zuldaer Zeitung
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Das ist eine große und unselige Verirrung, #>enn man die Kirche, die Gott selber gegründet hat, verhindern will, ihren Einfluß auf das Leben geltend zu machen, besonders auf den Unterricht der Jugend und auf die häusliche AesÄlschaft. Ein Volk, dem man die Religion genommen, wird nimmer sittlich erstarken.
Leo XIII.
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6in neuentdeckter Bau
vdn Johannes vientzenhoser.
Dr.-Jng. Fre'ckmann.
Daß der Erbauer des Fuldaer Domes, Johannes öientzerchofer, außer diesem seinem Hauptwerke noch ^rfdMene Bauten im Lande errichtete, wozu er regcl- näßig um Urlaub einkommen mußte, kann man in dem bekannten Buche Weigmanns „Eine Bamberger Bau- vieistersnmilie" Nachlesen, sofern mau nicht an Ort und Stelle stilkritische Untersuchungen anstellm will. Auch Schmerber benennt in seinen „Beiträgen zur Geschichte der Dimtzenhofer, eine Reihe von weiteren Werken tzes fürtzäbilichen Bamneifters.
Aber cm das Schloß in Kifsingen haben beide nicht Schacht. Nun veröffemiicht Prof Dr. Karl Loh- meyer-Hidelberg, der sich s. Zt. besonders bekannt gemacht btt durch die Auffindung der Pläne zur Fuldaer Orangerir — vgl. seine ausgezeichnete Monographie über Stengel - in der Kissinger „Saalezeitung" einen Aufsatz, in dm er den aktenmäßigen Nachweis führt, daß das Freitzrrl. Lochner-Heußleinsche Schloß in Bad Kis- singen eine Schöpfung unseres Johannes Mentzenhofer ist. D>er erste Kontrakt zwischen Bauherrn und Architekten stamnj von 1707, also aus einer Zeit, da Dientzen- hofer in ^llda noch mit dem Domba« beschäftigt war. Der Plan pm Schlosse erfuhr eine Erweiterung im verlaufe der Hauzeit, und der Bau selbst scheint nur sehr langsam vWpätts gekommen zu fei®. Dazu traten Streitigkeiten, bte in einer Beschwerde von 1710 Ausdruck finden. Bei Bauherr Heinrich Christoph Heuslein^von EitzenheimH Herr uff Kissingen, Münnerstadt und Sachsendorfs pp. schreibt an den Kurfürsten Lothar Franz von MamA mit dessen bauverständigem Siaatsminister Philipp CWstoph von Etthal er verwandt war, daß der Architekt „rmder alle Billigkeit, wider Contract-Treue und -Glaub« ... zu seiner selbsteigenen Dishoneur das werckh impafecter daftehsn" lasse, daß er schlecht gebaut und sich mitsamt seinen Polleren nicht gerade als zuverlässig erwiesen habe. Der Streit wird jedoch beigelegt und am 4. November 1710 em neuer Kontrakt mit dem Baumeister »geschlossen.
Bemerkenivert ist hier vor allem der neue Beitrag zur Charaklechik Dientzenhofers, dessen Md unter dem Einflüsse seist« früheren Biographen und vielleicht auch des Romans von Josephine Grau ziemlich idealisierte Züge cmgenomnen hatte, wenngleich ein gewifler Mangel an geschasUcher Tüchtigkeit namentlich in Geldsachen überall gerügt wird. Nehmen wir zu seinen Gunsten an, er habe den Ntdaer Dombau bis 1710 mit solcher Hingabe gefördert, haß ihm für kleinere und entfernt liegende Aufgaben nicht genügend Zeit und Muße zur Verfügung stand. Der ne« Akkord in Kissingen von Ende 1710 erklärt sich baren Pxmglos mit seiner bevorstehenden Ueder- kiedelung nach Lemberg. Fertig geworden ist das Schloß erst nach 1718.
Wir können zu Lohmeyers Feststellungen nur hinzufügen, daß die Lbereinstimmungen der Archstekturgüeder am Kissinger und Fuldaer Schloß — besonders an den FensterumrahmlMsen — so offensichtlich sind, daß man hen Kkffmger Bm ohne weiteres zum mindesten der Dientzenhoferfchule zugewiesen haben würde. Jedenfalls harf man es freuifig begrüßen, daß wir hier in diesem wenn auch einfachen Bau nunmehr ein Originalwerk Dientzenhofers zu sehen haben, nachdem ihm die Forschung in den letzim Jahren bei so vielen späteren Bauten nur eine ganz untergeordnete Rolle zuschreiten mußte. Es ging ihm ähnlich wie Balthasar Neumann, dem auch eine Zacke nach der anderen aus der Krone gebrochen wurde, besonders in der Frage der Urheberschaft des fCntwurfes zur Würzburger Residenz. Es ist ja nur zu leicht erklärlich, daß auch bei den früheren Bauten der Schönborns, so namentlich Pommersfelden, verschiedene Künstler zu Rate gezogen wurden und daß erst aus der Zusammenarbeit vieler in langen Jahren das erwuchs, was heute auf den ersten Blick wie aus einem Guß geschaffen erscheint. Immerhin ist die Tätigkeit des Fuldaer Dombaumeisters toi Pommersfelden ebenso sicher nachweisbar inte später im Bamberger Privatbau (Bötling erhaus und Konkordia) und endlich am Schlöffe Kleinheubach, der bekannten Residenz des Fürsten Löwenstein.
Der Burgschreck.
Roman von Felix Neumann.
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Murrner wiegte sich lachend in den Hüsten. Das war der Ton, der ihm gefiel. Er wußte, wieviel Zorn und Zank, Lärm und heimliche Tranen seines Lieblings Anne Susanne an den Besuchen des Handelsmannes klebten. Wenn nicht der dreimal verfluchte Gottesfriede wäre, bann hätte er Mosch schon lange auf seine Art heim- gcfcksickt, daß der üble Mahner das Wiederkommen ver- gaß — aber — so, wie die Dinge einmal lagen, hieß es sich an den Befehl des Herrn galten. Jedoch, was gestern nicht möglich war, konnte am Ende heute geschehen. Die Well war rund und drehte sich vielleicht, daß Graf Wild doch ein Einsehen hatte. '
So fragte er denn, während die Augen blitzten: „Darf ich das edle Paar mit einem TM beehren?"
lieber des Ritters Antlitz flog ein Zug des Kummers. Er wandte sich ab und hob den Krug auf, der in der Ecke lag, um feine Bewegung zu meistern, und feine Lippen murmelten: „Da hat man mm in Saus und Braus gelebt und muß fein Kind in Dürftigkeit und Armut fetten!“
„Was brummeltest du eben?“ Anne Susanne sprang hem SBöter nach und ergriff den Humpen.
Der Graf aber wehrte verlegen und mürrisch ab.
„Ich schilt nur auf die Troßbuben--"
Gerade in diesem Augenblick hörte man Lärm vom Hofe her. Gleich darauf trat der Burgvogt Murrner ein und verneigte sich steifbeinig unb kurz vor seinem Herrn. Er sah aus wie der Isegrimen in der Fabel. Und wenn >r nich einst mit der kleinen Anne Susanne im Rasen Ringelreihn gespielt und dazu mit heiserer Stimme Kinderlieder gesungen hätte, daß Eichhörnchen und Buch- fmken aufgeschreckt das Weste suchten, dann wäre der Vergleich mit dem Märchnriesen «n Walde, der die Menschen verspeiste, wohl angebrach gewesen. Ein grauer Bart hing dem Allen bis auf die Brust. Das Haupthaar war kurz geschren und die Borsten stachen wie der Panzer eines Igels in hie Lust. Die großen roten Fäuste htzeusi »«SM um bä Wauerquatzern Würfel zu
Zur Unterhaltung.
Kaspar David Friedlich.
(Zu seinem 150. Geburtstage. 5. Sept. 1924.) Don A. R. S.
Die deutsch Malerei der Romantik hat viel mehr geleistet, als bis in die jüngste Zett hinein dem Kunstliebhaber und Kunstintsresssnten bekannt war. Es dürfte selten eine breite Schicht von feinsinnigsten, gemütstiefen und dabei technisch hochstehenden Künstlern, ine bereits in breiter Oefssttlichkett zu Ruhm gelangt waren, so schnell und so gründlich aus dem Bewußtsein der eigenen Volksgenoffen geschwunden sein. Wie viel fleiner ist der Kreis der führenden Klaffizisten und der Vertreter der heroischen Landschaft, wie Joseph Anton Koch und Rottmann, die nie vergessen wurden.
Ich meine reich jenen romantischen Künstlerkreis, den mir „Nazarener" nennen, der von Rom aus, um Overbeck geschatt, Einfluß auf fast alle deutschen Kunstzentren erlangte, der uns einen Veit und Steinle in Frankfurt, einen Olivier und Führich in Wien, einen Cornelius in München, einen Schadow in Düsseldorf einen Schnorr von Carolsftld tot Dresden schenkte. Künstler, die die Wände der bedeutendsten deutschen Bauwerke schmückten, die die Dome von Frankfurt und Mainz, Köln und Straßburg, die Ludwigskirch in München mit Fresken versahen, die an den Wänden des Frankfutter Römer unb der Münchner Glyptothek malten, deren herrlich Kartons einen Hauptschatz der Nationalgalette in Berlin und dsr Städelschn Sammlung in Frankutt bilden.
Ich meine auch nicht jenes köstlich spätromantisch Künstlerttto, das eine geradezu vorbildlich, verdiente Volkstümlichkeit erlangt hat: Schwind, Richer und Spitz- wetz.
Ich meine jene feine, intimere, frühromantische, ganz und gar deutsch Kunst, die auch an allen großen Kunstzentren ihren Kreis hatte, unter deren Vertretern Kaspar David Fttedttch ein ganz Großer, ja wohl der Größte schechhin ist.
Jene Kunst kam erbarmungslos unter die Räder der protzenhaft laut auftretenden, an Pomp so reichen und an Seele so armen Historienmalerei. Sie erstickte in den allen guten Geschmack verderbenden, süßlich-sen- timentalen Anwüchsen der Genremalerei. Mit einem Wort, sie erlag der Hohlheit und dem Kitsche des Jahr- hundetts des Parvenüs. Niemals konnte die gemütvolle, überaus feine und ausdruckswarme, bescheidene Früh romairtik den Kampf wagen mit den kapitalistischen und proletattschen Strömungen der Neuzeit. Sie ist an dem Materialismus des neunzehnten Jahrhundetts lautlos und von allen verlassen gestorben, und ihr Andenken wurde reich in Ehren gehalten.
Im Gegensatz zu der nazarenifchsn Romantik, die ihr Feuer und chre Begeisterung an Italiens Sonne und Roms Kultur entzündete, ift jene Romantik in der Heimat aufgewachsen. Es soll diese Feststellung kein Vorwurf für die Nazarener fein. Die Kette deutscher Künstler, bte des südlichen Feuers bedurften, um die Flamme der Kunst in sich zu entzünden, ist fast endlos, und in ihr stehen auch viele der größten und der Aller-deuifchesten. Mer es ist doch eine erfreuliche Feststellung, daß bic blaue Blume der Romantik gerade auf dem Nährboden der Heimat herrllch gedeihen konnte, und zwar reicht nur in den heiteren Gauen Süddeutschlands, sondern sogar noch mehr in den ernsten Landschaften des nördllchn Deutschlands bis zur Waflcrkante hinauf. Und wenn man von fr ernten Einflüssen auf diese Kunst sprechen roäl, dann ist es der Einfluß des Nordens, der Kopenhagener Akademie und des Norwegers Johann Christian Clausen Dahl, ter in Dresden tätig war.
In diesen Kreis gehört der jung verstorbene Philipp Otto Runge in Hamburg, ein Freimd von Tieck und Schegel, mA Goethe im Btteftvcchsel. Er ist ter geniale Prophet ter neuen Malerei, der in seinen Schttften das moderne Programm des Impressionismus, mehr als ein halbes Jahrhundert voraus, unglaublich treffend ver- küretete. , '
In diesen Kreis gehören Karl Wochen und auch Schinkel (als Maler) in Berlin; Kersting, Gille, Carus und vor allem Friedrich in Dresden. Hierhin gehören auch bte jüngst wieder zu Ehren kommenden Münchener Maler der Zelt um 1800 mit Wilhelm von Kobell, Chri- stian Morgenstern usw., die Heidelberger Romantiker mit G. Ph. Schmitt, und auch der von allen Genan-niten heute schon bekannteste: Ferdinand Waldmüller in Wien.
Hier sicht also Fttedttch! Es scheint heute noch weniger wichtig, ihn als Cmzelpersonlichkeit aus der Kunstgeschichte herauszukrystallisieren, als vielmehr den lange Vergessenem unb vielen noch Unbekannten in das BW ter Kunstgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts erst wieder einzufügen. 'Das mag bisse Einleitung recht- fertigen. j
Kaspar David Friedrich ist am 5. Sept. 1774 tn Greifswald geboren. Er bildete sich an der Akademie zu spielen, und die grauen Augen blickten etwas wässrig in die Welt. Das kam daher, daß Murrner dem einsamen Burgherrn ost Gesellschaft leisten mußte und auch bann noch weiter zechte, wenn Graf Wild schon lange mit dem Haupte auf der Tischplatte ruhte. Heute klang die Stimme des Vogtes besonders nmh und riffig, als er mit er-r Handbewegung über die Schulter sagte: „Da sind sie, Herr! — Es gibt so Dinge, wo ter Duft bis durch das Schlüsselloch bringt. Er zeigte grinsend auf die Veilchen, die ffi® in der Hand hielt.
„Dem Veilchen folget nun die Zwiebel hintennach Mosch Deigelftamm steht im Burghof und wünscht Euch zu sprechen, und einen dürren Kerl aus Mainz — man sagt, es sei ein Rechtsgelehrter — hat er mitgeschleppt."
Wilds Schnurrbart sttäubte sich wie bet einem gereizten Kater.
„Hat er den Strick zum Hangen mitgsöracht? — Dann soll er mir herzlich willkommen sein."
Schon wollte Wild bic ihm richtig blinkende Antwort erteilen, als Obadias plötzlich das Wort ergriff. Er wandte sich dem Grafen zu: „Gedenket, Herr, der bischöf- lichen Richter! Der Aufschub, den Ihr mit „Gewalt er« reicht, wird Euch teuer zu stehen kommen."
Noch einmal brauste der Ritter auf: „Ich kann reicht zahlen, was soll mir also bas Geschmeiß?"
„So werden wir den Mann um Aufschub bitten."
Und mit einer leisen, aber strengen Handgebärde bedeutete ter Schreiber tem Burgvogt, die Wartenden her- einzusühren. Knurrend wie ein alter Kettenhund stapfte Murrner hinaus. Er wußte ja selbst viel zu gut, daß Obadias, ter sich Überall höchster Werffchätzung erfreute, im Rechte war. Es blieb einen Augenblick ganz still im Gemach. Aengstlich richtete Anne Susanne die Blicke auf den Baier, tem die Zornadern auf ter Stirn schwollen. Mit vorgestrecktem Sinn bohrte er die Augen tot das weiße Antlitz des Alten.
„Wer gibt Befehle in meiner Burg, Ihr ober ich?"
Obadias lächelte: „Ihr allein, Graf Wild! Ich gab die Orter nur in Eurem Namen l"
Da lösten sich die geballten Fäuste des Jähzornigen.
„Ihr habt mich einmal wieder ganz leise am Ohr genommen, Obadias, und da Ihr es gut mit mir meint, so soll es euch verziehen fein,"
Kopenhagen. 1795 kam er nach Dresden. 1817 wurde er dort Professor an ter König!. Akademie. Er starb am 7. Mai 1840.
Es mangelte Friedrich zu Lebzeiten nicht der verdienten Anerkennung. Aber schon im Jahre 1839 schrieb der Dresdener Maler Karl Gustav Carus, ter, obwohl er ein bedeutender Arzt und Schriftsteller war, und obwohl man auch in vielen Kunstgeschichten heute noch tes Gegenteil lesen kann, ein ganz bedeutender Künstler war: „Es ist seltsam, wie doch jene ganze Kunstperiode, in welcher Friedrich usw. tätig waren, jetzt schon so ganz untergegangen ift.“ _ ,
Ja, es ist wirklich seltsam! Friedrichs Wteter-Ent- deckung darf man wohl auf die Berliner Jahrhuntert- Ausstellung 1906 datieren, bte die Augen für diese ganze Kunstepoche wieder öffnete. Seitdem ist er langsam aber sicher auf tem Wege, einen neuen Siegeszug anzutreten. Dem Scharfblick tüchtiger Museumsleiter und der feinen Spürnase des Kunsthandels ist dies wohl zuerst klar geworden. Immer mehr von Friedrich wird zugänglich Wer bte neugeordnete Berliner Nationalgalerie durch wandert, ter wird eine tiefe Verehrung für den Künstler bekommen, der wird seine feine Seele fieben unb fein künstlerisches Können berountem müssen. Unter den Neuerwerbungen der größten Sammlungen, in München und Wien, allen voran Dresden, — vervollständigt durch die Leihgabe Lahmann, — finden wir Friedrichs Bilder. Und auch in diesem Jahre hat die Ausstellimg „Romantik und Bietermtter" in Chemnitz, sowie „Dresdner Male ei 1750—1850" tot Dresden wieder neue Friedrichs zur Schau gestellt.
Es ift eine innige Kunst, eine Naturauffaffung von unerhörter Feinheit der Stimmung, von überwältigender Weite und Größe, von einzig dastehender Kraft des Ausdrucks. Eine hinreißende Verschmelzung von verhaltener Melancholie junb majestätischer Größe. Ueborweltliche Kraft in ter Felsenlandschaft ter Nationalgalerie. Eisige Einsamkeit in dem „Sttand bei Rügen" der Dresdner Galerie. Umfassend und herzerweiternd seine granteofen Riesengebirgslandschasten. Kraftvolle Frömmigkeit und wuchtigste Symbolkunst das „Kreuz auf dem Gipfel". Abgrundtief und erschütternd bte Zeichnung seines Selbstbildnisses. Es ist wahrhaftig an ter Zett, daß diese Bilder den Weg zum deutschen Volke finden. Eine gesundere, stärkere und edlere Kost kann ihm nicht geboten werden.
Wenn leider die große Schar ter Kunstliebhaber heute Friedrich noch fern steht, so hat die Kunstwissenschaft längst angefangen, sich ernstlich mit ihm auseinanderzusetzen. Es ist intereffant, ihr hierin ein wenig zu folgen Hier fallen die kräftigsten Schlaglichter auf jene Eigenschaft Friedrichs, die jeden Künstter erst zu einem Ganz-Großen macht, auf die Universalität. Fast alle Kunstkritiker sehen heute durch ihre eigene Parteibrille, werten nach den Maßstäben ihrer Richtung. Deshalb weist heute die Kunstliteratur nur selten eine einheitliche Bewertung eines Künsllers auf. Aber Friedrich hat bte Feuerprobe ter modernen Kritik in einer geradezu einzigartigen Weise überstanden.
In ter von Max Osborn neu bearbeiteten Spring-r- schen Kunstgeschichte finden mir Friedrich in tem Kapitel mit ter Ueberschttst „Das Erwachen der Farbe in Deutschland." Hier lesen wir: „Es war em Jubel im ganzen kunstfreundlichen Deutschland, als diese Bilder wieder ans Tageslicht gezogen wurden, von denen die Wunder wechselnder Beleuchtung, der zage Schimmer des Frühlings, ter Dunst des sommerlichen Morgsnnebeks, ter feuchte Glanz ter Wiesen, bte zarten Reflexe des Sonnenuntergang grüßen". Was ift bas anders als die Anerkennung, die impressionistisches Denken dem großen Vorläufer der Malerei von Licht, Luft und Farbe zollt?
Aber Ludwig Justi, der sich ganz besonders intensiv mit Friedrich beschäftigt hat, ter Friedrichs Landschaftsbild „Winter" in seiner „Deutschen Malkunst im neim- zehnten Jahrhundert" in einer 18 Sekten langen, genialen Untersuchung haarscharf analysiert, stellt chn als Aus- gangspimtt jener Künstlerreitze auf, die über Cszanree, van Gogh und Hodler zu den modernsten Expressionisten führt. H-ter lesen wir: „Künstler der Gegenwart, die über die Formverfeinerung des Jmpressionimus hinweg den Ausdruck innerlichen Erlebens suchen, grüßen in Friedrich den verwandten Geist; so verschieden bte Mittel sind und ter (Erregungsgrab des Fühlens, ter Sinn ter Kunst ist ter gleiche: die Ahndung des Herzens soll zur anschaulichen Form werden."
E. W. Bredt wiederum schreibt in dem Kapitel „Ideale ter Landschafter" in seinem Buche „Deutsche Lande, deutsche Maler" wie folgt: „Ruht aber bann unser Blick auf Friedrichs Bild, Kreuz auf der Felsenspitze, so kann es ums Hinweisen, was Führerschaft auch in ter Kunst bedeutet und wie tüchtig die Einsicht jener Realisten war, die gegen den manierierten Geschmack, des 18. Jahrhunderts mit Verzicht und Tat protestierten."
Doch der Meister, testen realistische Tat hier gepriesen wird, hat Aufnahme gefunden in Georg Jacob Wolfs
Und er wandte sich an sein Kind und bedeutete ihm, daß es das Gemach verlassen solle.
„Geh, Anne Susanne, du sollst den Schmutz dieser unvollkommenen Welt nicht mit rohem Druck an deinem Herzen verspüren. Geh' und tummle dich draußen. Nimm hier die Dellchen und trag’ sie auf ter Mutter Grab. Und dann laß dir die Sonne wieder ins Gesicht scheinen, sonst nimmt dir der Zwang ter engen Mauern noch das Letzte, was dir verblieb, deine frohe Laune!"
Er drückte Anne die Blumen in die Hand unb wollte sie hinausschieben, aber sie wehrte ab.
' „Du meinst es gut mit mir, Baier, aber ich bin kein Kind mehr. Die Sorgen, die du trägst, mitt ich mit dir teilen", und ernst unb sinnig setzte sie hinzu, „auch ist es gut, wenn in so biti’rer Stunde, da sich Männer streitend gegenüber stehen, die Frau sie lehrt, sich vor der Frau zu mäßigen!."
Obadias nütte vor sich hin.
„Behaltet Euren guten Geist zur Seite Gras Wild, es kann nicht schaden."
Und Mosch ward hereingefilhrt. Er trug ein kaftan- artiges Gewand. Das Gesicht war dunkel und scharf. Kluge schwarze Augen leuchteten über einer gebogenen Nase. Man gewann den Eindruck, einem Manne gegenüber zu stehen, der fein Geschäft verstand, ter schlau und kundig, aber nicht falsch und unehrlich war. Der Rechtsgelehrte aber, ter hinter ihm stand, glich in seiner ganzen äußeren Erscheinung einem gerupften Raden. Die lange dürre Gestalt war in Schwarz gekleidet, der dünne Bart um Kinn und Wangen rotes kahle Stellen auf, und die roten blinzelnden Augen blickten hinter Brillengläsern boshaft und listig in die Well. In den Spinnerefingern trug ter Gelehrte, den Mosch zu feinem Beistand aus Mainz verschrieben hatte, ein dickes Buch. Hinter diesem Paare stand mit gerötetem Antlitz Herr Murrner, gleichsam bereit, jeden Augenblick tem Winke des Grafen zufolge, die Eindringlinge vor die Tür zu setzen. Wlld musterte mit einem Ausdruck voll Verachtung und trotziger Scheu Mosch und seinen Gefolgsmann. Der Ritter hatte das ihn beklemmende Gefühl, daß er tot dem bevorstehenden Reteturnier der Schwächere sei. Ja — hätte vor ihm auf dem Tische ter Deutel mit Dukaten gelegen, der ihn befähigte, seine Schuld zu zahlen, dann wäre
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Sammlung „Deutsche Malerpoeten", und der Derfafler schlicht feine Besprechung mit den Worten: „Er ist bei Malerdichter des kühlen Hauches am frühen Morgen, bet Silberstimmung der Dollmondnacht, ter grandiosen Einsamkeit am See. Er ist der Malerpoet des deutschen Nordens." Was heißt das anders, als den Romantiker Friedrich würdigen.
Nehmen wir hinzu die von allen gepriesene Weite und Tiefe seiner Landschaft, seine ausgeglichene Ruhe, feine abgewogene Bildstruktur, so können wir den Mei- stet, in dem Impressionisten und Expressionisten, Reali- ften und Romantiker einen Großen chrer eigenen Auf- faffung erblicken, auch neben die großen Meister des Auf. baits und des Rhythmus fetzen;, neben Koch und Rott- mann, neben Böcklin, Feuerbach und Martes.
Wie ist es möglich, daß Friedrich heute Allen Alles sein tarnt? Ist es überhaupt möglich? Sind die abgegebenen Werturtelle überhaupt ehrlich und ernst? Ja, es ist möglich! Und zwar durch bte grandiose Synthese aller künstlerischen Werte, bte in Friedrichs Werk zu einer Einheit verschmolzen sind. Der Meister fft wttklich in Meister der Farbe, aber deshalb nicht minder ein M ister tes Ausdrucks. Seine Bilder sind wirklich natmwahr, wie nichts im Jahrhundert vor ihm, aber sie sind doch so reich an Seele und Stimmung unb Gemüt, daß sie romantifdi sind.
Justi hat den Satz gewagt: „Mtt so empfänglicher Seele hat ter junge Goethe die Natur gesehen; glttch« Tiefe und Zartheil der Stimmung klingt aus tem Adagio in Beethovens Mondscheinsonate; aber kein Maler hat je vorher Aehnliches formen können."
Wer will es unternehmen, Goethe ober Beethoven in eine Gruppe einzureihen, für eine Richtung zu beon. sprachen? Es gibt eben auch km Reiche ter Kunst Könige. Auch Friedrich-ist ein solch unumschränkter Herrscher,
Dem lange Vergessenen, den einer ter besten Kenner der Malerei tes neunzehnten Jahrhunderts in einem Sltemzug mit Goethe und Beethoven nennt, haben w aber noch eine große Dankesschuld abzutragen.
Bus aller well.
— Die Herbstzeitlose ist die letzte Blume des Jahren Obgleich das zarteste Gebilde unserer Pflanzenwelt, geh doch gerade sie mutig trotzend der Kälte entgegen. Sie gleicht dem bekannten Krokus, der unsere Gärten ton ersten Frühjahr mit blauen, weißen und dottergelben Blumen schmückt; nur fehlen ihr die Blätter. Zeitlos heißt sie wegen ihres sonderbaren Verstoßes gegen die Zeit. '3m Spätherbst sehen wir die Blüte, und im Mai lieht hier zwischen drei ansehnlichen, denen der Maiblume ähnlichen Blättern die große, dreifächerige Kapselfrucht, mit giftigen Samenkörnern gefüllt, lieber den Winter ruht der im Herbst befruchtete Fruchtknoten im Schoße der Erde und entfaltet sich erst im Frühjahr zu der er- wähnten Frucht. Zuweilen verhindert eine Herbstüber- schwemmung oder ein vorzeitig fallender Schnee das Herbstblühen und nötigt die Pflanze, erst Ende April ober im Mai zu blühen, wo dann gleich die Blätter mtt erscheinen. Dann sind aber Blüten und Blätter etwa» verkümmert.
— Mtt Drennesteln mutz mancher gute Bekanntschaft machen, ter allzu eifrig botanischen Studien obliegt und unvorsichtiger Weife jedes Grün in Wald und Flm für harmlos hält. Besonders die Kinder lernen gewöhnlich erst aus Erfahrung, was Brennesfeln sind. 2)ie_ $ren« nestel ist nur eine von den gegen 30 in der gemäßigten Zone weit verbreiteten Nesselarten. Die Zweige und Blätter sind mit kleinen Haaren besetzt, deren Spitze bei der Berührung abbricht, die Haut ritzt und zugleich einen scharfen Saft in die kleine Wunde bringen läßt, welcher Brennen unb Entzündung hervorruft. Das Brennen der deutschen Nessel ist zwar lästig, aber nur sehr unbe- deutend im Vergleich zu den in Südasien heimischen Nestelarten. Diese verursachen nach der leisesten Be- rührung binnen einer Stunde einen geradezu wütenden Schmerz, der sich bald über den ganzen Arm erstreckt, 24 Stunden anhält und erst nach 8—9 Tagen langsam verschwindet. Auf den Sunda-Jnseln gibt es eine Brennesselart, deren Brennen sogar einen jahrelangen Schmerz oerursachtl Durch Brennefleln heroorgerufene Wunden dürfen niemals, wie man das gewöhnlich tut, mit Master oder gar Speichel befeuchtet werden, dadurch wird der Schmerz stets nur größer und die Hellung langwieriger! Am besten ist es, keinerlei Mittel gegen das Brennen und Jucken anzuwenden.
— Die Almosen ter Walter. Daß die Almosen, welche jedes Jahr bte Wälder den Armen spenden, viele Millionen Mark Wert besitzen, werten gewiß die wenig, ften glauben, besonders nicht jene, die dieser Almosen teilhaftig werten. Wollte der Staat, so könnte er sich jährlich eine Mehreinnahme von 30 Millionen Mark oer- schaffen! Schon in Fttetenszeit schätzte man von fach- Mosch das Geld vor bte Füße geflogen, imb ter gelehrte Herr gar hätte Wild nur von ter Rückseite gesehen. Aber so — ter Apfel war sehr sauer, in den Graf Bärenhaupt zu beißen gezwungen war. Mosch verneigte lich. Gr tot es fast weltmännisch. Man merkte es ihm an, daß ihm ter Umgang mit hohen Herren reicht fremb war. Der gerupfte Galgenvogel dagegen schob den Kopf ntit tem spitzen Kinn vor und zog ihn wieder wie ein Kragengeier zurück. Das war seine Begrüßung.
Datei flog fein stechender Blick in alle Winkel und Ecken, als ob er herausspionieren wolle, was hier wohl noch an Geld und Gelteswert zu holen sei. Mosch' schwarzes Auge heftete sich auf Anne Susanne, die am Tische lehnte. Er neigte nochmals, dieses Mal tiefer das Haupt mit den beiden Locken, die vor den Ohren faft bis auf bte Schultern fielen. Da Graf Wild schwieg, so begann er mit halblauter Stimme, zu allen Anwesen, den gewandt: „Ich vermag die hohe Ehre wohl zu schätzen, und wenn mein armes Leben Tag und Nacht nach Geld mühsam ringen muß, weil das Geschäft ‘s so verlangt, so fühle ich doch roie alle Menschen und weiß, daß vor Anmut, Schönheit und Frauentugend selbst der starrte Götze Gold im Staube liegt."
Der alle Murrner blitzte mit den wässrigen Augen Ihm kam die <5ad)e unheimlich vor. Sonst hatte bet Burgherr den Hantelsmann meistens allein empfangen, pter er, der Burgvogt, war zugegen gewesen, barere fielen harte Worte und die ganze Sache fpielte sich rauher ab als heute. Was hatte der Mosch gesagt? Er verstand es nicht recht und blickte ängstlich neugierig seinen Herrn an. Wild wandte bas Haupt zu Obadias unb raunte ihm zu: „Der Kerl spricht heute wie ein Minne- färtger, den ich einmal am Hofe zu Burgund hörte. Und solche Locken trug bet Spielmann auch, nur waren sie blond i
Dann räusperte er sich und knurrte Mosch an: „Kommt mir mit Euren Zahlen, Veigelstemnn, als Burgpoeten ließ ich Euch nicht ein."
Da lächelte Mosch, und wieder flog fein kluger Blick zu Anne Susanne, unb ter weltkundige Mann wußte, daß er bei dem Grafensräulein einen Stein im Brett hatte.
(Fortsetzung folgt)