euldaerZertung
Nr. 228.
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadl Fulda.
BerantvortliL für die Sürirtleitung i. Bertr.: Anton Metzler. Anzeigen: I-B ar re ller. Fulda. Rotationsdruck und Berlag der 4 Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Ferulvrecher Nr. S. := Monatlicher BezugZvreis: 1.50 Mk.
Dienstag, Z0. September 1924*
Anzeigen-Preiic^ Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 Goldmark auswärts 0,20 Goldmark: Reklamezeile lokal 0,60. Goldmark auswärts 0,80 Goldmark.
Bei Wiederholungen Rabatt- Postscheckkonto Frankfurt a. M- 4051.
51. Zahrg.
Bet WEWMitzg Oes ZeNMS ist nunmehr für die Tage des 28. und 29. Okt. nach Frankfurt a. M. einberufen.
Dem Reichsparteitag voraus geht der Parteitag der Preußischen Zentrumspartei, der also am 27. Oktober und zwar ebenfalls in Frankfurt a. M. stattfindet.
Für die Verhandlungen des Reichsparteitages ist ausschließlich die Erörterung der politischen Probleme in Aussicht genommen. _ Es wird ein Referat erstattet werden über das äußere und innere Leben der Partei, das von dem Stande der Partei, wie er durch die letzten Reichstagswahlen in die Erscheinung trat, ausgehen wird, um in Würdigung der politischen Ereignisse, die sich seitdem bis jetzt vollzogen haben, sich Rechenschaft über die innere und äußere Verfassung der Partei geben zu können.
Der Bericht über die Tätigkeit der Reichstagsfraktion wird dann die Basis geben für die Handlung der großen politischen Fragen, die im Vordergründe aller Erörterungen über die Wirksamkeit der Partei im Reichstag und über die Stellung der Partei bei der künftigen innen- und außenpolitischen Entwicklung stehen.
Den großen richtunggebenden Ausblick, gleichzeitig die Parole für die Partei, wird dann ein Referat zu zeigen haben, das sich mit der Pol i- tik der Zukunft vom Standpunkt der Zentrumspartei aus zu befassen hat. Bei diesem Punkt wird das Führer- und Führungsxroblem der Zukunft im Vordergründe stehen.
Die -ganze Partei im Lande, ja man kann wohl sagen, das ganze deutsche Volk, erwartet von diesem Parteitag der Deutschen Zentrumspartei etwas ganz Außerordentliches. Das Staats- w o h l allein ist es, das der Zentrumspolitik Richtung und Inhalt stets bisher gegeben hat und auch weiterhin geben wird. Der Zeitpunkt des Reichsparteitages fällt in eine Epoche, die ohnehin für die politische Entwicklung der Zukunft von entscheidender Bedeutung fein wird. Die von dem In Hannover zuletzt tagenden Reichsausschusses gegebenen Richtlinien zur Sammlung aller gesunden und positiv mit arbeitenden Volkskräften werden die politischen Entscheidungen der nächsten Zeit ausschlaggebend beherrschen. Man wird annehmen können, daß vor dem Ablaus des Reichsparteitages des Zentrums in Frankfurt a. M. auch die jetzt im Vordergründe alles Interesses stehenden innerpolitischen Probleme zu einer vollen Klärung und Lösung nicht geführt werden können.
Der Weltfriedenskongreß.
Wie wir schon berichteten, findet vom 2.-8- Okt. in Berlin der vom Internationalen Verband der Friedensgesellschaft einberufene 23. Weltfriedenskongreß statt. Die öffentlichen Verhandlungen beginnen am Sonntag, den 5. Oktober, mit einer Gedenkfeier für di« Toten der letzten zehn Iahte, die im Plenarsitzungssaale des Reichstages abgehalten wird und zu der Ferdinand Buisson-Paris, Mrs. Pethick- Lawrence-London und Paul Löbe-Berlin das Wort nehmen. Tas erste Hauptthema des Kongresses ist die internationale A b r ü st u n g, zu der der deutsche Völkerrechtler Dr. HanS Wehberg, der französische General Verraux-Paris als Referenten und die deutschen Generale von Sei mling und Freiherr von Schönaich in der Debatte sprechen werden.
DaS zweite Hauptthema ist „P a n - E u r o p a und Völkerbund", zu dem der Begründer der Pan- Europa-Jdee, Dr. Graf Coudenhove-Kalergi, selbst referiert, außerdem vom Standpunkt der speziellen Völkerbundsarbeit aus der Abgeordnete Löon Blum-Paris und Professor Schücking- Berlrn. Es sind für den Kongreß eine große Zahl von Delegationen aus allen Ländern angemeldet.
Der BurgschreS.
Roman von Felix Neumann.
24] -------------•
Benignus hob Anne Susannes Kinn empsr und suchte ihren Blick.
„Ihr werdet doch kommen, nicht wahr? — Ihr geht dann die große Straße, damit ich nicht in Sorge zu sein brauche."
Sie zeigte die blanken Zähnchen. „Wenn ich mm aber böse mit Euch bin, und — nicht komme?"
„Darm täte mir der junge Ritter leid, denn zu mir, dein alten Waldkauz, macht er doch morgen sicherlich nicht den weiten Weg, sondern--
Anne Susannes Hand verschloß ihm den Mund.
„Was Ähr denkt! Ich kann ihn überhaupt nicht beiden. Wie er mich immer angeguckt hat!" Sie wollte beleidigt a-ussehen, aber es glückte ihr garnicht. Das war doch endlich einmal ein Ereignis, bas Licht in ihr Schattendasein goß.
Benignus räumte ab und Anne Susanne hals ihm.
„Warum habt Ihr Euren Namen verschwiegen?" Sie roarf die Lippe ein wenig auf.
„Was nützt uns im Leben Ranz und Stand, wenn man sie nur mit Mühe aufrecht erhalten kann- — Wenn r.ttch je ein Mensch im Leben liebt, so soll es um meinetwillen geschehen, und nicht, weil ich ein Grafenkind bin."
„Nun werde ich Euch Heimgeleiten, mein Kind denn her Abend naht Und wenn Ihr morgen kommt — —"
Sie seufzte. „Ach — wenn doch das Leben nicht so von Aeußerlichkeiten abhinge. Denket nur Benignus, auch hie arme Muhme ist — so glaube ich zu entnehmen — unglücklich und hart geworden, weil sie don Traum ihrer Liebe begraben muhte. Sie soll ein Gelöbnis getan haben, das sie von allen Freuden der Welt aus- und das sie nicht brechen will und darf."
Btt SM öet «MlmKW.
Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:
Die Arbeiten des Unterausschusses des Reichstages sind im großen und ganzen abgeschlossen. Durch eine verfehlte Regie ist freilich recht beträcht- liches Unheil nach innen und außen angerichtet worden. Es war wirklich nicht notwendig, die Oeffentlichkeit derart zu beunruhigen, wie es durch die verschiedenen Pressemeldungen geschah, die sich, da die Verhandlungen des Ausschusses selber als vertraulich betrachtet wurden, aus mehr oder minder vagen Informationen, die aber nur Kombinationen waren, aufbauten.
In der Aufwertungsfrage selbst ist eigentlich gegenüber dem bisherigen Stand gar keine Aenderung eingetreten. Daß das Reich bei feiner gegenwärtigen finanziellen Lage nicht auf- werten kann, daß ihm feine zur Verfügung stehenden Mittel auch nicht die Aufnahme des Zinsen- dienftes in absehbarer Zeit ermöglichen, wußte man schon längst. Das wußten auch die Vertreter der Parteien im Aufwertungsausschuß. Aber gerade deshalb richteten sich ja die Bemühungen darauf, außerhalb der Reichsmittel Finanzquellen zu erschließen, die die Sammlung eines Fonds ermöglicht hätten, aus dem dann die Mittel für eine den Zeitverhältniffen entsprechende mäßige Auswertung und Verzinsung hätte entnommen werden sollen. Der Zentrumsabgeordnete Fletsch e r hat einen besonderen Antrag zur Erfassung einer gewissen Spekulation ausgearbeitet, der nunmehr vom Finanzministerium zur Grundlage für die Vorlage eines Gesetzentwurfs genommen ist. Das Prinzip der Aufwertung an sich, fei es auch nur durch die Aufnahme eines geringen Zinsendienstes, ist also nicht aufgegeben, wird vielmehr nach wie vor weiter verfolgt.
Eine volle Klarheit in diesen Dingen wird ja auch erst nach der Stellungnahme des Hauptausschusses des Reichstages für diese Aufwertungsangelegenheiten und nach der Entscheidung des Plenums und einer Entscheidung der Vollversammlung des Reichstages ergeben. Was jetzt vor sich ging, hat allerdings die außerordentlichen Schwierigkeiten aufgezeigt, die der Regelung dieser Frage im Wege stehen und hat insbesondere auch die Unmöglichkeit der Erfüllung übertriebener Hoffnungen und Forderungen dargelegt. Der Rückschlag, der sich dadurch börsentechnisch ergab, ist freilich sehr schwer, ob er aber heilsam ist, und ob sich die bösen Erfahrungen der letzten Zeit auch für die Zukunft vermeiden lassen, ist nach dem jetzigen Stande der Dinge absolut noch keine ausgemachte Sache. Die Aufwertungsfrage wird solange die Oeffentlichkeit beschäftigen und solange auch das Objekt börsenmäßiger Spekulationen fein, als nicht wirkliche Gesundung und Stetigkeit unserer Finanzgebarung eine glatte und dauerhafte Lösung herbeiführt.
Günstiger Staub der Knleihe- verhandlungen.
Schachts Besprechungen mit der City.
Wie der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" meldet, gehen die Verhandlungen über die Ausbringung des britischen Anteils von 10 Millionen Pfuno an der Dawasanleihe günstiger als mvor vonstatten, was jedoch nicht bedeute, daß alle Finanzyäuser der City, deren Mitarbeit erwartet worden sei, notwendigerweise an den Operationen terlnehmen. Dem Berichterstatter zufolge wird in London die Geschicklichkeit Dr. Schachts als Berhandlungsführer sehr gerühmt, desgleichen die Pünktlichkeit, mit der die Deutschen das Londoner Abkommen durchführen, sonne die Loyalität, mit der die deutschen Vertreter mit den nach dem Dawesplan ernannten anderen Vertretern zusammenarbeiten.
Benignus stand in der Tür der Hütte. Er wandte 'ftcf) um, und Anne Susanne bückte in ein Paar merk- - würdig umschleierter Augen.
Forschet nach, mein Kind, was Ihr darüber erfahren könnt. Vielleicht, daß es meinem Gebet gelingt, den düsteren Schleier zu heben, der ihren Geist und ihr Dasein in Schatten hüllt!"
Benignus trat ins Haus rmd blieb eine Weile firn.
Anne Susanne dachte über dis Worts nach
Der Klausner stand im Ansehen großer Frömmigkeit. Warum sollte es ihm, der so warmen Anteil an dem Schicksal der Muhme nahm, nicht gegeben sein, Fürsprache für sie im Himmel zu tun?
In ihrem kindlich-gläubigen Sinn erschien ihr das nicht unmöglich. Berichtete man doch in den Kirchen immer wieder von Wundern, dis früher geschehen waren und an Wallfahrtsorten auch jetzt noch die Gläubigen in Staunen und Bewunderung ausbrechsn ließen.
Die Sonne war hinter den Bäumen hinabgefunken. Es war. Zeit zur Heimkehr.
Benignus, ein kurzes Schwert an der Sells und den mächtigen Pilgerstab in der Faust, trat aus der Tür.
Heulend vor Freuds erhob sich Troll, beim er wußte, daß nun ein Spaziergang folgte, den er so gerne hatte.
Schweigend gingen der Klausner und Anne Susanne durch den Maiabend Agathen zu. Sie trafen niemanden.
Kurz vor. der Stadt bog der Pfad nach dem Schreckenstein ab Hier begegneten sie zwei Knechten und einer Magd der Burg, die zwei beladene Esel hinaufgelelleten. Sie kamen aus der Stadt, wo es böse aussah. Auf dem Markte hatten große Zusammenrottungen statigefunden, die gegen die Schloßeingesessenen gerichtet waren. Bom flachen Lande strömten bewaffnete Bauernsck)aren herbei, die sich den Bürgern zugesellten. Der Rat der Stadt hiell die Wachen, die dem Unfug ein Ende bereiten soll- | teil, zurück. In schwächlichem Schwanken wagte er nichts i gegen die verhetzte Menge zu unternehmen, die durch ■
ZahlungserleLchterung bezüglich der Rentenbankzinsen.
Vorn Reichsfinanzministerium wird amtlich mitgeteilt: Von der Zahlung der Rentenbankzinsen von Industrie, Gewerbe und Handel einschließlich der Banken zum 1. Oktober 1924, wie dies kürzlich bekanntgegeben worden ist, hat die Landwirtschaft zum 1. Oktober 1924 einstweilen nuröte Hälfte der aus den Rentenbankbescheiden ersichtlichen Halbjahreszinsen zu entrichten, während der Rest erst später entrichtet zu werden braucht. Die maßgebenden Stellen haben sich nunmehr entschlossen, auch den industriellen, gewerblichen und Handelsbetrieben einschließlich der Banken nachzulassen, die bis zum 8. Oktober 1924 die zu leistenden Halbjahreszinsen bis zu diesem Zeitpunkt nur zur Hälfte entrichten. Die zweite Hälfte ist ohne weitere Aufforderung bis 15. Jan. 1925 zu zahlen.
Der Verwaltungsrat der Reichsbahngesellschaft.
Am Samstag fand die erste Sitzung des Verwaltungsrats der Reichsbahngesellschaft statt. Der Satzung gemäß wurde ein permanenter Ausschuß gewählt, der sich aus den Herren v. Siemens, Stieler,' Ackworth, Bergmann, Fischer und Arnhold zusammensetzt.
Nach der Satzung der deutschen Reichsbahngesellschaft dürfen die Mitglieder des Verwaltungsrakes nicht Mitglied des Reichstages, eines Landtages, der Reichsregierung oder einer Landesregierung fein. Auf Grund dieser Bestimmung wird der in den Verwaltungsrat gewählte demokratische Reichstagsabgeordnete v. Siemens sein Mandat niederlegen. ___________
Die Reparationslieferungen im September.
Die Rcpko hat in Anwesenheit des Vertreters des Agenten für die Reparationszahlungen, Owen D. Doung, den Monat September die Höhe der Kohlenlieferungeu um 10 Prozent reduziert und gleichzeitig bestimmt, daß der verlangte Preis für Kohlen um 10 Prozent, für Koks um 8 Prozent herabgesetzt wird. Es ist ferner bestimmt worden, daß die französisch-belgische Eisenbahnregie, deren Reinertrag der Reparationskasie übergeben wird, 11 Goldmark für die Tonne Kohlen bezahlt.
3. R. 3.
Das Zeppelin - Luftschiff, das nach Amerika geliefert wird, bleibt Eigentum der amerikanischen Regierung. Das Luftschiff wird in Lakehurst im Staate New Dort stationiert sein. Das Luftschiff soll nur zum Transport von Passagieren u. Post zwischen New Jork u. London verwendet werden.
Das Marineministerium der Vereinigten Staaten hat nach dem Empfang der Meldung, daß das Luftschiff Z. R. 3 bereit ist, in etwa einer Woche zum Fluge nach Amerika aufzusteigen, mehreren Kriegsschiffen die Weisung erteilt, auf der Route des Luftschiffes zu kreuzen und dem Luftschiff nötigenfalls Hilfe zu leisten. Einer der Kreuzer trägt einen Mast der so eingerichtet ist, daß das Luftschiff daran ankern kann.
Marokko.
Havas verbreitet folgendes amtliche Kommunique über die Lage in Marokko: Am Abschnitt von Gomara haben die Spanier vier Stellungen geräumt. Die Kriegsschiffe haben bei der Räumung von drei dieser Stellungen mitgewirkt. Im Abschnitt von Tetuan, wo die Operation einen Vorstoß gegen Tauen zum Ziele halte, verlief diese Operation erfolgreich. Nach hartem Kampfe ist eine Abteilung in Zozoarba angekommen.
Wcmdevredner seit Monden mehr rmd mehr in Aufruhr gebracht ward. Bis jetzt hatte sich alles in tiefer Geheimhaltung unter dem Schutze des Gottesfriedens in nächtlichen verborgenen Versammlungen abgefpielt. Run aber erhob das Reptil der Auflehnung offen das Haupt, und es bedurfte nur eines Anstoßes, um den Krieg der Städte und Dörfer gegen die Grafen und Herren zu entfachen. Durch entlegene Gaffen hatten die Angestellten der Burg, die manche gute Freunde m Agathen befaßen, unbehelligt das Freie gewonnen. Ms sie die Stadt verließen, sperrte der Rat gerade die Tore, um sofortige Ausschreitungen verhindern zu können. Anne Susanne schloß sich den Bediensteten der Burg an, und Benignus kehrte zurück. Er für feine Person brauchte nichts zu fürchten, aber er blickte doch trübe in die Zukunft. Schwere Weiter zogen herauf, die sich stündlich entladen konnten.
♦
Als Anne Susanne die Burg erreichte, war d e Zugbrücke wie sonst heruntergclasfen Nur die Wache war verstärkt.
Graf Wild besaß persönliche Widersacher kaum. Aber es war zu befürchten, daß der losbrechende Sturm auch vor dem Schreckenstein nicht hcrltmachon werde.
Auf dem Hofe herrschte emsiges Treiben. Man Holle aus den Rüfttammern Schwerter und Partisanen, Armbrüste und Panzer, und mancher alle Knecht legte lächelnd die rauhen Finger der Hand an die Schneiden der Waffen, um zu prüfen, ob sie auch scharf genug feiern, durch die Wämser und Lederkoller der Städtischen zu bringen.
Anne Susanne wollte zum Vater gehen, aber der Frieder, dem sie begegnete, bedeutete ihr, daß der Burgherr bei Gräfin Sabina sei und niemanb eingelassen men den bürfe.
Es war am Frühnachmittag gewesen, als ein Bote bei der Gräfin erschien und anfragte ab Graf Wilds Besuch genehm wäre.
preußischer Landtag.
zortsetzung der Beratung des cimdwirlschaftretats.
In der Sitzung vom 27. September jährte Abg. Hagemann sZerttr.) aus, daß das Ziel aller Maßnahmen auf dem Gebiete der Landwirtschaft die Hebung der Produktion fein muß, bam.it; das Land vom Auslände möglichst unabhängig toferb. Dazu können auch Schutzzölle dienen, die wir ja o uch brauchen, um vorteilhafte Handelst), rträge abschlitßen zu können. Eine ganz andere Frage ist, ob der gegenwärtige Zeitpunkt dafür geeignet ist. Heute steh« n die Prerse für die notwendigen Lebensmittel (gleifd ), Fett, Milch, Eierusw.) sehr hoch, und ihnen stehen irnm er noch recht niedrige Arbeiterlöhne gegenüber. Wie f chlimm stehen vollends die Erwerbslosen und Kurzarbeiter da. Der unmittelbaren Not dieser Kreise abzul -elfen, mutz die nächste Aufgabe fein. Das Streben nuuß deshalb dahin gehen, nach durchgeführter Markstabri isierung die niedrigen Löhne zu erhöhen. Wie das r< nze Volk solidarisch für die Landwirtschaft einzutreten. aufgerufen wird, mutz es sich solidarisch auch für die Erleichterung des Loses der Sozialrentner, der Erwerbslosen usw. einsetzen. Eine engere Verbindung zwis chen der Landwirtschaft und den Konsumgenossenschaften ist anzustreben.
Abg. Wenzlasf (Dn. VpH ging auf das bestehende Steuersystem im einzelnen ein,, um nachzuweisen, daß dieses System für die Landwirtschaft untragbar fei. Zum Ministerpräsidenten Brann, der sich im Gegensatz zum Landwirtschaftsminister z.egen Schutzzölle erklärt habe, könne ein preußischer Leu vdwirt nicht das geringste Vertrauen haben.
Abg. Graf zu Stolberg -Wernigerode (D.Vp., setzte auseinander, wie gerade angesichts der bestehenden Schwierigkeiten für die Lan) ^wirtschaft die Annahme des Dawesgutachtens erforbeti iich gewesen wäre. Redner wandte sich gegen die Schaff mag einer Argrarbank und trat für den Schutzzoll in ein er Höhe ein, wie sie noch für andere Stände tragbar 'pei und verlangte, daß dabei die Interessen der Haupts,"rchlrch Viehzucht treibenden Kleingrundbesitzer und tianl ‘arbeitet in den Vordergrund gestellt würden.
Nach weiterer Erörterung wurde die allgemeine Aussprache geschloffen. Saj. Haus vertagte sich auf Mittwoch 12 Uhr. Weiterbei atung des landwirtschaftlichen Etats. Außerdem steht der kommunistische Antrag auf Amtsentsetzung des Prä fidenten Sein eit nochmal» auf der Tagesordnung.
Deutsches Keich.
* Der Präsident der Rttächsbank, Dr. Schacht, führt gegenwärtig in Lor Hon die Verhandlungen, betreffend die d e u t s ch s Anleihe.
* Bewertung des las dwirtschaftlichen Grundvermögens. Der Sleuev cusschuß des Reichstags hat einen Antrag Fehreitdach angenommen, der die Reichsregierung erfud.it, zur Bewertung des landwirtschaftlichen Grundvermögens, für die Ver- mögensfleuer und die Eil treihung der Grundstücke in diese Klassen sowie für eine dem tatsächlichen Ertrage entsprechende FestsetzWtg der Rahmensätze geeignete Maßnahmen zu treffen und mit denjenigen Ländern, welche die Steuern nach dem Grundvermögen erbebe«, Verhandlungen zwecks gleichmäßiger Veranlagirn g herbeizuführen.
* Roch immer £ einer fi. Das Bürgervorsteherkollegium in Hannover khrck beschlossen, Oberbürgermeister Leinert gemäß ter Personalabbauverordnung in den einstweilige!» Ruhestand zu versetzen.
UaLHMche Welt.
— P. Grisar 8. J. 80 Zechte alt. Am 22. September konnte P. Hartmann Griffe c 8. J. seinen 80. Geburtstag feiern. Der Gelehrte hat tn feinem hohen Alter noch die alte Schaffensfreull« beibehalten. Immer noch sind in in den letzten J-ahren bedeutende Werke von ihm erschienen. P. Gnscvc wat übrigens nicht bloßer Zunftgelehrter, der in iövtdjem und wiffenfchaftlichen Zeitschriften sich nut an (^eiebttc wandte; er bedachte auch die Tagespreffe mit Beiträgen. So besonders gelegentlich der verschiedemm. UteformationSj ubiläen der letzten Iahte. Möge es de m greifen Gelehrten gegönnt fein, noch lange die Fruchte feiner langen Studienjahre im Dienste der katholischen Preffe auszumünzen.
Als er in das Gemach der Schwägerin trat, zeigte das Antlitz zwar immer «oh das alte Entschlossenheit und Willensstärke, aber der cuHbegehrende Trotz wat ver- fchwunden.
Der Burgherr verneig 6» sich ritterlich und nahm dann Sabina gegenüber Platz, LLe mit einer Handarbeit an» Fenster saß.
„Ich hoffe, daß ich dir nicht ungelegen komme."
Wild räusperte sich und rutschte ein wenig auf feinem Sitz hin und her, denn er mar kein Meister der Rede und wußte nicht recht wie er fein wichtiges Anliegen vorbringen solle. Aber Sechina half ihm über den peinlichen Augenblick hinweg.
Ich habe dich sogar ertvartet, denn ich wußte bestimmt, daß du meinen Rat eins rfan würdest. Hast du selbst bereits einen Entschluß gesoßt?"
Wild drehte die Sp'^e seines Schnurrbarts und krauste die Stirn
„Ich habe die ganze Rächt darüber gegrübelt, was nun geschehen solle, aber---" Er blies heftig durch
die Nase und drehie den Si vpf zur Seite, um der Schwägerin nicht in die Augen s ehen zu brauchen.
Sabina ließ die Arbeit in den Schoß sinken und blickte den großen, starken,, nun so kindlich unbeholfene« Mann mit einem Ausdru S an, der Mitleid verriet.
Wild dauerte sie. Dis Versuchung war riesengroß.
In wenigen Wochen dr rhte der Zusammenbruch, wenn zum Johannisiermin kein Geld vorhanden war. Drüben in der Truhe lagen die Beutel mit den blauten, geprägten Stücken, die zwar, unrechtmäßig Gut darstelllen, aber die Murmer, der SBogt, teuer mit seinem Leben bezahlte.
Herr Markus von Gcsiesbsrg galt als unermeßlich reich. Wenn er am Let.c in blieb, würde er schon nach Jahr und Tag den Verilvst verschmerzt haben, der für ihn nur einen unbebauten? ien Aderlaß bedeutete.
(Fortfi tzung folgt.)