen Reisen der Missionare sind vor allem die Aufzeichnungen des Jesuiten D e f i b e r i, die erst vor 20 Jahren aufgefunben unb publiziert worden sind, von Bedeutung. Sven Hedin nennt die Beobachtungen des Missionars: bewundernswert und scharfsinnig. Desideri ist auch von Lhasa nach Kuti gezogen.Auf dieser Reise kommt man über einen sehr hohen unb sehr mühsamen Berg, ber Langur heißt unb ber bie Eigenschaft hat, daß jeder, ber ihn überschreitet, unvermeidlich großes Unbe­hagen spürt, besonders schwere Kopfschmerzen, Atemnot und Atembeschwerden, wozu auch Fieber kommt. Da es unmöglich ist, an einem Tag über den ganzen Berg Langur hinaus-, hinüber- unb hinabzusteigen, so gibt es ein großes Haus, in dem bie Reisenden ausruhen und Dach unb Schutz finden können. Viele Menschen ver­muten, baß die Beschwerden auf den Dämpfen gewisser Minerale beruhen, die sich im Innern des Langur befin­den; aber da bisher noch keine tatsächliche Spuren sol­cher Minerale entdeckt worden sind, bin ich eher geneigt zu glauben, daß diese Erscheinungen von der großen Schärfe und Dünne ber Luft kommen." Desiberi hat damit die Ursache der Bergkrankheit, bie jetzt von ben Engländern durch die Mitnahme von Sauerstoffappa­raten niedergehalten werden soll, bereits richtig erkannt. Er unb seine Mitbrüber haben auch sonst noch, gestützt auf ihre Vertrautheit mit bem ihnen Überwiesenen Missionsgebiet, zahlreiche Angaben für bie zeitgenössische Literatur über Jnnerasien geliefert. Der Kapuzinerprä­fekt Orazio bella Penna hat sich über 24 Jahre im Hi­malaya aufgehalten. Das Ergebnis ber Missionsarbeit freilich würbe völlig zunichte, als 1745 bie Chinesen Her­ren in Lhasa wurden und die Fremden vertrieben. Die Missionare mußten sich nach Neapel zurückziehen unb 3 um letztenmale zog eine Karawane von Euro­päern auf dem Wege zwischen Lhasa unb Katmandu dahin bis die Engländer 1903 den östlichen unb 1921 ben mittleren Teil bes Weges roieber betraten. Ganz besonders rühmt Sven Hedin von den Schilderungen des Weges von Lhasa nach Nepal noch diejenige bes Ka­puziners Fra Cassiano Belligatti, ber 1738 Pater della Penna nach Tibet begleitete unb bis zum Jahre 1756 in Indien wellte. Sein Werk enthält gerade auch über die Bergkrankheit in Himaleya plastische Schilde­rungen. Je näher die Reisenden der Höhe des Langur tarnen, desto stärkere Schmerzen in Kopf und Magen und eine größere Schwierigkeit zu atmen fühlten sie. In einem Hause am Fuße bes Berges rastete bie große Reisegesellschaft mit Dienern unb Reittieren.Die Nacht roar wie ein Fegfeuer ober ein Inferno. Alle klagten, einige schrien laut, andere erbrachen sich unb einige rede­ten irre."

Sven Hedin faßt seine Abhandlung dahin zusammen: Beligatti ist wie Desideri ein Meister in der Kunst der Reiseschilderung. Nur in einem Punkt unterscheidet er sich von den Reisenden unserer Zett: er spricht fast nie­mals von sich selbst. Wer durch das Tal bes Bhutiahosi über den Tangla und nach Lahsa gereift ist, hat ohne Zweifel viele andere Abenteuer unb Strapazen als nur die Bergkrankheit erlebt. Aber er verschweigt sie alle. Es ist die Kenntnis von neuen Ländern und neuen Menschen, ihrer Kultur, ihren Sit­ten und Bräuchen und vor allem ihrer religiösen Vor­stellungen und Feste, die Beligatti dem Abendland er­obern will. Mit offenen Augen beobachtet er alles unb schafft eine Reisebeschreibung, so genau und zuver­lässig, daß unzähligeTravellers" unserer Zeit glücklich sein "könnten, wenn sie ihre Bände mit ebenso wertvollem Gut anzufüllen vermocht hätten. Wer selbst in Tibet gereift ist und einmal Gelegenheit gehabt hat, bie An­gaben der alten Jesuiten und Kapuziner zu prüfen, ber zieht ben Hut vor ihnen und zollt Urnen freubig feine Bewunderung."

So ber auch um bie beutsche Sache während bes Weltkrieges hochverdiente und in der ganzen wissen­schaftlichen Welt hochangesehene schwedische Forscher Sven Hedin! Dr. K.

Der Slug durch den Tod.

Von Joseph Magnus Wehner.

Ich tag in den erloschenen Kratern von Lipari. Unter mir bie Iris des unendlichen Meeres, vor mir im Golddunst der untergehenden Sonne die Konturen der sizilianischen Küste. Der gewaltige Aetna lag in Wolken.

Die abendliche Brandung warf ihre Wogen an bie schwarzen Basaltwänbe von Vulcano. Die grüngelben Schroeselwolken, bie bem Krater entströmten, ballten sich und rollten über den Berg. Immer mehr Macht ge­wannen sie über die ureinsame Insel, unb als jetzt bie Silberbahn ber Sonne auf bem Meere glanzloser würbe und bie Nacht hereinzubrechen brohte, tag Vulcano in grünrotem Dampf unb erstickenden Qualm trug ber Sübroeft zu mir her.

Und ihr seid gut davon abgekommen?"

Wests trifft, den triffts das siehst Du an mei­nem lahmen Bein! Ist übrigens unser ganzes Leben nicht Schicksal und Bestimmung?" meinte philosophisch ber Sitte.Sieb mal, da kann ich Dir von einem Be­kannten erzählen, der ein Wort darüber mitreben könnte."

Dieser Mann war früher Kapitän besSimon von Utrecht", eines schnellen Personendampfers, und hatte einen erwachsenen Sohn, der sein Lebensglück barstellte. Dieser Sohn wollte ein tüchtiger Seemann werden, einer von denen, die von der Pike auf gedient haben, und darum brachte ihn ler Vater als Schiffsjungen an Bord eines kleinen Segelschiffes. Das geschah in der Zeit, wo die Kapitäne und Mannschaften der großen Personendampfer sich eine Ehre daraus machten, in möglichst kurzer Zeit den Ozean zu durchmessen.

Eines Tages tobte auf dem Meere ein gewaltiger Sturm, der denSimon von Utrecht" wohl kräftig hin und her warf und in feiner schnellen Fahrt aufhielt, aber nicht beschädigte.

Nicht so gut erging es einem kleinen Segelschiffe, bas ebenfalls von bem Sturm erfaßt worden war. Es Hane ein gefährliches Leck erhalten. Die Mannschaft hatte gepumpt auf Tod unb Leben, war bann aber doch ge­zwungen gewesen, in die Rettungsboote zu gehen. Diese Boote trieben vier Tage auf der wildbewegten See um­her und verloren sich bann aus ben Augen.

Die Mannschaft eines biefer Boote sah am Abenb bes Tages, als bie Not schon aufs höchste gestiegen war, einen großen Personenbampser auf sich zukommen. Sie schrie unb winkte unb las deutlich ben NamenSimon von Utrecht" am Steven bes Dampfers aber nie­mand auf dem Schiffe schien sie zu beobachten. Mtt Volldampf fuhr es vorüber, um verlorene Zeit wieder einzuholen. Man sagt, daß der Kapitän auf ber Brücke gestanden habe und das Book gesehen haben müsse.

Am folgenden Tage nahm ein fremder Dampfer bie Schiffbrüchigen auf.

Drei ber Bootsinsaflen waren inzwischen ben Stra­pazen unb Entbehrungen erlegen. Unter ihnen befand sich auch ber Sohn bes Kapitäns vomSimon von

l Nr. 230 vorn 2. Okt 1924

Da gedachte ich der beuffchen Heimat unb wünschte mich heim ins liebe Licht einer Lampe, unter gesellige Menschen. Währenb ich so sann, drangen aus hoher Lust Vogelschreie. Gru-gru-gru klang es _ von Süd­western aus der Gegend der afrikanischen Küste.Kra­niche!" jubelte es in mir. Ich sprang auf. Da kamen sie in feierlichem Fluge übers Meer. In der Spitze des Keiles der Führer und hinter ihm die lose Kette ber Nachzügler. Sie flogen burch ben grüngelben Himmel nordwärts in großer Schnelligkett. Jetzt näherten sie sich den Giftgewölken von Vulcano. Wurden erregt, witterten Gefahr. Aber unermüdlich, die kalabrifche Küste im ahnenden Herzen, flog der Führer voran und feine (Betreuen folgten ihm in gerader Kette. Jetzt ver­schwanden sie im Höllengewölke. Mein Herz klopfte heftig. Ich sah nichts mehr, wartete.

Und da gru-gru-gru tauchte der schwarze Flügeffchlag bes Führers aus dem Tod und hinter ihm die Reihen feiner Sippe. Hoch schwangen sie ihren Flug in den rosigen Osthimmel, noch taumelnd, in gelöfter Reihe und flogen pfeilschnell gen Kalabrien. Himmelsdust ver­schlang sie.

Unb schon tauchten anbere Ketten aus der wachsenden Nacht, flogen durch die Feuergewolke von Vulcano und verschwanden.

Ich blieb am Orte, bis ber bunkelblaue Himmel nm Myriaden goldbrauner Sübfterne besät war. Durch die unendliche Stille drang nur das verworrene Brausen des Meeres. Da hörte ich wieder fern unb bann immer näher kommend die Rufe in der sternenhellen Rächt: gru-gru-gru. Neue Schwärme, unsichtbar, nur der metallische Flügelschlag bringt zu mir. Jetzt hält ber Zug über meinem Haupte. Gru-gru-gru. Man berat­schlagt, ob man hier in diese Insel einfallen oder mel­ier fliegen solle. Kleine, müde, helle Kinderftimmchen mischen sich in den Chor, klagend, fragend. Die Mutter­stimmen tröften:Gru-gru-gru. Nur noch ein Stück- chen, dann ist Ruh." Die Kinderftimmchen flehen. Gru-gru-gru", beschwichtigen die Mutter.Dort ist Nord, dort Ruh." .

Und geheimnisvolle Flügelschläge ebben wieder durch bie Luft. Unsichtbar ziehen die lieben Vögel über mich hin, gewinnen das Meer und schweben auf die Leucht­feuer der kalabrischen Küste zu. Klage unb Trost ver­hallen im weiten Himmel.

Heimat ist stärker als Ruhe.

Butter und Zucker rührt man schaumig Z-UDoiCl lUnC|. und fügt nach und nach das Eigelb, das mit dem Backin gemischte Mehl und soviel kalte Milch hinzu, daß man einen glatten Teich bekommt. Zuletzt rührt man den Eierschnee unter die Masse und füllt diese in eine gefettete Springform, hierauf belegt man den Teig mit den geschälten und in 6 Stücke geschnittenen Aepfeln, bestreut ihn mit Zucker und bäckt ihn etwa V* Stunde. An Stelle der Aepfel kann trän auch mit durchschnittenen, entsteinten Zwei sehen belegen.

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Dr.A.Oetter,WMllMEBielefew

heiteres.

Dersöhnungsfesl! Ein Gast fragt ben Wirt:Was für eine Unruhe unb Rauferei ist benn da oben? Wirt:Die beiden VereineEintracht" undFrohsinn sind es; sie feiern eben ihr Versöhnungsfest."

Unangenehme Erinnerung. Sie:Durch den Krieg sind sehr viele Ehen geschlossen worben, die sonst nicht zustande gekommen wären." Er:Sprich nicht von den Schrecken dieser Jahre!"

*

Ersah.Was schütteltst du denn das Kind so?" Ach, ich habe vergessen, die Medizin zu schütteln, bie das Kind eingenommen hat!"

Kuchen ift billig und doch von großem Nährwert, wenn er nach Dr. Detters Rezepten gebacken wird. Man versuche

Apfelkuchen sehr fein

125 x Margarine ä Pfd. 0.60 . . , , . . M. 0.15

125 g Zucker ä Pfd 0.40....... 0.10

3 Eier ä 0.12............ 0.36

200 g Weizenmehl ä Pfd 0.20..... 0.08

1 Päckchen von Dr Oetker'sBackin . ,, 0.08 i/ao« Liter Milch ä Liter 0.22.......0.05

750 g (Wi Pfd.) geschält« Aepfel .... oea

Utrecht", derselbe unglückliche junge Mann, der em guter Seemann hatte werden wollen. Sein Vater hatte Menschenleben geopfert, um seinen Ehrgeiz zu befrie- bigen; wer hätte wohl gedacht, daß solch fürchterliche Strafe ihn dafür treffen würbe?

Das Hamburger Seemannsgericht hat sich mit ber Sache beschäftigt, man hat aber bem Kapitän nichts nach­weisen können. Doch jebermann weiß, baß er sein Ur­teil in ber eigenen Brust trägt. Seine Seemannslauf­bahn hat er aufgegeben. Nie unb nirgends findet er Ruhe.

Ist bas nicht auch Schicksal und Bestimmung? Ober war es nur gerechte Strafe, bie ben Mann treffen mußte, weil er hilflose Menschen mitleidslos bem Ver­derben überlassen hatte?"

Ich wußte dem Alten sofort nicht zu antworten. Glücklicherweise enthob er mich einer Aeußerung, indem er auf seinen Schenktisch zuhinkte, um einige Gäste zu bedienen.

Draußen hatte fich das Unwetter mit Macht erhoben.

Der Sturm stieß gegen bie Fensterläben unb rüttelte ungestüm an ber Haustür. Als ich bie Tür öffnete, um einen Augenblick ins Freie zu treten, schlug mir eine solch gewaltige Regenmenge ins Gesicht, bah ich elligst zurücktrat.

Gleichzeitig blitzte es am Abenbhimmel auf, und ber Krach eines Kanonenschusses rollte über bie Stabt dahin. Zwei wettere Schüsie folgten in kurzen Abständen, und damit war das Zeichen gegeben, daß die Nordseewogen mit Macht in bie Elbe brangen und bie in ber Hafen­gegend unb in den niedrig gelegenen Straßen wohnenden Leute auf der Hut zu fein hatten.

Das Wasser steigt noch", sagte Jürgens, der gleich­falls hinausgesehen hatte.Du haft affo noch Zett. Wenn Du Lust hast, zuzuhören, erzähle ich Dir inzwi­schen ein Erlebnis aus dem nördlichen Allantik, bas zwar von Schnee unb Eis hanbelt, aber in biefes Herbst­wetter hineinpaht. Uebrigens mußt Du meinen Oel- rock und die Seestiefel anziehen, wenn Du noch in bas Wetter hinauswillst."

(Fortsetzung folgt)