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Sonntag, 17. August 1824.

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auf gefiebert, vielmehr muß er neu, und zwar fester be­gründet werden. Denn ohne ihn erscheint eben em wirk, sicher Wiederaufbau als unmöglich. Darüber sind sich ote Berufenen im beiderseitigen Lager, die Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, klar. Diese Gemeinschaftsarbeit kann aber doch noch so viele Worte und schristliche Darlegungen nicht vermitteln, sondern sie muß durch die Tat erarbeitet werden. Wenn in letzter Zeit soviel geredet worden ist von der Notwendigkeit vonmehr wirischastlicher Lin- sicht," die allein zur Erkenntnis dessen führen könne, was dem deutschen Volke fromme und dieses durch Arbeit zu neuer nationaler Einheit zu führen vermöge, dann muß solche Einsicht bei beiden Parteien des Arbeitsver- träges erstrebt und betätigt werden. In seinem Werke über Kräfte, Ziele und Gestaltungen in der deutschen Jndustriewirtschaft (Jena 1924, Fischer) macht Professor v. Beckerath-Köln darüber eine Reihe treffender Be­merkungen. ., ,, ,

An die Arbeitnehmer vornehmlich gewandt, be­tont v. B. u. a.:Auf die Dauer kann die Regelung der wirtschatflichen Arbeit in einem großen Jndustrieoolke nicht auf einseitiger Machtanwendung und widerwrlli- ger Unterordnung beruhen, selbst wenn die Gewaltpolitik der jeweils überlegenen Partei in einer vorübergehenden politischen oder wirtschaftlichen Konjunktur Erfolg haben mag. Das haben die Arbeiter nach der Revolution und besonders im letzten Jahre erfahren müssen und werden die Unternehmer fühlen müssen, wenn sie nicht frühere Erfahrungen jetzt beherzigen. Politisch imb wirtschaftlich gedeihen Volk und Staat nur dann, wenn die an sich notwendige wirtschaftliche Auseinandersetzung . zwischen Unternehmertum und Arbeiterschaft giemäßigt und geregelt wird durch das Gefühl der gemeinsamen Ver­antwortung gegenüber Volk und Staat, des gemeinsamen Interesses am Gedeihen der Industrie und der mensch­lichen Achtimg vor dem Gegner. Leider hat das deutsche Volk in feinem jungen revolutionären Dasein in diesen Stücken bisher wenig gelernt. Der Einfluß der Männer, die hüben und drüben cm einer solchen Einstellung der Geister arbeiten, ist ein geringer geblieben. Von den englischen Zuständen, wo Arbeiter und Unternehmer in ihren politischen und wirtschaftlichen Kämpfen nicht ver­geßen, daß sie beide Engländer sind und ein ge­meinsames Interesse am Blühen Englands und seiner Wirtschaft haben, sind wir leider noch weit entfernt."

Umgekehrt wäre es vom Standpunkt der Un­ternehmerschaft kaum klug, die Arbeiterschaft durch ein diktatorisches Vorgehen, unter Mißachtung bestehen- der Vertragsrechte, in der falschen Auffassmig zu bestär­ken, daß sie in den Fragen der Lohn- und Arbeitszeft- bemessung lediglich der zeitweilig überlegenen Macht des Unternehmertums weichen müße. Man sollte dem Arbeiter durch die Art, die Verhandlungen in Lohn- und Tariffragen zu führen, nicht den Weg zu der Einsicht ver­sperren, daß ihm nicht die Gewinnsucht der Unterneh­mer, sondern daß ihm die begrenzten volkswirt- schaftlichen Möglichkeiten Verzichte auf manche in der Revolution errungene Vorteile in Arbeitszeitfra­gen, Lohnfragen und andern auferlegen. Auch dürfe die Msimmg nicht auftommen, daß die Arbeiterschaft allein die Lasten der Produktionskostenverbilligung tragen müsse. Unbedingt hätten die Unternehmer durch schärfste Arbeit an der Rationalisierung ihrer -Betriebe, Erspar- nisse in den Werken und in der Organisation ihrer Ver­bände und durch schärfste Kalkulation das ihre dazu bet. zutragen. Allerdings wirkten von allen Mitteln der Dro- duktionskostenoerminderung unter Umständen die Lohn, reduk ti on und Arbeitszeit Verlängerung am schnellsten. Wir müssen alles tun, was die Produkte schnell verbi!, figt, eine schnelle Reduktion der Preise sei im Augenblick Lebensfrage der deutschen Volkswirtschaft, der deutschen Finanzen und der deutschen Währung.

Somit aber das Gestühl für die Notwendigkeit dauern- der Gemeinschaftsarbeit sowohl bei den Arbeitgebern als den Arbeitnehmern erstarkt, müssen die Organisationen künftig auf die ihnen angeschlossenen Mitglieder einen ganz andern, durchdringenderen Einfuß zu ge­winnen suchen, als das bisher der Fall war. Es genügt iftcht, daß die Spitzen der Organisationen guten Willens sind; auch die Mitglieder müssen mit ihnen einer Gesinnung fein und vor allem ihnen auch Gefolgschaft leisten. Nur dann können die Arbeitskämpfe den Charak­ter von Machtkämpfen verlieren; vermag jene industrielle Gemeinschaftsarbeit Patz zu greifen, die zwar nicht den ewigen sozialen Frieden bringt, aber doch den Zugang zu einem solchen. ___

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ArbeiMämpfe v. Gemeinschaftsarbeit.

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Ms eine soziale Großtat ist im November 1918 das Abkmnmen zwischen industriellen Arbeitgeber- und Ar- beitneftnerverbänden über eine dauernde Gemein, schaftsarbeit als Mittel des wirtschaftlichen, sozialen und nationalen Wiederaufbaues des deutschen Volkes gepriesen worden. Diejenigen, die zur Vorsicht im Urteil mahnten und betonten, die Gemeinschaftsarbeit werde ihre eigentliche Probe noch zu bestehen haben, dann, wenn eine Wirtschaftskrise zum harten Prüf­stein wahren, echten Gemeinschastswillens werden würde, haben recht behalten Die Markstadllisierung, die zu- gletd) einen Abbau sozialer Maßnahmen notwendig machte, welche vor allem nach dem Abbruch des pas­siven Widerstandes sowie angesichts her habet erwiesenen völligen Verarmung Deutschlands unhaltbar erschienen, führte eben zu dieser Wirtschaftskrise, in deren Verlaus der Arbeitsgemeinschaftsgedanke und feine formale Verkörperung in der Zentralarbeitsgemeinschaft die Probe nicht bestand.

Der überwiegende Teil der Unternehmer bemühte sich, der Wirtschaftskrise nach der Richtung des gering­sten Widerstandes auszuweichen, und diese schien ihm in der Veränderung der ArbsAsbedLngMgen zu liegen. Umgekehrt suchten die Arbeitnehmer den Stoß durch die Forderung an die Unternehmer nach einer Veränderung der WirtschaftspoMk der Werke, Verbesserung der Be­triebe, staatliche Hilfsmaßnahmen, Erschließung neuer Absatzmärkte zu parieren. Die Arbeitskämpfe, die infolgedessen entbrannten, ließen erkennen, daß Selbst- Herrlichkeit des Unternehmers und partektaktischs Ein­stellung des Arbeitnehmers auch hrrÄe, mehr Äs fünf Jahre nach dem Abschluß des Nooemberabtommens und Begründung der zentralen Arbeit sgemeinschast, noch keine überwundenen Erscheinungen sind. Der ArbeÄs- gemeinschastsgsdcmkie erwies sich nicht als bfndungskrckftig genug, um dte Arbeftskämpse zu verhüten, fetn zentrales Instrument wurde stmnpf, well die Benutzer fehlten.

Und doch darf der Gedanke der zentralen industriellen Gemeinschaftsarbeit unter keinen Umständen

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durch wirtschaftliche und technische Umorgrmrsafion. (An- I Wendung rationeller Methoden, einfache Stillegung total 1 unnsirtscl-aftlicher Betriebe usw.) Erst wem der tote Punkt überwunden ist, der im Ausgleich zwischen Pro­duktion und Kauft rast oder Zahlungsfähigkeit besteht, wird dte Kreditnot verringert. Ein Lichtblick ist insofern gegeben, als das rheinisch-westfälische Kohlensyndikat eine Preissenkung der Ruhrkohlen um 20 Proz. vorgenommen hat. Doch bleibt die Frage offen, ist die Wirtschaft aus sich fähig, die nötigen MittÄ zu einer auf solch breiter Basis begründeten Umorganksation aufzubringen? Auf keiften Fall. Wirtschaftliche und vor allem technische Umschichtungen in diesem Format erfordern längere Zeit und damit enormen Kostenaufwand. Für diesen Zweck wären langbefriftete Auslandsanteihen eine wesentliche Stütze zum wirtschaftlichen Aufbau Deutschlands, vor- ansgesetzt, daß die Verteilung volkswirtschaftlich einwand­frei durchgeführt wird.

Doch darf die Mögllchkeit der Kreditbeschaffung nicht zu der Annahme verleiten, als ob bamit mit der darauf gegründeten Umorganisation dte Kreditfrage an sich end­gültig gelöst sei. Wenn cmch dte Auslandskredste zur Ingangsetzung der deutschen Wirtschast nicht entbehrt wer- den können, so bleibt das Rückgrat jeden wirlfchafllichen Aufstieges doch die eigene Spartätigkeit. Richtig beurteilt hat das der Begründer und Herausgeber des Fmanzarchivs Univ. Prof. Dr. G. v. Schanz, wenn er sagt,daß Kapitalumbildung und überhaupt ein Aufstieg der Volkswirtschaft zum größten Teil durchSparen", durch Verwendung des Ersparten zur Produktion und Erwerb erzielt werden könne". Es ist so für jeder- mann einleuchtend, daß hierzu heute wichtige Voraus­setzungen gehören, wie vor allem eme allgemein günstige Besoldungspolitik, denn dte Beamtenschaft und besonders ttie mittleren und unteren Beamten und die Arbeiter waren es, die vor dem Kriege durch ihre Spareinlagen in der Gesamtzeit unser Dolksvermögen in erster Linie beeinflußten; nicht minder wichtig ist die günstigere Ge­staltung unseres Arbeitsmarktes, was wesentlich von dem Ausfall der jetzt tagendenLondoner Konferenz" ab- hängt.

Auslandskrkdlte unö Wiederaufbau.

Von ccrnd jur. et cam. Jos. Grünkorn, Fulda.

Cs ist für die deutsche Wirtschaft zur Zest charakte» ftstisch, daß sie in einem Preisumschichtung-prozeß größ­ten Stiles begriffen ist. Die stark angeschwollene passive Handelsbilanz zeigt, wie schlecht das deutsche Preisniveau sich den Weltmarktpreisen hat anpaffen können. Dte falsche Preis- und Produktionspolitik, die letzten Endes zu der katastrophalen Absatzstockung führen mußte, hatte eine Kreditnot zur Folge, die jetzt in Handel, Industrie und Landwirtschaft derart erschreckend ist, daß die geforderten enormen Summen in ihrer Gesamtheit im eigenen Lande bei weitem nicht mehr aufgetrieben wrden können, wes­halb sich die Hoffnung aller umso mehr auf die in Aus- sicht gestellten Auslandskredite richtet. Doch ist bei all den segensreichen Wirkungen, dte man in einer aus tiefster Bedrängnis erwachsenen Hoffnung auf diese Aus. kmdskredite fetzt, sich dte Äarbinalrage zur Beantwortung vorzulegen: Können denn auch die Kosten dieser Aus- landskredfte aus unserem jetzigen Wirtschaftsberliedszu- stand herausgewirtschaftet werden? Eine Vorurteils, freie und ruhige Ueberzeugungr führt zu dem Schluß, daß Handel und Industrie erst eine Anpassung der Preise an die wirkllche Kaufkraft der Bevölkerung gefunden haben muß, was aber bis jetzt trotz der zahlreichen An- fätze noch nicht im entferntesten erreicht ist. Das hat hauptsächlich in dem bisweilen ganz bedeutenden Zu­rückbleiben technischer und wirtschaft­licher Methoden gegenüber dem Auslande, beson- Hers Amerika, seine Ursache. So ist es fast ganz allgemein noch gang und gebe, dte in der Jnflationszeft entftembetreu Anlagen, die noch gar nicht wkrtschastüchen Zwecken Menen oder vorerst gar nicht solchen dienstbar gemacht werkten können, mit in die Kalkulation einzubeziehen, cm- Mtt sie entweder ganz auszurangieren oder sonst sozialen Zwecken zuzuweisen und eine dem wftkllchen Absatz imb Leistungsfähigkeit der Betriebe mrgepaßte Rechnung auf« zustellen. Eine grundlegende Aenderung hierin bedarf auch die bisweilen ganz rücksichtsfose Preispolitik, die die Kartelle betrieben, die die Preise meist nach den wirt- sthastlich und technisch rückständigsten Betrieben festsetzten.

Es ist ja in der Welt kein Geheimnis mehr, daß die deutsche Wirtschaft in der Anwendung der rationellsten Methoden fest Kriegsbeginn weft zurückgeblieben ist. Nicht nur in Privat-, auch in Staatsbetrieben und vor­wiegend, wie ein angesehenes amerikanisches Kommissa- ricftsmitglied schon vor Jahreswende schrieb, sind es die Eisenbahnbetriebs Werkstätten u. dgl. ä., wo während der .sozAWischen Herrschaft, da man vor Reformen und wieder Reformen den eigentlich wunden Punkt gar nicht finden konnte, schwer gesündigt wurde. Nur von diesem Gesichtspunkte aus sind die fabelhaften Defizite der Eisen­bahn zu erklären: nicht das unproduktive Menschen- material, das unproduktive Sachmaterial ist der ent­scheidende Faktor gewesen. Der schlagendste Beweis aber für die Privatwirtschaft in dieser Hinsicht bildet di- fort, geseift steigende Einftchr von Fertigprodukten, während auf der anderen Seite, nach einem vom Reichswirt­schaftsminister cm einen Vertreter derKöln. Ztg." ge­machten Bericht vom 17. 7. sei die Gesamtausfuhr von MaiJuni von 516 auf 450 Mill. GM. nach vorläufiger Schätzung weiter gesunken, wegen fortgesetztem Sinken von Auslandsaufträgen es gar nicht erstaunend war, als am 19. 7. der Bericht aus Mühlheim a. d. Ruhr durch die Prefle ging, daß die Firma Thyssen und Co. Abtei­lung Stahl und Walzwerk wegen Mangel an Aufträgen schließen muffe. Ein weiteres Argument bietet das statistische Bild für die 'Preise der Halbprodukte und Fertigprodukte Die Preise für Halbfabrikate stehen ver. hAtnismatzig weit höher als dte für Fertigfabrikate, was nur in rückständigen technischen Methoden seine Er­klärung finden kann, denn die Löhne in Deutschland sind doch geringer als dte Ausgaben des Auslandes zu den Ästchen Zwecken. Selbstverständlich sind bei solcher Wirt- schaftslage, solange sich noch nicht eine Anpassung der Preise an die erst durch die Praxis sich herausbildende Kcmfkraft der kauf- und zahlungswilligen Schichten ge­funden hat, Auslandskredite in der Form, wie sie uns zugedacht sind, kostspielig, ja gefährlich für die drutshe Wirtschaft, well die Zinsen und Spesen nicht herans- gewirtschaftet werden können und Deutschland dann noch mehr zmn Sklaven des Auslandes wird.

Die nächste Aufgabe für die deutsche Wirtschaft be­träfe demnach die Verbilligung der Produktionskosten

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