Einzelbild herunterladen
 

Fuld aerZertung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 2t).

Verantwortlich für die Schrittleikmg Dr. Johannes Kramer. Anzeigen: I. Barretter, Fnkda. Rotationsdruck und Vertag der S Fuldaer Aetikndrnckersi tu Jnlda. Fernsprecher Rr- 8. n Monatlicher BernaSvreiS: 1.60 Mk.

■*—rtrwTTrwwiTim iim >

Mittwoch, 10. September 1924*

Sn lein en« Steife: Kleinrelle (Colonel) lokal 0,15 Goldmark, auswärts 0,20 Goldmark: Reklame,eile lokal 0,60. Goldmart a auswärts 0,80 Soldmark.

Bei Mederbolnngen Rabatt- Bofticheckkonto Frankfurt a. M- 4051.

51. Zahrg.

Vie Senser Probleme.

Die Beratung in der Abrüstungskommission der Dölkerbundsversammlung zeigte am Montag be­reits deutlich die Tendenz zahlreicher Delegierter, den von den Engländern als erledigt betrachteten alten Garantiepaktentwurf trotz der durch die Re­solution Herriot-Macdonald geschaffene Lage, in den wesentlichen Grundzügen beizubehalten. Diese Absicht entspricht auf jeden Fall den Richtlinien, mit denen die s r a n z ö f i s ch e Delegation an die wich­tigen Arbeiten dieser Kommission herantritt. Die Auffassung der französischen Delegation, der die Kleine Entente sich anschließt, geht dahin, daß die Kommission die Kontinuität mit den Arbeiten der letzten und vorletzten Völkerbundsversammlung aufrechterhält. Der Garantiepakt sei von der Mehrheit der Staaten nicht abgelehnt worden. Er behandelt auch nach den Reden Herriots und Mac­donalds die Grundlage des Sicherheitssystems, das die Versammlung ausarbeiten soll. Er müsie selbst­verständlich infolge des neuartigen Gedankens des Schiedsverfahren abgeändert werden. Aber gerade dieses Scksiedsverfahren werde es andererseits ge­statten, vielen bisher erhobenen Einwänden gegen den Pakt die Spitze abzubrechen und dadurch das System des Garantiepaktes beizubehalten. Denn das Schiedsverfahrm wirke nur mehr in dem Maße, in dem es mit den Garantien verknüpft sei. Das Schiedsverfahren und die Garantien bedeu­teten ein unlösliches Ganzes, wie auch die Ab­rüstung nur in enger Verknüpfung mit den an- deren beiden Forderungen denkbar ist. Die wesent­lichen Aenderungen des alten Garantiepaktprojektes würden dann darin liegen, daß anstatt des Völker­bundsrates eine r i ch t e r l i ch e E n t s ch e i d u n g Len angreksenden Staat feststellen soll."

An anderen wesentlichen Bestimmungen des allen Garanttepaktentwurfes scheinen die französi­schen Kreise dagegen sestzuhalten, so vor allem an Sonderabkommen, die man als von den alten Vorkriegsbündniffen gänzlich verschieden be­zeichnet. Wenn man demgegenüber feststellt, daß der englische Vertreter Lord P a r m o o r das alte Garanüepaktprojekt als völlig erledigt bezeichnete, während es für die Franzosen weiter eine wichtige Grundlage bildet, daß nach den heutigen Erfahrun­gen Schanzer und die italienische Delegatton in der Frage des Sondcrabkommens dem englischen Standpunkt, in der Frage der Sanküonen, die den Schiedsspruch erst möglich machen, dagegen die französische Auffaffung vertritt, begreift man, mit welchen Schwierigkeiten noch zu rechnen ist und daß die etwaige Lösung noch einen viel kompromißartigen Charakter tragen dürste als dis Resolution vom letzten Samstag. Dabei muß da­mit gerechnet werden, daß die amerikanische Gruppe des Generals Büß und Herrn Shotwell, deren Sicherheitspaktprojekt zuerst den Schiedsge­danken einführte, auch eine starke Rolle spielen wird. Denn während die allgemeine Aufmerksam­keit in Genf den öffentlichen Debatten über die Sicherheits- und Abrüstungsfrage gilt, arbeitet un­ter dem strengsten Ausschluß der Des­sen tl ich k e i t die ständige beratende Militär- kymmission des Völkerbundes an einem dem Völkerbundsrat vorzulegenden Projekt für die praktische Durchführung der milltärischen Unter­suchung durch den Völkerbund in den besiegten Ländern. Diese Arbeiten erstrecken sich gegen­wärtig nicht nur auf die ursprünglich allein aufge­worfene Frage der milllärischen Kontrolle in Bul­garien, Ungarn, Oesterreich, sondern auch ganz for­mell aus die militärische Kontrolle in Deutsch- l-and.

Dabei geht der Plan der Sachverständigen auf ein dauerndes Untersuchungsrecht des Völkerbundes in Deutschland hin, das sofort nach Beendigung der Arbeiten der interalliierten Militärkontroll- kommifsion einsetzen soll, wobei dem Völkerbund auch besondere, ebenfalls dauernde Kompetenzen bei der Kontrolle der entmilitarisierten Zone über­wiesen werden. Wie man in der Frage der Mili-

Der BurgfchreS.

Roman von Felix Neumann. ,

61 -----------

„Mosch Deigelstamm, habt Ihr daheim in Agothcn ein Weib und Kinder, die Euch herzlich zugetan sind?" Der Handelsmann sah erftcmmt auf. Was sollte Kefe merkwürdige Frage in einem Auigenbllck, wo sie ganz cus dem Zusammenhang zu fallen schien. Aber Mosch lieh sich nicht aus der Fassung bringen.

„Drei Söhne und ein Weib, vieledles Fraulein, war­ten daheim des Vaters und Gatten. Wie gütig, mich, den armen Handelsmann, freundlich nach meinen Lieben zu fragen."

Anne Susanne trat einige Schritte vor und blickte Mosch mit ihren großen hellen Lagen an.

„So saget mir, Mosch, wie würde Euch zumute sein, wenn man diese, an denen Eine Seele hängt, hinaus­triebe aus dem Hause, das chnen bisher Schutz und Ob­dach bot. Wenn man sie mittellos in die Fremde schickte, wckl hartherzige Gläubiger ihnen das Dach über dem Haupte nahmen?"

Mosch kluge Augen wichen dem fragenden, traurigen Blick des Grafenkindes nicht aus. Wenn er auch zur Stunde als mahnaiÄer Warner vor Wild stand, so brauchte er kein böses Gewissen zu haben. Langsam senkte er das Haupt, fuhr mS der Hand durch den Bart vttd dachte einen Augenblick nach. Dann reichte er, wie von einem plötzlichen Entschlüsse gepackt, die Rolle mit den Schuldzahlen seinem Bersterter.

habt wohlgeian, Dieledle, mich daran zu erin­nern, wo ein jeder Mensch ein eignes, tiefes Mitenipfin- den besitzt. Es sind harte ZeÄon, besonders für mein voll, uni) wenn uns das Schicksal teiti und stößt und

1

Verhandlungen über die Anleihe.

wtb. Paris, 9. Sept. (Sei.) Wie das ,Petit Journal' aus Rew-Uork berichtet, finde« zur Vorbereitung der deutschen Anleihen in der Zeit vom 15. bis 20. September in London wichtige Besprechungen statt, an denen vor allem der amerikanische Bankier Morgan, sein Teilhaber Lamont und der Direktor der Bank von England, Norman, tvilnehmeu.

Intervention in China?

wtb London, 9. Sept. (Tel.) Der Berichl- erstailer des „Daily Telegraph" erfährt, daß zwi­schen London und Washington unter Benutzung der diplomatischen Kanäle ein vorläufiger Meinungs- auslausch über die Frage einer gemeinsamen A k - kion der Mächte zur Wiederherstellung des Friedens und der Ordnung in China im Gang fet Die Initiative zu diesem Schrill sei nachdrücklich von amerikanischer Seite gekommen, da die britische Regierung durch die Genfer Verhandlungen voll­kommen mit der europäischen Lage beschäftigt sei. Es heißt, daß die gegenwärtige Lage in China die Aufmerksamkeit des Foreign Office und des Pre­mierministers selbst gefunden habe.

lich, als gerade diejenigen die Führung beanspru­chen, die auch in dem entscheidenden Augenblick trotz allem gegen die Londoner Abmachungen, also auch gegen die Gesamtpolitik der Regierung gestimmt haben. Und noch grotesker wird die An­gelegenheit dadurch, daß selbst die 48 Jasager die­ses Ja nur bei dem Eisenbahngesetz ausgesprochen haben, daß aber auch sie gegen alle sonstigen Gesetze und gegen alle sonstigen Londoner Vereinbarungen gestimmt haben.

Wir haben gewiß kein Jnkeresie daran, den Gährungsprozeß, in dem sich die Deutschnationalen gegenwärttg befinden, irgendwie zu stören oder zu beeinflusien. Aber wir müssen doch klar und deut­lich die Linie der Polittk für die nächste Zeit aufzei­gen. Eine Partei, die halb so und halb so sich ein­stellt, deren eine Hälfte das bekämpft, was die an­dere für notwendig hält, gibt keine Gewähr für eine ersprießliche und stettge Politik. Eine solche Partei hat aber auch keinen Anspruch an Regie- rungs b e t e i l i g u n g, am allerwenigsten auf Re- gierungs f ü h r u n g. Es ist ganz zutreffend, was ein völkisches Blatt den Deutschnationalen vor­rechnete, daß die Jasager und die Neinsager sich gegenfeittg aufheben, daß dann nur doch sechs Deutschnationalen übrig blieben, von denen drei erkrankt waren, und für die übrig bleibenden drei, die sich überhaupt nicht entschieden haben, verlan­gen die Deutschnationalen nicht weniger als vier Ministersessel, darunter auchnochdenReichs- kanzlerposten.

Die Deutschnationaken werden ihre Macht- ansprüche schon noch etwas revidieren müssen.

Die amerikanischen Wellflieger am Ziel.

wtb London, 9. Sept. (Tel.) Die amerika­nischen Weltflieger erschienen, wie ergänzend gemel­det wird, kurz nach 3 Uhr über Newyork und landeten nach einem Rundflug über die Stadt auf dem Mitchellfeld auf Lang Island. Diele Tausende Zuschauer, darunter der Prinz von Wales, bereiteten ihnen einen begeisterten Empfang. Die von den Fliegern zurückgelegte Strecke beträgt nahezu 37000 Meilen.

Schiedsspruch im Bergbau.

wtb Essen, 9. Sept. (Tel.) 3n einem an den Vorsitzenden des Schlichtungskammer, Unterstaats- sekretär Mehlig, gerichteten Schreiben teilt der Ze- chenverband mit, daß er dem am 2. September gefällten Schiedsspruch über die Lohnregelung auf den südlichen Randzechen trotz schwerwiegender Be­denken zuzustimmen flch entschlossen habe. Der Zechenverband könne aber die durch den Schieds­spruch geschaffene Regelung nur als vorläufige be­trachten.

quält, so kann es kommen, daß man auch einmal um ich beijft, wie ein Hund, der durch schlechte Behandlung iörrisch würbe.“

»Doch rocrm im flüchtigen Vorüberfchresten uns ein­mal eine milde Hand voll Mitleid streichelt, dann kehrt man doch zum wahren Ursprung zurück."

Er trat mit einem schnellen Schritt vor Wild.

„Ich gebe Frist bis zum JohanniÄag und will mich trotz aller Lasten gedulden. Dann aber ist ein weiterer Aufschub unmöglich, da ich selbst des Geldes bedarf. Für heute weich ich aus dem Bann der Burg.

Er verneigte sich vor dem Grafen und lächelte fo eigen.

„Nicht, weil ich Euren Eisenhandschuh fürchte, nein, weil ein freundliches Wort mir, dem Bielgefchmähten, des Rechtes Waffe aus den Hänbtn wand. A f Wieder­sehen denn, zu besseren Zeiten.“

Jeder der Anwesenden erhiell eine Semeigung, Anne Susanne sogar deren zwei, der Rechtsgelehrte oollführts mißgestimmt wieder ferne Schildkrötenbewetzungen, die als Verbeugungen gelten sollten, und die beiden Männer verließen das Gemach. Mnrrner stopfte breitbeinig bin- ter ihmm her. Gleich darauf kreischte die Zugbrücke, der Feind, der die Burg bedrohte, war abgeschlagen.

Graf Wild wischte sich bte heiße Stirn. Er blickte wieder in den leeren Hmnpen, denn gerade setzt, nach solcher Schlacht hatte chm ein Tropfen gut getan. Aber der Krug war trocken rote seine Kehle. Er seufzte irrti blickte Obadias an. „Den Ansturm hätten wir also zu- rückgewiesenl"

Der Alte ergriff Susannes Hand. „Ja — tmb eine zarte Frau hat es vollbracht- Doch hebt das die Be- lagerung nicht auf. Und wenn wir nicht rechtzeitig Sorge tragen, so füllt doch eines Tages die stolze Burg." ' ä

„Pahl“ Graf Bären Haupt atmete tief auf. „Dazu wird es nicht kommen."

Und gerade wollte Wild fein Töchterchen kn die Arme i schließen, um ihm für den unschätzbaren Dienst zu danken, den es geleistet, als von draußen her eine gellende Frauenstimme erscholl. „An—ne, Su—san—ne!"

3hm schallte es dicht unter den Fenstern: „Wo ist ! der Schlüflel zu dem Hühnerstall?"

Wild zog die Nase kraus und Anne Susanne fuhr erschreckt empor.

„Ach Gott — ich hab das Federvieh vergessen. Die I Muhme ruft, das wird ein schöner Spaß."

Ohne sich auch nur Zett zum Abschiednehw-en zu las- I fern, eilte sie hinaus.

Wild kratzte sich den Kopf, wahrend Obadias fragte: I „SBar das Gräfin Sabina, die gerufen hatte?"

Der Burgherr faltete die Hände über dem Magen, I blickte den Schreiber von unten her an und meinte: | „3a — ja, sie pflegt sich ungern zweimal zu bemühen, und — Widerspruch kann sie schon gar nicht vertragen — er räusperte sich einige Male, „doch tüchtig, tüchtig ist sie, I das muß man chr lasten.“

Obadias, als kluger Mann, prüfte die wohlgepfleglen I Nägel seiner Hände.

„So dürst Ihr es als einen Glücksfall preisen, daß sie die Leitung des Hauses übernahm?"

Wild spitzte die Lippen und wiegte das Haupt.

„Ein Elücksfall? Hm! — Na — ja! Ihr habt nicht Unrecht, Nennen wir es also einen Glücksfall. Nur die Stimme, die könnte etwas milder fein, aber schließlich gibt es ja keinen Menschen ohne Mängel."

Die Herren nahmen Platz. Obadias wußte, daß irgend etwas so schnell rote möglich unternommen werden wüste, I um weiteres Unheil zu verhüten. 3n seiner ruhigen.

Deutscher Reich.

* Der Fall Dinker. Gegen den thüringischen Abg. Dinier (völkisch), der beim Nationalsozialisten- tag in Weimar die Reichsregierung beschimpft und zu Gewalttättgkeiten gegen sie aufgefordert hat, ist das Strafverfahren eingeleitet. Dinter hat sich in ein Sanatorium begeben. Diese Leute gehen immer z u s p ä t an die richtige Stelle.

Die deutfchnationalen Regierungs­ansprüche.

Man schreibt uns von einer besonderen politi­schen Sette:

Unsere Politik, die Zentrumspolitik hat das Werk von London vollbracht. „Erfüllungs“» Polittk war für uns immer „Befreiungs“-Politik. Es könnte uns heute eine ganz eigenartige Ge­nugtuung bereiten, daß gerade aus den Kreisen, die damals, vielfalls bewußt und absichtlich den Begriff der „Erfüllungs“-Politik diskreditierten und uns deshalb mit den schärfsten Angriffen be­dachten, nunmehr selber die begeistertsten Lobred­ner auf diese gleiche Politik erwachsen. Wir brau­chen ja nur zu erinnern an den deutschnationalen württembergischen Staatspräsidenten Bazi Ue, der dieser Tage sagte:

„Jetzt zum ersten Mal nach zehn Jahren zeigt sich durch Annahme des Londoner Abkommens d i e M 3 g bi ch» leit zu einer Wendung. .... Das Gefühl der nationalen Ehre mutzte überwunden werden. . . . Der Staatsmann hat eine ganz andere Aufgabe als der Offizier. . . . Uns beseelt eine leise Ahnung, daß ine entwürdigende Sklaverei bald weichen werde."

Und all die -fö deutschnationalen Jasager be­gründen nut den gleichen Argumenten, mit'denen wir seit langem auf das Heftigste und oft in einer geradezu niederschmetternd gehässigen Form, be­kämpft wurden, ihre jetzige Stelkungnahme

Wir begrüßen diesen Fortschritt, weil er vor aller Wett eine Rechtfertigung unserer Befteiungs- politik für Land und Volk bedeutet. Und wir wür­den es begründet haben, wenn die Einsicht der Hälfte der Deutschnationalen sich auch auf die an« bere Hälfte übertragen hätte. Nun aber kommen die Deutschnationalen — und die lautesten Schreier sind diejenigen, die nein gesagt haben, — und pochen an die Regierungspforte, pochen am laute­sten sogar an die Reichskanzlertür. Aber da muffen wir doch sagen: so haben wir nicht gewettet. Selbstverständlich würden wir es freubig als einen Fortschritt in der politischen Entwicklung empfun­den haben, wenn die ganze deutschnattonale Reichs- tagsfraktton eine entschlossene Umkehr in ihrer bisherigen, den staatspolitischen Interessen unseres Landes und Volkes vielfach so abträglichen Stellung vollzogen hätten. Es geht aber nicht an, daß die Hälfte der deutschnationalen Partei, und auch diese nur mit einem Fuß, auf dem Boden unserer Politik steht und die andere Hälfte von j außen her dieses selbe Fundament wieder zu unter­graben sucht. Hier muß eine klare und deutliche ! Entscheidung getroffen werden. Daß nur die eine I Hälfte der deutschnationalen Partei zur Ueber- nahme der Verantwortlichkeit sich auffchwingen tonnte, rechtfertigt noch nicht, daß nun die ganze Fraktion unmittelbar an den Regierungsgeschäften beteiligt wird. Das wäre umso weniger verständ­

bedächügen Weise sprach er auf Wild ein, der, bas Haupt in die Hemd gestützt, mit umroölkter Stirne zuhörte.

„Es ist ja nicht nur um Euretwillen, Graf Baren. Haupt, wenn Ihr die Leidenschaft auf Reisen sendet und I nun die Klugheit zu Gaste bittet. Gill es doch auch, I von Eurem liebreizenden Töchterchen eine schwere und । sorgenvolle Zukunft abzuwenden. Ein Grafenkind in der Verbannung gleicht einem Vögelchen, dem man die Schwingen stutzte."

Ein tiefer Seufzer klang durchs Gemach. Wild siebte fein Kind über alles, und Obadias tat gut daran, dem jähzornigen Haudegen grabe das Schicksal des Mädchens vor Augen zu führen.

„Und wenn ich Taglöhner werden sollt, Obadias, imb könnte ihr dafür ein neues Glück bescheren, bei meiner Vaterliebe —ich tät's!“

Der Stadtfchveiber neigte sich wett über den Tisch

„Mtz solchem Opfer ist nichts getan. Wenn Ihr hinab- steigt, reißt Ihr das Kind mit. Fest müßt Ihr bleib n und dem bösen Sturme ttotzen. Das ist die ernste For­derung dieser Stunde."

Er pochte ein wenig mit dem Finger auf den Tisch, so daß Wild aufblickte.

„Ich wüßte noch einen guten und gangbaren Weg. den vor Euch schon mancher andere gegangen, und der auch Euch zmn Ziele führen tarnt, ich meine den —> zum Traualtar!“

Der Graf stemmte die Arme gegen Re TSchxtvre und schob sich mtt dem Stuhl zurÄ». Dabti estr über fein Gesicht, als ob man ihm Estjg m ■trikhhn geschüttet hätte. "

»24 bin zum richtigen Wekberstmü» gw**» und wenn ich denke, daß an der Toten Vlatz eine cmd»-> o-s Herrin walten sollte, so ist mir der Gedanke ein Greuel“

(Fortsetzung folgt.)

Die tage Oberschlesiens.

Dem „Lokal-Anzeiger" zufolge veranstalteten die Vereinigten Verbände heimattteuer Oberschlesier ein Fahnenweihfest der Ortsgruppe Osten Berlin, bei dem n. a. der Oberpräsid ent von Ober- schlesien, Dr. Proske, zugegen war. Es wurde eine Entschließung gefaßt, in der erneut darauf hin­gewiesen wird, daß die Zustände in P o l n i s ch-Ober« fchlefien durch die unsinnige Grenzziehung immer unhaltbarer und die Leiden der Oberschlesischen Bevölkerung von Tag zu Tag größer werden, und verlangt wird, daß Polnisch-Oberschlesien Deutsch» land wieder angegliedert werde.

I tärkontrolle in den besiegten Ländern erfährt, be­steht die Absicht, die Behandlung dieser Angelegen­heit vor dem Völkerbund zu vermeiden, und ge­gebenenfalls erst nach dem Auseinandergehen der Versammlung mit dem Ergebnis an He L^fentllch- keit zu kommen. *

Der Genfer Berichterstatter des „Manchester Guardian“ spricht die Besorgnis aus, daß die in Genf zurückbleibende britische Delegation der französischen nicht gewachsen sein wird, von der sie sowohl durch Geschicklichkeit in der Debatte als auch durch Erfahrung weit über­troffen wird. Der Berichterstatter weist weiter auf den Wortlaut des dem Dritten Komitee erteilten Aufttags hin, die in der Völkerbundssatzung ent­haltenen Verpflichtungen im Zusammenhang mit den Garantien der Sichecheit zu prüfen, die die Zustimmung Mm Schiedsspruch und zur Herab- setzung der Rüstungen erforderlich machen, und fragt, ob damit Großbritannien nicht indirekt den Grundsatz einer Garantie milltärischen Beistandes anerkcmnt habe.

Gewerkschaftliches.

— Internationaler vuchbrnKerkongretz. In Ham- bürg wurde der Neunte ^internationale Buchdrucker- kongreß eröffnet. Es waren dreißig Vertreter aus Deutschland, Belgien, Dänemark, Frankreich. Holland, Island, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, Norwegen, Oesterreich, Polen, Rumänien, Schweden, der Schweiz, der Tschechoslowakei und Ungarn erschienen. Englischer, feit? war die Beschickung des Kongresses abgelehnt worden, weil die Verschmelzung der Internationalen Sekretariate nicht auf die Tagesordnung gesetzt worden war. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung ist ein. stimmrg eine Entschließung angenommen worden, In der der Kongreß erklärt, daß er in Hebereinftimmung mit der übrigen organisierten Arbeiterschaft und namens der Kultur und der Menschlichkeit gegen die Bestrebungen, bie auf den Krieg abzielen, auf das entschiedenste pro. testieren und diese Stellungnahme mit dem Rufe zum Ausdruck bringe „Nie wieoer Krieg». Aus dem Bericht der Sekretariatskommisfion für 1921—1923 geht bertror, daß die amerikanischen Organisationen ihren Be,tritt solange ablehnen, wie der amerikanische Ge­werkschaftsbund der Amsterdamer Internationale noch nicht angeschloffen ist. Von dem russischen Verband ist wiederum ein schriftliches Aufnahmegesuch einge­gangen.

WTB. verbreitet folgende Meldung:

Zu den widersprechenden Meldungen über die Notifizierung der Erklärung der ReichsregierunginderKriegsschuld- frage erfahren wir folgendes:

In der Kundgebung vom 29. August ds. Js. ist angekündigt worden, daß die „Reichsregierung Anlaß nehmen werde, die Erklärung in der Kriegs­schuldfrage den fremden Regierungen zur Kennt­nis zu bringen“. Da es sowohl aus technischen wie aus diplomatischen Gründen nicht mög­lich war, diese Notifizierung Mchzeitig mit der Abgabe der Erklärung vorzunehmen, mußte der hierfür geeignet erscheinende Zeitpunkt z u n ä ch st noch vorbehalten bleiben. In der Zwi­schenzett sind an dje Reichsregierung eine Reihe von Wünschen und Anregungen, insbesondere aus wirtschaftlichen Kreisen, hinsichtlich Form und Zeit der llebermittlung herangetragen worden. Das Reichskabinett wird anfangs der näch­sten Woche nach Rückkehr des Reichskanzlers und des Außenministers, zu einer Sitzung zusam­mentreten, nm sich über Form und Zeitpunkt der Notifizierung schlüssig zu werden.