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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stabt Fulda.
Nr. 202.
Verantwortlich iür die Schriltleituns: Dr. Johannes Kramer. Anreigen: I- D arreller. Fulda. Rotationsdruck und Verlas der # Fuldaer Bctieudruckerei in Fulda. Fernlvrecher Nr- S. s Monatlicher Bezugspreis: 1.50 Mk.
Samstag, 30. Sugust 1924.
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51. Zahrg.
9er letzte Rchmf des MM.
Die entscheidende Neichstagsfttznng.
Bei Redaktionsschluß ist die Sitzung des Reichs- Niges, in der endgültig abgestimmt wird, noch im Gang. An anderer Stelle geben wir die Rede des Reichskanzlers wider, in der er vor der Abstimmung nochmals die Stellungnahme der Reichs- eegieruug darlegt. *
Am Freitag vormittag wußte noch niemand, wie ine Stimmen in der um 10 Uhr beginnenden Reichstagssitzung fallen würden. Man rechnete und rechnete und bekam schließlich heraus, daß die schick- salsschrvere Entscheidung von ganz wenigen Stimmen abhängen konnte.
Der Betrachtung ist nach dem Denu^ratischen Zeitungsdienst folgendes zu Grunde zu legen: 204 Gegnern des Londoner Paktes, nämlich den Fraktionen der Deutschnationalen (106), Deutschvölkischen (32), Deutfchsozialen (4) und Kommunisten (62), stehen 268 Freunde der Gesetze gegenüber, nämlich die Fraktionen der Sozialdemokraten (100), des Zentrums (65), der Deutschen Volkspartei (44), der Demokratischen Partei (28), der Bayerischen Volkspartei (16) und der Wirtschaftlichen Bereinigung (15). Eine einfache Mehrheit ist also unbedingt vorhanden, dagegen nicht eine Zweidrittelmehrheit, wie sie der verfaffungändernde Charakter insbesondere des Ersenbahngesetzes verlangt. Für eine Zweidrittelmehrheit sind mindestens 316 Stimmen erforderlich, da der Reichstag insgesamt 472 Abgeordnete zählt. Die Deutschnationalen könnten sogar schon von vornherein die Abstimmung illusorisch mcuhen, wenn sie nach Verabredung mit den anderen Oppositionsparteien der A b st i m m u n g fern blieb en, da der Reichstag die Verfassung nur ändern kann, wenn Z w e i d r i t t e l der gesetzlichen Mitgliederzahl anwesend sind. Daß sie zu diesem Mittel der Obstruktion, das bekanntlich bei der Beschlußfassung über die Ermächtigungsgesetze versagt hat, auch diesmal greifen werden, ist kaum anzunehmen. Nach der Verfassung müssen dann von den anwesenden Volksvertretern mindestens Zweidrittel den Gesetzen zustimmen. Wird dies der Fall sein? Bei vollbesetztem Hause m ü ß- t e n, damit die Zweidrittelmehrheit von 316 Stimmen erreicht wird, 50Deutschnationalefür das Londoner Abkommen stimmen; andernfalls müßte die Opposition, wenn sie das Abkommen angenommen wissen, aber keine Stimme dafür abgeben will, soweit der Abstimmung fernbleiben, daß zwar Zweidrittel der Mitglieder anwesend sind, aber die Anhänger der Vorlage aus eigenem die Zweidrittelmehrheit stellen. Rechnerisch wäre das möglich. Soweit man schätzen kann, darf man annehmen, daß etwa 27 Deutschnationale der Annahme des Abkommens günstig gegenüberstehsn.
In der deutschnationalen Presse mangelt auch bis zuletzt jede Klarheit. Donnerstag abend, also unmittelbar vor der Entscheidung, herrschte in dieser Presse eine K o n f u s s i o n, die gewiß ganz der Sachlage in der „völlig einigen" deuftchnationalen Fraktion entsprach. Die „Deutsche Zeitung" verkündete:
Don allen Seiten versucht man, die stärkste Oppositionspartei int Sinne der Annahme zu beeinflussen. Nach wie vor ober ist festzustellen, baß alle diese Versuche gescheitert sind. Um falschen Gerüchten und BehökqchiMen entgssgenMÄretön, sei ausdrüMch vermerk, daß insonderheit auch der Führer der Partei und der FraKion, Hergt, zu den entschiedenen Geg- ner n der Atmahme gehört.
Dagegen gab die „Deutsche Tageszeitung" ihrem Leitartikel die weniger unbeugsame Ueberschrift „Vrückenschlag?" Und in den einleitenden Sätzen sagte sie, die Situation habe „einen gewisten Fortschritt" — im Sinne des „Brückenschlages" — erfahren. Die „Kreuzzeitung" überschrieb ihren Sitzungsbericht: „Ablehnungsrede des Abgeordneten Dr. Ouaatz." Der „Lokalanzeiger" aber erklärte, in der Hoffnung, die peinlichen Neuwahlen doch noch vermieden zu sehen: „Hüben und drüben hütet man sich, den letzten Steg von hier nach dort zu zerbrechen." Der Standpunkt der Deutschnationalen ist in diesen verschiedenen Darstellungen ihrer Presse ungemein verständlich ausgedrückt. Er schwankt zwischen „3a, ja, nein, nein".
lieber die Sitzung vom Donnerstag wird uns aus Berlin geschrieben:
Nach Tagen außerordentlicher Spannung, fieberischer Erregung und ungeheurer Fnanspruch- nahw.e, nach Sitzungen, in denen eine Aufregung die andere jagte, lag über den letzten Kämpfen des Reichstages ein Gefühl der Ermattung und der Resignation.
Frisch war allerdings der Außenminister Dr. S t r e s e m a n n, als er noch einmal mit trefflichen Argumenten der Opposition zu Leibe rückte:
Heute früh sind die Ausführungen des früheren französischen Ministerpräsidenten Poincare im Senat gegen die Politik Herriots bekannt geworden. Poincare meint, daß die Erklärung der iranzösischen Regierung, wonach das Wrstlär nur zum Schutz der in das Ruhrgebiet geschickten Jngenieurkommission entsandt worden sei, in der Gegenwart nicht mehr existiere. Durch den passiven Widerstand habe sich der Charakter der Ruhrbesetzung geändert. Infolgedessen rügte er aufs aller- schärffte das Londoner Räumungsverspre- ch e n, dos in vollem Gegensatz zu Frankreichs Interessen stände. Poincare wandte sich auch gegen Herriot wegen der Räumung der sogenannten „Flaschenhälse" und weiter gegen Herriots Erklärung in Bezug auf die Räumung der Sanktionsgebiete. Er gab wörtlich folgende Erklärung ab: „Die betreffenden Gebiete sind besetzt nach Völkerrecht und wegen der bedrohten Sicherheit der Besatzungstruppen, und Frankreich ist durch nichts zu ihrer Preisgabe verpflichtet." Poincare wendet sich weiter dl^egen, daß die Räumungsftist bereits liefe und betonte.
daß Deutschland gewisse Verpflichtungen des Vertrages von Versailles nicht erfüllt habe, namentlich bezüglich der sogenannten Kriegsverbrecher. Bezüglich der Kölner Zone erklärt er, Frankreich brauche nur nachdrücklich zu erklären, daß es im Falle der Räumung der Kölner Zone durch England seinerseits dieses Gebiet sofort besetzen werde. Das Ergebnis der Verhandlungen im fron« zwischen Senat war, daß die Mehrheit des Senats, die früher einstimmig die Politik Poincares wiederholt gebilligt hatte, ihm nicht mehr gefolgt ist, daß die Mehrheit sich auf den Standpunkt Herriots gestellt hat. In meiner ersten Rede habe ich ausgeführt, daß niemand von uns eine Gewähr dafür bat, wie lange Herriot ein politischer Machtfaktor in Frankreich sein werde. Nach den letzten Wahlen war ziffernmäßig das Ergebnis, wie man es etwa darstellen kann, daß nur etwas über die Hälfte der abgegebenen Stimmen für Herriot abgegeben worden ist, die andere Hälfte für den Nationalismus, der hinter Poincare stand, hinter ihm sicht und noch heute in der Presse und der öffentlichen Meinung eine große Macht hat. An diejenigen, die hier nein sagen und damit das ganze Ergebnis der Londoner Abmachungen in Frage stellen, möchte ich nun mal die Frage richten: Wenn man diese Aeußerungen von Pom- care liest und weiß, welcher Vernichtungswille dahinter steht, vielleicht würdigt man dann etwas mehr, was in London gegenüber dieser Tendenz erreicht worden ist, einer Tendenz, welche glaubt, Deutschland in den Klauen zu haben und es nicht wieder losläßt.
Demgegenüber haben wir eine Erklärung erhalten, nicht nur für die Räumung des Ruhrgebiets, sondern auch für die praktische Durchführung der Räumung. Sie sehen darüber hinaus den Grundgedanken, der sich durch die Sachverständigengutachten hindurchzieht, eine Lösung der Reparationsfrage zu finden, die sie aus der Sphäre der politsschsn Macht und der Unterdrückung heraushebt und fie in die Sphäre wirtschaftlicher Abmachungen hinemhebt. Wenn Sie sich unter diesen Gesichtspunkten das Londoner Ergebnis ansehen, dann wird es vielleicht von manchem objektiver betrachtet werden, als es mir bisher in der Diskussion dieses hohen Hauses erschienen ist. Herr Dr. Quaatz hat angeknüpst an Worte, die fo wundervoll für das Gemüt klingen: „Nicht fragen, was danach kommt!" Für den Staat gilt dieses Zttat nicht. (Zustimmung b. d. Mehrh.) Ich habe den Wunsch, daß die verantwortlichen Staatsmänner des Deutschen Reichs sich stets die Frage vorlegen möchten, was die Folge ihrer Handlungen und Unterlassungen fein wird. (Lebh. Beifall b. d. Mehrh.) Sie werden mir von links und rechts zugestehen, daß wenigstens London nicht im Geiste bes Pomcarismus gestanden hat. Ich darf Ihnen aber auch sagen für die Zukunft, diese Kammerdebatte in Paris zeigt auch, daß Poincares Geist wieder zu dem herrschenden Geist in Frankreich wird, wenn diese Verhandlungen scheitern. Ich sehe dann zwar, wo der Faden abgerissen ist, wo er aber wieder angeknüpft werden könnte, das sehe ich nicht, wenn wir nicht innerhalb des Parlaments und des deutschen Volkes zu einer Einigung kommen.
Ein Kompromiß zwischen den Parteien dieses Hauses pflegt schon selten zu befriedigen. Ein Kompromiß aber unter Völkern, oas doch noch obendrein unter dem Schatten des Weltkrieges stand, steht noch unter allen Aufwallungen der Völker, und da ist das jetzige Kompromiß nicht als das fchlechteftmögliche zu bezeichnen. (Sehr wahr! b. d. Mehrh.) Wenn nun auch dieses Kompromiß uns nicht befriedigt, wie es auch scharfe Krittk in Frankreich und Kritik in England auslöst, ist bannt nicht eigentlich der Beweis geführt, daß jede Delegation das Beste herauszuholen versucht hat? Das Kompromiß hat doch auch nicht Ewigkeitswert!
Der Weg von Versailles bis London hat eine starke Aenderung in der Einstellung der Welt zu Deutschland gebracht. Wenn wtt den Weg in eine bessere Zukunft gehen wollen, dann dürfen wir uns nicht weigern, den Boden des Londoner Vertrages zU betreten. (Lebhafter Beifall und vereinzeltes Händeklatschen.)
Stundenlang zogen sich nach Stresemanns Rede die letzten Verhandlungen hin. Als die Kommunisten sprachen, war kaum ein Dutzend Abgeordnete im Saal: Die Tribünen waren wieder vollgepfropft und in der Diplomaten-Loge waren fortgesetzt Vertreter der ausländischen Missionen zugegen. Scharf wurde geschossen zwischen der Rechten und der Linken. Völkische und Kommunisten indessen hielten sich während der Debatte vollständig zurück. Die Reichsregierung bot nochmals alle ihre Kräfte auf, um für die Gutachten einzutreten. Neben dem Außenminister kam noch der Finanz- und der Arbeitsmini st er zu Wort. Die Mittelparteien begnügten sich mit formulierten Erklärungen, die sehr starken Beifall fanden. Das gilt insbesondere für die vom Zentrum durch Fehrenbach und die für die Deutsche Volkspartei durch Dr. Zapf abgegebenen Erklärungen. Darin war ausgesprochen, daß mit dem Rheinland das ganze deutsche Volk die Befreiung von dem Druck ersehnt, der auf ihm lastet und daß darum die Verantwortung für eine Ablehnung der Londoner Gesetze von diesen Parteien nicht übernommen werden kann.
Inzwischen konzentrierten sich noch einmal alle Hoffnungen auf das Schicksal der Anträge, die von den verschiedenen Parteien, auch von den Deutschnationalen eingebracht waren. Immer noch gab es Unentwegte, die nicht an den Knalleffekt glaubten! ....
Bon den Nationalsozialisten ist folgender Mißtrauensantrag eingegangen: „Die Reichsregierung besitzt nicht das Vertrauen des Reichstags".
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Wie der ,Lokal-Anzeiger' erfährt, zogen sich die Besprechungen zwischen den Vertretern der Regierungsparteien, der Regierung und den Deutschnationalen am Freitag bis in die späten Nachtstunden : bin. Es handelt sich hauptsächlich um die Möglichkeit einer Einigung über das Ei senbahn« gesetz. Die Besprechungen wurden in strengster Vertraulichkeit geführt.
üfls 5 Wort Oes Ml».
Die Zentrumsfraktion des Reichstages ließ vor der entscheidenden Abstimmung folgende Erklärung durch ihren Vorsitzenden Fehrenbach cbgeben:
Die Fraktion des Zentrums hat ihre sachliche Haltung mehrmals dargelegt. Unsere Wünsche sind in Anträgen und Entschließungen zum Ausdruck gebracht. Wir verkennen nicht die Leiden und Lasten des ganzen deutschen Volkes, besonders der besetzten Gebiets. Die Entscheidung, vor der wir stehen, wächst in ihrer Bedeutung über Einzelheiten hinaus. Sie ist eine politische und berührt auf das tiefste die gesamte Nation, die Einheit und Freiheit Deutschlands. (Sehr wahr im Zentrum). Politische Entscheidungen haben sich an der Wirklichkeit zu orientieren, auch wenn diese hart und spröde ist. In den Ländern der Alliierten und der Neutralen wird das Gutachten und der Londoner Pakt als ein internationales Instrument der politischen Entspannung beurteilt, die Ueberzeugung ist allgemein, daß dadurch das Reparationsproblem zum erstenmale der Politik entzogen und in die Atmosphäre ökonomischer Erwägungen hineingerückt ist. Eine Ablehnung deutscherseits würde als totale Verkennung der weltpolitischen Lage empfunden werden. (Sehr wahr im Zentrum) und würde die lebendig gewordene und wachsende Einsicht in die ökonomischen Zusammenhänge der Reparationsfrage stören. Lm Hinblick auf diesen Sachverhalt und unter Würdigung der Tatsachen, haben wir seit Jahren die deutsche Politik verantwortlich getragen oder zu beeinflussen versucht, unser Blick war unter Zurückstellung parteipolitischer und materieller Interessen unverwandt daraus gerichtet, die Einheit des Deutschen Reiches und Volkes zu wahren (Lebhafter Veisall im Zentrum). Damit war und ist es unvereinbar, Teile unseres Reiches und der Bevölkerung, die an sich schon schwer unter dem Augriss gegnerischer Mächte zu leiden hatten, irgend wie preiszugeben, ihnen außerordentliche La st en auszubürden oder gar zu Reparationsprovinzen herabziehen zu lassen. Wir erklären auch in diesem Augenblick mit allem Nachdruck, daß jede Politik, die auf Kosten unserer besetzten Gebiete verderbliche Experimente machen will, in uns stete unerbittliche Gegner gefunden hat und finden wird. (Lebh. Beifall im Zentrum). Die Lasten sollen vom ganzen deutschen Volke getragen werden im Geist der Gerechtigkeit und wahren Volksgemeinschaft (Lebh. Beifall im Zentrum — Ruf b. d. Komm.: Amnestie!) Die Bevölkerung des besetzten Gebietes hat in einem Massensturm von Entschließungen ihren Willen unzweifelhaft kundgetan. Sie erwartet von der Annahme der Londoner Abmachungen eine Erleichterung des heutigen unerträglichen Zustandes in Industrie, Landwirtschaft und Handel. Arbeiter und Beamte hoffen die Wiedererweckung des wirtschaftlichen Lebens, das Heer der Arbeitslosen erwartet die Wiederaufnahme der Arbeit. Durch Ablehnung des Londoner Paktes wird Not und Elend vermehrt. Die Verantwortung dafür tragen diejenigen, die in politischer Verblendung das Abkommen ablehnen (Lebh. Zustimmung im Zentr.) Gerade von der rechten Seite, wo man das Wort „National" immer im Munde führt, wird die nationale Verantwortlichkeit verkannt, und wir weisen das aufs schärfste zurück. (Lebh. Beifall im Zentrum. Abg. Dr. Quaatz (Dnl.) ruft: „Wenn man Sie ansieht, darf man da unwillkürlich lächeln?" Abg. Quaatz wird vom Vizepräsidenten Bell zur-Ordnung gerufen.) Das deutsche Volk wird von Ihnen (nach rechts) Rechenschaft fordern, und es wird fein Urteil fällen. (Lebhafter Beifall im Zentrum).
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DiedeutschnationalenAnträgezum Mantelgesetz laufen darauf hinaus, daß das Gesetz nur in Kraft treten soll, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt find: durch feste Abmachungen in völkerrechtlich bindender Form ist Sicherheit zu schaffen, daß die über die im Art. 428 des Versailler Vertrages bezeichneten Grenzen hinaus besetzten Gebiete spätestens bis zum 10. Januar 1925 geräumt werden; ferner soll das Gesetz nicht in Kraft treten, solange nicht die Reichsregierung in einer amtlichen, den alliierten Mächten abzugebenden Erklärung das im Artikel 231 des Versailler Vertrages über die Entstehung des Weltkrieges enthaltene, der damaligen deutschen Reichsregierung abgezwungene Anerkenntnis der deutschen Schuld am Kriege, das den geschichtlichen Tatsachen widerspricht, sörmlich widerrufen hat.
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Wie Reuter erfährt, soll nach den bisherigen Vereinbarungen das Londoner Abkommen am Samstag mittag im Auswärtigen Amt unterzeichnet werden. Für die britische Regierung wird der ständige Unterstaaissekretär im Außenministerium Er owe unterzeichnen. Die Alliierten und Deutschland werden durch ihre Botschafter und Gesandten vertreten sein.
* Kämpfe in Maro.ro. Nach einem amtlichen Bericht haben am Dienstag auf allen Linien harte Kampfe stattgefunden. Sämtliche feindliche Vorstöße wurden durch das Zusammenwirken zweier spanischer Kolonnen erfolgreich zurückgeworfen. Alle vorgeschobenen Punkte und Blockhäuser konnten ungestört verproviantiert werden. Nebel und Rege» verhinderren ein weiteres Vorrücken.
Das belgische Parlament.
Wtb p a t i s, 29. August. (Tel.) Um der Kritik zu begegnen, die der Beschluß der Regierung, nach der Londoner Konferenz das Parlament nicht einzuberufen, in Brüssel gefunden hat, hat T h e u - nis folgende HTitfeihmg an die presse ergehen lassen:
Das Parlament hak unmittelbar vor der Konferenz einstimmig der Meinung Ausdruck gegeben, daß Anlaß zu seinem Zusammentritt nur vorliegen werde, wenn die Konferenz scheitern würde. Dena das französische Parlament zusammengekretea ist, so ist dies auf Grund eines vor der Konferenz von Herriot selbst eingegangenen Versprechens geschehen. Außerdem halte die französische Kammer über gewisse Gesetze zu beraten, sodaß die parlamentarische Session bei Schluß der Konferenz noch nicht beendet war.
Anders ist die Lage in Belgien, wo mehrere Parlamentarier dem Ministerpräsidenten ihre Be- ftiedigung über die in London erzielten Ergebnisse bekundet haben. Das Vertrauen, das die Kammer der belgischen Regierung vor der Konferenz ausgesprochen hat, würde bei ihrem Zusammentritt nach der Konferenz bestätigt werden.
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wtbp a r i s, 29. Aug. (Tel.) Wie der „Petit Parisien" aus Brüssel meldet, wird die belgische Delegation über die Verhandlungen über das" wirtschaftliche Modus-vivendi- Abkommen mit Deutschland am 12. September nach Berlin reisen.
arbeit für MosKau-
Wenn die deutschnationale Opposition mit Hilfe ihrer nationalsozialistischen und kommunistischen Bundesgenossen die Eutachtengesetze zu Fall bringt, dann bleibt das Reparationsproblem un g e l ö st, dann sind Zustände zu erwarten, wie sie die Ruhrinvasion mit dem Gefolge ihrer Inflation, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftsnot und drohendem Bürgerkrieg gebracht hat. Wemnützt diese Politik? In erster Linie dem Bois chc- w i s m u s, der zur Förderung seiner revolutionären Ziele einen solchen Hintergrund braucht. Diese Zusammenhänge finden wir in einem Artikel der Wiener „Neuen Freien Presse" vom 22. August besonders klar ausgeführt. Dort heißt es:
„Der Moskauer Bolschewismus hat im letzten Jahre gesehen, daß der deutsche Kommunismus trotz wirtschaftlich günstiger Voraussetzungen nicht fähig gewesen ist, die Räteherrschaft in Deutschland zu errichten. Er sieht weiter, daß die Londoner Konferenz doch nicht scheitert, vielmehr die Lösung der Reparationsfrage Europa zunächst einmal Ruhe und Ordnung bringt. Hier waren die Gefühle zwiespältig. Man mußte das Gelingen der Konferenz wünschen, weil man vom Kapitalismus Anleihen erhofft, einen wirtschaftlichen Modus vivendi, die Atempause, die man braucht, da man selber mit dem wirtschaftlichen Latein zu Ende ist und im Bankrott der eigenen Wirtschaftspolitik steht. Zugleich aber weiß man, daß der Boden für den Kommunismus nur zu bereiten wäre, wenn das Reparationsproblem ungelöst bliebe, wenn wieder eine Wirtschaft einreißt, wie im vorigen Jahre in Deutschland als Folge des französischen Ruhreinbruchs mit Inflation, Wirlfchaftsnot, politischer Unruhe . . . Es wird gelten, daß man eine kommunistische Revolution nicht allein durch Agitation in ein Land hineintragen kann, sondern daß diese Agitation nur auf Erfolg hoffen kann, wenn sie an vorhandene Notstände, Unordnung und Gärung anknüpfen kann."
Besonders interessant an diesem Artikel ist nicht nur der Inhalt, auch der Verfasser. Das ist nämlich der deutschnationale Reichstag s- ab geordnete Professor Hoetzsch. Die Deutschnationalen haben also für ihre Katastrophen- und Starrsinnspolitik nicht einmal d i e Entschul» digung, daß sie nicht wissen, was sie tun.
Die Rakionalsozialisten gegen Wallraf.
Wie aus parlamentarischen Kreisen vertäuter, hat die nationalsozialistische Reichstagsfraktion an den Reichstagspräsidenten ein Schreiben gerichtet, in dem sie unter Hinweis auf das Verhalten des Präsidenten gelegentlich der Vorfälle im Reichstag, die zur Verprügelimg des Abg. Brodauf führten, und unter Hinweis auf die vom Reichstagspräsidenten im Zusammenhang hiermit vorgenommene Maßregelung des Fraktionsvorsitzenden, Abg. Gräfe, dem Präsidenten das schärfste Mißtrauen ausspricht.
Sozialdemokratische Kritik an den Kommunisten.
Dir sozialdemokratische „Volksstimme" in Frankfurt schreibt zu den Prügelszenen im Reichstag:
Die Kommunisten handelten laut Moskauer Anweisung. Brennende Scham überkommt einen, wenn man daran denkt, daß diese unwürdigen Gesellen von Arbeitern in den Reichstag geschickt worden sind. Das muß anders werden! Wenn die Arbeiter nicht begreifen, daß Brüllaffen und Raufbolde keine Revolutionäre sind, wenn sie jetzt nicht mit den Kommunisten Schluß machen, so geben sie ihre eigene Sache verloren. Was wir da erlebten, war ein Niedergang ohnegleichen, ein Verzicht auf jegliche Würde, ein völliges Preisgeben und Jnfchmutztreten aller Ideale der Arbeiterbewegung.
* Herabsetzung der Stärke des japanischen Heeres. Die „Daily Mail" meldet aus Tokio, daß die höchsten Offiziere der japanischen Armee sich mit den Politikern auf einen Kompromiß eingestellt haben, nach dem. das Heer um 50 Divisionen vermindert werden soll. Der Vorschlag auf Herabsetzung der Dienstzeit auf ein Jahr soll günstig bs- jurteilt worden fein.