n
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
n
51. Zahrg.
Mittwoch, 24. September 1924
Nr. 223
W Mttzen MSeiSUM
Förderung erfahren. Das Reichskabinett wird sich, soweit wir unterrichtet sind, in diesem Sinne auch
ES
Rechtsanwalt Henry
aus
it
1
b r
Kus -em besetzten Gebiet.
General large Kommandeur der Rheinarmee.
wtb Paris, 23. Sept (Tel.) Die Metzer Zeitung „Ce Meffin" kündigt an, daß General D e g o u t k e des Kommandos der Rheinarmee enthoben und durch den Kommandanten des 13. Armeekorps in Clermont-Ferrand, General Targe, erseht werden wird.
50. Vertreter-Versammlung desUartellverbandes der Katholischen
Studentenvereine Deutschlands.
Im Anschluß an tat tauschen Katholikentag hat der Kartellverband der katholischen Etudenttnvereine D-uffch- londs Philistertag und 50. Dertreteroersammlung in Hannover abgehalten. Junge und alle Kartellbrüder fanden sich infolgedessen außergewöhnlich zahlreich in Hannover ein, um so freudiger, als der Präsident der Generalversammlung, Oberbürgermeister Farwtck und von den Rednern die Herren Weihbischos 2r. Straeter,
Die deutsch-englischen tsandels- vertragsverhandlungen.
Aus London ist ein englischer Vertreter in Berlin eingetroffen, um mit den deutschen Stellen wegen der deutsch-englischen Handelsvertragsverhandlungen Fühlung zu nehmen.
Verantwortlich iür die Schriftleitung L Lertr.: Anton Wehler. Anzeigen! 3- $ otieller, Fulda. Rotationsdruck und «erlag der t Fuldaer Sctiendruckerei in Fulda. Fernlvrrcher Nr. S.
Monatlicher BernrSvreiS: 1.50 Mk.
Anzeigen -Preise: Kleinzelle (Colonel) lokal 0.16 Goidmark, auSwLrtS 050 Sold mark: Reklame,eile lokal 0,60. Goldmark au-ivSrtS 0,80 Goldmark. r,
Sei Wiederdolunaen Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M 4051.
FuldaerZertung
land in einer ganzen Reihe von Fragen praktisch nicht weiter käme, ist man auch dem Wunsche Deutschlands geneigter geworden. Mit spricht ja dabei ohne Zweifel auch der Umstand, daß sowohl in Frankreich wie vor allem in England Regierungen aus Ruder gekommen sind, die zum mindesten von dem ernsten Streben nach einer endlichen Befriedung der Welt sich in all ihrem außenpolitischen aber auch zum Teil innenpolitischen Tun leiten lassen.
Reichsaußenminister Dr. Stresemann, der am Montag abend nach Berlin zurückgekehrt ist, empfing bald nach seiner Ankunft den englischen Botschafter Lord d'Abernon. Der Botschafter machte Dr. Stresemann Mitteilung von einem umfangreichen Memorandum der englischen Regierung über die Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund.
Nach einer Mitteilung des Genfer Korrespondenten der „Times" wird für Anfang nächsten Jahres eine besondere Tagung des Völkerbundes in Betracht gezogen zwecks Aufnahme Deutschlands und der Türkei. Die letztere fei bereit, um Aufnahme nachzusuchen.
Wie die Fölnffche Volkszeitung' mitteilt, hat sich Kardinal Schulte wegen Freilassung sämtlicher politischer Gefangenen an den General Degoutte gewandt.
Der Kommandierende General hat durch eine ab 1. Sept, rückwirkende Verfügung die Koh lenst euer und die Taxe auf den Berkaus der Kohlen- nebenprodukte aufgehoben. Der Kohlen- und KokS- verkehr im besetzten Ruhrgebiet wird vollkommen freigesebem
Einer Havasmeldung au» Witten zufolge hat der Kassierer der Regiewerkftätle unter Mitnahme von 180 000 FrS. die Flucht ergriffen.
Umschließen, womit aber keineswegs gesagt tst, daß jfeamit der Kampf Deutschlands in und um die sKriegsschuldfrage auftzegeben ist, sondern er ist, wie ige'sagt, nur auf einen günstigeren Zeitpunkt vertagt. »Auch, hier muß die Zeil mit und für uns wirken, fbfS'die verschiedenen Völker reif geworden sind, auch lin dieser Frage endlich einmal dem vollberechtigten und begründeten Verlangen Deutschland» zur 'Klärung der Kriegsschuldfrage Rechnung zu tragen.
-tDaS Reichskabinett und mit ihm das deutsche Kolk ist mit Beginn dieser Woche in die Woche außerordentlich wichtiger weittragender politischer ^Entscheidungen eingetreten. Am Dienstag, vormittags 11 Uhr, findet der schon lange angekündigte ioroße Kabinettsrat unter dem Vorsitz d«S ReichS- Präsidenten statt. Ursprünglich war diesem Kabinetts- 'rat die Entscheidung über die Notifizierung der .Kriegsschuld frage vorbehalten. Diese Frage ’ift aber nunmehr doch etwas mehr in den Hmter- igrund getreten, nachdem man an leitender Stelle ’eitannt hat, daß die Aufrollung der Kriegsschuld- .siage, und das würde eine offizielle Notifizierung 'an die anderen Mächte in Wirklichkeit im Gefolge chaben, zur Zeit nicht zweckmäßig ist. Wie im Augen- Wck die außenpolitischen Dinge stehen, würden durch 'eine solche Notifizierung für Deutschland nur Nachteile erwachsen, aber die Kriegsschuldfrage selbst in keiner Weise nach irgend einer Richtung hin eine
Die Frage der Besatzungskosten spielt nach wie vor eine große Rolle. Mit dem Inkrafttreten des Dawes-Gutachtens hat sie ja insofern eine Regelung gefunden, als in Zukunst in den nächsten beiden Jahren für Deutschland selbst keine Verpflichtungen zu Zahlungen bestehen, sondern die Desatzungskosten aus der 80Ö Millionen Goldanleihe und den übrigen aufzubringenden Mitteln getragen werden. Es hieße nun noch für die Zwischenzeit eine Vergleichsformel zu finden. Wie nunmehr verlautet, haben die feit drei Wochen in Paris stattfindenden Verhandlungen über die Begleichung der Ausgaben für die Besatzungsarmeen aus der Annuität des in London angenommenen Sachverständigengutachtens zu einem den Interessen der deutschen Regierung im allgemeinen Rechnung tragenden vorläufigen Ergebnis für die U e b e r g a n g s z e i t, d. h. für die Zeit vom 1. September bis 21. Oktober 1924 geführt. Für eine endgültige Regelung ist die Fortsetzung der Verhandlung in Aussicht genommen.
MlrkMkN ms cmMWsk.
Maßnahme des Finanzministers.
Das W. T. B. meldet:
Einzelne Teile des Reichs sind von schwersten Wetterschäden heimgesucht. Zur Kreditnot tritt damit die Not aus der Zerstörung der Ernte und die schwere Sorge um das Saatgut. Der Reichs- finanzminister hat mit Rücksicht auf die schwere Katastrophe, die damit über Teile der deutschen Landwirtschaft hereingebrochen ist, für bestimmt abgegrenzte Notgebiete, in denen mehr als 50 Prz. der Ernte vernichtet ist, außerordentliche E r - leichterungen in der Steuereinzie- hung gewährt. Hierdurch hofft der Reichs- finanzminister die Sorge der hart um ihre Existenz ringenden Landbevölkerung in den heim- gesuchten Kreisen zu lindern und seinerseits dazu beizutragen, daß alle verfügbaren Mittel zur Bestellung des Bodens und damit auch zur Wiederherstellung der Steuerkraft der landwirtschaftlichen Bevölkerung verwandt werden.
sind, vor allem aber auch der gefeiertste Gast der Tagung, unter Reichskanzler Marx. Bei dem smdrucks- vollen Aufmarsch der Akademiker zur Festwiese war ta K D mit rund 70 Fahnenchargierten und einer sehr großen Zahl alter Herren und Aktiver vertreten.
Auf dem Begrüßungsadend am 2. September m der Stablhalle war auch Reichskanzler Dr. Marx, der An- gehöriger des K. D. ist, erschienen. Rach herzlicher Be- arüßung durch den Vorsitzenden des Hannoverschen Philister,zirtels, Rechtsanwalt Kley holte, und durch den Derbandsgeschäftsführer, Rechtsanwalt Henry aus Santo, der als Bonner Armine den Reichskanzler begrüßte, ergriff dieser das Wort. In feiner Ansprache über ine drei Prinzipien des Verbandes: Religion, Wilsen- fdjirft, Freundschaft, auf die er vor 42 Jahren bei der Anninina in Bonn feinen Treufchwur geleistet hatte, 'brachte der Reichskanzler seinen Dank zum Ausdruck für das, was er in feiner Arminia und im K. D. empfangen habe und ermähnte feine Vereins- und Kartellbrüd-r, ihre ganze Kraft ift den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Bischof Berning von Osnabrück feierte ebenfalls den Reichskanzler, erinnerte m freundlichm Worten an feine e*-1' »i---sl. ----- »uw. r -.itie Semester, in denen er
als Fuchsmajcr der Germania die Füchse für vie Ideale des Leftxmdes begeistern konnte.
Am Vormittag Des 3. September zelebrierte L. H. Bischof Berning in der bi- zum lebten Platz gefüllten Llemens-Propstei-Kirche ein feierliches Pontifikalamt. In längerer Ansprache fand er, ausgehend von den weit- anschaulichen Prinzipien des Verbandes, ernste Worte ta Mahmmg an feine Kartellbrüder, sich zu durchdringen mir den ewigen Wahrheiten der kaih. Kirche, Äs ziklbewußte Menschen danach zu leben, und vor allem positiv und mit ganzer Kraft sich in den Dienst unseres Volkes und Vaterlandes zu stellen. Der Bischof warnte dabei insbesondere vor jenem lebentätenben Pessimismus, der beglaubigen Madmikers unwürdig und für unser Volk überaus gefährlich fei. Nach dem Pontifikalamt, das durch den Gesang des Paderborner Eäcllisrwhoves unter Leitung von Professor Dr. Müller besonders verschönrtt wurde geleiteten Sie anwesenden Chargierten sämtlicher Vereine den Bischof in feierlichem Zuge in die Propstei. Der Betätigung und Betonung der Verbandrideen rn der althergebrachten ftubentifdien Form biente der große Kartettkommers am Abend desselben Tages im großen Saale des Parkhauses, der feine besondere Weihe erhielt durch die Anwesenheit des Diözesanbischofs Dr. Ernst von Hildesheim, der A H. A. H. Weihbischos Dr. Str a e- ter, Köln. GenerÄpräses Prälat Mosterts aus Düs- seldorf, Abgeordn. Landgerichtspräsideitt O p p e n h o f f, Aachen, Oekonomierat eteiger, Hannover, des Vorsitzenden der Katholikenoerstrmmung, weiter des Herrn Professor Dr. Kran old als Vertreter des Rektorats der technischen Hochschule, vieler sonstiger Ehrengäste und einer außergewöhnlich großen Zahl von allen und jungen KLern. Nach den Begrüßungsworten des von rund 100 Chargierten umgebenen Vorsitzenden der 50. Ser- treteroersammlung, Diplom-Ingenieur Schorlemmer, gab Bischof Dr. Emst in herzenswarmen Ausführungen feiner Freude Ausdruck über das gewaltige Anwachsen der Katholischen Korporationen, hob die unbedingte Notwendigtest ihres Bestehens hervor und wünschte tzem
Veamtensragen.
- Keine EehaltrerdShnngsN. Die Spitzenorgam- fationen der Beamten hatten vor einigen Tagen die ReichSrezierung ersucht, den Beamten mit Rücksicht auf die weitere Stabilisierung der Währung und besonder? mit Rücksicht auf da» Londoner Abkommen eine Ge- hattserhöhung zu gewähren. Wie eine Berliner Lokal- korrespondenz dazu erfährt, ist den Beamtenorganisationen bedeutet worden, daß eine Gehaltserhöhung gerade infolge des Londoner Abkommens nicht angängig fei, da dieses dem deutschen Volke ungeheure Lasten auferlege.
K. B., vor allem den in seinem Sprengel bestehenden ÄcrteUoereinen bestes Gedeihen. Die Festrede hielt A. H. Prälat Mosterts, der das Sehnen unserer Zeit und unseres Volkes durch die Betätigung der Prinzipien des Verbandes, Religion, Wissenschaft und Freundschaft, befriedigt ansah. Sein Appell an die richtig verstandene Freundschaft als Voraussetzung des Dienstes an der Volksgemeinschaft fand wirkungsvolleUnterstteichung durch die begeisterten Worte der Anhänglichkeit und Liebe an das Kartell und an seine Derbandsbrüder, die A. H. Weihbischos Dr. Straeter sprach. Den weihevollen Abschluß des Abends gaben die Gedenkworte für die Ge- fallenen, die der Vorortvorsitzende Smd. phil. Zuebben sprach und die m ein silentium trifte ausliefen.
Donnerstag vormittag gedachten die Kartellbrüder vor dem mit Blumen geschmückten Grabe Windthorsts m der Marienkirche in einem van dem 21. H. Pastor Maxen lecitierten Requiem ihrer Verstorbenen, insbesondere der rund 700 gefallenen Freunde. Dem gleichen Gedanken dankbarer vaterländischer Erinnerung an die für unser Volk Dahingegangenen biente der am Abend desselben Tages ftattfmtarte Fackelzug, der sämtliche Fahnen- chargierte und viele KDer unter Musikklängen zum Krie- gerdenkmal am Neuen Hause führte. Dort sprach der frühere Dorortsvorsitzende Dr. rer. pol. Schmidt aus Bochum aus dem Herzen aller Anwesenden die wärmsten Worte dankbarer Liebe für die unübersehbare Zahl der Volksgenossen, die für das Glück und die Größe ihres Volkes ihr Blut vergossen haben. Nachdem unter den Klängen des Gaudeamus die Fackeln vor der Stadthalle zufmnmengeworfen waren, fand die Feier mit dem Gesänge des Deutschlandliedes ihr Ende.
Am Freitag und Samstag wurden Beratungen über wichtige Fragen katholisch-stubcntifck)sn Lebens gehalten. Zwei Referate über „Jugendbewegung" imd „Hochschularbeit" gaben der Versammlung reichen Stoff zur Aus- sprachr, die bis in die Abendstunden währte. In der Schlußsitzung wurde als nächster Tagungsort Fulda gewählt, den Vorort erhielt „Reno-Bavaria" München,
Ein zweites politisches Moment, das ja im übrigen mit der Kriegsschuldfrage auch im gewissen Zusammenhang steht, ist zur Zeit in den Vor- dergrund getreten, das ist die Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund. Seit der Aufforderung Macdonalds sind die ausländischen Stimmen immer lauter und dringlicher geworden, die mehr oder weniger gut informiert, den sofortigen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund forderten. Einen neuen Ruck nach vorwärts hat die Frage dann noch erhalten durch die Auseinandersetzungen des englischen Völkerbundsdelegierten Lord Parmoor mit dem Reichsaußenminister. Erfreulich war für keine der beiden Teile, weder für England noch für Deutschland diese Dementierung und Gegendementierung und besonders nicht für Deutschland. Aber alle die Ereignisse der letzten Zeit in und um Genf und von Genf aus haben aufs klarste bewiesen, wie notwendig der Gegenseite der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ist.
An sich sind ja die Völkerbundssatzungen ledig- lich eine Vereinbarung der Sieaermächte mit allen Vorteilen für die vertragsschließenden Großmächte und mit allen Nachteilen für die in den Völkerbund rufgenommenen Kleinstaaten. Man kann ruhig tn Bezug auf den Völkerbund und seine Satzungen von einer sogenannten „societas leonina" sprechen, lvo gewissermaßen die Großmächte den Löwenanteil an den Rechten haben, während sie in die Verpflichtungen sich geschickt mit den kleinen Mäch- fxn teilen möchten. Deshalb ist auch nach und »ach die Freude der Mittel- und kleinen Mächte an dem Völkerbund stark gedämpft worden. Für Deutschland kommt als weiteres Hemmnis hinzu, däß der Völkerbundsvertrag ein Bestandteil des Versailler Friedensvertrages ist und er mit diesem den Zweck verfolgte und zum Teil auch heute noch verfolgt, Deutschland als Großmacht völlig auszu- schließen. Hiergegen richtet sich nach wie vor der Kampf Deutschlands, und bevor diese Frage nicht zu unseren Gunsten geklärt bezw. bereinigt ist. dürfte von einem Beitritt unsererseits unter keinen Umständen die Rede sein. Daher auch als Grund- prinzip für den Eintritt Deutschlands das Verlange der deutschen Regierung aus völlige Gleichberechtigung und Sitz und Stimme im Völker- bundsrat. Zweifellos haben feit den Tagen des Zusammentritts des Völkerbundes in Genf urfr ausgesetzt Sondierungen hüben wie drüben stattgefunden, und nachdem sich immer mehr heraus gestellt hatte, daß man letzten Endes ohne Deutsch-
Sie SW« Des Wiedens.
Von unserem außenpolitischen Mitarbeiter.
Eines der Hauptprobleme, die in Genf gegenwärtig zur Erörterung stehen, ist das der Siche- rung des Weltfriedens. Ein Problem, groß in der Idee und groß im Ziel, ein Problem, das die besten Geister aller Jahrhunderte schon beschäftigt hat, und das in Jahrhunderten doch noch nie zur Lösung gekommen ist.
Was sich jetzt in Eens abspielt, ist nur eine Wiederholung historisch schon oft erlebter Vorgänge. Wer möchte sagen, daß die Formeln und Paragraphen, die man jetzt in Genf aus Grund eines sogenannten Sicherheitspaktes geprägt hat, wirklich die Erfüllung eines Menschheitswunsches seit Jahrtausenden brächten?
Selbstverständlich müssen wir, und gerade wir in Deutschland, ein Volk, das durch seine geographischen Grenzen immer wieder der Gefahr eines Angriffs oder eines Verteidigungskrieges ausgesetzt sein wird, alle Bemühungen mit heißem Herzen verfolgen, die darauf gerichtet sind. Den Keim künftiger Kriege zu töten. Aber Zweifel darüber, ob das, was in Genf beabsichtigt ist, wirklich dem wohlverstandenen Ziele dient, sind im gegenwärtigen Stadium der Dinge nicht nur erlaubt, sondern auch berechtigt. Wenn man in Genf beispielsweise daran ist, den Völkerbund in seiner jetzigen Gestalt, zum Träger, zum Künder und zum Gestalter der Idee der Sicherung des Weltfriedens zu machen, und wenn man diesem Völkerbund auch die Mittel zum Vollbringen übereignen will, so kann in der Tat eine vollkommene Lösung nicht erzielt werden. Der Völkerbund, wie er in Genf sich präsentiert, ist nur ein brüchiger Begriff, der stolze Name ist nicht Lösung, nicht Erfüllung. Wenn jetzt in Genf ganz offen und zwar von Vertretern derjenigen Mächte, die heute die Herrschaft des Kontinents und der Welt find, jedenfalls über die reale Macht verfügen, um sich als solche auf- spielen zu können, dem Wunsche, ja dem Verlangen nach Deutschlands Beitritt zum Völkerbund Ausdruck gegeben wird, so ist durch diese Tatsache, die mehr als alles andere den Wandel der Zeit in den letzten fünf Jahren dokumentiert, schon zum Ausdruck gebracht, wo der Brennpunkt des politi- scheu Geschehens der nächsten Zukunft sich befindet.
Die Hauptidee des bis jetzt vorliegenden Sicherheitspaktes liegt in der These, daß der angreif enbe Staat gewissermaßen als vogelfrei erklärt werden soll. Wer Angreifer ist, soll durch besondere Instanzen entschieden werden. Alle militärischen und politischen Machtmittel aller Staaten sollen gegen den Angreifer eingesetzt wer- den. Schuld, Verantwortung u. Strafe werden in solchem Rahmen gewissermaßen aus einen Welt- einheitsbegrisf geführt. Daß das solange nicht möglich ist, als die Welt auch wirklich eine Einheit, wenn auch nur in übertragenem Sinne bildet, liegt auf der Hand.
Die Sicherung des Weltfriedens wird, und darauf läuft letzten Endes auch nur die Aktion von Genf hinaus, lediglich mit technischen Mitteln betrieben, noch dazu mit Mitteln, die schon in ihrem Ausmaß und in ihrer Ausgestaltung unvollkommen sind, geschweige denn, daß sie allgemein güllig wären, oder auch nur als allgemein anerkannt gelten. Mit solchen Methoden, wären sie auch noch so wissenschaftlich erforscht und begründet und geistig durchgebildet, wird man allein das Ziel nicht erreichen. Eine Abrüstung der Herzen ist die Voraussetzung für eine Abrüstung der Völker! Geht eine solche Läuterung der Moral der Menschen, der Moral aber auch der Politik in den einzelnen Ländern, der Moral vor allen Dingen in dem engeren Verhältnis zwischen Ländern und Völkern untereinander nicht einer großen in Inhalt und Ziel geläuterten Abrüstungsaktion voraus, dann ist aller Menschen« witz vertan und die Rot der Völker wird nimmer abreißen, sondern nur an einem anderen Punkte wieder von neuem ihren Ausgang nehmen.
Friedenskundgebungen in Genf und London
In Genf hat eine sozialistische Kundgebung gegen den Krieg stattgefunden, in deren Verlauf der- schiedene ausländische sozialdemokratische Persönlich, keilen, darunter der französische Deputierte Paul Boncour und Reichstagsabgeordneter Dr. Breitscheidt das Wort ergriffen. In einer Resolution wurde gegen die Rüstungspolttik aller Länder protestier, und auf das Beispiel, das Dänemark in der Abrüstungsfrage gegeben habe, hingewiesen und eine Ausdehnung des Schiedsverfahrens und die Schaffung der Bereinigten Staaten von Europa ge fördert.
Der Nationalrat zur Verhinderung von Kriegen hatte in London eine große Kundgebung veranstaltet, an der auch deutsche Vertreter teilnah- men. Das Parlamentsmitglied Trev e l y a n brachte eine Entschließung ein. Die Dem .Abscheu gegen Den Krieg unD Der Entschlossenheit Ausdruck gibt, sich mit allen Völkern zusammenzu- schließen, um für einen dauernden Frieden durch Zusammenarbeit und einen alle umfassenden Völkerbund zu wirken. Professor Quidde (Deutschland) sagte, die Frage des Friedens fei nicht mehr eine Sache der Pazifisten, sondern eine Sache des gesunden Menschenverstandes; denn ein künftiger Krieg würde alles, was der Menschheit teuer und heilig sei. vollkommen zerstören.
Die wirren in China.
Wtb p a r i s, 23. Sept. (Id.) Havas meldet aus Schanghai, daß der kommandierende General der Armee Tschekiang seine Schlachtlinien verkürzt hat. Man nimmt an, daß er die Absicht habe, sich als letztes Mittet auf die Stellung zurückzuziehen, die zwei Meilen von der Grenzlinie entfernt ist und das .^remdenviertel von Schanghai umgibt.
Die sogenannte unabhängige Flotte ist von Schanghai ausgelaufen, um sich mit der Nordflotte Wupeifus zu vereinigen. Die Streit- fräfte Tfchekiangs haben ihre Front von Huang- Tu-Lino verkleinert und eine neue Front in Ka- fching längs der Eisenbahnlinie Schanghai-Hang- schu in Verbindung mit der 16. Armee, welche sich von Schanghai zurückgezogen hat, errichtet. General Lu hat die ihm gemachten Friedensvorschläge zurückgewiesen; es haben daher die Feindseligkeiten wieder begonnen.
------------------------------------- ------------------------- l
Chinas Forderung andenvölkerbund
Nach Nachrichten aus Genf hat die chinesische Delegation ein Telegramm ihrer Regierung erhalten, in dem ihr mitaeteilt wird, daß daS chinesische Parlament mit Rücksicht ans die ungerechte Verteilung der nichtständigen Notsitze, von denen vier auf Europa und zwei auf Südamerika gefallen sind, beschloflen hat, daß China auS dem Völkerbund austreten soll, wenn eS in diesem Jahre keinen Sitz im Rat erhält. Nötigenfalls müsse die Zahl der nichtständigen Ratsmitglieder erhöht werden.
Die Neichstagswahl in Oberschlesien.
Die Wahlen in Oberschlesien haben irgend eine Verschiebung in der Stärke der einzelnen Reichstagsfraktionen nicht gebracht, obwohl die Stimmen» Verschiebung zum Teil nicht unbeträchtlich ist. Auch diejenigen Parteien, die die stärksten Verluste zu verzeichnen haben, verlieren dadurch nur ihren oberschlesischen Abgeordneten zu Gunsten eine» Abge- ordneten auf der Reichsliste, für die die Reichsstimmen noch ausreichen. Es sind also, wie bisher drei Zentrumsabgeoidnete, ein Deutschnationaler und zwei Kommunisten gewühlt. Alle Parteien haben unter der schwachen Wahlbeteiligung zu leiden gehabt. _________