Einzelbild herunterladen
 

S.

X

MM

A>'"~?-, ,- /

A

M

M ';

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

Mittwoch, t Oktober 1924

WC32SraärsraWESBMKWr;.--v

ÄrrantwortliÄ Tür die SLrittlettung: Dr- JokanueZ Kramer. Anzeigen: I. Darzelier, Fulda. N-itatiousSruck Kni Verlas der :: Fuldaer Keiieudruckerei in Fulda. Fernlvrecher Nr- 9. ;:

Monatlicher BezugSdreiZ: 1.50 Mk.

Anzstgen-VreNe: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 (Soldmark auswärts 0,20 Gold mark: Reklamezeile lokal 0,60. Toldmark auswärts 0,80 Goldmark. r.

Bei Wiederäolunsen Rabatt- Bolticheckkonto Frankfurt a. M. 4051.

51. Zahrg.

vir völßerbundsstagr.

Dir Usborreichrmg der Srntjchen Derrkfchrrft.

wtb Paris, 33. Sept (Tsi.) Havas melSet aus B iisssl: Z2s Lsutjche Momsranöum übsr Bett Eitttritt Dsutfch'ands in den Völkerbund ist durch Len deutscher; Esjandten in Brüssel, v Kelker, dem deigijchsrr Ministerpräsidenten überreicht worden. Sie anschließende Unler- hn'tung Lauerte 23 Minuten.

wtb London, 30. Scpk. (Tel.) Wie die Times" aus Brüssel meldet, soll Ministerpräsident Theunis dem deulschen Gesandten gegenüber bei der lleberreichrmg des Memorandums die Hoff­nung ausgedrückk haben, daß die deutsche Regie­rung nicht von neuem die Äriegsschuld- fragc aufwerfen werde. Allgemein könne gesagt werden, daß die Haltung der belgischen Regierung mit der von Herriok und Briand dargelegten identisch sei, die dahin gehe, daß Deutschland sich dem gemeinsamen Gesetz unterwerfe und sich ver­pflichten müsse, alle Verpflichtungen der Bölker- bundssahung zu achten und dnrchzuführen.

,Die Ucberreichung des deutschen Schlußstückes ist gleichzeitig in den Hauptstädten aller im VöikerbundS» nt verlretenen Staaten erfolgt.

Kerne sofortige Antwort.

wtb London, 30. Sept. (IeL) DerTimes" infolge wird nicht erwartet, daß die britische Antwort auf das deutsche Memorandum sofort erteilt wird, da es aller Wahrscheinlichkeit nach für notwendig erachtet wird, mit den übrigen "^MpsänZern die Rote zu beraten.

Für die deutsch-französische Verständigung.

Wtb Paris, 30. Sept. (Tel.) Die Ligen für Menschenrechte Frankreichs und Deutschlands ha­ben nach derEce Rouvelle" beschlossen, im Laufe des Oktober eine Propaganda-Campa gtte zu veranstalten. Franzosen sollen in Deutschland urrd Deutsche in Frankreich sprechen. Als Redner der französischen Liga sind vorgesehen: Prof. Basch, General Verraux und der ehemalige radikale Abg. Brüsson. Deutscherseits sollen in Frankreich spre­chen: Graf Keßler, Prof. Kuczinski, Helmut von Verlach und Dr. Gumbel. ,

MMzeiches ist Milch«?

Neus Beunruhigung durch Hitler und knebel.

In der Angelegenheit des Frontbanns )aben sich, wie dasBert. Tagebl." aus München meldet, gegen Hitler und den Reichstagsabgeord­neten Oberstleutnant Kriebel unmittelbare B e - la (tun gsmomente ergeben, die bereits durch die Minister Matt, Gärtner und Stützet dem in Reichenhall zur Kur weilenden Ministerpräsiden­ten Held unterbreitet worden sind. Da man D e - tuonstrationen von völkischer Seite befürchtet, wurde die Polizei in Alarmbereitschaft gesetzt. Die bayerische Staatsregierung werde, wie das Blatt weiter berichtet, nötigenfalls von allen ihr zu Ge­bote stehenden Mitteln Gebrauch machen, um einer Wiederkehr der November-Ereignisse vorzu- beugen und die ordnungsmäßige Durchführung des Beschwerdeverfahrens in Sachen Hitler und Kriebel zu sichern.

Der Burgschreck.

Roman von Felix Neumann.

25] ----------

Und doch und doch? Das verfluchte Gold mußte hinaus yus dem Bannkreis der Burg, wo der blutige Raub die Luft verpestete. Der Schreckenstein hatte schon manche Tat gesehen, die wider ®o$ und seine Gebote verstieß, aber das lag weit zurück. Unter Graf Wilds I Herchhoft war kein Stegreifrüt mehr vorgenommen war- | den, so sehr die Gelüste dazu vorhanden waren. Bei aller Ungebärdigkeit war der Burgherr doch ein Mann von gerechter Denkweise, die vor äußersten Mitteln, wie De Murrner anwenden wollte, zurückschrak.

Sabina kannte den Schwager genau und las von dem verzerrten düsteren Antlitz den Seelrnkampf ab.

So sagte sie halblaut:Wie willst du dem Beraubten bas Geld wieder zustellen, ohne daß Ne ganze Sache nutzbar wird und Mr die empörten Massen der Bauern lchd Stadter auf den Hals jagt?"

Wild stemmte die geballten Fäuste in die Hüften.

Der Teufel mag wissen, wie ich den Kopf aus diesem Hcckseisen zsehe, ohne daß es mir die Kehle zuschnürt. Murrner hat es gut mit mir gemeint und Dank ihm "dafür."

Wild kratzte sich mit gekrümmten Fingern die Glatze und zog die Nase in Fallen.

Scheinbar kühl und gelassen hörte Sabina zu. Sie glaubte bereits einen Ausweg gefunden zu haben, der ihr gut dünkte, aber sie wollte dem Schwager den Vor­tritt lassen. Er sollte sich erst selbst tüchtig den Kops zerbrechen, eh« er bei der Schwägerin Rat fand.

Wild wußte keinen Ausweg. Von Minute zu Minute stieg seine Unruhe und Verlegenheit, denn er fühlte die forschenden Augen Sabinas auf sich gerichtet. Sie las ihm förmlich die Gedanken aus der Seels ob.

Ach wenn fie doch lieber schelten und kommandie­ren wollte wie sonst, er hätte es leicht empfunden gegen­über diesem stillen, beharrlichen Schweigen.

Die Gräfin hatte sich überhaupt in letzter Zett ver- ßndert. Das laute Wxftn war fast ganz verschwunden.

Die Mlmzlagr Frankreichs. Der Haushaltsplan für 1925. Steuerer Höhung und Sparmaßnahmen zur Deckung des Mllierdea- Defizils.

wtb Paris, 30. Sept. (Tel.) Wie derMa­lin" berichtet, wird sich das Budget für 1925, das Clemente! heute dem Finanzausschuß der Kammer einbringen wird, auf 32% Milliarden Francs be­laufen. In dieser Summe sind alle Ausgaben für das Zahr 1925 einschließlich des Zinfendienftes für die letzte Anleihe sowie der Betrag von 1 Milliarde für Wiederaufbau einbegriffen. Der letztere Be­trag soll für den Zinsendienst einer Anleihe dienen, die noch aufgelegt werden soll.

Am das Budget auszugleichen, habe der Finanz- Minister große Schwierigkeiten überwinden müs­sen. Das Defizit habe einen Augenblick 1 Milliarde Francs betragen, was man damit habe beseitigen können, daß man für das kommende Jahr einen Mehrerkrag an Steuern eingesetzt und einen Ab­strich der Ausgaben vorgenommen habe und schließ­lich eine Abänderung der Steuern ins Auge gefaßt habe. Der Landwirt soll seht mit dem Kaufmann in Bezug aus den Steuerertrag gleichgestellt werden. Außerdem werde eine neue Berechnung der Einkünfte gewisser freier Berufe vorgenommen. Eine besondere Besteuerung des Wertzuwachses an Immobilien ist gleichfalls be­absichtigt. Man spreche von 75 Prozent Abgabe vom Mehrwert, der seit dem Kriege zum Teil un­geheuere Dimensionen angenommen habe. Ferner soll eine Stemvelabgabe für Danken und Ver­sicherungsgesellschaften eingeführt werden.

Ku§ dem besetzten Gebiet.

Wiederherstellung der fiskalischen Einheit.

Die seit mehreren Tagen in Düsseldorf ge­führten Verhandlungen über die Wiederherstellung der fiskalischen und wirtschaftlichen Einheit auf dem Gebiete der Verwaltung und des Verkehrs auf den Wasserstraßen sind, wie wir von zuständi­ger Seite hören, nach Ueberwindung von mancher­lei Schwierigkeiten nunmehr dem Abschluß nahe. Die Verhandlungen, die im Rahmen der technischen Konferenz zwischen Vertretern des Reichsverkehrsministeriums und des preußischen Handelsministeriums einerseits und Minister Vidal und den Besatzungsbehörden andererseits stattfanden, bezweckten insbesondere auch die Frei­stellung der noch beschlagnahmten Teile der Duis­burg-Ruhrorter Häfen einschließlich der von der Beschlagnahme betroffenen Lagerplätze und Um­schlagsanlagen Privater, wie die Aushebung der Kommandos der Besatzungstruppen in der Hafen­verwaltung und dem Schleppamt. In wichtigen Einzelheiten ist bereits eine Uebereinstimmung er­zielt worden. Besondere Schwierigkeiten macht jedoch die Zurückgabe der privaten Anlagen.

* Schaffung einer Postsparkasse. Reichspost­postminister Höfle äußerte sich über den Zweck seiner kürzlichen Reise nach Wien in einem Ge­spräch mit einem Vertreter derNeuen Freien Presse", daß er nach Wien gekommen sei, um u. a. die Einrichtungen der Postsparkasse in Oesterreich zu studieren, da er sich mit der Frage beschäftige, ob bei der Ausgestaltung der deutschen Post im Sinne einer selbsttätigen Postsparkasse das österreichische oder belgische Muster zu berück­sichtigen sein werde.

Rum, wo das Burggesinde allen Befehlen wider­spruchslos folgte, war anstelle Der lärmenden Art eine ruhigere Strenge getreten, imd oft genügte ein einziger Blick der grauen, scharfen Augen, um hie Knechte und Mägde zu höchstem Eifer anzurreiben.

Endlich brach Sabina das Schweigen

> Ich sehe, daß du dich im Widerspruch deiner eigenen Wünsche und Gedanken so verfangen hast, daß du lernen Ausweg mehr findest. So höre denn: Wr gehen Zeiten entgegen, in denen niemand weiß, was der morgige Tag bringen wird. Es kann zum Kriege, ja zur Belagerung der Burg kommen. Wie sich der Erzbischof von Mainz zu dem Streit der Städte gegen die Burgen stellen wird, weißt du ebenso wenig, wie der Rat in Agahen. Im Kloster der Grauen Schwestern aber, wo man gut unter­richtet ist, sagte man mir, daß der Bannfluch für Ke, die den Gottesfrieden brechen, gewiß ist. Die Beraubung des Markus von Godesberg hat Oel ins Feuer der Lei­denschaften gegossen. Kommt es heraus, wo das erbeutete Geld sich befindet, dann Gnade uns Gott! Darum sage ich, daß das Gold fort muß. um es später auf irgendeine Weife dem Eigentümer wieder zuzustellen."

Wild hatte beide Ellenbogen auf die Lehnen des Stuh­les gestemmt und das Haupt schwer aufgestützt.

Er grübelte und zermarterte fein armes Hirn. Ja das Geld mußte fort, denn es war im tiefen Frieden geraubt worden, damit aber war auch fein Schicksal be­siegelt, da ihn Mosch Veigclstamm zu Johannis aus­lieferte.

Gab es denn wirklich keine Rettung?

Er richtete das Haupt empor und sah die Schwägerin mit rotumranbeten Augen an.

Wohin sollen wir denn das Geld tun? Wer ist uns sicher dafür, daß unser Geheimnis gewahrt bleibt!'

Da sagte sie leise und bedeutungsvoll:Wir dürfen dieses Gut nur einem Menschen anvertrauen, dessen Herz nicht mehr an irdischem Tand hängt, der nur (Bott als seinen Richter anerkennt und der über den kleinlichen Händeln der Welt steht."

Wild lauschte mit höchster Spannung Wer konnte da gemeint sein?

Sabina fuhr fort:Die beiden Knechte, die Murrner begleiteten, die eiuriae« Witwllker des GebermniLes.

hinter verfchloflenen Türe«.

Der deulfchnakionsle Parteitag.

Die Tagung der Deutschnationalen, dis für Dienstag den 30. Sept, nach Berlin berufen ist, wird unter strengstem Ausschluß der Oefsentlichkeit stattfinden. Sogar die eigene Parteipresse i st ausgeschlossen! Dieser Umstand spricht Bände. Trotz aller beschwichtigenden Darstellun­gen der deutschnationalen Presse über die gegen­wärtige innere Verfassung der Partei besteht kein Zweifel, daß die Parteiorganisation sich in einem großen Gärungsprozeß befindet. Wir für unseren Teil haben gewiß keine Veranlassung, hier einzugreifen. Es liegt vielmehr im allgemein­politischen Interesse, die Dinge sich ausreifen zu lassen.

Der stärkste Kampf vollzieht sich um die Füh­rung. Die Entschließungen fast aller Landes­organisationen haben die Mangelhaftigkeit und Energielosigkeit der Führung, die es nicht ver­mocht hatte, die Einigkeit bei der Abstimmung im Reichstag zu erhalten, schroff getadelt. Gegen den Pcrteivorsitzenden Hergt hat es auch persönliche Mißtrauensvoten gegeben. Und nun handelte es sich bei der Tagung der Deutschnationalen in Berlin offenbar darum, auch diese Frage zu klä­ren, und das wäre nicht möglich gewesen mit gewählten Vertretern, sondern ist nur durch­zuführen mit ernannten Delegierten. Hergt hat ein unzweideutiges ausdrückliches Vertrauens­votum verlangt und starke Kräfte innerhalb der Partei sind auch am Werk, um das, allerdings hinter verschlossenen Türen, zu erzielen. Als Hauptredner ist der rheinische Abgeordnete Dry­ander bestimmt. Auch dieses deutet darauf hin, daß der Versuch gemacht werden soll, Hergt noch einmal zu retten.

Es fragt sich aber, um welchen Preis das mög­lich ist. Bezüglich der künftigen Politik bestehen innerhalb der deutschnationalen Volkspartei die allergrößten Meinungsverschiedenheiten. Neuer­dings begegnet man der Parole, daß die Deutsch­nationalen nicht in die Regierung eintreten dürf­ten, wenn nicht auch eine grundsätzliche Ab­kehr von der gesamten bisher eingehaltenen innen» und außenpolitischen Linie erfolgt. Diese Auffas­sung steht in schroffstem Widerspruch zu den tat­sächlichen Verhältnissen, aber auch zu den Auf­fassungen, wie sie in der Deutschen Volkspartei maßgebend sind. Jetzt hat Stresemann in einer öffentlichen Rede in Berlin wieder ausdrück­lich ausgesprochen, daß die Deutschnationalen als Partei die Verantwortung für die Ausführung der Sachverständigengesetze übernehmen müßten und daß nur in diesem Fall den Deutschnationalen eine angemessene Vertretung innerhalb des Reichskabinetts zu gewähren fei. Außerdem, so betonte Stresemann, müsse die Führung bei der Mitte verbleiben. Dieser Meinung sind auch die Mittelparteien selber, die ja darauf Hinweisen können, daß ihre Politik die innen« und außenpoltische Entspannung herbeigeführt habe und daß damit der Beweis geliefert ist, daß eine Fortsetzung dieser Politik allein den nationa­len Interessen des deutschen Volkes zuträglich ist.

Das Ergebnis der Geheimtagung der Deutsch­nationalen wird Klarheit darüber schaffen, ob mit den Deutschnationalen mit Aussicht auf Erfolg we­gen einer Beteiligung bei der Umbildung des Kabinetts in Verbindung getreten werden kann oder ob die Deutschnationalen auch jetzt wieder durch übertriebene und nicht den tatsächlichen Ver­hältnissen gerecht werdenden Forderungen das Ziel der Mitte: Schaffung einer wirk-

werden den Schatz dem Klausner ausliefern, dem from­men Einsiedel Benignus. Dort wird er in sicherer Hut so lange lagern, bis die Stunde gekommen ist, das Geld dem Beraubten zurückzugeben. In den Zeiten, die viel­leicht hereinbrechsn, kann es nicht sicherer aufgehoben fein, als in der stillen, abgelegenen Klause, wo kein Mensch Reichtümer vermutet und wohin keine Woge des brandenden Lebens bringt, wie stark auch das Wetter des Streites toben möge."

Graf Wild war sprachlos. Wie schlau und berechnend das wieder emgefädelt war! Benigsen war ihm gut ge- sinnt, und Anne Susanne liebte er wie sein eigen Kind. Bet ihm war das Geheimnis sicher aufgehoben.

Er seufzte tief und erleichtert.

Ein Mühlstein rollte ihm vom Herzen, aber der zweite wuchtet dafür umso schwerer auf ihm

Düster nickte er mit dem Kopfe und haschte nach der Schwägerin Hand.

Der Rat ist gut! Ich werde ihn befolgen, wenn ich auch weiß, daß diese Lösung gleichzeitig meinen Un­tergang besiegelt. Murrner starb umsonst!"

Da geschah etwas, was dem Burgherrn wie ein Wun­der vorkam.

Sabina wies nach dem Kruzifix, das an der Wand hing und sagte:

Hofft und vertraue! Jede gute Tat trägt Zinsen und wird auf der Tafel unserer Schuld vermerkt, auf daß uns dereinst Vergebung zuteil werde. Gib es heraus, das unrechte Gut, und du wirst Segen ernten. Ich habe in meinem Leben erfahren, wie eine einzige Tat alles zerstören kann, was man erhoffte und erflehte."

Sabinas Augen glanzten, als sie sich auf die Dulder - gestalt des Erlösers richteten. Alle Harte war aus ihnen verscheucht, wie ein seliger Schimmer aus den Jahren ihrer Jungmödchsnzeit leuchtete es in dem Blicke auf, und Wild stellte mit Verwunderung fest, wie sehr in diesem Augenblick Sabina seiner verstorbenen Gattin glich.

War das noch derBurgschreck", dessen Stimme j durch die Gänge hallte und alle, die sie vernahmen, zu- I sammenfahren ließ?

Rein hier hatte die Zeit Wunder gewirkt

Wild erhob sich vorn SeKel. 1

lichen Volksgemeinschaft, zunichte ma­chen. Es wird sich jetzt zeigen müssen, ob die Deutschnationalen auch fernerhin Agitationspolitik machen, oder aber ob sie sich zu verantwortungs­bewußter und damit auch opferbereiter Mitarbeit verstehen wollen._________

Das bedrohte Peking.

wtb Paris, 30. Sept. (Tel.) Einer Meldung aus London zufolge hat das diplomatische Korps in Peking, wie man glaubt von Tschangsolin die Versicherung erhalten, daß fein Geschwader d i e Hauptstadt nicht beschießen würde, aus Furcht, bei dieser Gelegenheit Ausländer zu löleu oder fremden Besitz zu schädigen.

Kurland.

* Leichenfeier in Ungarn. Aus Budapest wird gemeldet: Unter großer Beteiligung des Publikums fand im Beisein des Reichsverwesers und der Regie­rung die Beisetzung der Leiche des Feldmarschalls b. Koeveß mit der Erstattung allen militärischen Pompes statt. ___________

Südwestdeutscher Republikanertag in Mannheim.

Man schreibt uns:

Letzten Samstag und Sonntag wurde in Mannheim der Südwestdeutsche Republikanertag abgehalten, zu dem auch die Ortsgruppe Fulda des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold eine starke Delegation entsandt hatte» Den Anlaß zu dieser Tagung bildete die Einweihung eines Denkmals für den Reichstagsabgeordneten Dr. Cubroig Frank, der gleich zu Anfang des Weltkrieges freiwillig in edler Begeisterung zum Kampfe für das Vaterland hinauszog und schon so bald von der feind­lichen Kugel dahingerafst wurde. '

Sie Teilnahme cm dieser Feier wird allen Republi­kanern unvergeßlich fein Dor noch nicht allzu langer Zell hat es gegnerische Kreise gegeben, die die Behaup­tung aufstellten: Wir haben zwar eine Republik, aber keine Republikaner. Diese Leute hätten in Mannheim sein sollen; da hätten sie erfahren können, welch gewal­tige Massen mit Begeisterung der Republik anhüngen und bereit sind, wenn es die Stunde fordert, ihr Letztes, für diese Staatsform einzusetzen. Aus allen deutschen Gauen, besonders natürlich aus Baden, Hessen, Würt­temberg und Bayern waren die Reichsbannerleute in ihrer kleidsamen Uniform herbeigeeilt. Die ganz« Stadt war mit Fahnen in den republikanischen und Landes, färben auf prächtigste geschmückt. Auf allen staatlichen und städtischen Gebäuden flatterte neben Fahnen des Freistaats Baden und der Stadt Mannheim stolz das schuxuzrotgoldene Banner. Eine freudig bewegte Menge durchflutete die Straßen während der beiden Tage. Ein- geleitet wurde die Feier durch einen gewaltigen Fackel» zug am Samstagabend. Tausende imb Abertausende von Reichsbannerleuten durchzogen mit ihren Windlichtern in Begleitung zahlreicher Musikkorps die Hauptstraßen, die zu beiden Sellen von dichtgedrängten Menschenmassen ein gesäumt waren. Immer wieder erschollen die Hoch» rufe auf die Republik, auf das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold, Pereatrufe gegen die Reaktion. Nach Beendig gung des Zuges, der ohne jeden Mißton verlief, flutete«! die Massen in den riesigen Nibelungensaal des Rosen­gartenetablissements Der herrliche Saal bot dem Be­schauer ein äußerst farbenprächtiges Bild. Zu Hunderten waren die schwarzrotgoldenen Banner aller zur Tagung erschienenen Ortsgruppen aus einer (Empore malerisch postiert. Vor ihnen hatte ein gewaltiger Gesangschor, der zur Hülste aus weißgekleideten Jungfrauen bestand, Platz genommen. In gespannter Erwartung harrte die Menge der Ankunft der republikanischen Führer, die ihr Erscheinen zugesagt hatten. Freudiger Jubel erscholl, als die allen schwarzrotgoldenen Fahnen aus dem Jahre 48 in den Saal getragen wurden, und begeisterungsvolle Frerrdenruse begrüßten die alsdann eintretenben repu­blikanischen Führer. Da sah man neben dem Reichs­kanzler a. D. Dr. Wirth, den früheren Reichstagspräsi­denten Paul Lobe, neben dem Zentrumsmanin Staats»

Ich habe dir oft Unrecht getan, Sabina vergib mir, daß ich dich verkannte!"

Aber sie wehrte herbe ab, als schäme sie sich dieser Stunde, die sie in ihrer wahren Gestalt zeigte.

Du hast nichts abzubitten. Einmal nn Leben war I ich ein schwaches, liebedurstiges Weib. Ich habe diese Schwäche furchtbar büßen müssen. Wieviel du durch j hie Schwester von meiner Vergangenheit weißt, ist mir I nicht bekannt. Aber selbst wenn sie dich einweihte, so ' erfuhrst du kaum den vierten Teil. Das Schwerste blieb i Geheimnis zwischen mir und dem Vater, dem Goll seine Härte gegen mich und dem, den ich liebte, in Gnaden verzeihen möge."

Sie stand auf, um damit anzuzeigen, daß sie die Unterrebimg als beendet ansähe.

Worüber ich zu keinem Menschen sprach, dir will ich es einmal erzählen, wenn wir Ruhe und Stimmung dafür finden. Jetzt ist der Augenblick nicht da, um Träumen vergangener Zeit nachzuhängen, jetzt heißt es handeln. Morgen schon müssen die beiden Boten ihren Auftrag aus führen, und Anne Susanne, die dem Herzen des Klausners am nächsten steht, soll ihm Künderin des Auftrages fein, der ihm zuteil wird Auch soll er für die Seele Murrners beten, der ohne priesterlichen Segen hinabfahren mußte."

In diesem Augenblick pochte es, und ein Knecht, der als Kundschafter nach Agathen gesandt worden war, trat ein.

Er wußte manches zu berichten, was von Wichtigkeit schien. Am Nachmittag war es in der Stadt zu auf­geregten Zusammenläufen gekommen, die aber die Wachen des Rates zustreuten. Für den Augenblick war nichts zu befürchten, da noch Uneinigkeit herrschte und der Rat nicht die Schuld auf sich laben wollte, ben Frieden ge­brochen zu haben. Aber man lauerte gierig auf irgend­einen Streit, der die Handhabe bot, mit starken Kräften gegen die Burgen zu ziehen. Dem Kaufmann Markus und feinem Knecht ging es besser. Es stand fest, d f ' beide am Leben bleiben würden. Das hatte die Ge­müter ein wenig beruhigt. Betrüblich aber war, daß man den Stadtschreiber Obadias, der zur Ruhe und Vernunft mahnte, minder Gafft verprügelt hätte, roeim ihm nicht die Wochen zu Hilft gekommen wären jS, v