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Fuldaer Zeitung • -t 3 :

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Es ist 12 Uhr nachts. Der Monat Juli hat begon- ggn. Durch das Schiffsführungstelephon kommt das gonmtonbo: „Sekten los*. Ein letztes Winken unserer (jenen Angehörigen und stumm fährt die „Braunschweig* jur Wilhelmshavener Schleuse hinaus. Die drei Linien- W „Braunschweig* (als Flaggschiff), „Hannover* und Matz" treffen sich in der Frühe des 1. Juli in der Nähe gou HÄgoland, um von hier aus unter Führung des x^erbefehlshabers, Vizeadmiral Zenker, gemeinsam ihre Iieife nach Spanien anzutreten. Bei herrlichem Sonnen­schein und ruhiger See gleiten die drei Schiffe durch das graugrüne Wasser der Nordsee. Ab und zu begegnet ans ein Fracht- oder Paffagierdampfer, der auf Gegen­kurs seinem Bestimmungsort zueilt. Als erstes entfern- teres Wahrzeichen der südlicheren Nordsee treffen mir das Terschellingbank-Ferterfchiff, den Kriegsteilnehmern wohl allen noch zur Genüge bekannt. Dann erfolgt der Eintritt in den Aermelkanal. In Steuerbordstaffel lau­fen die drei deutschen Vertreter dicht unter der englischen Küste an Dover vorbei. Die gerade durchbrennende Sonne küßt die steil abfallenden Kreidefelsen noch deut­licher erkennen. Ein Verkehrsflugzeug von Frankreich kommend überfliegt uns und verschwindet bald wieder in einer Wolkenwand. Verschwommen sieht man an Dack- bordseite die Umriffe der französischen Küste. Der Der- kehr im Kanal ist sehr rege. Viele Nationen sind ver­treten und sie alle dippen zum Gruße ihre Flagge.

Nachts sehen wir in hellstem Lichterglanze die Strand­promenade von Cast-Burne. In der Nahe erstrahlt das Leuchtfeuer von Beatchy-Head in gleichmäßigen Abstän­den. Die dahinter gelegene englische Signafftation wünscht uns durch Morsespruch: Gute Fahrt. Näher kommt das „Geschwader* dem Südausgange des Kanals. Die stärker werdende Dünung gibt uns zu verstehen, daß wir dem offenen Meere nicht mehr fern sind. In Der- Wehenartigen Formationen, die vom Flaggschiff aus befohlen werden, wird die Reise fortgesetzt. Bevor wir in die Biskaya kommen, laffen wir als letzten Vertreter des Festlandes das Feuer von Ouessant an Backbord. Nun sind wir allein auf weitem Meer. Langsam aber sicher stampfen die drei Gebilde von Menschenhand in der Atlantikdümmg. Nur wenige Handelsschiffe begeg­nen uns hier, und unter stetigem Evolutionieren nimmt die Reise ihren Fortgang. Der Bestimmungshafen für die „Hannover* ist Bilbao. Die „Effaß* soll Vigo und wir La Coruna anlaufen. Um ein gleichzeitiges An­kommen in den Häfen zu ermöglichen, werden „Hanno- vsr* und „Effaß* am Freitag abend entlasten. Noch kurze Zeit bleiben unsere beiden Begleiter sichtbar. Spä­ter laßt noch eine schwache Rauchfahne ihre Fahrtrich­tung vermuten, und dann ist das Flaggschiff allein.

Langsam nimmt die Entfernung nach Spaniens Nord­küste ab. Am Samstag treffen wir eine ganze Flottille spanischer Fischkutter. Sie liegen gut norm Winde und bieten mit ihren zu beiden Seiten angebrachten Schell» fischangeln für uns ein neues Bild.

In dunkler Nacht werden die spanischen Leuchffeuer üchtbar. Mit Sicherhett werden sie angesteuert und der strahlende Smutagvormittag läßt uns Spaniens Küste in wundervoller Farbenzusammenstellung erkennen.

Die „Braunschweig* schiebt sich, begleitet von einer nach Hunderten zählenden Menge von Delphinen, in den Hafen von La Coruna ein. Am Eingang des Hafens begrüßt uns der Herkulesleuchtturm. Schon zu Zeiten der alten Phönizier hat hier em Ansteuerungszeichen ge- standen, das durch weiteren Ausbau sich bis auf bat heutigen Tag erhalten hat.

Im Hafen finden wir den deutschen Pasfagierdampfer „Köln*, der unsretwegen über die Toppen geflaggt hat. Er war in aller Frühe auf dem Wege von Südamerika nach der Heimat hier angelaufen, um seinen Dasserbe- stand zu ergänzen. Ein unaufhörllches Winken von Schiff zu Schiff. Die Freude auf der „Köln*, einen Der- tretet deutschen Grund und Bodens hier begrüßen zu dürfen, ist übergroß. Die „Braunschweig* hat geankert. Die Bordkapelle der „Köln" laßt die Klänge alter Ar- meemärsche und der Nationalhymne an unfer Ohr Nm- gen. Und in all' diese Freudestimmung ertönen 21 Schuß Landessalut für die spanische Flagge. Ein feier- lieber Augenblick. Stumm steht die spanische Bevölke­rung an den Kaimauern, nicht ahnend, was ihnen dieser fremde Geselle alles bringen ft®. Don einer Gebirgs­batterie werden die 21 Schuß Salut für die deutsche Flagge erwidert. Es kommt die Stunde der offiziellen Besuche. Komplimentteroffiziere kommen und gehen. Der deutsche Konsul Don Ph. Rodriguez-Rey kommt an Bord. Die ersten Vertreter der deutschen Kolonie er­scheinen, um ihre Landsleute begrüßen zu können. Heber, all herrscht eine freudig erregte Stimmung. Inzwischen hat die „Köln* den Hafen wieder verlassen, um der Hei­mat näher zu kommen. Unsre besten Wünsche begleiten sie. Der erste Tag in Coruna vergeht mit den offiziellen Besuchen, die der Kommandant der „Draunschweig*. Kapitän zur See Wieting, den Miütär- und Zivilbehör­den zu machen hat. Ein spanisches Kammenboot kommt von dem Kriegshafen Ferrol und ankert in unsrer Nähe. 15 Schuß für unseren Oberbefehlshaber werden von ihm gefeuert. Wir erwidern mit der gleichen Schuhzahl.

Zungakademiker und Auslandskunde.

Von Dr. Carl Müller.

Wer nicht schon vor dem Kriege als Auslantabsarnter oder Kaufmann, als Techniker, Lehrer oder Missionar die Notwendigkeit einer genauen Kenntnis des Auslan­des eingesehen hatte, der konnte durch die schmer^ichen Erfahrungen des Krieges belehrt werden, wie die man- gelnde Vertrautheit mit den kulturellen, wirffchastlichen und politischen Verhältnissen' des Auslandes weiteste Kreise des dewschen Volkes zu schweren EnttäuschunMn führen mußte. Um aus diesen Fehlern die Lehre zu ziehen und wenigstens in den sog. führenden Schichten das Intereffe für das Ausland zu wecken, sucht eine Denkschrift des preußischen Kultusministers vom 25. 1. 1917 über die Förderung der Auslandsstudien besonders bte Hochschulen für eine intensive Pflege des Auslandes zu gewinnen. Durch diese Denkschrift, die auch an den süddeutschen Hochschulen starke Beachtung stmd, werden amtlicherseits manche Einrichtungen neu geschaffen, an« bere bestehende stärker in den Dienst der Auslandskunde gestellt und auch private Iniüatwe erfolgreich unterstützt, sodaß heute schon einige Erfahrungen und Anregungen Darüber ausgetauscht werden können.

Die Erfahrungen haben gekehrt, tnß eine gute Ein­führung in das Verständnis der Eigenart des StUdien- kandes nur erreicht werden kann bei der Kenntnis der pofitifchsn, wirtschaftlichen und kulturellen Grundlagen des eigenen Landes. Sonst fehlt em Dergleichs- maßstcüt, der wenigstens im Anfang des Studiums durch, aus notwendig ist. Daher empfehlen einsichtige Auslands- temter immer wieder den Studenten, sich mit den allge­meinen kulturellen und religiösen Vorstellungen, der Sprache, Geschichte und Mrffchoftskunde, den rechtlichen und politischen Einrichtungen des Vaterlandes eingehend zu beschäftigen. Dann wünschen sie bei der DonÄtlung

Zur Unterhaltung

i Nr. 200 vom 28. flug. 1024

Ein Vasserdokkor, der in Amerika sein Glück machen wollte, siel aus Unvorsichtigkeit ins Meer. Als deshalb ein Aufkauf auf dem Schiffe entftanb und sich der Kapi­tän nach der Ursache erkundigte, antwortete ein Matrose: „*s hat nichts zu bedeuten, der Herr Doktor ist bloß io feinen Arzneikasten gefallen."

Wiederum, wie öfters in diesen Tagen, stieg ich hinab in die schatzreiche Tiefe der Jahrhunderte, um bald dar- auf über Bölkerstätten und Länderbreiten unserer mo­dernen Wett hinzustreifen. Im Britischen Mu- s e u m in London haste ich neben zahllosen Kunstschätzen, noch unter den Spuren der Zerstörung unendlich schön, die Marmorbilder des Parthenon-Tempels gesehen, bte Lord Elgin vor reichlich hundert Jahren nach England brachte; hier fand ich den berÜkgnten Rofetta-Siein, mit dessen Hilfe man zuerst ägyptische Hieroglyphen ent« zifferte; hier sah ich auch, in den vornehmen Räumen der großen „Nbfiochek des Königs", das Original der ersten N-üoausgabe der Shakespeare-Dramar, den größ- ten Schatz unter diesen 60 000 Büchern. Dr. W.

und Weltwirtschaft (Prof. Harms) mit bedeutenden Bib- ückheken wertvolle Kenntnisse für den Welt- und Kolonial- handel. Zu bedauern ist nur, daß die Auslandskunde em den technischen Hochschulen nicht überall die nötige Unter­stützung zu finden scheint.

Diesen Hochschuleinrichtungen treten andere teils amt­liche teils private Institute zur Förderung der Auslands­kunde würdig zur Sette. Früher war das im Jahre 1887 in Berlin gegründete Seminar für orientalische Spra­chen fast die einzige auf anerkannt wissenschaftlicher Höhe stehende Anstalt zur Ausbildung von Beamten des Aus­wärtigen Amtes und des Kolonialdienstes. Für Kauf­leute und Techniker gab das im Jahre 1908 in Ham­burg gegründete Kolonialinstitut gute Einführung in die wirtschaftlichen und kulturellen Berhältniffe des Aus­landes. Volle Unterstützung verdienen das in Stutt­gart während des Krieges eingerichtete Deutsche Aus- lands-Museum mit einem Institut für Auslandskunde und die von Dr. Mannhardt in Marburg für aus­landsdeutsche Studierende bestimmte Deuffche Burse. Be- sondere Spezialgebiete finden ihre Betonung im Mis- sionswiflenschaftlichen Snftitut in Münster (Prof. Schmid- fin), im Missionsärztlichen Institut in Würzburg, hn Verein für das Deutschtum im Auslande sowie bei der Fürsorge für Auswanderer im katholischen Raphaels- oerein in Hamburg (Besenbinderhof) und Bremen und in einem ähnlich gerichteten evangelischen Institut in Witzenhausen. Eine wichtige Organisation zum Aus­tausch von Kenntnissen über ausländische Hochschukver- hältnifse und zur Anbahnung persönlicher Fühlungnahme ist auch die am 29. Juli 1921 in Freiburg (Schweiz) unter der Mitwirkung von Dr. Karl Sonnenschein-Berkin und Dr. Brom-Ntjmegen gegründete „Pax Romana*, die auch Studentenaustausch vermittelt und Etudentenreisen ins Ausland vorbereitet. Diese erwähnten Institute und Organisationen sind nur die hervorragendsten in der Reihe der öffentlichen und vrivaten Schöpfungen zur Pflege der Auslandskunde.

nen dann oft sekundenlang in der Luft stillzustehen, um plötzlich vor unfern Augen zu verschwinden, erscheinen aber bald wieder an einer anderen Stelle, doch stets in der Nähe des Viehes. Die Männchen sind harmlos, denn sie saugen kein Blut, sondern lecken nur Honigsaft aus Blumen und den aus schadhaften Bäumen ausflie­ßenden Saft. Die blutgierigen Weibchen dagegen stoßen pfeilschnell auf die Tiere herab, um in deren Leib ihre scharfen Klingen einzuschlagen und das Blut zu schröpfen. Das Wild flüchtet vor den Bremsen in den Schatten des Waldes, wohin sie ihnen nicht folgen. An trüben Tagen sitzen die Bremsen träge an den Bäumen. Den Mensch«« belästigen sie nur dann, wenn er ganz stille steht.

— Das Wachstum der Fingernägel. Der Schweizer Forscher Dufour hat festgestellt, daß die Fingernägel hei den Kindern schneller wachsen als bei den Erwachsenen, vom 30. Lebensjahre an verlangsamt sich ihr Wachs­tum, das bei den einzelnen Nägeln übrigens ungleich ist. Am schnellsten wachsen die des Daumens, am lang­samsten die der kleinen Finger. Im Durchschnitt beträgt die Zunahme alle zehn Tage 1 Millimeter. Bis zum Alter von 50 Jahren schneidet der Mensch sich also auf den Fingern und den Zehen etwas mehr als 36 Meter Nägel ab.

— Das Gold in Aegypten. Bei den neuerdings in den alten ägyptischen Königsgräbern entdeckten Kunst- schätzen fragt man sich, woher die Aegypter das Gold bezogen. Das Gold, an dem Aegypten vor Jahrtausend den so reich war .stammt aus Aethiopien und andern Ländern des oberen NU. Alljährlich weihte Tharao große Mengen Goldes der Gottheit im Tempel zu Theben. Ramses thronte auf einem großen goldenen Stuhl, wenn er Beratungen leitete. Im Museum zu Bulak bet Kairo bewundert man ein herrliches @ofi)«i geschmeide der ägyptischen Königin von der weißen Krone Aah-Hotep, ein Meisterwerk alter Goldschmiede­kunst, dessen Alter auf 3600 Jahre geschätzt wird. Dom großen Sesostris wird uns erzählt, daß er den Aethio- piem, nachdem er sie unterworfen, einen Tribut an Gold auf erlegt habe. Herodoi berichtet, bei den Aethiopiern fei Erz das alterfeltenfte und allerteuerste, während sie Sold so reichlich hatten, daß sie ihre Gefangenen mit starken goldenen Ketten fesselten. Diodorus Siculus hat uns eine genaue Schilderung der ägyptischen Goldberg­werke auf der Grenze gegen Aethiopien hinterlassen. Darnach wurde das Gold aus den Adern eines weißen Marmors gewonnen, die in einem schwarzen Gestein gebettet waren. Die Arbeit wurde durch Sträflinge und Kriegsgefangene verrichtet. Das härteste goldhaltige Gestein wurde in einem großen Feuer ausgebrannt. Dann wurde der mürbe gemachte Stein durch eiferne Meißel und Hämmer bearbeitet. Man schlug Stollen in die Felsen, und die zerschlagenen Steine wurden durch Knaben hinausbefördert. Diese Steine wurden dann in fteinernen Mörsern mit eisernen Stöpsel zerstoßen und zuletzt in von Menschen getriebenen Mühlen gemahlen. Diodorus Siculus bezeichnet diese Bergwerke als uralt, deren Einrichtung schon von den alten Königen herrühre,

Hu$ aller wett.

— Di« Viehbremsen. Bekannt sind etwa 800 Arten Viehbremsen aus d«n verschiedenen Erdteilen. Eie find sehr häufig aas Biehweiden, an Straßen und Wegery wo sie an nahen Äaumjtinnmen fitzen und dem Bieh anflauern. Die stattlichste der frei uns einheimischen Arten ist di« Rinderbremse. Sie ist 20—24 Millimeter lang, schwarzbraun und gelblich behaart. Die Augen find nackt, im Leben glänzend grün, di« Schienen hell­gelb. Anfangs Sufi kommen Vtt Bremsen aus Breun- grauen Nymphen aus der Erd« hervor. Sie sind eine wahre Plage für Pferde und Rindvieh. Mtt scharfem, brummendem Gesumme kommen sie herbeigeflogen, schei-

heiteres.

Der schlaue Schulze. „Warum hat denn Schulze nur verheiratete Leute zu seiner Hochzeit eingeladen?* — „Er rechnet damit, daß er sich dann bei den Hochzeitsgefchen- ken nicht zu revanchieren braucht."

Reisebriese aus England.

VIII.

Während mein erster Besuch in London mich nach dem vornehmen Westen geführt hatte, wohne ich jetzt in der nördlichen Dorstadt in einem kleinen Einfamilien­haus, wie st« in London serienweise ganze Straßenzüge entlang errichtet werden. Ein Abendspaziergang führt mich durch die endlosen Straßen dieses Viertels. Ueberall die niedrigen, schwarzen Wohnhäuser, dazwischen hohe Fabriken, Hospitäler, Kinematographentheater usw. In und vor den Bars stehen Männer und Frauen trinkend und schwatzend, schmutzige Kinder siegen auf der Tor- schwelle, auf dem Pflaster überall Schmutz und verschüt­tete Getränke. Lange Holzplanken sind mit Plakaten von doppelter Manneshöhe bedeckt, Lebensmittel, Ge­tränte, Zeitungen, Schaustellungen und Mittel zur Pfleg« der Haut anpreifenb. In der Tat scheint die weibliche Jugend Englands viel Wert auf Erhaltung ihres Schul- mädchen-Teints zu legen. Dor dem „Cinemos" kauft man Erfrischungen aller Art bis in dis späten Abend­stunden. Unzählige suchen durch verkauf von Zeitungen, Hilfeleistungen auf den Bahnhöfen usw. ihren Penny zu verdienen — selbst der Krüppel, der auf dem Pflaster hockend, eine Galerie farbenfroher Bilder, „ganz sein eigenes Werk*, neben sich ausgestellt hat. Als ich dar Diktoria-Cmbankment an der Themse entlang hinab- schritt, sah ich eine ganze Reihe dieser Straßenkünstler, die mit bunter Kreide ziemlich geschickt ihre Bilder auf das Pflaster gemalt hatten. Einer hatte sehr natur­getreu ein Brot dargestellt mit der vielsagenden Unter­schrift: So leicht zu zeichnen, so schwer zu erlangen!...

IX.

An einem der nächsten Nachmittag« saß ich am Themse­ufer auf einem alten russischen Kanonenrohr, das in einer Reihe ähnlicher Beutestücke (ganz am Ende steht ein deutsches Feldgeschütz von 1918) gelagert ist. Dor mir entfaltet sich auf dem trüben Spiegel der Themse der Handelsverkehr des modernen Eng­land. Mehrere Dampfer liegen hier in diesem Fluß­abschnitt zwischen der London- und der hochtürmigen Towerbrücke vor Anker. Krane reichen mit eisernen Riesenarmen Waren aus den Frachtkähnen herauf, heben andere aus dem Laderaum des Schiffes ans Tageslicht, um sie in die großen schwarzen Lagerhäuser hineinzu- führen. Drüben am andern Ufer ziehen sich diese Spei­cher in düsterer Reihe hin. Roch größere liegen zu Sei­ten der Docks, die hinter der Towerbrücke beginnen, von hohen Mauern festungsgleich umgeben, gewaltige Boll­werke friedlichen Handels.

Hinter mir erhebt aus alten Kriegszeiten das Festungswerk des Towers feine grauen Turme, dessen ältester Teil in der Mitte, der „Weiße Tower", der einst von dem normannischen Eroberer Wilhelm zum Schutze der Stadt errichtet wurde. Mir zunächst befindet sich das „Derräter-Tor*, durch dessen düstere Wölbung Anna Doleyn einst den Tower betrat, um hier unter dem Schwerte des Henkers ihr Leben zu lassen. Diel Blut ist überhaupt in diesen Mauern geflossen, und der Teil unmittelbar hinter dem verrätertor wird noch heute der „Stufige Tower* genannt. Jetzt birgt der Tower die Kronschätze Englands mit dem größten Diamanten der Welt. Eine endlose Menschenmenge zieht tagtäglich unter Aufsicht der altertümlich uniformierten „Beefeaters* ftaunenb um die (Sitter Im Schatzgewölbe, die diese blen­dende Fülle von Gold und Edelsteinen bergen.

Für die dienstfreien Offiziere und Mannschaften bringt der Sonntagnachmittag eine ganz besondere Ueberraschung. Uns zu Ehren wird in der Arena ein Stierkampf geboten, eines der besonderen Ereignisse, die ein Fremder in Spanien erlebt haben muß. Ob alle Zuschauer davon befriedigt worden sind, entzieht sich meiner Beurteilung. Sobald zu Beginn und am Schluß die beiden Nationalhymnen verklungen sind, bricht ein nicht endenwollender Beifallssturm los, der feinen Höhe­punkt in den dauernden Rufen: „Diva Alemana* findet. Das alles schon nach achtstündigem Aufenthalt.

Der Abend gibt den Beurlaubten der Besatzung Ge­legenheit, das ©tebtinnere genauer zu besehen und nut der Bevölkerung Fühlung zu nehmen. Der Montagvor­mittag bringt die offiziellen Besuche der spanischen Ver­treter. Ihr Fortgang wird von dem zustehenden Salut für den Generalkapitän und den Alkalden (Bürgermeister) begleitet. Zahlreiche Boote, überfüllt mit Insassen, um­fahren die graue Festung, nur von dem einen Wunsche bestell, möglichst bald ihren Fuß auf das deutsche Kriegs­schiff setzen zu dürfen. War der Zuspruch von Fremden am ersten Tage mit dem eines außergewöhnlichen Tages in der Heimat zu vergleichen, so sollte uns schon der Montag ein ganz anderes Bild geben. Weit über 4000 Besucher tummelten sich in den Nachmittagsstunden an Bord. Da gab es selbst für den Einheimischen kein voraus noch Zurück, sondern man mußte mit dem Strom schwimmen bis eine günstige Gelegenheit sich bot, um entrinnen zu können. Da war aber auch alles an Bord, vorn kleinen Spanier mit seiner Baskenmütze bis zum ältesten Bewohner dieser Gegend. Jung und alt, Zivil und Militär, sie alle ließen sich durch die sach- und fach­kundige Besatzung das Schiff mit allen seinen Geheim­nissen zeigen.

Ms ständiger Beschützer lag während unseres Aufent­haltes ein Bumboot längfeit. Von ihm aus wurde ein schwunghafter Handel mit frischem Obst getrieben, Manch einer der Besatzung wird noch oft an die immer wieder­kehrenden Worte der spanifchen Verkäuferin denken: „Memanos, una Peseta", wobei sie auf eine Zusammen­stellung von verschiedenen Früchten zeigte.

Für den Dienstag war eine Einladung des deutschen Konsuls zu einem Ausflug nach dem nahegelegenen Garba ergangen. Der deutsche Konsul in La Coruna Don Rodriguez-Rey vertritt fett dem Jahre 1914 die Interessen des deutschen Reiches. Die gesamte deuffche Kolonie und weite spanische Kreise verehren in ihm einen Munn, der trotz des großen Krieges mit den verführe­rischen Angeboten unserer Feinde, unter sehr großen persönlichen und wirifchaftfichen Verlusten, unbeirrbar für das Wohl des deuffchen Reiches sorgte. . . .

Am Mittwoch war Bordfest für die deutsche Kolonie. Dann fanden stakt Gartenfest, Theaterbesuche, Naffonal- ttachtenfefi, FußSallspiel. Ein Ehrentrnnk vereinigt am Freitag bte Offeriere der Gmmffdn mä den Offizieren des Schiffes. Der Generalkapststn und brr M kalbe getintKn in herzlicher Rede der großen Vergangenheit Deutsch- Hanta. Bremsend erklingt das Hoch auf Deutschland. Exceklemz Zenker dankt nicht minder herzlich.

Rur allzuschnell fotfien die schönen Stunden verflie- gen, in denen das Band zwischen der Heimat und den Brüdern im Auslände wieder fester geknüpft wurde.

Nach abwechslungsreichen Festtagen heißt es Ab- schiebnehmen. Die Sirenen heulen, die letzten Urlauber kommen an Bord. Um 9 Uhr abends wird der Anker gelichtet. Schwarz von Menschen sind die Kaimauern, soweit das Auge blicken kann.

Ein unaufhörliches Winken vom Land zum Schift und umgekehrt. Zahllose Boote umfahren uns. Äe geben uns das letzte Geleit. Die Besatzung stand auf der Schanze und als Exzellenz Zenter vorn Geschützturm aus drei Hurras auf Spanien und La Coruna ausbrachte, da donnerten die Dankesworie tat Besatzung zu den Gastgebern hinüber. Die Kapelle fptett noch einmal bte spanische Hymne und dann kommt das deuffche: Muß i denn, muß i denn . . . Vorbei geht es am Herkules­turm, hinaus auf bas offene Meer. Still liegt bie Biscaya da, als ob sie bie Erinnerung an die schönen Stunden nicht stören wollte. Die „Effaß* und „Han- armer* treffen zur bestimmten Zeit ein. In Kiellinie und anderen Fonnationen gÄdngen wir an Irlands Küste, vorbei geht es gen Norden und später erscheint Schottlands Küste, umspült von tarn bezähmten Ozean. Die Fahri geht durch den Pentland-Firih und stumm wendet sich unjerer Blick auf das Grab der alten kaffer» lichen Flotte. — Scapa Flow. — Noch kurze Zett und wir sind in der spiegelglatten Nordsee. Kurs auf Helgo- land liegt an. Und am Sonntagnachmittag passieren wir bei herrlichstem Sonnenschein unsere alte, uneinnehmbare Festung, die heut« nur noch Spuren der Vergangenheit zeigt. Die Lichter von Wangerooge tauchen auf und am 21. Juli 1924 läuft die „Braunschweig" wieder in ihren alten Heimatshafen ein.

vorbei find bte Stunden, die allen unvergeßlich blei­ben werden. Das Auftreten der deuffchen Flagge im Auslande hat jedenfalls gezeigt, daß wir nicht gewillt find, in kümmerlichem Nichts zu vergehen, sondern der alte Spruch: „navigare neeess« est", auch für uns seine Bedeutung nie verlieren wird.

her Auslandskunde in gleicher Weife Männer der Dis- senschast und des praktischen Lebens heranzuziehen, dar­unter auch diplomatffche und konsularische Demnte, Han- delsattachees, Austauschprofessoren, Missionare und nach Vereinbarung mit den Handelskammern des In- und Auslandes auch Kaufleute und Techniker.

Zugleich mit der Gewinnung von Dozenten aus den verschiedensten Tätigkeitsgebieten fft der Wunsch nach Dezentvalssoition der Studien immer entschiedener er­hoben worden. Da namentlich die Männer der Praxis wohl in erster Linie über die Lage in den Ländern ihres früheren Wirkungskreises unterrichten wollen, werden manche Hochschulen und Instttute hauptsächlich Anstands- funtre über solche Länder bieten, zu denen sie infolge ihrer geographischen Sage in besondere Beziehungen tre­ten konnten. Damit soll erreicht werden, daß die fft nur spärlich vorhandene wissenschaftliche Literatur, di« Sammlung von statfftischem Material in Seminarien und Bibliotheken so umfangreich und vollständig wie möglich an bestimmten Orten geordnet wird. So haben sich die Universttäten Königsberg und Breslau (roeit* gehend der skavifchen West angenommen. Namentlich haben die Veröffentlichungen des Theologieprofessors Hanfe im Breslauer OsteUropainMut viel gur kulturellen Erforschung des Ostens beigetragen. Die Universitäten Leipzig und Heidelberg widmen sich mit Erfolg den Studien des Balkan und Vortarasiens. Di« Pflege des angelsächsischen Kulturkreifes mit England, den Ber­einigten Staaten von Nordamerika und den englischen Dominions hat Göttingen unter der Leitung des Newyorker Professors Hall übernommen, ebenso Greffs- wald den nordffchen, Bonn und Freiburg den romanischen und Münster den niederländischen Kill- turtreis. In Marburg werden fast in jedem Semester Vortragszyklen über das moderne Frankreich, in Halle über Rußland und Kleinasien und in München und Tübingen über allgemeine Auslandsfragen gehalten. Außerdem bietet das Kzeker Institut für Seeverkehr

Sänseologie. Eine Dame sitzt mit ihren beiden Töch- fern im Restaurant. Sie bestellt Gänsebraten. Der Kellner kommt zurück und bedauert, Gänsebraten sei nicht mehr zu haben. Er empfiehlt Entenbraten. Damit fit man einverstanden. Der Kellner ruft nun nach der Küche hin laut durchs Lokal: „Also für die drei Gänse dreimal Ente!* i

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Kus Jreuta. „Warum weinst du denn so, Liebste?* fragte der junge Mann bas Mädchen, dem er eben einen Heiratsantrag gemacht hatte. »Habe ich dich beleidigt? — „Rein, Geliebter. Ich weine bloß aus Freude. Mut- ter hat stets gejagt, ich wäre so dämisch, daß nicht einmal ein Esel um mich anhalten würde, und nun hat's doch einer getan.*

Lin kleiner 3unge. Der wissenschaftliche Hilfslehrer Herr Theobald Lange ist nach jahrelangem Warten, zur größten Genugtuung seiner tiefftolzen Gemahlin, Ober­lehrer geworden. Wenige Tage darauf kehrt Freund Adebar bei Langes ein und bringt ein strammes Büb­chen. Ms man der Mutter bas Kind zeigt, lispelt sie S'ltffefig: „D, der Junge fft klug: Er kam nicht eher zur elt, bis sein Vater wenigstens einen onftänbigen Titel hatte.*__________________________________

ÜBenrTsomit schon mancherlei Möglichkeit gegeben ist, durch Studien die Verhältnisse des Auslandes kennen zu lernen, so werden doch manche sich nicht damit begnügen wollen, sondern versuchen, das Ausland und den fremden Volkscharakter durch Reisen oder durch Studien an aus- ländischen Hochschulen persönlich kennen zu lernen. Die meisten Werkstudenten werden aber wohl darauf ver­zichten müssen, wenn sie in ihren Ferien einen Teil der Studienkosten selbst verdienen wollen. Die Zwischen­semester der Kriegsteilnehmer zur schnellen Beendigung des Studiums und die durch die Geldentwertung ge­soffene finanzielle Barriere um Deutschland haben andere in den letzten Jahren von Auslandsreisen abge­halten. Auch die zeitweilige Stempelgebühr von 500 M. für ein Auslandsvisum wirkte für weite Schichten bet Bevölkerung wie eine chinesische Mauer. Durch die Ver­mittlung des Vorstandes der deuffchen Studentenschaft konnten aber immerhin im letzten Jahre mehrere Hun­dert Studenten Auslandsreisen zum Studium und zur Erholung machen, in erfter Linie nach Holland, England, Ungarn, Finnland und zur Schweiz. Dagegen hat der Besuch anständiger Hochschulen, von denen vor dem Kriege einige in der Schweiz (Freiburg), in Ostfrankreich Grenoble) und in Rom (Germanicum) bevorzugt wur­den mit Ausnahme der römischen Universität fast ganz aufgehört, sei es, daß man erkannte, wie wenig die mei­sten Hochjchulen des Auslandes den gesteigerten deuffchen Ansprüchen genügten, sei es auch, weil der Chauvinis­mus und die Geldentwertung ein ruhiges Studium hn Auslände beinahe unmöglich machten.

So ist der Iungakademiker heute wohl messt auf den Besuch der heimischen Vorlesungen und auf bas Studium der Literatur über die politische, wirtschaftliche und kul­turelle Eigenart der fremden Länder angewiesen, nm sich das notwendige Rüstzeug und eine eingehende Kennt­nis für seinen Beruf und die Sicherung des deutschen Einflusses im Auslande zu holen.