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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadl Fulda.

Nr. 190.

Verantwortlich für die Schrittleiiung: Dr. Johannes Kramer. Anzeigen: I. P arzeller, Fulda. Rotationsdruck und vertan der s Fuldaer Sctiendruckerei in Fulda. Fernfdrecher Nr- 8. $

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Zreltag, 15. Kugust 1924.

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81. Zahrg.

Der Ln-Kamps in London.

Daß dieser Endkampf gefährlich werden würde lind daß er sich um die militärische Räumungs- srage drehen würde, war vorauszusehen. Gestern ist das hier eingehend dargelegt worden. Am Dienstag hat sich der Kampf in London in seiner mnzen Entfaltung gezeigt, als Deutsche, Franzosen, Belgier viele Stunden ergebnislos über die Rüu- mungsfrage verhandelten.

Der Sonderberichterstatter des Wolsfbureaus rrfährt über die Verhandlungen: Der französische Ministerpräsident erklärte, sein Vorschlag gehe da­hin, daß die Ruhr geräumt werden solle in einem Maximum von einem Jahre. Er fügte hinzu, er könne keine Angaben über eine staffel- weise Räumung machen. Die von deutscher Seite gestellte Frage, ab welchem Tage die Räu­mungsfrist in diesem Falle zählen würde, soll noch beantwortet werden.

Reichskanzler Dr. Marx war am Mittwoch bei dem britischen Ministerpräsidenten Macdonald, um ihm von dem Ernst der Lage Kenntnis zu ge­ben und ihm mitzuteilen, daß die deutsche Delegation aus diese französischen Vorschläge nicht eingehen könne. Da am Nachmittag angesichts des starken Gegensatzes zwischen den beiderseitigen Auffassun- ®en eine Stockung eintrat, teilte der Reichskanzler mit, daß er angesichts der überragenden Bedeutung Dieser Frage sich mit dem Reichspräsidenten in Ver­bindung setzen werde. Es ist anzunehmen, daß diese Befragung erst am Donnerstag erfolgen wird, wenn die Franzosen die versprochene Auskunft gegeben haben.

Es wurde dann noch über die Frage der Rückkehr der Ausgewiesenen verhan­delt, in der eine Einigung erzielt wurde. Zur Lösung der Eisenbahnerfrage erklärte Minister­präsident Herriot, er werde eine Lösung Vorschlä­gen, von der er glaube, daß sie die Souveränität Deutschlands in bezug auf die Reichsbahnen und die Eisenbahner ungedingt sicherstellen und an­dererseits eine Gewähr für die Sicherheit der Be­satzungstruppen geben werde.

Der französische Ministerpräsident bemerkte noch, die Frage der Räumung von Düsseldorf und Duisburg könne nicht zwischen den Deutschen, Franzosen und Belgiern allein behandelt werden, da andere Alliierte an dem betreffenden Beschluß beteiligt gewesen feien.

Am Donnerstag folgt eine Zusammenkunft der deutschen, französischen und belgischen Delegierten zur Besprechung einiger anderer schwebenden Fra­gen. Um 10 Uhr findet eine Sitzung des Rats der Vierzehn statt.

Das Gesamtergebnis des Mittwoch kann dabin zusammengefaht werden, daß in den meisten be­handelten Punkten eine Einigung erzielt wurde, nur nicht in der Hauptfrage der Räumung. Die Auffassung in den Kreisen der deutschen Delegation über die hierdurch entstandene Lage ist ernst.

Reuter hört, daß die französische Delegation darauf besteht, daß die Räumung des Ruhrgebiets nicht vor Jahresfrist Platz greifen kann, von dem gegebenen Termin an gerechnet, der noch festgelegt werden muß. Wie verlautet, wird Herriot am Donnerstag die Deutschen über den genauen Termin unterrichten, von dem ab die französische Regierung die Jahresfrist als laufend betrachten will.

Herriots Beschwörungen.

Wtb Paris, 14. Aug. (Tel.) lieber die gest. -iflen Verhandlungen zwischen den Franzosen', Bel­giern und Deutschen meldek der Sonderberichterslak- ker desMalin", in einer ergreifenden Rede habe Herriot ein Bild der zukünftigen ftan- zöfisch-deutfchen Beziehungen entworfen. Er habe die Geschichte der Konzessionen Frankreichs überblickt und festgefkellk, daß seine Regierung den Frieden und die Verständigung wolle. Er habe mit einem Worte alles das gesagt, was er über die vierwöchentkichen Verhandlungen sagen konnte. Herriot habe sich der einzigen Waffe bedienk, die ihm noch übrig bliebe. Er erklärte, daß Frankreich das Schlutzprolokoll nicht unterzeichnen könne, wenn Deutschland neue Einwendungen gegen Vor­schläge mache, die das Maximum der französischen Zugeständnisse der französischen Zugeständnisse dar­stellten.

Daß Herriot gegenüber Jben Strömungen im innerpolitischen Leben Frankreichs große Schwierigkeiten hat, sst zu verstehen. Aber sind die deutschen Delegierten nicht in der gleichen Lage? Dabei handelt es sich für Deutschland um Lebensfragen.

Macdonald als Vermittler.

wtb p a r $ s, 14. Aug. (Tel.) Rach einer Mel­dung aus London verlautet aus englischer Quelle von gestern abend, daß die deutsche Delegation bei Macdonald sondiert hätte, um seine Vermittlung Msischen den franzäsischen, belgischen und deutschen Ministern in Anspruch zu nehmen. Die letzteren trafen heute vormittag um 9 Ahr wiederum zu­sammen.

Eine englische Stimme.

DerManchester Guardian" schreibt zu den zwischen der deutschen und der französischen Dele­gation in der Frage der Ruhrrüumunq bestehenden Meinungsverschiedenheiten, Deutschland sei ersucht worden, ein System auswärtiger Kontrolle seiner gesamten wirtschaftlichen Hilfsquellen anzunehmen, und die einzige Kompensation, die ihm geboten worden sei, sei die Freiheit zu arbeiten

81mal so groß wie das Mutterland waren und dis

Viuuium uiuciflUyttil U-LIHUl |U yiup IVIV UUX> VJLUllVl und in Verbindung hiermit den besonders von dem 1 doppelte DewohuerLahl hatten

Eine der ersten und vornehmsten Aufgaben des Völkerbundes aber wird darin bestehen, die bren­nenden Kolonialfragen neu aufzurollen, und mit gebotener Beschleunigung zu einem guten Ende zu führen. In Versailles kann über die deutschen Kolonien unmöglich das letzte Wort gesprochen sein. Sonst müßte man nicht nur jedes Vertrauen auf Gerechtigkeit und Weltgewissen verlieren, son­dern auch an der die Grundlage erfolgverheißen­der Zukunftsarbeit bildenden Vernunft und Ein­sicht der Nationen verzweifeln. Nachdem allent­halben die Kriegspsychose allmählich einer ruhigeren und besonneneren Einstellung Platz gemacht hat, darf man die als Vorwand zur Wegnahme des ge­samten deutschen Kolonialbesitzes unter offensicht­licher Verletzung der 14 Punkte Wilsons ausge­nutzteKoloniale und zivilisatorische Unfähigkeit" Deutschlands ins Märchenreich versetzen. Daran kann auch im Auslande heute niemand mehr glauben, der die vom Reichskolonialministerium unter des Verfassers letzter Leitung herausgegebe- nen Denkschriften über unsere und der anderen Kolonialstaaten zivilisatorische und kolonisatorische Betätigung dem verdienten Studium unterzogen

Das rebellische Marokko.

Nach einer Havasmeldung aus Madrid ver­öffentlicht das Direktorium eine Note, in der erklärt wird, daß die aus Marokko kommenden Nachrich­ten nicht befriedigend feien. Die Rebellen hätten eine neue Stellung an der Linie nach Ellau umzingelt. Es fei deshalb eine Verstärkung der Truppen in der Westzone notwendig, ohne daß die Truppen in der Ostzone vermindert werden dürs­ten. Es habe deshalb eine andalusische Reserve­brigade Befehl erhalten, sich nach Marokko einzu­schiffen. Zwei weitere Brigaden würden bereit- gesteht werden. Die Note erklärt weiter, daß sich eine allgemeine Erhebung ber Stämme in Marokko bemerkbar mache und daß diese Bewegung unterdrückt werden müsse, während man im Augenblick auf weitere Pläne verzichten müsse, deren Ausführung unvernünftig und nutzlos fein würde.

3m Sudan.

Reuter meldet aus Kairo:

Im Sudan ist die Ruhe und Ordnung wieder hergestellt.

* DieAlkoholflotte" Amerikas. Die Zollflottille der Vereinigten Staaten ist um 20 Torpe do- b ootszerstörer und Torpedoboote, sowie 2000 Mann verstärkt wordcn, um jeden Augenblick einen Kampf gegen die Alkoholschmuggler führen zu können.

Nene Erdstöße in Zapan.

wtb London, 14. Aug. (Tel.) DieDaily Mail" berichtet aus Tokio, daß gestern zwei starke Erdstöße etwa 200 Meilen südwestlich von Ragoya festgestellt wurden. Mehrere geringe Stöße beun­ruhigten die Einwohner von Kioto, Oiakka und Lobe. Tausende flüchteten aus ihren Häusern. Es wurden keinerlei ernsthafte Schäden angerichkek. Die Japaner seien beunruhigt wegen des nahenden Jahrestages des großen Erdbebens vom 1. Sep­tember 1923.

Die Wassernok in China.

Infolge bedeutender Ueberschwemmungen in China sind zahlreiche Menschen ums Le­ben gekommen. Viele Städte, Tausende von Dörfern und ausgedehnte Landstrecken stehen unter Wasser. Tientsin, das ebenfalls bedroht war, konnte durch in Eile aufgeworfene Deiche gerettet werden. Eine genaue Feststellung der Gesamtzahl der Ertrunkenen war bisher nicht möglich, doch läßt sich auf Grund einiger Angaben bis jetzt sagen, daß sie nicht hinter 50 000 zurückbleibt. Die Zayl der Geschädigten soll mehrree Millionen über« steigen.

* Erinnerungen des Exkaisers Karl und bei früheren Kaiserin Zita sollen nach einer _ Blätter- Meldung aus Wien demnächst in einer für Sub­skribenten bestimmten Luxusausgabe erscheinen.

früheren Gouverneur Dr. Schnee in hervorragen­den Schriftwerken überzeugend bargelegten heuti­gen Zustand der früheren deutschen Kolonien ver­gleichend gewertet hat.

Die Tatsache, daß unser Außenhandel in­folge des Verlustes wertvoller Rohstoffgebiete, der wirtschaftlichen Belastungen des Versailler Ver­trags und der Abschnürung der besetzten Gebiete geradezu katastrophale Rückgänge ausweist, sollte auch unseren an praktischer Erfüllungspolitik interessierten ehemaligen Kriegsgegnern ernstlich zu denken geben. Man verlangt von uns aufrichtige Erfüllung. Dazu sind wir ehrlich bereit, bis an die äußerste Grenze des Erträglichen und der Leistungs­möglichkeit. Sann darf man uns aber auch die Wege zur Erfüllung nicht versperren, sondern muß ehrlich daraus hinwirken, uns die Bahn frei zu machen. Die statistische Tatsache, daß in der Zeit vom 1. Januar bis 1. Mai 1924 der Wert unserer Einfuhr den Ausfuhrwert um rund eine Milliarde Goldmark überflieg, dürfte jeden Kommentar über­flüssig machen. Versagt unser notwendiges Be­streben, unsere Handelsbilanz aktiv zu gestalten, verteuert die Höhe der Gestehungskosten, die stän­dige Steigerung unerschwinglicher Lasten und Ab­gaben die Warenpreise derart, daß wir auf dem Weltmark trotz erweislich anerkannter Qualitäts­arbeiten und Qualitätsleistungen nicht mehr kon­kurrenzfähig sind, bann gehen unsere Währung und unsere Wirtschaft unvermeiblich zu Bruch, unb bann scheitert an biefen harten Tatsachen auch die ehrlichste und aufrichtigste Erfüllungspolitik gegen­über unseren Vertragsgegnern.

Fast man die wirksamen Mittel und die geeig­neten Wege, uns aus unserer traurigen Lage wieder aufzuhelfen, tiefgründig ins Auge, bann kann man an ber Kolonialfrage nicht achtlos vorübergehen. Die Tatsache hat auch vom wirt­schaftlichen und finanziellen Stanbpunkt richtig er­kannt unb zutreffend gewürdigt der Reichsbank- präfibent Dr. Schacht. Gibt man uns unseren Kolonialbesitz zurück, bann bietet sich uns die greif­bare Möglichkeit, einen beträchtlichen Teil der be­nötigten Rohstoffe und Lebensmittel statt zu uner­schwinglichen Preisen aus dem Ausland, aus un­seren eigenen Kolonien zu beziehen, und anderer­seits unsere Halbfabrikate und Fertigfabrikate an die Kolonien großenteils abzusetzen, anstatt durch Veräußerung an das Ausland die ausländische Kon­kurrenz zu schäbigen. Vernünftige wirtschaftliche Einstellung unb zweckdienliche Finanzpolitik soll­ten also auch unsere Vertragsgegner im wohlver- ftanbenen eigenen Interesse auf ben Weg der Rück­gewährung unserer Kolonien, wenigstens eines er­heblichen Teiles, führen. Daß man diesen streng sachlichen unb beweiskräftigen Argumenten nicht mit Schlagworten wieImperialismus" undEx­pansionspolitik" begegnen kann, wird bei richtiger Würdigung unserer Gesamtlage, die uns nach Lust und Atem zu ringen und den schweren Kampf ums Dasein unter bitterernsten Bedingungen auszu- kämpfen nötigt, jedem urteilsfähigen Kritiker ein- leuchten. Für uns wird die Rückgabe unseres rechtmäßig erworbenen und in ehrlicher Zivilisa­tionsarbeit und Wirtschaftsführung gediegen ver­walteten Kolonialbesitzes mehr und mehr zur Lebensnotwendigkeit. Dagegen können die anderen beteiligten Länder in Anbetracht ihrer kolonialen Ueberfättigung diese Kolonien ohne nennenswerte Einbuße sehr wohl entbehren. Da­für sind folgende statistische Feststellungen von durchschlagender Bedeutung. Der Kolonialbesitz Englands übertrifft das Mutterland um das 129fache und umfaßt ein Viertel der Erde und ihrer Bewohner. Frankreichs Kolonien über­treffen ' bas Mutterlanb um bas 21fache; sie um­fassen ein Dreizehntel ber Erbe und ein Sieben­zehntel ihrer Bewohner. Ergänzend fei bemerkt, daß Belgiens Kolonien schon vor dem Krieg

Die obige Aufschrift unb Zusammenstellung wird auf ben ersten Blick stutzig machen. Tatsächlich be­schäftigt sich kein Punkt der Tagesordnung für die Londoner Konferenz mit Kolonialproblemen. Aber gerade dieser Artikel soll versuchen, die unver­kennbar bestehende Lücke auszufüllen und den engen Zusammenhang darzutun zwischen Kolontal- fragen und den in London zu Verhandlungs- gegenftänben festgelegten aktuellen Problemen. Gewiß bars man sich darüber nicht hinwegtäujchen, baß es im allseitigen Interesse liegt, bie Londoner Tagung tunlichst schleunig zu einem für alle Teile befriebigenben und auch für Deutschland möglichst erträglichen Abschluß zu bringen und darum bie Hineintragung jeglichen neuen Streitstoffes zu ver­meiden. Ader ftüher oder später muß ohnehin das Kolonialproblem wieder aufgerollt werben.

Je früher desto besser für alle Beteiligten. Nicht etwa nur ber unverrückbare Stanbpunkt unserer bei Behanblung bes deutschen Kolonialbesitzes schwer getroffenen und unerträglich verletzten deut­schen Ehre und nationalen Würde zwingt uns die Stellungnahme gebieterisch auf, sondern es sind auch wirtschaftliche und finanzielle Gesichtspunkte, die in unlösbarer Verbindung mit ber Erfüllbarkeit der in London festzulegenden Abmachungen schließ­lich unsere Verhandlungsgegner zu dem nämlichen Ergebnis führen müssen. Ringt man sich dorten, nach zehnjähriger friedloser Zeit, allmählich zu der Erkenntnis durch, daß die Wiederbelebung des schwerkranken und noch heute aus tausenden Wun­den blutenden europäischen Eesamtorganismus durch Faustschläge auf das Herz Europas schlechter­dings unmöglich ist, und daß auch jeglicher Ret­tungsaktion für bie bedrohte abendländische Kultur durch einen Deutschland als bedeutsamen Kultur­träger der Welt ausschließenden Völkerbund der Erfolg versagt sein muß, dann bleibt zur ersprieß­lichen Durchführung bes neuerdings in anerken­nenswerter Weife gezeigten Bestrebens, Deutfch- lanb zum Eintritt in ben Volkerbunb zu bestimmen, nur bie einzige Möglichkeit übrig, baß ber Völker­bund eine Form und Gestalt annimmt, bie bcm Deutschen Reich bie Gleichberechtigung unb Gleichwertigkeit im Völkerkonzern gewähr­leistet. Wirb diese Gleichstellung, auf bie mir nach unserer Geschichte unb jahrtausendalten Kultur un­veräußerlichen Anspruch haben, rückhaltlos aner­kannt, bann wird man auf unsere ehrliche und un­ermüdliche Mitarbeit zur Erreichung des Hochziels des europäischen Wiederaufbaues und der Festi­gung des Weltfriedens bedingungslos rechnen können. Dann wird zudem der engere Zusammen­schluß der europäischen Staaten, dessen Notwendig­keit hoffenllich in Bälde Gemeingut wird, bei all­seitig gutem Willen die herrschenden Himmungen und Erschwernisse überwinden.

und seine Hilfsquellen ohne Eingriffe zu entwickeln. Keine derartige Freiheit sei möglich, solange ein auswärtiger Eindringling auf deut­schem Boden bleibe und die militärische Kon­trolle der deutschen Hauptindustrien ausübe. Wenn Europa frei atmen wolle, so müsse ein neuer Geist geschaffen werden, ein Geist des Vertrauens und, wenn möglich, des Zusammenwirkens. Zum ersten Mal seit dem Kriege seien Vertreter Deutsch­lands von Vertretern ihrer früheren Feinde em­pfangen worden, nicht nur auf ber Erunblage ber Gleichberechtigung, sonbern mit dem Anzeichen positiven Wohlwollens. Dies fei ein neues Experi­ment und werde in Zukunft für beide Teile viel bedeuten. Auch Amerika habe eine neue, viel­leicht entscheidende Rolle gespielt. Dies sei ber Be­ginn besserer Zeiten.

*

In Paris gingen Gerüchte über den bevor- stehenben Sturz Herriots.

Aeineswegs hoffnungsvsll.

wtb London. 14. Aug. (Tel.) Daily Tele­graph spricht von einem ernsten Stillstand der Lon­doner Verhandlungen und von einer Gefährdung des Schicksals der Konferenz. Von vielen Seilen werde auf eine Intervention Macdo­nalds oder der amerikanischen Dele­gierten gehofft. Auch der diplomatische Bericht- erstatker des gleichen Blattes schreibt, die Hanpk- schwierigkeit sei zweifellos durch die Empfindlichkeit Herriots gegenüber der Kritik feiner politischen Gegner entstanden. Da et keinen praktischen plan für die Räumung vorbereitete, und selbst wenn die Höchstbesetzungsperiode von einem Jahr aufrecht erhalten würde, hätte den Deutschen möglicherweise die geschäftsmäßige Gelegenheit gegeben werden muffen, das Ruhrgebiet durch feine weiteren An­strengungen zu einem früheren Zeitpunkt zu be­freien. Die Aussichten, auf der heute vormittag 10 Uhr staktfindenden Sitzung zu einem Ueberein- kommen zu gelangen, feien keineswegs hoff­nungsvoll, fo daß die britischen und amerika­nischen Vermittler feine Zeit verlieren dürften, um eine Kompromißformel vorzubereiten.

Zur Krage der Reichsbahn.

In letzter Zeit haben mehrfach leitende Beamte der Reichsbahn zu dem Sachverständigen­gutachten und der Frage der zukünftigen G e» ftaftung der deutschen Bahnen Stel­lung genommen. Die Auslassungen haben dem Reichsverkehrsminister Oeser zu einer Verfügung Veranlassung gegeben, in der der Erlaß vom 31. November 1922 in Erinnerung gebracht wird, und worin es weiter heißt:

Die Verfasser solcher Abhandlungen werden sich vor Augen halten müssen, daß ihre persön­lichen Anschauungen über die Erfüllbarkeit des Gutachtens von der Oeffentlichkeit leicht mit der Stellungnahme der Verwaltung selbst in Zusam­menhang gebracht werden können. Das ist umso bedenklicher, als der Verfasser in der Regel nicht über alle Unterlagen verfügt, die zur vollständigen Würdigung dieser Fragen, vor allem nach der finanziellen und politischen Seite hin, nötig sind. Besondere Zurückhaltung ist für die Beamten der Reichsbahn in der Beurteilung dieser Fragen in der Tagespresse namentlich zu einer Zeit ange­zeigt, in der bie von ber Reichsregierung bestimm­ten Vertreter im Organisationskomitee über bie künftige Gestaltung ber Reichsbahn verhandeln.

Der deutsche Reichstag.

Laut .Berliner Tageblatt' wirb der Reichstag einen Tag früher jufammentreten als zur Verabschiedung ber Aussührungsyeietze des Dawes» gutachtens vorgesehen war, um sich an diesem Tage mit verschiedenen Interpellationen über die Genfer Arbeitskonferenz und die Ratifizierung deS Washing. toner Abkommens über den Achtstundentag zu be­schäftigen. Die gewerkschaftlichen Spitzenverbänbe werden ihre Entscheidung über die eventuelle Durch­führung des Volksentscheids im wesentlichen von dem Inhalt der Regierungserklärung im Reichstag ab­hängig machen.__________

Hus dem besetzten Gebiet,

Wie die ,Voss. Zlg/ aus Düsseldorf meldet, ist dort eine Ortsgruppe des Reichsbanners S ch w a r z - R o t- G o ld, die erste im besetzten Ge­biet, mit annähernd 1000 Mitgliedern gegründet worden. Die französischen Besatzungsorgane ver­hielten sich gegenüber ber Gründung neutral.

Wie bas ,B. $/ ans Koblenz meldet, ist das dortige Sonderbünd lerquartier endgültig aufgelöst worden.

völkischer Partei - wirrwar.

wtd Mannheim, 14. Aug. (Tel.) Der Ratio nal- sozialist paut Jansen, der wie berichtet, am 21. Juli eineneneparleidieAnabhängige nationalistische deutsche Arbeiter- »ewegnng ins Leben gerufen hat übersendet dem D. B. eine längere Erklärung, die durch einen von Adolf Hitler imvölkischen Echo" in Rürn- berg am 12. August erhobenen Protest gegen den Mißbrauch seines Ramens bei der Gründung der genannten Partei in Baden veranlaßt worden ift Infef Hinweis auf diesen Einspruch Hitlers erklärt Jansen, daß er wegen des Wirrwarrs in der Völki- chen Bewegung und des bedauerlichen Mißtrauens .Idols Hitlers als getreuer Rakionalsozialist sich den Deutsch-Völkischen gegenüber verpflichtet sehe, seine Bewegung bis auf weiteres (das heißt bis zur Entlassung Hitlers) in die Schwebe zu sehen. Die Unabhängige nationalistische deutsche Arbeiterbewegung ist also durch Jansen selbst aufgehoben bis die notwendige Klärung in der völkischen Bewegung vorgcnom- men werden kann. - v

Londoner Konferenz und Kolonichrobleme

Von Reichsminister a. D. Dr. Bell, M. d. R.