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Fuldaer Zeitung

Frankfurter Dürfe

Bauemkmögebung in der südlichen Rhön

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Kinderkreuzzugs. Was mit Jubel begonnen und in Elend verstummt ist, die ganze Tragödie der vermeffent- lich wagenden Ausfahrt einer vieltausendköpfigen Schar, die von keinem Wunder aus dem harten Gesetz der Natur errettet wird, entrollt sich im Schicksal zweier deutscher Ritterkinder, die mit wenigen andern endlich den heilige« Boden betreten. Die Stadt des OelbergS erspart auch ihnen nicht das Leiden. Pein des Leibes und der Seele macht fie vollends zu Kreuzfahrern ins heilige Land der eigenen Brüst. So war um dieser tolften, die am Ende Kreuzauffindung in der Seele feiern, der Zug bei heiligtrunkenen Schar nicht umsonst 1 gewesen.

JVi 206.

Donnerstag, 4. September 1924,

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Die zestfchrist zur Loburger zeftungrweihe. Der Festausschuß für die vom 6. bis 8 Sept, stattfindenden Weihe der von Bodo Ebhardt umgebauten alten Coburger Veste hat als Werbe- und Erinnerungsschrift ein 78 Seiten starkes, vornehm ausgestattetes Heft heraus- gegeben, das mit zahlreichen prächtigen Bildern ge- schmückt ist, die die Stadt Coburg und ihre Veste in ihren landschaftlichen und architektonischen SMnheiien aufs Vorteilhafteste zeigen. Eine Reihe Coburger Hemratschriftsteller, darunter Ernst Hauck, Richard Popp (f), Julius Kühn, Prof. Kämmerer, Archivrat Dr.

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Am Sonntag den 31. August versammelten sich fcn Sinntalhof-Bad Brückenau, mehr als hundert Vertreter der Kleinbauernschast der südlichen Rhön zu einer Besprechung. Der Einberufer, Landwirt Putz (Vorsitzender des Bundes schaffender Land­wirte), hatte nach seinen Angaben nur wenige ihm bekannte Bauern verschiedener Gemeinden einge­laden, um über die N o t l a g e der Klein­bauern und die zu ergreifenden Maßnahmen zu beraten. Wenn es trotzdem zu einer eindrucks­vollen Kundgebung der Kleinbauern der südlichen Rhön, vertteten durch mehr als hundert Bauern aus 28 Gemeinden kam, dann zeugt das von der schweren Noüage der dorttgen Bauernschaft.

Wochenlanges Unwetter hat die ganze Getreide- ernte in der Rhön ruiniert. Die Bauern zeigten bei der Besprechung Getreide, an welchem finger­lange Keime ausgewachsen waren. »Nicht einmal als Sc^veinefutter können wir dieses Getreide ver­wenden. Wir find gezwungen, unseren ganzen Bedarf an Brotgetreide zu kaufen. In der Hoff­nung aus eine gute Ernte nach der anstrengenden Arbeit des ganzen Jahres haben wir Kredtt auf« genommen. Jetzt sollen wir die Kredite zurück- bezahle». Hinzu kommen die unerträglichen Steu­ern. Ssatgut sollte gekauft werden. Düngemittel sind notwendig, Futter und Streumiüel müssen be­schafft werden. Wir aber haben kein Geld, sind ruiniert" — Das waren die in Bitternis und Ler- zweifiung hervorgestoßenen Worte der Rhönbauern.

Landwirt Putz legte in eindringlichen Worten dar, daß es notwendig ist, daß die Kleinbauern zufammenstehen, um ihre Interessen zu vertreten. Er mies darauf hin, daß der Kampf gegen die ungerechte Steuerbelastung der Kleinbauern ge- Mhrt werden muß, daß der Staat zu verpflichten ifc der in große Bedrängnis geratenen Klein- banernschast zu Hilfe zu kommen durch Beliefe­rung von verbilligtem Saatgut und Kunstdünger, Gewährung billiger Staatskredite, Stundung bezw. Waß von Steuern und Abgaben usw.

In diesem Sinne wurde ein Notruf an die bayerische und preußische Regierung und an die Dolksvertreter in den Parlamenten (ohne Unter­schied der Parteien) gerichtet

Die Diskussion war sehr rege. U. a. beteilig­ten sich die Vorsitzenden der Bezirksbauernkammer: die Landwirte Kohl und Wehner und drei Land­tagsabgeordnete. Die Rotwendigkett des einigen 'Zusammenstehens aller Kleinbauern und der Her- stellung eines engen Bündnisses mit der werktäti­gen Bwölkerung in den Städten wurde allseitig anerkannt Um die Kraft der Kleinbauernschast in die Wagschale zu werfen und in einiger Front den Forderungen Nachdruck zu geben, wurde auf Vor­schlag des Landwirts Putz eine große Bauern- kundgebung aller Rhönbauern beschlossen. Rach- jolgender Ausruf zu der großen Bauernkund- gebung wurde einstimmig von den Kleinbaus rn- vyrttetern, darunter Gemeindevorsteher, Bauern- kammermitgliÄ>er »sw. angenommen.

An die Bauernschaft der Rhön!

Rhönbauern!

Unsere Not ist groß. Sie wächst von Tag zu Tag. Schwere Steuern, unerschwingliche Zinsen für Leihgeld, twhe Preise für Betriebsmittel bringen uns an den Rand

des Abgrundes. Der ausnahmsweise harte und lange Winter hat unfern Feldern großen Schaden zugefüch. Vielerorts find bis zu 90 Prozent der Saaten ausge- öintert. Zu all dem regnet es seit Wochen unaufhörlich. Das Getreide fault auf den Feldern, die Körner wachsen aus, die Scheunen bleiben leer.

Mtt schweren Sorgen schauen wir Rhönbauern in die nächste Zukunft. Womit sollen wir das Brotgetreide kaufen, um unsere Familien bis zur nächsten Ernte zu ernähren? Woher nehmen wir das Saatgut, um die Felder zu bestellen? Gerade jetzt, wo wir kleine Bauern Getreide und Saatgut kaufen müssen, steigen die Preise dieser Produkte bis über die Friedenspreise. Und wer von uns ist heute noch in der Lage, die notwendigen Düngemittel, Geräte, Kleider und Schuhwerk anzu- fchaffen?

Der arbeitende Bauer der Rhön wird gezwungen sein, Pferde und Bieh zu verkaufen, Hypotheken aufzu­nehmen, Wucherzinsen zu zahlen, nur um die Wirtschaft aufrecht zu erhalten. Schon lauert im Hintergrund das Gespenst der Zwangsverkäufe, die Rückkehr jener bösen Zeit, wo Tausende deutscher Kleinbauem die Heimat ver- lassen mußten, um im fernen Lande das bittere Brot der Fremde zu essen.

Rhönbauern, wie uns, so geht es Hunderttausenden kleiner Bauern in ganz Deutschland. Im Reiche, wie in den Ländern haben die Regierungen der besonderen Noüage des kleinen Bauern nur wenig Augenmerk ge- schenkt. Auch die Berufsverttetungen der Landwirtschaft haben in allen ihren Eingaben und Beschlüssen mehr an die großen als an die kleinen Landwirts gedacht In den Amtsstuben und Landtagen wird wohl von 3erer Not gesprochen, man erwägt und vettröstet, aber elfen hat man uns bis heute so gtdt wie garnicht.

Es ist darum höchste Zeit» daß wie Kleinbauern der Rhön selber das Wort ergreifen. Wir müssen zu unse­rer Notlage Stellung nehmen und nach Mitteln der Ab­hilfe suchen. Wir müssen unsere Forderungen den Be­hörden und Regierungen vorlegen, wir muffen die Klein­bauern der benachbarten Gebirgsgegenden, des Spes- farts, des Vogelsbergs, des Thüringerwaldes, des Fran- kenwaldes und des Fichtelgebttges aufrufen, gleich uns ihre Stimmen zu erheben.

Rhönbauern! Wir Bauern des Sinngrundes und der südlichen Rhön, die am heutigen Sonntag im Sinn- talhof bei Brückenau versammelt sind, haben einen Not­ruf an die bayrische und die preußische Regierung ge­richtet, der folgende Forderungen enthält:

1. Sofortige Feststellung der Auswinterungs- und Ernteschäden durch besondere Kommiffionen der • berufstätigen Landwirte.

Wirtschaft nicht voll zusammenbrechen soll. Wir sind gerne bereit, nach unfern heften Kräften für den Wieder­aufbau Deutschlands zu arbeiten und Opfer yi bringen, aber wir müssen verlangen, daß der Staat in erster Linie die Existenz des arbeitenden Volkes schützt, ohne dessen Schweiß und Fleiß ein Wiederaufbau unmöglich ist. Wir rufen Euch deshalb auf: Stellt Euch hinter unsere Forderungen! Je mehr Bauern ihre Stimme er­geben, desto bessere Aussicht besteht, daß sie höheren Ortes gehört werden.

Wir Unterzeichneten haben deshalb beschloffen, zmn Sonntag, den 14. September, nach Gersfeld

einen allgemeinen Rhö nb auerntag einzuberufen. Wir fordern Euch auf, dafür zu sorgen, daß jede Rhöngemeinde mindestens einen Vertreter zu dieser Tagung schicke. Wir zweifeln nicht, daß dieser Rhönbauerntag em Mittel sein wird, um uns zu Helsen, und um die Kleinbauern in ganz Deutschland für die Wahrung ihrer Interessen anzuspornen. Die Regie­rungen müßen uns hören, wenn wir fest zusammen­stehen.

Einigkeit macht stark!

Sinntalhof, den 31. August 1924.

Die Notlage der Landmirtschast im Hauptausfchuß des preußischen Landtags.

Der Hauptausschuß des preuß. Landtags be­riet am Montag den Haushatt der Domänenver- waltung für 1924. Der Abg. Rhiel -Fulda (Zentr.) führte hierbei folgendes aus:

Das andauernde schlechte Erntewetter hat in vielen Teilen Preußens, insbesondere in den mitt­leren, südlichen und westlichen Bezirken eine der­artige Schädigung des Körnerertrags herbeigeführt, daß er sich zur Aussaat im Herbst und im Frühjahr nicht eignet. Die infolge der Minderwertigkeit erschwerte Verkaussmöglichkeit und die hierdurch noch gesteigerte Kreditnot der Landwirtschaft machen es den betroffenen Spmä- nenpächtern und den sonstigen bettoffenen Land­wirten unmöglich, das erforderliche Saat­getreide zu beschaffen

Diese Ausführungen fanden bei der Regierung und bei allen Parteien volle Zustimmung. Ein von den Mitgliedern der Zentrumspartei gestellter Antrag, wonach das Staatsministerium ersucht wird, schleunigst Maßnahmen in die Wege zu leiten, die den betroffenen Landwirten den An- kauf des Saatgetreides, insbesondere durch K r e- ditgewährung und weitgehendste Steuer« ftundung, zu erträglichen Preisen erleichtern, wurde einstimmig angenommen.

Weiter wurde folgender Antrag der Zenttums- Mitglieder angenommen:

DaS StaatSministerinm wird ersucht, bei der Ver. Pachtung von Domänen folgenden Grundsatz zu be- rückfichttgen: Die Domänen haben nicht nur den Zweck, Einnahmen für den Staat zu schaffen, sondern an erster Stelle auch als Musterwirtschaften die Land, wirtschaft der betreffenben Gegend zu fördern. Hierzu fit erforderlich, daß die Domänenpächter mit dem Bauernstände' der Gebend fühlen und denken, das volle Vertrauen der Bevölkerung der betreffenden Gegend genießen und nicht als Fremdkörper in der Gegend gelten.

Hierbei wurde festgestellt, daß unter den Do­mänenpächtern sich nur etwa 7 Proz. Katholiken befinden, wahrend die Katholiken diesen Prozent­satz um etwa das 4—öfache überschreiten.

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5. Stundung aller übrigen Steuern und Abgaben für die Schwergeschädigten bis zur ZahlungsMig. kett.

6. Herabsetzung, eventl. Erlaß der Pachtzinsen für staatliche Grundstücke entsprechend dem festgestell­ten Schaden.

7. Bereitstellung ausreichender Erwerbsgelegenheit in den Staatsforsten, Freigabe von Waldstreu, Nutz- und Brennholz aus den Staats- und Ge- meinbeforften.

Rhönbauern! Wir halten diese Forderungen für das Mindestmaß besten, was jetzt notwendig tft, wenn unsere

Krieg, Prof. H. Langbein, Prof. Gelenheinz, Emil Rädlein, Geheimrat M. OScar Arnold, Landgerichts­direktor Dr. Schack, Prof. Adam Brückner, Dr. Rudolf Brückner, der bekannte Dialektdichter Georg Eckerlein Schursch), Ernst Lorentz, Life Reitzmann und Emil Herold find mit Beitragen vertreten, die ein um. fastendes Bild von dem ßanbe- Coburg und seiner Ge­schichte und Kultur geben.

von Godestied und Mechthildir, die krenzfahrt« ginge«. Sine Erzählung auS dem Kinderkreuzzug. Von Helene PagöS. S°. ftV u. 214 S.; 1 Md) Freiburg i. Br. 1924, Herder. Gebunden in Leinwand 3,50 G -M. Das Buch erzählt von dem wildfrornmen Abenteuer des

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Im Nachgang ju bet In den Fillbaer Zeitunmri öffentlichten Bekanntmachung vow 28. Juli 1924 L. über Betäowfung des Sartoffelktftees wird nach- stehend bie Pmizsiverordnung bes Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten vom 2. August 1924 über die Anzeigepflicht beim Auftreten des Kartoffelkäsers veröffentlicht. Die Ürtspolizeibehörden werden ersucht, sie ortsüblich bekannt zu machen. Zu § 2, Abschnitt 2, der Polizeiverordnung bemerke ich folgendes:

Oie Ortspolizeibehörden haben an der Hand der farbigen

Abbildungen des ihnen vorigen Jahres zugegangenen Flug­blattes: „Deutscher Pflanzenschutzdienst. Achtet aus den Kartoffelkäfer" zunächst zu prüfen, ob es sich tatsächlich um diesen Schädling handeln kann. Häufig sind Verwechselungen der grauen Larven des Marienkäfers mit den rötlichen' Larven des Kartoffelkäfers. Es muß schon zur Borsicht mahnen, wenn nur Larven und nicht ausgebildete Käser- fnrmen bes Schädlings gefunden sein sollen. Das Aus­sehen des Käsers mtt seinen 10 schwarzen Streifen auf den hellen Flügeldecken ist so charakteristisch, daß er bei einiger Sorg fall mtt keinem anderen Insekt verwechselt werben kann. Liegt Anlaß zur Annahme der Einschleppung vor, so hat die Ortspolizeibehörde sofort an das Landrats­amt zu berichten. ।

Polizeiverordnung

zur Bekämpfung Vos Kartoffelkäfers.

Auf Grund des ß 34 des Feld- und Forsipolizelaefetzes kn der Raffung des Gesetzes vom 8. Juli 1920 (Gesetzsamml. S. 43?), des § 136, des Landerverwaltungs - Gesetzes vom 30. Juli 1883 (Gesetzsammlung 6.195) und der Ser- orbnuag über Vermögensfirafen und Bußen vom 6. Febr. 1924 (Reichsgefetzblatt S. 44) ordne ich für den Umfang des Weußffchen Staates folgendes an:

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und die zur Entnahme der verdächtigen Jnfesten etforber* sichen Maßnahmen treffen.

§ 2. Anzelgepflichk.

1) Den Verbucht des Sorbanbenfeins des Kartoffelkäfers begrückdende Nfichebumyen find binnen 24 Stunden der Onsposizelbehörbe ober der Gemeindebehörde anzuzeigen. Die Anzelgepflicht liegt dem Rutzberechllgten des Grund­stücks und in dessen Abwesenheit dem Vertreter ob.

2) Die Gemeindebehörde hat die bei ihr eingehenden Anzeigen unverzüglich an die Ottspollzeibehörde weiter zu leiten, bie nach Nr. 4 der Anleitung zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers vom 26. Juni 1924 zu verfahren hat.

3) Die Anzeigepflicht entsteht nicht, wenn von anderer Seite bereits Anzeige etftattet worden ist.

§ 3. Wettergehende Vorschriften.

Wettergebende Anordnungen der Nachgeordneten Poli­zeibehörden sind zulässig.

§ 4. Straf Vorschriften.

Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Bestimmungen unterliegen der Strafvorchrist des § 34 des Feld- und Forstpolizeigesetzes.

§ S. Inkrafttreten.

Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft.

Berlin, den 2. August 1924.

Oer Minister für Landwirtschaft, Domänen unb Forste«. 3. B.: Abicht.

Fulda, den 25. August 1924.

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