Zur Unterhaltung
i Nr. 189 vom 14. flug. 1924. -
Zulda er Zeitung
wenn er im Freien frei sich tummelt, wenn er, sich selbst beobachtend, das Wachstum der Kräfte verspürt, wenn er das langsame Steigen seiner Leistungen fühlt, wenn er im Kreise Gleichgesinnter seine Kräfte mißt, wenn er nach zähem Ringen den schlichten Eichenkranz davonträgt! Wahrlich, eine Großtat unserer modernen Jugend würde sicherlich ein Opfer der Sumpfstätten und Kloaken unserer Großstädte werden, wenn der grüne Rasen nicht wäre. Schafft den Sportplatz ab, und ihr könnt die Kneipen, Tingeltangel und Kabaretts erweitern.
3. In, mit und durch die Körperpflege will endlich die DJK. den Geist schärfen und den Willen stählen. Das ist ihre vornehmste Aufgabe. Sie erstrebt eine vergeistigte und versittlichte Auffassung von Turnen und Sport. Eine gründliche und reichliche Auswertung der verschiedenen Sportarten für die Bildung des Charakters, | das ist die Königsaufgabe der DJK. Ein ganzer Flor hoher Tugenden kann — bei verständnisvoller ' Leitung und Anleitung — entfaltet werden:
Geistige Tugenden: Aufmerksamkeit, Geistesgegenwart, Beobachtungsgabe, Berechnungskunst»»
Sittliche Tugenden: Selbstüberwindung, Mut, Tapferkeit, Verzichtleistung, Energie, Aus- dauer;
Soziale Tugenden: Großmut, Korpsgeist, Unterordnung, Gehorsam, Kameradschaft, Demut.
Das ist nur eine Auslese. Es wäre eine seine Arbeit, dieses Thema einmal wissenschaftlich zu behandeln. Der Wille, der in der Sportübung fortgesetzt den Leib und das gesamte Triebleben im Banne hält und regiert, kann und soll folgerichtig im Gesamtleben des jungen Menschen — auch außerhalb des Sportplatzes — das Zepter führen. Das ist die tiefste und wertvollste Wirkung des Sportes. Dies zu ergrün- den, darüber nachzudenken, unter diesem Gesichtswinkel sich und seine Kameraden zu beobachten und an sich zu arbeiten, das ist die große katholische A u f g a b e des Jugendkraftlers. Darin soll er sich
(gmpor!
Roman von Otto Elster.
und schüttelte den Kopf, als er nirgends einen Koffer oder Bagage fand. Der Kutscher fuhr darauf, ohne Trinkgeld von mir zu fordern, den Wagen in einen alten Schuppen, der auf der Seite des Hofes schon offen stand. Die alte Frau aber bat mich sehr höflich durch allerlei Zeichen, ihr zu folgen. Sie führte mich mit ihren Wachskerzen durch einen langen schmalen Gang, und dann eine kleine steinerne Treppe herauf. Als wir an der Küche vorbeigingen, streckten ein paar junge Mägde neugierig die Köpfe durch die halbgeöffnete Tur und guckten mich so starr an, und winkten und nickten einander heimlich zu, als wenn sie in ihrem Leben noch kein Mannsbild gesehen hätten. Die Alte machte enb- lich oben eine Tür auf, da wurde ich anfangs ordentlich ganz verblüfft. Denn es war ein großes, schönes, herrschaftliches Zimmer mit goldenen Verzierungen an der Decke, und an den Wänden hingen prächtige Tapeten mit allerlei Figuren und großen Blumen. In der Mitte stand ein gedeckter Tisch mit Braten, Kuchen, Salat, Obst, Wein und Konfekt, daß einem recht das Herz im Leibe lachte. Zwischen den beiden Fenstern hing ein ungeheurer Spiegel, der vom Boden bis zur Decke reichte.
Ich muß sagen, das gefiel mir recht wohl. Ich streckte mich ein paarmal und ging mit langen Schritten vor- nehm im Zimmer auf und ab. Dann könnt' ich aber doch nicht widerstehen, mich einmal in einem so großen Spiegel zu besehen. Das ist wahr, die neuen Kleider vom Herrn Leonhard standen mir recht schön, auch hatte ich in Italien so ein gewisses feuriges Auge bekommen, sonst aber war ich gerade noch so ein Milchbart, wie ich zu Haufe gewesen war, nur auf der Oberlippe zeigten sich erst ein paar Flaumfedern.
' Die alte Frau mahlte indes in einem fort mit ihrem zahnlosen Munde, daß es nicht anders aussah, als wenn sie an der langen herunterhängenden Nasenspitze kaute. Dann nötigte sie mich zum Sitzen, streichelte mir mit ihren dürren Fingern das Kinn, nannte mich poverina! wobei sie mich aus den roten Augen so schelmisch ansah, daß sich ihr der eine Mundwinkel bis an die halbe Wange in die Höhe zog, und ging endlich mit einem tiefen Knix zur Tür hinaus.
Ein etwas spöttisches Lächeln glitt über ihr Gesicht. „Ich?" entgegnete sie, fast mit Schelmerei, „ich fürchte mich nicht vor Ihnen!"
„Weshalb meiden Sie mich denn so offensichtlich?" „Weil — nun — ich denke, wir beide haben zu verschiedene Ansichten, als daß eine Unterhalttm nutzbringend sein könnte. Und streiten mag ich mit Ihnen nicht. Sie sind Gast unseres Hauses."
„Sie verstehen mich eben nicht!" klagte Eugen.
„O doch, ich verstehe Sie sehr wohl. Ich weiß, daß Sie ein unglücklicher Mensch sind, der von seinen Leidenschaften hin- und hergetrieben wird, der keinen richtigen Glauben besitzt an das wahrhaft Gute, an die Rein- heit, die in den Herzen der Menschen, wenn auch noch so verborgen, keimt und die nur der Pflege bedarf, um zur Reife zu kommen."
„Sie kennen die Leidenschaft nicht."
„Ich wünsche auch nicht, sie kennen zu lernen! Deshalb meide ich Sie. Ihre Leidenschaft ist übrigens nur eine eingebildete!"
„Ruth--Ich liebe Sie---"
Er streckte die Hände verlangend nach ihr aus. In feinen Augen lohte ein wildes Feuer. Doch Ruth schien das nicht zu bemerken. Nur ein halb mitleidiges, nachsichtiges Lächeln spielle um chre Lippen. „Sprechen Sie nicht solche Worte zu mir", bemerkte sie in mildem Ton, „was Sie von Liebe faseln, ist ja nur ein Verlangen Ihrer Phantasie nach dem Besitz des Weibes, nach einem Verhältnis ohne Sinn und Ziel, so eine Art Studenten Unterhaltung, und diese Art der Liebe erhebt nicht, sie erniedrigt nur. Es ist ein Mißbrauch des heiligen Gefühls, das wahre Liebe verleiht. Denn von wahrer, echter, reiner Liebe haben Sie keine Ahnung, sonst würden Sie nicht zu mir von Liebe sprechen, da Sie mich gar nicht kennen! Wir sind uns ja fast fremd. Ihnen ist diese Liebe nur ein Spielzeug für müßige Stunden, ein Zeftvertreib! Weiter nichts! Ich aber betrachte die Liebe als etwas Heiliges, etwas, das tief im Herzen wurzeln muß, und das durch nichts daraus vertrieben werden kann. Wenn Sie nicht an die Frau als Ideal glauben lernen, werden Sie niemals die wahre Liebe empfinden. Das ist es, was ich auf Ihre Worte zu sagen habe, und nun, bitte, verlassen Sie mich!" Sie wies mtt der Hand nach dem Ausgang der Laube. Doch, da geschah etwas Unerwartetes. Er stürzte vor ihr nieder, laut aufschluchzend lehnte er das Gesicht an ihre Kniee, und sie mit den Armen umklammernd wie cm Ertrinkender sich an feinen Retter klammert.
„Lehr tzu mich glauben!" ftammelte Eugen.
Der Taugenichts.
Die Perle der romantischen Crzählungskunst ist Joseph von Eichendorffs (1788—1857) „Aus dem Leben eines Taugenichts", in dem ein Sonntagskind in romantischer Sehnsucht und traumhaftem Leben durch holden Müßiggang zum Ziel feiner Wünsche gelangt. Der junge Träumer genießt in heiterer Freude die Stimmung des Augenblicks. Er lebt und ist glücklich in feinem Reiche, in der Welt der Phantasie.
Wenn wir in folgendem ein Kapitel des Taugenichts zum Abdruck bringen, fo tun wir es, um auch den Lesern, die bisher keine Gelegenheit hatten, Eichendorffs köstliche Erzählung kennen zu lernen, einen Ausschnitt aus der schönsten romantischen Dichtung zu bieten.
Wir fuhren nun über Berg und Tal Tag und Nacht immerfort. Ich hatte gar nicht Zeit, mich zu besinnen, denn wo wir hinkamen, standen die Pferde angeschirrt, ich konnte mit den Leuten nicht sprechen, mein Demonstrieren half also nichts; oft, wenn ich im Wirtshaufe eben beim Essen war, blies der Postillon, ich mußte Messer und Gabel wegwersen und wieder in den Wagen springen, und wußte doch eigentlich gar nicht, wohin und weswegen ich just mit so ausnehmender Geschwindigkeit fortreifen sollte.
Sonst war die Lebensart gar nicht fo übel. Ich legte mich, wie auf einem Kanapee, bald in die eine, bald in die andere Ecke des Wagens, und lernte Menschen und Länder kennen, und wenn'wir durch Städte fuhren, lehnte ich mich auf beide Arme zum Wagen- senster heraus und dankte den Leuten, die höflich vor mir den Hut abnahmen, ober ich grüßte die Mädchen an den Fenstern wie ein alter Bekannter, die sich dann immer sehr verwunderten und mir noch lange neugierig nachguckten.
Aber zuletzt erschrak ich sehr. Ich hatte das Geld in dem gefundenen Beutel niemals gezählt, den Postmeistern und Gastwirten mußte ich überall viel bezahlen, und ehe ich mir's versah, war der Beutel leer. Anfangs nahm ich mir vor, sobald wir durch einen einsamen Wald führen, schnell aus dem Wagen zu springen und zu entlaufen. Dann aber tat es mir wieder leid, nun den schönen Wagen so allein zu lassen, mit dem ich sonst wohl noch bis ans Ende der Welt fortgefahren wäre.
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Tugen fuhr aus feiner Träumerei empor. Das Blut I «Hoß ihm in die Wangen. „Ich? — Weshalb fragst I jrja? Nichts hab' ich mit ihr gehabt!" entgegnete er I trotzig.
„Das glaube ich nicht!", fuhr Imanuel fort. „Es I tfcgt nicht in dem Wesen Ruths, gegen einen Menschen I unfreundlich yj fein, noch dazu gegen einen Gast unseres I Hauses. Ihr verkehrtet doch in den ersten Tagen deines I Hierseins freundschaftlich miteinander, es schien mir fast, I Ihr verständet Euch gut!"
Eugen lachte kurz auf. „So nimm an, daß di-s-s I Verstehen in die Brüche gegangen ist."
„Vielleicht liegt dem ein Mißverständnis zugrunde. I Seine Ansichten scheinen ihr allerdings wenig sympathisch I p« sein." I
„Komödie", spottete Eugen. I
„Nein, Geber Freund, das ist bei Ruth ausgeschlosien. I Sie besitzt einen durchaus edlen Charakter, eine Wahr- I hellsliebe und Selbstlosigkeit, wie man selten findet Ihr I ganzes Leben ist gleichsam ein Opfer der Pflicht und I tzer Liebe."
„Was weiß sie von Liebe! Sie hat die Leidenschaft I nie gekannt, ist kalt wie Eis!"
Immanuel sich ihn groß an. In ihm dämmerte die I Wahrhett auf; er fuhr fort: „Ist glaube jetzt den Zwiespalt zwischen euch zu verstehen. Du hast neulich bei Tisch über das Wesen der Liebe sonderbare Ansichten bekundet, die den Empfindungen Ruths sehr entgegen- gesetzt sein müssen. Ich gestehe, daß sie auch mich etwas peinlich berührt haben. Du hast eine Weltanschauung, die mit der unsrigen durchaus nicht har- moniert Du kommst'vielleicht noch yt der Einsicht, wie verkehrt du alles betrachtest."
„Laß mir meine Weltanschauung in Ruhe!" brauste ,Eugen auf. „Ihr in eurem versteckten Winkel wißt ja gar nichts von der Well, ihr ahnt nicht, wie es draußen zugeht!" „
„Aber was richtige und eingebildete Liebe ist, wißen wir wohl, jdazu braucht man nicht in der Welt zu । leben!"
„Ach was, du verstehst mich nie!"
Immanuel mochte mit dem Hitzkopf keinen neuen tzirest anfangen, deshalb sprach er traurig: „Du tust mir leid, Eugen", dann griff er wieder zu den Riemen. Er wollte sich mtt dem Gast seines Elternhauses nicht in Diskussionen eintaffen, die vielleicht in ein Zerwürfnis ausarteten. Auch Eugen empfand keine Lust, das Ge- spräch fortzusetzen; fo fuhren sie schweigend dahin. Rach einer Welle begann Immanuel in ruhigem Tone: „Ruth hat es in ihrem bisherigen Leben nicht leicht gehabt. Sie war die älteste von sieben Geschwistern, und da dieMutter schon lange kränkllch ist, fiel Re ganze Arbeit Ruth zu. Die Einnahmen des Vaters waren nicht groß, deshalb mußte isehr sparsam gewirtschaftet werden, bamit es reichte. Ost waren die Kinder krank, bann mußte sie auch noch deren Pflege übernehmen Ruth hätte schon öfters Gelegenhett gehabt, sich zu verheiraten, aber sie weiß, daß es ohne sie nicht geht. So blieb sie im Hause. Wir find ihr alle dankbar dafür, und sie fühlt sich auch wohl im Bewußtsein erfüllter Pflicht. Sie ist die Seele unseres Hauses, sie ist von hoher, reiner Gesinnung, wir schauen alle zu ihr empor; selbst mein Vater, der mtt seinem einfachen, gütigen Herzen sich oft nicht recht mit dem eben abzufindsn weiß. Ich hoffe, auch du wirst von Ruch lernen, besser und reiner zu werden, denn Heine Ansichten von Menschen und Wett machen dich niemals glückllch ober zufrieden, fo wie wir es sind."
„3ft denn Zufriedenheit ein Lebensziel?" spottete Stagen.
„Die innere Zufriedenheit, die aus dem Herzen kommt, jedenfalls", lächelte Immanuel.
„Unsinn ist das alles! Durch diese fromme Zufrieden- hekt, die ich eher Beschränktheit nennen möchte, ist noch niemand ein großer Mann geworden, hat noch niemand sein Glück gemacht!"
„Wir werden uns darüber nicht verständigen. Aber frage einmal Ruth, ob sie nicht Mcklich ist!"
„Ich wüche es nicht glauben, selbst wenn sie es jagte." !
„Dann kennst du sie eben nicht."
Die beiden schwiegen. Ruhig glitt der Kahn dahin. So kehrten sie heim, als der Abend niedersank. Eugen wollte ein Zusammentreffen mit Bestehorn vermeiden und begab sich in den Garten. Da sah er Ruth in der Lattbe sitzen, mit Bohnenschneiden beschäftigt. Er trat aus ste zu. Sofort raffte sie die Schüssel auf, die sie aus dem Schoß hatte, um sich zu entfernen.
„Bleiben Sie nur", sagte, ft finfter, „Sie brauchen sich vor mir nicht zu fürchten, ich tue Ihnen nichts."
von den Rekordjägern und Pokalhaschern wesen- haft unterscheiden. Mit der rücksichtslosen Verfolgung dieses Hochzieles kann und soll die DJK. dem Materialismus des neuzeitlichen Sportes den Todesstoß versetzen. Dr. Diem, der Generalsekretär des Reichsausschusses für Leibesübungen und Lehrer an der Hochschule für Leibesübungen I in Berlin, ist in diese Grundidee der DJK tief eingedrungen, wenn er laut Rhein. Jugendkraft <, 27 bei der Verabschiedung des 1. Jugendkrastkursus 28. Juni 1924 feierlich bekannte:
„Die heutige Pflege der Leibesübungen entspringt meist dem Gebote der Nützlichkeit; doch gibt es nichts absolut Gutes, daruin kann der Sport auch scyaden bringen. Und zwar schädigt er bestimmt dann, ^meun man ihn entseelt, b. h. wenn man ibm bte eeele bas höhere Ziel raubt. Dies ist überall dort ber Fall, wo er zum bloßen Zuschauersport herabgewur- bigt mürbe. Um den Sport wirklich zum Ouell des Guten zu machen, muß man die höchsten Ideale einlegen. Leider ist dies vielerorts nicht der tfaU. Darum ist ein Verband wie die Deutsche Iugendkraft mit sittlicher Zielsetzung fo Überaus^wertvoll, weil er den „N u r f p o r tv e r k> a n d e n wieder den reckten Weg weist. Wenn er auch kerne Rekordleistungen zeigt (wird auch nicht beabsichtigt), fo lerftet er damit doch einen wertvollen Beitrag zur Gesarni- erziehung des Deutschen Volkes.
Diesen Wert weiß nur der zu schätzen, der den Menschen als Harmonie von Körper und Geist er- kennt. Wenn die DJK. auf dem begonnenem Wege weiter arbeitet, wird sie eine geschichtliche Ausgabe mlthelfen zu erfüllen, die,' Mechanisierung des Sports zu verhindern und sie wirb zu einem wahren Jungbrunnen werden des Deutschtums und ber sittlichen Velkskrast."
Damit muß endlich auf der ganzen Linie der DJK. Ernst gemacht werden. Darin ruht unsere Kraft; darin liegt unsere Zukunft.
Gegen das Uebermaß an Sport und die dabei vielfach zutage tretenden Auswüchse Hilst nicht Schimpfen und Lamentieren, sondern positives Bessermachen. Es ist dieselbe Frage rote die Frage der Schmutz- und Schundlektüre. Helsen wir den Gutgesinnten» in einem lebenskräftigen
Nun saß ich eben voller Gedanken und wußte nicht I aus noch ein, als es auf einmal seitwärts von der Land- I straße abging. Ich schrie zum Wagen heraus auf den Postillon: wohin er denn fahre? Aber ich mochte spre- I chen was ich wollte, der Kerl sagte immer bloß: „Si. I Si, Signore!" und fuhr immer über Stock und Stein, I daß ich aus einer Ecke des Wagens in die andere flog. I
Das wollte mir gar nicht in den Sinn, denn die I Landstraße lief gerade durch eine prächtige Landschaft I auf die untergehende Sonne zu, wohl wie in ein Meer I von Glanz und Funken. Don der Seite aber, wohin I wir uns gewendet hatten, lag ein wüstes Gebirge vor I uns mit grauen Schluchten, zwischen denen es schon I lange dunkel geworden war. — Je weiter wir fuhren, I je wilder und einsamer wurde die Gegend. Endlich I kam der Mond hinter den Wolken hervor und schien auf einmal fo hell zwischen die Bäume und Felsen herein, I baß es ordentlich grauslich anzusehen war. Wir konnten nur langsam fahren in ben engen steinigten Schluchten, I unb bas einförmige, ewige Gerassel bes Wagens schallte I an ben Steinroänben weit in die stille Nacht, als führen I mir in ein großes Grabgewölbe hinein. Nur von vielen I Wasserfällen, die man aber nicht sehen konnte, mar ein unaufhörliches Rauschen tiefer im Walde, unb die Kauz- I rfjen riefen aus ber Ferne immerfort: „Komm mit, I komm mit!" — Dabei kam es mir vor, als wenn der I Kutscher, ber, wie ich jetzt erst sah, gar keine Uniform hatte unb fein Postillon war, sich einigemal unruhig umsähe unb schneller zu fahren anfing, unb wie ich mich recht zum Wagen herauslegte, kam plötzlich ein Reiter I aus bem Gebüsch hervor, sprengte dicht vor unseren I Pferden quer über den Weg, und verlor sich sogleich wieder auf der andern Seite im Walde. Ich war ganz I verwirrt, denn, soviel ich bei dem Hellen Mondschein er- I kennen konnte, war es dasselbe bucklige Männlein auf seinem Schimmel, bas in bem Wirtshause mit ber Ablernase nach mir gehackt hatte. Der Kutscher schüttelte ben Kopf unb lachte laut auf über die närrische Reiterei, wandte sich aber bann rasch zu mir um, sprach sehr viel unb sehr eifrig, wovon ich leider nichts verstand, und fuhr bann noch rascher fort.
Ich aber mar froh, als ich bald darauf von fern ein Licht schimmern sah. Es fanden sich nach und nach noch mehrere Lichter, sie wurden immer größer und heller, unb endlich tarnen wir an einigen verräucherten Hütten vorüber, die wie Schwalbennester auf dem Felsen hingen. Da die Nacht roarm war, so standen die Türen offen, und ich konnte darin die hell erleuchteten Stuben und allerlei lumpiges Gesindel sehen, das wie dunkle Schatten um das Herdfeuer herumhockte. Wir aber raffelten durch die stille Nacht einen Steinweg hinan, ber sich auf einen hohen Berg hinaufzog. Salb überbetften hohe Bäume und herabhängende Sträucher den ganzen Hohlweg, bald konnte man auf einmal wieder das ganze Firmament und in der Tiefe die weite stille Runde von Bergen und Wäldern und Tälern Übersehen. Auf dem Gipfel des Berges stand ein großes altes Schloß mit vielen Türmen im hellsten Mond- schein. — „Nun Gott befohlen!" rief ich aus, unb war innerlich ganz munter geworden vor Erwartung, wohin sie mich da am Ende noch bringen würben.
Es bauerte wohl noch eine gute halbe Stunbe, ehe wir enblich auf bem Berge am Schloßtore ankamen. Das ging in einen breiten, runden Turm hinein, der oben schon ganz verfallen war. Der Kutscher knallte dreimal, daß es weit in dem alten Schlosse widerhallte, wo ein Schwarm von Dohlen ganz erschrocken plötzlich QU5 allen Luken unb Ritzen herausfuhr und mit großem Geschrei die Lust durchkreuzte. Darauf rollte der I Wagen in den langen, dunklen Torweg hinein. Die Pferde gaben mit ihren Hufeisen Feuer auf dem Stern- I pflaster, ein großer Hund bellte, der Wagen donnerte I zwischen ben gewölbten Wänden. Die Dohlen schrieen I noch immer dazwischen — so tarnen wir mit einem | entsetzlichen Spektakel in den engen, gepflasterten Schloh- hof.
I Eine kuriose Station! dachte ich bei mir, als nun ber Wagen still stand. Da wurde die Wagentür von
I draußen aufgemacht, und ein alter langer Mann mtt einer kleinen Laterne sah mich unter seinen dicken Augen-
I brauen grämlich an. Er faßte mich dann unter den I Arm unb half mir, wie einem großen Herrn, aus bem I Wagen heraus. Draußen vor der Haustür stand eine alte, sehr häßliche Frau in schwarzem Kamlsol und Rock, mit einer weißen Schürze und schwarzen Haube, von
I ber ihr ein langer Schnipper bis an die Nase tjerunter» hing. Sie hatte an der einen Hüfte einen großen Bund Schlüssel hängen und hielt in der andern einen altmodischen Armleuchter mit zwei brennenden Wachs- kerzen. Sobald sie mich erblickte, fing sie an, tiefe Knixe zu machen unb sprach unb frug sehr viel durch- einander. Ich verstand aber nichts davon und machte immerfort Kratzfüße vor ihr, und es war mir eigentlich
I recht unheimlich zumute.
Der alte Mann hatte unterdes mit ferner Laterne ben Wagen von allen Selten beleuchtet und brummte
$tt Mißen ZMiMnfl Sein uni Solen.
Von Kaplan I. Clemens,, Neuß.
Der Deutschen Iugendkraft Sein und Wollen, wie oft schon ist darüber geschrieben und geredet worden! Und doch noch so manche Unkenntnis und so manches schiefe Urteil. Herausgervachsen aus dem katholischen Jugend- und Jungmännerverband, stellt die DJK. auch das Ziel der gesamten kach. Jugendbildung und Jugendbewegung bewußt und klar an die Spitze: „Lasset uns den katholischen Menschen machen." Den ganzen Menschen wollen wir erfassen. Darum Leib und Seele, Natur und Uebernatur, Diesseits und Jenseits. Wer gemäß unserer Weltanschauung stellen wir, der höheren Sendung uns bewußt, den G e i st dem Körper voran. Als Hülle der Seele, als Träger des Geistes ist er zugleich dessen Diener. Die Herrschaft gebührt der Seele. In dem Maße, als der Himmel höher steht als die Erde, in dem Maße steht die Seele mit ihrem Ewigkeitsziele höher als der Leib. Darum ist es ganz logisch, zu sagen: Seelsorge geht über Leibessorge, sittliche .Pflichten gehen über hygienische Pflichten, Gottes Gesetze gehen über Sportgesetze.
In diesem Rahmen, in dieser Zielstellung arbeitet die DJK. Und sie hat einen hohen Beruf, sie leistet wertvolle Arbeit.
L Der Leib, Gottes Werk, ist wert, gepflegt zu werden. Dieselbe Pflicht, die mich zwingt, in der Krankheit den Arzt zu rufen und alle Mittel anzuwenden, die Gesundheit wieder herzustellen, dieselbe Pflicht zwingt mich ebenso, in gesunden Tagen den Körper auszubilden und gegen Krankheit und Ansteckungskeime vor der Zeit widerstandsfähig zu machen.
2. Der durch Ausschweifung und Laster nicht verderbte und entnervte Mensch findet in sportlicher und turnerischer Betätigung Erholung und Freude. Wer zählt die Momente, ja die Stunden stiller Freude, die des edlen Sportlers Brust durchzittert,.
heileres.
Schwabenstreiche. Der verstorbene kaiserliche Staats- sekretär v. Kiberlen-Wächter, ein humorvoller Schwabe, hat in seinen jüngst veröffentlichten Aufzeichnungen auch einige „Schwabenstreiche" vermerkt, die eine Wiedergabe verdienen: „
Ein Oberst fragt feinen Hauptmann: „Smb Sie mtt Ihrem diesjährigen Ersatz zufrieden?" — „Kann's tret loben; ’s sind viel Plattfußete dabei, drei Kropfete, zchn Vorbestrafte, und an Prelß' hob la!"
Nun noch eine gute Geschichte, die neulich der Pralat Weitbrecht hier in einem Straßenbahnwagen rnltanhörte. Eine junge Dame sitzt da, auf ihrer einen Seite em Leutnant, auf der anderen Seite ein leerer Platz. -Vls-a- vis eine Dame de la Halle. Noch fo ein Marktweib, sehr dick, kommt herein und pflanzt sich sehr ungeniert auf den leeren Platz neben die junge Same. Diese ruckt etwas gegen den Leutnant zu und wirst der neuen Nachbarin einen indignierten Blick zu. Da sagt die ihr gegenübersitzende Frau: „Io, Fräule, für zehn Pfennig könne Sie net auf jebere Seit en Seitnant verlange.
Da fällt mir wteber eine Geschichte ein. Als bie „Hoheilzollerner Lande" durch Verzicht. des Fürsten 1849 preußisch wurden, fuhr der Kommissar, der das Land in Besitz nehmen sollte (bei uns beifets „Sänbin, per Post nach Hechingen. Unterwegs will er die „Volks- stimmung" erforschen, fragt also den Postillon, der aus dem eben preußisch gewordenen Hechingen ist: -,Nun, Schwager, seid Ihr zufrieden, jetzt Preuße zu fern? __ D j)err", antwortet der biedere Schwabe, „mir wär's ein, ob ich zollerisch bin oder preußisch; ater bene sakrische Haigerlocher (Haigerloch ist nahe ber Hechln- gen und liegt in Württemberg) bene sakrische Haiger- locher, bene hätte mer’s au gönnt, daß se preußisch hätte werde müffel*
Aus alle Fälle. Sie: „Es ist doch schade, baß Sie nicht geheiratet haben." — Er: Aber ich bin ja oer- heiratet." — Sie: „Ach, wie schade.
Zu viel verlangt. Hausfrau zum neuen Mädchen: „Anna, wenn Sie etwas zerschlagen, bann kommen« Sie jedesmal gleich zu mir und sagen es mir offen. — Anna: „Das können Sie nicht verlangen, Gna Frau, ich kann doch nicht in einem fort hin- unb hertaufen.
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Passend. In einem Möbelgeschäft bestellt sich eine I Dame eine neue Einrichtung. — „Unb aus welchem Holz wünschen Sie den Damensalo n? — „Ja, was patzt da wohl am besten?" — „Pappelholz, fallt ihr
I Mann ein. ________________
I Turn- und Sportverband die religiösen und grund- I satzsesten Sportfreunde zu sammeln und unter I energischer Ablehnung schwächlicher Kompromiße — vor allem in sittlichen Fragen (Sportskleidung u. s. w.) — das w i r k l i ch G u t e der Sports- beroegung für unsere Jugend nutzbar zu machen. Das ist die einzig wirksame Form des Kampfes gegen die Sportunsitten. Freilich bedarf es dann
I einer gründlichen Umstellun g der kathol. Führer auf der ganzen Linte, vor allem auch des Klerus. Es ist vergebliche Liebesmüh, den Sporttrieb in unseren Jungen zu ersticken und der großen Welle der Sportbegeisterung einen Damm entgegenzusetzen. Das ist auch gar: nicht
I nötig. Lenken wir sie nur ms rechte Fahrwasser und dieses ist für uns die DJK. Je mehr man als Präses im Leben der heutigen Jugend steht mrd das Wogen und Tosen der gottfeindlichen Wellen um sie sieht und hört, um so stärker wird die Uever- zeugung, daß die DJK. für -in Großteil unserer katholischen Jugend die einzige Rettung rst- Man lasse sich nur einmal von irgend einem städtischen Jugendamts statistische Angaben machen über die I Jugendlichen einer Stadt, die den großen bürgerlichen und sozialistischen Sportoerbanden sowie wilden Klubs angehören und vergleiche damit v;e Zahlen der DJK. Das Staunen wird groß sem.
I Freilich bedürfen wir in der DJK. eines Stabes von geistig und sittlich hochwertigen Führern, di- I nicht nur Sportfachleute sind. Darum gehört bei Präses in die DJK., nicht bloß als Statist, sondern als die „k a t h o l i s ch e S e e l -der DJK. Darum darf keine Iugendkraftsitzung sich bloß "nt techm
I scheu oder organisatorischen Dingen, mit Bor- und Nacharbeiten befassen, sondern m )ede Sitzung hm- ein gehört ein Hinweis auf die geistig-sittliche Aus- Nutzung des Sportes in Form eines Aufrufes oder einer Vorlesung oder der Behandlung einer psycho- phvsischen Einzelfrage. _ .
'Das ist unser Wollen, das ist unser Sem! Rur dann leisten wir etwas, wenn wir etwa» * sind.