Einzelbild herunterladen
 

Heimreise von Hannover.

Friedrich Muckermann S. J. plaudert über -feine Heimreise von Hannover, wo man ihn als seinen der eifrigsten Versammlungsbesucher stets ' am Pressetisch gesehen hatte, in der Neuen Deutsch. -Korrespondenz. Wir geben aus seiner Plauderei folgendes tnteber:

Die Schnellzüge find überfüllt. Eingepfercht in die ^gen Abteile und Gänge drängen sich Koffer und Men- ahen. Uni) sind doch nicht verdrießlich, wie es Regen- fetter mit Verspätung sonst mit fich bringt Neben mir Lampst eine ganz übte Tabakspfeife. Aber das Gefichk jjpja ist freundlich. Cs gehört einem Mann aus H a l -

Sonst steht man hier in der Gegend wortios 1Kben einander. Stundenlang, freute aber ist es anders. AeWeinschastsgefühle haben gesprächig gemacht Klassen­unterschiede scheinen überbrückt, nachdem man doch eben Aatholik war und nur Katholik, darum allen gleich nahe. Wan gehört zusammen. So plaudert man. Nun, wie Upar's in Hannover? . Ach, kam es zurück, schade, z^ß von uns nur so wenig hingefahren. Das hätte ich -alle n Kameraden gegönnt Ich will gleich beantragen, Daß mein Verein in Zukunft das ganze Jahr sammelt jn» ärmeren Mitgliedern die Fahrt zum Katholikentage Ar ermöglichen. Pause. Ein Zug aus der Pfeife. Ah, Hlgt er auf einmal, das hätten Sie sehen sollen! Bei Der Wandlung. Als ob ein Wunder geschähe. Ja, wohr- Laftig. Wie ein Wunder. Gerade als das Glöcktein ^klingt teilen fich die Wolken, und ein erster Sonnen­strahl vergoldet den Kelch, lind rings all die Fahnen, fiSL die Menschen, das vergißt man nicht. Und der Pa- teüi, na, die Bewegungen, die er so machte, so schön, so andächtig ... Da freut man sich denn doch, wenn huch Andersgläubige einmal so etwas sehen . . . Auf .einmal lacht er in sich hinein. Die roten Bruder, die Haben geguckt Als wir ausftchren, haben fie gesagt, Las wird einmal eure rechte Zentrumsparade. Ja, habe ich ihm Mmtwortet, warum sollen wir nicht einmal zei- tzM, daß wir auch da find ... Ja, meinte der Rote gütig, macht nur, was ihr wollt ans soll's recht sein ... Wer das muß man sagen, die Hannoveraner haben sich doch fein bei der Sache benommen. Da hat keiner ge­stört, da waren alle ergriffen. Und so freundlich wie sie waren. Natürlich, bemerkte ich dazwischen, dafür find die Hannoveraner bekannt Wer diesmal, lispelte ein Fräulein mm der Seite, das war doch etwas Besonderes. Auch auf der Elektrischen, immer haben sie mir so schön Bescheid gesagt Auch an der Bahn. Unsereiner kann das doch nicht wissen mit den vielen Extrazügen. Nein, waren die freundlich . . . Draußen geht der Regen. Schwarz stehen die Garben. Feld an Feld. Der D-Zug Megt. Er hat allerlei einzuholen. Der Donders, sagt auf einmal mein Weggenosse . .. So, frage ich, hat der -auch gesprochen? .... Ja, das war in einer Parallelen­versammlung, oder wie man das so nennt Nun kam eine lange Erzählung. Den kannte er schon von früher her aus dem Dorn. Der Hais richtig vorausgefagt, schon | im Krieg. Das haben wir nicht vergeffen. Der hatte Wut . . . Auf einmal ftngs in der Versammlung an zu regnen. Einige spannten bereits den Regenschirm auf. Der Redner aber sagte- Aller Regen der Welt kann un­sere Liebe zu Christus nicht auslöschen. Gab das ein Bravo. Es ist ja auch st>. Und wie dann die Regen­schirme wieder zuklappten. Das war luftig. Bei dem treuen einfachen Mann war alles noch gehüllt wie in leinen seligen Traum. Hier und da ein Ausruf. Dann wieder erfüllte Stille. Er hatte feine Kirche neu gesehen. So groß und so volkreich wie sonst nie. Run wollte er auch altes für den Herrgott tun. Ich habe ja schon einmal Exerzitien gemacht, aber weiß Gott, tn den katho­lischen Gegenden wollen sie oft nicht fo recht heran. Die Diafporakatholiken, das find die richttgen. Dann ging es über auf soziale Fragen, auf Schulfragen. Man meint oft: Das gewöhnliche Volk versteht doch nichts davon. £Jb dies Volk versteht! Der Katholikentag ist für dieses Volk eine Volkshochschule ersten Ranges. . . . Hamm. totes aussteigen. Auf Wiedersehen, lieber Freund. Sonst hat mans vielleicht nicht gesagt. Aber nach solcher Ta­gung ist Christenhett Familie. Gehen je Brüder aus» einander, ohne zu sagen. Auf Wiedersehen? ...

*

Ein Prälat. Der war auch in Hannover. Run, denke ich, soll ich schreiben, so muß ich möglichst viele Leute fragen. Und der weiß gewiß etwas. Was ist Ihnen denn so ganz besonders ausgefallen? . . . Das kann man nicht so schnell sagen. Aber wenn ich so nach­denke, mir kam vor, als ob das Verhältnis der Masse zu den Führern ein anderes geworden. Man ist krttisch. Man sieht nicht mehr so von unten herauf und bewundert Erst dachte ich, es liegt an den Rednern. Aber das kann man nicht sagen, wenn auch freilich ein Gröber nicht gerade jeder Generation geschenkt wird. Aber daran liegt es nicht. Wir haben hier wohl Wir­kungen der Demokratie. Cs ist doch manche Schranke gefalle». Ein krttischer Kopf, der inzwischen dazu ge­treten, meinte, da seien manchmal die hohen Herren auch selber Schuld. Da will ein Minister volkstümlich sein und meint, das Geheimnis liege in der Diftanz- oerringerung. Und doch, darin liegt es gar nicht. Das Volk will verehren. Das Volk will Männer über sich sehen. Es will Führer. . . . Tatsache ist, daß ein Teil der »Mystik" verschwunden ist, der sonst berühmte Leute umgab. Man weiß auch viel zu viel von ihnen. Wenn man schon Größen bei Tisch photographiert, geht leicht von der Größe etwas herunter ... Ist Ihnen nicht aus­gefallen, meinte der Prälat, daß es ein wenig anGe­bildeten" fehlt? ... Ich habe so manche Freunde dort vergeblich gesucht Auch am Akademikerabend saßen doch «igenllich nicht viel Akademiker im Saal. . . . Aller­dings, bemerkte ich, das ist mir auch aufgefallen. Genau kann man dergleichen wohl nicht beurteilen, aber man merkte es auch in andern Versammlungen. Als zum Bei­spiel vom akademischen Bonifatiusverein gesprochen wurde es war in der Diafporarede eine Stelle da merfte man kaum eine Regung im Publikum. Es waren offen­bar die nicht da, die es anging. Am Ende rüsten sich die Akademiker für Dresden, und man kann doch nicht verlangen . . . Erlauben Sie, meinte der Prälat und wurde sehr ernst, es wäre doch schade, wenn die Akademikerschaft darum schwächer auf den gemeinsamen Tagungen vertreten wäre! Gerade das gemeinsame Glaubensgefühl überbrückt am besten die sozialen Klüfte.

»

Auch ein Protestant begegnete mir. Er war zufällig kn Hannover gewesen und hatte einen Teil mit angesehen. Das ist freiüd) groß an Ihrer Kirche, daß sie des Glau­bens wegen so viels Menschen zusammenbringt. . . Daß die heutige Welt zu einem Sängerfest fährt, das ver­stehe ich wohl. Daß man aber des Glaubens wegen solche Reisen macht, dazu in so schwerer Zeit, das ist mir wie ein Wunder. . . Meinen Sie, sagte ich ihm, daß die geroalttgen Dome in unseren Städten ständen, wenn man fie nicht des (glaubens wegen gebaut hätte? Das ist Geist vom Geiste unserer Väter. Wir können ja ruhig sagen unserer Väter, denn nicht wahr, Ihre Urahnen haben ja auch in diesen Domen gebetet und haben sie sogar mtierbaut . . . Wir kamen dann auf das Verhältnis von Katholiken und Protestanten. Das

Zur Unterhaltung.

Nr. 212 vom 11. Sept 1924. | Z

tiefste deutsche Problem der Gegenwart. Es war mir eine Freude, freimütig anzuerkennen, daß Hunderte von protestantischen Familien Hannovers gern ihre Woh­nungen den katholischen Gasten eingeräumt. Man hatte sich so katholisch eingestellt, daß man ordentlich den guten Willen herausfühlte. Und hier galt wahrlich nicht das Sprichwort, man merkt die Absicht. Nein, hn Gegen­teil: Man merkte die Absicht und freute sich dieses auf­richtigen Willens, den deutschen Bruder als Bruder zu behandeln, auch wenn er andern Glaubens ist Wie entgegenkommend waren fo manche Artikel in der Han­noverschen Presse! Schließlich endete das Gespräch in der Richtung, es müsse zum Wiederaufbau Deutschlands jeder sein Bestes ^ergeben. Ein vernünftiger Pro­testant werde jederzeit zugeben, daß im Katholizismus Werte enthalten seien, die das deutsche Volk nicht mißen könne. Andererseits erbaut protestantische Frömmigkeit, die es noch genug im Lande gibt, auch den Katholiken; denn immer freut sich ein Christ, wenn Christus geehrt wird. Soll aber jede Gruppe das Jhrhze entfalten, dann mutz sie ihren eigensten Charakter zeigen, denn nur im Charakter offenbart sich die Kraft. Dem Diasporakatholizismus war diese Charakterstärke immer eigentümlich, und wir haben in Hannover den Beweis, daß zwei Menschen wohl Freunds fein können, wenn sie ehrlich sind und darum Ueberzeugung haben. Dafür, daß eine Freundschaft zwischen Menschen, die beide keinen Charakter haben, auch charakterlos sein muß, braucht es ja keinen Beweis . . .

wenn die Erde bebt.

AufdenTrürnrnern MessinaS" nennt sich eine in 4. Auflage erschienene Erzählung von Mario Barbera, die zur Zeit des großen Erdbebens in Sizilien spielt. Wir geben daraus den Kapitel­teil wieder, in dem der Erdstoß geschildert ist. (DaS Brüh ist bei Herder in Frei­burg i. Br. verlegt und kostet gebunden G.-M. 4.40.)

Die Morgenglocke tönte an Guglielmos Ohr. Er fühlte sich noch matt und schläfrig. Aber der Gedanke an die ihm bevorstehenden Schwierigkeiten mahnte ihn, anfzuftehen. Während er sich ankleidete, dachte et Vorfälle des verfloßenen Tages und was er an. diesem Morgen zu tun haben werde. Die alten Be­denken kehrten wieder zurück. Aber er war nicht mehr so aufgeregt; immer mehr leuchtete es ihm ein, es sei das beste, nur mit Erlaubnis der Adoptiveltern abzu­reisen. Die Herzogin stand immer sehr früh auf, er konnte ihr also binnen kurzem alles mitteilen.

Er nahm den Brief in die Hand, den er gestern abend geschrieben hatte, und las ihn faufs neue. Jetzt kam er ihm noch kälter, trockener und unüberlegter vor.

In demselben Augenblick bemerkte et, wie die Lampe sich bewegte und immer mehr ins Schwanken geriet Plötzlich erbebte der Boden unter seinen Füßen.

Das war ein ©rbbeben, ohne Zweifel! Kaum hatte er diesen Gedanken erfaßt, so hörte er bereits einen höllischen Lärm wie von einem gewaltigen Sturmwind, der auf das Haus niederfuhr, fo daß es vom Dache bis zum Grunde schwankte wie ein Gartenhaus. Die Lampe erlosch und fiel gegen die Mauer. Die Möbel flogen übereiriander, eines streß gegen das andere, alles brach -in Scherben, ein Hagel von Mörtelstücken praßelte herein, die Balken krachten wie in einem Schiffe unter dem Angrall der Wasserwogen, er hörte ein Gezische und em Gekreische, ein Pfeifen und Brausen wie aus tausend Sirenen und dann dumpfe, donnernde Stöße, welche durch die ttefsten Schlünde der Erde dahinrollten. Wie taub und sinnlos fühlte er fich auf einmal gegen die gegenüberliegende Wand geschleudert und fiel auf das dort stehende Sofa.

Und nun trat einen Augenblick Ruhe em. Ein tiefes Schweigen. Unwillkürlich flüchtete Guglielmo nach einer der Fensteröffnungen. Da vernahm er die Stimmen des Herzogs und der Herzogin.

Guglielma! Guglielmo!"

Er öffnete die Lippen zur Antwort:Papa! Mama! Hier bin ich!"

Doch der Laut seiner Stimme wurde übertönt von einem unbeschreiblichen Getöse. Ein neuer, furchtbarer, zuckender Stoß! Als ob ein ungeheurer Riese die ge­waltige Maffe des Palastes mit seinen Händen erfaßt und emporgeschleudert hqtte wie ein Spielzeug, so fiel sie krachend zu Boden, während das dumpfe Gebrüll des das Land überflutenden Meeres bereits ins Erd­geschoß drang. Und wieder bleierne Ruhe.

Guglielmo hielt fich fest an dem Fensterpfosten ge­klammert. Aber der Schreck schnürte ihm die Kehle zu­sammen. Dennoch:Papa! Mama!"

ES war ein Angst-, ein Hilferuf. Aber keine Ant­wort. Er suchte mit den Füßen nach dem Fußboden. Der war verschwunden. Ein kalter Wind wehte ihm inS Gesicht. Er blickte in die Höhe: der Himmel war dunkel, kaum zu sehen; nur ein schwacher, unbestimmter Dämmerschein des Morgenlichtes war sichtbar. Also waren das Dach und sämtliche Stockwerke des Palastes übereinandergefallen, alles mit sich in den Sturz reißend. Schrecklich! Und der Herzog und die Herzogin? Er erzitterte bei dem Gedanken, daß sie vielleicht unter all diesem Mauerwerke begraben wurden, eben als fie ihm zu Hilfe eilen wollten.

Er hatte ja ihre Stimmen ganz in der Nähe ge­hört.

Aufs neue rief er nach ihnen. Stillschweigen und Dunkel ringsum. Dann schaute er durch die Oeffnung des zertrümmerten Fensters in die dichte Finsternis zum Hasen hinüber. Bei dem schwachen Dämmerscheine konnte er kaum die Zitadelle wahrnehmen, die trotzig und stumm wie ein Spion auf der Lauer dastand. RegungSioS lagen die schwarzen Mafien der Schiffe da, in ihrer Umgebung hörte man wirr durcheinander rufende, undeutliche Stimmen. Wahrscheinlich Ma- trofen, die sich auischifften, um in der verwüsteten Stadt zu retten, was zu retten war.

Es verging mehr als eins Stunde, die ihm eine Ewig­keit dünkte, und jetzt erst konnte er sehen, daß er sozu­sagen am Rande eines Abgrundes stand. Ein Berg von Mauerwerk, aus dem Balken und eiserne Träger über zertrümmerten Möbeln herausstarrten, lag bis zum ersten Stock herab rings um ihn. Ein mächtiger Balken war auf ihn gefallen, hatte ihm aber nur die Schulter gestreift, so daß er einen leichten Schmerz verspürte. Dieser Balken lag nun mit einem Ende gegen die Mauer gelehnt zu seinen Füßen und mit dem andern auf dem Trümmerhaufen und bedeckte mit seinem ganzen Ge­wichte o Schrecken! eins menschliche Gestatt, die er aber nicht erkennen konnte.

Was für ein Unglück war da geschehen! In seiner Phantasie wähnte er, daß es die Leiche eines seiner Lieben sei. Sollte es der Herzog ober die Herzogin fein? Er rief aufs neue nach ihnen. Dasselbe Stillschweigen, dieselbe Seelenangst! Er wollte weinen, aber vermochte es nicht. Seine Augen waren starr, seine Seele versteinert wie ein harter Kiesel.

Wieder verging einige Zeit. Er wußte nicht wie lange. Immer hiett er seine Augen auf die unförmliche Maffe unter der Last des Balkens gerichtet, bemüht, sie zu erkennen. Dazu gab es kein anderes Mittel, als auf dem Balken bis zu ihr hin zu rutschen. Aber er getraute sich nicht, den Balken noch mehr zu belasten. Grauenhaft! Eisige Kälte durchdrang seinen ganzen Leib, die Luft drang naß durch seine Kleider. Als er endlich deutlicher sehen konnte, bemerkte er, daß er von der Fensterhöhle niedersteigen konnte, wenn er auf den Vorsprung eines in der Stütze liegenden Trümmer­haufens spränge. Er mußte unbedingt so schnell als möglich seinen Standplatz verlassen, um nach dem Her­zogspaare zu suchen.

Vorsichtig wand er sich zwischen den Trümmern durch bis zu jener formlosen Masse, und bas Herz klopfte ihm vor Angst. Cs war ein junges Mädchen, in eine Decke gehüllt wie in ein Leichentuch, eine kalte Hanb streckte sie heraus, bie sie int letzten Todeskampfe geballt hatte. Ihr Antlitz war ruhig und heiter, ihre Augen waren geschlossen, als schlafe sie nur. Aber sie war eis­kalt. Wer mochte es fein? Endlich erkannte er in ihr ein braves, liebes Mädchen aus einer Familie, welche im ersten Stock wohnte. Wahrscheinlich wurde sie auf der Flucht, weiß Gott wohin, von den Trümmern ersaßt und geknickt wie der Stengel einer Blume! ...

Schweizer Brief.

Zürich, im September.

In trostloser Verlassenheit standen jahrelang unsere Hotelpaläste an den schönsten Pstttzen der Welt. Jenseits der Schweizergrenzen tobte der scheußlichste aller Kriege und beanspruchte rücksichtslos Leben und Gut der Men­schen. Und als der Krieg in seinem eigenen Blute er­stickte und die Menschen an ihren häuslichen Herd zurück- kehrten, lebten sie in Armut. Das war bas Stahlbad des Krieges.

Die Grenzen öffneten sich wieder. Dis einsamen Paläste öffneten ihre Tore, aber die Einladung konnten nur wenige annehmen, meist nur Kriegshyänen. In den großen Hotels, die in der Kriegszeit wenigstens dem edlen Zwecke der Hofpitalisierung von Kriegskranken bie­nen konnten, machten sich jetzt Leute breit, die wohl Cham­pagner, nicht aber die Ehre ihrer Heimat bezahlen konn­ten. Die barmherzige Schweiz muhte ihr Ordenskleid wieder mit der Schürze einer Kellnerin vertauschen, aber sie wahrte ihre Ehre.

Jahre vergingen. Allmählich kehrten geordnete Ver- hättniffe zurück, die es auch mittleren Schichten wieder erlaubten, die Wunder der schweizerischen Erde zu ge- nießen. So wurde das Jahr 1924 wieder zmn ersten glücklichen Jahre für die Fremdenindustrie nach 10 Jahren Vereinsamung. Aus allen Ländern kamen die FerienMte, unter ihnen zahlreich jene, dis in früheren Jahren zu den regelmäßigen guten Besuchern unserer Fremdenorte gehörten.

Der Verkehr aus Deutschland setzte Mitte Juli in großem Maßstabe ein, nachdem die unglückliche fiskalische Maßnahme der 5M-Mark-Ausreisegsbühr durch die deutsche Regierung wieder aufgehoben worden war. Die Tatsache, daß man heute in der Schweiz billiger lebt, als in Deutschland, verursachte geradezu einen deutschen Massenbesuch. Rach den Anfzeichmmgen der Zollorgane bringt gegenwärtig jeder in Basel, Schaffhausen und Lindau emlaufende Schnellzug aus der Richtung von Berlin, Hamburg, Köln etwa 300 in die Schweiz ein­reisende Feriengäste. Hatten die deutschen Gäste der Jnflaticmsjahre dem giiten Rufe Deutschlands immensen Schaden zugefügt, so darf jetzt mit großer Genugtuung festgestellt werden, daß auch wieder jene sollden, ehrsamen Vertreter des Mittelstandes erscheinen, die den moroli- schen Kredit chres Landes zu heben vermögen. Zahlreich sind jetzt auch die Amerikaner vertreten, die wiederum stark die Erstklaßwagen unserer Bundesbahnen betrugen, so daß der Gedanke der Ausrangierung dieser Wagen­klaffe aus unserem Bahnbetrieb wieder Men gelassen wird, nachdem vor kurzem bei der Leitung der Bundes­bahnen dieser Gedanke noch lebhaften Anklang gefunden hatte. Weniger stark vertreten sind bie Franzosen, die durch den tiefen Frankenkurs vielfach auf Auslandsreisen verzichten müssen. Doch fit der Zuzug immerhin so stark, daß feit Mitte IM die Nachtschnellzüge Paris-Basel sehr ost doppell geführt werden müssen. Auch die Elsässer finden fich wiederum in den von chnen vor dem Kriege stark besuchten Kurorten am Berner Jura ein. Sen stärksten Besuch von allen Kurlandschaften der Schweiz weist die Gegend um den Bierwald st ätiersee auf, in welcher Gegend ohne Vorausbestellung kein Zim­mer erhältlich ist.

Die unbeständige Witterung hatte bis jetzt nicht ver­mocht, den Fremdenzustrom zu dämmen. Die Sehnsucht nach den Vergriesen, nach den erhabenen Schauspielen einer verschwenderischen Natur, nach den lieblichen Seen und den wilden Bergbächen ist heute in den Ländern, die den Jammer der vergangenen Jahre bis zur Neige genießen mußten, so groß, daß die Menschen sich durch solche WAerungsfragen von der Reise nicht cchholten taffen. Die Schweiz ist von der Kriegszett her als Insel der Glückseligen bekannt, auch wenn sie damals die wirt­schaftlichen Härten spüren mußte, wie je ein neutraler Staat und auch heute rod) m großen wirtschaftlichen Rötm steckt. Der Ruf als Refugium für alle jene, die Erholung suchen von den Wirrnissen der Gegenwart und der Vergangenhest, ist zu groß, als daß äußere Schwie­rigketten die Fremden abhalten könnten, dieses E'iland des Friedens und der Ruhe zu besuchen.

Kritiken und Abhandlungen bewiesen und beglaubigt worden, baß Hänbel ein feststehender Begriff in der beut- schen Musikgeschichte ist unb bleiben wirb. Das Babischs Lanbestheater hat bas Seine getan, um nicht hinter Göt- tingen zurückzustehen unb um allen Feinheiten bes Wer­kes gerecht zu werben. Orchester, Szenerie und Einzel- darsteller standen auf beträchtlicher Höhe und die Auf- suhrung bot einen eindringlichen Genuß. Das dichtbesetzte Haus man erkannte musikalische Größen aus ganz Deutschland spendete wärmsten Beifall. C. St.

Bus aller well.

Bruckner und die böhmischen Dlechmufikanken. Al- Bruckner noch ein unbekanntes, hypernervösesSchul- meisterlein" (fo nannte er sich selbst gerne) war, ge­brauchte er mehrere Jahre hindurch die Kur in dem österreichischen Badeorte Kreuzen. Während eine»' Mittagsmahles ließen plötzlich zur Freude der übrigen Kurgäste böhmische Blechmusikanten ihre Weisen er» tönen. Nur Bruckner sprang entsetzt auf, ließ sein Mahl im Stich und rannte, ohne des Weges zu achten, davon/ einen steilen Berg hinab, der im Tale in der damals fast unzugänglichen Kematschlucht endete. Man eilte an den Abgrund und sah Bruckner bereits hinter riesigen Gra­nitblöcken versinken. Ter Badediener, der des Weges kundig war, eilte dem Schulmeister nach und befreite ihn unter Lebensgefahr aus der gefährlichen Lage. Im nahen Schloß Kreuzen wurde Bruckner gelabt und seine Wunden wurden verbunden. Im nächsten Jahre, wenn bas 80jährige Bestehen ber Kuranstalt Kreuzen gefeiert wirb, plant man bie Errichtung einer Gedenktafel an Bruckners Aufenchatt, Flucht, Rettung und Heilung, ms.

Lin Denkmal für ben Besieger bes Matterhorns. Zur Erinnerung an bie erste Besteigung des Matter­horns am 13. Juli 1865 soll dem Besieger dieses Berg- riefen, dem englischen Bergsteiger Edward Whymper in Zermatt, ein Denkmal errichtet werden. Diese» Denkmal erinnert zugleich an einen der bedeutsamsten Erfolge in der Geschichte des Alpinismus unb auch an eine rätselhafte Katastrophe, bie nie eine Aufklärung fro­hen wirb. Whympers Begleiter, Lorb Douglas, Char- les Hubfon, Mr. Habow, sowie zwei Führer verloren habet ihr Leben unb man hat nie einwandfrei feststellen können, ob diese Katastrophe durch Zerreißen des Sells entstanden ist ober ob bas Seil zerschnitten mürbe. Nach Whympers Erzählung würbe bie Katastrophe baburch hervorgerufen, bah Habow beim Abstieg nach ber (Er­oberung bes Matterhorns an ben Führer Michael Croz stieß unb biefen baburch aus bem Gleichgewicht brachte/ Selbe stürzten ab unb rissen bie anberen mit sich. Whym­per unb bem berühmten Führer Taugwalder gelang es, sich mit aller Gewalt gegen ben Boden zu stemmen; da aber das Seil zwischen Taugwalder und Lord Douglas nachgab, konnten nur Whymper und Taugwalder ge­rettet werden, während die übrigen in den Abgrund stürzten. .. mf"

Der Foxtrott zum Tode verurkeM. Camille de Dhynal, der französische Tanzmeister, hält das Ende des Foxtrotts für gekommen. Er meint, besonders in Lon­don werde zu viel gefoxtrottelt; der Foxttoü sei tn Eng­land mehr als eine Mode, er sei eine Tyrannei. Etwas, das aber zuviel betrieben werde, würde sich selbst töten," indem es bas Publikum seiner völlig überdrHW mache.'

heiteres.

Glücklicher Zufall. Es klingelt. Die Hausfrau öffnet, Klein-Hildegard an der Hand. Dor der Tür steht der Gelbbriesträger. Briefträger:Ist Ihr Gotte da?" Hausfrau:Nein. Aber ich kann die Sendung nehmen/ Ich habe Vollmacht." Hildegard (die günstige Gelegen­heit ausnutzend):Mutti, ich auch vollmacht.*

* \

Sei Raffle.Darf man roiffen, was das Brillant, frHier gekostet hat, welches Sie Ihrer Gattin zum Ge. burtstag geschenkt haben?"Na, so cm die zwanzig- tausend Emm!"Da wird fich aber Ihre Gattin ge­freut haben?"Du lieber Himmel, die freut fich über jeden Dreck!"

Sankldyll 1924. Jemand geht ahnungslos cm Sen Kassenschalter. Er mochte, sagt er, für hundert Marl Kleingeld größere Scheine haben.Lehmann!" ruft der Kassierer,ach, geben Sie doch schnest mal den Hun­derter rüber . . .1"

*

Eine gute Blutter.Warum nimmst bu eigentlich immer Pralinees, die in Stanniol eingewickelt find?" Ra, meine Kinder wollen doch auch was hahens"

*

Das Bersuchskanlnchen. Ein Bettler tarn zu ein-ffl Bauernhof, drinnen stand die Bäuerin und neben ihr eine riesige Bulldogge.Kommen Sie nur herein", lud fie den Bettler freundüch ein. Der zögerte.Beißt der Hund auch -nicht?"Das will ich ja eben ausprobie­ren," sagte die freundliche Bäuerin,ich habe ihn erst gestern gekauft."

Nur 1 Mk. 50 Pfg.

kostet ein selbstgebackener

HMkl'LmMW MllklSkW.

Durch die Göttinger Händelfeste ist Händels Musik und vor allem feine Opernmufik, die lange Zeit bei­nahe in Vergessenheit geraten war, den Musikfreunden Deutschlands und des Auslandes von neuem zugänglich gemacht worden. Welch einen großen musikalischen Reich- tum Händels Werke in sich bergen, haben bei diesen Festen erst die Neubearbeitungen durch Oskar Hagen, Hans Joachim Moser und andere Händelforscher gezeigt.

Zu den Händelschen Werken, die auch erst durch eine Neugestallung der Vergessenheit enttiffen werden mußten, gehört auch seine OperTamer!an", die nunmehr vom Badischen Lanbestheater zur Uraufführung gebracht worben ist. Das von Nicola Haym stammcnbe Libretto verarbeitet die Geschichte des Türkenkaisers Bajazet und des Tartarenführers Tamerlan. Beide sind die mächtigsten Kriegshelden ihrer Zeit. Tamerlan un­terwirft ja Bajazet, der sich indes nicht zu beugen ver- mag und den Gifttod durch eigene Hand stirbt. Als Ne- bengeftalten treten Bajazets Tochter Asteria, der Grie­chensürst Andronikus und die Fürstin Irene von Tra- pezunt auf.

Ueber den Wert der Händelschen Musik Neues zu sagen, dürfte sich erübrigen. Die Farbenpracht seiner orchestralen Begleitung, die Harmonie seiner Melodien, die Schmiegsamkeit seiner Rezitativs ist in so unzähligen

Obstkuchm

nach folgendem

Oetker-Bezept r

M. 150

Di-.A.Oettu,NWMwK,Bielefeld

M. 0.20 0.08 , 012 024 0.08

500 g Weizenmehl

1 Päckchen von Dr. Oetker*«Backin 100 g W argarine ä Pfd. 0.60

2 Eier ä 0.12 l/e Liter Milch . . Salz nach Geschmack . . . . .

100 g Zucker ä Pfd. 0.40

8 Pfd. Obst (Aepfel, Pflaumen uaw.) .

0.08 0.75

-7, t Man bereitet nach gewohnter Weise

Zubereitung, den Teig, rollt ihn nach Belieben dünn oder dick aus und belegt gut gefettet Randbleche damit Als Belag verwendet man entsteinte gezuckerte Zwetschen, ernge- zuckerte Aptelschnitten oder sonstiges Obst. Ist das Obst sehr saftig so überstreut man den ganzen Teig reichlich mit feinem Weckmehl und etwas Zucker. Dieses Rezept genügt für g mittelgroße Kuchen.

Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher in den Geschäften, wenn vergriffen, durch Postkarte gratis und franko von