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M 221.

Sonntag, 28. September 1924.

Aul-aer Heilung

s. Blatt»

Druck der Fuldaer Aetieudruckerei ia Fup-

verttampf gegen dieReligion

Bon einem gegenwärtig Rußland bereisenden Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Im Zentrum Moskaus, einer belebten Seitenstraße der noch belebteren Petrowka, befin­det sich ein kleiner Zeitschriften- und Buchladen, zweckbewußt eingerichtet mit der ausschließlichen Bestimmung: Kamps der Religion!---

Die Revolution selbst wandte sich mit denk­barster Brutalität, die einer kulturlosen in Eier entfesselten Maße fähig ist, gegen alles, was Kirche und Glauben bedeutet. In den Kirchen und Klostern, die zum Teile die Horts werwviler Kunst in verschiedener Gestaltung waren, schlug der Van­dalismus hinein und zerstörte in vollkommener Sinnlosigkeit. Noch heute kann man die offenen Spuren dieses Vandalismus bemerken: in dem Hof eines der berühmtesten Klöster liegt eines der gcrbogenen Doppelkreuze, von Feile und Meißel ausgiebig bearbeitet, umher, von einem der vielen Zwiebeltürme sehen dunkle Rostflecken herab und fressen sich weiter in dem noch verbliebenen Gold­belag. Es war auch in, an und auf russisch­orthodoxen Klöstern und Kirchen nicht alles Gold, was glänzte!

Nach dem ersten Zerftörungsraufch setzte lieber» legung ein: systematisch wurde die russisch-ortho­doxe Kirche ihrer Schätze beraubt, sie wurdeent­eignet"; Edelmetalle und Edelsteine wanderten in wohlbewahrte und diebessichere Gewölbe, sonstiges Kunstgut wurde in Museen getragen oder es wurde ein besonders sich eignendes Kloster zu einem sol­chen umgewandelt. In der näheren und ferneren Umgebung Moskaus kann man durch die nun so stillen Klostergärten wandern, kann man sich reich- haltigste Meßgewänder von Popen und Patriar­chen und vieles andere an diesbezüglichem Gerät vorzeigen lassen. Klöster wurden sowjetistische Ka­dettenanstalten zur Erziehung des militärischen Führernachwuchses, durch ihre Lage hierzu beson­ders bevorzugte Klöster wurden ausschließlich nur der kommunistischen Jugend oder den Arbeitern überhaupt zur Verfügung stehende Erholungs­stätten. Selten, daß einem beim Durchwandern der Klostergärten einer der früheren Bewohner begegnet; hat man ihnen vielleicht einen zerfalle­nen Winkel belassen, dann verkümmern sie dort den Rest der Lebenstage, ohne Hoffnungen und ohne Energien . . .

Im Narkomjus besteht eins untergeordnete und ein bescheidenes Dasein führende Abteilung, der die Bearbeitung aller kirchlichen Fragen ob­liegt. Don hier aus werden alle ideellen Verstöße ringeleitet, hier sind die Projekte und Pläne ge­schmiedet worden und werden diese weiter zur Durchführung gebracht zu einer womöglichen for­malen Lösung der Frage: bolschewistischer Staat und Kirche.

Die noch immer und schon seit langem währen­den Auseinandersetzungen zwischen Staat u. ortho­doxer Kirche sind bisweilen von heftigen Kämpfen begleitet, die ihre Personifizierung finden in dem Kampfe, den die Sowjetregierung gegen den Mos­kauer Patriarchen T ich en führt. Dauer und Zähigkeit des Kampfes beweisen, daß hier aus bei­den Seiten um anschauungsmäßige Prinzipien ge­stritten wird, banaler ausgedrückt: es ist der Kampf um die Seele des russischen Volkes. Die Bolschewisten find in ihrem Religionskampse kluge Taktiker; sie kennen die Verankerungen des orchodoxen Glaubens im Volke zu genau, als daß sie im niederreißenden Sturme diese Jdeenfestung auszurotten wagen, was wirklich nicht gelingen würde. Sie haben Breschen geschlagen in diese Front, sie haben verstanden, das Menschlich-Allzu- menschliche kleinlichen Neides und hinterlistiger Ränkessüchteleien auszunutzen. So tobt der hell­entfachte Kampf in der russischen Kirche, zwischen Tichen einerseits und dem Erzbischof Krasinzki andererseits als dem Führer der sogen,refor­mierten lebenden Kirche".

Diereformierte lebende Kirche" sollte die Brücke sein, die die Bolschewisten zur Erreichung ihres antireligiösen Zieles gehen wollten. Aber üuch dieses ihr Werk macht ihnen nicht geringe Sorge, die Dinge entwickeln sich bei weitem nicht so, wie es gewünscht wird. So tauchte denn eines Tages an der Kirchenabteilung des Narkomjus wahrscheinlich von außen, dem Kreml her, inspi­riert der Gedanke auf, sich mit dem Katholi­zismus zu verständigen, die Blicke romwärts zu wenden. Doch die Linie der großen Politik, die jüngeren Entwicklungen in Frankreich und England und die darauf anfänglich gefetzten über­schwenglichen Hoffnungen, ließen den Gedanken einen Gedanken bleiben, alles Beabsichtigte blieb unausgeführt. Es konnte diese Wandlung den Kenner und Beobachter sowjetistischer Politik mcht überraschen; es ist doch nicht das erste Mal, daß > Pläne und Absichten am fowjetistifchen Firmament auftauchen und niedergehen in einer Plötzlichkeit wie Meteore im August.

Dieantireligiöse Frage" schien Interesse und Aktivität in letzter Zeit verloren zu haben; sie wurde zurückgedrängt nur von momentan wich­tigeren und politischen Angelegenheiten des russi­schen Bolschewismus. Aber nun har die Behand­lung der Frage einen neuen, sehr bedeutungsvollen Anstoß von besonderer Seite, von Trotzki selbst, bekommen. Nach einer Darstellung derJs- wcftßa", des Moskauer offiziösen Organs, hat Trogkr auf einer Versammlung der Arbeiterklub. Delegierten über dieantireligiöse Propaganda" gesprochen:Die antireligiöse Propaganda müsse genau so nach einer bestimmten taktischen Linie betrieben werden, wie alle übrigen Agitationen. Es habe keinen Zweck, die Agitation gegen religiöse Vorurteile immer in der Weise vorzunehmen, daß man irgendwelche Gegenstände des religiösen Kul­tus lächerlich mache, wie dies z. B. derDis- öeshnik" (Der Gottlose, ein antireligiöses, zynisch- dreckiges Witzblatt, das seine Aushänge in dem Eingangs erwähnten Zeitschristenladen hat) seit einer Reihe von Jahren tue. Es sei vielmehr bei weitem zweckmäßiger, gegen die Grundlage der Religion vorzugehen und durch eine Propaganda für das Studium der Naturwissenschaften den Weg für die materialistischen Weltanschauungen zu ebnen."

In dieser Wendung der Dinge scheint mir ein Eingeständnis zu liegen, daß die unglaublich ge­schmacklose An der Verhöhnung alles Religiösen durch denBesbeshnik" auch im russischen Volke nur mit Verachtung gestraft worden ist, die hier nur am Platze ist. Hat man hiermit alfo keine -

Früchte vielfältiger Bemühungen ernten können, und auch nicht mit den verschiedenartigsten Mit­teln vermocht, Kirche und Glauben zu töten, so scheint man es nun mit einem neuen Wege ver­suchen zu wollen. Aber mit dem Versagen der anderen Methoden scheint auch der vorgezeichnete Mißerfolg der nunmehrigenwissenschaftlichen" antireligiösen Propaganda gegeben zu sein: was Realitäten" hier nicht erreichen, vermögenIdea­litäten" wirklich nicht zu schaffen! Ein Blick in das religiöse Leben des russischen Volkes ist der beste Beweis dafür, daß alle antireligiöse Propa­ganda, sie mag eingestellt sein wie sie will abprallt an der religiös-mystischen Natur des Russen. Und mir dürfte kein Mittel denkbar fein, zwangsläufig die Seele eines Volkes über Tag oder Nacht von Grund auf ändernd beeinflussen zu können. So erscheinen alle diese Bemühungen einer antireligiösen Propaganda nutzlos ver­schwendet am untauglichen Obirkt und es wäre wahrlich besser, wenn man biefe um eines bloßen Prinzips willen angewandten Energien für bes­seres sich aufsparen wollte! Es gibt genug an geistiger Aufbauarbeit zu leisten; die fort und fort schreitende geistige Verwahrlosung, die sich eines Teiles des Volkes bemächtigt, und die vielen Ver­nachlässigungen in der Erziehung der aufwachfen- den Generationen Rußlands werden sich eines Tages an Staat und Volk bitter rächen. Man wirkt hier noch in geistiger Verneinung, die, wenn nickst rechtzeitig die Gefahren erkannt wer­den, die Völker unbedingt dem letztlichen Unter­gänge entgegenführt!

Kus der Zentrumspariei.

6lne Windthorstdüste ffir den Reichskanzler. Eine Windthorstbüste hat der Kunstbildhauer Ludwig Büscher in Ornabrück hergestellt. Die Düste ist dem Hochtal- dienten Nachfolger unseres Windthorst, dem Reichskanzler Marx, von der ZentrumSvereintzung der Kreises Wittlage gewidmet. Die lebensvolle Büste Windt- horstS ist au» dem Holze einer der alten Eichen des Geburtsorte» Windthorst», in deren Schatten er aufge- wachsen ist, mit großer Kunstfertigkeit herauSgearbeitet. Der Steinsockel stammt auS dem GeburtShause Windt- horst», Gut Kaldenhof bei Osterkappeln im Kreise Witt- lage. Diese» feinsinnige Geschenk treuer Zentrums, anhänzer dürfte dem Reichskanzler gewiß Freude be­reiten.

Kus den Gewerkschaften.

= Gelegentlich der Ss§nng der dentsihen Merkmeifter- bvndes in Münster i. W. sprach OderregierungSrat Dr. Thyssen-Berlin, Mitglied bei ReichlwirtschaftSrate», über dieAufgaben und Ziele auf sozialpolitischem Gebiete': Der Redner untergag die gegenwärtige Sozialpolitik einer kritischen Würdigung. Der Arbeiter- schutz werde vernachlSsstgt; in der Frage der Arbritlzeit seien die Arbeitnehmer den Unternehmern entgegen- gekommen, aber die Arbeitgeber nützten diese» Ent­gegen lommcn heute tn einer ungebührlichen Art «nd Weise au«. Ss stände heute tn der Arag» der Arbeii»- zeit besser, wenn der Gesetzentwurf im Vorjahre nicht an dem parteipolitischen Verhalten der Sozialdemokratie gescheitert wäre. Jetzt seien Bestrebungen zu einer Arbeitsgemeinschaft zwischen christlicher Arbeiterschaft und Unternehmern im (äktnoe, aber ein Cptimtlmu» sei in diesem Falle nicht am Platz, die Gegenseite zeige viel zu wenig Verständnis. In der Frage der ArbeitS- schiedsgerichte ist der Redner der Ansicht, daß eine streng rechtliche Gerichtsbarkeit dringend notwendig sei: den sozialdemokratischen Plan lehnt er ab, da er lediglich versuche, dieses Gebiet xu einer sozialdemo- kratrschen Domäne zu machen. Auch die Fragen de» ArbeitSnachweiSwesen» und der Arbeitslosenversicherung seien brennend; es gehe nicht an, daß die Arbeitslosen­fürsorge zu einer ReichSarmenkaffe werde. ES kam eine Entschließung zur Annahme, in der der Wille der Werkmeister, zum Aufbau de» Vaterlandes und zur Mitarbeit an der Volksgemeinschaft ausgedrückt wird und das gleiche von allen deutschen Volksgenossen verlangt. Dem ReichSarbeitSminister wurde der Dank für seine schwierige Arbeit in der. letzten Zeit aus­gesprochen und er des weiteren Vertrauens des deutschen Werkmeisterbundes versichert.

Wissenschaft und Forschung.

=x Ein neuer Komet ? Die Sternwarte auf dem Königstuht bei Heidelberg teilt mit: Am 15. Sept, wurde durch den Astronom Finster (Bonn) ein neuer Komet siebenter Größe nahe beim Stern 42 der Berenice am Westhimmel aufgesunden. Soviel man bi» jetzt weiß, läuft der Komet, der mit einem Feldstecher ge­sehen werden kann, mit der Geschwindigkeit von 1'/« Grad in Aufsteigung und P/i Grad in Abweichung bei südöstlicher Richtung am Abendhtmmel hinweg.

* Eine ganz ungewöhnliche Hitze herrscht feit einigen Tagen in Ungarn. In einzelnen Orten war am Donnerstag eine Temperatur bis über 32 Grad Celsius.

Aus aller well.

Der Sternenhimmel im Oktober. Der Oktober ist dem kiernfreund deshalb rin besonders interessanter Monat, weil er den deutlichsten Uebergang vom Sommer- zmn Wintersternhimmel bringt. Am Abendhlmmel, zumal kn der ersten Hälfte der Monat», erschaut man noch alle eindrucksvollen Dommersternbilder. In der Verlänge­rung der Deichsslsterne des Wagen, der Arttur, link, von ihm und ein tüchtiges Stück höher die Wega, die eben wegen ihres höheren Standes ihn viel stärker an Helligkeit zu überbieten scheint, als dies tatsächlich der Fall ist, und in der Verbindungslinie beider Sterne das halbkreisförmige, klein«, aber ungemein hübsche Sternbild der Krone sowie den Herkules. Gegen Ende der Monats aber erstrahlt am östlichen Sternhimmel be­reits die volle Pracht der Wintersternbilder. Orion ist alsdann etwa um halb 10 Uhr sichtbar. Auch die Milch- strahe, dieses größte Gebilde unseres Fixsternhimmels, zu dem als winzige» Glied auch unsere Sonne mit ihrem ganzen Planetenanhang gehört, gewährt an kla­ren Abenden ein eindrucksvolles Bild. Don den Pla­neten erstrahlt Venu» als Morgenstern, sie wird freilich, des noch frühen Tages wegen, von den meisten nur gegen Schluß der Monats, wo die Sonne, die am An- fang um 6 Uhr aufgeht, erst um 7 Uhr erscheint, bemerkt werden. Außer ihr ist noch der rötlich schimmernde Marr gut zu beobachten, besten Helligkeit zwar gegen­über dem Sommer außerordentlich stark abgenommen hat, der aber immerhin noch al» erster Stern in der Dämmerung am Südosthimmel erstrahlt. Mit ihm er­scheint Jupiter in der Abenddämmerung im Westen, er ist jedoch nur ganz kurz« Zeit sichtbar.

reitzenrau-enjilcht in Inhalt. Der Naturwissen, schaftliche Verein Destau-Wörlitz will sich gemeinsam mit dem Gartenbaudirektor Herre-Teffau für die Einfilh- rung der Seidenraupenzucht tn Anhalt einfetzen, da sich gerade das anhaitische Klima für den Anbau von Maul- beerhecken besonder» eignet. Versuche, die Direktor Herre in den letzten Jahren mit dem Anbau de» Maul- bcerbaumer unternommen hat, haben die günstigsten Ergebnisse gezeitigt. Der Anbau der Maulbeerkulturen und die sich daran anschließende Seidenraupenzucht wür- den einen außerordentlich ergiebigen neuen Erwerb», zweig für Anhalt darftellen.

Auf dem Grunde der Ostsee. Don der Ostsee kommt interessante Kunde. Hochseefischer, die in der Tromper Wiek, einem Meeresteil unweit Arkona auf Rügen, fischten, stießen bei niedrigem Wasterstand auf große, feste Gegenstände. Tin Taucher fand schließüch auf dem Grunde des Meeres ein mittelalterliches Kriegs­schiff, aus dem er mit vieler Mühe zwei Kanonenrohre barg. Außerdem erzählte er, daß er in nächster Nähe des Schiffes Ueberreste von großen starken Mauern ge- gesehen hätte. Können diese Ueberreste des alten haftenhaften Dineta sein? Dis jetzt stritten sich der Steckelberg auf Usedom und bte Stadt Wollin auf der gleichnamigen Insel darum, der Standort der alten Wunderstadt zu sein, dieim Meere versunken ist". Ein hervorragender Kenner der pommerschen Kultur Pro- festor Dr. Haas-Stettin, meint, daß es sich, falls wirk­lich unterseeische Mauerreste in der Tromper Wiek vor­handen sind, kaum um die Stadt Dineta handeln könne, sondern daß vielmehr Wahrscheinlichkeit bestehe, hier Ueberreste der alten Wendenstadt Arkona gefunden zu haben. Nach Annahme von Prof. Haas ist es über- Haupt sehr fraglich, ob bas, was der Taucher entdeckt hat, wirklich Mauerreste find. Denn die Häuser der da­maligen Zeit waren aus Holz und Lehm erbaut und mit Stroh gedeckt, bestanden also aus leicht vergänglichem Baumaterial. Mauerreste könnten sich nur erhalten haben, wenn sie aus Festen beständen; und wenn bas der Fall wäre, so könnte man wohl an die Hypothese von Deecke denken, der in den ehemaligen Felspackungen auf dem Dinetariff, wie sie Kantzow und Lubbechius überfiefert haben, eine megalithische Gräberanlage der jüngsten Steinzeit erkennen wollte.

Da» Gewicht des Rauche». Walter R a l e i g h, einer der ersten, bte die Sitte der Tabakrauchens in Emopa einführten, wettete einst mit der Königin Elisa­beth von England, er könne da» Gewicht des Rauches feststellen. Um seine Wette zu gewinnen, wog er den Tabak, den er in seine Pfeife tat, ab, rauchte dann tn der Königin Gegenwart die Pfeife auf und schüttete die Asche, die darin zurückgeblieben war, auf ein Papier, um sie gleichfalls zu wiegen. Den Unterschieb erklärte er dann für bar Gewicht bes Rauche». Die Königin, her der Verbrennungsprozeß nicht eben geläufig ge­wesen sein mochte, hielt sich für besiegt und gab die Wette verloren.

Eisen und Sohle in ber Mongolei. Seit ber Be­sitzergreifung von Urga unb Kiachta durch die Rusien widmen diese ber Ausbeutung der mongolischen Gruben große Aufmerksamkeit. Der Ertrag ber bärtigen Berg- werke übertrifft stellenweise bin ber sibirischen. Außer Eisenerz und Kohle sind in ber Mongolei auch Kupfer» und Goldminen entdeckt worden.

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Ham, Hof und Gatten.

Der Garten im Oklober.

Der Dttofrc ist der Hanpterntemonal für ÜBtntertA urtb Wintengemüse vttd macht viel Fretckd, wenn boi Wetter nicht zu rauh ober zu regnerisch ist; die Ernte» haben sangfälkig zu erfolgen, mrb die Aufbewahrung sachgemäß oorzmtehmen, nur so hast sich bas ® er niet' gut und lang 9m Obstgarten kann ruft Neuanpslanzun gen begonnen werden, sobald die Bäume entlaubt sind! Dor allem sind die im September unerledigten Arbeitet zu beenden, des wekleren ist vvrzunehmen: Das Reinige,' der Obstbäume von dürrer Rinde, Moos und Flecht ety das Knlkm ober Kcrrbolineumspritzsn öfterer, mit Bor- behafteter Bäume, das Auflockern der Baumscheiben u. a. m. Mit dem eigentlichen Baumschnsit kann eben' falls begonnen werben. Keinesfalls vergesse man dort wo Frostspmmer au (Treten, die Leimringe oder Kleb, gürtet anzulegen, und die jungen Obstbäume außerhalb umzäunter Gärten am Ende des Monats gegen Kanin- chen- unb Hasen fraß zu schützen. Deersnobst wird auch am besten fm Herbst eingepflanzt, du es im Frühjahr zeitig treibt; unter den Strauchern wird gegraben und gedüngt; Beerensträucher lieben Start, was nicht ver­gessen werden soll. Die Erdbeeren erhalten, nachdem sie nochmal» entrcmkt und oberflächlich behackt worbe» sind, eine Düngerdecke. 5m Gemüsegarten ist die Ernte noch mehr von dem Wetter abhängig als im Obstgarten. Tritt kein ernstlicher Frost ein, so kann das meiste bis Mitte November im Freien bleiben. Die September- ausfaaien von Spinat und Kopfsalat muffen jetzt behackt und verzogen werden. Don dem Kohlrabi-, Kopfsalat- unb Wirsingfrühsorten verstopft man die stärksten Pflan­zen mit 8Irt Zmtr. Abstand auf abgeräumte lalle Mist, ober geschützte Gartenbeete, die man später mit Gras oder Brettern deckt. Dm den härteren Gemüsen, wie Zicho­rien, Pastinaken, Meerrettich, Schwarzwurzeln, Rosen- mib Grünkohl ernte man jeweilig nur so viel, als mau auf einige Zett gebraucht, alles übrige kann auf den Beeten bleiben und irach und nach geerntet werden Droht Kälte, so bedeckt man die betreffenden Beste mit Laub, damit der Boden nicht gefriert, unb jederzeit das Aus­graben und Abernten gestatten. Küchen- und Arznei­kräuter sind bis Mitte bes Monats zu versetzen. W- geräumte Beete sinb tief mnzugraben und zu düngen: sie bleiben den Winter über in rauhen Schalen liegen. Xohlstrünke, Blattreste unb sonstige Rückstänbe sind burch Untergraben, Derfuttern oder Derbrennen zu vernichten, 9a sie große Mengen von Schädlingen beherbergen. Langsam wirkender Kunstdünger ober solcher, ber frisch den Pflanzen schadet (Kainit usw.) muß jetzt ebenfalls gegeben werden. ... -

Der Zimmergurken im Oktober.

Die Wtntermbeiten beginnen, sie richten sich zum Tetz nach dem Wetter. Je nach diesem müssen die härteren Topfgewächse früher ober später in die Ueberwinterungs- rtttrme gebracht werden, wobei Pflanzen und Töpfe zu rehrigen sind. Schlechte und kranke Pflanzen wirst man habet am besten weg, denn es wirb boch nichts aus ihnen. Die andern stelll man möglichst hell unb trocken, am be­sten in kühl«, nur im äußersten Notfall zu heizend« Räume, die man bet milder Witterung reichlich lüftet. Die ganz harten Kübelpflanzen läßt man möglichst lange im Freien unb gibt sie dann am besten einem zuver­lässigen Gärtner, ber Räume dafür besitzt, zur Ausbewah, rang. Eingezogene Knollen unb Zwiebeln werden aus den Töpfen genommen, gereinigt und trocken aufbewahrt;, bte betonreen Sortimentrpflcrnzen (Fuchsien, Pelargonien), ftostfrvi überwintert. Die Triebhyazinthen können jetzt auf Gläser gesetzt unb dunkel gestellt werden, wahrenh Trieüftauben unb Triebsträucher nach dem Umpflanzen noch möglichst lange im Freien bleiben unb erst spater in tzen Keller kommen'«

DK Unfruchtbarkeit der Obstbäume hat verschiedene Ursachen unb ehe man mit vielerlei Mit­teln probiert, sie zu beheben, bedenke man die Ursachen, zumal bei Bäumen, die jünger sinb. Jeder Obstbaum ist unfruchtbar, so lange er noch jung ist, und je nach ber Sorte, ber Unterlage, dem Stanb bauert dies länger ober kürzer. De» weiteren trägt fetter Boden zur Un- ftuchtbarkeit bei, der er zmn üppigen Treiben anregt, sodaß sich keine Dlütenknospen bilden. Umgekehrt kön­nen natürlich Obstbäume, die in ganz schlechtem Bober stehen, nur schwer Frücht» bringen. Starkes Beschnei- den verursacht ba, gleiche. Denn nach starkem Deschnek- den tritt neue Holzbilbung ein, unb zmn letzten sind schlechte Sorten ebenfalls unfruchtbar. Dann käme höch­stens noch ein ungünstiger Standort, b. h. ein für Obst- kultur ungünstiger Platz, in Frage, ber ebenfalls Un­fruchtbarkeit mit sich bringt.

Jehl Leimringe entlegen!

Die bewährten Leimringe gegen ben Frostspanner «nd ähnliche Schädlinge müssen schon gegen Enbe Sep­tember angelegt werden, wenn sie ihren Zweck vollstän­dig erfüllen sollen. Unterhalb des Gürtels muffen die Stämme später, etwa im Februar, noch einen Anstrich mit einer Sbprozentigen Lösung von Carboltnemn er­halten. Dadurch werden die dort abgelegten Eier ge­tötet.

Die Bekämpfung der Ackerschneckeu.

Zu allem Unglück in der Landwirtschaft kommt in diesem Herbst auch noch die Schneckenplage. Die Schnecken treten so massenhaft auf, daß es in vielen Gegenden mit schwerem Boden von vornherein ganz aussichtlos ist, Wintergerste zu säen, wenn nicht von vornherein wirk­same Abwehrmaßnahmen in Aussicht genommen »er­ben. Hierin gehört von alters her bas Bestreuen der Schnecken mit gebranntem Kalk. Infolge ber ätzenden Wirkung des Kalkes sondert die Schnecke Schleim ab. Wird diese Schleimabsonderung zu stark, so mutz die Schnecke in wenigen Minuten absterben. Größere ältere Schnecken können einen einmaligen Schkeimverlust vertragen. Darum muß das Streuen nach einer viertel Stunde wiederholt werden, damit alle Schnecken vernich­tet werden. Auch andere trockene Streupulver wie Tho­masmehl, Kalkstickstoff, Asche usw. richten die Schnecken zugrunde, wenn diese genügend davon getroffen werben.

Wie starkes Gift auf bis Schnecken wirken bis Kali- falze, Kainit sowohl wie bie übrigen gebräuchlichen Kali­salze. Das kleinste Körnchen wirkt tödlich. Voraussetzung ist natürlich, daß die Schnecken bei Ausstreuen auch wirk­lich getroffen werden. Darum muß wohl darauf geachtet werden, daß nur bann gestreut wird, wenn die Schnecken auf dem Acker umherkriechen und fressen. Je stärker bie Kalisalzabgabe ist, um so größer ist bie Wahrscheinlich­keit, baß die Schnecken alle getroffen werben. Eine grö­ßere Menge Kainit ist daher für diesen Zweck wirksamer als eine kleinere Menge höher prozentiges Kalisalz. Die beste (Baratie für guten Stoff bietet der feingemahlene Kaimt. Wenn dieser in Mengen von 23 Zentner auf 1 Morgen sorgfältig mit der Hand gesät wirb, bann wird keine Schnecke verschont bleiben.

Wo die Gefahr besteht, baß das Saatkorn selbst in der Erde schon gefressen wird, also gar nicht zum Keimen kommt, da muß das Bestreuen der Schnecken vor ber Saat erfolgen, andernfalls kann man warten bis nad) Slufnana der Saat. _ -*' i