Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadl Fulda.
51. Zahrg.
Donnerstag, 2. Oktober 1924-
Nr. 230
Der Kampf um Mekka.
Wtb £ 0 n b o n, 1. Off. (XeL) Reuter zufolge hat König huffain einen Appell an die britifme Regierung gerichtet, in dem er auf die Metta unmittelbar drohende Gefahr hinrvcift und die Hoffnung ausspricht, daß Großbritannien in der Lage fein dürfte, einen weiteren Angriff der Waha- biten gegen die heilige Stadt zu verhindern. Er betont, daß die Anwesenheit eines halben Dutzend von Flugzeugen in Sehdar eine abschreckende Wirkung auf die Wahabiten haben würde.
Einer Reutermeldung zufolge verlautet ans einem Telegramm aus guter Quelle aus Sedhar, daß die Lage in Mekka unmöglich geworden sei. Reuter zufolge verlautet in hiesigen amtlichen Kreisen, datz keinerlei Vorbereitungen für eine britische Intervention getroffen würden, da es der Grundsatz der englischen Politik sei, sich nicht in religiöse Streitigkeiten einzumischen.
zugserlaubnis verweigert mit der Begründung, er fei nicht berechtigt, in Germersheim feinen Beruf auszuüben, von den bis fetzt Zurückgekehrten haben von 37 Ausgewiesenen nur 7 Wohnung finden können. Für weitere IS Ausgewiesene, deren Rückkehr jetzt genehmigt ist, stehen ebenfalls keine Wohnungen zur Verfügung.
Vr. Luther nach London.
Wie das Bert. Tageblatt hört, wird Reichs- fr«a«zMinister Dr. Luther sich am Mittwoch »ach London begeben. Die Verhandlungen, die in London über de» Abschluß der Anleihe geführt warben «nd a« denen auch Reichsbaukpräsident Dr. Schacht teilgenommen hat, seien, wie das Blatt weiter berichtet, soweit gediehen, daß mit einem unmittelbar hevorsteheude« Abschluß gerechnet werden dürfe-
Anzei g e n »Preise Sletnseile (Golouel) lotal 0,15 Boibmart auswärts 0,20 «Soldmark: Reklamereil« lotal 0.60. Soldmart auswärts 030 Goldmark. r.
Bei Wiederbolmmeu Rabatt, «oftichetffonto Frankfurt a. M- 4051
dern sie bas deutsche Volk au' sammenzustehen in dem
Berautwortlich lür die Echriitleitung: Dr- Jobannes Kramer, «ureigen: 3. P arreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Betiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr- 9. $
Monatlicher BemgSvreis: 1.50 Mk.
MSeWWSriMNiiMmlei!.
Bon dem Bertretertag der deutschnationalen Dolkspartei wurde folgende Entschließung gefaßt:
„Die Parteiverttetung der deutschnationalen Dolkspartei ist, ebenso wie die Vorsitzenden der Landesverbände, einmütig gewillt, die Geschlossenheit der Partei zu wahren. Nachdem der Reichstag die auf dem Londoner Wkommen beruhenden Gesetze angenommen hat, und somit zur rechüich bindenden Norm, die der Durchführung bedarf, gestaltet hat, ist es die Pflicht der Partei, sich Einfluß auf die Auslegung und Handhabung sowie Verbesserung der Gesetze »u verschaffen. Die Parteivertretung billigt deshalb, daß die Reichstagsfraktion sich den von dem Reichskanzler in Aussicht gestellten Verhandlungen über die Vetelligung der Deutschnattonalen an her Regierung nicht versagt."
Derüjches Reich.
* Mandatsniederlegung. Der bisherige Reichsverkehrsminister Oeser hat wegen seiner Wahl zum Generaldirektor der Reichsbahn sein Mandat als preußischer Landtagsabgeordneter entsprechend den Bestimmungen der Satzungen der Reichsbahn niedergelegt. Oeser gehörte dem Vorstand der demokratischen Fraktion des preußischen Landtages an. Für Oeser tritt Rektor Sommer (Magdeburg) in den preußischen Landtag ein. — Anstelle des Abgeordneten Dr. von S i e m e n s, der sein Mandat niedergelegt hat, ist der Malermeister Paul Koenke in Berlin (D. demokratische Partei) in den Reichstag eingetreten.
* Eine Kundgebung. Der 2 9. Abgeordnc- tentag des Bundes Deutscher Marine- Vereine hat einstimmig folgende Entschließung
fleslae».
* Die Wahlen in Schweden. Aus Stockholm wird gemeldet: Von 28 Wahlkreisen liegen jetzt die Ergebnisse der Wahlen zur Zweiten Kammer aus 20 Wahlkreisen vor. In diesen Kreisen erhielten die Konservativen 47 Mandate (bisher 45), der Bauernbund 27 (bisher 24), die.^^ralen 4 (bisher 6), die Freisinnige Volkspartei 18 (bisher 19), die Sozialdemokraten 82 (bisher 81), die Kommunisten 2 (bisher 3). Das Gesamtergebnis ist erst am 4. Oktober zu erwarten.
trat nun so ganz in den Hintergrund gegenüber der Aufgabe, die ihr zuteil geworden war.
Ms sie später dem Vater den Gutenacht-Grntz bot, hielt dieser sie länger als sonst im Arm. _
„Schlafe wohl, mein Kind, und mache dir keine Sor. gen, es wird schon alles wieder gut werden!
Er sagte das nur, um Anne zu beruhigen, er selbst glaubte nicht mehr an einen Wandel zum Besseren.
Ms m die tiefe Nacht hinein saß er im Dunkeln in dem Raum, wo die geheimnisvolle Truhe stand.
Ms der Mond sein rötliches ßW durch die Scheiben warf und einen langen hellen Streifen über den Boden zeichnete, da öffneten Wilds zitternde Hände das Schloß.
Heimlich und scheu schob er die Beutel «ms der Tiefe und ließ die Goldstücke durch die Finger gleiten.
Noch waren st- fein, aber morgen schon würde er wieder der bettelarme Mann sein, der bald landflüchüg davon ziehen mußte. Er seufzte tief und Wwer, und plötzlich war ihm, als ob aus der dunklen Ecke Murrners bleiches, verzerrtes Antlitz ihm entgegen grinse. „Du Narr! Starb ich darum um dich, daß du nun den Schatz preisgibst, weil ein Weib es von dir verlangt?
Mit einem Fluch warf er das Geld in die Truhe zurück. Er hatte fein Wort gegeben, nun mußte er es halten, aber er meinte in diesem Augenblick zu spuren, daß er Sabina haßte, obgleich er wußte, daß sie im Rechte war.
6.
In der Ferne verklang das Brausen der Stenge, die di» Srraheu Agathens füllte. Ein Zug der Verachtung grub sich um Sieafrieds Mund, als er schweigend davonritt und das Stadttor passierte. Er klopfte den .Hals des Pferdes, das noch unruhig schnaufte und tänzelnd ungeduldig nach dem Stall« strebte.
Dabei fiel sein Blick auf das Sträußchen, das hinter der silbernen Schnalle an der linken Seite des Pferdekopses steckte. Er gedachte des Mädchens, das ihm die Blumen verehrte und sann darüber nach, wie es denn eigentlich gekommen sei, das gerade diese so schlicht gekleidete Jungfrau einen so tiefen Eindruck auf ihn gemacht habe.
g e l t u n g. _________„__________
NommunalpoMscher.
— Segen die Gewerbesteuer. Die Vollversammlung der SSereimqung von Industrie- und Handelskammern des mederrheinisch-westfälisch-südweftfälischen Industriegebietes beschäftigte sich erneut mit den Fragen der Gewerbesteuern und der Finanzgebarung ® " meinben. Die Versammlung nahm.-me Entschließung an in der zum Ausdruck gebracht wird, die Möglichkeit die'Wirtschaft des Westens wieder in Gang zu bringen, sei nur gegeben, wenn die. auf tbr ruhenden Lasten wesentlich vermindert werden. Dazu bedürfe es in erster Linie einer wirksamen Beschränkung der gewerblichen Steuerbelastung.
über Platz nehmen, die, sich der schweren Aufgabe umerzog, das junge Mädchen auf seine Mission vorzubcreiten.
Anne Susanne begriff wohl, um was es sich handelte. Hing doch von der Art, wie sie chre Sendung ausführte, unendlich viel ab. Man besprach auch die Möglichkeit, daß Benignus die einstweillge Verwaltung des Geldes | ablehnen werde, aber Anne Susanne meinte, daß daran | garnicht zu denken sei.
Wenn sie um etwas bat, konnte es ihr väterlicher Freund nicht abschlage«.
Da am Vormittag der Verkehr auf allen Sttaßen am lebhaftesten war, so sollte erst am Nachmittag der Gang erfolgen. Ganz unauffällig mußten die Knechte die kostbare Last befördern.
Ws alles befprochen war, mnhÄste das Mädchen tee Muhme. „(Er wird es tun, ich weiß es ganz gewiß, nicht nm 'um meinetwillen, sondern auch dem Vater und dir zuliebe."
Sabina blickte erstaunt auf.
„Was weiß der Klausner von mir, Kind!"
Wer da wehrte Ann« lebhaft ab.
„Er fragt so viel nach Str, und immer muh ich ihm neues von dir erzählen, auch sagte er mir jüngst, daß er für dich und dein Glück beten wolle."
Die Gräfin legte die Hande auf der Richie Schultern und zog die vor ihr Kniende dicht an sich.
„Was hast du denn dem frommen Manne, der mich garnicht kennt, erzählt? Es wird nicht immer Gutes gewesen sein!"
Anne Susanne schüttelte den Kopf.
„Ich habe ihm erzählt, daß du ost traurig stiest ur.b daß du es bei aller Heftigkeit doch gut mit uns meintest, und daß ich dich darum auch lieb hätte."
Da küßte Sabina Anne Susanne, was sie seit dem Tage, da sie m die Burg einzog, so selten getan hatte, daß man es an den Fingern einer Hand aufzählen konnte.
„Dann hast du die Wahrheit gesagt, Kind, grüße mir den Einsiedel und sage chm, daß ich der Fürsprache be- dürse. Nicht für mich so sehr, als für meine Seele, die um meinetwillen chr Heil verlor."
Nachdenklich ging Anne Susanne hinaus. Ihre Erlebnisse vom Nachmittag verschviea 8t, denn das alles
Vie Lustrüstungen. ,
Von unserem militärpolitischen Mitarbeiter.
Unter den militärischen Rüstungen nehmen diejenigen in der Lust neuerdings einen ganz besonderen Rang ein. Es ist daher nicht uninteressant, auf Grund von Informationen aus den verschiedensten Ländern sich ein Bild über den Stand dieser Luftrüstungen zu machen.
England.
In Hendon (Londoner Flugplatz) fand am 28. Juni das alljährliche Flugfchauspiel der Royal arr Forces statt.
Es fanden folgende Wettbewerbe statt:
1. Ein Nachrichten-Angel-Wettbewerb. Die beteiligten Flugzeuge mußten mit etwa 5—8 Meter aus dem Rumpf im Fluge heruntergelaffenen Angelhaken einen Nachrichtenbeutel angeln, der an einer Schnur zwifchen zwei 10 Meter getrennten und etwa 5 Meter hohen Stangen aufgehängt war. Die Stangen waren fo aufgestellt, daß die Verbindungsschnur quer zum Winde lag. In den meisten Fallen gelang es den Beobachtern beim ersten Anslug, den Beutel zu erfassen. Der Beutel enchielt Fragen, die so schnell wie möglich in der Lust beantwortet und wieder abgeworsen werden mußten. n , ., |
2. Ein Rennen von ungefähr 12 Kilometer nut Start und Flug um sestgelegte Wendemarken.
3. Vorführung von neuen und Versuchsslugzeugen. , ....,
4. Flugvorführungen einer französischen Jagdstaffel vom zweiten Jagd-Regiment. (Mäßiger Beifall durch das Publikum). .
5. Geschwader-Exerzieren von zwei Bomben- Squadrons zu je neun Flugzeugen. .
6. Luftakrobatik vorgeführt von fünf Smpes der Zentralflregerfchule. Die Vorführungen sollen meisterhaft gewesen sein, daher, auch große Begeisterung beim Publikum.
7. Angriff von fünf Snipes der 25. Jagd- Squadron mit Bomben und M.-G. aus einen Tank aus etwa 150 Meter Höhe. Von 20 Bomben zwei Treffer. , .
8. Angriff von Flugzeugen (verschiedene Typen) des Küstenschutzes mit M.-G. und Torpedos auf einen bewaffneten Hilfskreuzer, der sich auch nut Flak wehrte. , . ,
i In einer Anfrage im Unterhaus wird behauptet, daß 2000 Flugzeuge, 10 000 neue Flugmotoren und 8000 Vickers- und Levis-Mafchinengewehre beim „Aircraft Dispfal Syndikate" verfügbar wären.
Eine weitere Anfrage betrifit die Verwendung der für das Flugwesen vorgesehenen Gelder für das Jahr 1923-24. Danach sind 5 594 000 L. für technische und Kriegsbedürfnisse, 940 800 L. für Flugmotoren und 1913 400 L. für vollständige Flugzeuge vorgesehen und bereits verbraucht
I worden.
Frankreich.
Ausbildung von Flugzeugführern: Wie 1923 j werden auch in diesem Jahre in Frankreich 160 wehrfähige junge Männer vor ihrer Einstellung zum Militär aus Staatskosten als Flugzeugführer in 8 Schulen ausgebildet.
Zum Inspektor des französischen Milttar-Flug- j wesens wurde an Stelle des Generals Fayolle der bisherige Kommandierende des 9. A. K. General Niefsel ernannt.
Rußland.
Die Gesellschaft der Freunde der russischen Lust- flotte zählt nach einjährigem Bestehen angeblich
angenommen:
„Bis ins Innerste tief verletzt, durchdrungen aber von dem stolzen Gefühl, ihre Pflicht für das gemeinsame deutsche Vaterland bis zum letzten Augenblick mit aller Kraft getan zu haben, erheben die zum 29. Abgeordnetentag des Bundes deutscher Marine-VerE m Hannover versammelten Vertreter von über 25 000 ehemaligen Marineangehörigen energisch scharfen Protest gegen das haltlose Gerücht, „die Marine hat wahrmd des Krieges ihre Pflicht nicht getan trotzdem aber bie Revolution hervorgerufen, sie 'st deshalb qm Zusammenbruch des Deutsche« Reiches schuld . Sie stellen diese Aeuherung als Böswilligkeiten und ehrlose Handlungen hin, die auf ihre Verbreiter zurückfallen, Wien es aber für unter ihrer Würde, die von der damals Kaiserlichen Deutschen Marine vollbrachten Taten, die von keiner Marine der Welt erreicht worden sind, einzeln zu nennen und weisen es weit von sich, als Verräter an ihrem Vaterlande gehandelt zu haben. Ueberzeugt aber davon daß Deutschland ohne Seefahrt und Marine nie ganz gesunden und in der Welt bestehen kann, for- L.__J SRrttt einmütig mit 1Y1M zu-
Verlangen nach See-
Die 26prozentrge Hbgabe.
wtb Paris, 1. ort. (Tel.) Das „Journal" veröffentlicht heute vormittag eine Entscheidung ! des Finanzministers über die Löprozentige Abgabe vom Werl der deutschen Einfuhr in Frankreich, die henke in Kraft tritt. Danach wird für die Berechnung der Abgabe ein Doüarkurs von 4,20 jn Grunde gelegt.
5lus dem besetzten Gebiet.
Die „Voss. Ztg." berichtet aus Düsseldorf, baß auf Antrag der Düsseldorfer Stadtverwaltung die Besatzungsbehorde angcordnet habe, daß die Kontrolle aller Briefe der Verwaltung eingestellt werden soll. *
Die Zahl der ausgewiesenen Beamten und Privatpersonen ist für das von den Franzosen besetzte Gebiet auf 55zurückgegangen. An- Sererfeits ist die Zahl der nicht wieder zugelasse- nen Beamten auf 125 herabgesetzt worden; diese Zahl wird sich demnächst noch vermindern. Eine deutsche Abordnung hat der Rheinlandkommission alle Wtedereinstellungslisten für gewisse Behörden oorgelegt. Ferner werden am 21. Oktober bei dem Uebergang der interalliierten Dienststellen an die deutschen Behörden die Zoll- und Paßbeamten automatisch wieder in ihre Dienststellen einrücken.
Die Wohnungsnot.
wtt> Germersheim, 1. Ott. (Tel.) Durch das verhalten der franzöfifchen Defahungs- behörde, die immer noch jede freiwerdende Wohnung für sich befchlagnahmt, find die Wohnungs- verWtuiffe ganz unhaltbar geworden. An ein ordnungsmäßiges Arbeiten der städtischen Woh- mmgskommiffion ist nicht zu denken. Einem prak- gfihen Arzt, der sich in Germersheim aiederlasien wollte, wvrde von der Besahungsbehörde die Zu-
uldaerZertung
eine Million Mitglieder (im Jahre 1925 will man sie auf 3 Millionen bringen); gesammelt wurden 3 308 000 Rubel, gebaut wurden 69 Flugzeuge, in Bestellung gegeben 55 weitere. Aufgestellt wurden die Geschwader: „Ultimatum (12 Fly.), „Ilitsch" (10), „Ultimatum Fernost" (12), „Senin (19), „Roter Balte" (12). In Ausstellung begriffen: „Roter Bolschewik", „Jswjeta Wzik", „Roter Treugolnik" usw. Von den bestellten Flugzeugen sollen die Geschwader „Lenin 2" und „Lenin 3 aufgestellt werden.
Zweigorganisationen befinden sich in Georgien, Tiflis, Aserbeidschan, Armenien, Adscharistan.
Die deutschen Flieger Stollbrock und Papenhagen der Gesellschaft „Derulust" haben ohne eine einzige Havarie 100 000 Klm. im Flugzeug aus der ersten Sowjetline Moskau-Königsberg zuruck- gelegt.
Türkei.
Wiederaufbau der türkischen Luftflotte.
Nachdem dis Türkei hinsichtlich ihrer Heeres- organisation keinen Beschränkungen mehr unterliegt, hat sie neben der Reorganisation der Slrmee' auch mit dem Ausbau von Luftstreitkräften begonnen. Zu diesem Zweck bereist zur Zeit eine tur«‘ kische Luftmisston mit Oberst Muzasser Bay an, der Spitze die europäischen Staaten, um die Luft-, organisation und Lustindustrie der einzelnen Län», der kennen zu lernen. Bisher hat sie Italien,^ Deutschland, England und Frankreich besucht. Nach, französischen Nachrichten scheinen die Türken an, Frankreich Anlehnung zu suchen; sie sollen tu Frankreich etwa 40 Flugzeuge (Typen Breguet, Caudron und Hanriot) gekauft, und Ingenieure und Spezialisten angeworben haben. 10 türkische Offiziere sind zurzeit auf die Fliegerschule Jstre-
; zur Ausbildung kommandiert.
Eh'ma.
Die ersten chinesischen Werkstätten für den Bau | von Flugmaschinen sind wahrscheinlich im Auftrag des Militärgouverneurs von Chekiang, General Lu-Yung-Hfiang in Lunghua bei Schanghai von zwei Deutschen errichtet worden. Es werden angeblich zwei Maschinen im Monat fertiggestellt. Zunächst soll ein Flugdienst Schanghai-Nankmg- Hankow (446 englische Meilen) eingerichtet werden. Die Reise Schanghai-Hankow, die bisher auf dem Jangtfe 4—5 Tage dauerte, könnte dann m fünf Stunden bewältigt werden.
I War es die Waldeinfamkeit gewesen, dis fein Herz schneller schlagen ließ, oder war die Maid mit den brau- | nen Augen eine Zauberin, die seinen Geist zu beherrschen I verstand? '
Trotz des häßlichen Eindruckes, den er soeben m der I Stadt empfangen hatte, mußte er nun doch lächeln.
I Nein, hier ging alles mit rechten Dingen zu. Er, I Graf Siegfried Barenhaupt, der einstige Herr und Erbe I bet Burg und aller Liegenschaften weit entlang am Rhein, I hatte sich auf den ersten Blick in ein junges Mädchen oer. I Hebt, von dem er noch nicht einmal den Namen wußte. I Sie hatte sich als eine Enkelin des Einsiedlers Benignus 1 ausgegeben. Nun — es würde nicht schwer sein, dahin- I fer zu kommen, in welchem Neste dies süße Waldvögelein das Acht des ersten. Tages erblickt hatte.
| Er berührte mit den Sporen leicht die Weichen des I schlanken Rosses, das alsbald in flotten Trab fiel.
Die Knechte mußten sich tüchtig daran halten, um I mtt ihren schwerfälligeren Gäulen mitzukornmen. Nun I durchritten sie den Buchenwald, der sich wie ein schützen- der Gürtel um das Schloß zog, dann stieg der Weg all- I mählich an, der zur Bärenburg in verschiedenen Win, I düngen hinaufführte.
Siegfried traf den Vater mit Lesen und Schreiben beschäftigt. Als er, noch die Reitpeitsche m der Hand, ins Simmet trat, erhob sich der Graf ungewöhnlich leb- I hast.
„Gott sei Dank, daß du unbehelligt zurückgekehrt bist Man berichtete mir, daß es in Agathen zu Unruhen ge. kommen sei. Auch aus den anderen Städten flußauf und abwärts hört man gleiches Unerfreuliche. Der Kon, flikt, den ich schon lange vorausahnte, scheint mm ir blutiger Weise zum Austrag zu kommen."
I Siegfried führte den Vater liebevoll besorgt zurüä zum Stuhl. „Ich glaube, du siehst die Sache schtimmer, als sie in Wirklichkeit ist. Ich W einem schmierigen Kerl, der mir in den Zügel fahren wollte, die Wahrheit gesagt, und schon wieherte die Menge und ließ mich frei passieren. Gewiß, die Lage fft nicht ungefährlich, aber ich vermute,, daß noch etwas Zeit vergehen wird, eh, die Städter loszuschlagen wagen.
* ^Fortsetzung folgt
Der Burgfchreck.
gtoman von Felix Neumann.
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Der Bote schloß seinen Bericht: „Drüben auf der I Särenburg ist der junge Graf Siegfried aus Welschlaad, I hemMkehrt. Er ritt heute mit wenigen Reisigen durch Agathe« und verdankt es nur feinem kaltblütigen Verhörten, daß ihn dse Menge nicht angriff Ein Schmiede- gefeße fiel ihm in der Trödlergasse in den Zügel, wahrend Hunderte die tteme Schar umringten. Ich war dabei und fah aus der Nähe zu. Da zog der junge Graf den Zügel des intrtrfyig werdenden Pferdes an und sagte laut, daß es weithin hörbar ward: „Noch ist nicht Feierabend, mein Bursche. Wenn du mir die Hand reichen willst, dann wasch' sie dir zuvor, wie es alle ordnungsliebenden Bürger dieser Stadt tun, nachdem sie ihr Tagewerk vollbrachten."
„Der Schmied riß das Mauk weit auf, zog die Hande zurück und betrachtete sie verdutzt. Er wußte garniäjt, was er zu diesen Worten sagen sollte, während die Menge in ein dröhnendes Gelächter cmsbrach. Einige schwenkten sogar die Mützen. Diesen Augenblick benutzte Graf ©tegfrie» und ritt langsam mit seinem Gefolge davon."
WSÄ lächelte und fichüe fo etwas wie Stolz über den Neffen. Er hotte ihn zuletzt als kleinen Jungen gesehen, kannte ihn daher nicht, aber er versuchte sich aus der Erinnerung ein Bild zu machen, was wohl aus dem kecke« Burschen geworden sein mochte. Der Knecht erhielt den Auftrag, cüsbald den Frieder und den Heinz zu bestellen.
In Wilds Zimmer ward alles besprochen.
Wenn morgen die Sage ruhig blieb, sollte bas Geld ttoauffäHig zum Klausner gebracht werden. Und um keinerlei Verdacht zu erregen, würde Anne Susanne die Boten begleiten.
Am Abend berief die Muhme ihre Nichte zu sich. Eine Kerze erleuchtete das Gemach nur dürftig, und die langen Schatten huschten bei jeder Bewegung, die man machte, über die Wände Anne Suianne Sabin-.oesen-