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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

Verantwortlich lür die Schriftleiiung: Dr. Johannes Kramer. Anzeigen: I. P arreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der :: Fuldaer Lctiendruckerei i« Fulda. Fernivrecher Rr- 9. r.

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Donnerstag, 21* Kugust 1924*

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51. Zahrg,

Nr. 194.

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Sie KUserenz im Urteil

Von besonderer Seite wird uns aus Berlin ^schrieben:

Die deutschen Delegierten der Londoner Konfe- <enz haben in Den letzten Tagen den politischen rnd parlamentarischen Vertretern eingehende M i t- ;eilungen über ihre Erfahrungen, sowie über hre Biiresamkeit in London gemacht. Von maß- gebender Seite wird dabei ganz besonderer Wert uff die Feststellung gelegt, daß tatsächlich die Lon- loner Konferenz die erste war, die diesen Namen verdiente. Es wird allgemein bestätigt, daß wirk- jch auf dem Boden voller Gleichberechtigung verhandelt worden ist, und daß die Delegierten auch persönlich und amtlich stets als volle Gleich­berechtigte behandelt wurden. Schon aus der Tat­sache, daß die Verhandlungen vierzehn Tage dauer­ten, und daß während dieser Zeit ununterbrochen amtliche und persönliche Beziehungen zwischen allen führenden Persönlichkeiten herrschten, ist beson­ders hervorzuheben. Auch die Verhandlungs- formen haben sich in durchaus korrekter Weise, teilweise sogar freundlich und freundschaftlich ab­gespielt. Der ruhigen Ueberlegung der deutschen Vertreter stand die Lebhaftigkeit insbesondere der französischen Vertreter gegenüber, aber immer wuroe der Ausgleich gefunden.

Durch das Auftreten der deutschen Delegation, insbesondere durch das sofortige Äuswerfen der von dem Konferenzprogramm offiziell ausgeschlosse­nen Räumungsfrage wurde nicht nur be­wirkt, daß die ganzen, in den vorangegangenen 14 Tagen zwischen den Alliierten geführten Ver­handlungen von neuem angefangen und wieder aufgenommen werden mußten, sondern es kam auch dahin, daß, trotz der gegenteiligen Beschlüsse der Alliierten, die Räumungsfrage selber immer mehr in den Mittelpunkt der Verhandlungen rückte.

Die Delegierten hatten weiter aber auch bei den Verhandlungen den Eindruck, daß tatsächlich e i n neuer Geist obwaltete. Die Arbeit inner­halb der deutschen Delegation hat sich man muß das sagen, weil verschiedentlich gegenteilige Mitteilungen in der Presse zu lesen waren, in jeder Epoche der Verhandlungen durchaus har­monisch und einmütig gestaltet. Es hat innerhalb dieser Delegation über die Grundfragen, Sum die es sich handelte, überhaupt keine Mei- '/lüngsverschiedenheiten gegeben. Auch alle übri­gen, im Verlauf der Konferenz aufgetauchten Mit­teilungen von Konflikten zwischen den deutschen und den alliierten Delegierten werden von unfern Londoner Vertretern als absolut in das Reich der Fabel gehörig verwiesen. Im ganzen sind die deut­schen Delegierten demnach von der Aufnahme, die sie in London gefunden haben, von der Art, wie man mit ihnen verhandelte, und von der Bewe­gungsfreiheit, über die sie verfügten, auch von der Möglichkeit, den deutschen Standpunkt energisch zu vertreten, durchaus befriedigt. Sie legen entschei­dendes Gewicht auf die Feststellung, daß in keinem Augenblick der Verhandlungen jemals von einem Ultimatum die Rede war.

Der in der Räumungsfrage von den englischen und amerikanischen Vertretern bei der deutschen Delegation unternommene Schritt sei nicht als der Versuch eines Druckes anzusehen. Diese Vertre­ter hätten die deutsche Delegation vielmehr förm­lich beschworen, doch wegen der Frage der Räu­mungsfristen die Konferenz nicht scheitern zu lassen. Man stellte dabei positive Erklärungen Frankreichs, ferner die Garantieerklärung Englands in Aus­sicht. Und dazu kam, daß auf deutsche Anregung hin Macdonald in seiner offiziellen Schluhansprache auch die Räumungssrage erwähnte, sodaß damit diese Ausführungen in das offizielle Protokoll kamen. Obwohl also die Räumungsfrage von dem offiziellen Programm der Konferenz ausgeschaltet war, ist sie aus diese Weise trotzdem zu einem Be- standteil der offiziellen Verhandlungen gemacht worden. Die feierliche Erklärung Macdonalds am Schlüsse der Konferenz ist damit auch zu einem Bestandteil des Schlußprotokolls selber gemacht, worden, und das, ohne daß von irgend einer Seite Widerspruch dagegen erhoben wurde.

Die deutschen Vertreter glauben mit dem, was sie von London mitgebracht haben, vor dem Reichs­tag, wie überhaupt vor der öffentlichen Kritik in Ehren bestehen zu können.

Die Stellung der Parteien zu London.

Die Verhandlungen der Reichsregierung mit den Vertretern der Parteien sind noch nicht abge­schlossen. Im großen und ganzen ist folgendes zu sagen:

Das Zentrum, die Bayerische Volkspartei, die Deutsche Volkspartei, die Demokraten und die So­zialdemokraten und voraussichtlich auch die Wirt­schaftliche Vereinigung werden den Londoner Ab­machungen z u st i m m e n. Die D e u t f ch natio­nalen haben sich ihre Stellungnahme noch Vor­behalten. Aus den Erklärungen der deutschen Delegierten in London hat sich doch ergeben, daß in vielen Punkten die Dinge sich von Deutschland aus ganz anders anfehen, als sie sich letzten Endes entwickelt haben. Wie die Verhandlungen jetzt stehen, ist n i ch t damit zu rechnen, daß die Deutfch- nationalen geschlossen gegen die Abmachungen stimmen würden, denn ein sehr starker, und na­mentlich unter der Führung älterer Politiker stehender Flügel der Deutschnationalen hält es für unmöglich, in anbetracht des Erreichten die Ent­lastung und Befreiung weiter deutscher Volksteile

Her Heuthen Negation, von dem gegnerischen wirtschaftlichen und militäri­schen Druck aufs Spiel zu setzen.

Die Reichsregierung hat auf das Bestimmteste erlärt, daß sie sich moralisch verpflichtet fühlen, mit allen Parteimitteln für ihre Abmachun­gen in London einzutreten. Würde der Reichstag dieses Werk stören, dann würde unverzüglich die Reichsregierung an das Volk appellieren.

Uber hie Msemiz her toitotäMm

der Länder, die in Berlin stattfand, wird berichtet:

Nach Entgegennahme eingehender Berichte, die vom Reichskanzler, Reichsminister des Aeußern Dr. Stresemann und dem Reichsfinanzminister Dr. Luther über den Verlauf und die Ergebnisse der Verhandlungen in London erstattet wurden, tra­ten die Chefs der Länder in eine offene Aus­sprache mit der Reichsregierung über die durch den Abschluß der Londoner Konferenz geschaffenen Lage ein. Die Beratungen waren getragen von dem Willen, die E r g eb n i s s e der Londoner Kon­ferenz, wenn sie auch hinter den gehegten Er­wartungen, insbesondere hinsichtlich der militäri­schen Räumung des widerrechtlich besetzten Ruhr­gebiets zurückgeblieben seien, sicherzu st eilen. Da bei der Kürze der Zeit und der Unmöglichkeit ausreichender Information die Regierungen der Länder zu dem Ergebnis der Londoner Abmachun­gen noch nicht Stellung nehmen konnten, behielten sich die Chefs der Länder die endgültige Stellung­nahmen ihrer Regierungen für die in kürzester Frist beginnenden Verhandlungen des Reichsrats über die zur Durchführung des Sachverständigen­gutachtens erforderlichen Gesetze vor.

Die Reichrtagsfitzung.

Die endgültige Entscheidung über die Anbe­raumung der Vollsitzung des Reichstags ist für F r e i ta g vorgesehen und wird von dem Aeltesten- rat gefällt. Die Tagesordnung weist ledig- lich die Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung auf. Eine Debatte wird sich ver­mutlich nicht sogleich dn die Regierungserklärung anschließen, da zunächst die Fraktionen dazu Stel­lung nehmen werden. Die Regierungsparteien durften sich auf die Abgabe einer gemeinsamen Er­klärung beschränken. Es ist nicht anzunehmen, daß die drei Gutachtengesetze zur Ausschußberatung kommen werden, weil dadurch eine von der Re­gierung nicht für erträglich gehaltene Verzögerung eintreten würde. Die Regierung wird dem Aus­wärtigen Ausschuß die nötigen Erläuterungen geben und zwar in einer vertraulichen Beratung.

Die kommunistische Reichstagsfraktion brachte eine Interpellation ein, worin unter Hinweis auf die Nichtbeachtung der Reichstags- befchlüsie betr. Aufhebung, des Verbots der poli­tischen Parteien durch die bayerische Regierung die Reichsregierung zu einer Erklärung aufgefordert wid, was sie zur Erzwingung der Durchführung des Reichstagsbeschlusses in Bayern zu tun gedenke.

Wie dieVoss. Ztg." meldet, hat der Reichskanz­ler die Führer der Deutfchvölkischen und der Kommuni st ischen Partei zu einer Aus­sprache über das Ergebnis der Londoner Ver­handlungen empfangen.

Amtlich. In der Presie wird die Auffassung betbreitet, daß sich die in London vereinbarten Fristen automatisch hinauSschieben würden, wenn bis 30. August die für die Unterzeichnung der Londoner Abmachung«« erf«betten Voraussetzungen noch nicht erfüllt waren. Diese Auffassung ist irrig und findet in den in London getroffenen Abmachungen keine Begründung. Wenn bis 30. AugusGder Deutsche Reichstag durch die Verabschiedung der sogenannten Gutachtengesetze die Möglichkeit der Unterzeichnung der Londoner Abmachungen durch die deutsche Regierung nicht gegeben hat, sind die in London gefaßten Beschlüsse hinfällig, und alle Beteiligten haben wieder freie Hand. Hin­fällig werden damit auch die von den Minister­präsidenten Frankreichs und Belgiens gegebenen Zusagen für die Räumung der Zone Dortmund und Hörde sowie der anderen auS Anlaß der Ruhr­operation besetzten Sanktionsgebiete.

Die Stimme öes besetzten Gebietes.

Zu den Londoner Verhandlungen schreibt das Düsseldorfer Tageblatt* u. a.:

Das, waS in London erreicht wurde, ist in An­betracht der weltpolitischen Lage ganz bedeutend Wir brauchen eS im einzelnen nicht nochmals auf­zuzählen, wobl aber einzelne Sttchworte: Offenburg, Dortmund, Wesel, Königswinter, dann ferner Am­nestie, Regie, Paß- und Zollkontrolle, endlich in Jahresfrist Ruhrgebiet, Düsseldorf, Duisburg reden eine vernehmliche Sprache. Wie von einem Slip» druck befreit atmet da? Volk an Rhein und Ruhr auf. Ganz Deutschland sieht boffnungSfroh in die Zukunft. Des Beifalles uudDankes für seine erfolgreiche Tat seitens deS deutschen Volkes, vor allem seiner rheinischen Landsleute, kann der Reichs­kanzler gewiß fein. Der Aufsatz schließt: Alle? in allem genommen kann gesagt werden, daß die Kon­ferenz Deutschland, wenn auch keinen vollen Erfolg, so doch ganz beträchtliche Erleichterungen wirtschaft­licher und moralischer Natur gebracht hat.

So klingtS von der Front am Rhein. DaS ist wichtiger als das, was man aus der pommerischen und mecklen­burgischen Etappe hört, wo man das Ergebnis von London nicht genug verkleineru kaum

3n Paris.

lieber den Ministerrat, der in Paris stattsand, wurde der folgende amtliche Bericht aus gegeben: Die Minister sind unter dem Vorsitz des Präsiden­ten der Republik im Elysee zusammengetreten. Der Ministerrat war gänzlich den Ausführungen ge­widmet, die H e r r i o t über verschiedene Punkts der Londoner Abma ch u n g e n gemacht hat. Die Minister haben das Werk der französischen Delegation auf der Londoner Konferenz einmütig gebilligt und ihnen für die bedeutsamen Er­gebnisse gedankt, die sie im Interesse Frankreichs erreicht haben. Es wurde beschlossen, daß der Mi­nisterpräsident am Donnerstag dieser Woche in Kammer und Senat eine Erklärung verlesen wird, die einen völligen Ueberblick über die Ergebnisse der Konferenz enthält.

Nach Beendigung des Ministerrats erklärte Herriot Pressevertretern gegenüber, daß er die mi­nisterielle Erklärung persönlich in Kammer und Senat verlesen werde. Während der Verlesung im Senat werde die Kammer die Sitzung unter­brechen.

DemTemps" zufolge werden die vorliegenden Interpellationen jedenfalls sofort nach der Regierungserklärung besprochen werden. Es fei jetzt noch die Frage, Vereinbarungen dahin zu treffen, daß sich die Parteien auf beiden Seiten des Parlaments verständigen, Wiederholungen zu vermeiden und einem oder zwei unter ihnen die Sorge anzuvertrauen, ihre Einwendungen gegen die Londoner Abmachungen auseinanderzufetzen.

wtb Paris, 20. August. (Tel.) Wie Havos berichkel, erkennt man in der Kammer an, daß es richtig ist, die Besprechungen über die Inter­pellation, die nach der Regierungserklärung siatt- findcn solle, nicht übermäßig zu verlängern. Es scheine daher, daß von unvorhergesehenen Zwischen­fällen abgesehen, die Debatte in der Kammer am Freitag abend zu Ende gehen werde, wobei man unter Umständen zwei Nachtflhungen zu Hilfe nehmen werde. Weiter besteht der Eindruck, daß die Verhandlungen am Samstag im Senat die notwrndige Zustimmung zur Unterschrift des Lon­doner Protokolls ergeben werde. Es fei das Ge­rücht verbreitet, daß Herriot das Parlament bitten werde, feine Session um einige Tage zu verlän­gern und den Lausanner Friedensver- trag zu ratifizieren. Demgegenüber wird er­klärt, daß Herriot sich bemühen werde, noch vor Schluß der Session eine Ratifikation das Lausan­ner Friedensvertrags ohne Debatte durchzusehen. Dena aber die schon vorgemerkten Redner das Dort ergreifen wollen, dann werde die Bespre­chung auf den Beginn der Hauplsession vertagt.

Die Teuerung in Frankreich.

wtb Paris, ?0. August. (Tel.) Der Minisker- rak trat gestern abend unter dem Vorsitz des Mi­nisterpräsidenten in einer eigens zu diesem Zweck auberaumten Sitzung zusammen, um sich mit der Teuerung, besonders mit Maßnahmen gegen i)ie Erhöhung des Drotpreises zn befassen. Die nähere Prüfung der Frage ergab, daß das An­ziehen des Brotpreises zum größten Teil auf das Steigen des eingeführten Getreides zurückzuführen ist, dessen Frankreich immer noch zur Vervollständi­gung seiner Ernährung bedarf. Der Minisierrak hat beschlossen, dem Senat einen Gesetzentwurf über die amtliche Abschätzung des Mehlpreises zugehen zu lassen, der bereits von der Sammer an­genommen ist. Ferner wurde beschloffeu, den Sah der Ausmahlung für Getreide von 7 5 auf 78 Prozent zu erhöhen.

Der Frank-Surs.

wtb Paris, 20. Aug. (Tel.) Die Spannung auf dem Devisenmarkt, die am Montag kur; nach der Ausnahme des Verkehrs einsehle, hat sich seil dem verschärft, so daß das Pfund Sterling gestern mit 83,10 eröffnete. Arn Nachmittag besserte sich dec Frank ein wenig, was jedoch nicht von nachhal­tiger Wirkung war. Zum Schluß notierte das Pfund 83%, der Dollar 18,60.

Nene französische Botschafter.

wtb Paris, 20. August. (Tel.) Nach dem Echo de Paris" soll die Absicht bestehen, den ehe­maligen Innenminister M a l v i, der bekanntlich im Sommer vorigen Jahres aus der Verbannung zurückkehrte, zum Botschafter in Madrid zu er­nennen. Das die übrigen Posten anlange, so scheine herriot noch keine feste Absicht zu haben, cs sei jedoch von Leon Blum als Nachfolger des Grafen Aulaire in London die Rebe.

Wie derTemps" mitteilt, werden Minister­präsident Herriot und der Marineminifter Dumes- nil den großen Seemanövern beiwohnen, die gegen den 10. Sept, bei Korsika stattfinden und ungefähr 14 Tage dauern sollen.

Marokko.

Nach einer HavaSrneldung aus Madrid versichert eine offiziöse Kundgebung, daß die Lage in Marokko sich ziemlich gebessert habe. Die militärischen Anstrengungen würden fortgesetzt, um die Rebellen zu vernichten und zu einem dauernden Frieden zu kommen.

Vie -mische Nordmark

Von einer besonderen Seite schreibt man uns:

Von bestimmten Seiten wird andauernd ver­sucht, die schleswigsche Frage zu einer außen­politischen Angelegenheit zu stempeln. Die Folge ist, daß nun bereits der gesamte Norden alarmiert worden ist. Erst in diesen Tagen wieder hat das große schwedische BlattAftonbladet" in Stockholm wieder einen besonderen Korresponden­ten nach Nord- und Südschleswig entsandt, der den Dänen in ihrer Gesamthaltung Recht gegeben hat.

Selbstredend kann für eine deutsche Beurteilung der Grenzfrage, und namentlich der der dänischen Minderheit gegenüber einzuschlagenden Politik, die Auffassung in einem dritten Staat nicht entscheidend sein. Aber es handelt sich in diesem Falle um Schweden, das besonders in all den letzten für Deutschland so schweren Jahren Deutschland in so besonders herzlicher und freundlicher Weise zur Seite gestanden hat. Gewiß wird kein ernsthafter Schwede behaupten wollen, daß Deutschland es gegenüber Dänemark am guten Willen habe feh­len lassen. Aber tatsächlich ist die Sachlage ja im Norden ganz besonders kompliziert, so sehr man auch von deutscher Seite gerade Dänemark gegen­über eine baldige endliche Ordnung der brennen­den Fragen wünscht.

Zunächst hätte man eigentlich auf eine glück­liche Lösung hoffen können; denn bereits im Herbst 1918 erklärte Deutschland sich bereit, die dänische Grenze im Einvernehmen mit Dänemark zu lösen.. Dann kam der unglückselige Zusammenbruch, der Dänemark veranlaßte, die Grenzfrage im Zusam-, rnenhang mit Versailles aufzurollen. Während bis' dahin eine endgültige Lösung möglich gewe­sen wäre, fällt ja nun, selbst den allerbesten Willen der deutschen Republik vorausgesetzt, die Grenz- frage im Norden mit Deutschlands Gesamtprotest gegen Versailles zusammen, aus dem Deutschland einige Stücke einfach nicht herauslöfen kann. Don besonderen, gegen Dänemark gerichteten Angriffs­absichten, wie man es hier und da neuerdings in der schwedischen Presse dargestellt fand, kann also garnicht die Rede sein. Uebrigens hat gerade diese Seite der Frage erst kürzlich der an der schwedischen Lund tätige dänische Theologieprofessor Dr. theol. Edv. Lehmann, von Berlin her ein Kenner und Freund Deutschlands, in skandinavischen Blättern ausführlich und klar beleuchtet, vielleicht doch noch mit zu starker Unterstreichung der Konfliktsgefahr für Dänemark. Aber auch er hätte lieber die Ver­folgung der direkten Wege gesehen. Jedenfalls muß es doch Dänemark beruhigen, daß kein ver­ständiger Deutscher einen solchen Konflikt sucht oder wünscht. Und gar für die Bildung f r e t ro i l' liger Korps gegen eine Einbruchsgefahr von Deutschland her liegt gar keine Veranlassung vor. Bei dem ungemein ruhigen Temperament der, Dänen wird die Ausstellung solcher übrigens auch unmöglich sein, jedenfalls in einigermaßen nennes- roertem Umfang. Die dänische Volksmehrheit wünscht Frieden und Abrüstung und keine Geste, die herausfordernd wirken muß.

Ein anderes ist das Verhalten Preu­ßens der dänischen Minderheit in Schleswig gegenüber. Rechnet man die 1500 schleswigschen Auswanderer ab, die in Holstein dä­nisch gestimmt haben, so bleiben für Süd- und Mittelschleswig etwa 7000 dänische Stimmen bei der letzten Wahl übrig. Unter ihnen befinden sich aber zahlreiche, die deutfche Heimsprachehaben. Die Forderungen dieser Minderheit aber erstrecken sich doch gerade auf das kulturelle Gebiet, also namentlich dänische Sprache in Kirche und Schule. Ein Anfang ist gemacht. Die Dänen haben, was sie früher nicht hatten, zwei, ganz gewiß kleine, Volksschulen in Flensburg und sie können unge­hindert ihre große neue Privatrealschule, ihre Sprachkurse und ihre Gemeinde in Flensburg bauen und pflegen.

Gewiß, auch da gibt es Schwierigkeiten. Aber diese liegen zumeist eben darin, wo man das Recht auf die Benutzung dieser Ein­richtungen abgrenzen soll. Es sind auch da bereits beachtliche und auch von dänischer Seite als Fortschritte begrüßte Vorschläge gemacht, denen zufolge alle die Familien ohne Unterschied der Heimsprache in ein Kataster aufgenommen werden sollen, deren wenigstens e i n Glied, entweder also wenigstens Mann oder Frau, in Schleswig gebür­tig sein soll. Ob es dahin kommt, ist noch unge­wiß, aber es zeigt sich doch wenigstens der W i l le nach weitherzigster Auslegung des Rechtes von deutscher Seite.

Die Dänen, die ja aus dem Frieden in den Frieden tarnen bei Uebernahme Nordschleswigs und die ganz gewiß der deutschen Minderheit nach besten Kräften gerecht zu werden versuchen, muffen bedenken, daß Deutschland tausend brennende Existenzfragen gleichzeitig lösen soll, die obendrein die Volksstimmung beständig verschärfen. Jeden­falls ist alles Wesentliche in der Angelegenheit eine rein innenpolitische Frage, die gelöst werden soll und wird. Und selbst die Berührung mit der Außenpolitik hinsichtlich der Anerkennung der Grenze, die doch auch von deuffcher und preußi­scher Seite wiederholt als gesetzlich festliegend er­klärt worden ist, läuft letzten Endes auf innenpoli­tische Probleme hinaus, was man auch außerhalb Deutschlands bei ruhiger Ueberlegung wird erken­nen und würdigen können.

Arbeilslosigkeik in England.

wtb London, 20. Aug. (Tel.) Die Zahl der Arbeitslosen Hot in der letzten Woche beträchtlich z n g e n o tn m e n. Sie beträgt 1091 700, bau sind 11 466 mehr als am 4. August.