Fuldaer Zeitung
Tannenberg.
Ein Gedenkblatt znr zehnten Wiederkehr der Tage der großen Schlacht vom 26.—31. August 1914.
Pon Franz Steffen, Allenstein.
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Zürn zweiten Mal sollte Tannenberg der Schauplatz gewaltiger Ereignisse werden, die es nun unauslöschlich in das Bewußtsein des deutschen Volkes einprägten. Seit, dem Ostpreußen in den Jahren 1806/07—12 durch die Franzosen verwüstet und in geradezu unsäglicher Weise ausgeplündert worden war, war ihm ein langer Friede beschieden, der es wieder zur schönsten Blüte emportrug, bis der Ruffs seine Truppen an der Grenze zusammenzog, die sofort bei Ausbruch der Feindfeligkeitsn verwüstend, lrauberch und plündernd in Ostpreußen einfielen, die Bewohner mit Angst und Schrecken erfüllten, ganze Dörfer und zahlreiche Einzelgehöfte in Flammen aufgehen ließen, Bewohner aller Altersstufen in größerer Zahl mordeten. Ostpreußen ist — mit Ausnahme eines kleinen Zipfels von Elfaß-Lothringen — das einzige deutsche Gebiet, das die Kriegsfurie im eigenen Lande erlebt hat, das eine bedeutende Zeit von den moskowitifchen Scharen besetzt, in dem äußerst heftige Kämpft stattge- funden haben, durch die viele Dörfer und eine ganze Reche von Städten nahezu in Trümmerhaufen verman- delt worden sind. So find z. B allein in der Gegend von Hohenstein, das selbst furchtbar gelitten hat, 19 Dör- fer und 5 Güter durch Geschützfeuer vollständig zerstört, ferner in Marken 100, in Neidenburg 200, in Soldau über 100 Häuser zerstört, ebenso sind ganze Telle der
Ortelsburg und Soldau vollständig in Ruinen verwandelt. Das alles in den Tagen vom 23.—31. August. !
Nur verhältnismäßig wenige Deutsche kennen dies heute vom großen deutschen Vaterlande durch dm „Kor- ijbor* abgeschnürte Land östlich der Weichsel und seine leruhafte Bevölkerung. Es ist ein schönes Land mit ftmipn Seen, langgestreckten Hügelketten, lieblichen Fluß. Mern Md schweigenden Wäldern, mit einer großen -Zahl üMiche-r Dörfer und anmutiger Stätte, vielfach ge- schmückt mit Ordensburgen oder malerischen Burgruinen, tzm Norden bespW die Ostsee, die den kostbaren Bern- Detn birgt, seine Küste; der Elch wandelt noch in einzelnen dichten Forsten und auf der kurischen Nehrung. Das Klima ist für den hier nicht Beheimateten vielfach rauh, der Sommer kmz, der Winter lang, die ansässige Bevölkerung aber zählt zu Deutschlands tüchtigsten Söh- «en. Durch ihrer Hände Arbeit haben sie das Land zu Hoher Kuüur gebracht, so daß wir in Ostpreußen keine Swnpfftrecken mehr sehen wie im nahen Rußland. Und es ist ein Märchen, dem gleich hier entgegengetreten sei, jdaß in der Schlacht bei Tannenberg unzählige Ruflen in den ostpreußischeu Seen und Sümpfen ertrunken seien; es ist geradezu unbegreiflich, wenn wir in einer Schrift von Fischer (Bei Tannenberg 1914 und 1410) der doch Ostpreußen kennen müßte, lesen: „Furchtbar waren die Entsetzensschreie der Bersinkenden. Ostpreußische Land, bewohner und deutsche Soldaten, die am Ufer den Untergang eines Telles der Narewarmee hier erlebten, erzählen, daß aus dem Gewirr der ertrinkenden Männer und Pferde ein riesenhaft-unbeschreiblicher, entsetzlicher Ton erschütternden Gebrülls empordrang." Das ist weiter nichts als Phantasie. Denn die Schlacht von Tannenberg sand tatsächlich außerhalb des eigentsichen Seengebietes statt, von größeren Sümpfen kann hier überhaupt nicht die Rede sein, und auch die offenllegen- hen Seen bedecken noch kaum ein Zwanzigstel des Gebietes.
Im schweren Ringen mit der Natur hat hier der Mensch die einstige Wildnis in hochwertiges Kulturland umgewandell, Ostpreußen ist eine der vornehmlichften Kornkammern Deutschlands, Getreidebau, Vieh, und besonders Pferdezucht sind zu hoher Blüte entfaltet. Die harte Arbeit hat den Ostpreußen wortkarg gemacht: er trägt eine etwas rauhe Schale, ist zäh und verschlossen, -offenbart sich nicht so leicht und braucht längere Zeit, «inen Freundschastsbund zu schließen, ist aber treuherzig und bieder und hat, auch gegen den ihm völlig Frem- hen, eine Gastfreundschaft bewahrt, die man sonst kaum jirgendwo findet. Ostpreußen ist wahrlich nicht das Land, in dem die Wölfe sich gute Nacht sagen — es gibt hier zvlrilich keine — mch in Bezug auf Kultur und Gesidkmg, auf Wissenschaft und Bildung steht es keiner untreren ^deutschen Gegend nach. Und während noch bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein dieser deutsche Osten als ein Land galt, von dem man wohl wußte, daß es zu D«llschland noch gehörte und als ein Gebiet ansah, das man nicht ohne Notwendigkeft aufsuchte, dessen Besuch sich nicht lohnte und die Vorstellung hatte, als sei eine -liebersiedelung in dieses Land fast einer Verbannung gleichzuachten, hat erst der Krieg hier einen kleinen Wan- jdÄ geschaffen. Und gerade im Kriege haben wir von Kämpfern aus dem übrigen Deutschland das verwun- herte Erstaunen vernommen, daß alles hier fo ganz an» Hers fei, als man es sich vorgestellt, und daß man Schönheiten und Vorzüge gefunden, deren man sich durchaus nicht versah.
Deutschlands Grenzen standen hier dem Feinde voll- ständig offen, von dem aus sieben Eisenbahnlinien hier- her führten. Erst die Weichsellinie schützte eine statt- liche Festungsreche von Danzig bis Thorn. Es war bei dem Einbruch der Russen keine leichte Ausgabe für die deutsche Heeresleitung, zu entscheiden, ob und wie man dies Land östlich der Weichsel verteidigen sollte, da als Hauptfeind England-Frankreich im Westen angesehen wurde, wohin auch weitaus der . größte Tell der Streit- kräste, auch aus dem Osten, überführt wurde. Hier verblieben nur soviel Truppen, als unbedingt nötig erschienen, um das Land notdürftig gegen den feindlichen Einfall zu schützen. Nur 4% Armeekorps, eine Kavalle- riedioision und drei Landwehrbrigaden verblieben, die auf die lange Linie von Gnesen bis Tilsit — 1100 Stirn. — verteilt werden mußten. Auf die ostpreußische Grenz, linie allein kamen rund 600 Stirn.
Gleich in den ersten Augusttagen kam es zu harten Zusammenstößen, nach denen die deutschen Truppen den östlichen Tell der Provinz preisgeben mußten, wo die Russen sich festsetzten. Der deutsche Oberbefehlshaber im Osten, der fein Hauptquartier am 8 August in der Marienburg aufgeschlagen hatte, war bei der geringen Zahl der ihm zur Verfügung stehenden Truppen zunächst ge- zwungm, die Haltung des Feindes abzuwarten.
Dieser führte fofort zwei starke ruffische Arnreen, deren jede gegen 300 000 Mann zählen mochte, gegen Ostpreußen. Die Njemenarmee unter Rennen- kämpf, der einem deutschen, livländischen Adelsgeschlecht entstammte, sich bei der Eroberung der Mandschurei und im russisch-japanischen Kriege ausgezeichnet hatte und als eine strategische Größe galt, rückte von Lydtkuhnen über Stalupönen auf Königsberg, die Nareoarmee unter Samfanow von Süden her über Mlawa und Neidenburg auf Allenstein, während kleinere Abteilungen zwischen diesen beiden Heeren die Grenze überschritten. Von den deutschen Armeekorps (1. 17. und 20.), die zur Ver- teidiauno Oitvreuüens bereit standen ia teilweise erst
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Zur Unterhaltung
Nr. 197 vom 24. flug. 1924.
der alte Major zum
Domäne Maberzell
Ihnen Meter. Ihnen kaufe? finden
den Felsen, al, die Ungestüm gegen das wir in der größten
Kirchglocke das Katzen-Picknick auf Raum rollte die erste Welle über ganze Hexengesellschaft mit solchem Ufer und auf uns losstürzte, daß Eile Reißaus nahmen.
Arrogante Käuferin (ungehalten): Was fäUt ein? Sehe ich aus, als ob ich Zweimarkware Chef: Entschuldigen Sie. Die billigeren Sachen Sie am nächsten Tisch.
Der Strebsame. Onkel: Was willst du einmal wer. den? Fritz: Fischer. Onkel (verächtlich): Warum ein Fischer? Fritz: Ich hab' schon oft zugesehen und stntzq, tzaß es die meiste Aehnlichkeit mit Nichtstun hat.
Tannenberg—Oschekau zurück, um bei den Ruffen die Hoffnung auf einen Durchbruch an dieser Stelle zu erwecken und sie zum Heranziehen von Truppentellen ihres linken Flügels zu veranlaffsn. Und obwohl Rennen- kämpf mii feiner Njemenarmee auf Königsberg vorrückte, wagte es Hindenburg, die dort zurückgehenden Truppen (das 17. A.-K., das 1. Reservekorps, die 1. Kavallerie- division und die Landwehrdivision Königsberg) nach Süden fortzuziehen und im Flanken marsch an Rennenkampf vorbei dem südlichen Feinde Samsonow entgegen- zuführen. Es war ein kühner und schwieriger Entschluß. Die einzige Deckung gegen Rennenkampf bestand nun nur darin, daß das 17. A.-K. in einem Stasfelverhält- nis zum 1. Reseroekorps marschierte und das ersterem die erste Kavalleriedivision zugeteilt war.
und di« ganze Katzen-Dersammlung, welch« gestern so lelchaft vor der ersten Woge geflohen war, wurde jetzt von der Flut mausetot ans Ufer gespült, worauf mr, den guten Major herzlich mit seinen Hexen auslachend, nach Hause marschierten.
Die Sache aber war folgende: Die Katzen, welch« die Austern über alles lieben, zogen sie mit den Pfoten aus den Schalen, und das gelang nicht länger, als bis sie von den sich schlleßenden Muscheln feftgeflenunt unir. den, wo sie sich dann solange mit Wehklagen unterhielten, bis die Austern, von der Flut überschwemmt, sich wieder öffneten und ihre Gefangenen entließen; und ich glau«, bei strenger Untersuchung und weniger Phantasie würde unser Freund bei seinem Katzen-Abenteuer ebensogut lauter Fisch-Diebe, wie wir Auster-Diebe entdeckt haben.
Zrau protz: „SBie, Herr Professor, mein Sohn soll alte Sprachen studieren? Nun wissen Sie, wir könne» auch die neuen Sprachen bezahlen!"
ver kluge 86<tt. „Aber Meister, warum machen Eie jetzt die Brötchen wieder so klein! Da kann man ja ein ganzes gleich auf einmal in den Mund nehmen!" .Stimmt schon, Frau Nachbarin, aber da ist nicht da» Brötchen schuld, wenn ihr Mund fo groß ist!"
Der Gouverneur lachte ihn anfangs aus und begann, als er ernsthaft Truppen begehrte, diese Zauberer in der nächsten Nacht niederschießen zu kaffem, an seinem »er- stände zu zweifeln. Der Major stellte mich als Zeugen auf, und ich bestätigte, was ich gesehen, und die wunderbare Erscheinung von Unbeweglichkeit der Katzen. Dem Gouverneur war die Sache unbegreiflich und er versprach, in der nächsten Nacht selbst zu untersuchen. Er ließ allen Wachen andeuten, ehe er in der Nacht mH uns mid 100 Mann Voltigeurs ausmarschierte, keine Rücksicht darauf zu nehmen, wenn sie schießen hörten. Als wir dem Gehölze nahten, tönte dasselbe Katzengeschrei, und wir hatten vom Ufer dasselbe eigentümlich- schauerliche Schauspiel: den lebendigen, heulenden Felsen im Mondschein über der weiten unbegrenzten Meeres- flach«. Der Gouverneur stutzte, er wollt« hin, aber der Major hielt ihn mit ängstlicher Sorge zurück. Nun ließ der Gouverneur die hundert Mann von der Landseite den Felsen umgeben und zwei volle Ladungen unter di« Hexenmeister geben, aber es wich keiner von der Stelle, wenngleich eine Menge Stimmen unter ihnen zu schwei- gm begannen. Hierüber verwundert, ließ sich der Eou- verneur nicht langer halten, er ging nach dem Felsen, und wir folgten ihm; er versuchte, eine der Katzen weg- zunehmen, ober sie waren alle wie angewachsen. Da entdeckte ich, daß sie alle mit einer oder mehreren Pfoten, manche auch mit dem Schwanz in die fest geschloffenen Austern eingeklemmt waren. Als ich dies angezeigt, muhten die Soldaten heran und sie sämtlich erlegen. Da aber die Flut nahte, zogen wir uns aPs Land zurück,
Lin praklischer Rat. Junge Dame: „Meine Freundin Else hat fünf Jahre studieren müssen, ehe sie den Dok- tcrtitet erhielt." Assessor: „Hm, wäre es nicht einfache, gewesen, sie hätte einen Doktor geheiratet?"
Dann freilich. „Haben Sie aber Geschicklichkeit und Hebung im Fliegenfangen, Herr Müller!" — „Nun ja, ich bin Angestellter auf einer Sparkassenbank."
herangezogen werden mußten, konnten insgesamt nur etwa 135 000 Mann in den Entscheidungskampf ein- greifen.
General von Prittwitz, der zunächst den Oberbefehl der deutschen Truppen im Osten hatte, wandte sich zunächst mit dem 1. und 17. A.-K. gegen die Njemenarmee, während man aus den Festungen der Weichselfront entbehrliche Formationen zusammenraffte, um mit ihrer Hilf« die von größeren Verbänden entblößte langgezogene Südfront Ostpreußens zu decken. Es waren zunöbst nur aus Landwehr, Landsturm und unvollständig aus« gebildete und ausgerüstete, aus Ersatzformationen bestehende Truppen.
Einzelne Grenzstriche mußten sogleich geräumt werden, die Bevölkerung floh in das Innere der Provinz, zum Tell über die Weichsel. Die eiligst angetretene Flucht bildete einen unsagbar traurigen Anblick. Hundert« von Magen, angefüllt mit Hausrat aller Art, oft mit den unsinnig in wilder Hast zusammengerafften Dingen. Zwischen den Fahrzeugen mürbe das Vieh vorwärts getrieben, überall stockte es, am abendlichen Himmel aber kündeten große Rauch, und Feuersäulen, daß die Russen sengend und brennend nachdrangen.
Mit der im Norden einbrechenden Njemenarmee kam es am 20. August bei Gumbinnen zur Schlacht. Ein stolzes, kriegserfahrenes und gut ausgerüstetes Heer stand hier unseren schwachen Kräften gegenüber. Mit Ungestüm griffen unsere Truppen an. Es waren ja fast ausschließlich Ostpreußen, sie hatten bte engste Heimat, ja Frau und Kind, Vater, Mutter und Geschwister oder andere Lieben vor der ruffischen Grausamkeit zu schützen. Aber auch die größte Tapferkeit half nichts gegen die Tapferkeit der ruffischen Truppen, die wie mit Zauberhand immer neue Schützengräben aufwarfen. Zwar gelang es schließlich, den linken Flügel des Feindes zu werfen, aber unter den frontal angreifenden Regimentern unseres Generals von Mackensen hielt der Tod furchtbare Ernte. Anfangs schien die Schlacht gut für uns zu stehen, doch die Ruffen blieben im Vorteil, der Angriff unseres 1. A.-K. kam zum Stehen, und das 17. A.-K., dar auf die feindliche Flanke stoßen sollte, traf ganz mrvermutet auf eine überaus starke feindliche Front, wo es in ein sehr nachteiliges Gefecht verwickelt wurde Dazu kam, daß bei der 35. deutschen Infanteriebrigade eine furchtbare Panik entstand, die das ganze 17. A.-K zum Rückzüge zwang. Die Sage bet diesem A.-K. war vorübergehend so ernst, daß General von Mackensen mit Offizieren seines Stabes persönlich an eine der Rominte- brücken geeilt war, um dem Strom der Fliehenden Hali zu gebieten. Das Gefecht war für uns verloren, brachte uns aber doch den Vorteil, daß der Feind unser« Truppen kennengelernt hatte und chreM Rückzüge nur sehr vorsichtig und zögernd folgte, was zu unserem Erfolg bei Tannenberg sehr wesentlich beigetragen hat.
Da ober inzwischen auch die Narew-Armee in Ostpreußen eingebaut gen war, so daß unser im Norden der Provinz stehendes Heer auch, im Rücken bedroht war, gedachte General von Prittwitz, sich mtt seinen gesamten Kräften hinter die Weichsel zurückzuziehen und sich dort zmn Widerstände neu zu organisieren. Ostpreußen und ein wertvoller Teil von Westpreußen schienen damit den mord- und beutegierigen Feinden prrisgegeben. Was dieAusführung dieses Planes bedeutet hätte,' läßt sich kaum ausdenken. Die Erbitterung der ostpreußischen Bevölkerung war furchtbar. Doch der Feind nutzte unbegreif- licherweise seinen gewaltigen Vorteil nicht aus, und so beschloß General von Prfttwih zögernd, doch schon vor der Weichsel Halt zu machen, lehnte aber eine Offensive gegen die Narewarmee ab, weshalb er von der obersten Heeresleitung abberufen wurde, denn dies« forderte Angriff der Narewarmee und Rottung Ostpreußens.
Da übernahm am 22. August Hindenburg, zu beffen Gsneralftabschef Ludendorff ernannt wurde, den Oberbefehl. Er fand eine äußerst kritisch« Lage vor, war aber fest entschloffen, durch entscheidende Schläge Ostpreußen vom Ruffenschreck zu befreien. Beiden Männern ist das Riesenwerk gelungen, sie sind die Retter Ostpreußens geworden und besonders wir Ostpreußen werden ihnen dies« Verdienste um unsere geliebte Heimat nie vergeffen Mtt um so größerem Bedauern haben darum auch gerade wir die Entwicklung Ludendorsss in den letzten Jahren als Politiker verfolgt, die uns zu feinem fchärfften politischen Gegner macht. Aber trotz aller politischen Gegnerschaft und trotz der Angriffe, die er gegen die Katholiken — und sehr zahlreiche Katholiken haben auch in diesen Schlachten tapfer mitgefochten und ihr Leben gelaßen — erhoben, werden wir doch seiner Verdienste um bte Rettung Ostpreußens stets dankbar eingedenk sein.
Diese Rettung war aber nur möglich, wenn «s gelang, vor der Vereinigung der beiden russischen Armeen di« Narewarmee vernichtend zu schlagen, die an jenem Tage eine von Soldau über Ortelsburg verlaufende Linie inne hatte. Hier schien jedoch der Angriff picht ratsam, weil das deutsche Heer die nördlich sich dehnenden Seen und Wälder im Rücken gehabt hätte. Hindenburg aber wußte die Russen zu einer Schwankung ihres rechten Flügels nach Westen zu zwingen, so daß bereits am 27. August auf einer von Soldau über Hohenstein ver'aufen- ben Linie die Front nach Westen gekehrt war und nun bte Ruffen ihrerseits di« Wälder und Seen im Rücken hotten. Gelang es, die beiden Flügel zu umfassen und auf dies gefährliche Gebiet zu drücken, dann konnte die schmale Rückzugslinie leicht mit geringen Truppen ab« geschnitten werden. Daher zog Hindenburg sofort bei Uebernahm« des Kommandos Truppen im Norden von Allenstein zusammen, die eine Entwicklung des russischen Heeres nach Norden und die Vereinigung mit der Njemenarmee verhindern sollten, während er dem 1. A -K. die Aufgabe zuwies, den linken ruffischen Flügel in nordöstlicher Richtung zulückzudrängen und den Rückzugs der Russen im Süden des Waldgebietes unmöglich zu machen. So begann am 26. August das eigentliche Ringen bet Tannenberg, wo Hindenburg in der Schule fein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, das ununterbrochen dis zum 31. August dauerte.
Der ruffische Plan ging klar aus einem in der Kartentasche eines gefallenen ruffischen Offiziers aufgesun- benen Schriftstück Und aus aufgefangenen feindlichen Meldungen hervor. Die doppelmnfasftnde Zange sollte gegen Ostpreußen zur Anwendung kommen. Der oon unserer Heeresleitung darauf gefaßte Plan war ebenso klar: Entscheidender Kampf gegen den linken Flügel der Narewarmee unter Fesselung der Njemenarmee. Dem Großen Hauptquartier meldete Hindenburg am Abend des 23. August — an welchem ja auch das Ringen eigentlich schon begann —: „Vereinigung der Armee zum 26. August beim 20. A.-K. zum umfassenden Angriff geplant".
Vom Ausgang der Kämpfe am linken russischen Flügel hing, wie am 26. auch den Truppen des 1. A.-K. gesagt wurde, das Schicksal Ostpreußens ab. Eine nur geschlagene Armee hätte Rennenkampfs Truppen noch dermaßen verstärken können, daß di« schwachen Kräfte der Deutschen ihren nicht gewachsen gewesen wären. Darum zog Hindenburg fein Zentrum, das aus 6 Landwehrrcgimen- tern mit starker Artillerie und aus d.m 20. A.-K bestand, ohne ernsten Kampf bis zur Linie Sophienthal—
Am andern Morgen begab sich
Gouverneur der Festung, und zeigte ihm an: wie die ganze Festung voll Hexen und Zauberer sei, deren Versammlung er auf seinem Austerfelsen entdeckt habe.
da ging es uns wie unferm kroatischen Freund, als die ‘' der Eiche unterbrach.
von Wern und Hatzen.
Die Dichtungen von Siemens Brentano (1778—1832) besitzen besonderen Reiz durch die Einbildungskraft und Gefühlstiefe, die ein Wesens- zug des großen Romantikers sind. In einer feiner weniger bekannten Erzählungen „Die mehreren Wehmüller" tritt der sprühende Witz und die Er- sindung lustiger Einfälle besonders zutage. Wir lasten nachstehend aus ihr „Devilliers Erzählung von den Hexen auf dem Austerfelsen" folgen, in der sich auch die Vorliebe der Romantik für das Geheimnisvoll« und Selstame zeigt:
„Vor mehreren Jahren, da ich als Leutnant zu Dünkirchen in Garnison lag, genoß ich der vertrauten Freundschaft meines Majors, eines alten Gasconiers. Er war ein großer Liebhaber von Austern, tmb zu seiner Major- fchast gehörte der Genuß von einem großen Lusterfelsen, der hinter einem Lustwäldchen einen halben Büchsenschuß wett vom Ufer in der See lag, so daß man ihn bei der Ebbe trocknen Fußes erreichen konnte, um die frischen Austern vom Felsen zu schlagen. Da der Major eine Zeit her bemerkt hatte, daß in den meisten zu Tage liegenden Austern nichts drinnen war, konnte er sich gar nicht denken, wer ihm die Austern aus den Schalen bin« wegstehle, und er bat mich, ihn in einer Nacht mit Schießgewehr bewaffnet nach dem Austerfelsen zu beglei en, um den Dieb zu belauern. Wir hatten kaum das kleine Gehölz betreten, als uns ein schreckliches Katzengeheul nach der See hinrief, und wie groß war unser Erstau- nm, als wir den Felsen mit einer Unzahl von Katzen besetzt fanden, die, ohne sich von der Stelle zu bewegen, das durchdringendste Jammergeschrei ausstießen. Ich wollte unter sie schießen, aber mein Freund warnte mich, indem es gewiß eine Gesellschaft von Zauberern und Hexen sei, und ich durch den Schutz ihre Rache auf uns ziehen könnt«. Ich lachte und lief mit gezogenem Säbel nach dem Felsen hin; aber wie ward mir zu Mute, da ich unter die Bestien hieb, und sich doch keine einzige von der Stell« bewegte. Ich warf meinen Mantel über eine, um sie ungekratzt von der Erde aufheben zu können, aber es war unmöglich, sie von der Stelle zu bring n, sie war wie angewurzelt. Da tief es mir eiskalt über den Rücken, und ich eilte, zu meinem Freunde zurück zu kommen, der mich wegen meiner tollkühnen Expedition tüchtig ausfchmälte. Wir standen noch, bis die Flut ein- trat, um zu sehen, wie sich die Hexenmeister betragen würden, wenn das Wasser über sie herströmte. Aber
Bestraft. Ehef: Meine Dame, diesen Stoff kann sch sehr empfehlen. Er kostet nur zwei Mark das
Weiteres.
Backfisch-Weisheit. Lehrerin: „Else, wie heißt die Zukunstsform von lieben?" „Else: „Heiraten, Fräulein Studienrat!"
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Hits aller Welt.
— Bartholomäus, der Heilige des 24. August, ist weit und breit der Ernteheilige. Der Landmann vergißt feinen Dartholomäustag niemals, denn er ist gar zu entscheidend für vieles, das noch bevorsteht. „Wie der Bartholomäus sich verhält, so ist der ganze Herbst bestellt" — wer wollte also nicht Obacht geben, was für Wetter am Dartholomäustage herrscht! Ist er es doch auch, der das noch stehende (Betreibe schnell ausreifen läßt. In Thüringen sagt man: Barthel geht ins Kraut, d. h. die Kohlköpfe runden und füllen sich, anderwärts Höri man zu Bariholomäi auf mit der Ernte der Beeren, weil Barthel nun in die Beeren geht und nicht verscheucht werden darf In Obersteiermark hält man mancherorts an der Sitte fest, zu Bariholomäi schweres Duttergebäck zu verschenken, besonders an das Gesinde, während man in Spanien in feierlichen Prozessionen auf die Felder zieht.
— Gurken als Heilmittel. Nun die Gurkenzeit gekommen ist, verlohnt es sich, darauf hinzuweifen, daß diese herrliche Frucht in vieler Beziehung sich als ein treffliches Heilmittel bewährt hat. Den Gurkensalat bereiten noch immer viele Hausfrauen in der Weife, daß fie die Früchte schälen, in Scheiben hobeln, dann auspressen und den Saft sortgießen, in der Meinung, es sei jedoch nur Wasser. Diele Ansicht ist ganz verkehrt, denn gerade der Saft ist das beste an der Gurke, alles übrige fast unverdauliche Cellulose, Holzstoff. Frischer Gurkensalat oder auch nur der Genuß einer geschälten Gurke löscht ausgezeichnet den Dürft, wirkt beruhigend bei Blutwallungen, Fiebererfcheinungen und Aufregungen, kühlend bei großer Hitze, er fördert auch die Hautaus- bünftung und erleichtert die Lungenfunktion, so daß selbst Schwindsüchtige großen Nutzen davon haben. Sauer eingemachte Gurken tragen ihres Milchsäurege- halte» wegen sehr viel zu einer guten Verdauung, aber auch zur Erwärmung des Körpers bei, besonders im Winter, wenn man arg durchfroren ist. In Griechenland bindet man sich frische Gurkenschalen gegen Kopfschmerz vor die Stirn. Die getrockneten Kerne weicht man im Winter auf und bedeckt damit Frosffchäden an den Händen und Füßen. Giirkeneffenz endlich, bestehend aus zwei Teilen Saft und einem Teil Glpzerin, ist ein wenig bekanntes, aber sehr wirksames Schönheitsmittel gegen unreinen Teint, rauhe Haut und ebenso gegen Schinnen und Schuppen der Kopfhaut.