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Ein Reichstags-Hausgesetz.

Wie uns aus dem Reichstage mitgeteilt wird, find aus Mittelparteien Anregungen ergangen, ein besonderes Reichstags-Hausgesetz zu schassen. Einen Anlaß dazu boten die unsagbar traurigen Vor­gänge bei der Londoner Debatte, die zu den großen Schlägereien und zu dem tätlichen Angriff auf Abgeordnete geführt haben.

Es hat sich gezeigt, daß die g e s ch S f t s o r d - nungsmäßigen Mittel des Reichstages nicht ausreichsn, um die Ruhe und Ordnung im Hause und insbesondere den ungestörten Verlauf der Sitzungen zu sichern. Es ist doch bezeichnend, daß dieser Reichstag vom 4. Mai trotz seiner kurzen Lebensdauer schon mehr Ordnungsrufe zu ver­zeichnen hat, als ein früherer Reichstag während seiner ganzen mehrjährigen Tagungsperiode. Es find ferner in diesem Reichstag schon mehr Sitzungssprengungen vorgekommen als früher in mehreren Jahren. Daß dazu auch noch dieser Reichstag den traurigen Ruhm haben mußte, der erste Reichstag zu fein, in welchem es zu Prügeleien und zu Verletzungen von Abgeordneten gekommen ist, stellt allerdings einen Rekord dar, den nie zu wiederholen das ganze deutsche Volk das aller- dringlichste Interesse hat.

Aus all diesen Gründen erscheint es in der Tat dringend geboten, dem Reichstag ein besonderes Hausgesetz zu geben, das nicht nur die ordnungs­mäßige Geschäftsführung ermöglicht, sondern das auch den Abgeordneten Sicherheit und Leben ver­bürgt und ihnen jedenfalls gestattet, ihre versas- isungsmäßigen Rechte auszuüben. Es ist schließlich ^doch kein Ausweg, wenn, wie man dieser Tage im Parlament oft genug und nicht nur scherzweise aus- fprach, demnächst die Parteien als Spitzenkandida­ten Preisboxer, Berufsathleten und Ringkämpfer aufstellen muffen, denn wer garantiert dafür, daß man schließlich mit Pikrin-Spritzen, Bomben und Granaten gegeneinander losfährtl ...

________a......l in der Lage vieler Betriebe von ihnen zu verlangen. Mit derselben Offenheit warnt sie die Arbeitgeber vor egoistischen und materialistischen Grundsätzen im Wirt­schaftsleben, ruft ihnen ins Gewissen die Pflicht gerechter und wohlwollender Lohn- und Arbeits- zeitbemeflung, warnt vor jeder ungerechten Aus- Nutzung der Notlage der Arbeiter und erinnert an die Pflicht, ein Herz zu haben für die Lage der Arbeiter und ihre Familien. 3ur starren Gerech­tigkeit muß die rücksichtsvolle Liebe hinzutreten: so lautete vor kurzem die Mahnung des Nachfolgers Petri an die Machthaber hinsichtlich der Völkerver­träge. Gleiches gilt für Arbeitsverträge. Das ist soziale Gesinnung im Geiste unserer heiligen Kirche. Die Mahnungen der Kirche sind keineswegs frucht­los geblieben. Ehrende Anerkennung sei allen den Arbeitgebern gezollt, die das Los der Arbeiter und ihrer Familien, das sittliche und wirtschaftliche Wohl derselben nach bestem Sonnen zu heben be­

strebt waren.

Wenn es nun auch nicht Sache der einzelnen Bischöfe ist, in den einzelnen Fällen zu untersuchen, inwieweit die industriellen Werke bei ihrer wirt­schaftlichen Lage den Forderungen der Arbeiter entgegenzukommen vermögen, so ist und bleibt es doch Pflicht der Kirche, die Arbeitgeber zu mahnen, die im Obigen angedeuteten Grundsätze als Richt­linien bei ihrer Stellungnahme zu befolgen, soweit es mit der Erhaltung der Lebensfähigkeit ihrer Betriebe vereinbar ist. Wenn das geschieht, und wenn das die Arbeiter erkennen, dann wird ganz von selbst ein gesunderes Verhältnis der Stände zu einander angebahnt. Damit wird dem Volks wohl der beste Dienst erwiesen.

Ohne Befolgung dieser Richtlinien kein wahres Christentum. Und ohne Opferleben im Dienste Gottes und der Menschheit keine Rettung aus den Nöten unserer Zeit; das gilt für die Arbeitgeber und Arbeiter in gleicher Weise. Die Not der Zeit entspringt nicht nur ma­teriellen Mißständen, sondern ist in weit höherem Grade eine seelische Not. Daher darf die Kirche nicht müde werden, Lehre und Beispiel unseres Erlösers allen Ständen ohne Ausnahme als Leit­stern vor Augen zu stellen.

Im Lichte dieser Grundsätze zum Dienen und Opfern für die Gesamtheit anzuleiten, ist Aufgabe der Diener der Kirche als mutiger Verkünder der Lehren der Bergpredigt, ist Aufgabe der kacholi- schen Vereine und der christlichen Organisationen. Nicht mit fruchtloser Kritik wird Hilfe geschaffen, sondern jeder wirke im Geiste dieser christlichen Grundsätze in Tat und Beispiel; das ist beste Mitarbeit am Wiederaufbau unseres Volkstums unter Mitwirkung der christlichen Ga­rfins, die in diesen Jahren der Not bewiesen hat, daß sie die Zeichen der Zest versteht.

Indem ich vorstehendes als Ausdruck der Erwä­gungen der Bischofskonferenz der Oeffentlichkeit übergebe, handle ich gemäß dem in Fulda ausge­sprochenen Auftrage meiner bischöflichen Amts­brüder. . <

Reue Bücher.

Abend auf der Milseburg. „

(Gedicht non Georg Leonard Fischer. Lied mit Kla­vierbegleitung, Moline und Cello (nicht obligüH. Kom­poniert von Ferd. Maria Benl, op. 105. Zu beziehen von der Fuldaer Actiendruckerei, Fulda.)

Dis noch in ihren Anfängen stehende musikalische Rhön-Literatur hat durch dieses Lied eine höchst wertvolle Bereicherung erfahren. Dichtung und Ver­tonung wirken harmonisch zu einem sehr stimmungs­vollen BUde. Wer je auf dem Gipfel der „Perle der Rhön" im Schatten des hochragenden Kreuzes gestanden mti> dort im Glanze der scheidenden Sonne dem Zauber Des unvergleichlichen Berges und seiner großartigen Um­welt sich hingebend, tieferen Gedanken nachging, den . wird das herrliche Lied diese weihevollen Augenblicke immer wieder verfassen lassen. Schon die gewählte Ton­art E-dnr, In friedlichem Moderato, bereitet in einem Vorspiel von 8 Takten die Stimmung vor: Dunkle Schat­ten sinken um mich allzumal . . . Ein Piu moto mit Uebergana nach C°dur leitet über zum Preise des Kreu­zes, im Tempo I schließt das Lied in der feierlich- innigen E-dur-Tonart, mit Triolen-Bsgleitung zu gewal­tiger Steigerung sich erhebend, in ruhigem Pumo ab.,

Die Ausführung bistet keine besonderen Schwierig­keiten, erfordert aber zu voller Wirkung ausdrucksvollen und innigen Vortrag. Die Mitbeglsiiung von Geige pnd Cello trügt zur Gesamtwirkung ganz erheblich bei und läßt sich aus der Partitur schnell abschreiben.

Allen musikalischen Freunden der Rhön und ihrer '„Perle", der Milseburg, sei die prächtige Tondichtung aufs wärmste empfohlen.

Dr. Gustav Schneider.

Sprechapparaie u. Gchallplatten • neu eingetroffen.

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Wtoehetn uns MisiMm.

W??' ”• Breslau, 29. August.

Unter Öen verschiedenen Anregungen, die an die diesjährige Fuldaer Bischofskonferenz gelangt sind, nahmen eine besonders beachtliche Stellung^ ein die Klagen zahlreicher Kreise der Arbeiterbevölkerung über Mangel an Berücksichtigung ge­rechter Anforderungen der Arbeiter an manche Gruppen von Arbeitgebern. Die Bi­schofskonferenz mußte diesen Klagen, deren Berech­tigung allerdings nicht die gleiche in den verschie­denen Gegenden ist, aufmerksame Beachtung wid­men, sowohl wegen ihrer Bedeutung für die Ar­beiter, als auch wegen ihrer Wirkungen auf das gegenseitige Verhältnis der Stände, und ist zu einer Stellungnahme gelangt, die in folgendem ihren Ausdruck finden möge.

Angesichts der übergroßen Not, mit der Reich, Staat und Volkswirtschaft in Deutschland zurzeit und noch auf Jahre hinaus zu ringen haben, ist es Pflicht aller Stände, sowohl die Arbeitskräfte zu tunlichst großer Leistung anzuspannen, wie auch in Einfachheit und Genügsamkeit dem zeitigen Not­stände Rechnung zu tragen und in weitblickender Liebe werktätig der Not der Mitmenschen nach bestem Können abzuhelfen. Das sind Mahnungen, die die katholische Kirche nicht nur an die Arbeiter richtet, sondern ebenso eindringlich an die Arbeit­geber; nicht nur an die ärmeren Klassen, sondern ebenso an die Besitzenden. Es gibt keine verschie­dene Moral für die verschiedenen Stände. Die glei­chen sittlichen Gesetze und sozialen Pflichten ob­liegen allen.

Nichts wirkt in solchen kritischen Zeiten verderb­licher als Beispiele von Luxus, Äerschwendung und Genußsucht, einerlei ob sie von zahlreichen oder nur von einzelnen gegeben werden, einerlei ob ein Rei­cher große Summen oder ein jugendlicher Arbeiter den Wochenlohn der Genußsucht opfert Solches Treiben untergrabt die Volkskraft und das Bolks- geroiffen und wirkt verbitternd auf jene Hundert­tausende und aller Hunderstausende, die durch das Unheil des letzten Jahrzehnts ohne ihr Verschulden vollstäduig verarmt sind. Ein solches Treiben führt daher von selbst zu verhängnisvoller Entzweiung der Schichten des Volkes.

Diese Entzweiung wird noch bedrohlicher, wenn Herzlosigkest im Verhältnis von Arbeitgebern und darbenden Arbeitern herrscht.

Gewiß ist es Pflicht der Kirche, bie Arbeiter anzuhalten zu tüchtiger Arbeitslei­stung und Vertragstreue, einerlei ob es gern oder ungern gehört wird, sie zu warnen vor aufrührischem Treiben gewissenloser Hetzer und Agenten umsturzlusttger Parteien, ste zurückzuhal­ten von Gesellschaften, die mit unerfüllbaren Ver­sprechungen wirtschaftlicher Vorteile anlocken, um zugleich den Kampf gegen Christus und seine Kirche, gegen die Grundgesetze unserer Religion zu betrei­ben. Aber die Kirche wendet sich nicht einsettkg nur an die Arbeiter. Sie beschränkt sich nicht bar- rauf, diese vor übertriebenen unb unerfüllbaren Frrderungen zu warnen oder Berücksichtigung der

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