Fuld aerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 209.
Verantwortlich tür die Schrittleitung Dr. JobanneS Kramer. Ameigen: I. P arretier, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der t Fuldaer »ctieudrnckerei in Fulda. Fernsprecher Nr- 9. e Monatlicher BeiugsdreiSr 1.50 Mk.
Sonntag, 7. September 1924*
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Mitglieder aus den besetzten Gebieten dafür getreten waren.
Als die Situation dann aus das höchste spannt war, jede Regierungsumbildung an
Die Gchuwlüge.
3m Lichte von Weimar, Versailles und London.
Von Reichsminifter a. D. Dr. Bell, Vizepräsident des Reichstages.
negativen Erklärungen der vom Reichspräsidenten angesprochenen Parteiführer scheiterte und Reichsverfall, Chaos, Bürgerkrieg und feindlicher Einmarsch unmittelbar bevorstanden, bemühten sich die nach dem Weggänge der Minister und Parteiführer des Zentrums im Sitzungszimmer des Weimarer Schlosses verbliebenen Führer anderer Parteien, dadurch einen Ausgleich zu finden, daß man der Regierung und den übrigen Parteien nahelegte, eine erneute Abstimmung nicht herbeizuführen, sondern die Reichsregierung als durch die am Tage vorher stattgehabte und mit großer Mehrheit erfolgte Abstimmung für ermächtigt zu erklären, dem Versailler Vertrag auch unter Beibehaltung der vorher ausgefchalteten „Ehrenpunkte" zuzustimmen. Zur nämlichen Stunde war vom Ches der Obersten Heeresleitung, GeneralGröner, eine Mitteilung eingegangen, daß die Reichswehr sich der Reichsregierung auch bei Annahme des Friedensvertrages zur Verfügung stelle, falls der Reichswehrminister eine befriedigende Erklärung darüber abgebe, daß er alles darangesetzt habe, um die Ehrenpunkte auszufchalten. Diese Erklärung gab der Reichswehrminifter ab, und dadurch wurde angesichts der furchtbaren und verzweifelten politischen Gesamtsituation eine neue Lage geschaffen, die es ermöglichte, die aufs äußerste gefährdete Reichseinheit zu retten.
lieber den weiteren Verlauf dieser im letzten Augenblicke umgestalteten Situation schreibt der frühere Vizepräsident Payer in seiner Erinnerungsschrift „Von Bethmann-Hdllweg bis Ebert" auf Seite 303 den Tatsachen entsprechend folgendes:
„Die Regierung und die sämtlichen Parteivertreter traten wieder zusammen. Sofort verlangte der Zentrumsminister Bell mit großer Lebhaftigkeit, daß sämtliche Fraktionen nicht nur sich verpflichten sollten, der Regierung aus ihrem Schritt keinen Dorwurf zu machen, sondern auch noch ausdrücklich anerkennen müßten, daß die Regierung und die zustimmenden Parteien aus va-
Bei den kritischen Beratungen über das Londoner Abkommen haben die Rechtsparteien wiederum Veranlassung genommen, einen Rückblick zu werfen auf die Vorgänge aus dem 19. Juni 1919 in der Weimarer Nationalversammlung, ins- sondere die Zustimmung zum Versailler Zwangsdiktat und die Behandlung der S ch u l d l ü g e. Obgleich der Sachverhalt so klar gestellt ist und einwandfrei feststeht, daß sich jede weitere Erläuterung erübrigen sollte, gebietet doch die Verhütung zukünftiger Geschichtsklitterung und Legendenbildung, noch einmal die historischen Tatsachen in gedrängter Kürze herauszuheben.
Wenn es deutschvölkische Abgeordnete mit durchsichtiger Tendenz wiederum unternommen haben, von dem „Verbrechen" der Unterzeichnung zu reden und dabei die Schuldlüge in ein besonders grelles Licht zu stellen, so wird diese Schilderung den tatsächlichen Verhältnissen keineswegs gerecht, sondern bedeutet lediglich eine systematische Entstellung des wahren Sachverhalts. Bekannt ist, daß von den Mitgliedern der Zentrumsfraktion, nachdem die Entente kategorisch die Beibehaltung der Ehrenpunkte — Schuldlüge und Auslieferung — verlangte und mit ultimativer Frist von wenigen Stunden verlangte, 64 Abgeordnete, darunter alle vier Zentrumsminister, sich für die Ablehnung entschlossen hatten, während nur 14
terländischer Gesinnung handeln. Anfänglich schien alles einverstanden. Man sprach davon, daß Schiffer für alle der Unterzeichnung widersprechenden Parteien die Erklärung abgeben solle. Dieser redigierte bereits an einem Entwurf. Da behielt sich Schulz-Bromberg wieder die Entscheidung seiner Fraktion auch über diese Frage vor. Ihm stimmten nun Dietrich und etwas zurückhaltender auch Posadowsky zu. Man einigte sich in höchster Eile, daß die einzelnen Fraktionen gesondert ihre Erklärung ebgeben sollen, was dann auch im Plenum seitens der [ drei der Vertragsannahme widersprechender Parteien । geschah. In letzter Minute ging dann die Note mit der Annahmeerklärung ab.
Mir imponierte der Männerstolz, mit dem die Rechtsparteien auf diejenigen herabzusehen pflegen, die damals dem Vaterland das Opfer gebracht haben, offen für die Unterzeichnung des Friedensvertrages einzutreten, immer sehr wenig, wenn ich an jene Stunden ernst- licher Verantwortlichkeit und an die Art zurückdenke, wie der Vertrag durch das freundwkllige Entgegenkommen seiner Gegner zustande kam. Man kann den Vorgang auch zum Anlaß von ernsten Betrachtungen darüber nehmen, von welchen Zufälligkeiten bisweilen das Schicksal der Völker, ja der Welt abhängt."
Besondere Beachtung verdient die von der äußersten Rechten in ihren agitatorischen Schriften und Reden immer wieder verschwiegene oder entstellte Tatsache, daß der Friedensvertrag keineswegs vorbehaltlos, sondern nur unter dem ungeheuerlichsten Gewissensdruck, der in der Geschichte aller Kulturstaaten ohne Vergangenheit ist, m i t schärfstem Protest in letzter Stunde angenommen worden ist. Der damalige Reichskanzler hat in der Sitzung vom 23. Juni 1919 zu Weimar die Stellungnahme der Reichsregierung mit aller Schärfe vor der ganzen Welt wie folgt formuliert:
„Die Regierung der deutschen Republik ist bereit den Friedensoertrag zu unterzeichnen, ohne jedoch damit anzuerkennen, daß das deutsche Volk der Urheber des Krieges sei und ohne eine Verpflichtung nach Art. 227 — 230 des Friedensoertrages zu übernehmen. Die Entente hat unseren Vorbehalt — betr. der Chrenpunkte — abgelehnt, sie will uns das Schuldbekenntnis auf die
Der Oberfchlefische Hilfsbund und Die Vereinigten Verbände heimat- treuer Oberschlesier erlassen eine Kundgebung, in der sie unter Hinweis auf die Bemerkungen Macdonalds in Genf über Oberschlesien erneut auf das schwere Unrecht Hinweisen, das Oberschlesien durch die Genfer Entscheidung angetan wurde. Oberschlesien werde an dem Fehler und Irrtum von Genf zugrunde gehen, wenn nicht eine Wiedergutmachung dieses Fehlers erfolgt, schon jetzt breche infolge der Genfer Entscheidung in Polnisch-Oberschlesien die Industrie zusammen.
Die Rüstungskontrolle.
Amtlich wird gemeldet:
Am 8. September beginnt die von der deutschen Regierung mit der Note vom 30. Juni zugestandene sog. Generalinspektion des deutschen Rüstungsstandes. Die Generalinfpektion ist als abschließender Akt der interalliierten Kontrolle gedacht. Nach den bindenden Erklärungen der Gegenseite, insbesondere der Ministerpräsidenten von England und Frankreich, kann damit gerechnet werden, daß das System der interalliierten Kontrolle mit seinen in zahlreichen Städten Deutschlands residierenden Ueberwachungskommis- fionen verschwindet, wenn die Generalinspektion zufriedenstellend und reibungslos verläuft. Die Reichsregierung erwartet daher von der gesamten Bevölkerung, daß sie alles unterläßt, was irgendwie als Obstruktion oder als feindselige Handlung gegenüber den Kontrollkommissionen oder ihren Mitgliedern gedeutet werden könnte. Jede Handlung dieser Art beschwört die Gefahr herauf, daß sich der jetzige Zustand mit all seinen demütigenden Begleiterscheinungen verewigt, jedermann muß jetzt, wie er auch immer auf Vorgänge gefühlsmäßig reagieren mag, sein Tun und Lassen ausschließlich danach einrichten, daß das Ziel erreicht, d. h. daß die Generalinspektion wirklich zum Schlußakt der interalliierten Kontrolle wird.
Aus dem besetzten Gebiet.
Havas meldet aus Düsseldorf: In dem Wunsche, der Bevölkerung des Ruhrgebietes zu beweisen, in welch wohlwollendem Geiste die französische Regierung die Bestimmungen des Londoner Protokolls zur Anwendung zu bringen beabsichtigt, verösientlicht der kommandierende General einen Erlaß, durch den die Gebühr für Waffenscheine ab- geschafft wird. Durch einen zweiten Erlaß wird die frühere Verordnung abgeschafft, die es den deutschen Behörden untersagt hat, Strafverfolgungen gegen wegen politischer Vergehen beschuldigte Personen ohne . vorherige Genehmigung der Be- . satzungsbebörden einzuleiten- j
Die Aussprache in Gens.
Die Debatte, die zwischen den Ministerpräsiden- ken der Entente in Genf auf der Völkerbundstagung geführt wird, ist von großer Bedeutung. Macdo- nald hat durch sein entschiedenes Eintreten für die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund die Franzosen allem Anschein nach nicht angenehm be- rührt. Besonders verdacht wird ihm, daß er be- Süglich der Feststellung der Schuldigen am Kriege erklärte, daß darüber erst in 50 Jahren die Historiker entscheiden könnten. Also vernichtender Dolchstoß gegen den offiziellen französischen Glaubenssatz, daß Deutschland die Alleinschuld am Kriege trage! Auch an der Entscheidung des Völkerbundes in der oberschlesischen Frage hat Mac- donald Kritik geübt. Herriot, der nach Macdo- nald das Wort ergriff, hat das, was der französi- fchen Politik durch Macdonald zugefügt worden ist, durch einige Unfreundlichkeiten gegen Deutschland auszumerzen versucht. Im übrigen erklärte er, was Deutschland anbetreffe, daß er aufrichtig zu sprechen wünsche. Frankreich habe den zerstörenden Militarismus bekämpft, der in öffentlicher Parlamentssitzung mit den Worten: „Rot kennt kein Gebot!" proklamiert worden sei. Frankreich wolle aber nicht das Elend Deutschlands, i Es kenne keinen Haß und lebe auch nicht vom Haß. I Es habe Beweise seines Versöhnungswillens gegeben. Inzwischen habe Deutschland, mit dem Frankreich in London in direkte Beziehung getreten sei, Frankreich seine Bereitwilligkeit zur Innehaltung feiner Verpflichtungen bekundet. Was die Frage des EintrittsDeutschlands inden Völkerbund betreffe, so könne keine Ausnahme- oder Vorzugsbehandlung maßgebend fein. Art. 1 und 8 des Völkerbundspaktes feien allein maßgebend. Die Regeln des Paktes feien das Gesetz, dem man folgen müsse. Nach Worten des Dankes für die amerikanische Mithilfe und der Hoffnung weiterer Mitarbeit Amerikas sprach Herriot auch den Wunsch aus, daß Rußland an die internationale Zusammenarbeit sich näher anschließe, wobei er das Unglück dieses Landes betonte und auf die Stimmen des Haffes hinwies, die aus ihm oft herübertönten, die Frankreich aber nicht mit Haß erwidern würde.
Dem von Macdonald vorgefchlagenen Grundsatz des Schiedsverfahren stimmte Herriot zu. Auch die meisten anderen Redner, so Salandra, Venesch und Theunis haben dem zugestimmt. Lord Par- moor bekämpfte aufs schärfste den Gedanken mili- I tärischer Sanktionen. Er erklärte sich aber mit I wirtschaftlichen und finanziellen Sank- | tionen einverstanden.
Drei wesentliche Punkte stehen also zur Debatte: I 1. Schiedsverfahren; 2. wirtschaftliche und finan- I zielle Sanktionen; 3. militärische Sanktionen. Ueber I die ersten beiden Punkte sind sich alle einig. Nur I gegen den dritten Punkt erhebt England Wider- j spruch. I
Zunge zwingen, will uns zu Häschern unserer angeschuldigten Landsleute machen; es soll uns nichts, gar nichts erspart bleiben. Unsere Hoffnung, mit dem einzigen Vorbehalt einer Ehrenbewahrung bei unseren Gegnern durchzubringen, war nicht sehr groß. Aber wenn sie auch noch geringer gewesen wäre, der Versuch mußte gemacht werden. Jetzt, wo er mißlungen, an dem sträflichen Uebermut der Entente gescheitert ist, kann und muß die ganze Welt sehen: hier wird ein besiegtes Volk an Leib und Seele vergewaltigt wie kein Volk je zuvor."
Kein Protest heute mehr, keine Form der Empörung, alles müßte den grauenerregenden Eindruck empfinden, der sich heute der Well bietet: sie stark teils in verhohlenem ,teils aber in unverhohlenem Entsetzen auf diese Folterszene Hinweisen."
Nach dem flammenden Protest der Reichsregierung gaben die Parteivertreter rückhaltslos und unumwunden die vereinbarte Ehrenerklärung für die dem aufgezwungenen Friedensdiktat zustimmenden Parteien ab, wobei der Vertreter der deutschnationalen Volkspartei dann erklärte, daß diese als selbstverständlich voraussetze, daß jedes Mitglied der Nationalversammlung seine eigene Stellung nach b e ft e m Wissen und Gewissen einnehme. Am Schluffe dieser denkwürdigen Sitzung, worin die große Mehrheit der Nationalversammlung unter dem beispiellosen Gewissensdruck sich zur Annahme entschied, gab der Reichstagspräsident unter dem stürmischen Beifall des Reichstages nach Hervorhebung dieser bedeutungsvollen historischen Kundgebung folgende Erklärung ab:
„Ich möchte wünschen, baß der Geist, der sich zum allergrößten Teil in dieser Nationalversammlung soeben kundgegeben hat, sich auch hinausträgt in unser Volk. Cs wäre nun noch das allerfchlimmste, wenn wir nach Vorgängen alter Jahrzehnte, die glücklich hinter uns liegen, in Schmähungen und Verdächtigungen gegen die vaterländische Gesinnung unserer Mitbürger uns ergehen wollten. Ich hoffe, daß man treu in der gesamten Bevölkerung, daß man namentlich in der Presse dafür ein Verständnis hat und gewillt ist, nunmehr einträchtig die ungeheuren Lasten, die uns jetzt bevorstehen, auf sich zu nehmen, getragen alle zusammen von dem heiligen Willen vaterländischer Liebe. Im übrigen empfehlen wir unser unglückliches Vaterland dem Schutze des barmherzigen Gottes."
Es steht aber unwiderleglich fest, daß von den zur Ablehnung entschlossenen Parteien nichts geschehen ist, um die Annahme des Versailler Vertrages zu verhindern, was tn den wenigen Stunden bis zum Ablauf der Ultimatums frist e i n Leichtes gewesen wäre, sondern daß sie im Gegenteil der Regierung und den anderen Parteien auf jede erdenkliche Weise eine Brücke zu bauen mit Erfolg bemüht waren. Von durchschlagender Bedeutung ist auch die Tatsache, daß in der entscheidenden Sitzung der deutschen Nationalversammlung vom 23. Juni 1919 die Erörterung der Friedensftage überhaupt nicht auf der Tagesordnung stand, sodaß der Widerspruch eines einzigen Abgeordneten genügt hätte, um die Erörterung unmöglich zu machen. Der Reichstagspräsident hat aber nach Mitteilung übriger Tatsachen damals laut Sitzungsxrotokoll ausdrücklich erklärt: „Ich stelle fest, daß ein Widerspruch nicht erfolgt."
Nachdem dann die Reichsregierung beschloffen hatte, ein Mitglied des Auswärtigen Ministeriums mit der Unterzeichnung zu beauftragen, verlangte in letzter Stunde die Entente die Unterzeichnung durch zwei Reichsminister. Es handelt sich dabei um einen reinen Formalakt, da jegliche Erörterungen und Verhandlungen von vornherein ausgeschlossen waren. Nur im Interesse des vor der schlimmsten Katastrophe stehenden deutschen Volkes und Vaterlandes ist auf ein dringliches Ersuchen des Reichspräsidenten und der Reichsregierung von dem Reichsminister Dr. Bell, dessen wiederholte und nachdrücklichste Gegenvorstellung bezüglich feiner persönlichen Stellungnahme und des von ihm geleiteten Reichskolonial- Ministeriums vergeblich blieben, daß fein Gewissen unerträglich bedrückende Opfer der Mitunterzeichnung des Zwangsdiktats, schwerer für ihn als das eigene Leben, gebracht worden.
Durch diese einroanbfreie Sachdarstellung erledigt sich der Vorwurf, daß in irgendeiner Form der Kriegsschuldlüge zugestimmt worden sei. Mit dem Versailler Zwangsdiktat haben sich weder die damalige Regierung, noch die zustimmenden Parteien, noch namentlich auch die damaligen Unterzeichner innerlich irgendwie abgesunden. Das Zwangsdiktat ist eben in der ungeheuerlichsten Weise unter Ausnutzung unserer furchtbaren Zwangslage gegen unseren schärfsten Protest von uns erpreßt worden.
Auf diesen unverrückbaren Standpunkt sollten sich alle Deutschen, ohne Unterschied der Stände und Partei, einigen und gegenseitig die Ehrlichkeit ihrer Ueberzeugung und ihrer nationalen Gesinnung anerkennen, gleichviel ob sie für oder gegen die Unterzeichnung sich entschieden haben, so wie es in jener denkwürdigen Sitzung vom 23. Juni 1919 in Weimar feierlich festgelegt worden ist.
Aber auch der Vorwurf, daß inzwischen keine genügende Aufklärung über die Kriegs- schuldlüge erfolgt sei, ist durchaus ungerecht. Die Reichsregierung hat nichts versäumt, was zur Klarstellung des Sachverhalts irgendwie geeignet war. Die amtlichen Veröffentlichungen der Reichsregierung sprechen in Verbindung mit veröffentlichtem Inhalte der russischen Geheimarchive eine fo deutliche Sprache, daß kein ehrlicher Kritiker mehr an dem Vorwand und das Märcben von der ,
W fit öle Memme.
Wtb London, 8. Sept. (lei.) Nach einer Reutermeldung aus Rewyork sind die von einem Syndikat von 8 bis 10 amerikanischen Danke« unter Führung der Equitable Trust Company geführten Vorschläge über einen Kredit von 10 Millionen Dollar für das deutsche Soh- lensyndikat fo gut wie zu Ende geführt. Der Ertrag soll zur Belebung der Sohlenerzeugnng hn Ruhrgebiet verwandt werden. Die Sicherheit wird in einem Pfandrecht auf die Kohlengruben und Vorräte bestehen. Ferner werden das Syndikat und deutsche Danken die Dürgschafi übernehmen.
Deutscher Reich.
* Der deutsche Städtetag. Der Vorstand bei preußischen Städtetages wird seine diesjährige Sitzung am Montag den 8. Sept, in Gleiwitz unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Böhm-Berlin ab# halten.
* Im Thüringer Landtag wurde ein kommunistischer Mitztrauensanrrag gegen die Re> gierung mit 36 gegen 27 Stimmen abgelehnt. Die Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten stimmten für, die Rechte geschlossen gegen den Antrag. _____________
KMarrd.
* Attentat ans den polnischen Staatspräsidenten Zu dem Attentat meldet die polnische Telegraphenagentur: Während des Aufenthaltes des Präsidenten der Republik Wojciechowski in Lemberg, anläßlich der Eröffnung der Lemberger Ostmesse wurde gegen das Auto des Präsidenten eine Petarde geschleudert, die nur schwach unter dem Auto explodierte. Das Attentat hat keine Opfer gefordert. Ein Beteiligter wurde verhaftet, zwei andere flüchteten.
Rus der Zentrumspartei.
— Die Tagung der Ardelterzentrinnrwähler. Auf der in Elberfeld abgehaltenen Tagung der.Vertreter der Arbeiterzentrumswähler Deutschlands wurde eine Entschließung gefaßt, in der es gegenüber anders gerichteten Meinungen als dringend geboten erachtet wird, daß Reichskanzler Marx zur Wahrung der Kontinuität' gleichgerichteter Außenpolitik unter allen Umständen auf seinem Posten auSharre, wie auch immer die weitere Regierungsentwicklung fein mag. Die Konferenz ist der Meinung, daß eine Zusammenlegung aller poli- tischen Kräfte im deutschen Volke notwendig sei und der Versuch gemacht werden muffe, alle großen Parteien, in denen positive Kräfte vorhanden sind, zur Mitverantwortung heranzuziehen. Eine solche Zusam- menfaffung wäre nicht gegeben in einer Regierungsneubildung mit der Richtung zur Herstellung einest gegen die Arbeiterschaft gedachten Bürgerblockes. Dir Zentrumsarbeiterwähler verlangen von der Zentrums-^ Partei, daß sie entsprechend ihrer Ueberlieferungen unter allen Umstanden Rücksicht darauf nehme, daß eine gerechte Verteilung der Lasten aus den Son«' doner Beschlüssen politisch ermöglicht wird. Die 23er»i sammlung war einmütig in ernster Besorgnis wogens der Einbringung der Zollvorlagen seitens bet| ReichSregierung. ES wurde allgemein bezweifelt, ob überhaupt die Agrarzölle die erhofften Vorteile erzielen' könnten, weil sowohl im Interesse der Erzeuger, toiei der Verbraucher eine energische Bekämpfung der trage-; sunden Preispolitik und die Verkürzung des Weges vom Erzeuger zum Verbraucher zu liegen scheine. Die. Einführung der Agrarzölle würde diese Bestimmungen^ erschweren, die soziale Not verschärfen und die Senkung der Reallöhne bedeuten.
Tarifwesen.
— Jm vankgewrrbe. Wie der Deutsche Bank- beamtenverein mitteilt, haben Verhandlungen zwischen den Angestelltenorganisationen und dem Reichsverband der Bankleitungen stattgesunden, in denen der R e i ch S- manteltaris für das Bankgewerbe in unveränderter Fassung bis zum 31. 3. 1925 verlängert worden ist. Für September und Oktober wurden die Gehaltssätze des Schiedsspruchs vom 28. 7. d. Js. vereinbart.
alleinigen Schuld Deutschlands am Kriege glauben kann.
Insbesondere aber haben auch die Zentrumspartei und vornehmlich ihre am heftigsten und ungerechtfertigsten dieferhalb angegriffenen Mitglieder alles getan, um unter Rechtfertigung ihrer einwandfreien Stellungnahme zum Versailler Zwangsdiktat die Kriegsschuldlüge vor aller Welt klarzulegen. Hierzu ist eine unablässige Aufklärung in der Presse des Inlandes und auch des Auslandes erforderlich, wie dies gerade von Mitgliedern der Zentrumsfraktion in vorbildlicher Weise geschehen ist. Hervorragende Leistungen sind in dieser Hinsicht auch erfolgt durch die ausklärenden Schriften der Arbeitszentrale der deutschen Verbände zur Aufklärung der Schuldlüge.
Nachdem inzwischen seit Kriegsbeginn 10 Jahre verflossen sind, darf die Erwartung ausgesprochen werden, daß die tiefbedauerliche Kriegspf yochfe und die damit verbundene gehässige Stimmung allmählich einer Grundeinstellung der Vernunft und der Versöhnung Platz macht. Deffnen dann all« Regierungen, so wie es von der deutschen Rcichs- regierung rückhaltlos geschehen ist, zur historischen Fesfftellung des Sachverhalts ihre Geheimarchiv« und unterbreitet man allseitig die Entscheidunx über die Kriegsschuld einem wirklich unparteiischen Schiedsgerichtshofe, dann wird aus dieser unbefangenen Entscheidung eine gründliche Revision auf die alleinige Verantwortlichkeit Deutschlands aufgebauten Versailler Zwangsdiktates und vor allem eine grundlegende Aenderung ganzen Geistes von Versailles dsrzu- leiten io»»