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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

fir. 227.

Verantwortlich für die ELriftlettuna i. Vertr.: AntonWehler. Anzeigen! I. B arzeller, Fntda. RotationSdrnck und Verlag ler f. Fuldaer Setiendrnckerel in Fulda. Fernfvrechsr Nr. S. » Monatlicher BerugSdreiS: 1.50 Mk.

Sonntag, 28. September 1924

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51. Zahrg

Die 26prozentige Abgabe.

Gemäß Dekret des Präsidenten der Republik oon Frankreich unter Gegenzeichnung des franzö­sischen Ministerpräsidenten Herriot und der in Be­tracht kommenden anderen Minister hat Frank­reich ab kommenden 28. September das Gesetz vom 21. April 1921 über die Einführung des so- genannten Recooeryakts auch für sich in Kraft gesetzt Das will besagen, daß nach diesem Dekret vom 28. September ad 26 Proz. des Werts der eingeführten deutschen Waren, ob sie nun direkt oder indirekt nach Frankreich gelangen, an den Staat zu entrichten sind. Das Dekret bezieht sich aus alle deutschen Waren, die von einem Kauf­mann oder Industriellen in einem anderen Lande gekauft sind oder auf Waren, die in einem andern Lande fabriziert sind und bei denen deutsche Roh­materialien und deutsche Verarbeitung mindestens 50 Proz. des Gesamtwerts darstellen.

Die Havas-Agentur sucht in einer halbamtlichen Veröffentlichung das Inkrafttreten dieses franzö- fischen Gesetzes etwas mundgerecht zu machen, und auch rechtlich zu vertreten. Der Sachverftändigen- plan sowie das Abkommen von London hätten ausdrücklich eine Abgabe dieser Art Vorbehalten, die keineswegs ein Dtehr an Zoll bedeute und die den Exporteuren keine neuen Lasten ausbürde. Die Einziehung durch den französischen Staat werde tatsächlich von Deutschland resüos zurück- erstattet. Auch werden die Maßnahmen die fran­zösisch-deutschen Handelsbeziehungen in keiner Weise erschweren und auch den Warenaustausch zwischen Frankreich und den anderen Ländern nicht behindern. Mit einem Hinweis, daß der in England bestehende Recoveryakt keine Schwierig­keiten bereite, sucht die halbamtliche Agentur die Frage weiter schmackhaft zu machen.

Das Pariser Journal bringt nun dieser Tage hierzu noch die bisher von keiner anderen Seite bestätigte Meldung, daß die Erhebung der 26- prozentigen Einfuhrabgabe auf deutsche Waren in Frankreich auf Grund besonderer Abmachungen der Reparationsgläubiger erfolgt sei. Außer Bel­gien würde auch Italien in aller Kürze mit einer gleichen Maßnahme folgen. Tatsächlich kommen auch schon aus Belgien Hinweise darauf, daß man belgischerseits den Recoveryakt einführen will. Die Frage fall nach der „Derniere Heure" nach der Rückkehr des Ministerpräsidenten T h e u n i s von feinem Urlaub sofort beraten werden. Abgesehen davon, daß die Erörterung dieser Frage gerade im jetzigen Moment sowohl bei Frankreich wie auch bei England kurz vor dem Abschluß der deutsch- ftanzösischen und deutsch-belgischen Handelsver­tragsverhandlungen angeschnitten wird, können wir auf deutscher Seite nicht genug dagegen pro­testieren. Wenn auch für das sogenannte Repa- rationskonto keine neue Belastung für Deutschland entsteht, sondern letzten Endes eine Umrechnung mit den verschiedenen Ländern erfolgen muß, da ja die deutschen Entschädigungslasten durch das Sachverständigengutachten in ihrer Gesamtheit ge­nau begrenzt und festgesetzt sind, so wider­spricht doch sormalrechtlich diese Maßnahme dem Dawes-Gutacht en. Der Sinn und In­halt dieses Gutachtens ist ja zum Teil auch der, daß die deutsche Währung gestützt wird, um über- Haupt eine Einnahme und stetige Einnahme zu­gunsten der Reparationen erzielen zu können.

Die Stabilität der deutschen Währung hängt aber mit der Devisendeckung eng zusammen, da» haben die verflossenen Jnflationsmonate zur Ge­nüge gezeigt. Abgesehen von dem Zinsverlust, der bei der langsamen Verrechnung, die sich auf ein Jahr erstrecken kann, entsteht, wird auch zu­gleich ein Schwanken und damit eine Unstetigkeit der Devisendeckungsfrage ständig in die Erschei- nung treten und die deutsche Währung so aufs schwerste gefährdet werden. Denn die Summen, die Frankreich, und wie es scheint, nach ihm auch Belgien und Italien durch die 26prozenttge Ab­gabe erheben, fehlen dem deutschen Devisenmarkt. Es wird also das Prinzip des Dawes-Gutachten? und besonders die Tätigkeit des Transfer-Komitees, das ja die Devisen aus der deutschen Ausfuhr transferieren soll, durchkreuzt und durchbrochen. Das zeigt zur Genüge, daß' diese Maßnahmen der Entantestaaten dem Sinne und Gedanken des Da­wes-Gutachtens widersprechen. Wie hoch unter Umständen die Summe allein ist, durch die bei An- Wendung des Systems der Reparationsabgabe auf die deutschen Exportwerte durch Frankreich Deutsch­land Deviseneingänge entzogen werden, zeigt eine Eingabe des Hansabundes, der diese Entziehung auf etwa 300 bis 350 Millionen Eoldmark im Jahr berechnet. Daß ein solcher Ausfall bei der jetzigen Lage unserer Handelsbilanz selbst bei gün­stigster Gestaltung der Zahlungsbilanz durch internationale Kredite für die deutsche Wirtschaft nicht zu ertragen ist, und daß sie naturgemäß imb zwangsläufig der Währungsgesundung ent­gegenwirkt, liegt auf der Hand. Aber gerade diese WährunKsgesundung, d. h. die Stetigkeit unserer Währung, ist mit die erste Voraussetzung in dem Sachverständigen-Gutachten und damit auch in dem Londoner Protokoll für eine dauernde Lei- 'stungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Die Frage muß möglichst bald eine Klärung erfahren, bevor sich die schädlichen Auswirkungen dieser plötz­lichen Maßnahme zeigen.

Einspruch Deutschlands gegen die französische Exportabgabe.

Auf die Note der französischen Regierung vom 20. September wegen der Erhebung einer 26prozentigen Exportabgabe von den deutschen Einfuhrwaren hat die deutsche Regienma in

Rote geantwortet. Die deutsche Regierung bedau­ert, daß die französische Regierung innerhalb der kurzen Frist von 10 Tagen diese Verordnung in Kraft setzt, die für den französisch-deutschen Waren- austausch eine starke Behinderung bedeute. Die schematische Vorwegnahme der 26 Prozent führe dazu, daß in Durchbrechung der Grundsätze des Sachverständigengutachtens für. den Schutz der deutschen Währung das Transferkomitee ausge­schaltet werde. Die deutsche Regierung schlägt vor, zunächst vor weiteren Verhandlungen ein Gut­achten des Transferkomitees einzuholen. Die Rote ist zur Beschleunigung der endgültigen Regelung gleichzeitig dem Generalagenten für die Repara­tionszahlungen in Abschrift zur Kenntnis gebracht worden.

Das deutsche Memorandums

Das Memorandum über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, das den zehn Hauptmächten des Völkerbundes vorgelegt werden soll, ist an die deutschen Missionen im Auslande abgegangen. !

Die internationale Anleihe.

Reuter erfährt aus deutfcher Quelle, daß deutsche Delegierte nächstens nach London kommen werden, um Verhandlungen über die im Dawes-Plan vorgesehene internationale Anleihe anzuknüpfen. ■ •

Verwaltungsrat

der Neichseisenbahn - Gesellschaft.

Nach der Satzung der neuen „Reichsbahngesell­schaft"' sind von den achtzehn Mitgliedern des Ver­waltungsrats neun durch die Reichsregierung und neun durch die Treuhänder für die Eisenbahnobli- i Rationen zu ernennen. Sie müssen nach der Dor- s schrift der Satzung erfahrene Kenner des Wirt­schaftslebens ober Eisenbahnsachverständige und dürfen nicht Mitglieder des Reichstages, Land­tages, der Reichsregierung oder der Landesregie­rung fein. Durch Beschluß des Reichskabinetts find folgende Persönlichkeiten berufen: Geh. Kommer­zienrat Eduard Ernhold, Berlin: Oberpräsi­dent a. D. und Rittergutsbesitzer Wirkt. Geh. Rat Batocki, Bledau (Ostpr.); Prof. Dr. ing. Blum, Hannover; Ministerpräsident a. D. Reichshaupt- mann Buck, Dresden; Staatssekretär im Reichs­finanzministerium David Fischer, Berlin; Reichseisenbahndirektionspräfident a. D. Vitus von Härtel, Augsburg; Geh. Kommerzienrat Peter Klöckner, Duisburg; Generaldirektor Dr. Ott, Köln; Dr. ing. Karl Friedrich von Siemens, Berlin. r.

Anker deutscher Verwaltung.

wtb Parrs, 27. Sept. (Tel.) Wie das „Echo de Paris" aus Mainz berichkek, werden die SkSdke Willen-Ess en demnä-Ul dem Organisakions- komikee der Reichsbahngesellschask übergeben und 14 Tage späler endgültig in die deutsche Derwal- tung übergehe«.

Die Berliner Zentrumspartei zur politischen Lage.

Die Zentrumspartei Groß-BeritnS hat folgende Entschließung angenommen:

Die Zentrumspartei von Groß^Serlin, vertreten durch den Provinzialausschutz und den Borstand des Gauver- bandeS Ler Windthorstbande, begrüßt die durch die . Gründung des Reichsbanner» Schwarz-Rot- Gold zutage tretenden starken Kräfte zum Schutze der bestehenden Berfaffung gegen gewalttätigen Umsturz. Bezüglich des Beitritts zum Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold lätzt die Partei ihre« Mitgliedern volle Freiheit.

Zur polftischen Lage spricht der Provinzausschutz die bestimmte lleberzeugung an», daß einer Partei, welche die Grundlaae unserer gegenwärtige« Außenpolitik ab- lehnt und bekämpft, kein Einfluß auf die Fortführung dieser Politik eiugeräumt werden darf und stellt mit Befriedigung fest, daß die ReichStagsftaktion der Zen­trumspartei auf das entschiedenste gewillt ist, die bis­herige gradlinige Richtung der vom Reichskanzler Dr. Wirth eingeleiteten und vom Reichskanzler Dr. Marx fortgefüvrtm Politik beizubehalten und sichert in dieser Erwartung der ReichStaMraktion und der Parteileitung alle Unterstützung zu^

Die Deutsche volkrpartei für den Vürgerblock.

Der Borstand der ReichstagSfraWon der Denk- scheu Volkspariei faßte einstimmig eine Entschließung, ht der sich die deutsche Volkspariei für die Schaffung eines Bürgerblocks erklärt. Nachdrücklich betont die Entschließung: „Das deutsche Volk darf nicht in zwei Teile zerfallen, von denen der eine herrscht und besitzt und der andere arbeitet und zahlt. Die leitende Idee unserer Innenpolitik war die Herbeiführung der Volksgemeinschaft. Unser Ziel bleibt die Volksgemeinschaft".

Mft diesem Ziel geht die Deutsche Volksparier mit den übriger Parieren, Demokraten tote auch Zentrum völlig einig. Eine einseitige Verbreitung nach links wie nach rechts würde »ob diesen beiden Parteien aus Gründen der Sorge um «ne innere Spaltung des deutschen Volkes untragbar erscheinen. Schaffung einer wahren Volksgemeinschaft, daS er­streben auch Demokraten und bejouderS das Zentrum.

Hus dem besetzten Gebiet.

Dank an Monsignore Testa.

Der Oberpräfideni der Provinz Westfalen hat dem päpstlichen Delegaten für die besetzten Gebiete Mons. Testa bei seinem endgültigen Scheiden aus Deutschland ein Schreiben übermittelt, in dem er seinen herzlichsten Dank für die so erfolgreich aus geübte Tätigkeit im Rhein- und Rnhraebiet zum Ausdruck bringt

Preußischer Landtag.

Beratung der preussischen Sleuernotverordmmg.

Das Haus trat sofort nach Eröffnung der Sitzung am Freitag in die gemeinsame Beratung der Steuernoiver- oränung und der zu dieser erlassenen Aus- und Durch­führungsverordnungen ein Don den Sozialdemokraten ist eine Entschließung emgebracht worden, wonach das Staatsmmisterium ersucht werden soll, sorgfältig darüber zu wachen, daß die Mittel aus der Hauszins st euer zur Förderung der Neubautätigkeit auch im vollen Um­fange schnellstens dem Baumarkt zugeführt werden und weitere Mittel aus der Hauszmsfteuer zur Verfügung zu stellen.

Llbig. H 8 p k e r - Aschhaff (Dem.) erinnerte an die von seiner Partei im Interesse der Landwirtschaft ge- stellten Anträge u. a. auf Erhöhung der Hauszinssteuer erst nach der Ernte. Die auf den Hausbesitzern ruhenden Steuerlasten seien ungeheuer groß. Man solle daher alles tun, um diese Steuerlasten zu erleichtern.

Abg. Dr. Kaufbold (Dntt) erkläirt sich mit dem im Ausschuß erreichten Erfolge zufrieden. Der Redner erklärt es für notwendig, daß die Erträge der Hauszins­steuer in weitestem Umfang für die Schaffung neuer Wohnungen verwendet werden

Finanzminister Dr. v. Richter: Das Steuersm- kommsn aus weitesten Kreisen der Bevölkerung werde vielfach hinter der bisherigen Höhe zurückbrechen. Außer- dem könne man den Fincmzminister eines Landes wie Preußen nicht ohne jede Mittel unvorhergefchenen An- forderungen gegenüber lassen. Auslandskredite haben wir noch nicht. Daher sind wir hier auf den eigenen Staatsfonds angewiesen Der Abg. Dr. Höpker-Aschyvff kann daher nicht eine solche Pfennigrechnung aufftellen.

MM Bertram über

„Man kann einen Staat nur gründen auf Ge­rechtigkeit, man kann ihn nur erhalten in Ge­rechtigkeit durch geordnete, feste Zustände, und nicht durch Willkür."

W i n d t h o r st im Reichstage, 29. Jan. 1885.

Es war bei der Debatte über die Diktatur in Elfaß-Lothringen, als der große Staatsmann und scharffinnige Jurist Dr. Ludwig Windthorst im Jahre 1885 den vorstehend zitierten Ausspruch über die Notwendigkeit der Gerechtigkeit im Staatsleben getan hat. Gegenwärtig hat dieser Ausspruch eine hohe Bedeutung in Bezugs auf die sog. Aufwer- tungsfrage, mit welchem Namen man gewöhnlich die gerechte Zurückzahlung der Sparguthaben (Hy­potheken, Kriegsanleihen, ferner Forderungen an Sparkassen ufw.) zu bezeichnen pflegt. (Statt Auf- Wertung müßte es eigentlich Umwertung heißen.) Auch hier handest es sich keineswegs um eine bloß materielle, sondern vorwiegend um eine hohe ideale Frage, um die Notwendigkeit, daß das an den brei­ten Mafien des Volkes, an den großen Schichten der fleißigen Sparer und Kleinrentner begangene große Unrecht soweit als möglich beseitigt und das stark erschütterte Vertrauen des Volkes zum Staate und zur Gerechtigkeitspflege im Staate wieder her­gestellt wird. Kardinal B e r t r a m-Dreslau hat neuerdings m einem Telegramm an den Reichs­kanzler zu diesen Fragen Stellung genommen und auf baldige Abhilfe gedrängt. Da mag folgende Zusammenstellung der Bemühungen des Breslauer Kirchenfürsten um diese Frage des Rechtes und der Gerechtigkeit aus der Feder Ludwig Müllers- Paderborn willkommen fein:

Die Aufwertungsfrage fit feit etwa 3 Monaten sehr brennend geworden durch die Verhandlungen, die darüber in einem besonderen Ausschüsse des Reichstages stattfinden. Sie hat zudem eine neue Beleuchtung erfahren durch das in der Prefie ver- öffenllichte bedeutsame Schreiben des Herrn Kar­dinals Bertram von Breslau an den Herrn Reichs­kanzler, durch das der hohe Kirchenfürst im Ka­men des preußischen Episkopates dringend um Auf­hebung der so ungerechten 3. Steuernotoerorb- nung sowie um eine mehr den Anforderungen der Moral und Gerechtigkeit entsprechende Neurege­lung dieser wichtigen Frage ersucht hat.

Schon zum zwesten Male hat Herr Kardinal Bertram im Namen der Bischöfe seine mah­nende Stimme jetzt in der Aufwertungsfrage beim Reichskanzler erhoben. In feinem ersten Schreiben vom 8. Jan. 1924 warnte der Herr Kar­dinal dringend davor, die durch die Reichsgerichts­entscheidung vom 28. November als notwendig bezeichnete gerechte Aufwertung aus steuerpoliti­schen Interessen künsllich zu beschränken. In seinem jetzigen zweiten Schreiben weist er zunächst in war­mer Weise daraus hin, wie groß und begründet die Klagen all der unzähligen Forderungsberech­tigten sind, die unter der Herabminderung ihrer Anrechte schwer und bis zur Bedrohung ihrer Existenzmöglichkest leiden. Er schildert dann weiter die durch die Inflation und die dritte Steuernot­verordnung verursachte Nottage der kirchlichen Institute und Anstasten und Stiftungen in Hypo­theken, Sparguthaben. Unter dem Schutze der Rechtsordnung hätten solche Vermögensanlagen für ebenso gesichert gelten müssen wie der Besitz von Sachwerten. Das beklagenswerte Los der kirch- lichen Institute, deren Vermögen größtenteils ver­nichtet fei, werde von einer unübersehbaren Zahl von wirtschaftlichen Schwachen geteilt, für die mit derselben Wärme einzutreten die kirchliche Obrig- feit als heilige Pslickst betrachte. Der Weg zur Hebung der Notlage bestehe in der baldigen Auf­hebung der dritten Steuer-Notverordnung und der Neuregelung der Frage unter Zugrundelegung der Reichsgerichts-Entscheidung vorn 28. Nov. 1923.

Weite Volkskreise werden dem Herrn Kardinal Bertram überaus dankbar fein für die warmherzi­gen Worte, mit denen er zum zweiten Male nicht nur für die kirchlichen Institute und An­stalten, sondern auch für die breiten Massen des Volkes beim Reichskanzler eingetreten ist, die durch die künstlich herbeigeführte Geldentwertung in Rot und Äend geraten Lud. Eine Pflicht des

Wohlfahrisminifd;r Hirtsief er bedauerte, daß ter Staat van den erhü hten Erträgnissen der Hauszinssteuer nichts erhalten soll. Der staatliche Ausglrichsfonds be« durst dringend erh öhter Mittel zwecks Herstellung neuer Wohnungen. Besonders Oberfchlesien und die be- setzten Gebiete erfordern erhöhte Unterstützung Der Mi. mster überläßt dem Hause die Verantwortung für bie sich besonders in dir feit Gebieten entwickelnden Zustände Wenigstens soll mm die Mittel zwischen Staat und Ge> mein den teilen.

In der Abstimmung nahm das Haus mit sehr großer Mehcheit sämtliche S l-rträge des Hauptausschusses und den von ihm vorgeschtagenen Gesetzentwurf in zweiter und sofort auch in brüte x Beratung an.

Dem Antrag C> rzesinski betreffend die Zufüh­rung der zur Ford rrrmg der Neubautätigkeit bestimmte« Mittel aus der Hauszinssteuer an den Daumarkt roiri ebenfalls zugestimm t.

Damit ist dieser Gegenstand erledigt und das Harn sefsi die Beratung des Haushalts der Landwirt- fchaftlichen Verwaltung fori.

Abg. Biester (Dhaun.) stellt stst, daß ein Teil der Ernte dieses Jahres durch die Naturereignisse vernichtet oder entwertet ist. Für ein Hochschutzzollsystem schwärme niemand, auch kein Landwirt. Aber die deutsche Land- toirffchaft müsse e riftenzfähig erhalten werden. Höher« Vieh-, Obst- und Gemüsezölle seien notwendig.

Abg Dr. Sch reiber-Halle (Dem.): Wir lehne« den Gedanken ab, die Reparationslasten etwa auf dem Umweg über abw älzbare Schutzzölle den breiten Massen der Bevölkerung aufzubürden. Eine Begründung der Notwendigkeit dar: Schutzzölle erkennt der Redner an. Angesichts der klimmenden Handelsverträge müsse ditz deutsche Regierung^ in Waffe in der Hand haben.

Weiterberatung Samstag. V

Die AuMtMMM.

Reiches, die A'irfweriungsftage in gerechter Weife zu lösen, liegt unbedingt vor, weil die verschiedenen Regierungen des Reiches bis zum Herbst 1923, an­statt die besitzenden Klassen vom Anfang des Krie­ges an gehörig zu besteuern, fortgesetzt Unmengen von Papiergel! > gedruckt und dadurch den Wäh­rungsverfall kiinstlich herbeigeführt haben. Wenn die Organe ben Reiches es nun als zulässig erklärt haben, daß m tt diesem fast wertlosen Papiergelde zum selben N ennbetrage die früher in Goldmark emgezalstten <i Sparguthaben der fleißigen Sparer und Kleinrentner, die sie vielfach in Jahrzehnten mühsam verdb ent und erspart hatten, zurückgezahlt werden könnten, so haben sie sich damit in Wider­spruch gesetzt zum Bürgerlichen Gesetzbuche, das in den Paragraphen 157 und 242 die Beobachtung von Treu imd Glauben im Verkehrsleben vor­schreibt, und isn Paragraphen 607 ausdrücklich be­stimmt, daß Ttarlehen, m Sachen von glei­cher Art, <3üte und Menge zurückzuer- statten ftni'k

Wie Herr Kardinal Bertram in feinem Schrei- ben an den Reichskanzler sehr richtig bemerkte, hat die 3. Steuer Notverordnung eine trostlose Lage geschaffen. Sie hat das große Unrecht, zu dessen Beseitigung die Reichsgerichtsentscheidung vom 28. Nov. 19l!3 den Weg bahnte, nur noch in bru­taler Weise vermehrt. Die schädlichsten Bestim­mungen ber 3. Steuer-Notverordnung sind fol­gende:

1. daß Sie sogenannte Aufwertung der früherer Sparguthaben nur 15 Prozent betragen soll;

2. daß diciser geringe Betrag von 15 Prozent auck noch so gering verzinst werden soll;

3. daß di t Zurückzahlung dieses geringen Betrages er ft am 1. Jan. 1932 verlangt werden kann;

4. daß alle Gläubiger von jeder Aufwertung ausgeschlossen sein sollen, deren Forderungen vor dem 1. Jan,. 1924 in entwerteter Papiermark zurück­gezahlt sind, falls nicht ausdrücklich ein Rechtsvorbehalt gemacht wurde; >

5. daß fein er lei Verzinsung der Reichs- und Staatsanleihen, besonders also der Kriegsanleihen, vor der Erledigung sämtlicher Reparations-Verpflichtungen erfolgen soll.

Diesen überaus harten 5B e ft i m m u n g e n fjegenüber ist ein gangbarer Weg zur gerechten Lä- ung der Frage im Anschluß an die Entscheidung des Reichsgericht gezeigt durch den vom Ober­landesgerichtspräsidenten Dr. Best in Darmstadt verfaßten ,(Sefefeentrourf bett, die Umwertung alter Geldschuldeit", den der Hypotheken-Gläubiger- und Sparer-Schutzverband dem Reichstage eingereicht hat und ber nebst den Anträgen der polittschen Parteien, mich des Zentrums, den Beratungen des Aufwertung-Ausschusses des Reichstages zugrunde liegt. Leid« wird eine derartige gerechte Rsge-. lung von «einflußreichen Wirtschafts- und Börsen­kreisen, die sich durch die Inflation stark bereichert haben, mit aller Macht bekämpft. In dem Gesetz­entwurf von Dr. Best wird keineswegs verlangt, daß die früheren Sparguthaben (Kriegsanleihen, Hypotheken, Sparkafien-Guthaben ufw.) sofort oder bald zurückgezahlt werden. Sie sollen vielmehr nur unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit der Schuldmer (durchschnittlich vielleicht 40 bis 50] Prozent) als Goldmarkschulden wieder anerkannt und in mäßiger Weise verzinst werden. Diese Re­gelung rohrt) daher den Verhältnissen der Gläubi­ger und ber Schuldner, auch des Reiches, der Län­der und der Wirtschaftstteise, möglichst gerecht. Im greift’iat Danzig sowohl als in Polen hat sich eine ähnliiche Regelung verhältnismäßig glatt ab^ gewickelt. >

Besonders das Zentrum, das grundsätzlich eines Partei des Rechtes ist, dürfte berufen fein, nM ftarfer Ho nd im Sinne des Herrn Kardinals Der»' tram und der deutschen Bischöfe behufs Beseitigung ber Notta>ze der so schwer geschädigten Volkskreise, sowie ber kirchlichen Institute und Anstalten, bal­digst eine Lösung der Frage herbeizuführen, bh das durch die 3. Steuernotverordnung so stark er­schütterte Vertrauen des Volkes zum Staate und zur Rechtspflege ro i e b her stellt. ~ ~