FuldaerZerlung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.
sir. 205.
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Mittwoch, Z. September 1924»
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51. Zahrg.
Fünfte Völkerbundstagung.
Die Eröffnuugsfihung.
Die von großen Hotels flatternden Fahnen der Löllerbundsnationen kündigen den 1. September, den Eröffnungstag der fünften Versammlung, an. Wie üblich hat am Sonntag in der Peterskirche in Genf ein der Völkerbundstagung gewidmeter Gottesdienst stattgefunden, bei dem der Geistliche über das Prophetenwort predigte: „Eine Nation wird nicht mehr das Schwert gegen die andere ziehen." Das war eine biblische Andeutung der wichtigsten Verhandlungsfrage. Die Versammlung findet wie in den Vorjahren in dem alten, weitläufigen, aber sehr nüchternen Reformationsgebäude statt, da das eigene Versammlungshaus des Völkerbundes erst in einigen Jahren gebaut werden kann. In dem großen Saale, der durch seine schlechte Akustik berühmt ist, sind diesmal Lautsprechvorrichtungen angebracht. Die nahezu vollzählig erschienenen Delegierten füllen den Saal. Die wichtigsten Persönlichkeiten aus der langen Liste seien verzeichnet. Es sind, abgesehen von Macdonald und Herriot, mit ihren zahlreichen hervorragenden Begleitern: Afrika: Walton; Albanien: Noll; Australien: Eroom; Oesterreich: Meusdorfs; Belgien: Hymans; Brasilien: Mello-Franco; Chile: Duezada; China: Tang Tsi- Fou; Columbien: Urrutia; Cuba: Torriente; Dänemark: Behle; Spanien: Quino nes de Leon; Finnland: Procope; Griechenland: Politis; Haiti: Kassamy; Ungarn: Apponyi; Indien: Lord Har- dinge of Penshurst; Italien: S a l a n d r a; Japan: Graf Jshii; Luxemburg: Fermaire; Norwegen: Nansen; Neuseeland: Allen; Niederlande: van Karnebeck; Polen: Skrzynski; Portugal: Chagas; Rumänien: Duca; Serbien: Marinkowitsch; Schweiz: Motta; Schweden: Marks von Württemberg; Tschechoslowakei: Dr. B e n e s ch; Venuzuela: Zumeta.
Die Tagung wurde eröffnet durch den Präsidenten Hymans, der in einer längeren Rede zunächst einen Ueberblick über den Wert des Völkerbundes gab. Er gedachte auch der Reparationsfrage und sprach von der Besserung in der politischen Atmosphäre Europas. Er erinnerte an die Unterzeichnung des Londoner Abkommens, das zur Lösung des Reparationsproblems bestimmt ist, welches ein Hindernis für die Herstellung des Friedens und der politischen Harmonie war. „Wir sehen darin den Beginn einer neuen Periode, die dem Zeitalter der Opfer und Leiden folgt." Die Londoner Konferenz habe die Reparationsfrage geregelt. „Nun ist ein neues Problem zu lösen, nämlich das der Sicherheit. Europa kann nicht in der Ungewißheit leben; es gilt, dem Frieden eine solide, juristische und politische Struktur zu geben und ein dauerhaftes Regime der Sicherheit zu errichten. Man erwartet diese Lösung vom Völkerbund."
Der Führer der schweizerischen Delegation, Motta wurde zum Präsidenten gewählt. Er legte ein Bekenntnis der Treue und des Glaubens an die Zukunft des Völkerbundes ab. Mit großer Genugtuung stellte er fest, daß das Problem der Reparationsfrage einer Lösung nahe gekommen und geklärt worden sei. Ferner begrüßte Motta mit großer Bewegung den Aufschwung, den infolge der Londoner Konferenz der Schieds- gefronte genommen habe, von dem das Schicksal des Rechtsfriedens abhänge. An der Teilnahme so zahlreicher Regierungsmitglieder an der diesjährigen Völkerbundsversammlung erblicke er eine Anerkennung und ein Wachsen des Prestiges des Völkerbundes, das selbst in den Ländern, die dem Völkerbundgedanken ablehnend gegenüber standen, eine erhöhte Anziehungskraft ausübe.
Nach der Wahl des Präsidenten setzte die Völkerbundversammlung wie alljährlich wieder sechs H a u p t a u s s ch ü s s e ein, auf die der Verhandlungsstoff verteilt wurde: 1. Ausschuß für Rechts- unfr Verfassungsfragen, 2. Ausschuß für technische Organisation, 3. Rüstungsbeschränkung, 4. Hous- haltungs- und Finanzfragen, 5. soziale und humanitäre Fragen. Daneben wurde wieder ein Ausschuß für die Prüfung der Tagesordnung gebildet.
Eine Ablehnung Amerikas.
Auf eine Einladung des Dölkerbunfrsrates, in liefern Jahre in den 3. Ausschuß der Versammlung (Abrüstung) für die Verhandlung der Amerika besonders interessierenden Frage der Kontrolle des Waffenhandels Delegierte zu entsenden, antwortete der amerikanische Gesandte in Bern im Auftrage seiner Regierung, fraß diese eine Beteiligung an der Kommission nicht für notwen- fr i g erachte. Die Vereinigten Staaten würden aber eine Einladung zu einer internationalen Konferenz zum Zweck des Abschlusses eines Abkommens über die Kontrolle des Waffenhandels in günstigem Sinne aufnehmen.
Die Gegenströmungen in der Lnkwaffnungsfrage.
Die Pariser Morgenblätter besprechen die Völkerbundtagung und bezeichnen das Sicherungsproblem als das wichtigste zur Erörterung kommende Thema. Wie der Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" aus Genf meldet, könne man wohl zwei voneinander getrennte Gruppen unterscheiden, und zwar die zahlreichere, die die Entwaffnung ohne bestimmte Garantieverpflichtungen empfehle, und die andere, an deren Spitze Frankreich stehe, daß man die Entwaffnung erst nach einer Einigung über die Garantien ins Auge fassen könne, die in gegenseitigen Unterstützungspakten und obligatorischen Schiedsgerichten bestehen könnten, wobei die Möglichkeit offen bleiben solle, diese Sicherheit durch Verträge, die im
Rahmen des allgemeinen Vertrages abgeWoffsn sind, zu vervollständigen. Auch der „Gaulois" betont die Wichtigkeit des gegenseitigen Unter« stützungspaktes für Frankreich und meint, der amerikanische Vorschlag werde eine Diskussionsgrundlage bilden, falls nicht der Entwurf der Kleinen Entente, desien Verfaffer Be- nefch fein soll und über den bisher noch nichts bekannt geworden ist, ihm vorgezogen werde.
Line herbe Kritik.
Garvin führt im „Obferver" aus, wenn der Völkerbund die bekannte Frage einer territorialen Revision nicht in Angriff zu nehmen wage, werde Genf in Zukunft ebenso vollständig versagen wie Haag 1914. Nur ein größerer Völkerbund, der Deutschland und Rußland einscksiieße und in irgendwelcher praktischen Verbindung mit den Vereinigten Staaten stehe, könne hoffen, einen dauernden Frieden zu organisieren. Der Grundsatz des Schiedsspruches fei notwendig. Er könne aber nur obligatorisch gemacht werden, wenn der Weltschiedsgerichtshof durch die Juristen Vollmacht erhalte, gewisse Bestimmungen der Pariser Verträge zu revidieren. ■•£ ■£.
HM: Internationales Institut für geistige W ' ‘ Zusammenarbeit.
wtb Genf, 2. Sept. (Tel.) Der französische Unterrichtsminister Francois Albert ist gestern nach Genf abgereift, um der Kommission für internationale geistige Zusammenarbeit noch einmal offiziell den Plan der Gründung eines internationalen Instituts in Paris zu unterbreiten.
„Abrüstung".
,Daily Telegraph^ zufolge befinden sich auf Bestellung des Luftfahrtministeriums Flugzeuge im Bau, von denen jedes imstande fft, 50 vollausgerüstete Soldaten zu transportieren. Die Maschinen werden ganz aus Stahl gebaut werden.
3ie MWkim Des MesMditens.
Feststellung der Repko. — Die Raumungssristen.
Der „Repko" ist offiziell mitgeteilt worden und zwar von der Kriegslastenkommisiion, fraß die für die Durchführung notwendigen Gesetze durch den Reichstag angenommen und durch die Reichsregierung verkündet worden sind. Die Kommisiion tritt deshalb, wie der „Temps" meldet, zusammen, um von dieser Mitteilung Kenntnis zu nehmen und die erste Feststellung zu machen — wie sie im Art. 3 des Anhangs 3 der Schlußprotokolle der Londoner Konferenz vorgesehen ist — daß die ersten Bedingungen des Dawesplans erfüllt sind. Vom 1. September an, dem Tage dieser Feststellung, laufen dann die nacheinander im Anhang 3 festgesetzten Fristen für die Wiederherstellung der wirtschaftlichen und fiskalischen Einheit des Ruhr- und Rheingebiets. General Degoutte trifft indessen, den erhaltenen Befehlen entsprechend, die Maßnahmen für die militärische Räumung der in Frage kommenden Gebiete, die spätestens am 7. Dezember durch die Uebergabe der französisch-belgischen Regie an die neue deutsche Eisenbahngefellschaft benfret sein wird. •
Ak 26 mittige MmwMWe.
Das englische Schatzamt kündigt an, daß die 26prozentige Reparationsabgabe am 9. September wieder in Kraft treten werde. Die Erhebung der Abgabe, die seinerzeit auf 5 Prozent ermäßigt wurde, bedeute jedoch keine Neubelastung Deutschlands, da die Vergütung hierfür den Jahreszahlungen des Dawes-Berrchts entnommen wird.
Die Anleihe.
Die Zeitungen veröffentlichen eine Mitteilung, wonach die deutsche Anleche gleichzeitig in New- york, London und auf dem Festlands mit Einschluß Deutschlands am 15. Oktober zur Zeichnung aufgelegt werden soll. Die Anleihe würde mit etwa 8 Proz. verzinst. Amerika werde die Hälfte der Gesamtsumme aufbringen, England zwei Fünftel und das Festland ein Zehntel. Es herrscht kein Zweffel über den Erfolge dieser Anleihe, die in London von der Bank von England aufgelegt wird.
Verhandlungen.
Zur Unterzeichnung des Londoner Abkommens schreibt die „Times", das Jntereffe werde sich jetzt auf die Ausfichten der 40 Millionen Pfund- Sterling-Anleihe konzentrieren. Heber diese Anleihe werde selbstverständlich Deutschland verhandeln müssen. Die hauptsächlichen alliierten Regierungen hätten ihre Zentralbanken aufgefordert, ihre guten Dienste hierbei zu gewähren. Von der Antwort der Banken werde viel abhängen, da man jetzt aber mitten in der Feriensaison sei, werde es notwendigerweise einige Verzögerungen geben, bevor man über die Bedingungen und Aussichten der Anleihe eine allgemeine Auffassung haben könnte.
„Daily Telegraph" schreibt, es scheine, daß Finanzhäuser in den verschiedenen für die Anleihe in Frage kommenden Ländern nicht überzeugt seien, daß die Sicherheit gut genug ist, wenn die mili- tärische Besetzung des Ruhrgebiets fort« dauere und wenn die Möglichkeit eines Einschreitens irgend einer Macht oder irgend welcher Mächte zur Auferlegung von Sanktionen bestehen bleibe. ■■ ~ ~
63. GeneralversMinluW der Katholiken JeuWM
in Hannover.
Die Sonnkagsversammlungen. ’
In der ersten geschlossenen Versammlung am Sonntag mittag wurde nach eingeleiteter Begrüßung durch Geheimrat Dr. Porsch die herkömmliche Entschlie- fjung gefaßt, die in der römischen Frage die Her- tellung der Rechte des Heil. Vaters dringend verlangt. Zum Präsidenten des Katholikentages wurde, gleichzeitig als Ehrung für das katholische Rheinland, Oberbürgermeister Dr. Farwick aus Aachen gewählt. Zum Vizepräsidenten wurde Graf Galen gewählt.
Im Kuppelsaal der Stadthalle, im riesigen Amphitheater, begann um halb 5 Uhr die ersteöffentliche Versammlung. Das gewaltige Rund war fast bis zum letzten Platz besetzt. Der päpstliche Nuntius, die Bischöfe von Hildesheim, Osnabrück und Meißen, die Weihbifchöfe von Paderborn und Aachen, waren erschienen, ferner Reichskanzler Dr. Marx, Reichspostminister Dr. Hoefle, zahlreiche Abgeordnete des Reiches und der Länder. Präsident Dr. Farwick entbot den Willkommengruß. In ansprechenden Ausführungen nahm er zu den wichtigsten Tagesfragen Stellung. Er entbot einen Treuegruß nach Rom. „Der Respekt vor jeder Erdengröße hat für uns Katholiken ihr Ende am Fuße des Felsen Petri." (Stürmischer Beifall). Die Friedensermahnungen der Päpste in der Zeit des Weltkrieges hat die Welt leider nicht hören wollen, jetzt hat sie sich, der Not gehorchend, dem Gutachten eines amerikanischen Bankiers fügen müssen. Ist das erhebender? Dem Papste dankt Deutschland für die zahlreichen Beweise der Liebe, (Stürm. Zustimmung), vor allem auch für die Entsendung des Msgr. Testa. Wir deutschen Katholiken aber wollen uns fernhalten vor jedem Pharisäertum. Die pharisäische Selbstgerechtigkeit ist ein Uebel, das heute besonders verbreitet ist. Auch im katholischen Lager fehlt es nicht. Unzufriedenheit, nichts als Kritik überall. Daraus entspringt dann die Uneinigkeit. Wir im Rheinland verstehen es nicht und beobachten es mit stillem Ingrimm, daß im unbesetzten Deutschland die Katholiken in vielen Fragen, namentlich im politischen Leben nicht mehr so einig sind wie früher. Ja, daß es Leute gibt, die andere angreifen, als seien sie vom rechten Wege abgewichen, hätten Land und Volk verführt. Wer selbst nicht den Mut hat zum Kampfe für die Rettung des Vaterlandes, der hat gar nicht das Recht, über die, welche sich in die Schanzen schlugen, abfällige Urteile abzugeben. (Lebh. Zustimmung.) Gefährlich und unkatholisch ist auch die Neigung unserer Zeit, das eigene Volk, die eigene Rasse zu vergöttern. Das ist ein heidnischer Brauch. Für das katholische Volk aber bestand niemals größerer Grund zur Einigkeit als heute. Von Hannover, wo Windthorst begraben liegt, der unermüdliche Mahner zur Einigkeit, sollte eine Welle neuer Einigkeit ausgehen. Wir brauchen sie, denn sie macht uns stark und ist besser, als wenn sich unsere Glaubensgenossen hierhin und dorthin zerstreuen, in der trügerischen Hoffnung, dann die anderen Gruppen zu gewinnen. Die Katholiken Deutschlands und sogar die Katholiken im gesamten Europa müßten geschlossen und einig sein, im Hinblick auf Erscheinungen, die sich in einem Lande, das heute sehr mächtig ist, in katholikenfeindlichem Sinne bemerkbar machen. (Hört, hört!) Der Redner schloß mit der Bitte an den Diözesanbischof, das Wort an die Versammlung zu richten. Der Hochw. Herr Bischof von Hildesheim gab der Freude Ausdruck, daß das Wagnis, die Generalversammlung in einer Diasporastadt zu halten, so gut gelungen sei und so gewaltige Kundgebungen zustande gekommen seien. Nuntius Erzbischof P a c e l l i, dem minutenlange Beifallsstürme entgegen schollen, gab der hohen Freude über die Treue der deutschen Katholiken und über die fruchtbare Einrichtung der Katholikentage Ausdruck und wünschte der Arbeit besten Erfolg. Als er im Auftrage des Heil. Vaters die Versammelten gesegnet hatte, setzten erneut minutenlange Beifalls-Kundgebungen ein.
Dann sprach Generalstaatsanwalt Dr. El ar (Marienwerder) über das Thema: Katholik und Diaspora. Die Darlegungen gaben ein neues Bild der Nöte und Schwierigkeiten im Diasporagebiet. Ferner befaßte sich der Redner mit den Leistungen des Bonifatiusoereins. Oft von Beifall unterbrochen forderte er die deutschen Katholiken auf, unermüdlich für Kirche und Schule in der Diaspora sorgen zu helfen, um die gewaltigen Aufgaben lösen zu helfen. Dr. Clar, der sich als eindrucksvoller Redner erwies, wurde durch parken Beifall geehrt.
Das zweite Thema, das in der Versammlung behandel wurde, lautete: Der Katholik in feiner Hilfsbereitschaft. Caritasdirektor Dr. Auer- Freiburg, der darüber in wirkungsvoller Weise sprach, feierte Caritasgesinnung und Caritastat. Er gab ein Bild der Leistungen des deutschen Caritasoer- bandes. Nach dem Stande vom 1. Mai zählt die katholische Caritas 818 Krankenhäuser (72 525 Betten), 109 Heim für körperliche und geistig Gebrechliche (24 542 Betten), 292 Erholungsheime für Kinder und Erwachsene (14 690 Betten), 782 Heime für Erziehungsfürsorge (60 626 Betten), 992 Altersheime (21 645 Betten), 219 Mädchenheime (3461 Betten), 37 Jugend-Lehrlingsheime (1978 Betten), 173 Heime für Studierende (11 292 Betten). Das ergibt folgende Gesamtzahlen: 3388 katholische Caritasanstalten mit 210 759 Betten. Er machte Lücken namhaft, die im Caritaswerk noch vorhanden sind, vor allem im Pflegestellenwesen und Vormundschaftswesen. Vorwärts in der Liebe, das muß die Parole fein. Frauen und Männer muffen helfen, Jungmänner und Jungmädchen! Sie alle wollen und sollen dem Heilandswort gerecht werden: „Wenn ihr alles getan habt, was Euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze^ Knechte, wir haben getan, was wir schuldig waren."
Unter dem starken Eindruck der warmherzigen Rede wurde die Veffammlung mit dem Gruße: Gelobt sei Jesus Christus! geschlossen.
In einer gleichfalls stark besuchten Paralleloersamm- lung sprachen Pater Dionysius und Iustizrat Hille.
Abends sprach in einer großen Akademikerversammlung der Prof. Dr. Stesses aus Holland, einer der hervorragendsten Redner, über die das katholische Deutschland zurzeit verfügt.
in Hannover ist wie-
im katholischen Leben auf den verschiedensten Gebieten in beachtenswerter Weise Mitarbeiten. Die Tagung gibt so Möglichkeiten zu fruchtbarer persönlicher Annäherung zwischen den Führern und Unterführern, eine eveuso bedeutsame Mission der Generalversammlung wie die andere, nämlich durch die imposante Kundgebung, die
Der diesjährige Katholikentag
der, ganz wie in der Vorkriegszeit die Katholikentage es waren, ein Stelldichein all der Männer und Frauen, die
sie darstellt, Begeisterung und Liebe für die hehre katholische Sache zu wecken und zu stärken.
Begeisterung ging in ganz ungewöhnlichem Maße aus von der glänzenden Akademikerver- s a m m l u n g am Sonntag abend, die schon kurz erwähnt worden ist,, aber noch ein Wort verdient. Es war etwas Erhebendes, in dem großen Kuppelsaal weit über tausend katholische Akademiker, junge Studenten und alte Semester im Silberhaar, vereint zu sehen. Der Vororts- präfibeni der Bonifatiusemigung leitete die Versammlung, die die Aufgabe hatte, in der gesamten akademischen Welt die Bedeutung des katholischen Lebensideals in den Vordergrund zu rücken. Nachdem der Präsident der Katholtkenoerfammlung. Oberbürgermeister Farwick, herzliche Worte an die Kommt ikonen gerichtet hatte, hielt der Universität-Professor Dr, Stesses aus Nymwegen die gebanfentiefe Festrede. Im Anschluß daran wurde eine Entschließung gefaßt, Oie die Arbeit der akademrschen Bonifat'urvereine als höchst verdienstlich anerkennt, ferner die Verpflichtung der akademischen Jugend aller Fakultäten zur Teilnahme an Wettanschau- ungsvorlekungm verpflichtet und die Errichtung von Welt- anschauungsvrofessuren an ollen deutschen Universitäten verlangt. Das Schlußwort sprach B i s ch o f D r. Schreiber von Meißen. Die Ausführungen rissen die Versammlung zu wahren Beifallsstürmen hin. Bischof Dr. Schreiber wurde ebenso wie Reichskanzler Dr. Marx, der auch an der Veffammlung teilnahm, Gegenstand herzlichster Kundgebungen.
Die Derfammlungen am 2Honfag.
Am Montag regnet es in Strömen. Nur gut, bah nicht 24 Stunden früher diese Wassergüsie niebergegan« gen und den herrlichen Festgottesdienst, der nach dem Urteil berufener Stellen in nichts der entsprechenden Veranstaltung in München nachgestanden hat, gestört haben. Den Versammlungen am Montag kann das Wetter nichts anhaben. In den herrlichen Räumen der Stadthalle sind die Teilnehmer gut geborgen. Die g e - s ch l o f f e n e Versammlung am Vormittag war wieder überaus gut besucht. Sie wird von Graf Galen, geleitet. Der Bischof von Hildesheim und die beiden Weihbischöfe sind dazu erschienen, außerdem viele Abgeordnete; stürmisch begrüßt wirb vor allem der frühere Reichskanzler Dr. Wirth. ___
Der erste Beratungsgegenstanb ist bie Arb eit b e s Winfriebbundes, zur Wiebervereinigung im Glauben. Das einleitenbe Referat erstattete Prof. Dr. Simon aus Paderborn. In der Diskussion wurde u. a. von Herrn Heerd aus Offenbach auch darauf hingewiesen, wie in dem Maingebiet die dort aus der Fuldaer Gegend und aus Bayern zuwandernden katholischen Jugendlichen besonderer Fürsorge bedürfen. Wie sie in der katholischen Heimat mit der Masse aus Gewohnheit in bie Kirche gehen, so gehen sie an dem neuen Aufenthaltsort ebenso mit der Masse aus Nachahmungstrieb an der Kirche — vorbei. Die Versammlung unterstrich die Fesfftellung des Redners aus Erfahrungen auch an anderen Orten sehr lebhaft. Dr. Wirth lenkte die Aufmerksamkeit auf faszistifche und bolschewistische Strömungen. Gewiß sei die Zurückgewinnung der im Glauben getrennten Brüder eine wichtige Frage. Aber noch wichtiger sei die Abwehr des Radikalismus, der sowohl in der völkischen als in der kommunistischen Welle auch katholische Kreise bedroht. Zu demonstrativen Kundgebungen kam es, als Dr. Wirth bie Liebe für alle Auseinandersetzungen im katholischen Lager forderte und u. a. mitteilte, daß ein bayerischer katholischer Verlag es gewagt habe, gegen die Person des verehrten Reichskanzlers Marx ein gehässiges Druckerzeugnis zu verlegen und erst auf Einspruch zurückgezogen habe.
An einen zweiten Vortrag, den Studienrat Dr. Kuckhof f aus Köln über die Bedeutung des seligen P e t r us Canisius, des zweiten Apostel Deutschlands hielt, schloß sich die Annahme einer Entschließung, bie den Heil. Vater um die Heiligsprechung dieses Kirchenlehrers bittet. In der ersten geschlossenen Versammlung am Sonntag war bereits beschlossen worden, den Heil. Vater im Namen der beutfchen Katholiken um Einleitung des Kanonisierungsprozesses für Papst Pius X. zu bitten.
Zum Schluß verbreitete sich Weihbischof H ä h 1 i n g von Lanzenauer über die Aufgaben des Boni- fatiusvereins und diejenigen Probleme, denen auch der Bonifatiustag in Fulda vor 14 Tagen beredten Ausdruck K' en hat. Entsprechende Enffchließungen wurden L
Im Laufe des Tages traten zahlreiche Spezialorganisationen zu besonderen Beratungen zusammen, z. B. bie Missionsvereinigungen, die Vorstände des 3. Ordens, Katholischer Frauenbund, Friedensbund deutscher Katholiken, Jugend- und Jungmännervereine und viele andere.
Der Kuppelsaal mit seinen 4 bis 5 Tausend Sitzplätzen war zur 2. öffentlichen Versammlung wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Bischöfe und Weihbischöfe, zahlreiche Prälaten und Ordensobere, eine Reihe führender katholischer Männer aus dem ßaienftanbe saßen am Ehrentische. Den Vorsitz führt der 2. Vizepräsident, der Kölner christliche Gewerkfchaftssührer Kayser.
Zunächst sprach der Rektor der Universität Würzburg, Pros. Dr. Ludwig R u 1 a n d. Seine Ausführungen galten dem Thema: Kapital und Arbeit im Lichte des Christentums. Er ging von dem Standpunkt aus an bie Frage heran, daß eine Löfung biefer Probleme auch ihm nicht möglich fei, baß es aber schon wertvoll erscheine, sich aller Schwierigkeiten bewußt zu werden und wenigstens bie Grunblimen fest- zulegen, in der bie Wege zur Lösung gesucht werden müssen. In diesem Sinne sprach er von der Arbeit, bie untrennbar ist von der Persönlichkeit. Vom Kapital, bei besten moralischer Beurteilung bie Verwendung des Gewinnes des Wesentlichste ist. Wem kommt der Gewinn zugute, bloß dem Kapitalgeber ober auch bem Arbeiter, der seine Lebenskraft in bem Betrieb auf« reibt? Das ist die entscheidende Frage. Die bestehende Wirffchaftsform, die auf dem Grundsatz des Privateigentums und der Freiheit des Verkehrs ist an sich gut und braucht daher nicht gestürzt und durch eine neue — etwa die sozialistische — abgelöft zu werden. Aber ihr Geist ist schlecht, weil er sich abgeroenbet hat vom Glauben und von der Sittenlehre des Christentums. Dieser schlechte Geist, der den Kapitalismus hat zum Mamonis- mus werden lasten, hat auch bas Verhältnis vom Kapital zur Arbeit vergiftet. Aus der Verleugnung ber sittlichen Weltordnung kann niemals Segen und Gedeihen für die menschliche Gesellschaft entspringen. Die Lösung ber Schwierigkeit liegt in der Verwirklichung der christlichen