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Suldaer Zeitung

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Zur Unterhaltung.

- Nr. 194 vom 21. flug. 1924. \

Vas Heidedorf.

Zwischen der Romantik und dem Realismus steht die Kunst Adalbert Stifters (1805 bis 1868), die in dem Loden feiner böhmischen Heimat wurzelt. Mit scharfen Augen hat er die Natur beobachtet und die Größe des Kleinen in Natur- und Menschenwelt entdeckt.

Zu ben schönsten Erzählungen des Dichters ge­hört das „Heidedorf". Hier schildert er, wie ein Jüngling in die Welt wandert, aber unter Ver­zicht auf das Glück, das diese ihm bieten kann, als schlichter, einfacher Mensch zu den Seinen zurückkehrt.

Des ersten Abends war es öde und verlassen, und jen beiden Eltern tat das Herz weh, als sie in der Däm« jttcrung des Sommers zu Bett gingen, und auf feine leere Schlafstelle sahen. Um denselben Menschen, der vielleicht eben jetzt noch auf dürrer Heerstraße wanderte, uni von keinem beachtet, ja von den meisten verachtet lvurde, brachen fast zwei naturrohe Herzen im entlege­nen Heidehause, daß sie ihn von nun an, vielleicht auf immer entbehren sollten; aber sie drückten den Schmerz in sich, und jedes trug ihn einsam, weil es zu scham­haft und unbeholfen war, sich zu äußern.

Aber es kam ein zweiter Tag, und ein dritter, und ein vierter, ein jeber spannte denselben glänzenden Himmelsbogen über die Heide, und funkelte nieder auf die Fenster und das altersgraue Dach des Hauses ebenso freundlich und lieblich, wie als er noch dagewefen war.

Und dann kamen wieder Tage und wieder.

Die Arbeit und Freude des Landmanns, durch Jahrtausende einförmig, und durch Jahrtausende noch unerschöpft, zog auch hier geräuschlos und magisch ein Stück ihrer uralten Kette durch die Hütte, und an jedem ihrer Glieder hing ein Tröpflein Vergessenheit.

Die Großmutter trug nach wie vor ihren Holzschemel auf die Wiese und betete daran, und sie und klein Marthe fragten täglich, wann denn Felix komme. Der Vater umhte Roggen und Gerste — die Mutter machte Käse mid band Garben — und der fremde Ziegenbube trieb täglich auf die Heide. Von Felix wußte man nichts.

Die Sonne ging auf und ging unter, die Heide wurde weiß und wurde grün, der Hollunderbaum und der Apfel­baum blühten vielmal — klein Marthe war groß ge­worden und ging mit, um zu heuen und zu ernten, aber sie fragte nicht mehr, — und die Großmutter, ewig und unbegreiflich hinaus lebend, wie ein vom Tode ver­gessener Mensch, fragte auch nicht mehr, weil er ihr entfallen war, oder sich zu ihren heimlichen Phantasie- gestalten gesellt hatte.

Die Felder des Heidebauers besserten sich nachgerade. Äs ob der Himmel seine Einsamkeit segnen und ihm vergelten wollte, und es wurde ihm so gut, daß er schon manchen Getreidesack aufladen und mit schönen Ochsen fortführen konnte, wofür er dann einige Taler Geldes und Neuigkeiten von der Welt draußen heimbrachte. Einmal kam auch ein Schreinergeselle mit seinem Wan- tcrpad zu Vater Niklas, dem Heidebauer, und brachte einen Gruß und einen Brief von Felix und sagte, daß derselbe in der großen, weit entfernten Hauptstadt ein schmucker, fleißiger Student sei, daß ihn alles liebe, und daß er gar eines Tages Kaplan in der großen Dom­kirche werden könnte. Der Schreinergeselle wurde über Nacht im Heidehause gut gehalten und ließ eitel Freude zurück, als er des andern Tages in entgegengesetzter Richtung von bannen zog. So kam es, daß jedes Jahr ein« oder zweimal ein Wandersmann den Umweg über die Heide machte, dem schönen, freundlichen, Handsamen Jüngling zuliebe, der gern einen Gruß an sein liebes Mütterchen schicken wollte. Ja sogar einmal kam einer geschritten und konterfeite das Häuschen samt dem Brun­nen und Flieder- und Apfelbaum.

Auch andere Veränderungen begannen auf der Heide. Cs kamen einmal viele Herren und vermaßen ein Stück Heideland, das feit Menschengedenken keines Herrn Eigentum gewesen war, und es kam ein alter Bauers­mann und zimmerte mit vielen Söhnen und Leuten ein Haus darauf, und fing an, den vermessenen Fleck urbar zu machen. Er hatte fremdes Korn gebracht, das auf den: Heideboden gut anschlug, und im nächsten Jahr wogte ein grüner Aehrenwald zunächst an Vater Niklas Besitzungen, wo noch im vorigen Frühling nur Schlehen und Liebfrauenschuh geblüht hatten. Der alte Bauer war ein freundlicher Mann, ein Mann vieler Kenntnisse, und teilte gern seinen Rat und sein Wissen und feine Hilfe an die früheren Heidebewohner, und hielt gute Nachbarschaft mit Vater Niklas. Sie fuhren nun« beide gar in die Stadt, verkauften dort ihr Getreide weit besser, und am Getreidemarkt im goldenen Roh waren die Heibebauern wohl gekannt unb wohlgeliüen.

Nach unb nach kamen neue Ansiedler; auch eine Straße würbe von ber Grundherrschaft über die Heide gebahnt, sodaß nun manchmal des Weges ein vornehmer -Wagen tarn, desgleichen man noch nie auf der Heide gesehen. Auch des alten Bauers Söhne bauten sich an, und einer, sagte man sich ins Ohr, werde wohl schön -Mathens Bräutigam werden. Und so, ehe sieben Jahre ins Land gegangen, standen schon fünf Häuser mit Stäl­len und Scheunen, mit Giebeln und Dächern und das ckleine, alte, graue Heidehaus, unb Felber unb Wiesen unb Weg unb Zäune gingen fast bis auf eine Viertel­stunde Wegs gegen den Roßberg, ber aber noch immer so einsam war, wie sonst; — unb am Pankratiustage hatte Baier Niklas bie Freude, zum Richter bes Heibe- dorfs gewählt zu werben, — er ber erste seit ber Erschaf­fung ber Wett, ber solch Amt unb Würbe auf biefem Fleck bekleidete. ,

Wieder waren Jahre um Jahre vergangen, bie Obst­baumsetzlinge, zarte Stangen, roie, sie der alte Nachbars­bauer gebracht und an Niklas mitgeteilt hatte, standen mm schon wirkliche Bäume da und brachten reiche Frucht unb manchen Sonntagstrunk an Obstwein. — Marthe war an Nachbars Benebikt verheiratet unb sie trieben eigene Wirtschaft. — Die Heibe war weiß unb wieder grün geworden; aber des Vaters Haare blieben weiß, unb bie Mutter fing bereits an, ber Großmutter ähnlich Mi werden, welche Großmutter allein unverwüstlich und Unveränderlich blieb, immer und ewig am Hause sitzend, «in träumerisches Ueberbteibfet, gleichsam, als warte fte auf Felix' Rückkehr. Aber Felix schien, wie einst sJacobns, verschollen zu fein auf der Heide. Seit drei Kahren kam kein Kunde unb kein Wandersmann. — In tnäc Hauptstabt, wohin gar Benebikt gegangen, um ihn z« suchen, war er nicht zu finben, unb int Amte fegten Hm die Kanzleiherren aus einem großen Buche, er fei außer Landes gegangen, vielleicht gar über das Meer. Der Vater hörte schon auf, von ihm zu reden; Marthe hatte ein Kindlein unb dachte nicht an ihn, bie Heide­sdörfler kannten ihn nicht und liebten ihn auch nicht, als einen, der da einmal davongegangen; die Großmutter fragte nur bisweilen nach Jacobus: — aber das Mutter« herz trug ihn unverwischt und schmerzhaft in sich, feit | Dem Tage, als er von dann gezogen und an ihrem Bu­ßen geweint hatte — und das Mutterherz trug ihn abends in das Haus und morgens auf die Felder — unb Das Mutterherz war es auch allein, bas chn erkannte, Äs einmal am Pfingstsarnstage durch die Abendröte ein wildfremder, sonnverbrannter Mann gewandert kam, den Stab in der Hand, bas Ränzlein auf bem Rücken, unb Petzen blieb vor dem Heidehaufe.

I »Felix" — „Mutter!"

Ein Schrei und ein Sturz an das Herz.

Das Mutterherz ist der schönste unb unverlierbarste Platz bes Sohnes, selbst wenn er schon graue Haare trägt I — unb jeber hat im ganzen Weltall nur ein einziges I solches Herz.

I Das alte Weid brach an ihm fast nieder vor Schluch- I zen, unb er, vielleicht seit Jahren keiner Träne mehr gewohnt, ließ den Bach seiner Augen strömen, unb hob

I sie zu sich auf und brückte sie und streichelte ihre grauen I Haare, nicht sehend, daß Vater und Schwester und das I halbe Dors um sie beide standen.

„Felix, mein Felix, wo kommst du beim her?" fragte I sie enblich.

I „Von Jerusalem, Mutter, unb von ber Heide bes I Iorbans. — Gott grüß Euch, Vater, und Gott grüße I Euch, Großmutter! Jetzt bleib ich lange bei euch, und I geliebt es Gott, auf immer!"

Er schloß den zitternden Vater ans Herz, und bann I die alte Großmutter, bie fast schamhaft und demütig bei« I feite stand — und dann noch einmal den Vater, den I schönen, alten braunen Mann, mit den schneeweißen Haa- I den, den er mit noch dichten, dunklen Locken verlassen I hatte, und der doppelt liebenswert dastand durch die unbehilfliche Verlegenheit, in die er dem stattlichen Sohne I gegenüber geriet; — das Mutterherz aber, sich immer ihres unverjährbaren Ranges bewußt, zeigte nichts dem Aehnliches; sie sah nicht seine Gestalt und feine Kleider, I sondern ihr Auge hing bie ganze Zeit über an feinem I Angesicht, unb es glänzte unb funkelte unb schäumte I fast über vor Freude unb vor Stolz, daß Felix so schön I geworben und so herrlich.

Endlich, als sich sein Herz etwas gesättigt, fiel ihm j klein Marthe bei; er fragte nach ihr und fein Auge suchte I am Boden umher — allein die Mutter führte ihm ein I blühendes Weib vor, mit Hellen, blauen Augen ein Kind I auf dem Arm, wie eine Madonna, deren er in Welsch­land auf Bildern gesehen — er erkannte im Kinde klein I Marthe, die Mutter des Kindes getraute er sich aber I nicht zu küssen, unb auch sie ftanb blöbe vor ihm und I sah ihn bloß liebreich an — endlich grüßten unb küßten sie sich herzinnig als Geschwister unb ber ehrliche Bene- I bitt reichte ihm bie Hand unb sagte, wie er ihn vor zwei I Jahren so emsig in der ungeheuersten Entfernung gesucht I habe.

„Da war ich im Lande Aegypten," sagte Felix, „und Ihr hättet mich auch dort kaum erfragt; denn ich war in I der Wüste."

Auch die Bauern und ihre Weiber und Kinder, die I sich vor Niklas' Haus eingefunden hatten, und ehrbar I neugierig umherstanden, grüßte er alle freundlich, lüftete I den Reisehut unb reichte ihnen, obwohl unbekannt, die I Hand.

Endlich ging man in das Haus unb nach Heibefitte I gingen viele Nachbarn mit, unb waren babei, wie er Ge- I schenke unb Berichte auspackte. Auf ber Gaffe wurde es I still, die Menschen suchten nach dortigem Gebrauch zeittg I ihre Schlafftellen, und die roten Pfingftwolken leuch- I teten noch lange über dem Dorfe.

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Am 23. August b. I. erreicht der Planet Mars die größte Erdnähe. An diese denkwürdigste Ge- sttrnkonstellaüon des Jahrhunderts knüpft unser noturwiflenschaftticher Mitarbeiter diese inter­essante problematische Betrachtung an.

I Wem von uns hat sich nicht, wenn er des Nachts I zum Sternenhimmel empor sah, die Frage aufgedrängi, I ob wir auf jenen, uns fernen Weltkörpern Brüder be- I sitzen, oder, wissenschaftlich ausgedrückt, ob es auf den I Gestirnen Wesen gibt, die sich bis zur Stufe der Menfch- I beit, das heißt der vernünftigen und denkenden Geschöpfe Gattes, entrvickett haben?, Nach vor wenigen Jahren aast

I dies als unergründlich. Aber jetzt tft auch dieses Ge­heimnis ergründet worden, und wir sind heute fo weit, daß man mit absoluter Sicherheit behaupten kann, daß auf den Sternen tierisches und pflanzliches Letzen I existiert.

Unter Sternen in diesem Sinne sind natürlich nicht bie Fixsterne zu verstehen, die schon infolge chrer großen Hitze kein Leben beherbergen können, sondern die Plane­ten, welche sich gleich unserer Erde um die Sowie drehen, und selbst dunkel, nur das Sonnenlicht zurückstrahlen. Sie sind uns, mit dem Himmelsmaßstabe gemeffen, ver- I hältnismäßig nahe, denn während das Licht von ber nächsten Sonne, dem Sirius, immerhin 17 Jahre braucht, um zu uns zu gelangen, ist bie Entfernung vom Mars, nach der Lichtgeschwindigkeit gemessen, kaum 3 Minuten. Deshalb läßt sich bie Frage, ob sie bewohnbar sind, bei unseren Nachbarplaneten sozusagen nach dem I Augenschein, natürlich mittels des Fernrohrs, studieren. I

Der Planet Merkur, ber der Sonne am nächsten I ist, hat wahrscheinlich keine Lufthülle, so daß die Tem- I peratur auf seiner Oberfläche ungefähr 178 Grad be= I trägt; es ist also ausgeschlossen, daß orgcmisches Leben I auf ihm blüht.

Ganz anders liegen die Dinge bei der Venu s, die I zwischen unserer Erde und dem Merkur um die Sonne I kreist. Da sie von einem Wolkenschleier umgeben ist, I und ihre Entfernung von der Sonne bereits sehr groß I ist, so muß sich die Temperatur auf ihrer Oberfläche I bereits innerhalb jener Grenzen bewegen, bie organi- I f sches Leben zulassen. Sollte sich dieses in den gleichen I Bahnen abwickeln, wie auf unserer Erde, so müßte dort I ein kultureller Zustand vorherrschen, wie er auf unserem I Planeten zur St einkohlenzett bestanden hat. Die Vor- I bebingungen für Leben sind jedenfalls auf ber Venus I gegeben.

Wir kommen nun zum Planeten Mars — hier I können wir mit beinahe mathematischer Sicherheit sagen, I daß organisches Leben vorhanden ift. Es finden sich auf I feiner Oberfläche nämlich verschiedene Linien, die aus- I sehen, als wären sie mtt dem Lineal gezogen. Sie lau- I fen in einen Knoten zusammen und sind so fystemattsch I und regelmäßig angelegt, daß es unmöglich ift, sie als I natürliche Gebilde zu beuten. Die einzige Erklärung ift I die, daß wir es mit Bauten vernünftiger und denkender I Wesen zu tun haben. Es handelt sich wahrscheinlich um I Kanäle, die bestimmt sind, die Polarwüsser über den was- I serarmen Planeten zu verteilen. Allerdings, da der I feinste Streifen, den wir mit dem besten Teleskop eben I noch sehen können, einer Brette von 30 Kilometern ent« I spricht, fo müßte es sich um Riesenbauwerke handeln, I denen gegenüber die stolzesten Werke der Erdingenieure I sich ausnehmen würden, wie bie Hütte eines Wilden I neben dem Petersdom. Da aber der Sulturguftanb mit I dem Alter des Weltkörpers zufammenhängt, fo wäre I dies ganz gut möglich, denn der Mars ist um vieles älter I als bie Erbe.

Jenseits des Mars -kommen die Asteroiden, I deren wir schon 600 kennen. Man deutet sie als die Trümmer eines graffen Planeten. Der Durchmesser bes I größten dieser Miniaturwelten, des Ceres, entspricht un- I gefähr ber Entfernung von Prag nach Wien. Wie sich I bas Leben auf einer fo kleinen Welt entwickelt und ab- I spielt, barüber hat man sich bis jetzt kein Bild machen I können. 1

Die barauf folgenden Riefenplaneten sind noch nn rotglühenden Zustande, fo daß Vorhandensein von Or­ganismen auf ihnen ausgeschlossen ift Wohl kann dies aber der Fall fein bei ihren Monden, für die sie gleich­sam zweite Sonnen sind. —

Auch wenn wir jenen rechtgebon, welche die entwick« lungsgefchichllich« Entstehung des Lebens leugnen, wenn wir annehmen, daß das Sebem nicht im Laufe der Jahr­millionen geworden, sondern, daß es vom Schöpfer m einem Guß geschaffen worden tft selbst dann müßte heute schon bas Leben seinen Siegeszug bis zu den entfernte­sten Sternen genommen haben. Man kann ja heute schon beweisen, daß kleine Lebewesen, wie Bakterien, auf ben Schwingen des Lichts, da heißt durch den Druck, welchen bie Sonnenstrahlen auf sie ausüben, durch den Weltenraum getragen werben können. Und fo müf- fen bie kleinen unb leichten Objekte durch den Stroh- lungsdruck überall dorthin kommen, wohin das Licht kommt.

In 20 Tagen sind sie auf dem Mars, m 80 auf b m Jupiter unb in kaum 9000 Jahren auf ber nächsten Sonne, bem Alphacentauri.

Nun könnte man einwenden, daß das Leben auf der Fahrt durch ben WeÜenrcmm durch die große Kälte ver- mchtet werden könnte. Aber Versuche haben gezeigt, daß die niedrigste Temperatur, welche vom absolutem Nullpunkt nur wenige Zehntelgrade entfernt ist tzie Keimfähigkeit ber Sporen nicht auf hebt.

Aber auch andere Beweise für bas Leben auf den Planeten besitzen wir. Der Astronom Lowell hat ttn Spekttum ber äußersten Planeten, Jupiter, Uranus und Saturn, das Chlorophyll nachgewiesen, jenes Blattgrün, das unter dem Einfluß des Lichtes ben Stoff­wechsel ber Pflanze auslöst. Unb ba tierisches Leben Pflanzen voraussetzt, fo ist bas Chlorophyll bie Urform bes Lebens, die Umwandlung der Sonnenwärme in organisches Leben.

Gottes Garten tft groß unb wett wie bie Ewigkeit, unb mancherlei Kinder wandeln m ihm. Wir Erden- tinber sind nur zu leicht versucht, uns für ben Mittel­punkt feiner Schöpfung zu halten. Der Gedanke, daß wir droben auf den Sternen Brüder haben sollen, dünkt uns märchengleich. Die jüngsten Entdeckungen ber For­scher lassen dies Märchen, wie wir sahen, zur Wahr­scheinlichkeit, zur Wahrhett werden. Wer wollte noch heute kategorisch leugnen, daß wie auf Erden das Leben auf Millionen und Abermillionen Sternen blüht!

hieronimi Heimkehr,

Des 100. Todestages des Dichters der Iob- fiabe, des Bochumer Arztes Kortüm, haben wir kürzlich hier gedacht. Das folgende Kapitel, über­schrieben: „Wie Hieronimus mit Stiefeln unb Sporen bei den lieben ©einigen wieder angelangt ist", nachdem er auf ber Universität viel Gell» verbraucht und wenig ftudiert hat, gibt einen Be­griff von der plastischen Darstellungskunft Kor- tums.

Als einst nach eingenommener Mittagsfpeise

Der Senator Jobs (denn es war fo ferne Weife) Mit feinem Pfeifchen ttn Lehnstuhl faß Und die politische Zeitung las;

Indes Frau Jobs einiger Sachen wegen

In der Küche ein kleines Lärmen tat erregen, Auch sonst einige Ordnung gemacht Und keine Seel an was Böses gedacht;

Kam ein stolzer Reiter mit starken Schritten Auf der Straße eilig daher geritten.

Und gleich hörten sie, Knall und Fall

Vor der Haustür einen Karbatfchenfchall.

Ob diesem faft fürchterlichen Knallen

Lies Jobs die Zeitung aus der Hand fallen, Und die Pfeife selbst war in Gefahr;

Frau Jobs aber verstummte gar.

Aber aus diesem recht panischen Schrecken

Tat sie der Reiter bald aufwecken;

Weil er, ttn völligen Reisestaat, Zu ihnen in die Stube trat

Die Alten schienen beide chn nicht zu kennen, Er wollte sich auch vorerstlich nicht nennen.

Bis endlich der gute Vater da

In ihm seinen lieben Hieronimus sah.

Es fehlt mir schier an allen nötigen Dingen.

Die gewaltig große Freude zu besingen, Welche der fromme Senator empfand, Fast entging ihm aller Verstand.

Auch die Mutter konnte sich nicht fassen. Noch vor Freude Händ' und Füße taffen, Als sie eben itzt unb nunmehr Sah, daß es Hieronimus wär.

Fast hätten im Uebermaß ber Freude

Klare Tränen geweinet alle beide.

Und das Willkomm! und dem Himmel fei Dank! Unb fo weiter, währte lang.

Es waren auch darauf nicht minder

Des Senators Jobfens übrige Kinder

Alle zusammen bei der Hand, Unb kein einziges hat ihn gekannt.

Es war recht spaßhaft anzusehen. Wie sich bie Kinder taten begehen: Eins hielt ihn für’n großen Herrn, Welcher gekommen wär von fern;

Das andere hielt ihn, wegen dem Degen

Unb der übrigen gefährlichen Kleidung wegen,

Für einen, ber Kinder im Sack steckt. Besonders wurden bie jüngsten erschreckt.

Aber sehr lustig ging es mtt ber Esther, Unfers Hieronimi allerjüngsten Schwester, Denn sie hielt ihn noch lange hernach Für'n fremden Oheim von Gengenbach.

In den drei Iahrn, die er dort verschleudert, Hatte sich feine Person sehr oeränbert.

Und er war dick geworden am Bauch, Sein Bart ziemlich gewachsen auch.

Es war also eben kein Wunder zu nennen, Wenn ihn anfangs niemand mochte kennen. Besonders, da fein Studentenhabit Auch nicht, wer er eigentlich war, verriet.

Ein sehr großer Hut mit einer Feder, Hose und Weste von gelbem Bocksleder, Ein kurzes Collet von grauem Tuch Verstellte den Hieronimus genug.

Dabei kam ein mächtig großer Degen,

Welcher, der mehreren Sicherheit wegen, Sowohl'zum Stich, als Hiebe im Streit Eingerichtet war spitz und breit

Imgleichen die martialische Miene,

Welche Tod unb Wunden zu drohen schiene;

Die Haare hingen struppicht am Kopf Unb ben Racken drückte ein dicker Zopf.

Diese und mehr feltfame Kleidungsstücke

Zogen bald auf sich des Vaters Blicke, Denn ein sittsames schwarzes Kleid Hätte den Alten weit mehr erfreut

Auch wollte des Hieronimus übriges Betragen Dem alten Vater Jobs nicht zum besten behagen. Weil bei dem Hieronimus fort unb fort Flüche erfolgten auf jedes Wort

Als er kurz darauf nach dem Koffer gefraget, Hat Hieronimus alsbald gefaget

Und dabei kräftig geschworen: daß er

Vom Postwagen jüngst ihm gestohlen wär'.

Diese Nachricht, daß er ben Koffer verloren, Klang unangenehm in bes Vaters Ohren Unb er fing zu knurren drob an. Hätte es nicht die Mutter getan.

Denn sie hielte den Alten zurücke.

Sprach, das ist ja ein llngelücke, Woran unfer lieber Sohn nicht schuld; Er ergäbe sich also in Geduld.

Indessen verbreitete auch das Gerüchte,.

Des Hieronimus Wiederkunftsgeschichte lleberall in dem Städtelein aus Und wälzete sich von Haus zu Hans.

Der ganzen Bürgerschaft schien dran gelegen,

Unb überall tat sich Verwunderung erregen, Unb wo ein Mensch nur den andern sah, So hieß es: Hieronimus ist wieder da.

Es wurde übrigens angenehm unb freudig

In Senator Jobfens Hause allerseitig Der Rest des übrigen Tages verbracht Und weiter nicht an den Koffer gedacht

Hieronimus labte sich an Trank und Speise Weidlich, denn er war matt von der Reise, Rauchte dabei auch ohne Beschwer Des Vaters großen Tabaksbeutel leer.

heiteres.

Das asiatische Bebra. Ein weit gereifter Herr erzählt von Niederländisch-Indien und Singapore. Ein Stoffe« lauer fragt, ob Singapore eine große Stadt fei. „Welche Frage?" ruft der erstaunte Weltreisende. „Singapore ist ber Hauptknotenpunkt des ganzen malaiischen Archi­pels." „Also sozusagen das asiatische Bebra", bemerkt der Kaffelaner. (Staff. Volksztg.)

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3n einem D-Zug-Abteil dritter Klasse. Ein Herr zieht seine Stiesel aus. Lächelnd sagt er zu seinem Gegenüber: „Ich muß meine Füße ein bißchen pflegen, ich bin nämlich Fußballer." — Gütig nickt der andere: „War ich auch viele Jahre!" — „Tatsächlich? Sie waren Fußballer?" — „Ja, vor einem halben Jahre ungefähr bin ich sie losgeworden." — „Was sind Sie losgewor» den?" — „Nu, die Ballen an den Füßen!" (Lust. Bl.)

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Gemütlich. „Sehen Sie mal, Kellner, ber Löffel ist unsauber." — „Rühren Sie nur erst mal den Kaffee mit ihm um — dann gehts ' ab."

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Der Vorzug. Sie (zu ihrem Manne): „Schau mal, da fährt ein Luftschiff! Und es heißt gerade wie ich: „Mathilda". — Er (seufzend): „Ja, nur hat es noch den Vorzug, lenkbar zu fein." (3t Motto per ribere.)

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Günstige Mode. „Wie gut, daß man zum Frack keine Uhr trägt." — „Warum?" — „Weil ich meine Uhr und meinen Frack nie zu gleicher Zeit habe."

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> Aus Erfahrung. Fritzchen: „Wenn ich einmal ein Mann bin, dann soll alle Well mich fürchten." — Tante: „Was willst du denn werden?" — Zahnarzt.

Kus aller wett.

— Die soll man Gurken essen? Mele Men­schen wagen sich nur ungern an Gurkensalat, da sie angeblich Magenschmerzen davon bekommen. Und wohl alle Mütter belehren ihre Kinder: „Ihr habt jetzt Gurkensalat gegessen, daß ihr nun ja kein Was­ser darauf trinkt!" So wird die schöne Gurke in Mißkredit gebracht, ohne im Geringsten eine Schuld zu haben. Wer von Gurkensalat Magen- schmerze.n bekommt, kann sicher sein, daß er ent­weder überhaupt magenkrank ist, oder daß — fast immer trifft beides zu — der Salat ganz falsch zu- bereitet war! Das einzig brauchbare an der Gurke ist der Saft, alles übrige ist zwecklose, unverdauliche Zellulose, die allerdings den Magen belästigen kann. Es ist deshalb das Unvernünftigste was man tun kann, wenn man die Gurken in Scheiben schneidet, falzt, den Saft weggießt und mit Pfeffer, Essig, Del ober mit Milch eine „Würze" darüber gibt. Das einzig Richtige ist, die Gurken erst kurz vor dem Gebrauch in Scheiben schneiden, etwas mit Salz ab- schmecken, wenig pfeffern und den Saft mit Zitro­nensaft anfäuern. Del ist schwer verdaulich und kann ganz wegbleiben, Landleute essen die Gurken am liebsten gleich frisch geschält und in Salz ge­taucht zu ihrem Brot. Das ist noch richtiger als alle umständliche Zubereitung. Auch saure Gurken sollte man täglich und immer reichlich essen. Die Säure der Gurke ist Milchsäure und hygienisch von außerordentlichem Vorteil, namentlich für sirlche, die zu Gicht und Zuckerkrankheit neigen.

— Schuh für die Fische im Bodensee. Die Uferorganismen (Insektenlarven, Würmer, Weich­tiere, Kleinkrebse, Rädertiere, einzellige Tiere unb Pflanzen) ernähren eine ganze Anzahl von Fischen. Dir.'ttch viele Ufertiere können ater nur da ge­deihen, wo ruhige Buchten, pflanzenbewachsene Untiefen und nicht verunreinigte Hafenanlagen unb Dachmündungen vorhanden sind. Diese Oertlich- keiten sind aber zugleich für die meisten Uferfische Laichplätze und Schlupfwinkel vor Raubfischen unb Stürmen. Die Fischerei (im Verein mit allen Na­turfreunden) sollte also ein Uferschutzgesetz zu er- reichen suchen, das das Zufchütten und Verunrei­nigen solcher Fischplätze und den Bau von Ufer­mauern untersagt und das Einleiten von Fabrik­abwässern überwacht. Künstliche Bepflanzung von öden Uferftrecfen mit Schilf ist am schweizerischen Ufer schon gelungen. Dann könnten künstliche Laich­teiche an flachen Ufern angelegt werden, die beson­ders der Aufzucht von Hechten, Zandern und Karpfen dienlich wären. Gute natürliche Laich­plätze (in der Nähe der Rheinmündung, der Schus- senmündung usw.) sollten durch besondere Ver­ordnungen geschützt und zu Banngebieten gemacht werden.

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