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FuldaerZettung

Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Akadk Fulda.

Nr. 206.

Verantwortlich für die SchriMerimm t XSetir.: Anton Wedler- Anzeigen: 3- B arzeller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendrnckerei m Fulda. Fernkvrecher Nr- 8. s Monatlicher BezugSvrcis: 1.50 Mk.

Donnerstag, 4. Sept 1924.

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51. Zahrg,

Völkerbundstagung.

Die Regelung der Tagesordnung. Die Ankunft herriots und Macdonalds.

Die sechs Ausschüsse der Völkerbundsver­sammlung traten in die Beratung der ihnen von der Vollversammlung überwiesenen Verhandlungs­gegenstände ein. Der dritte Ausschuß, der dis wichtige Abrüstungsgarantiepaktfrage zu verhan­deln hat, wurde von seinem Präsidenten, dem ru­mänischen Außenminister Duca, mit einer kurzen Ansprache eröffnet, in der Duca erklärte, daß die ganze Menschheit, deren Streben nach dem wahren und dauerhaften Frieden geht, aufmerksam die Arbeiten des Ausschusses verfolge.

Herriot traf Dienstag um 11 Uhr abends im Auto von Lyon kommend in Genf ein. Er wurde bei seiner Ankunft von lebhaften Sympathie­kundgebungen einer großen Menschenmenge be­grüßt, die wiederholt in die Rufe ausbrach: Es lebe Frankreich! Es lebe der Friede! Herriot war sichtlich bewegt und rief der Menge Dankesworle zu. Dann begab er sich sofort ins Hotel. Der Ministerpräsident wurde empfangen von der ge­samten französischen Delegation, dem Botschafter in Bern Allize und dem französischen Generalkon- sul in Genf. Sogleich nach seiner Ankunft fand unter dem Vorsitz von Herriot eine Beratung der französischen Delegation statt, in der, wie man hört, die Abrüstungs- und Sicherheitsfrage und ein Vermittlungsvorschlag in der Garantie­paktfrage besprochen wurde, der dann Gegenstand von Verhandlungen zwischen Herriot und Mac- donald bilden dürste.

Macdonald ist Mittwoch vormittag 9 Uhr eingelroffen. Unter den zu seinem Empfang am Bahnhof erschienenen zahlreichen Delegierten Eng- lands und der britischen Dominions befand sich auch Lord Carmour und Henderson, in deren Begleitung Macdonald, von der Menge mit stürmischen wieder­holten Hochrufen begrüßt, sich zu seinem Automobil begab. Macdonald fuhr sofort in das HotelBean Rivage", wo die englische Delegation wohnt.

Erne Beschwerde des Reiches über die Mßfiäude im Saargebiet.

Der Völkerbundsrat wird sich in diesen Tagen mit verschiedenen Noten der deutschen Regierung über Saargebietsfragen zu befassen haben.

An erster Stelle steht die Frage des franzö­sischen Militärs im Saargebiet. Hier ver­langt die Reichsregierung unter Hinweis auf die jahrelange, fast erfolglose Diskussion dieser Frage und die bisher nicht ausgeführten Beschlüsse des Rates die Bestimmung eines festen Terrains und Zusicherungen für die Zurückführung der französi­schen Truppen aus dem Saargebiet und die end­gültige Errichtung der örllichen Gendarmerie. Eins andere wichtige Frage ist die der f r a n z ö s i s ch e n Schulen im Saargebiet. Die Reichsregierung hat die sckpn vor eineinhalb Jahren behandelte Frage erneut aufgegriffen und in einer eingehen­den Note nachgewiesen, daß die französischen Schu­len die tatsächlich reine Propagandaanstalten dar- stellten und nur dank der Unterstützung der Re­gierungskommission des Saargebiets zu ihrer ge­genwärtigen Ausdehnung gelangen konnten, im Widerspruch zu dem Dersailler Vertrag stehen. Sie beantragt, daß entsprechend dem Dersailler VecZ trag französische Schulen im Saargebiet nur für französische Kinder unterhalten werden dürfen. Die Note der Reichsregierung wird ergänzt durch ein Rechtsgutachten des Berliner Universitätspwfef- sörs P a r t f ch, in dem insbesondere nachgewiescn wird, daß durch die Errichtung der französischen Schulen nicht nur verschiedene Bedingungen oes Versailler Vertrages, sondern auch wichtige Grund- begriffe des im Saargebiet fortgeltenden preußi- scheu Schulrechts, so die gesetzliche Schulpflicht und die Bestimmungen über die Konfessionsschule ver­letzt werden. Endlich liegt eine Beschwerde der Reichsregierung gegen zollpolitische Maß­nahmen der Regierungskommission vor. Wäh­rend der Versailler Vertrag Deutschlands Erzeug- nisien bis zum 15. Januar 1925 zollfreie Einfuhr) im Saargebiet zusicherte, hat die Regierungskom­mission die deutsche Einfuhr im deutschen Saar­gebiet in enge Grenzen kontingentiert und hier­durch die Wirtschaft, insbesondere die Maschinen­industrie erheblich geschädigt. Die Reichsregierung verlangt, daß die Regierungskommission, wenn sie gewissen Auswüchsen vorbeugen zu sollen glaubt, nur solche Methoden anwendet, die die vertraglichen Garantien unangetastet lassen.

Ae Wen MMmen mit Der Muni.

In der gestrigen Verhandlung der Sechserkom­mission mit der Micum wurde auch über die noch ungeklärten Punkte Uebereinstimmung erzielt. Der Ruhrbergbau verpflichtet sich zur Fortsetzung der Reparationslieferungen an Koh­len und Nebenprodukten nach dem von der Re­parationskommission festgelegten Programm. Die Bezahlung erfolgt zu denjenigen Preisen, die durch die Verhandlungen der Reparationskommiffion mit der deutschen Regierung demnächst festgelegt wer­den. Es wurden angemessene Abschlagszahlungen vorgesehen. Der Wegfall der Kohlensteuer und der Abgaben auf Nebenprodukte wurde unter ge­wissen Voraussetzungen vom 2. September ab in Aussicht gestellt.

Die Repko billigt die Maßnahmen des Generalagents.

Die Reparationskommission ist heute unter dem Borsitz von Barlbou zusammengetreten. Sie hat einen Vortrag des Generalagenten für die Zahlungen,

Doung, angehört über die Maßnahmen, die die Kommission zu treffen hat. Nach einem Meinungs­austausch hat der Vorsitzende der Reparationskom­mission dem Generalagenten für seine Ausführungen gedankt und ihm die Versicherung gegeben, daß seine Methoden und seine Maßnahmen die Billigung der Repko besäßen.

Abrüstungs- und Sicherheiksprojekks.

wtb Genf, 3. Sept (Tel.) Es bestätigt sich, daß Herriot in Lyon Mitglieder der hier weilenden von General 3liß geführten Gruppe empfangen hat, die ihm ein Projekt übe- die Abrüstung u. zu einem Sicherheitspakt vorlegten. Rach Suifie soll nach Ansicht herriots dieses Projekt keine erhebliche Möglichkeit einer Durchführung bieten. Herriot und Macdonald beabfichttgen viel­mehr, bevor sie in der Versammlung das wort ergreifen, sich über ein neues Garankiepakt-System zu einigen, das ein Kompromiß zwischen den ein­zelnen Projekten vor dem englischen Schieds- gerichtsplau bilden soll.

Beginn der Diskussion.

zvtbG e n f, 3. Sept. (Tel.) In ihrer heutigen Vormitkagssihung wird die Vollversammlung und die Debatte über den Ratsberichk eintreten. Als 1. Redner meldeten sich zum Work der japani­sche Vertreter Ishiki, der. englische Delegierte Gil­bert Murray, der Führer der britischen Delegation Colitis, der Albanier Pan Roli und der Delegierte Südafrikas Skrakoch. ..

Vie erste Reparationszahlung.

20 Millionen Mark.

Der Generalagent für die Reparationszahlun­gen, Owen Ioung, wird am Donnerstag in Berlin eintreffen, nachdem er sein Amt in Paris übernommen hat. Inzwischen ist hier bereits sein Bevollmächtigter, der amerikanische Advokat Leon Frazer, angekommen und hat bereits die erste deutsche Reparationszahlung in Höhe von zwanzig Millionen Mark entgegengenommen. Diese Summe wurde auf das neu in der Reichsbank eingerichtete Konto des Generalagenten für Reparations­zahlungen eingezahlt. Diese zwanzig Millionen Mark stellen einen Teil jener Annuitäten dar, die die Reichsregierung bis zum Zustandekommen der 800-Millionen-Anleihe aufzubringen und auf Re­parationskonto einzuzahlen hat. Die zweite Zah­lung hat zehn Tage später (und so fort), also zunächst am 10. September ebenfalls in Höbe von zwanzig Millionen Mark zu erfolgen. An diesem gleichen Tage haben auch die F r a n z o s e n und Belgier die Geldeingänge aus den Zöllen, der Eisenbahnregie usw. in den besetzten Gebieten an das Reparationskonto, mit Ausnahme von zwei Millionen für Erhebungskosten, abzuführen. Nach der Höhe dieser Summe richtet sich die 3. deutsche, Monatszahlung, die für den ganzen Monat 83 Millionen Mark, ein Zwölftel von einer Milliarde, zu betragen hat. .

Vie Sicherung der veutschlandanleihe.

Eine internationale Garantie nicht nötig."

DieTimes" führen heute in ihrem Handels­teil aus, daß dis Sicherheit der Anleihe außergewöhnlich groß sei. Deutschland habe außer den Reparationsschulden so gut wie keine Schulden, und die Anleihe genieße das erste Anrecht auf alle deutschen Einkünfte, was einem Betrage von 15 Schilling auf den Kopf der Bevöl­kerung gleichkomme. Don einem finanziellen De­fekt der deutschen Anleihe könne also keine Rede sein. Eine internationale Garantie für die 40 Millionen Pfund sei nicht nötig gewesen, und auch gar nicht wünschenswert. Denn worum es sich jetzt handele, feien nicht nur die 40 Millionen Pfd., sondern die zahllosen P r i v a t k r e d i t e, die Deutschland brauche und die erst dem Dawesbericht zu einem vollen Erfolge verhelfen würde. Halte man aber die Dawes-Anleihe noch besonders garantiert, so würde dies ein Anzeichen dafür sein, daß man dem deutschen Kredit noch nicht traue, was die privaten Krediten, von denen die Wieder­ausrichtung Deutschlands abhänge, schwer geschädigt hätte.

Sie MMMtn M Bai fioiitoer MM«.

Wie die Rechtspresse meldet, hat eine Anzahl deutschnationaler Landesverbände, u. a. die Lan­desverbände Berlin, Hamburg, Westfalen und Pommern zu der Abstimmung über die Londoner Abmachung Stellung genommen. In Entschließun­gen wurde das Verhalten der Abgeordneten, die dem Abkommen zustimmten, kritisiert, aber betont, daß die geschlossene Haltung der Partei unter allen Umständen gewahrt bleiben müsse.

Die Konferenz in Koblenz.

Die in dem Londoner Abkommen vorgesehene Kob­lenzer Konferenz wurde von dem Vorsitzenden der Interalliierten Rheinlandkommission, Tirard, mit einer Begrüßung-ansprache eröfstzet. Der erste Führer der deutschen Delegation, Ministerialdirektor Ditihey, erwiderte. Beide Ansprachen waren von dem Gedanken getragen, daß der Geist der Ver­ständigung, der in den Londoner Verhandlungen Ausdruck gesunden habe, auch die Älbeiten dieser Konferenz beseelen und zu einem raschen und ge­deihlichen Abschluß führen möge. Im Anschluß da­ran sand die erste geschäftliche Sitzung statt, in der | der Arbeitsplan aufgestellt wurde.

Dank an den Reichskanzler

und die ZenttumssraMon.

Der Reichsparteivorstand der Deutschen Zentrums- Partei hat in einer Sitzung in Hannover folgende

Der^ Vmstand^ der Deutschen Zentrumspartei spricht dem Reichskanzler Marx und der Zentrumsfraktion des Deutschen RcichStaües für ihre mühevolle und erfolg- reiche Arbett zur Rettung des Vaterlandes Dank und Anerkennung au? und versichert sie aufs neue fernes vollsten Vertrauens.

Die Zentrumspartei hat, getreu den Uebertieferungen WindthorftS, im Hinblick auf die Not unseres Volkes und Landes sich stets bemüht, alle politischen Kräfte zur staatlichen Verantwortlichkeit heranzuziehen, die positiv mktzuakbeiten gewillt waren. Die Politik der Partei lolrb auch in Zukunft von diesem bewährten Wege nicht abweichen.

DaS Ziel der Deutschen Zentrumspartei bleibt nach wie vor die Schaffung einer wahren Volks­gemeinschaft, in der alle nationalen, sozialen utrd kulturellen Kräfte deS deutschen Volkes zur fruchtbaren Auswirkung gelangen können. Wenn endlich Vekstän- digungen und Vereinbarungen mit fremden Völkern möglich sind, so mutz in Deutschlands größter Not bei allseitigem guten Willen und trotz Meinungsverschieden­heiten im einzelnen auch eine gemeinsame Arbert im Innern erreicht werden können.

Eine belgische Anleihe in Amerika.

WieJntransigeant" aus Brüssel meldet, hat der Finanzminister mit dem Vertreter der ame­rikanischen Banken eine Abmachung über die Zulassung einer 30 Million en-Änleihe unterzeichnet, die mit 67= Proz. zu verzinsen und in 25 Jahren zurückzahlbar ist. Die Anleihe ist zum vorzeitigen Rückkauf der Schatzbonds be­stimmt. die im Jahre 1920 in den Vereinigten Staaten ausgegeben sind und deren Laufsrist am 1. Januar 1925 abläust.

Die belgische Anleihe überzeichnet.

wtb. Newyvrk, 3. Sept. (Z$L) Die belgische Anleihe ht Höhe von 30 Millionen Dollar ist überzeichnet wordeft.

Die Herabsetzung der Gütertarife.

Zu dem Beschluß des Reichskabinelts auf Herab- setzung der Eisenbahngütertarife hört dieFranks. Zrg.", daß die Ermäßigung rund 10 bis 15 Pro­zent betragen wird.

Wann muß die Dortmunder Zone geräumt fern?

Zu dieser Angelegenheit bringt das Wolff-Büro folgende, anscheinend offiziöse Meldung:

Vielfach scheint noch Unklarheit zu bestehen über den Zeitpunkt, wann die Räumung Dortmunds er. folgen muß. In dem Schreiben der französischen und belgischen Ministerpräsidenten an den Reichs­kanzler vom 16. August haben sich die französische und die belgische Regierung verpflichtet, die miW tärische Räumung der Zone Dortmund-Hörde und der seit dem 11. Januar 1923 außerhalb des Ruhr­gebiets besetzten Gebiete am Tage nach der end- gültigen Unterzeichnung des Londoner Abkom­mens, also am 31. August 1924 anzuordnen. Sie haben ferner in dem Schreiben zum Ausdruck gebracht, daß diese militärische Räumung gleich« zeitig mit der wirtschaftlichen Räumung derfelben Zone erfolgen muß. lieber die Durchführung der wirtschaftlichen Räumung sind genau bestimmte Zeiträume vorgesehen. Am 1. September hat die Reparationskommission festgestellt, daß die in dem Gutachten vorgesehenen deutschen Gesetze verkündet sind und daß der Generalagent für die Repara­tionszahlungen seine Tätigkeit ausgenommen hat. Für die wirtschaftliche Räumung ist zunächst eine Frist von 35 Tagen, also bis zum 5. Oktober vor­gesehen. In dem anschließenden Zeitraum, also bis zum 19. Oktober, werden die Besatzungsmächte alle übrigen zur wirtschaftlichen Räumung notwen­digen Maßnahmen durchführen. Der äußerste Zeitpunkt für die militärische Räumung Dort- munds ist demnach genau bestimmt.

63. GemaloersWUilW der MWKen HeutsWM

in Hannover

wische und Auswai Schließlich füllte tztemnale der her

freilich keine Weich frieden ist Kamps mit spröden latfai

chen. Und

Friede nur van der Gnade

haben eine Freudenquelle

'! bleiben wird Dr. §

schließlich kommt uns der Gottes. Die Ausfiih-

Die Verhandlungen am Dienstag.

Nach altem schönem Brauch wird am dritten Tage der Generalversammlung in der Frühe in einem Re­quiem der toten Freunde gedacht. So auch diesmal, pnd zwar in der Marienkirche, in der Windthorsts Grab ift. Alter Brauch ist auch die Gener alverfamm- lüng des Dolksveteins für das kathol. Deutschland- die jeweils im Zusammenhang mit der Äcitholikentagung abgebalten wird. Auf die Heuer vom Reichskanzler Dr. Marx i

Deutschland und Europa, Zentralismus und Födera­lismus, Macht und Recht, Wahrhaftigkeit und Recht, Gerechtigkeit und Liebe, Zeit und Ewigkeit. Das muß unsere Jugend bedenken. Echte Vaterlandsliebe darf nicht der Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit widerstreiten. Zum Volk zählen nach katholischen Begriffen alle, die Ueberlieferung und Geschichte mit uns teilen.Deutsche läge" sind für uns überflüssig. Für uns ist jeder Tag ein deutscher Tag. (Stürm. Beifall.) Gegenüber den Versuchen, die Ration zu göttlichen Ehren zu erheben, legt auch der Jugend die Pflicht auf, sich klar zu sein, »es nur einen Gott gibt und daß es heißt: Du keine fremden GStter neben ihm haben! (Sehr richtig. Wenn sich ein Zeitphilosoph (Oswald Speng­ler) freut, daß wir den Haß gelernt hätten, so ist das durchaus kein Grund zur Freude. Haß macht blind. Zuletzt sammelt der Friedfertigste dort die stärkste Macht um sich:Selig die Friedfertigen, denn sie werden das Erdreich besitzen." Der Friede ist unser höchstes Ideal, freilich keine Weichheit, kein frommer Wunsch. Christus- frieden ist Kamps mit dem Menschlichen, hartes Ringen

an diesem Punkte wird und muß jedes andere Schul- 0 scheitern, das nicht dem göttlichen Recht der Kirche wng tragen will, ihre Kinder von Lehrern ihres Bekenntnisses im Geiste dieses Bekenntnisses unterrichten und erziehen zu lassen. Katholisch unterrichten und er- ziehen kann nur ein katholischer Lehrer; und auch dieser nur, wenn er nicht bloß dem Namen und dem Tauf­schein nach katholisch ist, sondern wenn er katholisch ist auch in seinem Herzen und in seinem Leben. In tiefster Ergriffenheit leistete die Versammlung dem be- qeifternben Redner den Schwur, unentwegt für das Recht der Kirche auf die Schule zu kämpfen, wo immer es nötig werden sollte.

Alois Fürst zu Löwenstein sprach über tos Thema: Der Friede Christi im Reiche Christi. In den Ausführungen offenbarte sich eine Tiefe und Fülle der Gedanken, daß die Riesenversamm­lung gan) im Banne der auch menschlich ungemein vor­nehm gehaltenen Ausführungen des trefflichen katholi­schen Edekmannes stand. Friedlos sind wir, weil unsere Zeit gottlos ist. Zurück zu Gott! Jeder heile sich selbst zuerst. Dann kommt Frieden für das Volk, Frieden unter den Ständen, Frieden unter den Volkern. Par Christi in regno Christi der Plan unseres Heil. Vaters enthüllt sich unseren Augen in klarer, einfacher Größe: Verbreitung des Christentums über dre ganze Erde, Vereinigung aller Christen in einer großen Dol- kerfamiiie, Vertiefung des Christentums rn allen Chrr- stenherzen «egnum Christi. Als Wegbereiter zum Reiche Shristi: aufrichtigen Friedenswillen und als seine Krönung und Blute: vollkommene Friedensersiillung Psx Christi. Wir Katholiken Deutschlands bekennen uns freudig zu diesem Plane des Vaters der Christenheit und danken ihm aus tiefstem Herzensgründe, daß er uns tn der Nacht unserer Not den hellstrahlenden Stern der Hoffnung gezeigt hat den Stern von Bethlehem, dem die Engel fangen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Wil­lens f inb!

rungen, die zumeist zeitgemäßeste Fragen berührten, wurden von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen.

Die Rede des Reichstagsabgeordneten Domkapitular Leicht-Bamberg über das Recht der Kirche auf d i e Schule rief gewaltige Beifallsstürme wach. Durch minutenlange Kundgebung' unterstrich die Versammlung die Forderungen, die Domkapitular Leicht für die Schule erhob.Wir verlangen als Katholiken, daß das Recht der Kirche auf Erziehung in der Schule zur Geltung kommt. Als Katholiken verlangen wir und müssen wir verlangen die katholische Schule, verlangen wir und müssen wir verlangen, daß die katholischen Kinder nicht nur zusammen unterrichtet werden, sondern daß sie auch von einem katholischen Lehrer unterrichtet wer­den, verlangen wir und müssen wir verlangen, daß die­ser katholische Lehrer auch im Geiste des katholischen Dekenntnisies unterrichten und erziehen kann und will. Und für eine solche Schule verlangen wir volle Anerkennung und Gleichberechtigung; auch in Frage des Unterhaltes von feiten des Staates. An diesem Punkte ift das alte Schulgesetz gescheitert.

Den Gesamteindruck der Tagung. faßte der Präsi­dent, Oberbürgermeister Dr. Farwick, in zündender Rede zusammen. Bemerkenswert waren vor allem die Dankesworte an die Stadt Han n o Der, auch an die andersgläubige Bevölkerung, die überaus friedlich und srenndlich die Katholiken aufgenommen habe. So soll es fein. So halten auch wir es. Herzlichen Dank und höchste Anerkennung den Diasporakacholiken in Hannover. Alles, was wir hier gehört und gesehen haben, hat uns mit großer Achtung für die Haltung der norddeutschen Diasporakatholiken erfüllt. Möge sie vor­bildlich werden für die Katholiken in den katholischen Gegenden Deutschlands. Immer wieder setzte lebhafte­ster Beifall ein. Der Bischof von Hildesheim richtete bann noch Dankesworte an Präsident Farwick, der in ungemein ansprechendem, vor allem auch mit einem väterlichen Humor seine schwierigen Geschäfte wahr­genommen hafte.

Als der Bischof San niederknieenden Scharen den Segen gespendet hatte, setzt brausend die große Orgel des Kuppelsaals ein. Alles erhebt sich und nun erschallt einGroßer Gott wir loben dich" mit erschütternder Wucht und herzerhebender Innerlichkeit. Unvergeßlicher Augen­blick! Am Präsidententisch die erlesenen Männer des katholischen Deutschlands, vor allem der Kanzler des Reiches, Wilhelm Marx, um ihn geschart die Persönlich­keiten, die das katholische Volk auf den verschiedensten Gebieten als seine Führer betrachtet, Priester und Laien. Und dann in gewaltigem Rund Männer und Frauen, alte und junge, Handarbeiter und Kopfarbeiter, hoch und Ö, alle von einem Gedanken beseelt, alle das Lob singend, mibeschreibliches Hochgefühl in der Brust, ganz hingegeben der Freude und dem Glück, in dieser Schär katholischer Glaubensbrüder dem allmächtigbn und allzeittgen Gott, unferm letzten Ziel und unferm ein­zigen Hott, Lob zu singen, ihn zu greifen und ihm zu danken. Diese Schlußszene erhob die ganze Tagung in Hannover zu einem Gottesdienst, den miterlebt zu

u x durch eine Rede ausge­zeichnet« Derfammlung, in der Prälat Dr. Pieper- M. Gladbach das Hauptreferat erstattete, werden wir noch zurückkommen.

Die letzte geschloffene Versammlung, in der eine Reihe von Anträgen und Entschließungen ange­nommen wurde, nahm em wertvolles Referat des Di­rektors Dr. H. T i m p e-Hamburg entgegen, der in feiner Eigenschaft als Leiter des St. Raphaelsvereins für katholische deutsche Auswanderer überAusländs­deutsche und Auswanderung" sprach.

Schließlich füllte sich am spaten Rachmittag zum letztemnale der herrliche Kuppelsaal, der dieser Ver­sammlung einen so glänzendes und bequemes Heim ge­boten hat, wie noch selten ein Katholikentag es verzeich­nen konnte. Schlußversammlung der 63. Generalvsr- fammlUNß. SMußverfammluna und gleichzeitig red. tierischer Höhepunkt. Meister des Wortes be­traten die Rednerbllhnr: Gchristleiker Joos, DöMkapi- lular Seicht, Fürst Löwenstein.

UeberJugend, Rationalismus, Pazi- f i s m u s" sprach der bekannte Abgeordnete I o 0 s. In begeisternder Weife schilderte er die Vaterlandsliebe der deutschen Katholiken. Allerdings sind wir Katho­liken geborene Gyntbetiker. Bei uns heißt es: Religion und Vaterlandsliebe, Vaterland und Menschheit,