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: Nr. 213 vom 12. Sept 1924.
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tollen trägt, galvanische Elemente in sich. Die dadurch im Munde auftretenden galvanischen Ströme sind natürlich sehr schwach. Dennoch aber können sie bei Anwesen- heit gewisser Metalle, wie z. B. Kupfer und Zink, stark genug werden, um den Zähnen zu schaden. Man ist deshalb in der Zahntechnik vorsichtiger geworden bei der Verwendung von Metallfüllungen. Namentlich Kupfer wird neuerdings vermieden. Es sind natürlich elektrolytische Einflüsse, die — vermittelt durch die leitende Flüs» sigkeit des Mundes — zu Zersetzungen des Zahn- und Füllungsmaterials führen.
— Das Nachahmen des Vogelliedes. Eigentümlich ist es, daß ein täuschend genaues Nachahmen des Söget« liebes bis jetzt nicht möglich ist. Anders ist es mit den kurzen Rufen der Sögel; diese können von Kennern zum Teil täuschend genau wiedergegeben werden, wie es uns bekannt ist von Jägern, Trappern und Indianern. Die ähnlichste Wiedergabe von Vogelsängern ist wohl durch die Grammophonaufnahmen erreicht wor- den, wenngleich leider auch hier ein gewisier Ausfall von Tönen das Lied nicht vollendet wiedergeben kann. Das Grammophon nimmt nämlich hohe Töne nur in abgeschwächter Lautstärke auf. Zischlaute läßt es leider fast ganz aus, so daß bei einigen der schönsten Touren der Nachtigall und des Sprossers durch das Fehlen der Zischlaute die faszinierende Klangwirkung der Verbindung beherrschter Dissonanz mit reinem Vokalton verstümmelt wird. Zum Beispiel bringt das Grammophon statt des schönen zorr zorr zorr und zü zü zü der Nach- tigall nur orr orr orr und ü ü ü zu Gehör. Immerhin bringt das Grammophon die Lieder doch soweit naturgetreu, daß selbst Nachtigallen auf den Schwindel hineinfallen, wie ein Erlebnis zeigt, das der bekannte So- gelkundige Karl Reich gelegentlich eines Besuches bei einem Freunde in Delmenhorst hatte. Dieser besaß einen großen, parkähnlichen Garten, in dessen vier Ecken sich je ein Nachtigallenpärchen sein Brutrevier gesichert hatte. Als man in die Mitte des Parks in den Büschen ein Grammophon aufgestellt hatte, um von der etwas entfernt liegenden Sillenterrasse aus die Grammophongesänge zu hören, und eine Nachtigallenplatte aufgelegt hatte, kamen sämtliche vier Nachtigallenmännchen herbeigeflogen, in der deutlich erkennbaren Absicht, den fremden Eindringling zu vertreiben, indem sie in großer Erregung und selbst laut schlagend auf das spielende Grammophon herniederstießen.
— Allerlei Weisheit. Egypten hat rund 11 Millionen Eingeborene, aber nur etwa 600 000 derselben können lesen und schreiben. — In ganz Großbritannien sind Lotterien schon seit dem Jahre 1826 verboten. — Es gibt, so viel man feststellen konnte, auf der ganzen Erde 3064 verschiedene Sprachen. — Der Kohlenoerbrauch einer Lokomotive beträgt im Durchschnitt 30 Zentner aus je 100 Klm. Fahrstrecke. — Die Goldproduktion auf der ganzen Erde beträgt jährlich rund 2000 Mill. Franks. — Nach Regierungsberichten werden in Indien jedes Jahr etwa 2000 Menschen durch giftige Schlangen getötet und rund 15 000 durch wilde Tiere. — Die besten arabischen Pferde werden zum großen Teil mit Korinthen und Feigen gefüttert. — Vögel können 10 bis 30mal mehr Nahrung täglich zu sich nehmen als ein Mensch im Verhältnis zum Körpergewicht. — Das haltbarste Holz ist das der Cypresie, die Tore des Petersdomes in Rom sind aus solchem Holz hergestellt und schon Über 600 Jahre alt, ohne sich verändert zu haben. — Einer neuen Zählung zufolge gibt es auf der ganzen Erde 672 Sultane, aber nur 270 derselben find noch tätig.
lischer Hutmacher hat die Beobachtung gemacht, daß die | Männerköpfe größer werden! Er beweist dies aus feinen Geschäftsbüchern. Noch 1902 betrug das Durchschnittsmaß der meistverkauften Hüte 6 dreioiertel Zoll, jetzt aber beträgt es 6 siebenachtel Zoll; das entspräche einer Vergrößerung des ganzen Kopfmaßes um einviertel Zoll, I meistens in der Breite, also von Ohr zu Ohr. Heute werden Hutgrößen verlangt bis 7 dreioiertel Zoll, die vor zehn Jahren einfach unverkäuflich gewesen wären. Wenn das so weiter geht, werden die Männer in 100 Jahren Köpfe haben, so groß wie Kürbisie. Die Ursache ist nach Angabe eines Londoner Arztes: erhöhte Aufspeicherung von Kenntniflen aller Art, anstrengendere Gehirntätigkeit, vermehrte Slutzufuhr, die den Schädel weitet. Nun kommt aber ein anderer, Marcel Prevost, und behauptet, daß nach feinen Ermittlungen die jungen Mädchen gleich ihrer ganzen Länge nach durchschnittlich an Größe zugenommen haben, und zwar um nicht weniger als 2 bis 3 Zoll in den letzten zwanzig Jahren. Er führt dies auf den Umstand zurück, daß die jungen Ladies leidenschaftlich dem Sport zugetan sind. Die jungen Manner wohl auch, aber doch mehr gelegentlich, weil sie wochentags ihren Studien und Berufsgeschäften nachgehen muffen. Wenn auch das so weitergeht, wird nach 100 Jahren ein Pärchen ein eigenartiges Bild abgeben: Die schönere Hälfte ist nochmal so lang wie jetzt, die „herrliche" Seite aber bleibt so klein wie sie ist und trägt dafür einen Kllrbiskopf unter dem marktkorbgroßen Strohhut! Nun, wir meinen, dafür, daß die Frauen den Männern bald „über den Kopf wachsen" werden, gibts auch sonst noch mancherlei Beweise. Und da ist's doch gar kein Wunder, wenn den Männern der Kopf „anschwillt".
— Galvanische Ströme im Munde. Das galvanische Element besteht aus zwei Metallen und einer leitenden Flüssigkeit. Also birgt auch der Mund des Menschen, der Zahnfüllungen und Kronen aus verschiedenen Me-
rungen wiederkommen und vielleicht auf dem Ozean schwimmend aufgefunden werden, ja, wenn selbst die Versuchstiere wohlbehalten wieder auf der Erde landen werden — ob sich wohl ein Mensch in einer Rakete ins Weltall schießen lassen wird? Dos gibt es wohl nur in einem Roman von Jules Vernes.
[ in anderen Gegenden kennt man für den Wirt auch andere Ausdrücke, wie z. B. Balbos, Boos, Baas.
Leicht verständliche Bestandteile der Verbrechersprache sind die vom Deutschen abgeleiteten, wie z. S. Greifer, berlinisch greifet (Kriminalschutzmann), Schränker (Geld- schrankeinbrecher), auch Knacker, abgeleitet von knacken (aufbrechen), ausblenden (auskundschaften), Blendling (Spiegel), Scheinling (Blendlaterne), Armbänder (Fes- I fein), Blüten stechen (Papiergeld fälschen) — Blüten sind als Nachahmungen meist zu Reklamezwecken allgemein | bekannt —, alle werden hochgehen, verschüttgehen (oer- I haftet werden).
Aus dem jiddischen Sprachschatz entnommen sind z. V.: Chochem (der Kluge), Chammer (der Dumme), (Goy Christ), (Seite (Christenmädchen), Gannove (Spitzbube), ganfen (stehlen), kapores (tot), Besulle (Jungfer), koscher (rein), treffe (unrein, unsicher), Schickse (Mädchen).
Schwerer verständlich sind schon Ausdrücke, wie: haushohe Lampen (von Polizei gesucht), Sonne scheint hell (Polizei weiß schon), mächtige Maure (große Furcht), Achelputz schieben (Gefängniskost essen), der linke Prinz «ungeschickter Mensch), Wand machen (decken), die Keibe pfeift immer (das Weib kann den Mund nie halten), die Kühle (Untersuchungsgefängnis), die Winde (Arbeitshaus), bei leibe gehen (bei Nacht stehlen), bei jom und bei leibe (bei Tag und bei Nacht), Mooskuppen ober Mcffematten schieben (Einbrüche ausführen), Dessins (Pläne für Verbrechen), Pißchen (geheime Unterredung), Pech geben (fliehen), kafffcher (frei, aus der Haft entlassen), Tauben haben (Glück haben), Lampen in der Forst (Beamte im Hause), betucke Schmiere (heimliche Aufpasser), schmuse betucke (sprich leise), Zaccum melo- chem (mit dem Messerstechen), Schilferfahrt (falsches Geld ausgeben), Eisbär schneiden (Einbruch varbereiten), Flanellwache halten (bei der Frau oder (Beliebten bleiben), ein Kode! Genoive schieben (einen großen Diebstahl ausführen), Kasten schwenken (einen Geldschrank öffnen), Lampen brennen (es besteht Verdacht), ein Aesf- chen kapores zawern (jemanden ermorden), falsche Zinken machen (jemand hintergehen).
Den Panzerheinrich kennt man als eine Kombination von Brecheisen und Schraubstock, Wricker nennt man ein linealartiges Stahlinstrument mit Einschnitten zum Abbröckeln der Panzerplatten, Porum heißt die handwerkliche (Befamtbiebausrüftung. Für Dietriche hat man bie verschiebensten Bezeichnungen, wie Klamonis, Tanbel, Takel ober Taltel. Der Taschendieb wird Paddenklauer ober Taschenkrebs, der Erpresser Ballonfahrer, der Gelbschrankeinbrecher Mooskuppen-Schränker, ber Juwelendieb Pick Pocket, ber Bettler Taffer, ber Jude Schachmer und die Geliebte Spinde oder Mufche genannt.
Gut organisierte Banden von Spezialisten, die unter erfahrenen Führern arbeiten, verständigen sich auf besondere und für den Kriminalisten oft schwer erkennbare Art und in Ausdrücken, die auch die „Verbrecher- sprache" nicht kennt.
In bie Welt des kleinen und kleinsten führen Mikroskop und Ultramikrophon. Fernrohr unb Spiegelteleskop bahnen betn Menschenauge ben Weg zu den Sternenräumen über jene weiten Strecken, die das Licht mit einer ungeheuren Geschwindigkeit von 300 000 Kilo- meter in ber Stunde oft in Jahren erst zurücklegen tarnt. Die Frage, ob jene Welten, bie wir als Sterne sehen, Erbengeschick haben, ob sie bewohnt sind, ist alt. Ebenso all, wie bie Sehnsucht, sich einmal von ber Erde loszulösen, und bie Fahri zu ben Nachbarplaneten anzutreten; sie ist die Ursache so manchen phantastischen Romans, ben ein Jules Vernes, ein Wells ober Kurt Laßwitz geschrieben hat. Aber auch ganz ernsthaft grübeln Wissenschaftliche von heute an diesem Problem. Einer der geistvollsten Lösungsverfuche, der einzige vielleicht, der wissenschaftlich bis heute in einer sehr ausgedehnten Diskussion unwidersprochen blieb, ist der Vorschlag, den ber Meteorologe und Astronom Pros. H. vberth in feiner Schrift „Die Rakete zu den Planetenräumen" macht. Er will Meßapparate, ja sogar Beobachter mit Raketen z. B. nach betn Monde schießen mit Raketen, bie mieber zur Erde zurückkehren. Ich gebe zu, es klingt nichts weniger als wissenschaftlich, mutet auf ben ersten Blick wie ein schlechter Aprilscherz an. Und doch stimmen die Berechnungen Oberths — auf dem Papier. Ja, seine Berechnungen, daß und wie j der Rückstoß ber Rakete im luftleeren Raum wirkt, ist burch die Versuche des amerikanischen Physikers Goddard (Messungen des Rückstoßes int Vakuum, Goddard A. method of reaching extreme altidudes) glänzend bestätigt worden. Wenn beispielsweise eine 1000 Kilogramm schwere Rakete ein Kilogramm Gas mit einer Geschwindigkeit von 2000 Meter in ber Sekunde ausgestoßen hat, so erhält sie selbst einen Antrieb von ungefähr 2 Meter in der Sekunde. Das ist ja gerade bas Gute an ber Rakete, daß sie auch im luftleeren Raum (wo Flugzeug und Lufffchiff und alle ähnlichen irdischen Verhältniffen angepaßte Maschinen versagen müssen) arbeiten kann, daß sie langsam anfahren und durch den Führer mit Gas- stöpen in verschiedenen Richtungen in Kurs und Geschwindigkeit jederzeit beeinflußt, aber auch gebremst werden kann. Man will zunächst Instrumente, später Versuchstiere und endlich Menschen mit der Oberth'schen Rakete zu den Planetenräumen schießen. Wenn auch die Berechnungen stimmen, wenn die Automatic der Lenk- schüsse bei der führerlosen Maschine nicht versagt, wenn bie Instrumente auch mit ben interessantesten Registrie- i
ffiuf erklärt. „Sie sind aber dick geworden, Herr
Zurück zur Erde. Im Auftrag ber belgischen Kongoregierung haben zwei deutsche Forscher, Prof. Dr. Kleine und Dr. Fischer, bie Wirkungen eines neuen Heilmittels „Bayer 205", gegen bie verheerenbe Schlafkrankheit in Afrika ausgeprobt. Die Bakterien, bie biefe furchtbare Krankheit erzeugen, Trypanosomen, werden durch den Stich ber Tsetsefliege in bas Blut bes Opfers gebracht; Mensch unb Tier (Rinber, Pferbe) erkranken gleichschwer unb finb seither rettungslos verloren gewesen. Die Ergebnisse ber Versuche mit „Bayer 205", die jüngst veröffentlicht wurden, zeigen bie überraschende Heilkraft bes Mittels bei ber Schlafkrankheit bes Menschen. Von 170 Kranken, bie teils in Rhodesia, teils in Belgisch-Kongo behandelt wurden, konnten die meisten nach kurzer Zeit als geheilt entlassen werden. Rur wenige Patienten starben unb einige blieben klinisch krank, währenb ihr Blut burch bie Behanblung mit „Bayer 205" von Trypanosomen frei würbe. Bei diesem Ergebnis muß noch berücksichtigt werben, daß ein Teil ber Erkrankten nur unvollständig geheilt entlassen werden mußte, da es schwer fällt, bie an Freiheit gewöhnten Eingeborenen monatelang in einer Beobachtungsstation sestzuhalten. Jedenfalls ist die Bedeutung eines Mittels wie „Bayer 205" für die koloniale Bevölkerungspolitik unermeßlich unb interessant ist in biefem Zusammenhang ein Brief bes englischen Biologen Julian Huxley, der im „Daily Heralb" vor kurzem veröffentlicht war: „Die deutsche Entdeckung einer chemischen Substanz „Bayer 205", welche die Schlafkrankheit heilt, fft ein weiterer, höchst wichtiger Schritt vorwärts, um bie Tropen bewohnbar zu machen. Diese eine Entdeckung ist für alle Nationen mit tropischen Besitzungen von solcher Wichtigkeit, daß sie mit einem Schlag ins helle Licht rückt, wie verbrecherisch dumm es ist, eine große wissenschaftliche Nation wie Deutschland in eine solche Notlage zu bringen, daß es ihr immer schwerer wird, ihre wissenschaftlichen Forschungen fortzusetzen. Eine Entdeckung wird für bie Alliierten wahrscheinlich finanziell viel wertvoller werben als bie ganze Steparationsfumme, die sie ursprünglich forderten.
Der gelehrige Papagei. „Der Papagei ist sehr schön, aber flucht er auch nicht?" — „Nicht daß ich wüßte, aber er ist sehr helle, er wird es schnell lernen."
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Unverfroren. „Sie bitten mich um eine Gabe unb nehmen nicht 'mal den Hut ab! Ist bas eine Art, zu bitten?“ — „Cntschulbigen Sie gütigst, — aber sehen Sie, ba vorne steht ein Schutzmann. Nehm' ich ben Hut ab, so sieht er, daß ich bettle unb nimmt mich fest. So aber bentt er sich, wir finb zwei alte Freunde, die sich miteinander unterhalten!"
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Die besorgte Braut „Ich wünschte das von der Polizei herausgegebene Verbrecheralbum zu kaufen!" — „Mein Fräulein, bas ist im Buchhandel nicht zu haben. Welches Interesse könnte auch eine junge Dame, wie Sie, für die Bilder von Verbrechern haben?" — „0, ein sehr großes, mein Herr! Ich habe feit gestern einen neuen Bräutigam, der mir sehr verdächtig vorkommt!"
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Aus aller wett.
— Die zunehmende Größe der Frauen. Ein
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heiteres.
Stimmt! Sommergast zum Bauern: „Und so was hier nennt Ihr Sommerfrische?" — Bauer: „Wir nech oroer de Stabtleut!"
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Von Hanns Derstroff (Berlin).
jjgf Illkramikrophon. — Die Fahrt in den Weltenraum. — Bayer 205.
Wer in diesen Tagen die Reichsausstellung in London- «embley besucht hat, der wird sicher auch in jenes kleine Häuschen getreten fein, das eine ber größten Erfindungen der letzten Jahrzehnte birgt, bas Ultramikrophon tzes Amerikaners Dr. Thomson — ein Ton-Mikros- j 0 p. Wie bas Mikroskop uns eine ganz neue Welt erschloß, wie es uns in tausendfacher Vergrößerung Zellen nnd Bakterien zeigte, so läßt uns bas Ultramikrophon xöne hören, bie bis heute noch kein Mensch je ver- nommen hat In einem Glaskasten finb bort in Wembley einige Insekten (Fliegen, Spinnen unb Käfer) ein» gesperrt. Die Tonwellen, bie durch den Flügelschlag, durch Kriechen, ja durch Vibrationen der Jnsektenfühler erzeugt werden, sie werden von dem empfindlichen Thorn- fon-Wikrophon aufgenommen, werden dann verstärkt unb nach der Tonwandlung im Kopfhörer gehört, ja sogar >urch einen Lautsprecher einem großen Kreis Hörer vernehmbar gemacht. Das neue Instrument ist so empfindlich, daß es sogar bie Geräusche vernehmlich macht, bie von ben Zellen eines keimenden Korns durch Reibung erzeugt werden. Man kann mit ihm in Wahrheit „das ©ras wachsen hören". Seither waren uns alle Laute, die über 20 000-Tonschwingungen in der Sekunde als ffierantoffung hatten, unhörbar. Wie das Auge die ultra- roten unb ultra-violetten Schwingen bes Lichts nicht wahrnimmt, fo kann auch das Ohr nur Schallschwingun- gen von 40 bis 20 000 in ber Sekunde als Ton, als Geräusch, hören. Das Ultra-Mikrophon aber „hört" noch Schallwellen von 40 000, ja 60 000 Schwingungen in ber Setunbe unb macht sie nach Ummanblung in Hör- fchwingungen unsrem Ohr vernehmlich. — Die praktische Bedeutung dieser Thomsonschen Erfindung, die auf einer Ausnutzung elektrischer Glimmentladungen zwischen Elek- troben in Glimmerscheiben beruht, ist kaum abzusehen. Das llltramikrophon wird ebenso wie das Mikroskop bei der Erkennung von Krankheiten eine große Rolle spielen, es wird bei ber Erforschung der Erdgeräusche erfolgreich Verwendung finden, wird über feinste mechanische Schwingungen Aufklärung geben, — kurz es gibt nur wenige technische ober wissenschaftliche Gebiete, auf denen dieser wundervolle Sinnschärfer nicht zu neuen Forschungsmethoden und überraschenden Erfolgen führen wirb.
Ein MsiuMniMülnllen
cis Wohn- y. Opferstfitte des eachcrist. Heilandes
Wochentags! Der Sonntagsgott esdi-nst in einem Vergnügungssaal! Der Seelsorger auf ein Zimmer angewiesen, das ihm als Amts-, Wohn-, Schlaf- und Esszimmer zugleich dienen muss. Dazu eine arme Gemeinde inmitten einer kommunistischen und freidenkerischen Umgebung.
Glücklichere Brüder und Schwestern! Lindert unsere unerhörte Notlage durch eine Spende an das katholische Seelsorgeamt Leipzig N.-O. (Schönfeld). Postsdieckamt Leipzig Nr. 15645.
Der H. H. Bischof Dr. Christian Schreiber unterstützt unsere Bitte. „Vorstehendes Gesuch empfehle ich der darin geschilderte« tief traurigen Verhältnisse wegen be sonders herzm».
Katliol. Seelsorseamt Leipzig H.-0. Schönt
J» Spetlak, Pfarrer.
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Die Verbrechersprache.
Von Max Rose.
Eine Verbrechersprache, also eine Worffprache, wie sie z. B. bei den verschiedenen Völkern zur gegenseitigen Verständigung im Gebrauch ist, gibt es nicht, trotz des Vorhandenseins vieler gelehrter Bücher über „Die Verbrechersprache". Das, was man „Verbrechersprache" heute nennt, ist eigentlich nichts weiter als ein Sammelsurium von Ausdrücken, die Verbrecher im Verkehr unter sich gebrauchen, also Fachausbrücke, wie sie auch in anderen Berufen üblich find und meist nur den Berufsangehörigen bekannt sind. Die Ausdrücke find von den Verbrechern gewählt, um den nicht zur Zunft gehörigen Zeitgenossen, besonders ber Polizei, unverständlich zu bleiben. Der Zweck ist natürlich unerreicht geblieben, denn jeder tüchtige Krirninalfft kennt die Verbrecheraus- drücke genau fo wie der Verbrecher selbst und weiß sich ihrer zu bedienen.
Von Sprachforschern ist vielfach nach dem U r s p r u ng ber Wörter, deren sich die Verbrecher bedienen, gesucht worden, und sie entdeckten, daß eine große Anzahl der iddischen und der Zigeunersprache entnommen sind, also dem Sprachschatz der Zigeuner und Ostjuden, die in ihrem Erwerbsleben gewisse Gewohnheiten angenommen haben, die bei kulturell höher stehenden Menschen verabscheut werden. Gewiß find diese Ausdrücke auch dem eigenen Sprachschatz entnommen und umgebildet worden, man kann fie aber nicht zum hebräischen ober Zigeuner-Sprachschatz gehörig bezeichnen. Daß es sich vielfach um ganz willkürliche Wortbildungen handelt, erfieht man schon aus der Verschiedenartigkeit der Ausdrücke für einen bestimmten Gegenstand ober Tätigkeit. Ausdrücke, wie sie z. B. ber süddeutsche Verbrecher gebraucht, wie filzen für durchsuchen, babbeln für sprechen, Stenz für Zuhälter und Platte putzen für flüchten, kennt der norddeutsche Verbrecher kaum. Selbst in Verbrecherzentren, bie boch ziemlich nahe beietnanber sind, wie Hamburg und Berlin, sind die Ausdrücke verschieden.
Zahlreiche Ausdrücke, die zur „Derbrechersprache" gezählt werden, sind auch jedem Kenner der Berliner Mundart bekannt und geläufig, wie z. B. türmen (flüchten), Zaster, Draht, Pulver, Moos (Gelb), stippen (auf- i sammeln), flauen (stehlen), dufte (gut), Aaltopp (Zylin- | der), Kittchen (Gefängnis), Schmus (faule Redensarten), | kneiften (Hinsehen), teilachen (ausrücken), Mbe, Deez i (Kopf), Stubben (bummer, unbeholfener Mensch), Bost (Wirt einer Verbrecherkneipe, für die Frau „Bosten"); I
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