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FuldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Lladl Fulda.

Dienstag, 16. September 1924

51. Zahrg.

Ur. 216

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Verantwortlich für die Schriftleitung i. Lertr.: Anton Weßler. Anzeigen: I- P arzeller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der $ Fuldaer Bctiendruckcrei in Fulda. Fernivrecher Nr. S. :: Monatlicher Bezugspreis: 1.50 Mk.

Vie verbMgungraLiion der Regierung.

Der Reichsfinanzminister Luther gewährte einem Vertreter des Woiffbüros eine Unterredung über die Preisabbauaktion. Die Unterredung verlief wie folgt:

Frage: Welche Wirkungen versprechen Sie sich, Herr Reichsminister, von den heute morgen angekündigten Maßnahmen der Reichsregierung zur Erleichterung deS ^Wirtschaftslebens?

Minister: Darauf mutz ich Ihnen zunächst ant­worten, datz ich mir keine Wunderwirkungen verspreche. Die Zeit der Illusionen ist vorbei. Jetzt mutz der zähe, mühsame Wiederaufbau beginnen. Dieser Wieder­aufbau wird zweifellos allmählich Früchte tragen und zwar dauerhafte Früchte. Leute freilich, die zu meinen schienen, datz nach der Annahme der Gesetze über das Londoner Abkommen bei uns so zu sagen über Nacht ein riesiger wirtschaftlicher Aufschwung einsetzen werde, waren ebenso grotze Illusionisten wie die anderen, welche glaubten, wir hätten unser Leben als Wirtschafts, Volk aufrecht erhalten können, wenn wir das Londoner Abkommen abgelehnt hätten.

Frage: Sind die Voraussetzungen für den all­mählichen Wiederaufbau nicht aber schon durch die Markstabilisierung im vorigen Herbst geschaffen worden?

Minister: »Ja und neinl Ohne die Maßnahmen des vorigen Herbstes und Winters, also besonders ohne die Schaffung der Rentenmark und ohne die harten finanzpolitischen Eingriffe durch Steuererhöhungen und Äusgaben-Droffelungen würde heute für den Wieder­aufbau jede Grundlage fehlen. All das aber waren Notmatznah men Deutschlands mit den letzten Resten, seiner eigenen Kraft, die durch den Ruhreinbruch an der wichtigsten Stelle abgebunden und durch die un­selige Inflation völlig aufgezehrt war. Jetzt dagegen ivird Deutschland nach dem Londoner Abkommen nach und nach wieder in den Besitz seiner eigenen Wirtschafts­kraft kommen, soweit sie durch den Vertrag von Ver­sailles ihm belassen ist. Das Verschwinden der Binnen.Zollinie im Westen ist der erste Schritt nach dieser Richtung. Die Rückübertragung der ganzen Zollverwaltung des besetzten Gebietes an die deutsche Regierung wird folgen, ebenso die Wiedervereinigung des Eisenbahnnetzes und andere Wiederherstellungs- maßnahmen. Von besonderer Wichtigkeit wird die Wiederzulassung der vertriebenen Be­amten und damit die Wiedererrichtung einer unab­hängigen deutschen Verwaltung auch im besetzten Gebiet sein. Außerdem aber wird Deutsch­land jetzt wieder eine Währung erhalten, die, um mich so auszudrücken, die internationale Währungs- fprache spricht. Deutschland braucht die Goldwährung, weit es seine Bevölkerung nicht aus dem eigenen Boden ernähren kann, und deshalb aus den internationalen Wirtschaftsverkehr angewiesen ist. Auf der Grundlage dieser Währung, die wegen ihrer international anerkannten Form in sich stärker ist als die Rentenmark, wird eS für die Wirtschaft möglich sein, Kredite in größerem Umfange zu erhalten als bisher. Die Rentenmark war für die Zwischenzeit die denkbar beste Lösung und wird vor jedem objektiven geschicht­lichen Urteil bestehen. Für den eigentlichen Wiederauf­bau aber brauchen wir die Goldgrundlage."

Frage:Wenn Sie von diesen allgemeinen Gesichts­punkten ausgehen, so können die Maßnahmen, die die Reichsregierung soeben bekannt gegeben hat, doch nur erste Schritte auf der Bahn des Wiederaufbaus dar­stellen, doch nur sozusagen einen Keil, der ins Wirt­schaftsleben hineingetrieben wird?"

Minffter:Diese Bemerkung ist völlig richtig. Aus der Bekanntmachung der Reichsregierung klingt deuttich heraus, wieviel davon abhängt, daß der Geist, in dem diese Schritte der Reichsregierung getan sind, nun recht schnell Allgemeingut des deutschen Volkes wird. Die ganze Wirffchaft muß im gleichen Sinne handeln. Im ganzen öffentlichen Leben muß der Grund­satz größter Sparsamkeit gelten. Wir müssen den Zah-, lentaumel der Inflation nun endgültig hinter uns las­sen. Es muß in der ganzen Wirffchaft wieder heißen: Großer Umsatz, kleiner Nutzen". Sollten etwa auch jetzt noch Zwischenglieder desWirffchaftslebens die Preise festhalten, statt die Vorteile der Preissenkung dem Verbraucher zuzuführen, so würde das sehr bedenk­liche Folgen zeitigen. Auch die Reichsregierung selbst wird, sobald nur irgend möglich, alle noch sonst erfor­derlichen Schritte tun. Besonders im Steuerwefen wird der Reichsfinanzminister dem Reichstag Gesetze vor- legcn, die eine neue Durchbildung des Steuerwesens in Reich, Ländern und Gemeinden bezwecken und ver­suchen, die schwere Steuerbelastung, die unser Volk trotz seiner Armut tragen muß, so gerecht und so wenig wirt­schaftshemmend wie mögsich zu verteilen und dadurch so leicht wie möglich zu machen. Die heute angekündig­ten Schritte der Reichsregierung aber mußten sofort unternommen werden, wurden auch von der Wirtschaft lebhaft ersehnt. So ungeheuer schwer die Lasten des Londoner Abkommens auch find und fo beharrlich und ernst wir auch fortgesetzt daran werden arbeiten müssen, die Durchführung des Sachverständigengutachtens für uns tragbar zu gestalten, so wollen wir doch ohne Zö­gern unsere volle Kraft an den Wiederaufbau Deutfch- lanüs und damit Europas setzen.

Bus dem besetzten Gebiet.

Die Betreuung Zurückkehrender.

Die Zentral-Fürsorge des deutschen Roten Kreuzes m Düsseldorf sieht sich veranlaßt, zur Richtigstellung irreführender Angaben bekannt zu geben, daß die Betreuung zurückkehrender abgebauier Eisenbahn­beamten und Privatpersonen laut eines Be- schluffes des Reichskabinetts nur vier Monate dauern kann.

*

Der Reichsanzeiger veröffentlicht eine Bekannt­machung über die Ruhrschäden, zu deren Ab­geltung u. a. folgendes bestimmt wird: Eine Ver- gütung wird nur geleistet, wenn der Antrag aus Entschädigung für die bis zum 28. 9. 1923 einschließ­lich entstandenen Schäden, bis 30.11. 1923 und für die in der Zeit vom 29. 9. 1923 bis 31. 10. 1923 entstandenen Schäden bis zum 31. 12. 1923 bei der Reichs-, Landes- oder Gemeindebchörde eingegangen W.

Youngs pariser Reise.

Zu der Reise des Generalagenten für die Repa­rationszahlungen, Owen Doung, zwecks Bericht­erstattung der Rcparationskommission, machte der Sekretär Mr. Aoungs einem Vertreter von Wolffs telegraphischem Büro folgende Mitteilungen: Bei dem Eintreffen Mr. Doungs in Berlin ging seine Absicht dahin, etwa 10 bis 14 Tage in Berlin zu bleiben, um während dieser Zeit die organisatorischen Voraussetzungen für die Einrichtung seines Büros zu studieren. Nach Ablauf dieser Zeit wollte er sich mit den fünf neuen Kommissaren der Reparations­kommission in Paris treffen, um ihnen über die in Berlin erhaltenen Eindrücke zu berichten und seine weiteren Pläne mit ihnen zu besprechen. Die Einhaltung dieses Programms hing von den Ein­drücken ab, die er hier beim Beginn seiner Arbeit empfing. Seine Abreise n a ch P a r i s ist demnach ein Zeichen dafür, daß er mit dem Verlauf seiner hiesigen Tätigkeit zufrieden ist. Der Zeitpunkt seiner Rückkehr ist vorläufig noch nicht bekannt.

Die feindlichen Brüder.

Blättermeldungen zufolge hatte der Stahlhelm­bund in Podejuch bei Stettin eine Tagung, ver­bunden mit Feldgottesdienst usw. angesetzt. Die Veranstaltung war aus allen Teilen Pommerns und aus der Provinz Brandenburg stark besucht. Beim Einmarsch der Stahlhelmleute kam es zu einer blutigen Schlägerei mit Kommunisten. Sechs Personen wurden schwer verwundet und ein Mann aus Finkenwalde wurde getötet. Die Stettiner Polizei stellte die Ruhe wieder her, wor­auf die Tagung ihren programmäßigen Verlauf nahm.

(EinVerteidigungstag" in Amerika.

Am Freitag wurde in ganz Amerika einVer- teidigungsiag" abgehalten, der von Millionen von Menschen mit Paraden und Kundgebungen begangen wurde. Der Zweck der Veranstaltung war, unter den amerikanischen Bürgern das Interesse an der Vorbereitung der Landesverteidigung wachzuhalien, entsprechend einer Anempfehlung des Generals Pershing, der heute in den Zivilstand übertritt. Verschiedene kirchliche Organisationen und zahlreiche liberale und sozialistische Vereinigungen haben Resolutionen angenommen, die die Veran­staltung eines solchen Verteidigungstages verurteilen, da dies den Geist deS Militarismus fordern hieße.

Frankreichs Schuldentilgung.

Nach einer Agenturmeldung aus Washington hat das Mitglied der interalliierten Schuldenkom­mission Eduard Hurley, der kürzlich eine Reise nach Frankreich gemacht hat, am Donnerstag mit dem Finanzsekretär Mellon und dem Sekretär der Schuldenkommifsion wichtige Besprechungen gehabt, wobei er von feinen offiziösen Unterhandlungen mit den französischen Beamten Bericht erstattete. Mel­son ist der Ansicht, daß im Augenblick betreffend die französischen Schulden an Amerika nichts vereinbart werden könnte, bevor die Durch­führung des Dawespläues Ergebniffe gezeigt hat. Präsident C o o l i dg e ist gleichfalls der Ansicht, daß eine Besprechung der französischen Schuld in­opportun wäre. Nach Hurley soll die französische Regierung geneigt fein, eine Abordnung nach Was­hington zu schicken, die über die Rückzahlung der französischen Schulden innerhalb 65 Jahren ver­handeln soll. Hurley denkt sich die Rückzahlung der französischen Schuld folgendermaßen: Die franzö­sische Schuld, die zur Zeit 3,3 Milliarden Dollar, ohne die ausgelaufenen Zinsen beträgt, wird inner­halb 6367 Jahren zurückgezahlt. Die ersten Zah­lungen beginnen in fünf Jahren. Man glaubt nämlich, daß in 5 Jahren der Dawesplan in voller Durchführung fei und es Frankreich gestatten würde, regelmäßig von Deuffchland die Repara­tionszahlungen, die vorgesehen sind, zu erhallen. Der mittlere Zinsfuß soll 2,5 Proz. betragen. Während einer Periode von 5 Jahren wird ein Moratorium gewährt, innerhalb dieser Zeit werden keine Zinsen angeschrieben. : ,

Deutscher Reich.

* Der Rücktritt des deutschen Botschafters in Washington, Wiedfeld, der für den 15. September angekündigt wurde, ist, wie von einer der Botschaft nahestehenden Seite mitgeteilt wird, auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

wirtschaftliche Kampfbewegungen.

Rückgang der Arbeitrkämpfe im Jahre 1923. Im Augusthest des Reichsarbeitsbiattes werden die letzten Ergebnisse der amtlichen Streikstatistik mitgeteilt. Für das Jahr 1923 ist auffällig die starke Vermmde- rung der Zahl der betroffenen Betriebe sowie der der- lorenen Arbeitstage. Diese betrug im Jahre 1923 15171773 Arbeitslage. Im Jahre 1922 waren es rund 29 Millionen, im Jahre 1921 rund 30 Millionen, im Jahre 1920 rund 54 Millionen, im Jahre 1919 rund 80 Millionen verlorene Arbeitstage. Der Durchschnitt in den Friedensjahren betrug rund 8 Millionen. Von diesen 15 Millionen verlorener Arbeitstage im Jahre 1923 entfallen rund 11 Millionen auf wirtschaft­liche Streiks gewerblicher Arbeiter, 1,3 Mill, auf Aus­sperrungen gewerblicher Arbeiter, 1,5 Millionen auf Arbeitskämpfe in Land- und Forstwirtschaft, 0,26 Mill, auf Streiks und Aussperrungen von Angestellten und 1 Million auf politische Streiks. Bemerkenswert ist, daß im Jahre 1923 die Stre itb ewegung in Land- und Forstwirtschaft erheblich gestiegen ist. Es betrug hier die Zahl der verlorenen Arbeitstage rund 1,5 Millionen. Zum Vergleich seien die Zahlen der Vorjahre genannt: 1922 rund 468000, 1921 runb 350000, 1920 rund 230.000 und 1919 rund 116 000.

Spanien und die Riffpiraten.

Amtlicher Bericht aus Marokko: Der Präsident des Direktoriums Hal telegraphiert, daß er Ragala in der internationalen Zone besucht hat und daß die Dual Del Madras durch die Kolonnen des Ge­nerals Quelpolano hart gezüchtigt worden sind.

wtb Paris, 15. Sept (let) havas ver­breitet eine offiziöse Meldung aus Madrid, in der es heißt: Die Absichlea des Direktoriums gehen in keiner Weife darauf aus, die Zone in Marokko aufzugeben, in der Spanien infolge seines Rechts und auf Grund von Pflichleu inkereffiert ist und auf die es nicht verzichten kann, umfomehr, da in diefer Strecke Beziehungen zu seiner eigenen Sicherheit und Verpflichtung bestehen, die einen internationalen Charakter tragen.

Der Zarismus macht Schule.

Nach derEpoca" überfielen in Rom zwanzig vermummte Gesellen, die sich als Schwarz- h e m d en verkleidet hatten, eine Arbeitermenge und beraubte sie ihrer Habseligkeiten, woraus sie ver­schwanden.

Am Samstag abend sollte eine große Demon­stration zu Ehren Mussolinis vor dem Palast Chigi, wo das Ministerium des Aeußern feinen Sitz hat, stattfinden. Auf besonderen Wunsch Mus­solinis unterblieb die Versammlung.

Generalkonsul Dr. h. c. Ludwig R o s e l i u s in Bremen hat sich über obiges Thema in einem Aussatz geäußert, der uns aus großindustriellen Kreisen zur Verfügung gestellt wurde. Wir ent­nehmen ihm folgende beherzigenswerte Aus­führungen:

Unsere Jndusttie ift gegenüber der amerikani­schen rückständig geworden. Der Bau eines Ein­familienhauses dauert in Deutschland sechs Monate. In Amerika baut man ein Haus, in dem tausend Menschen Platz haben, in einem Monat. Ein Mauermann verdient in Newyork 15 Dollar den Tag, und doch baut Amerika billiger als wir. Wir berufen uns immer auf die viel gerühmte deutsche Organisation. In Wirklichkeit besitzen wir in der Bautechnik keine Organisation von Bedeutung. Wir vertrödeln unsere Zett und schaffen Bauten, die zu teuer sind, um jemals rentabel zu werden.

Unsere Maschinenindustrie ist meilenweit hinter der amerikanischen zurück. Das farbenbunte Bild her verschiedenen Meinungen und Geschmacks­richtungen macht sich auch hier geltend. Ein Auto, welches drüben an Selbstkosten 400 Dollar kostet, kostet in Deuffchland 1200 Dollar. Und so geht es auf allen Gebieten. Wir arbeiten viel zu teuer, um exportfähig zu bleiben und dabei bezahlen wir unsere Arbeiter schlecht. Es ist also nicht der hohe Arbeitslohn, der unsere Konkurrenzfähigkeit zu­nichte gemacht hat, sondern es ist die Schlappheit und Mangelhaftigkeit der industriellen Organi­sationen, die passive Ressistenz der Arbeiter und die ewigen Streitigkeiten um die Macht zwischen Ar­beitgeber und Arbeitnehmer. Gewaltig müssen wir Propagandisten unsere Stimmen erheben, um die­sen Zustand zu beseitigen. Dann können wir bessere Löhne bezahlen. Ein gut bezahlter Arbeiter ver­zehrt mehr, seine Konsumkraft ist die größere. Die Prosperität eine Volkes beruht auf einer Wechsel­wirkung des Wirtschaftslebens. Diese Erkenntnis muß verbreitet werden. Dann hört auch die Passi­vität der Arbeiter aus, welche mit ihrer Arbeits­leistung zurückhalten aus Furcht, eines Tages die Arbeit zu verlieren.

Die Propaganda muß sich den Geist der Ver­nunft zu eigen machen. Dann werden manche der heute im Volk vorhandenen scheinbaren unlösbaren Gegensätze überbrückt werden können.

Stellt sich heraus, daß wir zu viele Menschen im Lande haben, so müssen wir eine zielbewußte Auswanderung einleiten, die schließlich nicht zum Nachteü des Landes auszufallen braucht. Es ist ja nicht die erste Völkerwanderung, die Ger­manien betrieben hat. Wtt dürfen nur diesmal nicht die Ausgewanderten ihrem Schicksal über­lassen, sondern sie müssen durch die Bande der Kul­tur, des Willens für den Sieg des deutschen Ge­dankens für immer der Heimat verbunden werden. Das ist eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Propaganda, die Brücke zu schlagen zwischen dem Deutschtum im Auslande und den Deutschen, die im Lande verbleiben. Eine vernunftgemäße Neuordnung des Wirtschaftslebens in Deutschland wird aber aufs neue produktive Arbeitskräfte an Deuffchland binden, fo daß die für Deutschland un­vermeidliche Auswanderung wesentlich verringert werden kann.

Auf fast alle Gebiete des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens Deutschlands können die Auf­gaben einer deutschen Propaganda ausgedehnt wer­den. Ueberall finden sich Schwierigkeiten, die zu überwinden sind, Nöte, die Hilfe verlangen.

Wollen wir Propaganda gegen die S ch u l d l ü g e betreiben, so müssen wir uns dar­über klar werden, daß solche Propaganda nichts nützen kann, solange wir uns in Deuffchland gegen­seitig der Schuld bezichtigen.

Es ist eine historische Tatsache, daß Deutschland noch niemals etwas erreicht hat, solange es nicht einig war.

Mit Hammerschlägen muß dies in das Hirn der Leute getrieben werden, die über ihre eigenen klei­nen Interessen und über die ihrer Partei das große

Der Bürgerkrieg in China.

Sunyatsen hat die Stadt Kanton mit 1000 Mann verlassen. Er wird etwa 10 Tage in Schao Kuan bleiben und dann zwischen Kanton und Schao Kuan bis zur völligen Mobilisation hin- unb herfahren.

Nach einer Meldung derChicago Tribüne" marschiert Tsan Tsu Lin, der Eeneral- gouverneur der Mandschurei, an der Spitze von 100 000 Mann nach Peking. Eine Entschei­dungsschlacht stehe bevor. Das Schicksal des Krie­ges werde zum größten Teil von dieser Schlacht abhängen. Wenn Tschan Tsu Lin Sieger bleibe, wurden die Streitkräfte Kiangsus, der vor Schang­hai kämpft, von ihrer Lebensmittelbasis abge­schnitten und so genötigt sein, den Kampf aufzu­geben. In diesem Falle würden sie auch keine Ver» stärkungen heranbringen können.

Bevorstehende Einnahme von Mekka.

wtb Paris, 15. Sept. Eine Nachrichtenagentur meldet aus Kairo, daß die Einnahme von Mekka durch die Wahaliken unmittelbar bevorskehk.

Ausland.

* Wiedereröffnung der deutschen Schulen. Die türkischen Behörden haben die Wiedereröffnung der deutschen Schulen in Konstantinpel genehmigt. In aller Kürze wird die Kommission gewählt, welche die Eröffnung der Schulen borbereiten soll.

Ganze vergessen und gegen das Interesse unseres Landes handeln. Diese Spieler sind es, die Deutsch­land nicht zur ruhigen Auswirkung nach außen kommen lassen.

Nur eine starke Aufklärungspropaganda in Deutschland kann hier Abhilfe schaffen. Wir müs­sen erreichen, daß unser Volk endlich einmal ein­sieht, daß die inneren Streitigkeiten es tatsächlich unmöglich machen, eine wirksame Front nach außen zu bilden. Nur wenn sich das ganze Volk geschlos­sen hinter die uns obliegenden Aufgaben stellt, wird es möglich fein, die Not der heutigen Zeit zu überrotnSen. Die politischen Parteien, die einzel­nen Korporationen und Verbände, die mannig­fachen, in hundert Farben schillernden, in Deutsch­land tätigen Gruppen und Sonderbestrebungen müssen durch die Propaganda endlich dazu gebracht werden, auf die Stellungder Gesamtheit unseres Volkes zu anderen Völkern Rücksicht zu nehmen.

Wenn demgegenüber die Frage aufgeworfen wird: Wer in Deutschland soll nachgeben? Wer soll seine Ueberzeugung preisgeben? Wer soll An­schauung, Tradition oder Glauben beiseite werfen? So sage ich: 911 e m an d. Wir wollen keine Ham­melherden in Deutschland haben, sondern denkende Menschen. Von jedem denkenden Menschen kann man aber verlangen, daß er sich auf das Posi­tive, auf das wirklich für Deutschland Nützliche einstellt. Der Propagandist weiß ganz genau, daß man durch negative Reklame wohl zerstören und verhetzen kann, daß aber für den wirklichen Aufbau sich nur die positive, die bejahende Reklame eignet. Dieser Gedanke muß zum Eigentum des ganzen Volkes gemacht werden; nicht nur im Ge­hirn, sondern auch im Herzen muß er Wu.zel schlagen.

Als ich Ende August 1914 in Rumänien die Agentia Romana Germana errichtet hatte, wur­den durch die Zentralregierungen alle Durchreisen­den, Militärs, Beamten oder Privatleute an mich verwiesen. Jeder kam mit Beschwerden über andere Deutsche. Das habe ich drei Tage ertragen und dann kurzen Prozeß gemacht. Jeder Besuch bekam im Vorzimmer einen Zettel. Auf diesem Zettel stand:lieber deutsche Staatsangehörige werden grundsätzlich nur Mitteilungen entgegen­genommen und weitergeleitet, welche sich mit ihren positiven Leistungen beschäftigen. Wer deutsche Landsleute herabzusetzen wünscht, kann nicht emp­fangen werden, es sei denn, er bringe Beweise für Vaterlandsverrat." Diese Zettel wirkten Wun­der. Die Arbeit fluschte nur so und wir haben etwas leisten können.

So muß es auch in Deutschland werden. Deutsch sein, heißt vor allen Dingen alles Gute, Große und Schone, was uns dieses Wort gibt, nicht nur in uns selbst, sondern in anderen zu suchen. Tun wir das, so werden wir schnell einsehen, daß nur die Wege verschieden sind, die wir benutzen. In Wirklichkeit sind wir gar nicht fo sehr vonein­ander verschieden, rote wir immer glauben. So­lange wir noch den Schutz des starken Kaiserreiches hatten, mochte es ja gehen, daß wir uns rote die Klatschmäuler benahmen und alle aneinander her­umnörgelten. Jetzt sind aber doch, weiß Gott, an­dere Zeiten. Der Feind steht nicht nur draußen, sondern er steht im Lande und bedroht das, roa? uns allen heilig ist.

Das alte Wort Roms:Hanibal ante portas" muß unser aller Richtlinie bestimmen.

Dann aber auch nur dann kann Deutsch­land sich wieder Weltgeltung verschaffen.

Haben wir nur den Willen! Dann schaffen wir auch die Tat!

Es gilt dem kommenden Geschlechte, Es gilt dem fünftgen Morgenrot, Der Freiheit gilt es und dem Reckte, Es gilt dem Leben und dem Tod."

Robert Prutz, Jena 1842.

Aufgaben für deutfchepropaganda