FuldaerZerlung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
fir. 214.
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Samstag, 13. September 1924
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51. Zahrg.
Völkerbund und Abrüstung.
Von einer besonderen Seite wird uns geschrieben:
In den Genfer Völkerbundsverhandlungen hat neben der Frage, ob der „leere Stuhl" besetzt, also auch Deutschland in den Völkerbund ausgenommen werden soll, insbesondere die Frage der Abrüstung eine ganz besondere Rolle gespielt. Aber auch dabei hat sich sofort ergeben, daß über all diese Dinge nach dem übereinstimmenden Urteil der Mitglieder des Völkerbundes und insbesondere der englischen und auch der französischen Vertreter selber nicht eher gesprochen werden kann, als bis auch Deutschland unmittelbar zum Völkerbunde gehört, also Mitglied dieses Bundes ist.
Der Abrüstungsgedanke ist gewiß schön und ideal, aber solange die Mächte das Gegenteil von Abrüstung in der Praxis betreiben, solange insbesondere Frankreich mit allen Mitteln danach strebt, die mllitärisch stärkste Festlandsmacht zu werden, und solange bei dieser Situation ein ganz natürlicher, wenn auch jetzt nicht offen in die Erscheinung tretender Konflikt zwischen Frankreich und England vorhanden ist, wird diese Frage mit "Aussicht auf Erfolg nicht behandelt werden können. -England ist, man möchte schon sagen, aus Naturtrieb, stets Gegner der jeweils größten Festlandsmacht gewesen und seine ganze Außen- und Militär- polttik war immer wieder darauf abgesttmmt, diese größte Milltärmactst des Kontinents niederzuhalten. Durch den Weltkrieg ist Deutschland aus dieser Posttton verdrängt worden, und nun muß England sein größtes Augenmerk den militärischen Maßnahmen Frankreich zuwenden. England hat ja gewiß niemals seine eigenen Kriege selber geführt, sondern sie durch andere führen lassen. Es hat gerade auf dem Konünent, wie die Geschichte zeigt, immer wieder „Segen" genug dafür gesunden. Und es ist auch schon kostbares deutsches Blut für England geflossen.
Wenn sich nun gerade England so stark für einen Abrüstungsplan, aber auch für einen Sicherheitspakt gegenüber Frankreich ins Zeug legt, so sprechen dabei die verschiedensten Gründe mit, nicht zuletzt die Erwägung, daß England Ruhe braucht, um seinen außen- insbesondere überseeischen Interessen nun stärker als bisher, und vor allem mtt gesicherter Rücken- und Flankendeckung, nicht nur militärpolttisch, sondern auch diplomatisch zu verstehen, sich widmen zu können. Das ist ja auch der Grund dafür, daß England dem stüheren, von amerikanischer Seite vorgeschlagenen Sicherheitspakt nur ein recht laues Interesse entgegenbrachte, denn England möchte gerade in dieser Frage möglichst unkontrolliert sein, und sich seine Bewegungs- freihett vorbehalten.
Bevor die Abrüstungsfrage einem wirklich greifbaren Erfolg zugeführt werden kann, wird noch geraume Zeit vergehen. Man wird erst einmal alle diejenigen Konfliktsstoffe aus der Welt schaffen müssen, für die man immer wieder die Quelle in dem Versailler Unfriedens-Dokument zu suchen hat. Abrüstung der Heere ist ohne vorangegangene A b- rüstung der Gesinnung gar nicht denkbar und undurchführbar. .
* Ungarn und die Organisation Conful. Die Budapester Polizei hat der „Voss. Zig." zufolge drei Reichsdeutsche verhaftet, die MitgliÄ»er der Organisation Consul sind, und bei denen man Pläne für eine Zusammenarbeit der deutschen und der ungarischen Rechtsradikalen vorfand. U. a. sollen auch Briese Ludendorffs gefunden worden sein.
* Der Umsturz in Chile. Die neue Regierung kst gebildet. Sie umschließt die Generale Altamirano und Rönnet, sowie den Admiral Noff. Sie wirb den Kongreß auflösen.
Der Burgschreck.
Roman von Felix Neumann.
T 2.
Der Mar nähette sich feinem Ende. Im Sladiwald von Sankt Agathen fangen m den dichten Gebüschen 'die Nachtigallen, und der Klausner Benignus saß abends vor feiner Hütte, bis der Vollmond über den Tannen empor« stieg und fein Sllberlkcht über die Wiesenlichtung ausgaß, von der man erzählte, daß in der Iohannrsnacht auf ihr die Elfen tanzten. Ganz tief im Walde, angelehnt an eine gewaltige Buche, stand das bescheidene Anwesen des heiligen Mannes, der überall hohes Ansehen und den Ruf der Frömmigkeit und Enthaltsamkeit genoß. Wie lange er schon dort hauste, wußte man nicht genau. Es konnten 15, vielleicht auch 20 Jahre, am Ende auch mehr fein, denn Buch geführt hatte niemand darüber. Nur der Rat von Agathen wußte es und mü ihm der Stabt- Schreiber, denn als der müde Wanderer einst kam und bat, als Eremit dort leben zu dürfen, mußte eine hohe Obrigkeit ihre Einwilligung geben, die von Obadias mit viel Schnörkeln in einen Folianten eingetragen ward. Und auch nur wenige im Rat wußten, warum Benignus in die Emsamkeit gegangen war, um Gott und dem Gebet zu feben. Die wenigen aber schwiegen darüber, weil sie sich dazu verpflichtet hatten. Und weil man in der Zett, da unsere Historie spielt, weniger schwatzhaft und ernster gesinnt war, denn heute, so büeb das Geheimnis, warum der Mönch Benignus ein Einsiedler ward, gewahrt. Die Bürger von Agathen aber, so sie eimnal der Weg in den dichten Wald führte, ober die Wanderer, die über die Lichtung ihre Straße zogen — es waren nur wenige, weil der breite Weg am Rhein entlang führte, lobten den Mann, der da in der Einsam» kett mtt seinem Herrgott um Erleuchtung rang, weil er weisen Rates voll war, viele gute Kräuter kannte und manchem Kranken schon auf bie Strümpfe geholfen hatte.
Der Kampf im Kaukasus.
In den Kaukasusgebieten haben die sozialistisch eingestellten Bevölkerungsteile einen Aufstand gegen die k o m m u n i st i s ch e n Sowjetgewaltigen eröffnet, der größeren Umfang anzunehmen scheint, lieber die Kämpfe, die sich in der Republik Georgien abspielen, liegt heute folgende Meldung vor:
wtb patis, 12. Sept. (Tel.) Rach einer HavasMeldung aus Konstantinopel hat die Aufftandsbewegung imKaukasus einen großen Umfang angenommen. Es hätten mehrere blutige Kämpfe stakkgefunden, bei denen die Kommunisten Niederlagen erlitten. Die Aufständischen hätten Tiflis. Suliis sowie die Eisenbahn Tiflis-Osorkettl beseht. Die Bolschewisten organisierten in aller Eile die Verteidigung von Bat um. das von den Aufständischen bedroht sei.
Hus dem besetzten Gebiet.
Die Reichsregierung hat den Landeshauptmann der Rbeinprovinz Dr. Horion zum Vorsitzenden der deutschen Abordnungen für die auf Grund der Londoner Konferenz im besetzreu Gebiet ftaltfinden- den Verhandlungen bestimmt.
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In Durchführung der Amnestie sind bisher in Dortmund 47, m Este« 10 politische Gefangene entlassen worden.
Wie verlautet, werden bfe Zollbeamten des Zollamts Hoerde spätestens am nächsten Sonntag aus Hoerde zurückgezogen werden. Ein großer Teil der französischen Besatzungstruppen ist schon vor längerer Zeit abbeförbert worden. Wann der Rest der Besatzungstruppeu, der etwa noch 50 Mann beträgt, abgehen wird, ist noch nicht bekannt.
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Gemäß dem Befehl des kommandierenden Generals Roem vom 32. Armeekorps soll die dritte französische Division, die den Dortmunder Bezirk belegt hat, aus der Besatzungszone herausgezogen werden. Das 24. Infanterieregiment in Recklinghausen soll bis zum 27. September abgezogen fein. Für diese Truppen kommen diejenigen Teile des 18. Dragonerregiments nach Recklinghausen, die zur Zett in Dortmund liegen. Die Zivildienststellen, wie die Regiebahn usw. sollen im Recklinghausener Bezirk bis zum 20. Oktober vollständig abgebaut sein, während der Abbau der Zollverwaltungsstellen vom 15. September ab erfolgt.
Das Schreiben des Stadtkommandanten, durch das der Stadtverwaltung von Oberhausen von dem AbzugderfranzösischenTruppen Mitteilung gemacht wird, lautet wörüich: „Das erste Bataillon vom 12. Pionierregiment soll Oberhaufen am 16. September verlassen und wird durch keine andere Truppe abgelöft. An diesem Tage werden die Kasernen und Wohnungen der Stadt Oberhausen zur Verfügung gestelll. Die Schäden müssen festgestellt, die Zähler für Licht und Heizung abgelesen werden. Nach dem 17. September werden Reklamationen nicht mehr entgegengenommen. Ich möchte Sie deshalb bitten, von heute ab einen Delegierten der Stadt zu ernennen, der dauernd der Kommandantur zu Verfügung steht."
* Hochzeit im ehemalige« sächsischen Köniqshause. Am 4. Oktober findet im Schlosse Sibyllenort die Trauung der jüngsten Tochter des ehemaligen Königs von Sachsen AnnaPia Monica mit dem früheren österreichischen Erzherzog Joseph Franz statt.
den selbst die gelahrten Herren aus Mainz nicht mehr zu retten glaubten. Heute schien die Nachmittagssonne hell in die Hütte hinein, denn sie stand grabe über der Lichtung, auf der sich Hahnenfuß und Wiesenschaumkraut, blaue Skabiosen und Glockenblumen in lauem Winde neigten. Benignus saß vor der Tür und schrieb. Neben ihm lag ein Wolfshund mit scharfem GMß und glänzendem Fell, den Kopf zwischen die Pfoten gepreßt itni> blinzelte nach einem Eichhörnchen, das am Fuße einer Tanne Kapriolen vollführte. Der kleine Nußknacker kannte den Mann und das Tier und hatte keine Furcht vor beiden. Zuweilen hob Troll, der Hund, das Haupt, um nach einer der Fliegen zu schnappen, die flügelfchwirrend m der Luft tanzten, lieber dem HAteneingang war ein großer Käsig angebracht, dessen Tür offen stand. Auf einer breiten, knorrigen Stange dicht davor saß eine ®ufe mit geschlossenen Augen und klappte ein wenig mtt dem Schnabel. Zuwellen öffnete der Vogel die Lider, blickte mit schiefem Kopse auf die Schreibenden hinab und schüt. teile die Flügel, dann hockte er wieder regungslos auf einem Sitz. Aus dem kleinen Schlot zog hellblauer Dunst in den Wald. Auf dem steinernen Herd stand ein Kessel, in dem irgend ein Gericht brodelte, das später zur Abendmahlzeit dienen sollte.
Das Häuschen, das hinfällig ausfah. aber doch racher» est gebaut war, wies drei Kammern auf, die so klein waren, daß sie ins Puppenland gehörten.
In der einen schlief Benignus, lieber dem einfachen Lager hing ein Kruzifix. Im zweiten stand ein Tisch mit Stühlen, und an den Wänden waren Börter mtt Büchern verschiedenen Inhaltes.
Hier wohnt der Klausner, wenn die Witterung rauh war und er nicht durch den Wald streifte, um Beeren und Pilze zu suchen.
Der dritte Ramn enthielt Gerätschaften aller Att, die zum Leben notwendig waren, auch Vorräte für den Winter.
Alle Wochen einmal kam ein huzeliges Weibchen aus yacthtn und beachte dev Kchliehler Lebensmittel. Sie
Die Spanier in Marokko.
wtb Paris. 12. Sept. (Tel.) Rach einer Havas-INeldung aus Madrid gibt der offizielle Bericht aus Marokko bekannt, daß die eingeleiteten Operationen der Spanier einen normalen Verlauf nehmen. Die Spanier fanden nur schwachen Widerstand und hätten alle die Linien bis zur internationalen Zone vollständig wiederhergestellt. Mehrere Familien sind bereits in ihre Wohnsitze zurückgekehrk. Die längs des Laufflusses stehende auf ungefähr 3000 Mann sich belaufende Truppe würde sich heule einfchiffea, um die bei Tekuau zufammeugezogme Armee zu verstärken.
Hindus und Mohammedaner.
Am 9. September ist es in Kohat zu Zusammenstößen zwischen Hindus und Mohammedanern gekommen. Die Gegner machten von den Waffe« Gebrauch und steckten mehrere Gebäude in Brand. Herbeigerufene Truppen löschten da« Feuer. Die Nacht verlief ruhig. Am anderen Tag fing die Schießerei wieder an. Einzelheiten fehlen noch. Doch meldet man 10 Tote und 20 Verwundete. Die Hindus, die schwer litten, räumten die Stadt.
Das nervöse Italien.
Nach der römischen „Tribuna" ist der Dankdirektor Max Bordi wegen Verbreitung falscher Alarmnachrichten an der Börse verhaftet worden. Die Börse war in der vergangenen Woche durch politische Alarmnachrichten stark beeinflußt. Bald sprach man nach der „Tribuna" von einem Attentat auf Mussolini, bald von dem Rücktritt des Ministerpräsidenten, bald von Unruhen oder sogar von blutigen Zusammen st ößen. Die Regierung hat eine strenge Untersuchung angeordnet, aufgrund deren der genannte Bankdirektor verhaftet wurde. Weitere Verhaftungen sollen, wie verlautet, bevor- stehen.
Das „Giornale d'Jtalia" berichtet, daß am Mittwoch gegen Mitternacht Kommunisten im Borgoviertel singend und johlend umhergezogen sind. Als sie glaubten, aus einem Hause heraus beleidigt worden zu fein, erbrachen sie die Haustür, drangen in die Wohnung ein und schlugen viele Möbel entzwei. Die Hausinsaffen wurden allerdings nicht angegriffen. Das „Giornale d'Jtalia" kommt m einem besonderen politischen Artikel auf diesen Vorfall zu sprechen und beschuldigt die P o l i- zeibehörde, ihre Pflicht versäumt zu haben. Das Blatt ist umsomehr aufgebracht, als in letzter Zeit verschiedene Schlägereien und RaufereienzwischenKommunisten und F a s c i ft e n in den Volksvierteln stattgefunden hätten, allerdings ohne Verletzungen.
NommunalpoMsches.
— von der Berliner Stadtverwaltung. In ber Der- Itncr Stadtverordnetenversammlung wurde mit 113 gegen 82 Stimmen bei fünf Enthaltungen ber Abbau des Oberstadtschulrats Paulsen beschlossen. Ferner sprach sich die Versammlung für den Abbau zweier sozialdemokratischer Stadträte und eines kommunistischen Stadtrats aus.
— Die Tagung des Relchssiädtebundes wurde in Harzburg eröffnet. Zu der Mitgliederversammlung waren über 1000 Stabtoertreter erschienen. (Aus Fulda nahmen außer Oberbürgermeister Dr. Antoni, der dem Vorstand des Stäbtetages angehört, Stadtlmurat Eberlein, bk Stadträte Fleck und Sunkel und die Stadtverordneten Weißmüller und Kind teil.) Die Reichsregierung, die Regierungen der Länder sowie zahlreiche Kommunal- behörden entfanbten Vertreter, ebenso der Verband ber preußischen Landgemeinden und sonstige komnnmalpoli- üsche Vereinigungen.
nahm für den Gang keinen Lohn und hoffte, daß Gott dermaleinst ihr diese Tat anrechnen und ein Plätzchen im Himmel offen halten werde.
Die Waren lieferte em Händler. Wer sie bezahlte, wußte niemand, denn noch kein Mensch hatte je unreines Geld in den Händen des Klausners gesehen.
Benignus' Haar war weiß, aber voll und glänzend fiel es auf die Schullern, und wer bas bräunlich gefärbte Antlitz mit den klugen, forschenden Augen, ber edel geformten Nase und bem trotzigen Munde sah, ber so viel Energie verriet, bem war es unmöglich, das Alter des Einsiedlers zu erforschen, ber in ber Einsamkeit schrieb, Pilze suchte und Gutes tat.
Das weiße Haar ließ ihn alt und würdig erscheinen, aber die ftraffe Figur deutete auf große Rüstigkeit.
So saß ber Einsiedler an diesem Mamachmiitag, und Zeile auf Zeile reihte sich aneinander. Hin und wieder, wenn ein Absatz kam, griff auch Benignus nach Farbe und Pinsel, mn die Inkttccken der Anfangsbuchstabe« kunstvoll verschnörkelt auf das Pergament zu bringen. Was er schrieb, wußte niemand, denn selbst die Verttau- ten des Klausners hatten noch keinen Einblick in das geheimnisvolle Buch getan.
Plötzlich hielt das Eichkätzchen in feinem Spiel inne, lauschte einen Augenblick und jagte bann ben Stamm ber Tanne in bte Höhe, von rao aus es mit listigen schwarzen Augen in die Tiefe spähte. Troll hob langsam bas Haupt, witterte und begann zu knurren.
Er erhob sich zu seiner riesigen Größe, rieb die Schnauze an dem Knie feines Herrn und blaffte kurz auf. Benignus hielt in feiner Arbeit inne und spähte nach der Stelle, wohin nun die Rübe in langen Sätzen eilte.
Das ganze Gebühren des Hundes deutete darauf hin, daß jemand nahte, der dem Tiere gut bekannt fei. Und so war es auch.
Die Büsche teilten sich, und einen Blumenstrauß in. der Hand — trat Anne Susanne auf dst Lichtung.
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Unruhen in Athen.
wtb Athen, 12. Sept. (leL) Unter tew Soldaten des 34. Regiments ist eine Proklamation verbreitet worden, die von General Tserull und Pauayokopulo unterzeichnet ist und in der zum Sturz der Regierung aufgefordert wird. Die Regierung legte dem Zwischenfall keinerlei Bedeutung bei und glaubt, daß die Unterschriften der Generäle möglicherweise gefälscht wurden. Die Generale selbst bestreiten, die Proklamation unterzeichnet zu haben. Die Untersuchung ist im Gang. Eine Anzahl Offiziere ist zeitweilig vorn Dienst enthoben.
wtb Athen, 12. Sept. (lei) Im Streit der Straßenbahnen, Eisenbahnen und der anderen öffentlichen Verkehrsmittel ist eine Besserung eingekreten. Es besteht der Verdacht, daß die Lage durch Reaktionäre und Kommunisten herbeigeführt wurde, um die Regierung zu Fall zu bringen.
vom chinesischen Kriegsschauplatz.
wtb £ o n i> o n, 12. Sept. (Tel.) Reuter meldet aus Shanghai, daß nicht angenommen würde, daß die Feindseligkeiten wieder ausgenommen werden, bevor das Wetter sich bessert. Fünf amerikanische Zerstörer find l» Shanghai eiugetrosfen. /,
Der Kurs Herrrots.
Der Rücktritt Satteres.
wtb patis, 12. Sept. (Tel.) Wie der »Petit Parisien" mitkeilt, hak der franzöfische Botschafter in Rom Bartete den Ministerpräfidenken um seine Entlassung gebeten. Der Rücktritt Satteres werde der Anlaß zu bedeutsamen Veränderungen der Gefandtschafksposken Frankreichs sein.
In der Antwortnote der französischen Regierung auf den Garantiepaktvorfchlag des Völkerbundes wird behauptet:
Der gute Wille Frankreichs zur Abrüstung zeige sich darin, daß es die Zahl seiner DiVision en gegen die Vorkriegszeit um 25 Proz. herabgesetzt habe. Das ist an und für sich richtig. Es wird aber vergessen, daß der Mann- schaftsstand des französischen Heeres lange nicht in dem Maße, nämlich nur von 882 000 aus 786 000, also um 12% Prozent gesunken ist, und daß der Kampfwert eines neuzeitlichen Heeres nicht nur von seiner Mannschastsstärke, sondern Kampfrüstung abhängt. Durch diese ist aber schon jede französische Division jeder gleichen Einheit aller übrigen Staaten — selbstverständlich vor allem Deutschlands — weit überlegen. Auch umfaßt das französische Heer eine große Anzahl von M.-G.-Bataillonen, Kampfwagen-Regimentern, Artillerie-Regimentern jeden Kalibers, Pionieren, Verkehrstruppen und Fliegerformationen, die nicht im Divisionsverband stehen, aber dadurch, daß sie die Masse der technischen Waffen enthalten, die Hauptkamps kraft des französischen Heeres ausmachen.
* Der deutsche Jurifienkag wurde in Heidelberg eröffnet. Der Reichspräsident hatte ihnen ein Begrüßungstelegramm gesandt. Das Programm des diesmaligen Juristentages enthält eine Reihe wichtiger Rechtsfragen, die zum Teil auch tief in die Politik eingreifen. So werden die Diktaturgewalt des Reichspräsidenten, das Problem Unitarismus und Föderalismus, die Abgrenzung der Reichsgewalt und der Ländergewall behandelt werden.
Die Tagung der verbander katholischer Akademiker in Dresden.
Von Dr. K. Freckmann.
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lieber 500 Teilnehmer sind aus allen (Sauen Deutsch» landS, aber auch aus Böhmen und Oesterreich herbei, geeilt zu der diesjährigen Tagung der katholischen Akademiker in Dresden, die sich ihren Vorgängerinnen in Heidelberg 1922 und Ulm 1923 würdig an reihen wird, ja, durch die Wahl der Stadt Dresden als Versammlungsort noch einen besonders glänzenden Rahmen erhalten hat.
Auf engem Raume drängt sich rm Herzen von Dresden eine Fülle denkwürdiger und erhabenster Bauten zusammen: Hofkirche, Schloß, Gemäldegalerie, Zwinger, -staatSoper und neuerdings dazu das staatliche Schauspielhaus. Das Städtebild hat durch den Kunst- inn der sächsischen Könige von August dem Starken ab einen Reichtum und im Verein mit dem breiten Flutz- banb der Elbe eine imponierende Gestaltung erfahren, deren Zauber man sich um so bereitwilliger hingibt, als der Mittelpuntt der ganzen Anlage jenes Wunderwerk der Hofkirche ist, die von dem Italiener Caetano Chiaveri in den reinsten Formen des späten römischen Barockstils errichtet wurde, wobei zugleich tm Innern deutliche Zusammenhänge mit der Schloßkirche von Versailles bestehen. Der Turm, dies Wahrzeichen von Dresden, hat wohl in den Türmen von St. Llgnese an der Piazza Varona in Rom seine Vorgänger, ist aber doch etwas ganz Neues, Selbständiges voll unerhörter Schönheit. Im nahe gelegenen .italienischen Dörfchen- an der Elbe hausten vor 180 Jahren die italienischen Steinmetzen und Künstler, die den Bau der Hofkirche aufführten. Und in diesem italienischen Dörfchen, auS dem kurz vor dem Kriege eine Gaststätte vornehmsten Stils geschaffen wurde, halten heute andere Künstler ihren Einzug, wiederum mit dem Ziele, Quadern zu behauen, einen Dom zu errichten, einen geistigen Dom, den höchsten Ausdruck katholischer Lebenswerte zu finden.
Emgeleitet wurde die Tagung am Samstag durch ern feierttches Levitenamt zur Anrufung des hl. Geistes. Dab« lang ein Frcmenchor aus Münster die rass»