FuldaerZertung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.
Nr. 200.
«erantw örtlich Int die Schriltlettuns: ®t. JodanneS Sramer. Anreise»! 3- $ arreller. Fulda. Rotationsdruck und Verla« der f Fuldaer Sctieudruckerei in Fulda. Feruldrecher Nr- 9. s Monatlicher BernsSvreiSk 1.50 Mk.
Donnerstag, 26. Kugrrst l924«
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51. Zahrg.
Kommt zur Tat!
Kammer und Senat haben in Frankreich ihr Programm erledigt. Im deutschen Parlament werden noch fortgesetzt Reden gehalten. Daß irgend etwas neues gesagt würde, läßt sich wohl nicht behaupten. Auch ist das Rätselraten, was die Deutschnationalen tun werden, auch nicht sonderlich kurzweilig. Also nun endlich zur Abstimmung!
Am Dienstag sind im Reichstag von verschiedenen Seiten neue Versuche gemacht worden, um die Deutschnationalen zu einer Haltung zu bewegen, die der Verabschiedung der Dawesgesetze nicht gefährlich werden kann. Zu einem Resultat haben sie nicht geführt. Die von der Deutschen Volkspartei eingebrachten Anträge über frühere Räumung und eine sachgemäße Handhabung und Auslegung des Rheinlandabkommens feien nach einer parteioffiziösen Mitteilung der Deutschnationalcn von diesen nicht als vollständig genü- g e n d anerkannt worden. Auch die Resolution der Deutschen Volkspartei über die Kriegsschuld- frage erscheint den Deutschnationalen nicht als ausreichend. Der Antrag des Abgeordneten Bredt von der Wirtschaftlichen Vereinigung wegen der Aufhebung des verfaffungsändernden Charakters des Eisenbahngesetzes dürste nicht die Mehrheit des Hauses finden, da auch die Sozialdemokraten gegen ihn stirmnen würden. Buch die Reichsregierung soll laut dem „Verl. Lokalanzeiger" in einer Kabinettssitzung ihren Standpunkt, daß man für das Eisenbahngesetz eine Zweidrittelmehrheit verlangen müsse, bestätigt haben. Alles in allem sehen die Blätter nunmehr keine andere Möglichkeit als die Auflösung des Reichstags.
3m Reichstag
sprach in der Sitzung am Dienstag für das Zentrum der den großindustrieellen Kreisen angehörige Abg. LammerS. Aus seinen Ausführungen zum neuen Reichsbankgesetz sei hervorgetzobrn:.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß nach der neuen Organisation dar Ausland einen gewissen Einfluß ausübt. Die Diskontpolitik bleibt allerdings Sa ch e des Reichsbankpräfidenten, aber die Währungspolitik liegt nicht mehr allein in seiner Hand. Dadurch können sich große Schwierigkeiten ergeben. Die Rentenbank war eine Zwischenlösung, von der Sehnsucht nach Gesundung der Wahrung im Volke getragen. Psychologisch ist es begreiflich, daß mit dem Schwinden der Rentenmark im Volk sich die Ansicht verbreitet, daß unsere Mark nun nicht mehr gesunden werde. Wir wünfthen nicht, daß unser Volk nachmals einer schweren Prüfung unterworfen wird, wie in der Inflationszeit. Den Herren von der Rechten möchte ich mitteilen, daß ich noch kurz vor seiner Jtalienreise aus Gesprächen mit Helfferich entnommen habe, daß dieser nicht die Opposition um jeden Preis wollte; im gegebenen Augenblick müsse man nach seiner Ansicht die praktischen realen Interessen voranstellen. Bei der Kreditgewährung an die Landwirtschaft muh das landwirtschaftliche Interesse gewahrt und auf die Größen- vsrhälMisse des Besitzes Rücksicht genommen werden. Im Jnteresie einer gesunden Mittelstandspolitik müssen auch die berechtigten Ansprüche des Handwerks erfüllt. werden. Ausländische Kredite erhalten wir nur, wenn im Innern bei uns Ruhe eintritt, eine große Zahl von Krediten ist nur unter der Annahme der Dawes-Gesetze gewährt worden; andernfalls werden sie sofort hinfällig. (Hört, hört! im Zentr.) In London sind die wirtschaftlichen Gesichtspunkte ausschlaggebend gewesen. Die deutsche Wirtschaft ist bereit, die schweren Opfer der Industriebelastungsgesetze aus sich zu nehmen, wie sie bereits unter der Regierung Cuno ihre Bereitschaft zur Tragung von Reparatianslaften bekundet hat. Erst durch den Wechsel in der französischen Regierung konnte diese Sache aus eine geeignete Grundlage gestalt werden. Die Gerechtigkeit fordert es, anzuerkennen, daß die Gesinnung in Frankreich sich geändert hat. Die Konstruktion des Gesetzes unterliegt manchen Bedenken- Die Belastung selbst schwankt zwischen 20 bis 50 Prozent des Vermögens. (Hört, hört!) Die deutsche Wirtschaft ist bereit, die Lasten zu tragen, wenn ihr nur ihre Stellung im Rahmen der Weltwirtschaft gewahrt bleibt. (Beifall im Z.)
Ohne daß noch große Sensation eintrat, wurde die Debatte bis zur 9. Abendstunde fortgeführt und dann auf Mittwoch vertagt. Von Bedeutung ist die Tatsache, daß neuerdings eine Reihe Abänderungsanträge eingebracht worden find.
Von der Deutschen V o l k s p a r t e i ist ein Antrag eingegangen, der in das Mantelgesetz über den Londoner Vertrag folgenden Paragraph 3a einstigen mist:
Um die Durchführung des den Vereinbarungen der Londoner Konferenz zu Grunde liegenden S a ch v e r - ständigengutachtens nicht zu beeinträchtigen oder zu gefährden, hat die Reichsregierung darauf hinzuwirken:
a) daß die Gebiete, die über die im Artikel 428 des Versailler Vertrages bezeichneten Grenzen hin- aus besetzt worden sind, so rasch wie möglich, jedenfalls aber erheblich vor dem 15. August 1925 geräumt werden,
b) daß die Kölner Zone unter allen Umständen am 10. Januar 1925 endgültig geräumt wird, wie dies auch von den englischen Kronjuristen als notwendig anerkannt wurde,
c) daß Sicherheit darüber geschaffen wird, daß künftig die in den Vereinbarungen über die mili- tä rische Besetzung der Rheinlande vom 28. Juni 1919 für die Befugnisse der Besatzungs- behörden gezogenen Grenzen nicht überfchrit- t e n und daß insbesondere die Bewohner der Rheinlands im Genuß ihrer allgemeinen Menschenrechte und staatsbürgerlichen Grundrechte nicht geschmälert werden.
, Ferner liegt folgender Antrag v. R a u m e r (D. Dp,) vor: folgenden Satz einzufügen: Dieses Gesetz sowie die Gesetze über die Deutsche Reichsbahngesellschaft, über die Industriebelastung und das Bankgesetz treten außer Kraft, sobald die Reichsregierung feststellt, daß die in dem Londoner Abkommen vorgesehenen Verträge über eine Deutschland zu gewährende Anleihe von 800 Millionen Goldmark nicht Zustandekommen.
Es liegt weiter eine Entschlietzung v. G u e r a r d (Ztr.) vor: die Reichsregierung zu ersuchen, bei den in dem Abkommen vorgesehenen Ueberleitungsverhandlun- gen zwecks Wiederherstellung der Lenvaltungs- und
Wirtschaftseinheit Deutschlands auf eine Revision aller von der Rhemlandkommission erlassenen Anordnungen und auf die Zurückführung des Okkupationsregimes auf das für die Sicherung der Besatzungstruppen unerläßliche Maß mit allem Nachdruck hinzuwirken.
Die beiden Zentrumsabgeordneten Brüning und Groh verlangen Sicherung der Beamtenrechte des Personals der neuen Reichsbahngesellschaft. Sie beantragen u. a. unkündbare Anstellung der Beamten, dauernde materielle und rechtliche Gleichstellung der Reichsbahnbeamten mit den Reichsbeamten und Verpflichtung zur Unterbringung der in den Wartestand versetzten oder ausgefchiedenen leistungsfähigen Bediensteten.
Von der Deutschen Bolfspartei liegen weiter zwei Entschließungen vor. In der einen wird erklärt, daß die Annahme des Londoner Paktes keine Erneuerung des Anerkenntnisses der Schuld Deutschlands am Weltkriege bedeutet, daß vielmehr feier» sich Einspruch gegen das im Versailler Vertrag über die Kriegsschuld gefällte falsche Urteil erhoben wird.
In der zweiten Entschließung wird erklärt, die H a n- delsvertragsoerhandlungen mit Frankreich und Belgien dürften nicht unter dem Druck der fortdauernden Ruhrbesetzung stattfinden.
Hinter den Kulissen einzelner dieser Anträge soll vermutlich den Deutschnationalen der Rückzug aus unhaltbarer Stellung erleichtert werden. Noch kräftiger will Urnen der Marburger Wirtschaftspolitiker Dr. Bredt zu Hüfe kommen. Er hat nämlich folgenden Antrag eingebracht:
Der Reichstag wolle beschließen, in dem Entwurf eines Gesetzes über die deutsche Reichsbahngesellschaft (Reichsbayngesetz) im Eingang die Worte „Nachdem festgestellt ist, daß die Erfordernisie oerfasiungsandernder Gesetzgebung erfüllt sind" zu streichen.
In Parlamentskreisen ist man der Meinung, daß der Antrag, der die Notwendigkett der Zweidrittelmehrheit beseitigen will, kein« Aussicht auf Annahme habe, da sich neben der rechtsstehenden Parteien auch die Kommunisten und die Sozialdemokraten ihm gegenüber voraussichtlich ablehnend verhalten werden. Im übrigen wird aus Regierungskreisen versichert, man habe dort die Auffassung, daß ein Abweichen von der Zweidrittel- mehrhett nicht möglich sei.
Die Nassauische Zentrumspartei sandte folgendes Telegramm an die Reichsparteileitung: „Die Nass. Zentrumspartei steht fest zum Londoner Abkommen und ersucht die Reichstagsfraktion, alle parlamentarischen Mittel in Anwendung zu bringen, um die Annahme durchzusetzen und so die Not des besetzten Gebietes zu lindern, gez.: Dr. Stemm!er."
Aus dem Reichstage wird uns geschrieben:
Trotzdem sich inzwischen in der politischen und parlamentarischen Situation noch nichts geändert hat, gewinnt die Aussicht immer mehr an Boden, daß die Londoner Abmachungen schließlich doch vom Reichstage angenommen werden. Die Deutschnationalen beabsichtigen zu den Einzelgesetzen noch Abänderungsanträge einzubringen. Da es sich indessen bei den Gesetzen gewissermaßen um Staatsverträge handelt, die mit der Gegenseite schon in allen Einzelheiten vereinbart sind, also nur noch als Ganzes angenommen oder abgelehnt werden können, würden Anträge auf Abänderung dieser Gesetzesbestimmungen überhaupt nicht zulässig sein. Wünsche und Forderungen der Parteien könnten nur in Gestalt von Resolutionen noch zum Ausdruck gebracht werden, die der Regiereung dann zur Berücksichtigung überwiesen würden.
Die Entscheidung ist für die Deutschnakionalen aus den verschiedensten Gründen ungemein schwierig. Zunächst ist es politisch von prinzipieller Bedeutung, wenn die Londoner Abmachungen angenommen werden und zwar im Hinblick auf künftige innerpolitische Auswirkungen. Es würde ganz zweifellos eine Festigung der gegenwärtigen staatspolitischen Verhältnisse und damit auch der Verfassung und der jetzigen Staatsform, zu erwarten sein, wenn als Folge der Londoner Abmachungen eine Epoche der inneren Ruhe, der politischen und der wirtschaftlichen Gesundung sich anbahnen würde. Sodann aber ist den Deutschnationalen kein Zweifel darüber gelassen worden, daß über die wichtigen und von der Landwirtschaft mit Nachdruck geforderten Zollschutz-Bestimmungen keine Entscheidung zu erwarten wäre, wenn die Deutschnationalen jetzt die Londoner Abmachungen zu Fall brächten. Ferner stellt sich immer mehr heraus, daß die Deutschnatio- n a l e n bei ihrer ablehnenden Haltung isoliert sind, da die Entscheidungen über das Londoner Abkommen keine Parteifragen mehr darstellen, sondern eine überparteiliche Angelegenheit geworden sind. Ohne Unterschied der Partei haben Wirtschaftler, Industrielle, Handel, Handwerk, Beamte, Arbeiter, Landwirtschaft und dergleichen, und zwar Vertreter all dieser Organisationen ohne Unterschied der Parteien für die Annahme des Abkommens bei dem Reichstage sich eingesetzt.
.Das Ergebnis dürfte also wahrscheinlich dadurch erheblich beeinflußt werden, daß die Deutschnationalen einmal die Abstimmung freigeben, daß sie zum zweiten aber auch die Abstimmung selber noch abhängig machen von dem Resultat der Fühlungnahme, die gegenwärtig im Zuge ist. Die Deutschnationalen wünschen, in Anträgen oder Resolutionen ihre Forderungen zur Geltung zu bringen und drüber hinaus Zusagen zu erhalten, daß sic bei der Ausführung der Londoner Abmachungen in irgendeiner Weise andenRegie- rungsgcschasten beteiligt werden. Die 1 Dinge stehen so, daß, wenn bis Donnerstag eine wenigstens grundsätzliche Vereinbarung der Parteien über eine solche Beteiligung der Deutschnatio- nalen an einer Erweiterung der Regierungsbasis
zustandekäme, die Deutschnationalen zum größten Teil sich für die Abmachungen aussprechen würden.
Ganz unbeeinflußt von diesen Dingen, die sich gegenwärtig inoffiziell vorbereiten, sind die Maßnahmen, die von den verschiedensten Parteien, insbesondere von dem Zentrum, zur Vornahme der Neuwahlen bereits getroffen werden. Es hat besonderen Eindruck bei allen Parteien gemacht, daß die dem Reichskanzler zunächst stehende Partei bereits einen Ausschuß eingesetzt hat, um die Neuwahlen in die Wege zu leiten.
vie tage der Reichsbahn.
Der Reichsv rrkehrsmini st er gewährte einem Mitarbeiter des Achtuhrabendblattes eine Unterredung.
Er rotes Oartnrf hin, daß er schon als preußischer Eisenbahnmimster bemüljt gewesen sei, die Umwandlung der Verwaltung Ser deutschen Bahnen in eine Gesell- sckpstLffonn ajus re*n wirtschaftlichen Und betrieblichen Gründen in der Weimarer Verfassung oomtbereten. Als Reichsverkehrsminister habe er in der Notverordnung eine Unterlage dafür bereitet, Sie Reichsbahn in öin besonders dem Reich gehörendes wirtschaftliches Unternehmen mnzubvuen. Diese Be- mühimgen Hütten neben dem Ziel größerer Wirtschaftlichkeit dem Zweck gedient, die Durchführung der 23er. pflichAlngen aus dem Versailler Vertrage zu erleichtern. Der Gedanke, durch Privatisierung der Eisen- bahnen diesen lebenswichtigen Besitz des deutschen Volkes dem drohenden Zugriff zu entziehen, sei bei den verantwortlichen Stellen niemals austzeiaucht; es märe auch von den Gegnern niemals als zu recht bestehend anerkannt worden. Auf die Frage, ob die der Reichs- bahn aitfertegten Lasten überhaupt itagBar seien, ertlärie der Minister, die Belastung betrage ohne Verkehrs- steuer 1320 GbKmiWonsn. Wenn die dem Reichs verbleibenden 13 Milliarden Stammaktien keine Verzinsung erfahren, betrüge die Nettobelastung noch 800 Millionen. Erschwerend sei die Berfagimg jeden Moratoriums, aber wenn die deutsche Wirtschaft wieder an- ncchernd dieselbe ProfperttA erreichte rote in ben Iah- en 1910 bis 1913, könne man mit einem genügenden Ueberschuß rechnen. Auf bte Frage nach einer Einschränkung der deutsch en Eisenbahn- Hoheit durch die neuen Gesetze sagte der Minister, die in den neuen Gesetzen vorgesehene Gesellschaft sei deutsch, die deutsche Mehrheit des Verroaliungsrates sei sichergestell-t und auch im Arbeitsausschuß des Ver- roakllmgsraSes sei der deutsche Einfluß gesichert. Auf dem befonbers rotdjiigen Gebiet der Tarife sei öte Wahrung der volkswirtschaftlichen Interesivn durch tfcs Aufsichisrecht der deutschen Regierung gewahrt. Ihm habe besonders am Herzen gelegen, die Rechte der deutschen Eisenbahnbeamten zu sichern, den größten Wert aber habe die Regierung auf die Wiederherstellung der deutschen Verkehrseintzeit gelegt, die durch das Verschwinden der französisch-belgischen Regie gesichert fei.
Der ZMite Erfolg Herriots.
Trotz Poincares Rede nimmt der Senat ein Vertrauensvotum für herriok mit 204 gegen 40
Stimmen an.
Im französischen Senat kam es zu einem Rededuell zwischen Poincare und Herriot über London und die Ruhraktion. Poincare, der sich eine gewisse Mäßigung auferlegt, suchte vor allem nachzuweisen, daß die Ruhrunternehmung Frankreich beträchtliche Summen eingetragen habe, ohne wesentliche Unkosten zu verursachen. Ohne die Ruhrbesetzung wäre es nicht möglich gewesen, von Deutschland die Einwilligung zu erhalten, seine Eisenbahnen einer besonderen Organisation zu überlasten.
Schließlich wurde mit der Unterschrift Henri de Jouvenels und einiger anderer Senatoren folgende Tagesordnung eingebracht:
.Der Senat billigt die Erklärung der Regierung' schenkt ihr da» vertrauen, daß sie die vollkommene Durchführung des SachderftändigenprvzrammS he» schleuni.t, ein interalliierte» lleberernkommen über die Durchführung erreicht und in der Abrüstungskontrolle, entsprechend den Grundsätzen des Schiedsgerichts und in einer wirksameren Tätigkeit de» Völkerbünde» die Mittel finden wird, die Sicherheit der Grenzen und den Frieden der Völker zu sichern. Dann geht man zur Tagesordnung über."
Der Senat hat diese Vertrauenstagesordnung mit 204 gegen 40 Stimmen angenommen.
wtb Paris, 27. August. (Tel.) Der »Malin" berichtet als einziges Blatt, daß das Abstimmungsergebnis der vergangenen Rächt im Senat, das in der Sitzung mit 204 gegen 40 Stimmen angegeben wurde, wie folgt berichtigt worden fei: Für die verlrauenstagesordnung 181 Stimmen, dagegen 37, 74 Senatoren haben sich der Ab- stimmung enthalten und 19 waren nicht anwesend.
Kus der Zrnttumspartei.
Vorbereitungen für Reichskagswahlen.
Wie uns aus Berlin von p a r t e i o f f i z i ö s e r Seite mitgeteilt wird, hat die Zentrumspartei ihre Or- gamsationen im ganzen Lande angewiesen, die Vorberei- hingen für etwa notwendig werdende Neuwahlen sofort in Sie Wege zu leiten.
— Der vmckeiausschuß des Zentrums. Der Reichstags-Parteiausschuß des Zentrums tritt am 2. September im Anschluß an den Katholikentag im Hannover zu einer Sitzung zusammen, in der über die politische Lage beraten werden soll.
* Die polnische Ostgrenze. Der polnische Ministerpräsident Grabski hatte mit dem i Minister des Innern Huebner eine lange Besprechung über die in den Ostgebieten der Republik zu treffenden Maßnahmen. Wie mit Bestimmtheit i verlautet, soll über diese Gebiete, in denen bolsche- > wiftischcn Umtriebe stattfinden, der A u s n a h m c - 1 zu st and verhängt werden.
vor der Genfer Tagung.
Wtb Paris, 27. August. (Tel.) Der Brüsseler Korrespondent des »Petit Parisien" hält es für nahezu sicher, daß auch der belgische Ministerpräsident Theunis zur Versammlung des Völkerbundes nach Gens gehen werde. Der Reisetag sei jedoch noch nicht festgesetzt. Belgien wird nach dem Berichterstatter keinen besonderen Ab- rüslungs- oder Sicherheitsplan einbringen.
wtb London, 27. August. (Tel.) Die Zahl der Arbeitslosen nimmt weiter zu. Am 16. August betrug sie 1 222 200, d. h. 50 357 mehr als am 11. August.
Die „Kleine Entente".
Wtb Belgrad, 27. August. (Tel.) Äe Zusammenkunft der Außenminister der kleinen Entente findet am 27. und 28. August in Laibach statt. Zur Beratung stehen folgende Fragen:
1) Die soll sich die kleine Entente während des Völkerbundstages verhalten, wenn die Frage der Kontrolle der Rüstungen der besieg- ten Staaten, namentlich Bulgariens, Ungarns und Oesterreichs verhandelt wird? Die kleine Latente wird fordern, daß sie in dem mit der Kontrolle betrauten Ausschuß vertreten sei.
2) Das Verhältnis der kleinen Entente zu R u ß- land. Dazu werden die Tschechoslowakei und Südslawien für die Anerkennung der Sowjelregie- nmg eintreten.
3) Die Folgen des Londoner Abkommens und die DirksamkeildssDawes.Planes.
Vie Sowjet-Schreckensherrschaft,
wtb Lemberg, 27. August. Die die Blöfter aus Tiraspol in Südrußland melden, hak das dortige Revolutionsiribunal 24 Mitglieder einer gegenrevolutionären Organisation zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung wurde sofort nach dem Arkeilsspruch vollzogen. Unter den Verurteilten befindet sich eine Frau.
Konstantinopel weicht Angora.
Wie ReMer aus Washington erfährt, wird Groß« biitanien den Vorschlag an die Mächte richten, alle Gesandtschaften in Konstantinopel.in einfache Legationen umzuwandeln. In der britischen Note wird darauf hingewiesen, daß der Sitz der türkischen Regierung jetzt Angora sei und die Türken nicht die Absicht hatten, nach Konstantinopel zurückzukehren. Die mit der Unterhaltung der Gesandtschaften in Konstantinopel verbundenen Kosten seien also nicht gerechtfertigt. Das amerikanische Departement wird et ft den Parteileiter im Senat befragen, bevor ei» Beschluß gefaßt worden ist.
Neue Kämpfe in Nordafrika.
wtb Paris, 27 .August. (Tel.) Dem »Malin" wird aus Rabat (Marokko) gemeldet, die I ä - tigkeit der Aufständigen an bet französischen Rordgrenze sei ganz besonders im Abschnitt Taunat auf dem rechten User des Uerghas und in der Zone zwischen Wadi-Sun und der Mulga in Erscheinung getreten. Nördlich von Taunat seien die sranzösischen Posten zweimal, vor allem in der Rächt zum 20. August, mm Gruppen von Aufständigen mit etwa 400 Gewehren angegriffen worben. Der Feind sei zurückgewie- fsn worden und habe 16 Gefangene und 15 Gewehre hinterlasien sowie 6 Tote.
Bürgerkrieg in China.
Wtb Shanghai, 27. August. (Tel.) Zwischen den Provinzen Tschekiang und kiaagsu droht eia Bürgerkrieg auszubrechea. Der Gouverneur der Provinz Tschekiang hat das Arsenal Shanghai und die Dusungforis in der Rähe von Shanghai in den Händen. Der Mililärgouoerneur von Kiangsu fordert mm, daß die Zufuhr unter seine Kontrolle gestellt werde. Es besteht die Gefahr, daß die nähere Umgebung von Shanghai zu einem Kriegsschauplatz gemacht wird.
Gegen Verkehrshemmungen in Europa.
Die Interparlamentarische Konferenz, die in Bern tagt, genehmigte eine von Szerony (Ungarn) begründete Entschließung über die wirtschaftliche Weltsolidarität und den internationalen Verkehr, die eine Beseitigung der gegenwärtigen Derkehrshemmungen durch Schaffung von Verkehrsabkommen, eine Revision des Zollverfahrens und direkte Eisenbahn- und Schiffstarife anstrebt. ,
Ferner setzte nach der Berichterstattung von Merlin (Frankreich) die Konferenz eine ständige Kommission für sozialpolitische Fragen ein, der verschiedene Vorschläge über E i n- u n d A u s w a n be- rungsfragen überwiesen würben. Die deutsche Reichstagsabgeordnete Frau Schröder sprach unter starkem Beifall über die deutsche Not, die zahllose Deutsche zwinge, ihr Vaterland zu verlassen. Die Sitzung schloß mit einer Rede des Direktors des Internationalen Arbeitsamts, Albert Thomas, der die Konferenz zu ihren Arbeiten auf sozialpolitischem Gebiet beglückwünschte und für gerechte Arbeitsbedingungen in allen Ländern eintrat.