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FuldaerZeUung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis nnd die Stadt Fulda.

Nr. 212.

Verantwortlich iür die Schriftleitung Dr. Jobanne» Kramer- Anreisen: I. P arreller, Fulda. Rotationsdruck und verlas der 5 Fuldaer SctiendruSerei in Fulda. Fernsprecher Nr 9.

Monatlicher BerusSPreiS: 1.50 Mk.

Donnerstag, N. Sept. 1924.

Anreisen-Brsise: Klein,eile (Colonel) lokal 0,15 Goldmar!. auswärts 0,20 Ootbmad; Reklame,eil« lokal 0,60. Goldmark auswärts 0,80 Goldmark. $.

Bei Wiederbokunsen Rabatt- Postscheckkonto Frankfurt a. M- 4051.

51. Zahrg,

Macdonalds Zukunstsplöne.

Der englifch-rufflschc vertrag.

Der englische Premierminister Macdonald hat in Dundee, wo ihm das Ehrenbürger­recht der Stadt verliehen worden ist, eine An­sprache gehalten, in der er sagte, die ihm zu teil gewordene Ehrung werde ihn ermutigen, mit seiner Arbeit fortzufahren, die nicht einer Partei, sondern her Nation gewidmet sei. Es gäbe ein Ziel, das allen Politikern und Nichtpolitikern gemeinsam sein müsse: Dieses sei, den guten Willen unter den Nationen zu fördern, den Frieden auf Erden herbeizuführen. Auf dieses Ziel werde er hinarbeiten, solange ihm dazu Ge­legenheit gegeben ist.

Der politische Korrespondent desStar" glaubt, daß die gegenwärtige Regierung sich bemühen werde, die Parlament auslösung wegen des englisch-russischen Vertrags zu vermeiden, da­mit es nicht im Herbst, sondern e r st Ende Februar oder Anfang März nächsten Jahres zu Neuwaksien komme. Der Korrespondent glaubt, Macdonald werde dies in der Weise zu er­reichen suchen, daß die Thronrede des Königs Ver­sprechungen und Vorschläge enthalten werde, denen weder die Konservativen noch die Liberalen zu­stimmen könnten.

DerManchester Guardian" warnt in einem Leitartikel die Liberalen, die Vorzüge des englisch-russischen Vertrags zu unter­schätzen. Das Blatt weist daraus hin, daß die Liberalen ebenso wie die Arbeiterpartei eine An­näherung an Rußland gewünscht hätten. Sie dürf­ten nicht übersehen, daß der Vertrag, gleichviel wie man über seine Form denke, so gestaltet sei, daß die genaueste Prüfung der Rußland gewährenden Vorteile möglich sei, bevor etwas aufs Spiel gesetzt werde. Im übrigen seien die Gründe, die Zu­sammenarbeit mit Rußland zu suchen, jetzt ebenso stark wie zur Zeit der Genueser Konferenz, aus der Lloyd George selbst versuchte, zu einer Verein­barung mit Rußland zu gelangen.

Der gefaßte Lrzberger-Mörder.

Wie die ,Voff. Ztg.' auS Budapest berichtet, hat Oie ungarische Regierung sich nunmehr auf den Standpunkt gestellt, daß der verhaftete Deutsche tatsächlich der Erzberger-Mörder Heinrich Schulz ist. Man erwartet, daß das Ausliefe­rungsverfahren vor Ablauf der vorgeschnebenen sechs Wochen erledigt sein wird.

Entgleister Militärzug.

wtb Paris, 10. Sept. (Tel.) DosJournal" meldet aus Madrid, daß in der Nähe von Puente- gelio gestern abend ein Militärzug ent­gleiste. Drei Eisenbahner und zwei Unteroffi­ziere seien kok, etwa 15 Soldaten wurden verletzt.

wirtschaftliche Rampfbewegungen.

Kbgrlehnt« Schiedsspruch. Die vier Berg­arbeiterverbände haben den Schiedsspruch über die Lohnregelung in den südlichen Rundzechen des Ruhrgebiets abgelehnt.

Schwere Lohnkämpfe in Belgien.

wtb Paris, 10. Sept. (Tel.) Die derPetit parisien" aus Brüssel mitkeilt, haben in Frameries (Borinage) die streikenden Grubenarbeiter In­genieure und Gendarmen angegriffen. Die Strei­kenden befinden sich in äußerstem Elend. Die Gru­benarbeiter des Lütticher Bezirks haben ihnen eine Anleihe von 1 Million gewährt. 3n Brüssel be­müht man sich, eine Formel zu finden, die dem Sonslikk ein Ende fetzt.

Der BurgschreS.

Roman von Felix Neumann.

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Die knochige starke Faust, an der der goldene Ssegel- ring der Bärenhaupts blinkte das einzige Schmuck­stück, das bisher noch nicht verpfändet ward fuhr durch die Haarbüschel über den Ohren. Bei aller Rauheit war Graf Wild ein trefflicher Gatte und Vater zu allen Zeiten gewesen, und wenn nicht der Spiel- und Zechteufel den Burgherrn zuwellen geritten HM-, so daß die Habe in alle Winde flog, dann wäre Frau Ursulas Lebensweg ein ruhiger und ebener gewesen. So aber blickte sie düster in die Zukunft, als sie auf dem Sterbebette den letzten Atemzug tat. Obadias stand auf und ging langsam auf und ab. So tat er immer, wenn er nachdachte oder wichtige Probleme ihn bewegten, und als Wilds Augen dem Alten folgten, muhte der Ritter der Zeilen gedenken, als er noch im Samtkittelchen und kurzen Höschen um­herlief und der junge Stadtfc^eiber ti>m und dem Bru­der Unterricht erteilte. Schon damals ging Obadias, die Hände auf dem Rücken, durch die Kemenate der Baren­burg, während er die itektionen vortrug. Draußen tau­melten Schneeflocken hernieder und in dem gewärtigen Kamin sausten und sangen die dicken Buchenscheite. Ach ja! Das waren Zeiten gewesen. Und waren die Stunden des Lernens vorüber, dann ging es hinunter cm den Rhein, der zugefroren war zu frohem Spiele auf dem Eise. Alte Erinnerungen machen weich, und Wild ge­hörte zu den Naturen, bte ihnen gerne hj-n und wieder Einlaß gewährten.

Obadias blieb stehen.Die Not muß oftmals unsere Wünsche meistern. Schaut um Euch, ob nicht irgendwo entlang dem Rhein ent reiches Edelfräulein gewillt ist, Herrin auf dem Schreckenstein zu werden, um mit Anmut dort neues Glück zu pflanzen. Um her Derstorb'nen

Line Rede Pius XI.

Die Agenzia Stefani meldet aus Rom:

Eine Anzahl von Studenten, die von dem Eucha­ristischen Kongreß in Palermo zurückgekehrt sind, haben im Vatikan dem Heiligen Vater ihre Huldigung dargebracht. Pius XI. dankte und hielt dabei eine Rede, in der er sich gegen diejenigen äußerte, die behaupten, der Papst' solle sich nicht um Politik kümmern. Er führte u. a. aus:

Wenn sich die Politik dem Altar nähert, dann haben Religion, Kirche und Papst nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, den Katholiken Anweisungen und Richtlinien zu geben, deren höchste von dem göttlichen Meister selbst gegeben wurde, als er sagte: Gebet dem Kaiser, was des Kaisers und Gott, was Gottes ist. Nachdem er die Notwendigkeit einer ernsten politischen E r z i e h u ng betont hatte, bekämpfte er die Lehre, nach der irgend ein Zweck der öffentlichen Wohl­fahrt die Verbindung mit dem Bösen rechtfertigen würde. Er meinte, daß diese Verbin­dung, die nur materiell sein könnte, nur durch un­abwendbare Notwendigkeit gerechtfertigt werden könnte, um noch größeren Hebeln zu begegnen. Die Mitarbeit der Katholiken mit den Sozialisten in anderen Ländern sei eine andere Sache, sagte der Papst, erstens gebe es Verschiedenheiten in den Verhältnissen und den historischen Voraussetzungen. Dann gebe es einen wesentlichen Unterschied zwi­schen der Mitarbeit mit einer Partei, die schon im Besitze der Macht ist und der Begünstigung des Aufkommens dieser Partei.

Der Papst bedauerte, daß die Katholiken sich untereinander bekämpfen, daß es solche gebe, die bei einer Partei Mitwirken, die sich als akonfessionell bezeichne.

Deutscher Reich.

* Die Geheimakken des Großadmirals von Ticpih. Von der Cottaschen Verlagsbuchhandlung wird mitgeteilt: Aus Rücksichten verschiedener Art hat Großadmiral von Tirpitz die meisten der in sei­nem Besitz befindlichen Dokumente der Oesfentlick- keit bisher nicht zugänglich machen können und auch in seiner ersten Publikation sich über wesent­liche Vorgänge Schweigen auferlegt. Nunmehr ist ober die Zeit gekommen, in der das deutsche Volk ein Recht darauf hat, die Geheim­akten rückhaltlos zu kennen, aus denen sich das deutsche Schicksal der letzten zwanzig Jahre größtenteils erklärt. Tirpitz hat sich deshalb zur Veröffentlichung ohne Einschränkung entschlossen. Die Publikation des Werkes wird noch im Spät­herbst im Verlage der I. G. Cottaschen Buchhand­lung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, erfolgen.

Kurland.

* Erneuerung der französischen Verwaltung. Das Amtsblatt der französischen Regierung veröffent­licht eine größere Anzahl von Neuernennungen von Verwaltungsbeamten. Die Liste umfaßt 10 Generalsekretäree, 17 Unterpräfetten und 40 Prä­fekturrate. Auch die Neubesetzung von Stellen in der Diplomatie wird neuerdings angekündigt.

* Entgleisung eines polnische« Panzerzuges. Auf der Strecke Grobno-Wrlna ist bei Olkienmki hart an der litauischen Grenze ein mit Militär besetzter pol­nischer Danzerzug entgleist. Awei Soldaten wurden getötet, dreizehn verletzt.

* In Chile ist der bisherige Präsident 21 le ff an­bei zurückgetreten. Was von demRücktritt" zu halten ist, besagt folgende Nachricht: Nach einer Havasmeldung äuS Santiago de Chile hat das Militärkomitee dem bisherigen Präsidenten Alesiandri mitgeteilt, daß, wenn er außer 2an öess gehen wolle, chm von dem neuen Regime dazu die Genehmigung erteilt wird.

willen tut es mir leid, daß ich Euch diesen Ratscksiag ge­ben muß, aber ich staube, die gütige und kluge Frrm wird aus jener anderen unbekannten WM nicht zürnens) dreinschausn, wenn sie meine Worte hört."

Graf Wild riß mißmutig an seinem grauen Bart. Der Vorschlag an sich war nicht einmal schlecht, nur zeigte er nicht die geringste Lust, seine kostbare Freiheit zu oer- kaufen, wenn vielleicht noch irgend ein anderer Ausweg blieb. Er ließ die Bücke in die Runde schweifen. Don den Butzenscheiben waren mehrere aus der Bleifassung gebrochen und durstig überklebt roorben. Die Decke war verrußt und unscheinbar. Der Mörtel an den Wanden zeigte Risie und Sprünge.

Wer folgt mir denn in dieses Moderloch? Und schöner bin ich aud) nicht geworden, seit die Gatten von mir ging. Selbst meine Schwägerin, die doch erst seit Weihnachten hier ist, hält es kaum Ehr aus."

Obadias faltete die Hände über der Brust, fegte das Haupt ein wenig auf die Seite, und sagte so ganz ruhig und eben:Gräfin Sabina, so hörte ich noch jüngst, besitzt doch ein beträchtliches Vermögen?"

Wilds Augen weiteten sich, tte Nase fuhr in die Höhe, als ob sie fragen wollte:Was soll denn bas bedeuten?"

Obadias verzog keine Mene.

Wollt mich bitte nicht mißoerftehen, Herr Graf. Aber sie könnte doch um der Verwandtschaft willen Vorschuß leisten, bis die äußerste Not vorüber ist!"

Wild atmete auf, als ob eine Last von feinen Schul­tern fiele.

Das (Erbgut des Geschlechtes ist festgelegt. Die Treuenburg und alle Liegenschaften bekommt sie nur, wenn sie sich vermähü, sonst fällt die Grafschaft an die andere Linie. Zur Zeit hat sie nur em Legte, das aus­kömmlich, aber nicht zu reichlich ist."

Der Stadtschreiber schrnunzttte.

Die Klausck ist gerissen. Der Ahnherr war gewiß eh rechter Kauz und kannte bte Meschen der Maner.

MIM mb bie Aslelhr.

wtb Paris, 10. Sept. (Tel.) IBic betMalin" zu wissen glaubt, wirb auf amerikanisches Eingrei­fen hin Frankreich grundsätzlich durch Bermitllung seiner Banken an der Zeichnung der 800 Millionen­anleihe teilnehmen und zwar 5 Prozent, also 40 Millionen Eoldmark übernehmen. Es steht noch nicht fest, ob es sich um eine reine Bankakkion han­delt oder ob die Anleihe dem Publikum angebolen roerbett soll. Die Beschlüsse bes Ministerpräsiden­ten und des Finanzminisiers stehen noch bevor.

Rüstung und Zinanznot.

Besprechungen zwischen Herriot und Rollet.

wtb Paris, 10. Sept. (Tel.) Wie bie Mor­genblätter mitteilen, hak Herriot gestern mit Kriegsminister Rollet, verschiedenen 21b- leilungsdirekkoren und dem Generalkommifsar für Krieg, Benazek, bas Budget des Ministeriums durchgesprochen. Es seien dabei bedeutende Strei­chungen an den ursprünglich vorgesehenen Ziffern für das Budget von 1925 vorgenommen worden, ohne daß dadurch einer der wesentlichen Organis­men der nationalen Verteidigung berührt worden sei.

Erdstöße in Armenien.

wtb London, 10. Sept. (Tel.)Daily Tele­graph" meldet aus Konstantinopel, daß am Sonn­tag vormittag im Bezirk von Erzerurn zwei Erd­stöße verspürt wurden. 3n 18 Dörfern wurde ernster Schaden angerichtek. Achtzig Prozent der Häuser sind völlig zerstört, die übrigen unbewohn­bar. ________________________

Der Reichstag.

Nach den vorliegenden Dispositionen wird der Reichstag in der ersten Oktoberwoche zu­sammentreten. Unmittelbar nach der Rückkehr des Kanzlers nach Berlin soll eine Sitzung des Aus­wärtigen Ausschusses stattfinden. Die sozialdemo­kratische Reichstagspartei hat ein Schreiben an den Reichskanzler gerichtet, bas unter Bezugnahme auf bie Zuschrift des sozialdemokratischen Reichstags­abgeordneten Loebe an den Außenminister Strese- mann, von der Reichsregierung sofortige Schritte fordert. Ne bie Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund betreffen.

Soziales.

Bischof nnd KriegSnot.

Bischof Dr. Augustinus Kilian von Limburg er. läßt in der neuesten Ausgabe des bischöflichen Amts­blattes folgende beherzigenswerte Worte:

^ur Zeit werden allenthalben Denkmäler zum Gedächtnis unserer im Weltkriege Gefallenen errichtet, auch rst vor einiger Zeit eine Sammlnng zur Errichtung eines Nationaldenkmals für unsere gefallenen Krieger angeregt worden. Ich habe dagegen nicht das mindeste einzuwenden, begrüße vielmehr jede Ehrung unserer toten Helden. Allein auch der lebenden Krieger muß man gedenken und ihnen Denkmäler setzen, die wertvoller und dauerhafter sind als die von Stein und Erz, und die eine wunderbare Kraft haben, Bitterkeit und Zorn au5 den Seelen zu entfernen und die Menschen der verschiedenen Klassen einander näher zu bringen, mit einander zu versöhnen und in Lrebe mit einander zu vereinigen. Ich meine jene Denk, mäler dankbarer Liebe, die man in den Herzen der Notleidenden errichtet, indem man ihre Not zu lindern sich bemüht. Zn diesem Behufs ordne ich hierdurch eine Kollekte für die bedürftigen Kriegsbeschädigten und Invaliden, sowie die Kriegerwitweu und -Waisen an. Dieselbe soll in allen Ktrchen und Kapellen mit eigenem Gottesdienste am Sonntag, den 16. November, abgehalten werden und in den eingeincn Gemeinden durch die Rektoren der Gottes­häuser verteilt werden."

So ist die Gräfin nur em armes Fräulein, wird aber mit einem Schlage zur reichen Frau!"

Will) nickte.So ist es, doch will es mir beLunken, daß der Gräfin Sabina das Los des armen Fräuleins bleibt. Sie ist über alle Maßen vortrefflich, auch das Aeußere ist nicht übel, dabei pflichttreu, aber aber

Der Graf zog das Wort so lang hin wie die teure Zeit und schmunzelte so eigen.

Die Stimme, die Stemme! Schon mancher Freier, der dte Fühler gleich dem Schneckentier ausstreckte, zog sich scheu in sein Hermgehäuse zurück und nahm von dem Wagnis lieber Abstand."

Obadias hatte so manches gehört, was diese Worte be­stätigte, aber es ging amh soviel Klatsch in Dorf und Burg um, daß man sich daraus allein kein rechtes Bild machen konnte, was so dte Leute redeten. Eine Ehe zwi- schen Sabtim und dem Grafen Wild hätte allem Elend mit Weicher Stunde ein Ende gemacht. Vielleicht bot sich doch später noch einmal Gelegenheit, den Faden, der heute zu reißen drohte, neu einzusadeln. Auch stieg der hohe Mittag herauf und er mußte nach Agathen zurück­kehren, wo wichtige Pflichten feiner harrten.

Eine Frist ist uns gegeben, Graf Wild. Das darf uns aber nicht läsfig machen. Ich werde darüber nach­denken, was geschehen muß, damit uns nicht der Som­mer unvorbereitet über den Hals kommt. 2n einigen Tagen spreche ich wieder vor."

Herzlich trat Graf Wild auf seinen alten Lehrer zu. Er wollte ihm die Hand schütteln und danken, aber er kam nicht dazu. Vom Burghof her tönte ein furchtbarer Lärm, der von einer hellen, scharfen Frauenstimme über­tönt wurde. Gleichzeitig ging dte Tür des Gemaches auf und Murmer stolperte atemlos herein.

Unten da ist--der Teufel einmal wieder

los!'

Er schnaubte und wollte weiter reden, aber da fuhr Witz mit einem Donnerwetter in die Parade, ,

Die Kämpfe in China.

Nach einer Havasmelbung aus Schanghai ist 10 Km. von ber Stabt entfernt eine Scklacht im Gange. Die Truppen Tfekiang scheinen zu weichen. Die Stabt ist ruhig.

Reuter melbet aus Schanghai, baß Tschangtso- lin die Konsulen ber fremden Mächte inMukben amtlich bavon in Kenntnis gesetzt hat, Lujungh- siang unterstützen zu wollen. In ber Stabt und der Provinz Nankingist das Kriegsrecht prokla­miert worden. Die Versicherungsgesellschaften ver­langen von den Mitgliedern der Frem- benkolonie eine monatliche Versiche­rungsprämie von 2 Proz. für Kriegsschäben und haben dabei große Abschlüsse erzielt. Die Trup­pen von Tschiangtsu können auch weiterhin wenig Terrain gewinnen, da bie Truppen von Tschekiang ihre Stellungen fest in Händen halten.

Regengüsse auf dem Schlachtfeld.

wtb Shanghai, 10. Sept. (Tel.) Rach Rach- richken aus Liu-Ho haben die Streitkräfte vov T h e k i a n g alles verlorene Gelände auf diesem Gebiet roiebergeroonnen. Sie haben be­gonnen sich einzugraben. Heftige Regen­güsse machten am Abend dem Kampfe an der Front ein Ende.

Giechenland und Albanien.

Wtb Athen, 10. Sept. (Tel.) Die griechische Re­gierung teilte den alliierten Mächten mit, daß sie mit Rücksicht ans die griechischen Gesetze nicht in dec Lage ist, an Albanien 14 Dörfer des Bezirks Poriha ohne Zustimmung der Rationalverfammlung zu übergeben. Die Rationalversammlung wird inner­halb eines Monats zusammentreten.

Katholische wett.

Große Lnrsendung von Missionaren. Im Mission s- hauS in Stehl fand am 7. September die gewohnte jährliche Abschiedsfeier neuer Missionare statt. ES handelte sich um eine stattliche Schar. 21 M i ssionS« Priester und 27 Miss ionSbrüder empfinden auS der Hand ihres hochwürdigsten Generaloberen P. Wilhelm Gier das Missionskreuz, um mit diesem Zeichen des Heiles und der Kraft geschmückt und von ihm beschützt in die überseeischen Arbeitsgebiete derGesellschaft deS Göttlichen Wortes" hinauszuziehen. In Nord, amerika werden sich ihnen noch 3 MisfionSpriester und 1 MissionSbruder zngesellen, so daß im ganzen 24 Priester und 28 Brüder, zusammen 52 Missionare dieses Jahr die Ausreise antreten. Der größte Teil ist für Öftesten bestimmt, nämlich 23 Priester und 17 Brüder, die in China, Japan, Niederländisch Indien, Neuguinea und auf den Philippinen ihr Arbeitsfeld und ihre neue Heimat finden werden. Die Übrigen Brüder reifen nach Brasilien und Argentinien, 1 Pater nach Nordamerika. Ein solcher Abschied zahlreicher Glaubensboten gehört zu den cindruckvollsten Erlebnissen, die man haben kann.. Man fühlt sich wirklich in die Atmospäre der größten religiösen Ideale versetzt, erkennt wie kaum je zuvor die Herrlichkeit und die Kraft des christlichen Idealis­mus, der auch heute noch wie vor 1900 Jahren auf dem Himmelsfahrlberge bei Jerusalem unwiderstehlich Jüng« lingSseelen durch das Herrenwort:Gehet hin, lehret alle Völker!" mit unsterblichem katholischen Apostelgeist erfüllt. Mit Einschluß der diesjährigen Missionare hat die S t e h l e r M i s s i o n S g e s e l l s ch a f t seit dem Kriegs­ende im ganzen 192 Miffionspriester und 88 MissionS. brüder in die fernen Missionen hinausgesandt. Den Katholiken deutscher Zunge wird das eine frohe Nach­richt sein. Erkennen sie doch an diesen Zahlen, daß ihre lieben Missionen wieder mächtig aufblühen. Die vielen Freunde deS Stehler Missionswerkes aber werden um so freudiger und eifriger an diesem Werke Mit­arbeiten, je klarer sie erkennen, daß es sich lohnt, daß diese Mitarbeit wirklich schöne Früchte trägt. Um solche Scharen von Glaubensboten aussenden zu können, ist allerdings eine wirksame Hilfe aus allen katholischen Kreisen nötig. Möge sie dem rührigen Stehler Missions­werk recht reichlich zuteil werden! (Missionsprokur in Stehl, Post Kaldenkirchen, RI., Postscheckkonto Köln Nr. 39616).

Warum schafft Ihr denn als Burgvogt nicht Ruhe, soll ich mich denn zum Kuckuck um jeden Quark kümmern?"

Aber der Vertraute so manchen kühnen Rittes, so mancher durchzechten Nacht, der Mann, der in Trinker. Übermut in den Bärenzwinger gestiegen und die Bestien mit den Fausthandschuhen in die Flucht getrieben hatte streckte nur abwehrend die Arme aus.

Ich fürchte nicht den Satan um die Diitternachts­stunde, und wenn Ihr es verlangt, tanze ich mit dem Burggespenst einen neckischen Reigen, doch in den Streft da unten mische ich mich nicht em, und wenn Ihr mich gar aus dem Dienste jagt--."

Inzwischen war der Tumult näher gekommen. Jetzt flog bie Tür auf und Gräfin Sabina erschien im Rahmen und schleppte einen heulenden Troßbuben am Ohr hinter sich her. Anne Susanne und das Burggesinde folgten ihr, blieben aber geduckt draußen, als bas Mädchen die Tür eilends schloß. Obadias war in den Hintergrund getreten, denn er fühlte, daß er in diesem Augenblick überflüssig war.

Graf Wilds Gesicht war plötzlich von einem süßsauer- lichen Lächeln verklärt, als ob er sagen wollte:Na na, warum solch Aufhebens von einer Sache, die es doch augenscheinlich nicht wert ist."

Mt kleinen Schritten ging er der Schwägerin ent­gegen, die im Antlitz hochrot vor Zorn und ehrlicher Ent­rüstung war. Neben der Tür verharrte Murrnar, der allgewaltige Burgvogt in vorsichtig abwartender Haltung und 2bme Susanne stand halb gedeckt hinter dessen brei­tem Rücken. In dem Lausbubenanüitz des Trotzjungen rangen Tränen und Grinsen um dis Vorherrschaft, dazu wimmerte der Bengel, daß es einen Stein erbarmen konnte. Es war ein hochdrmriatischer Augenblick, als der Sünder nun an Sabinas Händchen vor dem gestrengen Burgherrn stand.

Gortfetzung folgt.)