Einzelbild herunterladen
 

uldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.

Nr. 208.

Verautworuich iür die Sckrittlettrmg Dr. Jsbanner Kramer. Anreisen! I- B arreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlas der x Fuldaer ActieudruSerel in Fulda. Fernivrerber Nr- 9. s Monatlicher Bezugspreis: 1.50 Mk.

Samstag, 6« September 1924*

Anreigen-Preike: «temzelle (Colonel» lokal 0,15 Gold mark, auswärts 0,20 Goldmart! Reklame,eile lokal 0,60, Toldmark answüris 0,80 Goldmark. r.

Bei Wiederdolnnssn Rabatt- Poitscheckkonto Frankfurt a. M- 4061.

51. Zahrg,

MW bbS her »W.

Macdonald hat in der großen Rede, die er auf der Dölkerbundstagung in Genf hielt, die Aufnahme Deutschlands und Rußlands in den Bund als not­wendig bezeichnet. Darüber wird noch gemeldet:

wtb Paris, 5. Sept. (Tel.) Der Sonder­berichterstatter der »Chicago Tribüne" meidet fei­nem Blaff, daß der Vorschlag Macdonalds, die Frage der Sicl^rheiken einem besonderen Ausschuß zu überweisen und fie bei Zusammentritt der Kon­ferenz zu verhandeln, die über die Absichten des Völkerbundes binnen Jahresfrist in Genf zufam- mentreten soll, den Beifall der großen Mehrheit

Nicht der Plan, sondern der hinter ihm stehende (Seift bezeichnet die erste Wendung zu einer bes­seren Methode nach dem langen traurigen Weg, den wir alle zurückgelegt haben.

Heber die Ernennung Gilberts zum ständi­gen Generalagenten erklärte Young folgendes: Mit großer Befriedigung habe ich aus den Zeitun­gen die Wahl Gilberts zum ständigen General­agenten erfahren. Wir könnten in den Bereinig­ten Staaten keinen besseren Mann finden, um diese schwere lastenreiche Aufgabe zu übernehmen. Seine Erfahrung, die Unparteilichkeit seines Urteils, sein klarer Sinn und sein feiner selbstloser Geist bürgen für die erfolgreiche Durchführung seines Amtes.

Die Kriegsschuldnote.

der Völkerbundsversammlung gefunden habe, so­daß kein Zweifel bestehe, daß die Anregung Mac­donalds angenommen werden wird. Es werde an­genommen, daß herriok heute vormittag gleichfalls dem Plan Macdonalds zusttmmen werde. Die französische Delegation habe sich gegen nachmittag einstimmig dahin erklärt, daß es am klügsten wäre, diePolitikderVersöhnung und des Einverständnisses fortzusehen, eine Politik, die den Londoner Pakt und die Annahme des Dawesplanes nach 21Z-)ät)r. isolierter Aktion seitens Frankreichs und Belgiens möglich gemacht habe.

wtb Paris, 5. Sept. (Tel.) lieber die von Macdonald angeregte Frage der Zulassung Deutschlands zum Völkerbund meldet Sonderberichterstatter des »Petit Journal" sei- Blatte:

Ich glaube nicht, daß diese Anregung bei der französischen Delegation auf grundsätzlichen Wider­stand stößt, und es ist sicher möglich, daß sie seitens der deutschen Regierung nicht mehr Widerstand fin­det. Ich erfahre aus guter Duelle, daß Deutsch-

Wie die ,Doffische Zeitung' hört, steht die Absen­dung der Kriegsschuldnote an die fremden Regierun­gen unmittelbar bevor.

*

Nach einer Meldung der ,Voss. Ztg.' aus Essen werden nunmehr nach dem Aushören der bisherigen Micumfürde nR uhrbergbau Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung und dem Bergbau einerseits und der Repko und den in Essen ver­bleibenden Mitgliedern der bisherigen Mieum anderer­seits stattfinden, um Abmachungen zu treffen über die Sorten und Mengen der zu liefernden Repa- rationskohlen und über die Art der Zahlung.

dem besetzten Gebiet.

RLckkchr des Oberpräsidenlen Fuchs.

- Der Oberpräsident der Rheinprovinz, Dr. Fuchs, ist nach Koblenz zurückgekehrt, um feine Dienst- gefchäfte wieder aufzunehmen. Er wurde von dem Oberkommisfar T i r a r d zu einer Besprechung ge­beten.

fand geneigt wäre, in den Völkerbund ohne eine andere Bedingung einzutreten, als daß es einen Sih im Völkerbundsrat erhält. Aber abgesehen von dieser grundsätzlichen Frage bestehen noch andere Fragen. Man müsse sich fragen, ob es Sache der früheren Gegner Deutschlands sei, Deutschland zum Eintritt aufzufordern. Jedenfalls fei es normaler, daß die Initiative von Berlin aus komme und daß dann mit einem Zulastungsantrag nach dem üblichen Verfahren verhandelt wird, das unter anderem die Untersuchung durch eine Son- dsrkommifsion über die Lage Deutschlands bezüg­lich Abrüstung erfordert. Schließlich wäre es na­türlich gewesen, wenn Macdonast). bevor er An­regung ergehen lieft, mit der französischen Dele­gation Fühlung genommen hätte.

wtb Paris, 5. Sept. (Tel.) Wie der Genfer Sonderberichterstatter des »Petit Journal" zu mel­den in der Lage zu fein glaubt, wird Sonntag dis

Das französische Paßamt in Mainz hat seinen Dienst eingestellt.

Zu der Meldung, daß die Stadt Remagen französische Zwangseinquartierung erhalten hat, weil dort Anhänger Smeets verprügelt worden sind, wird gemeldet: Bei der Einquartierung han­dele es sich um ein einmaliges llebernach- t s n eines von dem Schießplatz Wahn kommenden Regiments m Remagen, Podendorf und Sinzig. Eine weitere Einquartierung für ein einmaliges Uebernachten des Regiments ist für den 13. Sept, angekündigt. Nach der Berprügelung der Smeets- anhänger verlangte die Kreisdelegation Bestrafung durch die deutschen Gerichte. Die Täter wurden von der deutschen Polizei verhaftet. Wegen der Zusammenrottung zur Pefreiung der Täter hatte die Kreisdelegation eine zweitägige Verkehrsfperre für den vergangenen Samstag und Sonntag ver­hängt. Sonst " find keine Sanktionen verhängt worden.

französische und britische Delegation in Genf zu einer gemeinsamen Sitzung zusammentreten, um die großen Linien eines allgemeinen Programms festzulegen. Dieser bedeutsamen Zusammenkunft werde ein gemeinsames Mittagessen folgen, bei dem beide Premierminister Reden halten werden.

wtb. Gens, 5. Sept. (Tel) In der heutigen Sitzung wird außer Herriot «och Ministerpräsident Theunis, dann Salandra und Bsnrsch das Wort eegreisen.

wtb. Gens, 5 Sept Das »Journal de Geneve' will wisseu, Satz die Diskussion Ser M o s s u i f e a g e im Bölkerbundsrate langwierig jein wird. Eine Entscheidung sei nicht vor der nächsten VLilrer- buudsversammluug zu erwarten.

Owen pouRg m Berlin.

Der amerikanische Agent für die Reparationen Owen Young ist in Berlin eingetroffen. Im Auf­trage des Reichsfinanzministers hatte sich Ober­regierungsrat Dr. Meyer zum Empfang einge­funden: ferner war u. a. der amerikanische Ee- schäststräger Robbins erschienen.

Nach seiner Ankunft in Berlin empfing Owen Young die Vertreter der Presse im Hotel Adlon zu einer kurzen Besprechung und gab ihnen, folgende Erklärung ab: Es muß in der ganzen Welt, besonders in Deutschland, ein Gefühl der Er­leichterung und Befriedigung auslöfen, zu wissen, daß jetzt in Berlin einleitende Schritte unternom­men werden, um das Londoner Abkommen über den Dawesplan in Wirksamkeit zu setzen. Ganz ab­gesehen von den Verdiensten oder Mängeln des Pla­nes selbst, über die zu sprechen man anderen über­lassen muß, kann man sagen, daß er bereits nicht rr die Grundlagen eines Uebereinkommens zwi- jchcn den alliierten Regierungen, sondern auch eine Äerftändigung zwischen ihnen und Deutschland er­möglicht hat, eine wirkliche Verständigung von Gleichberechtigten nach ausführlicher Aus­sprache und wichtigen Konzeffionen. Er hat die Welt schon eine Strecke auf dem Weg zu Ruhe und Frieden vorwärts gebracht. Ob der Plan so gut ist, wie seine begeisterten Pefürworter glauben oder so schlecht, wie seine schlimmsten Feinde sagen, ist 'nidft annähernd so wichtig wie die Frage, ob alle interessierten Länder gewillt sind, ihn in Wirksam­keit zu setzen. Wenn sie das sind, so wird der schlechteste Plan Erfolg haben, wenn nicht, so wird der beste Plan fehlschlagen. Deutschland hat, ich freue mich das sagen zu können, den ersten Schritt mit der Zahlung von 20 Millionen Goldmark an den Generalagenten getan. Das geschah mit einer Pünktlichkeit, die ein gutes Beispiel bildet. Ich bin sicher, die nächsten Schritte werden von den Kotierten mit der gleichen Pünktlichkeit ausgefüyrt.

Politik ohne Phrase.

Man schreibt uns von einer besonderen Seite: In dem hannoverschen Blatt der Deutschen Volkspartei findet sich in Rechtfertigung der Zu­stimmung der Deutschen Volkspartei zu den Londo­ner Abmachungen folgender Satz:

Politik ohne Phrase, das ist der ein­zige Weg, der die deutsche Zwietracht zur Einigung und aus armseliger Versklavung zur Weltgeltung führt."

Wir unterschreiben Wort für Wort diesen Satz. Die Deutsche Volkspartei ist den Weg der Erkennt­nis gegangen. Sie hat es selbst ersahren, was es heißt, Politik ohne Phrase zu machen und die Ver- äntwortung mit zu tragen.

Und nun sind die Deutfchnationalen dabei, sich ihre Gedanken zu machen darüber, ob in Zukunft Politik mit oder Politik ohne Phrase in ihren Reihen herrschen soll. Es wird den Deutschnatio­nalen garnichts anderes übrig bleiben, als den­selben Weg zu gehen, wie die Deutsche Volkspartei und gegebenfalls auch die Reinigung in den eigenen Reihen zu vollziehen.

Die Deutschnationalen haben vor ihrer Ab­stimmung immer wieder die Einheit und G e- schlossenheit ihrer Fraktion betont. Es war, wie nun deutschnationale Blätter selber ausspre­chen müssen, Sand in die Augen der Wühler. Man hat die Wählerschaft über die wirkliche Situation vollständig hn Unklaren gelassen. Wenn eine vollständige Einheit und Geschlossenheit sich da­durch kundgibt, daß bei der entscheidenden Ab­stimmung eine Fraktion sich genau in zwei Hälften teilt, dann ist das allerdings ein neuer Begriff, für den weite Mafien sicherlich kein Ver­ständnis haben.

Und so sahen wir denn auch bereits die deutsch- nationale Front gewaltig wanken. Deutschnationale Blätter selber sind es, die mit starkem Pathos gegen die Jasager, aber auch gegen die Nemfager, gegen H e r g t und Westarp sich wenden. well es ihnen nicht gelungen ist, wirklich die Eini­gung zu vollziehen. Und nun ruft man nach Reinigung. Ganz besonders schroffe Worte sindet man gegenüber all denen, die noch ein paar Stunden vor ihrer entscheidenden Abstimmung genau das Gegenteil von dem gesagt haben, was fie in ihrer Abstimmung schließlich bekundeten. Wenn z. B. der als volksparteiliche Äbg. gewählte Kemnitz, der ober sofort zu den Deutschnationa­len übertrat, noch am Tage vor seiner Abstimmung schrieb:Ich will reine Hände behalten, ich will nicht mit schuldig werden an dem Zusammenbruch unseres Vaterlandes" und wenn derselbe Abgeord­nete ein paar Stunden später für London, für denSchandvertrag" stimmte, so wird der größeren Maße der Wähler das Verständnis dafür freilich

ebenfalls nicht aufgehen. Und man wird es auch schwer zu vereinbaren wissen, wenn Professor Hoetzsch, der seinerzeit eine absolute Ablehnungs- rede hielt, inzwischen, aber freilich nicht in einem reichsdeutschen Blatt, das Scheitern der Londoner Abmachungen gleich stellte mit einem Sieg des Bol­schewismus auch über Deutschland, und der schließ­lich in der entscheidenden Abstimmung ebenfalls für London stimmte, nunmehr mit denselben Ar­gumenten seine Haltung verteidigt, die in der Presse der Mittelparteien und die insbesondere aus den Reihen des Zentrums heraus immer wieder mit Nachdruck vertreten worden sind.

Den Deutschnationalen bleibt tatsächlich nichts übrig, als zu entscheiden darüber, ob sie eine Poli­tik ohne Phrase treiben wollen. Erst wenn darüber die Entscheidung gefallen ist, wird man sich auch über den Wert deutschnationaler Mitarbeit an den Regierungsgeschäften, aber auch über die Kraft und Fähigkeit zu einer solchen Mitarbeit entschei- den können. Selbstverständlich fft für uns, daß, nachdem unsere Politik nun Früchte zu tragen be­ginnt, wir es nicht dulden könnten, daß auf Um­wegen das bisher Geschaffene wieder fobottiert würde.

Zur KufWsrtrmgsangelegenheit.

Wolff's Telegraphenbüro teilt folgendes mii: Eine Berliner Abendzeitung verbreitet ohne jede Grundlage die Behauptung, daß in den nächsten Tagen eine Besprechung zwischen Vertretern des Neichsfinanzministerium und Vertretern der Bank­welt wegen der Aufwertung der deutschen Anleihen statifinden und daß zunächst die Frage der Wiederaufnahme des Zinsendienstes in be­scheidenem Umfange erörtert toeibe., Es ist in hohem Grade bedauerlich, daß derartige völlig aus der Luft gegriffene Meldungen, die zur Folge haben, daß der Spekulation ein neuer Antrieb gegeben wird, dem Publikum immer wieder vorgesetzt werden. Weder ist eine Besprechung mit Vertretern der Bank­welt in der Aufwertungsangelegenheit vorgesehen, noch wird im Reichsfinanzministerium daran gedacht, solche unmöglichen Vorschläge, die auch in_ben ver­schiedensten sinnlosen Gerüchten an der Börse zum Ausdruck kommen, zur Erörterung zu stellen.

Der Kampf in China.

In den Forts von Wusung wurden in Erwav tung eines Angriffs der Tschiliflotte, die sich gegen« wärtig in Ningpo befindet, weitttagende Geschütze aufgestellt. Zahlreiche ausländffche Schiffe haften auf der Höhe von Wusung.

Wie die japanische Nachrichtenagentur aus Pe­king meldet, hat Tsang Tso Lin ein Ultimatum an die Regierung gerichtet, in dem er erklärt, daß, wenn die Regierung nicht den Angriff gegen den Militär- nvuverneur von Tscheliang einsteüe, er mit bewaff­neter Macht eingreifen werde.

deutscher Reich.

* Bon der deutsche« Marine. Der Chef der Marineleitung Admiral Behncke beabsichtigt, Mitte September anschließend an die Herbstmanöver der Seestreitkräfte von seinem Posten zurückzutreten. Zn seinem Nachfolger ist der bisherige Oberbefehlshaber der Seestreitkräfte Vizeadmiral Zenker bestimmt.

* Nm das Borkum-Lied. Im Hauptausschuß des preußischen Landtags antwortete auf die Be« merkung des deutsch-nationalen Abgeordneten Milberg, daß das Verbot des Borkum-Liedes (eines antisemitischen Liedes) nicht zu rechtfertigen sei, Minister Severing, daß das Spielen des Borkum- Liedes lediglich von der Gemeinde den Angestellten der Kurkapelle verboten worden sei, nickt aber den Privaten. Gefährlich sei das Treiben des Pastors Münchmeher auf Borkum, der in einem Falle Bade­gäste gegen den Polizeikommiffar aufgeboten habe, sodaß dieser sich in ein Hotel habe zurückziehen müffen. Die Polizei muffe und dafür werde er sorgen die Macht haben, die behördlichen Anord­nungen durchzuschen. Alle Bürger Deutschlands hätten das Recht, sich frei in jedem Teile des Reiches zu bewegen.

- ver Kampf im westdeutschen Baugewerbe. In den Streit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Baugewerbe ist durch den Reichs- und Staats» kommrssar Mehlich der Schiedsspruch gefällt worden. Dieser sieht für das Kölner Lohngebiet einen Spitzen- lohn von 78 Prozent und skir das Industriegebiet einen Spitzenlohn von 74 Prozent vor. Die Parteien sollen sich bis zum r.ä hsten Montag über die Annahme oder Ablehnung erklären.

Achtstundentag-

Da die politische Lage es der Reichsregkerung unmöglich gemacht hat, die Interpellationen über den Achtstundentag und die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens in der abgelaufenen Tagung des Reichstages zu beantworten, hat der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns die Gedan­ken der Reichsregierung über diese Fragen in einem Aufsatze niedergelegt, aus dem wir folgen­den Auszug zu veröffentlichen in der Lage sind. Deutschland hat den achtstündigen Arbeitstag bis zum Herbst 1923 so streng durchgeführt wie kein anderes Land der Welt. Erst der völlige Zusam­menbruch der Währung und Wirtschaft nötigte die vier großen Regierungsparteien des Reichstages zu einem Uebereinkommen mit der Regierung Strese- mann über eine Neuregelung der Arbeitszeit. Auch die aus dieser Verständigung hsrvorgegangene Arbeitszeitverordnung vom 23. Dez. 1923 hält den Grundsatz des Achtstundentages in Deutschland aufrecht. Ueberschreitungen dieser Arbeitszeit sind durch Tarifvertrag oder auf Grund behörd­licher Zulassung möglich. Für Gewerbezweige und Arbeitergruppen, die unter besonderen Gefahren für Leben und Gesundheit arbeiten, ist dem Reichs­arbeitsminister eine verstärkte Fürsorge für Inne­haltung des Achtstundentages übertragen.

Die Anpassung der Arbeitszeit an die Bedürf­nisse der Volkswirtschaft im Rahmen der Arbeits- zeitverordnung ist leider nicht immer durch freie Vereinbarung der Tarifparteien möglich ge­wesen. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände haben die Verantwortung für die schwierige Ent­scheidung über die Arbeitszeit häufig den Schlich­tungsbehörden überlassen, die dann nach bestem Wissen und Gewissen zur Vermeidung eines für alle Teile verhängnisvollen Arbeitrkampfes Schiedssprüche fällen und verbindlich erklären mußten.

Die Fülle der Krittk, die sich gegen die Arbeits­zeitverordnung und ihre Anwendung durch die Schlichtungsbehörden gerichtet hat, geht daher so­wohl in den tatsächlichen Voraussetzungen als in den daraus gezogenen Schlüffen vielfach fehl. Eben­so ist die Stellung, welche die deutsche Regierung auf der Internationalen Arbeitskon- ferenzin Genf zur Arbeitszeitfrage eingenom­men hat, namentlich in der deutschen Presse sach­lich und taktisch beanstandet worden. Die Kritiker übersehen dabei die Schwierigkeit, die für einen schwachen Staat in der Verteidigung gegenüber stärkeren Verhandlungsgegner besteht. Mißver­ständnisse und Verstimmungen dieser Art werden zum Nutzen des deutschen Volkes und des Inter­nationalen Arbeitsamtes vermieden werden kön­nen, wenn die Tättgkeit dieses Amtes von poli­tischen Gedankengängen möglichst freigehalten wird für seine eigentliche Aufgabe, den Sinn für die internationale Förderung der Sozialpolitik in allen Ländern zu stärken.

Die Regelung der Arbeitszeit in Deutschland ist in die Verhandlungen der Genfer Konferenz durch den Bericht des Direktors Thomas hineingezogen worden. Thomas hatte den Wunsch ausgedrückt, es möchtenGarantien" dafür gegeben werden, daß die in Deutschland eingeführte Verlängerung der Arbeitszeit lediglich der Erfüllung der Repa­rationspflichten zugute komme und nicht etwa als einDumping neuer Art" den Nachbar­staaten Deutschlands auf dem Weltmärkte eine schädliche Konkurrenz be7"^ Auf diese Erhaltung

des weltwirffchastlichen Gleichgewichts werde viel­leicht die Reparationskommifiion chr Augenmerk richten müffen.

Hierin tritt uns der Widerspruch entgegen, der darin besteht, von Deutschland höchste Anspannung für Reparationsleistungen zu fordern und gleich­zeitig von der Wirkung feiner SIrbeitsfteigerung eine Konkurrenz auf dem Weltmarkts zu befürchten. Gegen diese Absicht internationaler Kontrolle un­serer Arbeitsweise mußte die deutsche Regierung alle ihr zu Gebote stehenden Gegengründe sprechen lassen. Sie mußte daran erinnern, daß die Ver­längerung der Arbeitszeit im Herbst 1923 erforder­lich gewesen war, um das unter der Ruhrbesatzung, den Micumverträgen und den Folgen dieser Be­lastung zusammengebrochene deutsche Wirtschafts­leben wieder aufzurichten. Bevor Deutschland zur Erfüllung der Reparationspflichten- genügend lei­stungsfähig werden konnte, mußte es feinem Volke Leben und Arbeitsfähigkeit sichern. Dazu mußte die deutsche Wirtschaft wieder tauglich und kapitalstark gemacht werden. Die schweren Wirt­schaftskrisen konnten selbstverständlich nicht allein durch Mehrleistung der Arbeiter überwunden und für die Zukunft verhütet werden. Im Rahmen der dazu nötigen äußersten Anspannung und Dis­ziplinierung des gesamten Wirtschaftskörpers war aber die Intensivierung, Steigerung und Verbilli­gung der Arbeitsleistungen ein ebenso unerläßliches Erfordernis wie die gleiche Behandlung des tech­nischen und organisatorischen Apparates. In die­sem Zusammenhang haben auch Persönlichkeiten wie R a t h e n a u und die ausländischen sachver­ständigen Professoren Keynes und Cassel die Notwendigkeit einer Verlängerung der Arbeitszeit in Deutschland schon im Jahre 1922 anerkannt.

Von der Gesahr eines deutschen Dumpings kann aus diesem Anlaß um so weniger gesprochen werden, als die deutsche Wirtschaft der Nachkriegs­zeit mtt einem Substanzverluft von 10 bis 15 Proz. an Land und Menschen, 25 Proz. an Koh­len, 75 Proz. an Erz, 90 Proz. ihrer Landesflotte und etwa 20 Proz. der Ernährungsbasis, ohne die Kolonien und das Auslandskapital zu rechnen, die Konkurrenz gegenüber ihren durch den Krieg an Land und Vermögen erstarkten Mitbewerbern be­stehen muß. Unter den Folgen des Krieges und der Ruhrbesetzung ist unser Volkseinkommen um die Hälfte des Goldwertes der Vorkriegszeit ge­sunken, nicht nur die Handels-, sondern auch die Zahlungsbilanz ist passiv geworden. Diese so geschwächte deutsche Wirtschaft soll auf Grund des Dawes-Gutachtens künftig eine Reparations­pflicht von 2,5 Milliarden Mark jährlich aus dem Dawes-Gutachten auf sich nehmen, außerdem die unentbehrlichen ausländischen Privatkredite ver­zinsen und amortisieren und endlich wieder neues Kapital bilden. Diesen Tatsachen gegenüber muß die Sorge von einem deutschen Dumping im Aus­lande verstummen, keinesfalls darf sie durch unter­richtete deutsche Kritiker gar noch begünstigt werden.

In dieser Lage, können wir das Arbeits-' zeitproblem nicht nur unter den Gesichts­punkten der Reparationsleistungen ansehen. Die Mehrarbeit, die wir auch zur Erhaltung unseres eigenen Wirtschaftslebens brauchen, verträgt in ihrer weiten Verzweigtheit durch alle Gebiete wirt- schaftlichen, staatlichen und gesellschaftlichen Lebens