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Zuldaer Zeitung
Zur Unterhaltung.
Die <7er am Feind.
Es sind in diesen Tagen 10 Jahre her, das das Fnldaer g. Kurhessische Feldartillerieregiment 0tx. 4 7 zuerst dem kriegerischen Ernstfall gegenübertrat und die Feuertaufe erhielt. In der von Major R. ll h d e >herausgegebenen Regiments-Geschichte wird über diese Aage folgendes berichtet:
Am 7. August wurde dem Generalkommando die MlLung übersandt, daß das Regiment mit 2 leichten Munitionskolonnen, 1 Jnfanterie-Munitionskolonne und | Artillerie-Munitionskolonnen marschbereit sei. Die Batterien hatten noch reichlich Zeit gefunden, um in Üebungsmärschen, Geschützxerzieren und Scharffchiehen die neu zusammengestellten Bespannungen und Bedienungen einzugewöhnen.
Ja der Zeit vom 8. August vormittags bis zum 8. August abends fuhren die Batterien mit leichten Kolonnen ab. Am 9. und 10. August wurden sie in Bleialf in der Eifel ausgeladen.
In der Gegend um Bleialf verblieb die 22. Division, der das Regiment auch kriegsgliederungsgemäß unterstand, bis zum 17. August. Die Ungeduld stieg aufs höchste, denn Niemand konnte flch erklären, warum der Vormarsch nicht angetreten wurde. Aengstliche Gemüter fiirchteten schon, die Franzosen könnten während dieser Wartezeit einen erhebüchn Vorsprung gewinnen. Lüttich war bereits am 7. August in überraschendem kühnem Draufgehn genommen worden. Worauf wartete man »och?
Unsere Wartezeit war durch den Aufmarsch und den Feldzugsplan begründet. Die Oberste Heeresleitung erstrebte eine weitausholende Umfassung des Nordflügels der französischen Armee. Vom rechten Flügel ab gezählt sollten die 1., 2., 3., 4. Armee durch Belgien zunächst in westlicher Richtung vormarschieren, um sodann nach Siwwesten und schließlich nach Süden umfassend einzu- schwenken. Deshalb mußten die am weitesten nördlich angesetzten Armeen einen erheblichen Borsprung haben. Hieraus entstand für die 3. Armee, der das 11. Armeekorps zugeteilt war, die Wartezeit im Grenzgebiet. Als wir endlich am 18. August den Vormarsch antraten, waren die 1. und 2. Armee schon weit in Belgien eingerückt.
Der Befehl zum Vormarsch am 18. August wurde so spät nachts ausgegeben, daß die Batterien, zum Teil ohne füttern und tränken zu können, abrücken mußten. Es hat sich leider ja sehr oft wiederholt, daß den Truppen die nötige Zeit für die Weitergabe der Befehle, für die Vorbereitungen zum Abmarsch und den Anmarsch zur Versammlung nicht blieb.
Das Regiment bezog am 18. Aug. mittags in der Gegend von Fraiture Ortsbiwak und marschierte am 19. August bis Durbuy und Barvaux. Durbuy ist im tief eingeschnittenen Tal der Ourche sehr malerisch gelegen. lieber die heimtückische Haltung der belgischen Bevölkerung wurde manchereli berichtet. Dem Regiment blieb es glücklicherweise erspart, gegen die Bewohner ein» schreiten zu müssen. Wir wurden zwar überall zurückhaltend, aber nirgends feindseüg empfangen. Es mag fein, daß die Strenge der vorausmarschierenden Truppen bereits ihre Wirkung ausgeübt hatte. In einigen Dörfern gaben niedergebrannte Höfe Zeugnis, in welcher Weife belgische Gewalttätigkeiten geahndet waren.
In der Nacht vom 19. zum 20. August erfuhr das Regiment zum ersten Male näheres über den Feind und erhielt gleichzeitig seine erste Aufgabe des Krieges. Feindliche Kräfte hielten die Festung Namur und das Westufer der Maas südlich Namur über Dinant und Gioet besetzt. Das 11. Armeekorps sollte mit dem 9. Reservekorps und Garde-Reservekorps Namur angreifen. Der Vormarsch wurde noch in der Rächt angetreten. Starke Stockungen traten während der Versammlung ein, da mehrere Truppen verspätet anrückten. Um 7 Uhr vormittags ließ der kommandierende General Exzellenz v. Plüskow, in Ohey die Truppen an sich vorbeimarschie- ren. Um die Mittagszeit standen die Abteilungen bereits in Lauerstellung am Bois de la Iustice, 4 Klm. vom Fort Maizeret entfernt. Die Stellungen waren für eine Mitwirkung wenig geeignet, es sollte vielmehr aus ihnen nur das Vorgehen der Infanterie gesichert werden, bis diese Fühlung mit den feindlichen Zwischenstellungen gewonnen haben würde. Dom Feinde war nichts zu sehen. Nur der hohe Aufriß und die regelmäßig aus ihm sich aufwölbenden Panzerkuppeln des Forts Maizeret hoben sich in fast unwahrscheinlicher Deuüichkeit ab. Das Werk glich in seinen auffälligen Formen einer Scheinanlage. Ein kurzes Aufblitzen, eine plötzüch hochgehende Rauchsäule, ein Saufen und Zi-
Empor!
Roman von Otto Elster.
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»Ach, so schlimm ist das gar nicht! Der Doktor hat mir alles erklärt und zuletzt hatte ich gar keine Angst mehr vor all den schrecklichen Dingen. Mein Freund, Eugen Asthufen, und ich, wir oerwellten sogar sehr gern in diesem Zimmer, wo wir, wenn der Doktor fort war, unsere kindischen Spiele spielten."
»Das wäre mir uumMich!" ,
»Man gewöhnt flch daran", fuhr Ingrid lachend fort.
»Wenn ich nur den Eugen, meinen Jugendfreund, einmal Wiedersehen könnte! . Er war ein Reber Junge, nur scheu und zurückhaltend. Papa sagte mir, daß er die Universität beziehen würde. Vielleicht ist er schon abgereist, das wäre schade. Dadurch, daß ich in den Ferien nicht nach HaiHe kam, haben wir uns lange nicht gesehen. Doch jetzt komm ins Haus, Edtch, wir müssen uns fertig machen zur Ausfahrt!"
Arm in Arm entfernten sich die beiden Mädchen. Re- gumgslos stand Eugen da und schaute verstohlen durch die Lotte den schlanken Gestalten nach. —
Den ganzen Tag ging Eugen wie betmärf umher. Er sah nur immer die schöne Erscheinung der Jugendfreundin vor sich, das liebliche Antlitz, die blonden Haare, und doch wagte er sich nicht mehr in den Garten aus Schm, ihr wieder zu begegnen. Er sehnte ßch nach ihr und fürchtete doch ein Wi dersehen.
Am Abend kam dann noch eine große Ueberraschung. Kommerzienrat Sommerfeld war zum „Geheirnn" ernannt worden, und diese Ehrung wollte er durch eine kleine Festlichkeit in seiner Villa feiern und lud den Doktor Asthusen, Tante Barette und Eugen dazu ein.
»Für mich kannst du gleich absagen," sprach Tante Dorette mürrisch. „Ich.paffe nicht in die Gesellschaft, habe auch kein geeignetes Kleid dazu."
„Dummes Zeug", erwiderte Ismael ärgerlich. „Dir tut es ganz gut, wenn du mal aus deiner Höhle heraus und unter Menschen kommst. Zieh nur dein Schwarz- seidenes an, das genügt."
„Ach, das alt« Fähnchen!" machte Dorette verächtlich.
»Dann kaufe ich dir ein neues! Aber ab sagen werden wir nicht. Ich dulde das einfach nicht!"
Gegen die energische Bestimmung Ismaels gab es keinen Widerspruch, wollte man ihn nicht reizen. Deshalb fügte flch nicht. nur Tante Dorette, sondern auch ßugen, der zwischen Zweifel, Angst und freudiger Er-
schen und dumpfer Knall zeigten aber den anfangs Ungläubigen, daß wir tatsächlich das Fort uns gegenüber hatten. Feldküchen der Infanterie waren unvorsichtig über die vor uns liegende Höhe gefahren und hatten dadurch das Feuer des Forts herausgelockt, das wir nun über uns ergehen lassen mußten. Der erste Feuerfegen dauerte aber nicht lange und richtete glücklicherweise keinen Schaden an. Die Geschosse, anscheinend 15 Zentimeter, gingen in den hinter uns liegenden Wald und krepierten meistens nicht. Zu einer weiteren Gefechtstätigkeit kam es an diesem Tage nicht. Die Batterien wurden mit Einbruch der Dunkelheit zurückgezogen, da für diese Nacht keine Verwendung für sie bestand.
Auch am 21. August fiel dem Regiment noch keine besondere Aufgabe zu. Cs mußte zunächst die Wirkung der schweren Artillerie abgewartet werden, ehe die Infanterie und Feldartillerie in Tätigkett treten konnten. Umsomehr hatten wir Gelegenheit, das Schießen und die Wirkung der schweren Batterien zu beobachten. Besonders die österreichischen 30,5 Motor-Mörser erregten unser aller Bewunderung. Gewaltig waren die mächtigen Rauchsäulen anzuschauen, die die trefflichen Aufschläge in den Forts hervorriefen.
Die 2. Abtellung wurde am 21. August zur Verfügung der 22. Division bei Haltinne bereit gehalten, während die 1. Abteilung mit der 13. Infanterie Brigade zum Schutz der linken Flanke nach Grande Commune abrückte.
Am 22. August verblieb die 1. Abteilung in ihrer Flankenschutzstellung bei Grande Commune. Die 2. Ab- teilung wurde von Haltinne aus um etwa 8 Klm. nach Westen vorgenommen in die Gegend von Chateau d' Ar- ville, um von dort aus eine feindlich» Feldbatterie unter Feuer zu nehmen, die die Flanke unserer allmählich vorfühlenden Infanterie stark belästigte. Die Batterie hatte jedoch bereits vor Einsatz der 2. Abteilung ihre Stellung verlassen ud war auf allzuweite Schußentftr- mmg abgefahren. Die Stellung bei Chateau d' Arville zeigte aber, daß von dort aus ein vorzüglicher Einblick in die feindlichen Zwllchensteüungen zwischen den Forts d' Andoy und Maizeret zu gewinnen war und daß beim späteren Jnfanterieangriff in diesem Abschnitt das Regiment seine Aufgabe aus dortigen Stellungen besonders wirksam würde lösen können.
Da diese Tätigkett aber frühestens für den andern Tag bevorstand und vorläufig nur ganz schwache Infanterie vorgeschoben war, wurde die 2. Abteilung für die Nacht zurückgezogen.
Am 23. August gab die Division den Befehl zum Angriff auf die Zwischenstellung und das Regiment rückte um die Mittagszeü in die tagszuvor erkundeten Stellungen bei Chateau d' Arville und Mont Sie Marie ein, nachdem der Division nochmals mündlich über die günstigen Wirkungsmöglkchketten Bericht erstattet war. Die feindlichen Stellungen lagen am Waldrande von Limoy, 3000 Meter von unfern Batterien entfernt Sie hoben sich mit ihrem frischen Erdaufwurf in ganz auffallender Weise vom dunklen Waldhintergrunde ab. Häufige Bewegungen verrieten starke Besetzung, zeigten aber auch, daß die Gräben nur flach ausgehoben waren. Da unsere Infanterie noch nicht auf Angriffsentfernung herangegangen war, begnügten sich die Batterien zunächst mit Ermittlung der Entfernung und einem schwachen, niederhaltenden Feuer. Der Tag ging bereits zur Neige, ohne daß die Infanterie sich den feindlichen Stellungen mefent- lich genähert hätte. Da traf 8 Uhr abends von der Division die Nachricht ein, daß Fort Maizeret gefallen fei und gleichzeitig der Befehl, daß die 44. Infanterie- Brigade die Zwischenstellungen zwischen den Forts d' Andoy und Maizeret angreifen sollte. Für ein beobachtetes Wirkungsschießen blieben leider nur noch wenige Minuten. Es begann begann bereits zu dämmern. Umso kräftiger wurde die Feuergeschwindigkett unserer Batterien gesteigert. Nach etwa einer halben Stunde wurde das Feuer abgebrochen. Die Wirkung, die wir zwar erst am anderen Vormittage an Ort und Stelle feststellen konnten, war erschütternd. Eine Unmenge Toter und Schwerverwundeter füllten die so auf- fällig und fehlerhaft angelegten Gräben. Eine Masse von Gewehren, Tornistern, Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken, Eßnäpfe, Geschirr, Geldkassen lagen m und um die Gräben verstreut und gaben mit den blutigen Verlusten ein schauerliches Bild der Panik, das die vom Feuer überrafdjte und aus der Nachttuhe aufgescheuchte Besatzung ergriffen haben mutzte. Mit insgesamt 500 Schuß unseres Regiments war diese Wirkung erreicht. Sie war haupffächlich unseren leichten Feldhaubitzen und ihren vorzüglichen Geschossen zu verdanken. Als unsere Infanterie in die feindlichen Stellungen teils noch in der Nacht, teils am anderen Morgen eindrang, hatte
Wartung hin» und herfchwcmkte. Er hätte gerne abge- lehnt, dennoch hegte er den Wunsch, Ingrid wiederzu- sehen. Nur sehen, — sich an ihrem Anblick erfreuen, wie an etwas Schönem, Herrlichem! Richt die alte, kindische Bekanntschaft wieder aufwärmen mtt all ihren Toch'iten, beren er sich jetzt schämte Wie würde sie, die jetzt eine erwachsene Dame war, über ihn lachen, wenn sie an düese Kubische Freundschaft dachte Er sah sie schon umschwärmt von der jungen Herrenwelt der Stadt, denn ihre Schönheit mutzte überall auffallen. Bei diesem Gedanken wurde ihm ungemütlich, so daß er heimlich die Fäuste ballte. Denn was war er denn gegenüber diesem Mädchen, das hohe Ansprüche zu stellen berechtigt war! Noch nicht einmal Student, und es mußten noch Jahre vergehen- Jahre der Arbeit und des Strebens, ehe er es zu etwas bringen konnte. Und bann — stammte er nicht aus der alten, verachteten Fronfeste, war er nicht ein Nachkomme eines einst gemiedenen Geschlechts? Waren nicht seine Eltern im Elend an der Landstraße umgekommen? War sein Vater nicht ein Landstreicher, ein Bettler gewesen, der ohne des Doktors Dazwsschentreten nicht einmal ein ehrliches Begräbnis bekommen hätte? Durste er, der Sohn solch verkommener Eltern, es jemals wagen, sich unter die vornehme Gesellschaft zu mffchen? Würde man ihm nicht überall die Türe weisen, wenn man erfuhr, wer er war?
Die Villa Sommerfeld erstrahlte im Glanze der vielen Lichter, die einen warmen, behaglühen Schern verbreiteten. Im großen Saal, der prächtig mit Blumen geschmückt war, sollte getanzt werden, während man das Esten m den kleinen Nebenräumen enmcchm. Eine Schar von Dienern war engagiert worden, die geräuschlos die Speisen auftrugen und die Gäste versorgten. Fast als die letzten erschienen Doktor Asthusen mit Dorette und Eugen.
Aller Augen wandten sich der kraftvollen Gestalt des bekannten Arztes zu, der es durch eigene Kraft zu der angesehenen Stellung in der Stadt und deren Umgebung gebracht hatte. Tante Dorette können eigenlich nur wenige, sie kam kaum mit jemand m Berührung. Eugen beobachtete man weiter nicht. Er verschwand in dem Schwarm der jungen Herren.
Der Geheimrat Sommerfeld hatte den Doktor kaum erblickt, als er hurtig auf ihn gutem und ihm die Hand schüttelte.
„Da sind Sie ja, bester Herr Doktor, und Sie, mein liebes Fräulein! Darf ich Sie zu meiner Frau führen?" Frau Amalie, in einem grauseidenen Kleide, von Spitzen überrieselt, sah umringt von den ersten Damen
kein feindliches Gewehr mehr gefeuert Rur vom Stöhnen der Verwundeten wurden die Angreifer empfangen. Ein noch während der Nacht vom Jnf.-Regt 32 gegen das Fort d' Andoy angesetzter Angriff mißlang aber, da dott die Nahkampfgeschütze noch feuerbereit waren. Das Regiment verblieb Nachts in feiner Stellung, da eine Verfolgung während der Dunkelheit zwecklos gewesen wäre.
Am 24. August wurden die Slbteilungen in aller Frühe nach Limoy vorgezogen. Hier konnten wir die grausige Wirkung unseres Feuers vom vergangenen Abend besichtigen. Es gatt nun, das Fort d' Andoy zu nehmen, das zwar bunt) die schwere Artillerie erheblich zusam- mengeschoffen war, dessen Nahkampfgeschütze aber noch unter unversehrten Panzerkuppeln gefechtsfähig standen.
Während die 1. Abtellung mit dem Infanterie-Regiment 167 nördlich herumgriff, um beim späteren Infanterie-Angriff gegen die Kehle des Werkes wirken zu können, ging die 2. Abtellung in der Nähe von Limoy gegen die Ostfront des Forts verdeckt in Stellung. Der Führer der 4. Batterie, Hauptmann Reinbach, brachte es fertig, die Geschütze seiner Batterie bis in Hecken und Trümmer des Dorfes Limoy vorzuschieben, wo sie sich geschickt versteckt aufstellten, aber doch offen richten konnten. Hier standen die Geschütze nur 800 Meter vom Fort entfernt. Die Panzerkuppeln der Nahkampfgeschütze waren sogar mit bloßem Auge genau zu erkennen. Jeder Geschützführer erhielt eine feindliche Panzerkuppel als Ziel zugewiesen. Sorgfältig wurden die Geschütze ein- grrichtst. Dann begann 10,20 vormitagts überraschend das wohlgezielte gefchützweise Feuer. Bqld waren die Geschütze so gut eingeschossen, daß fast jeder Schuß auf den Panzer k uppeln lag. Ilm 10,55 vormittags ging plötzlich auf einem Panzerturm ein weißes Tuch hoch. Es wähtte geraume Zeit, bis dies unerwartete Zeichen als Signal der Uebergabebereitschast erkannt war. Das Feuer wurde abgestoppt. Nun flatterte das Tuch freier und höher, deutlich erkennbar. Auf Befehl des Artil- lerie-Brigadekommandeurs ritten unter lautem Hurra der Obermusikmeister. Sandow und Vizewachtmeister Jakoby vom Regimentsstabe zum Fott, das ihnen der Kommandant übergab. Er erklärte, daß die mit unheimlicher Treffsicherheit auf den Kuppeln krepierten Feldhaubitzgeschosse einen solch unerträglichen Qualm und Gestank in das Innere der Türme gedrückt hätten, daß eine Bedienung der Nahkampfgeschütze, der einzigen noch feuerbereiten Waffen, nicht mehr möglich gewesen wäre. So brachte die 4. Valerie das Fort d'Andoy zu Fall und öffnete damit vollends den Eingang in die Festung Namur. Der Infanterie waren fast jegliche Verluste erspart geblieben. Aus den Waffenbeständen des Forts d' Andoy nahmen die Batterien noch eine größere An zahl Karabiner mit, um für den Nahkamps besser gerüstet zu sein. Sie sollten uns später noch von großem Nutzen werden.
Zum Wellermarsch kam es an diesem Tage nicht mehr, da zunächst neue Uebergänge über die Maas geschaffen werden mußten. Die Abteilungen gingen in und um Loyers zur Ruhe über.
Am 25. August wurde am späten Vormittag der Vormarsch angetrelen. Das letzte Fort der Festung, Fott de Dave, war zwar noch nicht gefallen, aber es ließ sich nordwärts mngehen. 2tuf der Marschstrahe durch das Maastal und die Stadt Namur sahen wir die Spuren der zücht- und regellosen Flucht der belgischen Truppen. In ungeheurer Zahl lagen Gewehre und andere Waffen, Munition und Ausrüstungsstücke verstreut. Umge= stürzte Wagen, tote Pferde versperrten den Weg. Besonders fielen die vielen fortgeworfenen Uniformen auf, die anscheinend die Soldaten während der Flucht mit Zivilkleidern vertauscht hatten. Häufig stockte der Marsch, bis wir endlich um küe Mittagszeit die schnell hergeflellte Schiffsbrücke über die Maas überschritten. Erst 9 Uhr abends wurde m der Gegend von Furnaux Biwak bezogen. Vor 11 Uhr nachts bekamen die Batterien, denen ja damals leider noch die Feldküchen fehlten, nichts zu essen.
Am 26 August sollte der Vormarsch in Richtung Phllippeville am Vormittage fortgesetzt werden. Lor dem Abrücken kam aber Gegenbefehl, der von allen möglichen Gerüchten begleitet war. Den ganzen Tag verblieb das Regiment auf den Biwaksplätzen. Es war inzwischen bekannt geworden, daß das ganze 11. Korps nach dem Osten abbefördert werden und gegen Rußland kämpfen sollte.. Am Abend wurde der Marsch zu den Verladebahnhöfen eingeleitet und am 31. August erfolgte die Verladung nach dem Osten.
der Stadt fast teilnahmslos da, als ginge die ganze Sache sie gar nichts an. Sie sah müde und gebrechttch aus, man merkte ihr den Zwang an, sie gab sich kaum die Mühe, ihn zu verbergen. Die Damen schienen das nicht zu bemerken, denn sie übertrafen sich in Schmeiche- leien, die ihrem Reichtum galten. Sie reichte Ismael die feine, nervöse Hand, Dorette wurde mit einer fläch- figen Neigung des Kopfes abgefunden, dann war für sie die Vorstellung „dieser Leute" erledigt. Auch die anderen Damen beachteten Dorette kaum, bis auf die gutmütige Oberförsterin, die sie einlud, neben ihr Platz zu nehmen. Da blieb Dorette den ganzen Abend fitzen und starte mit finsteren Augen in das bunte Gewühl der geladenen Gäste; sie fühlte sich fremb und unbehaglich und bereute es tief, mitgetommen zu sein. Sie wünschte sich zurück in ihr stilles, einsames Zimmer in der alten Fronfeste.
Ismael fand schnell einige Herren, mit denen er bald in ein Gespräch vertieft war.
Plötzlich flatterte die schlanke, zierliche Gestalt eines jungen Mädchens auf ihn zu.
„Onkel Doktor, endlich finde ich Sie! Wie schön, daß Sie gekommen sind!" rief sie lachend.
„Alle Wetter!" rief der Doktor ehrlich erstaunt von der Schönheit des jungen Mädchens. „Fräulein Ingrid! Sind Sie aber groß und hübsch geworden! Na, da muß ich nun schon gnädiges Fräulein sagen."
„Ach nein, Onkel Doktor! Ich bin dieselbe geblieben, die ich früher war! Was macht denn das menschliche Gerippe in Ihrem Zimmer, vor dem ich mich als Kind immer so fürchtete?"
„Das steht noch am alten Platze und wartet auf Ihren Beftch."--
„Ich werde nächstens einmal kommen! Aber «ich sehe Eugen nicht. Ist er nicht mitgekommen?"
„Ja, fteiiich! Wo steckt denn der Junge? Hat er Sie noch gar nicht begrübt? Das verstehe ich nun wirklich nicht!"
„Ich werde ihn suchen. — Da ist auch meine Freundin, Miß Edith Rumsield aus St. Louis."--
Die Amerikanerin verbeugte sich leicht. Der Doktor reichte ihr die Hand. *
„Wie gefällt es Ihnen in Deutschland, Miß Rum- field?"
„O, sehr gut, es ist sehr schön hier!"
„Run, das freut mich!"
Die Unterhaltung wurde unterbrochen, weil f eben der Tanz begann. Lachend und plaudernd flatterten ite Mädchen hrnnn.
! Nr. m vom 17. Äug. 1924. | ■
Der Dichter der Zobfiade.
Zum 100. Todestage.
Am 15. August 1824 starb in Bochum der Hoftat Dr. Karl Anton Kortüm, der Verfasser der „Job- stade". Noch heute sind aus dieser satirisch-humoristischm Dichtung, die schnell erweiterte Verbreitung sand, wie Ipäter die Dichtungen Wilhelm Buchs, noch einige Verse, z. B. die von dem Examen des Kandidaten Jobs, über das sich „allgemeines Schütteln des Kopfes" erhob, als geflügelte Worte bekannt.
Die Wiederkehr des 100. Todestages des Dichters wird wohl diesen oder jenen veranlassen, sich noch einmal eingehender mit dem Büchlein zu befassen, in dem in unübertroffener Meisterschaft die Zeit- und Kulturverhältnisse geschildert sind.
Kortüm wurde am 8. Juli 1745 in Mühlheim an der Ruhr als Sohn eines Apothekers geboren und widmete sich nach dem Besuche des Gymnasiums in Dortmund dem Studium der Medizin. Nach der ärztlichen Ptti- fung ließ er sich zunächst in Duisburg nieder, fiedelte eher bald von dort nach Bochum über, das feine zweite Heimat wurde und wo er bis zu feinem Tode gelebt hat. Die Stadt hatte damals 1500 Einwohner, und die kleinen spießbürgerlichen Verhältnisse, die der Dichter- Arzt dort kennen lernte, reizten ihn zu scharfer Beobachtung, die in der Jobsiade ihren Niederschlag fanden. Der Kandidat Jobs, der nach leichssinnig durchlebter Stu- dentenzeit das Examen nicht besteht, ist der Typus des beschränkten Philisters. Mancherlei Abenteuer, die die kulturellen Zustände der Zeit, dichterisch übertrieben, aber doch scharf und treffend wiedergeb^n, hat der arme Hieronymus zu bestehen, bis er als Nachtwächter zu Schildburg ein Amt findet, das ihm für den Rest feines Ledens Ruhe und friedliche Arbeit gab.
„Vorn, hinten und in der Mitten, geziert mit schönen Holzschnitten" ging das Büchlein im Jahre 1784 hinaus. Sein Verfasser gab ihm einige Wünsche mit auf dey Weg, die sich auch erfüllt haben:
Nu» mein Büchlein, ich wills nicht hindern. Geh ohne mich zu den Menschenkindern; Manches Büchel, nicht besser als du. Eilt ja jährlich den Messen zu.
Der Himmel wolle dich fein lange bewahren, Vor Kritiken, Motten und Fidibus Gefahren Und was etwa noch fönst für Not Denen gedruckten Büchlein droht.
Allen und jeden, die lesen und bezahlen, Melde meinen Gruß zu tausend Malen, Und jedem hochverehrten Herrn Recenfent Vermelde insbesondere mein Kompliment.
Sag ihnen, doch demütig, wie sich's gebührt S' hätten gepriesen und gerencenfiret Manches geringe Büchlein hoch. Viel elender geschrieben als du noch.
Der Erfolg seiner „Jobsiade" bestimmte den Dichter, noch einen zweiten und dritten Teil folgen zu lassen, die aber die Schönheit und Gestaltungskunst des ersten nicht erreichen konnten.
Das damalige Leben der Gelehrten, Pedanten, Spießbürger und Philister zieht in Bildern, die die lächerliche Steifheit und Dünkelhaftigkeit humorvoll widerspiegeln, vorüber, denn „wo ich Dünkel und Bosheit fand, gab ich wohl einen Hieb en passant". Doch nicht nur zur kurzweiligen Lektüre hat Kortüm die Dichtung geschrieben, er verbindet mit ihr auch erzieherische Absichten. Er will die Menschen, indem er ihnen ihre Torheiten im Spigel zeigt, bessern, er will sie anders machen, deshalb sagt er ihnen so deutlich und oft so derb die Wahrheit.
Der Dichter, der so vielen durch seinen Humor manche heitere Stunde schenkte, hat selbst die letzten Jahre seines Lebens — ähnlich wie Wilhelm Busch — als verbitterter und lebensmüder Mann verbracht, bis ihn der Tod von schmerzlichem Leiden erlöste.
Die deutsche Dichtkunst sst arm an Humoristen. Der schwere Ernst des Lebens hat im deutschen Lande die heitere Dichtungsgattung, deren erfrischende und erhebende Wirkung auf Geist und Gemüt jedem so notwendig ist, nur spärlich auf kommen lassen. Umsomehr verdienen die wenigen Großen im Reiche dieser freubig» lächelnden Muse liebevolle Wertschätzung.
Weilläufige Bekanntschaft. „Sie nahmen den Hut vor dem jungen Mädchen ab. Kennen Sie es denn?" — „Nein! Mein Bruder kennt es, und dessen Hut habe ich heute auf."
Ein nachdenklicher Zug legte sich auf Ismaels aus- drucksvolles Gesicht. Er sah sich nach Eugen um, konnte ihn aber nirgends entdecken.
Eugen stand in einer Fensternische, halb verdeckt von der schweren Gardine und starrte wie verzaubert auf das bunte Bild des Tanzsaales Aber er sich keine Einzelheiten, keine der anmutigen, m duftige Spitzen und Seide gekleidete junge Damen, die vorüberhuschten. Seine Augen hingen nur an der einen schlanken Gestalt im weißen Kleide, bereit leicht erregtes Antlitz von blonden Locken umwallt war, deren blaue Augen m harmloser, kindlicher Fröhlichkeit strahlten. Er konnte sich vcm dem Anblick nicht losreißen. Er sah nichts anderes. Er stand da wie in einem Zaubermärchen, das ihn ganz gefangen nahm und ihn völlig umstrickte. Und plötzlich stand Ingrid vor ihm, er wußte nicht, wie es gekommen mar, Er starrte sie an wie eine Erscheinung, während ihm das Blut stürmisch zum Herzen wallte, daß er kaum zu ahnen vermochte.
(Fortsetzung folgt.)
Heischbrüh-Würfel
MAGGI*