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Zur Unterhaltung
i Nr. 217 vom 17. Sept. 1924. I
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Selig W Die WWeMn...
Sott Ergabt Dr. Norbert Weber.
.Menschensorge für Gottesreich" ist ein Buch betitelt, das der Ergabt von St. Ottilien Dr. Norbert Weber im Verlag Herder zu Freiburg i. Br. herausgegeben hat (geb. G.-M. 4.20). Ein verzehrender Glaubensboteneifer reißt darin den heimischen Christen in die Gedankenwelt der Heii^n- mission mit fort Hier eine Leseprobe aus dem Buch.
Wenn einmal wilde Leidenschaften des Menschen Herz Unempfänglich gemacht haben für die Regungen der Menschlichkeit, dann wird ein solches steinhartes Herz ebensowenig vom Mitleid bewegt werden können, wie ein festgefrorener Weiher von einem Steine in Bewegung versetzt wird, sondern ihn klirrend wie in einem höhnischen Lied von sich in die Uferbinfen schleudert. Das blanke Wässerchen indes nimmt in leichten Wellenkreisen den Schlag auf und teilt ihn über die ganze Fläche mit. Und doch muß das Eis noch klingen und klagen. In jener schauerlichen Kälte aber, in die so mancher Bollsstamm versunken ist, wo er mit der Blutgier des Raubtiers den Mitmenschen zerfleischt und auffrißt, da scheinen unter dem furchtbaren Druck der Un- Menschlichkeit selbst die Naturgesetze erstorben zu sein. Aber auch da, wo noch die Empfindung der Zufammen- gehörigkeit Familie und Sippe und Stamm enger aneinanderschließt, da ist bei den Heiden eine unbarmherzige Gesinnung gegen Unbekannte ober gar gegen Fremde oftmals geradezu zur Bolkseigentümlichkeit geworden.
Herzlos kann der Chinese an einer finkenden Barke vorbeifahren. Er könnte vielleicht all die verzweifelnden Insassen des untergehenden Bootes retten. Hoffnungslos ringen sie mit dem Tode; nur ihre Landsleute können ihnen noch Rettung bringen. Doch diese überschauen mtt gewandtem Bllck die Lage und stellen sich nur die eine Frage: Kommt dabei für uns ein Gewinn heraus? Nein. Und sie überlassen ihr Schiff dem Wind und die Unglücklichen den steigenden Wellen, die vor ihren Augen Barke und Insassen in das naffe Grab Hinabreißen. Ruhig, als ob nichts geschehen wäre, treibt die andere Dschonke mit geschwellten Segeln dem Ziele zu, das chr Geld verspricht.
Man rühmt die Gastfreundschaft der Araber. Ich wähnte, er müßte wie Blut schmecken, der Tee, mit dem mich der liebenswürdige Hausherr nach langem, heißem Marsche in freundlicher Weise bewirtete. Sein Vater Mar ja Sklavenjäger gewesen. Wie viele Taufende armer Negerweiber und unschuldiger Kinder, wie viele beherzte Männer, die sich zur Wehr setzten, mögen unter den Mordwaffen seiner ruchlosen Bande verblutet fein! Ihr klägliches Wimmern, ihr herzzerreißender Schmerzensschrei hatte um Barmherzigkeit gefleht. Er war in dem öden Dickicht des Wüstenwaldes erstorben oder war erstickt in den prasselnden Flammen, in denen ihre Hütten zusammenfanken. In den Herzen dieser Rotte konnte er kein Echo anschlagen.
Milderem Handwerk hat sich der Sohn zugewendet. Eine wohlbewafinete Schar Jäger zieht für ihren Herrn aus auf die Clefantenjagd. Die blanken weißen Zähne sollen nun statt des schwarzen Elfenbeins, das dem Vater Reichtum gebracht, dem Sohne den ererbten Besitz und das alte Ansehen erhalten.
Doch wieder isfs, als wären fie mtt Henna rot gefärbt, diese schillernden Elefantenzähne, so überzieht sich im Geiste ihr blinkendes Weih mit Blut. Ist es das Blut der kühnen Jäger, die von den ergrimmten Tieren zerstampft worden? Wär's nur das! Es klebt noch anderes Blut an diesen Zähnen.
Das kostbarste Zaubermittel, das die Jäger flch be- retten, um damit ihr Jagdglück herauszufordern, ist das Herz eines ihrer nächsten Angehörigen. Erst mußten sie ihr Weib oder die Mutter ober ein Lieblingskind vergiften, um so in den Besitz dieses unfehlbaren Zaubsr- millels zu kommen. An jeder Waffe dieser Jäger klebt Blut und frißt sich rostend in die Waffe und in das entmenschte Herz dieser rohen Gesellen.
Auch Koreas Gastlichkeit ist gerühmt. Doch mangelt chr die regelnde Vernunft, welche die natürliche Barmherzigkeit gegen Freunde nicht zur bedingungslosen Freigebigkeit gegen Landstreicher werden läßt. Es ist schön, wenn ein Fremder allüberall einen Trunk Wasser und eine Pfeife voll Tabak und zur Nachtzeit einen Führer mit brennender Fackel bis zur Nachther- iberg erhält. So verlangen es die Landessitten. Aber wie viele sind es, die diese Gutmütigkeit als die Quelle chres Lebensunterhaltes betrachten und jahraus jahrein von Haus zu Haus, von einem Dorfe zum andern wandern und alles brandschatzen, roeil ihnen niemand die Tür weisen darf!
Einer der schönsten Züge im Leben des N e g e r s ist seine Mitteilsamkeit. Es nimmt sich so nett aus, wenn am Lagerfeuer die qualmende Pfeife von Hand zu Hand geht und von Mund zu Mund. Und noch anmutenber ist's, wie selbst die Kinder schon diese Nationaltugend
Der Burgschreck.
Roman von Felix Neumann.
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Nun war es ganz dunkel geworden.
Vom Hofe her erschallten Hufschläge, Graf Wild kehrte von seinem Ritt zmuck. ,
Man hörte chn polternd nach einem Troßllnllen rufen. Dann verklangen die schweren Schritte im anderen Flügel her Burg.
„Warum hast du dich und die andern Menschen so gequält, so daß sie dich verkennen mußten?"
Gräfin" Sabina blickte aus das Buch, das ihr im Schoße tag. „Darüber darf ich nicht sprechen. Nur das eine sollst du erfahren, daß ich einst mit heißer Liebe einem Mann pnhing, einem, wie mein harter Baier sagte, „ Urne benbürtigen ".
Er nahm ein trauriges Ende und büßte seine Neigung zu mir mit dem Leben. Als ich, fast dem Wahnsinn nahe, ins Kloster kam, vergrub ich mein Leid tief im Herzen und erneuerte den Schwur, den ich in unserer Abschiedsstunde dem Geliebten mtt auf den Weg gab, ihm nie die Treue zu brechen, ehe er selbst mich nicht von dem Gelöbnis entbände. — Er starb für mich. Als ich die Nachricht erhielt, da erfaßte mich ein zehrender 3orn gegen die Menschen und die Well, und ich wurde so — wie du mich gesehen hast,, seitdem ich hier bei euch wirke. Ich war einmal jung und schön, Anne Susanne, deiner Mutter ähnlich, und mancher Freler nahte mir, aber ich verscheuchte sie durch mein Schelten und Zanken, well ich es so wollte!"
Stirne Susanne entsann sich, daß 8er Vater und die Mutter zuweilen von der Muhme Sabina gesprochen hatten, aber stets nur unter Kopf schütteln und mtt gedämpfter Stimme. Und vor wenigen Jahren, als der alte Graf Treuen auf der Treuenburg die Augen schloß, hieß es, daß die Muhme das Kloster verlassen habe und nun auf einem Anwesen wohne, das im Bannkreis der Burg bei Trier lag. , Das Stammschloß selbst hatte der strenge Vater der Tochter solange gesperrt, dis sie sich vermähle.
üben. Gib einmal einem der Kleinen etwas Salz. Er wird die einzelnen Krumen unter feine Gespielen verteilen, obschon es in seiner Vorstellung nichts gibt, wo- mtt er die Köstlichkeit des Salzes vergleichen könnte.
Aber auch diese schönen Züge aus dem Heidentum lasten doch noch jene klaren Farben, jene bestimmten Striche vermissen, die den Heiland bewogen haben zur Seligpreisung: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit empfangen." Er sucht es den ©einigen, damit sie feine Ansichten und Forderungen bester verstehen, klarzumachen: „Wenn ihr die liebt, die euch lieben, was werdet ihr für einen Lohn haben? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr da viel? Tun das nicht auch die Heiden?" Er verlangt mehr. Die natürliche Humanität muß übernatürlich umgewertet und von höheren Gedanken geleitet werden, wenn sie Gottes Barmherzigkeit verdienen soll. Das Herz muß sich weiten und muß -Platz schassen für alle, um allen ohne Ausnahme barmherzige Liebe zuzuwenden.
Em verschleiertes Wort müßte diese SeUgpreisung fein, wenn sie der Missionär bei seinem ersten Erscheinen hineinrufen wollte in ein heidnisches Dorf. Sie würden den Kopf schütteln und erklären: Aug um Slug, Zahn um Zahn, das ist der Sätet lleberlieferung; blutige Rachekriege sind unsere Pflicht; von Raub und Diebstahl haben wir bis jetzt gelebt; heute beugt sich mir der Schwächere, und ich werde ihn knechten; denn morgen bin ich der Sklave eines Stärkeren geworden. Warum soll ich meine Macht nicht benützen, solange ich kann? Mitleid ist Schwäche, Erbarmen ist Unsinn: „Schlechtes Verdienst erwirbt sich um einen Bettler, wer ihm etwas zu essen und zu trinfen gibt; denn was er gibt, verliert er selbst, und jenem verlängert er das Leben zum Elend" (Plautus). Das sind die Stimmen, die das Heidentum erhebt.
Doch die Barmherzigkeit muß den Weg m die Herzen finden, damit das Erbarmen des Heilandes ihr nachfolgen tarnt. Der Missionär kennt den Weg, den einzig gangbaren, den der Völkerapostel auf den Wegweiser geschrieben, und diesen Weg schlägt er ein: „Seid meine Nachahmer, wie ich ein Nachahmer Christi bin." Mit dem lebendigen Beispiel des mildreichen Erbarmens verschafft er der siegenden Liebe des Erlöferherzens Einfluß auf die harten Gemüter, denen immer noch das Verhalten der Missionäre ein ungelöstes Rätsel scheint...
Elfinder-Tragik.
Erfindungen bringen Geld. Meist aber nur dann, wenn es sich um Kleinigkeiten handelt, so widerspruchsvoll das klingen mag. Kleine Erfindungen, deren praktischer Nutzen einleuchtet, setzen sich schnell durch und machen den Urheber oder Patentinhaber unter Umständen von heute auf morgen zum reichen Mann. Anders aber liegt es bei großen, epochemachenden Erfindungen. Ganz abgesehen davon, daß ihre Vorbereitungen meist erhebliche Zeit- und Geldopfer erfordert, die die meisten gar nicht imstande sind daran zu wenden, hat auch ihre Durchsetzung oft mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen, daß der Urheber die Ausbeutung seiner Idee nicht erlebt. Die Trägst fft in der Mehrzahl der Fälle die Lebensbegleiterin des großen Er- stnders. Das war in der Vergangenheit nicht anders als in der Gegenwart Gutenberg, der Erfinder der Buchdruckerkunst, war ein reicher Mann. Ader sein ganzes Vermögen ging für feine Erfindung drauf. Nach den Annalen des Klosters Hirschau war er nahe daran, das ganze Unternehmen aufzugeben, als ihm ein anderer Mainzer Bürger, Johann Fust, unter die Arme griff. Nach der Ueberlteferung soll er in Armut und Verbitterung gestorben sein.
. Ebenso traurig ging es dem Erfinder der Nähmaschine, Elias Howe. Mit Hilfe von Freunden hatte er schon unter den größten Entbehrungen eine Nähmaschine hergestellt, aber nun fand sich niemand, der ihm das Patent ab taufte, und selber hatte er nicht das Kapital, um die Erfindung auszubeuten. Ein Bruder von ihm reifte daraufhin nach England, um dort einen Käufer zu suchen, und wirklich gelang es ihm, von einem Kofferfabrikanten, William Thomas, 250 Pfund Sterling für das englische Patent zu erhalten. Howe reifte nun selber nach England, aber er wurde von Thomas so betrogen, daß er bald seine letzte eigene Maschine verkaufen mußte, um sich das Geld zur Rückreise nach Amerika zu verschiffen. Hier trat er als einfacher Arbeiter in eine Maschinenfabrik ein. Verbittert, kümmerte er sich nicht mehr um seine Erfindung, bis er endlich von Freunden darauf aufmerksam gemacht wurde, daß ein gewißer Singer sich die Erfindung angeeignet hatte und Riesensummen damit verdiente. Ein Mitleidiger streckte ihm das Geld zmn Prozeß vor, und Singer wurde verurteilt, dem Erfinder für jede verkaufte Maschine fünf Dollar zu zahlen, was, da etwa
Und wieder klang es bang durch die Dunkelheit: „Und was wird nun?"
Sabina streichelte Anne Susannes Wangen.
„Vorläufig bleibe ich noch hier, mein Kind, damit nicht die alte Unordnung wieder einreißt. Aber das kann unter den Verhältnissen feit heute nachmittag nicht mehr lange fein. Mtt heißem Kopfe ist dein Vater davon geritten, denn in der Hitze habe auch ich ihm manche Schuld vorwerfen müssen, daß es so wett bergab mit dem Schreckenstein gegangen ist. Ich hätte es vielleicht nich! tun sollen, aber mir schoß das Blut in den Kopf, als er mich der Kaltherzigkeit zieh. Er weiß nur weniges von dem, was mir geschah, erriete er alles, er würde anders urteilen." _ > 5
Sie stand auf und legte das Buch in die Truhe.
„Es geht aufs Letzte mit dem Schreckenstein, und wie dem Unheil zu wehren ist, weiß ich nicht. Aber ich werde meine Pslicht tun bis zwn Augenblick, da ich scheiden muß."
Das schwere Schloß schnappte ein, als die Gräfin den Deckel niederfallen ließ.
„Ich habe dir das alles heute gesagt, mein Kind, damit du nicht einst mtt einem Gefühle des Hasses meiner gedenkst. Ich bin noch wett unglücklicher, als Ihr alle hier, denn ich muß das Elend meines Herzens tief verschließen als mein Geheimnis. Nun wollen wir hinunter gehen, die Hausfrauenpflichten warten meiner."
Stirne Susanne merkte, wie nach dieser Stunde der Weichheit und Güte wiederum das Herbe allmählich die Oberhand gewann.
Es war, als ob die tiefe Verbitterung die aus an getan em Unrecht entstand, von neuem aus der Tiefe fteige und die guten Regungen ersticke.
Ms sie zusammen aus dem Zimmer traten, ging am Ende des Korridores Graf Wild mit dem Burgvogt Wurrner vorbei.
Sie sahen die Damen nickst, und Wild sagte grollend: „Noch wenige Wochen, dann ist Johannistag, dann können wir beide unser Bündel zusammenpacken und abziehen."
Die Stimmen verhallten. Sabina lehnte sich einen Augenblick oesen die Wand, als ob sie eine Schwäche
300 000 Maschinen verkauft waren, eine gewaltige Summe ausmachie. Doch Howe war durch die Entbehrungen und Schicksalsschläge, die er durchzumachen gehabt hatte, so mitgenommen, daß er schon nach ganz wenigen Jahren im Alter von 48 Jahren starb.
Auf eine andere Weise greift die Tragik in das Leben der Chemiker-Erfinder ein. Sie hantieren nicht feiten mit Stossen, deren Eigenart ihnen zunächst völlig unbekannt ist. Trotz aller Vorfitztsrnaßregeln können sie sich plötzlich irgendwelchen Nebenwirkungen gegenüber» sehen, die sie nicht geahnt haben. So hat es sich ergeben, daß manche Arbeiten mit Quecksilber den Körper langsam aber sicher vergiften. Noch gefährlicher sind natürlich die Arbeiten mit unbekannten Strahlen. Tragisch ist es, wie der Erfinder der „Todesstrahlen", Grindell Mathes, nun womöglich als erster seiner Erfindung zum Opfer fallen wird. Seit einiger Zeit spürt er einen Schmerz im linken Auge, der sich trotz aller ärztlichen Eingriffe nicht beheben ließ. Außerdem empfand er eine Abnahme der Sehkraft. Er ift heute auf dem linken Auge fast erbfinbet. Und auch im rechten Auge hat derselbe Prozeß begonnen. Daß diese Erblindung auf die „Todesstrahlen" zurückzuführen ist, erschließt man foeäsus, daß sich bei seinen beiden Assistenten dieselben Erscheinungen zeigen. Natürlich stehen die Aerzte dem Fall rallos gegenüber, da ja die Natur der durch die noch unerforschten Sttahlen hervorgerufenen Krankheit unbekannt ist. Es muß sogar mit Recht befürchtet werden, daß diese Augenkrankheit nur eine Teilerscheinung feiner Gesamtinfektion des ganzen Körpers ist. Man erfindet nicht ungestraft „Todesstrahlen"! Erfinderlos! Mf.
Die Ofenbank.
Von Theodor Pröpper.
(Nachdruck verboten.)
Von den Bergen steigt die Dämmerung zu Tal. Vom Turme läutet die Abendglocke. Auf den Straßen und Plätzen wird es stille. Das Spiel ist aus. Die Kinder gehen nach Hause.
Daheim ruhn für ein Weilchen die Arbeitshände der großen Leute. In beschaulicher Geruhsamkeit sitzen die Hausgenossen, um die Poesie der Dämmerstunde zu verkosten. Das Herdfeuer matt helle Lichtstreifen auf den Fußboden. Auf der Ofenbank fitzt die Großmutter. Ein heimliches Klimpern und Klappern zittert durch die Stube wie von gleitenden Perlen eines Rosenkranzes. Die Kinder setzen sich neben die Alte auf die Bank oder kauern am Boden. „Großmutter, erzähl uns etwas."
Da hebt die graue Alte den Finger und Groß- mütterchens Dichterseele spricht. Es ist, als ob die stein- alte weiße Frau Sage selbst den Mund öffnete. „Es war einmal '--". Durch die blitzblanken Fenster
scheiben lugt neugierig der Mond. Das Herdseuer prasselt gemütlich. O, einzig schöne Dämmerstunde! Märchen, Geschichte und Sage spinnen auf der Ofenbank ihre Fäden. Kinderaugen glänzen wie Demanten. Und nicht nur die K-nder, selbst die Großen und sogar die ganz Großen, fie steigen auf silbernen, goldenen Stufen empor in jenes Land, wo man anders denkt und fühlt und schaut als in der Welt der Wirklichkeiten. Und fie träumen sich mitten hinein in dies Land wunderbarer Geschehnisse — weltentrückt. Ihr Haus wird zum Mär- chenhaus, ihr Heimatland zmn Märchenland.
Und so schaurig schön ist das alles, was die Großmutter erzählt. Man tarnt sich so schön dabei fürchten. Bunte Gestatten schrecken einher: Gefangene Königs» kinder, wilde Recken und große Helden, Könige und Bettelleute. Und herrliche Schlösser kann man sehen und dicke, dunkle Wälder mit finstren Höhlen darin. O, tau» send herrliche Dinge. Der Mond lacht mit vollen Backen durchs Fenster. Man kann es wohl verstehen, wenn der einsame Mond neugierig ist und auch ein wenig lauschen will: Am liebsten möchte er auch gewiß auf der Ofen- bank liegen. Ja, wer kann auch so fein erzählen wie die Großmutter? Versunkene Glocken läuten ferne —. Verschlafene Städte ducken sich hinter Rosenhecken. Geheimnisvoll raunt es rings, und da — auf einmal — O! — da zündet eine Hand ganz still und sacht am Herdfeuer ein Lichllein an und — husch! husch! — die ganze Märchenherrlichkeit ist vorbei. — Die Kinder sitzen noch eine Weile — regungslos. Es war zu schön--.
Ja, die Ecke mit der alten Ofenbank ist eigentlich die gemüüichste Ecke im ganzen Haus. Am Abend sitzt der Vater auf der Bank und Männer kommen hinzu. Die sprechen von ernsten und heiteren Dingen. Die Pfeifen glühen und der blaue Dampf hüllt die Gestalten in einen feinen Nebel. Behaglichkeit und Zufriedenheit wohnen auf der alten Dank. „Es war einmal —".
Ja, das alles war einmal, als ich noch klein war und auch den Märchen lauschte. Heute sitzen das Broh- mütterchen, der Vater und die anderen allen lieben Gestalten nimmer auf der Ofenbank. Aber wenn ich die
Niederkämpfen müsse, dann schritt sie aufgerickstet mtt klirrendem Schlüsselbund tot das untere Stockwerk, um die Bereitung der Abendmahlzeit für dße Herrschaft und das Burggesinde zu überwachen. ,..... .
3. ;T*' 7 v ' -
Auf der Barenburg, bem Sitze i»s Grafen Mrst Bärenhaupt, wand man einige Tage später Blumen zu Sträußen und Girlanden. Das Burgtor warS reich geschmückt, der prächtige Speffesaal zeigte Laub- und Blumengewinde in bunten Farben, und alle Hönde vom Haushofmeister bis zmn Küferjungen regten sich, das große Festmahl zu richten, das Graf Rust seinem aus der Fremde heimkehrenden Sohne Siegfried rüstete.
Rust Bärenhaupt war anders geartet, als fein Bruder Wild. Er zeigte mehr Neigung für die schönen Künste, liebte Musik und Dichtung über alles, und wenn er auch in jüngeren Jahren ein streitbarer Herr gewesen war, so hatten ihm doch verschiedene körperliche Leiden das Schwert bald aus der Hand gewunden. Rust war Mitte der Fünfziger, ging leicht gebeugt, und suchte dem Rest seines Lebens, den er nicht mehr beiräckMch wähnte, dadurch besondere Weche zu geben, daß er Gutes tat, Bücher las und Reisen machte, von denen er Altertümer und Kostbarkeiten aller Art mit heimbrachte.
In den letzten Jahrsn allerdings hatte er diese Ritte in fremde Lande sehr einschränken müssen, da er bresthaft wurde und ihm das Reiten Beschwerde machte.
Aber unter der erzwungenen Seßhaftigkeit des Vaters sollte der einzige Sohn nicht leiden.
Graf Rust sandte chn, von getreuen Männern umgebe«, in die Well hinaus, um sich zu bilden, fremde Sprachen und Gebräuche zu lernen und der deutschen Kernnatur den seinen Schliff der Hose des Südens zu geben.
Vor fünf Sommern war der eben dem Knabenalter entwachsene Jüngst ng hinausgezogen weit, wett, bis nach Italien hinab, und Kuriere sorgten dafür, daß der tren- sorgende Vater über das Leben und Treiben des Erben wohlunterrichtet blieb.
Gestern hatte Siegfried mH feinem Gefolge die letzte Station erreicht, war die Nacht in der Herberge geblieben und wurde nun am Mittag erwartet.
alte Bank anschaue, dann wird ein Stück Jugend in mir wach. Dann ist mir, als horte ich ferne Glocken läuten. Heute fitzen andere Menschen dort in der Ecke. Freunde und Nachbarsleute kommen zu mir und wir fingen Lie- der mitsammen und erzählen einander von alten Leuten, die vor uns waren und von alten Zeiten. Unb wenn die Freunde gegangen sind, sitze ich noch ein Weilchen allein auf der alten Bank. Unter dem Ofen schnurrt die Katze. Hinter dem Schrank nagt ein Mäuslrtn. Das Herdseuer knistert und ich — träume.
Aus aller well.
— Ein Denkmal für einen freuen Hund. Heber manchen schwäbischen Dörfern erhebt sich eine stattliche Tanne, deren Krone man weithin im Lande bemerkt. Eine solche Tanne sieht man über dem Markfflecken Plieningen auf den Fildern bei Stuttgart. Der dortige Pfarrer Götz (1803 gestorben) war 1791, begleitet von feinem Hunde, ausgeritten. Als er in der dunklen Nacht heim- kehrte, wurde er von Räubern, die der berüchtigten Hannickel-Bande angehörten, überfallen. Dank der Tapferkeit, mit der sein Hund ihn verteidigte, konnte et auf feinem raschen Pferde entkommen und gelangte glücklich nach Hause. Eine Stunde später kam auch der Hund, aber so schwer verwundet, daß er noch in der Nacht verschied. Am andern Tage bereitete Pfarrer Götz dem treuen Tier im Obstgarten auf der Nordseite des Pfarrhauses ein Grab und pflanzte zu feinem Gedächtnis darauf eine Tanne, die seither zu einem stattlichen, das Pfarrhaus hoch überragenden Baume herangewachsen ift und trotz ihrer 133 Jahre immer noch eine bedeutende Trieb- und Lebenskraft besitzt.
— wie der Astronom sich rettete. Der Astronon^ Ludwigs XI. von Frankreich, Galeotti, erfuhr, daß der« König ihm übel wollte und ihn töten lassen wollte, roe® er ihn für einen Betrüger hielt. Das war Galeotti mm< allerdings auch. Aber nur deshalb, well der König nun- einmal betrogen fein und fein Schicksal in den Sternen geschrieben sehen wollte. Deshalb hatte er nicht LuU fein Leben zu verlieren. Als ihn nun der König kommst liefe, um ihm sein Schicksal zu verkünden, überraschte fr ihn durch die Nachricht, er könne ihm einen Anhaltspunkt für die Länge feines Lebens geben. Denn er habe in den Sternen gelesen, daß der König genau 24 Stunden nach dem Tode seines Astronomen sterben werde. Der König stutzte über diese Mitteilung, und aberglittMsch tme er war, wagte er nicht, fein Vorhaben auszuführen. Ja, er stellte dem Astronomen sogar eine Leibwache zur Verfügung, die die strenge Weisung hatte, über sein Lebert in roacbm mf.
— aaetlei Weisheit. Jeder einzelne Tropfen Milch: enthält mehr als eine Million Fett-Moleküle.^ — Hebet 87% der Körperwärme des Menschen verflüchtigt sich durch die Haut. — Ananasfrüchte, die man bei uns pfundweise kauft und gut bezahlen mutz, wachsen in Natal in Südafrika so massenhaft, daß man fie teil». weife als Schweinefutter verwendet. — Seit Alexander dem Großen haben in der Welt über 1000 Kriege oder größere Feldzüge stattgefunden.
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heiteres.
Angenehmer Fund. Zimmerherr (8er am Tage vorher eingezogen ist, morgens zur Vermieterin): „Ich habe heute nacht in meinem Zimmer etwas gefunden . . ." — Vermieterin (wütend): „Bei mir können Sie gar nichts gefunden haben! . . . Und wenn Sie.- etwas gesunde» haben, dann hallen Sie es auch felbft mitgebracht! —< Zimmerherr: „Wenn Sie meinen . , . Es war nämlich ein Fünfzigmarkschein."
Waschbär und Regenschirm. Ein Kürschner verkauftes einer Kundin einen Pelz. „Ja gnädige Fron," sagte er.« „ich garantiere A>nen, daß es ein echter Waschbär ist, dew Sie jahrelang tragen können." — „Wenn ich aber mm im Regen naß werde? Schadet das Wasser dem Pelz nicht? Wie wird er dann aber aussehen? Wird er nichts verderben?" — „Gnädige Frau, ich habe ha nur eine Antwort: Haben Sie jemals einen WaschiÄren mtt einem Regenschirm gesehen?"
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Ein witziger Bauer. Auf einem kleinen Dahnyoh kommt ein Bäuerlein angerannt und will im letzten Augenblick auf de« gerade abfahrenden Zug springe«. Der Stationsvorsteher HM chn energisch von seinem Dor. haben ab und bringt es unter Einsatz seiner Körperfräfte so weit, daß der Zug ohne ein Unglück außer Reichweite kommt. Das Bäuerlein ringt nach einem Ausdruck feiner Wut und schreit schliefellch: „Ra — wiffen S', 's gibt ja noch mehr Bahnhöf' Äs Ihren hier!" und kehrt dem Vorsteher den Rücken.
Diele Edle und Sofien der Graffchaft hatte-, sich ach die Kunde hin eingefunben, und vor der Burg und im Hose wimmelte es von Gästen, Pferde wieherten, Knechte liefen hin und her, es war ein Leben, als ob ein Kreuzzug gerüstet werden sollte. Während dieser fröhlichen Unruhe saß Graf Acht in dem kleinen holzgetäfelten Gemach, wo er studierte, seine Bücher verwahrte und feine eigenen Auszeichnungen machte. ,
Er trug ein pelzverbrämtes Festgewand, das merkwürdig gegen die schlichte Kleidung abstach, die der Echt trug, der bei ihm weilte.
Es war keiner von den edlen Herren der Graffchaft, auch kein Ratsherr aus Agathen, sondern ein einfacher Mann, der in letzter Zeit häufig auf der Bärenburg aus. und einging, und den die Wachen einkeßem, wann er auch immer Zutritt begehrte.
Lächelnd fache Graf Rust, der in Papieren kramte: „Die Stunde, da Ihr gekommen seid, Mosch Veiget- ftamm, ist, so deucht mir, nicht gut gewählt. Wer mag, wenn alle Saiten in uns klingen, wenn aus allen Ecken stohe Hoffnung lacht, an trodene Zahlen und Geschäfte tenten!"
Moschs kluges Gesicht zeigte jenen verschmitzten Zug, der es zuweilen geradezu anziehend erscheinen ließ, trotzdem der Handelsmann wahrlich kein Adonis war. Aber man hatte, wenn dieser Schalk um die schwarzen Augen sein Spiel trieb, das Gefühl, daß Seigelftamm ein Schelm war, dem man nicht zürnen konnte.
„Herr Graf, so urteilt Ihr, und niemand wird es Euch verargen." Mosch hob die Hände und kehrte mit abgespreizten Daumen die Handflächen nach vorne.
„Ich aber sehe, verzeihet es in Gnaden, — die Lage anders. Gerade wenn das Herz in hohen Sprüngen hupft, sind Hand und Beutel offener als sonst, wo der graue Alltag uns zum Grübeln und Spintifieren drängt. Warum soll ich an diesem frohen Feste, da Euer Herr Sohn — Gott gebe ihm mehr als hundert Jahve Leben — in seiner Ahnen stolze Burg als Mündiger hsimkehrt. mit Euch, Herr Graf, nicht ein Geschäftchen machen?"
Rust lehnte sich in den Lederstuhl mit hoher Lehne zurück und lachte so hell hinaus, wie man es fetten von dem ernsten Manne zu hören gewohnt war.
(Fortsetzung folgt)